Posts Tagged ‘Gravitationslinse’

Ein Entfernungsrekord für eine Gravitationslinse

17. Oktober 2013

G-Linse

scheint zugleich ein Schlaglicht auf die Sternentstehungs-Geschichte des Universums zu werfen – denn die mit dem LBT in Arizona und Hubble aufgespürte Konstellation, eine Galaxie mit einer Rotverschiebung von ca. z=1.5 exakt vor einer anderen mit z=3.4, sollte eigentlich extrem unwahrscheilich sein. Bei J1000+0221 handelt es sich um die erste klassische („starke“) Gravitationslinse mit z>1 überhaupt: Das Schwerefeld der ‚Vordergrund‘-Galaxie (etwa 80 Mrd. Sonnenmassen) bildet das wesentlich masseärmere Hintergrundobjekt mit sehr grob 250 Mio. Sonnenmassen als nahezu perfekten ‚Einsteinring‘ ab und verstärkt gleichzeitig sein Licht um einen Faktor von etwa 40. Dadurch wird auch eine starke Emissionslinie von [O III] nachweisbar: Sie zeigt, dass es damals – Weltalter ca. 1.9 Mrd. Jahre – in dem Galaxienzwerg einen starken Schub der Sternentstehung gegeben haben muss. Dieselbe Hubble-Suche („CANDLES“) hatte bereits früher eine recht ähnliche Galaxie mit z=1.8 aufgespürt (Weltalter 3.6 Mrd. Jahre), ebenfalls stark gelinst – aber nach der bisherigen Vorstellung über die Häufigkeit solcher Galaxien hätte das ganze CANDLES-Programm auf nicht mal einen solchen Fall statt nunmehr schon zwei stoßen dürfen. Das könnte bedeuten, dass es bei der Entstehung jeder Galaxie zu einer spitzen Phase der Sternentstehung mit entsprechender Emission kommt: das Paper als Preprint, Pressemitteilungen von MPG und MPIA und Press Releases von LBT und HST. [NACHTRAG: noch ein Artikel]

supernovae

Der erste Vorgänger einer Typ-Ib-Supernova scheint mit Hilfe der intermediate Palomar Transient Factory (iPTF) dingfest gemacht worden zu sein: Rund jede dritte Explosion eines massereichen Sterns ist von diesem Typ, aber bislang ist unklar, was diese Vorgängersysteme auszeichnet. Für die SN iPTF13bvn von diesem Juni konnte auf älteren Hubble-Aufnahmen nun ein Kandidat in NGC 5806 ausgemacht werden – vielleicht ein Wolf-Rayet-Stern, ganz klar ist das noch nicht: das Paper als Preprint und Press Releases von Carnegie [NACHTRAG: und LCOGT] und Caltech (sowie eine andere darin erwähnte Arbeit zum Afterglow des GRB 130702A).

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Außergewöhnlicher ionisierter Nebel um einen Überriesen

So etwas wurde noch nie gesichtet: Der Rote Überriese W26 (Typ M2-5Ia) im massereichen Sternhaufen Westerlund 1 (unten eine neue Aufnahme mit dem VLT Survey Telescope, in der H-Alpha grün erscheint) wird von einem Ring und einem dreieckigen Nebel umgeben (oben ein Ausschnitt des VST-Bildes), mit einer filamentären Struktur (in der Mitte HST-Bilder in zwei Nah-IR-Kanälen). Was diesen Nebel überhaupt zum Leuchten anregt, ist herzlich unklar, da Rote Überriesen gar keine dafür nötigen UV-Photonen ausstrahlen – auch dass W26 mit rund 350’000 Sonnenleuchtkräften einer der hellsten (und mit 1500 Sonnendurchmessern einer der größten) Sterne der ganzen Milchstraße ist, hilft da nichts. Das Gas hat der nahe dem Ende seines kurzen Lebens schon instabile gewordene Stern wohl selbst abgesondert, aber angeregt wird es vielleicht von einem unbekannten Begleiter, einem Nachbarn oder sogar auch mechanischem Wege: die Originalarbeit als Preprint und ein R.A.S. Press Release.

jug

Und noch ein Nebel um einen Riesenstern, diesmal IC 2220 alias „Toby Jug Nebula“: Diesmal ist es allerdings ein Reflexions- und kein Emissionsnebel, den der Stern HD 65750 darin beleuchtet – und die Staubteilchen hat er auch selbst produziert. Eine kurze Phase im Leben massereicher Sterne, weshalb es nicht viele solche Fälle gibt.

