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Mini-Live-Blog zum Mond-Crash der GRAIL-Orbiter

17. Dezember 2012

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Die GRAILs sind Geschichte: Planmäßig gegen „Sally Ride“

geknallt sind die beiden Mondorbiter – denn die Wand Gegend in der Nähe des Nordpols wurde seitens der NASA nach der verstorbenen Astronautin, die auch ein GRAIL-Teammitglied war, benannt, was unmittelbar nach den Impakten bekannt gegeben wurde (ob die Taufe auch mit der IAU abgesprochen ist, wurde nicht erwähnt). Die Echtzeitgrafik zeigte, wie die beiden von links kommend jeweils einen Berg überwanden, und dann gegen die Wand flogen. [23:32 MEZ] Und schon ist die NASA-Übertragung [NACHTRAG: Aufzeichnung] zuende. [23:34 MEZ] Hier noch mal Screenshots der Echtzeit-Grafik in den letzten Minuten; zum Schluss wurde jeweils die Horizontale stark gestreckt. Den eigentlichen Loss of Signal gab es allerdings nicht zu sehen, er wurde jeweils nur verkündet. [23:36 MEZ] Die offizielle Formulierung ist, dass „the final resting place“ nach Ride getauft worden sei – nicht gerade klar formuliert … [23:52 MEZ] Und der erste Artikel nach dem Crash. [23:59 MEZ – ENDE. NACHTRAG: ein NASA Release, der aber auch nicht erklärt, wie zwei Meter-große Krater in Kilometern Abstand voneinander mit einem Namen bedacht werden können … NACHTRAG 2: Ah, ein Eingeständnis, dass „Sally K. Ride Impact Site“ in keiner Weise eine offizielle Bezeichnung ist]

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Eines der letzten Bilder der MoonKam auf GRAIL, die hundertausende von Bildern geliefert hatte: entstanden am 19. November; das allerletzte Bild 80 Minuten später ist nicht so attraktiv. In der letzten, extrem niedrigen Flugphase, waren die Kameras demnach nicht mehr im Einsatz. [21:40 MEZ] Die Bilder aus dem LRO Press Release noch mal, benutzerfreundlicher dargestellt: passend zu diesen Tagen auch die Einschlagsstelle, markiert auf einem Mondbild von Chang’e 2. [21:55 MEZ] Die beiden Orbiter haben ihre finalen Triebwerkszündungen begonnen; in 10 Minuten beginnt hier ein 35-minütiger Live-Kommentar. [22:50 MEZ] Der Burn ist komplett – und die Übertragung hat begonnen, während hier live diskutiert wird. [23:00 MEZ] Aller Sprit wurde verfeuert („Burn to Depletion“), auch ein Teil der allerletzten Experimente mit den Sonden: Man wollte wissen, wieviel noch übrig war und ob man das korrekt abgeschätzt hatte. [23:05 MEZ] Und es war etwas mehr in den Tanks als erwartet: Die Triebwerke brannten 4 bzw. 5 Minuten. Noch 5 Minuten bis zu den Crashs. [23:23 MEZ] Alle Augen jetzt auf dem Doppler-Signal: Der Funk geht von Goldstone zu den GRAILs und kommt zurück. [23:25 MEZ]

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In drei Stunden hat der Mond zwei Mini-Krater mehr

wenn die beiden GRAIL-Orbiter gezielt zum Absturz gebracht (20:00 MEZ am 13. und 22:40 MEZ am 14.12.) werden. Kurioserweise waren die GRAILs zuletzt noch an – noch nie möglich gewesenen – gegenseitigen Beobachtungen von Mondorbitern beteiligt: Während die kleine Kamera auf „Flow“ den Lunar Reconnaissance Orbiter filmte, konnte umgekehrt der LRO beide GRAILs aufnehmen und sogar räumlich auflösen (oben). Weitere Artikel zu GRAILs Ende auch hier (mit einer Aufsuchkarte für den Mond-Impakt-Ort, wo es aber nichts zu sehen geben wird), hier (mit Details zu den letzten Operationen im Orbit), hier (aus der Perspektive des verantwortlichen MIT), hier, hier, hier, hier und hier und zu den bereits berichteten Ergebnissen der GRAIL-Mission hier (waaahnsinnig detailliert), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Apropos Impakte aller Art:

hier noch ein Video mit ~400 Geminiden aus drei Nächten aus den USA mit einer empfindlichen Schwarzweiß-Videokamera (auch schön: weitere Bilder aus Indien und Argentinien [NACHTRAG: und Rumänien])