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ALMA: Eine Spirale aus Kohlenmonoxid rotiert in NGC 1433

Erst das neue Radiointerferometer in Chile hat es mit 1/2 Bogensekunde Auflösung möglich gemacht, die CO-Verteilung und -Dynamik in der Seyfert-2-Galaxie NGC 1433 im Detail zu kartieren: Das Gas folgt der Verteilung von Staub auf Bildern des HST, die Spirale mündet in einer Art Ring um das aktive Zentrum der Galaxis. Zusätzlich sieht man in den Radiodaten aber auch rot- und blauverschobene Komponenten des Kohlenmonoxids: Hinweise auf einem Ausfluss, den Sternentstehung aber auch der Aktive Kern verursachen könnten. Ebenfalls mit ALMA – und unterstützt durch eine wohlplatzierte Gravitationslinse – konnte auch der Jet des viel weiter entfernten Blazars PKS1830-211 (z=2.5) untersucht werden: Die ungewöhnliche Geometrie dieses Linsensystems verspricht Erkenntnisse über den ‚Start‘-Prozess solcher Jets. Und sogar über Kosmologisches wie die Konstanz der Naturkonstanten: Preprints zu NGC 1433 und PKS1830-211 und ein

Die hellste Gravitations-gelinste Galaxie

2. Februar 2012

erscheint auf dieser HST-WFC3-Aufnahme als fast 90° weiter blauer Bogen im Galaxienhaufen RCS2 032727-132623 und noch einige Lichtflecken mehr: Ihre Helligkeit wird durch dessen Linsenwirkung um einen Faktor 3 gesteigert, ihr Bild freilich derart verzerrt, dass immer noch an der Rekonstruktion ihrer tatsächlichen Gestalt gearbeitet wird.

Das „Einstein-Kreuz“ UZC J224030.2+032131 auf einem alten HST-Bild noch von der WF/PC2: eine der bekanntesten Gravitationslinsen, wo eine Galaxie – schwach im Zentrum – einen Quasar dahinter in vier gleichmäßig verteilte Bilder aufspaltet.

Die Galaxie NGC 2217 mit dem alten 3.6-m-Teleskop der ESO aufgenommen: eine typischen Balkenspirale, deren schwachen äußeren Armen hier mal etwas nachgeholfen wurde.

Das Sternentstehungsgebiet NGC 3324 mit dem Wide Field Imager des MPG/ESO-2.2-m-Teleskops auf La Silla: Es befindet sich am Nordrand des Carina-Nebels, wo intensive UV-Strahlung einer junger heißer Sterne eine Cavity geschaffen hat und zugleich ihren Rand leuchten lässt.

Der junge Supernovarest G350.1+0.3 in einer kombinierten Röntgen/IR-Aufnahme von Chandra und Spitzer: Die Wolke der Sternexplosion vor 600 bis 1200 Jahren expandiert offenbar in eine interstellare Wolke hinein.

Gravitationslinsen verzerren unser Bild vom frühen Kosmos – und zwar gewaltig!

12. Januar 2011

Rund 20% aller Galaxienkandidaten mit Rotverschiebungen von 8 bis 10 im Hubble Ultra Deep Field stehen in der Nähe von Vordergrundgalaxien – die ihr Licht durch den starken Gravitationslinseneffekt heller erscheinen lassen: Das erleichtert zwar ihre Entdeckung, sorgt aber gleichzeitig für eine erhebliche Verzerrung der Zahlen. Und die Helligkeitsverteilung der jungen Galaxien zu kennen, ist wesentlich für das Verständnis ihrer Entstehung, wurde gerade auch auf einer PK auf der 217. AAS-Tagung betont. NACHTRAG: das Paper als Preprint!

Das JWST wird von diesem Effekt noch krasser betroffen sein, da das Riesen-IR-Teleskop zu noch größeren Rotverschiebungen vordringen soll: Bei z>12 dürften schon mehr als Hälfte aller Galaxien betroffen sein! Doch mit seinem speziellen Instrumentarium – auf der PK wurde geradezu flehentlich angemahnt, daran bitte nichts mehr zu verändern (was angesichts der gewaltigen Probleme passieren könnte) – sollte das JWST in der Lage sein, den Gravitationslinsen-Effekt wieder zu entwirren.

Proto-Galaxienhaufen mit z=5.3 charakterisiert

Der fernste bekannte „richtige“ Galaxienhaufen hat eine Rotverschiebung von 1.62 (siehe ISAN 110-8) – aber rund um die Galaxie AzTEC-3 im COSMOS-Feld ist bereits eine Weile ein Proto-Haufen bekannt, der nun von drei NASA-Weltraumteleskopen sowie etlichen Teleskopen auf dem Boden im Detail untersucht worden ist. Mindestens 400 Mrd. Sonnenmassen gibt es dort, es entstehen rund 4000 Sterne pro Jahr, und es gibt eine Menge Gas, um diese hohe Rate aufrecht zu halten – und das nur 1.1 Mrd. Jahre nach dem Urknall.