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und ein ganz frischer Fünffach-Impakt-Krater auf dem Mars, der zwischen 2005 und 2008 entstanden ist – der Impaktor scheint sich aufgespalten zu haben, so dass die Krater alle gleichzeitig entstanden, anders ist das Muster auf diesem HiRISE-Bild kaum zu erklären. [20:30 MEZ]

Die Primärmission von GRAIL: Das kam heraus!

5. Dezember 2012

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Drei Visualisierungen der Schwerefeld-Vermessungen am Mond durch das NASA-Sondenpaar GRAIL während seiner Primärmission vom März bis Mai 2012, wie sie gerade auf einer noch laufenden PK auf der AGU-Tagung in San Francisco präsentiert wurden [NACHTRAG: Aufzeichnung]: oben die Free-Air-Gravity mit 30 Metern Auflösung, darunter die Krustendicke des Mondes (die mit 34 bis 43 km um 10 bis 20 km geringer als bisher gedacht ist) und unten der Gradient der Bouger-Schwerkraft eines Ausschnitts des Mondes. Dabei werden Schwerkraftanomalien unter der Oberfläche erkennbar, meist längliche Zonen höherer Dichte: Dabei handelt es sich um Dykes aus der Frühzeit des Mondes, als sich dieser noch ausdehnte und Magma die Spalten füllte. Insgesamt werden aber 98% der Mondschwerkraft von der Topografie bestimmt und nur 2% von solchen Sondereffekten: Zahllose Impakte haben die äußere Kruste des Mondes weitgehend homogenisiert. Inzwischen ist die mittlere Flughöhe der beiden GRAIL-Orbiter von 55 auf 23 km abgesenkt worden, womit die räumliche Auflösung um einen Faktor 4 steigt – und weil die 23 km nur der Mittelwert sind, kommen die Orbiter mitunter bis zu 2 km an die tatsächliche Mondoberfläche heran! Das beste kommt erst noch …

Der Mond mit den Augen von MoonKAM auf GRAIL

30. März 2012

Fünf von zahllosen Bildern, die die – von Schülern gesteuerten – MoonKAMs (was für „Moon Knowledge Acquired by Middle school students“ steht) auf den beiden GRAIL-Satelliten als Nebenprodukt von deren eigentlicher Mission bereits geliefert haben: alle Daten bisher.

Nachrichten vom und zum Mond kompakt

2. Februar 2012

First Light für die MoonKAMS auf den neuen Mondorbitern des GRAIL-Projekts der NASA, die am 31.12. und 1.1. problemlos in ihren vorläufigen Mondumlaufbahnen ankamen und inzwischen Ebb und Flow heißen: Hier hat die MoonKAM auf Ebb erste Impressionen der Mondrückseite eingefangen. Und zwar gleich ein ganzes Video [NACHTRAG: eine andere Version, vom Hersteller der Kamera]:

Noch sind Ebb und Flow damit beschäftigt, ihre endgültigen Orbits einzunehmen, damit – voraussichtlich um den 8. März – mit der präzisen Vermessung des Mondschwerefelds begonnen werden kann (siehe ISAN 144-4). Und kurz vor dem Erreichen des Mondes wurde überraschend auch bekannt, dass über den Juni hinaus eine Missionsverlängerung bis Jahresende angestrebt werden soll – falls es mit trickreichen Manövern gelingt, eine partielle MoFi zu überstehen!

Die beste topografische Karte des Mondes „Global Lunar DTM 100“ ist von den Kameraleuten des Lunar Reconnaissance Orbiter in Deutschland und in Arizona aus 70’000 Aufnahmen der Weitwinkelkamera WAC durch Stereoanalyse erstellt worden: Alle 100 Meter gibt es eine Höhenangabe.

Der Dynamo im Mondinneren war verblüffend lange in Aktion

und hat noch vor 3.7 Mrd. Jahren dafür gesorgt, dass das Mare-Basaltstück 10020 einem starken Magnetfeld ausgesetzt war, hat jetzt eine Untersuchung desselben gezeigt – und da andere Gesteinsproben auf einen Dynamo bereits vor 4.2 Mrd. Jahren hinweisen, muss er mindestens 500 Mio. Jahre lang „gelaufen“ sein. Die Abkühlung des Mondinneren als Motor kann das keineswegs bewirkt haben, da sie viel schneller abgelaufen sein muss – aber auch andere Mechanismen für einen langlebigeren Monddynamo, die letztes Jahr vorgeschagen wurden (kontinuierliches Umrühren durch Wechselwirkung mit der Erde oder durch gelegentliche Impakte) reichen vermutlich nicht. Da hat also ein am 20. Juli 1969 während der ersten bemannten Mondlandung aufgelesener Stein nach 43 Jahren die Mondforschung in Aufruhr versetzt – wer braucht da noch eine republikanische Mondbasis … (Shea & al., Science 335 [27.1.2012] 453-6, Dwyer & al. und Le Bars & al., Nature 479 [10.11.2011] 212-8, Jault, ibid. 183-4; Universe Today 30., Welt der Physik 27., Space.com 26.1.2012; UCSC Release, New Scientist, BdW 9., Sky & Tel. 10.11.2011. Und SwRI Release 13.1.2012 zu LRO-Daten von LAMP, die für besonders haltbares Wassereis in kalten Kratern sprechen)

Bemühungen zum Schutz historischer Stätten & Relikte auf dem Mond nehmen Fahrt auf, je näher die ersten unbemannten Mondlandungen – auch privater Gruppen – rücken: Rechtlich bindend sind die No-Go-Zonen rund um Apollo 11 und Co. allerdings nicht, da nach internationalem Recht die USA kein noch so kleines Gebiet auf dem Mond für sich beanspruchen können. Auch wenn die Hardware – bis hin zu zurück gelassenen Mülltüten – Eigentum der USA bleibt. (New York Times 9.1.2012. Auch New Scientist 13.12.2011, New York Times 21., Spiegel 22.1.2012 [NACHTRAG: und BBC 20.2.2012] zur Suche nach verbummeltem Mond-Gestein und anderen außerirdischen Proben)

Chandrayaan-2 hat ein Massenproblem bei der Nutzlast

Die stammt zwar diesmal – im Gegensatz zu Chandrayaan-1 – nur aus Indien und hat keine ausländischen Zugaben mehr, aber die Planer tun sich nun schwer, die 5 Instrumente auf dem Orbiter und 2 auf dem Rover leicht genug hin zu bekommen. Auch ist der Starttermin unklar: Eigentlich sollte es 2013 los gehen, aber die Probleme mit der großen Rakete GSLV werden wohl zu einer Verschiebung um etwa ein Jahr führen. (DNA India 27.12.2011. Auch Prakasam & al., Current Science 102 [10.1.2012] 105-9 zu Messungen seismischer Effekte beim Start von Chandrayaan 1. Und Spaceflight Now 9.1.2012 zu den chinesischen Absichten, Chang’e 3 weiterhin 2013 zu starten) NACHTRAG: Weitere Verzögerungen von Chandrayaan 2 scheint die Krise der russischen Planetenforschung zu bewirken: Start nicht vor 2016?

NASA pleite, ESA verzweifelt: Jetzt soll Russland die 2016-er Hälfte von ExoMars retten

15. Oktober 2011

Der erhoffte Brief von der NASA („ExoMars-Missionen …“) ist im September nicht gekommen, und auch ein Gipfeltreffen der Chefs von ESA und NASA am 3. Oktober brachte nicht den Durchbruch: Die NASA kann (bzw. das weisunggebende Office of Management and Budget des Weißen Hauses will) keine Atlas 5 mehr für den Start des 2016-er ESA-Marsorbiters beisteuern, wie es die gemeinsamen Marspläne von 2009 („Grünes Licht …“) eigentlich vorsahen. Damit gab es für die ESA nur drei Möglichkeiten: irgendwo 150 Mio. Euro für eine Ariane 5 zusammen zu kratzen (ziemlich aussichtslos), auf den Satelliten komplett zu verzichten (extrem unerfreulich und voller übler Konsequenzen) – oder aber einen dritten Partner ins Boot zu holen. Und genau das hat ESA-Chef Dordain jetzt getan: An die russische Weltraumbehörde Roskosmos ist eine offizielle Einladung geschickt worden, dem ESA-Orbiter doch bitte einen Proton-Start zu spendieren, im Austausch für den Mitflug eigener Experimente und/oder Technologie. Und zwar eher auf dem Rover denn auf dem Orbiter, dessen Design schon praktisch fest steht und der dringend gebaut werden muss, um das Startfenster 2016 zu schaffen.

Bis kommenden Februar soll Klarheit herrschen, ob Russland tatsächlich als dritter vollwertiger Partner bei ExoMars einsteigt: Noch sind auch die USA ein solcher, mit einer Art von Garantie (so hat es Dordain jedenfalls verstanden), dass sie wesentliche Komponenten des 2018-er Rovers samt Start und Landetechnik beisteuern („Keine ESA-Landeübung …“). Sollte der Deal mit Russland scheitern, bliebe der ESA nur die Streichung des 2016-er Trace Gas Orbiters, was zahlreiche unbequeme Folgen hätte. Zum einen wäre die ganze wissenschaftliche Nutzlast – zur Erforschung von Spurengasen, insbesondere des mysteriösen Methans – in der Marsatmosphäre heimatlos, zum anderen müsste die Funkrelais-Technik für den 2018-er Rover in dessen eigene Cruise Stage umziehen, die dann im Orbit bleiben müsste. Und das komplizierte Geflecht von europäischen Industrieaufträgen und den finanziellen Beiträgen einzelner ESA-Mitglieder zu dem – freiwilligen! – ExoMars-Projekt geriete in eine solche Schieflage, dass neu verhandelt werden müsste und einzelne Länder samt ihrer Euros auch wieder aussteigen könnten. Es bleibt spannend …

Nature News, BBC, Planetary Society Blog 14., Space News 13., KosmoLogs 5., AW&ST 4.10., Space News 30.9.2011. Auch umfangreiche Seiten der ESA und Updates von Russian Space Web sowie Planetary Society Blog 14. und Universe Today 15. und 13.10.2011 zum nun für den 7. November geplanten Start der russischen Mars-Mond-Sample-Return-Mission Fobos-Grunt. Der entgegen anhaltenden Gerüchten nun tatsächlich – zusammen mit dem chinesischen Mondorbiter Yinghou-1 – im 2011-er Startfenster stattfinden und damit das russische Marsprogramm 15 Jahre nach dem letzten (Fehl-)Start wieder aufnehmen soll

Die Karbonate in ALH84001 wuchsen auf einem feuchten Mars bei 18°C, hat eine komplizierte Isotopenanalyse des Innenlebens des berühmt-berüchtigten ältesten Marsmeteoriten jetzt ergeben: Zumindest an einem Ort und für kurze Zeit muss der Mars – vor rund 4 Milliarden Jahren – ein geradezu gesundes Klima gehabt haben. Wie weit man diese Erkenntnis allerdings auf den gesamten Planeten und einen längeren Zeitraum ausdehnen kann, ist alles andere als klar. (Caltech Press Release 12., Space.com 3.10.2011. Und ESA Release 29.9.2011 zu überraschend viel Wasserdampf in der Marsatmosphäre, den SPICAM auf dem Mars Express entdeckt hat)

Kritisches Bahnmanöver von Akatsuki im November

Nachdem sich das Haupttriebwerk der unglücklichen japanischen Venussonde bei Tests im September als zu stark beschädigt erwiesen und nur 1/9 des erhofften Schubs geliefert hat, ruht jetzt alle Hoffnung auf den kleinen Düsen des Systems für die Lageregelung: Mit denen wird Anfang November ein erstes Bahnmanöver versucht, das zu einer erneuten Annäherung an die Venus im Jahre 2015 führen soll. Wie schon bei Hayabusa geben die Japaner so schnell nicht auf … (Planet C Update 30.9.2011. Auch EPSC Release 6.10.2011 zur Entdeckung einer dünnen Ozonschicht und NASA Release 27.9.2011 zur Dynamik der Meso- und Thermosphäre der Venus, beides vom Venus Express)

Die GRAIL-Satelliten gehen jetzt getrennte Wege

Bahnmanöver von GRAIL A und B am 30. September und 5. Oktober haben dazu geführt, dass die beiden Sonden nun leicht unterschiedliche Bahnen eingenommen haben und mit einem Tag Abstand den Mond erreichen werden. Die lange Reise hat den Vorteil, dass das einzige Instrument auf beiden künftigen Orbitern, der Ultra Stable Oscillator, in aller Ruhe eine stabile Arbeitstemperatur einnehmen kann, und auch das Testen der Satelliten selbst kann in aller Ruhe durchgeführt werden. (NASA Release 6.10.2011)

Die Titan-Vorkommen auf der Mondoberfläche kartiert hat der Lunar Reconnaissance Orbiter mit seiner Weitwinkel-Kamera: Das Verhältnis von Reflektivität im UV und Sichtbaren verrät nämlich den Titangehalt des Bodens, der in irdischem Gestein 1% selten übersteigt. Auf dem Mond hingegen schwankt er in den Maria zwischen einem und knapp über 10%, während er in den Hochländern unter 1% liegt. (EPSC Release 7.10.2011)

Sondenpaar auf langer Reise zur Mondvermessung

13. September 2011

Mit zwei Tagen Verspätung ist das ‚Gravity Recovery and Interior Laboratory‘ (GRAIL) der NASA am 10. September um 15:08 MESZ mit der 110. und letzten Delta II, die vom Cape aus startete, in Richtung Mond aufgebrochen: Die Mission besteht aus zwei nahezu identischen Sonden, die nun getrennt auf langwierigen aber treibstoffsparenden Wegen in einen gemeinsamen niedrigen Mondorbit gelangen sollen. Zuerst geht es zum Lagrangepunkt 2 des Erde-Sonne-Systems, dann zum Mond, den beide in 55 km Höhe und 60 bis 225 km Abstand – der mit enormer Präzision vermessen wird – voneinander umkreisen werden: Je nach der Massenverteilung im Mondinneren kommen sie sich dabei zuweilen näher. Dasselbe Prinzip benutzt bereits seit 2002 die GRACE-Mission im Erdorbit (siehe Artikel 447, 713 und C54), und die Schwerekarte des Mondes soll sogar noch genauer als die irdische werden: Weil es keinen Luftwiderstand gibt, können die Satelliten wesentlich dichter über der Oberfläche fliegen.

Dafür müssen subtile Effekte wie der Strahlungsdruck der Sonne auf die Satelliten berücksichtigt werden, und die lange Reise zum Mond hilft dabei, dass sie gut ausgegast mit der Arbeit beginnen: Austretendes Restgas könnte sonst mit kleinen Düseneffekten die Bahnen stören. Die Verwendung der GRACE-Erfahrungen und die energiesparende Reise, die wiederum den Start mit der kleinen Delta ermöglichte, haben die Gesamtkosten der Mission mit 496 Mio.$ recht gering ausfallen lassen, und es ist auch – neben ein paar Mondkameras auf beiden Satelliten, die US-Schüler steuern werden und die keinen missionsrelevanten Zweck erfüllen – nur eine einzige wissenschaftliche Nutzlast an Bord: das Radiosystem, das den Abstand zwischen den beiden Satelliten mit Mikrometern Genauigkeit bestimmt, im Zusammenspiel mit ihrer Bahnvermessung von der Erde aus.

Am Mond eintreffen werden die beiden Satelliten am 31.12.2011 und 1.1.2012, und die 82-tägige Mondvermessungen beginnt nach der Einrichtung der Orbits am 8. März und endet am 29. Mai. Bis zu einer Mondfinsternis am 4. Juni muss alles erledigt sein: Die wird wahrscheinlich zum Aus der Batterien führen. Und noch im selben Monat dürften die Satelliten auf den Mond aufschlagen – was zugleich den Anfang vom Ende der aktuellen Mondforschung der NASA markiert, denn konkret finanziert ist nur noch der Start des Staubforschers LADEE und eine Verlängerung für den Lunar Reconnaissance Orbiter. Da auf absehbare Zeit keine bemannten Mondmissionen geplant sind, müssen unbemannte Projekte künftiger wieder gegen das gesamte Sonnensystem antreten … Nature News 30.8., Spaceflight Now 5., Science@NASA 7., JPL Release, Spaceflight Now 10.9.2011 – weitere Bilderserien auch hier, hier und hier und Startvideos hier.

Chinas Chang’e-2 ist im Lagrangepunkt 2 angekommen, nachdem die Sonde den Mondorbit verlassen („Chinas zweiter …“) hatte. Von „exploration activities“ in dieser Region 1.5 Mio. km von der Erde entfernt – die bisher nur NASA- und ESA-Missionen erreichten – ist nun die Rede und dass China Ende 2012 „measure and control stations“ in den erdfernen Raum schicken will, mit denen Chang’e-2 dann zusammen arbeiten soll. Ansonsten wird noch einmal versichert, dass die erste Mondlandung samt Rover für 2012 geplant bleibt und die erste Proben-Rückholmission für „um 2017“, während es für bemannte Flüge keinen Zeitplan gäbe. (Xinhua 30.8.2011)

Die schärfsten Bilder der Landestellen dreier Apollo-Missionen hat der Lunar Reconaissance Orbiter im August gemacht, als sein Orbit 28 Tage lang bis auf 21 (statt der sonst üblichen 50) km an die Oberfläche heran geführt wurde: Bei rund 25 cm pro Pixel sind darauf beispielsweise die Spuren der Mondfahrzeuge – hier von Apollo 17 – deutlich von Fußspuren und anderen Tätigkeiten zu unterscheiden. (ASU, NASA Releases, Spaceflight Now, Universe Today 6., WissensLogs 7.9.2011)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

26. August 2011

Großer Sonnensegler 2015 unter drei NASA-Projekten

Rund 175 Mio.$ wird die NASA – nach einem unklaren Schlüssel – unter drei Technologieprojekten aufteilen, die im Zeitraum 2015-16 als Huckepack-Passagiere bei anderen Missionen abheben sollen: einer Laser Communications Relay Demonstration, einer Deep Space Atomic Clock und einem Sonnensegel-Demonstrator mit 7-mal größerer Segelfläche als bei allen anderen Seglern, die bisher im Weltraum waren (womit wohl Japans IKAROS und das NanoSail D gemeint sind). Letzteres Projekt wird dabei der Firma L’Garde übertragen, in Zusammenarbeit mit dem US-Wetterdienst NOAA, der auch für das Weltraumwetter zuständig ist. (NASA Release, Nature Blog 22.8.2011. [NACHTRAG: In diesem langen Review des Sonnensegelns fehlt L’Garde – Pech gehabt …] Und Russian Space Web zur weiter schwierigen Inbetriebnahme des Radioastronomie-Satelliten Spektr-R, dem es zu kalt ist)

Alles grün für den Start der GRAIL-Mondorbiter am 8.9.

Das Paar – das im Stil der GRACE-Erdorbiter – das Schwerefeld und damit Innenleben des Mondes mit unerreichter Präzision vermessen soll – sitzt bereits auf der Delta II in Cape Canaveral: Vom 8. September bis 19. Oktober gibt es jeden Tag zwei instantane Startmöglichkeiten, am 8.9. um 14:37 und 15:16 MESZ. Die Reise zum Mond dauert dann 3 1/2 Monate, und erst nach allerlei Manövern ist die Kreisbahn der beiden – in im Mittel 200 km Abstand voneinander – in 50 km Höhe erreicht. (JPL Releases 25., 18.8.2011; Planetary Society Blog 25., Discovery 22., Planetary Society Blog18.8.2011)

Juno auf bestem Kurs zum Jupiter: Der Start am 5.8. war so perfekt verlaufen, dass ein ‚clean-up maneuver‘ Ende des Monats gestrichen werden konnte! Alle zu bewegenden Teile – der Deckel vor den Triebwerken, die Solarzellen und die Antennen eines Instruments – sind in Position, und die Flugkontrolle lernt derzeit ihr Vehikel besser kennen, bei zur Zeit noch täglichen Funkkontakten. (Spaceflight Now 15.8.2011)

Progress-Crash größeres Problem für Soyuz als ISS

Der erste Fehlstart in der gesamten Geschichte der ISS und der erste von insgesamt 44 eines Progress-Transporters zu irgendeiner Raumstation seit 1978, bei dem vorgestern 2.6 Tonnen Versorgungsgüter für die ISS verloren gingen, stellt weniger ein akutes Problem für deren Besatzung dar: Die ist nach den letzten Shuttle-Besuchen gut versorgt, und das letzte ATV hat auch die Bahn der Station ordentlich angehoben. Aber die Soyuz-Rakete, das Arbeitspferd der russischen Raumfahrt, hat nun Startverbot: Das hat sowohl Folgen für den nächsten Besatzungswechsel der ISS, der noch mehrere Jahre lang ausschließlich per Soyuz-Kapsel möglich sein wird (die bemannte Soyuz FG benutzt dieselbe 3. Stufe wie die verunglückte Soyuz U), als auch für den Aufbau des Galileo-NavSat-Systems, das eigentlich diesen Herbst mit der Soyuz-Premiere in Französisch-Guyana beginnen sollte. Heute heißt es, dann man erst zwei unbemannte Soyuzze geflogen haben will, bevor sie wieder bemannt zum Einsatz kommen darf. Die Häufung von Raketenproblemen in Russland gibt generell zu denken: Immer traf es eigentlich bewährte Systeme, so dass der Verdacht auf mangelnde Qualitätskontrolle fällt. Diesmal hatte sich die dritte Stufe der Soyuz 325 Sekunden nach dem Start und weniger als einem Viertel ihrer normalen Brenndauer nach einer Anomalie abgeschaltet, die sich schon 20 Sekunden vorher angekündigt hatte: Stufe und Progress stürzten in Sibirien ab, was möglicherweise auch ein Umweltproblem darstellt. (Russian Space Web 24.8.2011 ff; Space Today, KosmoLogs 26., Moscow News, Nature News, DLF 25., Spaceflight Now, New York Times, Space Today 24.8.2011) NACHTRAG: am 31. endlich ein Statement der ESA zur Lage.

Kein Kontakt zu dem Opfer des vorangegangenen russischen Fehlstarts konnte bisher aufgenommen werden, dem Nachrichtensatelliten Express-AM4, den eine Briz-M-Oberstufe falsch ausgesetzt hatte („Doppelfehlstart …“): Dem Kommunikationssystem des Satelliten ist die Panne – er landete auf einer 995 x 20’294 statt 5210 x 35’786 km großen Bahn und mit 51.2 statt 20.5° Neigung – wohl auch nicht bekommen. Die Proton hat jedenfalls nun – auch! – Startverbot … (Space News, Spaceflight Now, AFP, Space Today 23.8.2011. Und Spaceflight Now 21.8.2011 zu einer möglichen Renaissance der Delta 2)