Nachrichten zu Teleskopen kompakt

25. November 2010

Herschel + Gravitationslinsen = 100% ferne Galaxien

„Nahe an 100% Effizienz“ – eine in der Astrophysik selten gehörte Aussage – liegt der Nachweis von Gravitationslinsen mit Herschel: Das zeigen die ersten fünf Funde in der Astrophysical Terahertz Large Area Survey (ATLAS) des ESA-IR- und Sub-mm-Satelliten. Diese Himmelsdurchmusterung wird einmal 550 Quadratgrad umfassen, aber schon in den ersten 14.4 Quadratgrad sind 6600 Quellen katalogisiert worden: Unter den bei 500 µm Wellenlänge hellsten blieben nach allerlei Vorauswahl 5 Objekte übrig – und alle stellten sich bei Nachbeobachtungen mit anderen Teleskopen für lange Wellen als stark gelinste ferne Galaxien heraus. So schnell so viele Linsen finden kann keine andere Technik. (Negrello & al., Science [5.11.2010] 800-4; Herschel Results & Blog, ESA, University of Nottingham & UCI Releases)

Planck sieht ferne Galaxienhaufen über den SZ-Effekt, bei dem das heiße Haufengas die Energie der Photonen der Kosmischen Hintergrundstrahlung anhebt: Das führt zu einer leichten Verdunklung bei niedrigeren und Aufhellung bei höheren Frequenzen – und Planck sieht den ganzen Himmel in beiden Spektralbereichen und beide „Signale“! Mit dem Röntgensatelliten XMM-Newton können die Funde dann bestätigt werden, und in einem Fall wurde so sogar ein „Supercluster“ aus mindestens drei einzelnen ausgewachsenen Galaxienhaufen entdeckt. (ESA Science Release 15.9.2010. Auch das Atacama Cosmology Telescope hat per SZ-Effekt 23 Galaxienhaufen gefunden, davon 10 neue)

Wie die erste Phase des Square Kilometer Array aussehen könnte, des größten Radioteleskops aller Zeiten, das im südlichen Afrika oder Australien entstehen soll, scheint nun fest zu stehen: Für 350 Mio. EUR entstehen von 2016-19 Antennenfelder und Schüsseln, die zusammen drei Frequenzbereiche zwischen 70 MHz und 25 GHz abdecken – die Wissenschaft beginnt 2020. (Garret & al., Preprint 17.8.2010. Auch Papers zu Long baseline experiments mit LOFAR und der First Station des Long Wavelength Array – und zum Expanded Very Large Array)

Das Large Binocular Telescope ist jetzt ein Interferometer

Bei 11 µm wurden am 14. Oktober die ersten Fringes zwischen Sternlicht gesehen, das über beide Spiegel zusammen geführt wurde. Das LBTI ist damit das erste optische Interferometer mit großen Spiegeln (2 x 8 Meter), die auf einer gemeinsamen Montierung sitzen: Das erfordert eine weniger komplizierte Optik (Stichwort: Delay Lines) zum wellengenauen Zusammenführen des Lichts als Interferometer aus separaten Teleskopen. Bisher besitzt nur einer der beiden Strahlengänge auch eine Adaptive Optik, im kommenden Sommer – Monsunzeit in Arizona – soll auch der zweite eine erhalten. (Blog zu den Fortschritten, insbesondere der Eintrag vom 17.10.2010; Arizona Daily Star 23.10.2010)

VLTI vereinigt erstmals das Licht von vier Sternen gleichzeitig: Dieses Kunststück gelang mit den vier Auxiliary Telescopes des VLT und dem Strahlvereiniger PIONIER – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu „ordentlichen“ 2D-Bildern mit optischer Interferometrie. (ESO Release 4.11.2010)

Große Instrumente für die Vermessung der Dunklen Energie mit optischen Teleskopen auf der Erde: HETDEX für das Hobby-Eberly Telescope in Texas hat einen NSF-Grant von 8 Mio.$ erhalten, und die Dark Energy Camera für das Blanco-Teleskop in Chile nähert sich der Fertigstellung. (McDonald Obs. Press Release 20.10. bzw. PM des Excellence Cluster Universe 24., Wired 18., DLF 17.11.2010)

Phase-apodization coronagraphy zur Abbildung von Exoplaneten

Mit einer Apodizing Phase Plate ist es am VLT gelungen, das Beugungsbild des Stern Beta Pictoris so weit zu formen, dass sein schon länger direkt abgebildeter Planet (siehe ISAN 112-7) klar hervortritt. Die Platte sorgt dafür, dass Licht des Sterns selbst das Beugungsbild teilweise auslöscht – und das im gesamten Gesichtsfeld, ohne genau mit einer Koronographenblende „zielen“ zu müssen. Ideal für die Suche nach engen Sternbegleitern. (Quanz & al., ApJL 722 [10.10.2010] L49-53; UA News 14., Laser Focus World 15.10.2010. Und ein Paper von Labadie & al. zur kontrastreichen Abbildung enger Begleiter mittels Lucky Imaging und Bildverarbeitung mit Wavelets)

Durchmesser des Sirius mit SUSI gemessen, dem Sydney University Stellar Interferometer: 6.05±0.04 Millibogensekunden bei 694 nm kommt heraus, in guter Übereinstimmung mit Messungen anderer Interferometer im IR. Damit hat der Stern 1.7 Sonnendurchmesser, 9850 K Oberflächentemperatur und 25 Sonnenleuchtkräfte. (Davis & al., Preprint 19.10.2010. Auch Papers über Stellar Intensity Interferometry, Broadband Fizeau Interferometers und ein Temporal Hypertelescope im Labor)

Mit interstellarer Szintillation im Optischen verborgenes Gas suchen: Das geht offenbar, haben Experimente mit dem New Technology Telescope der ESO gezeigt, das fortwährend IR-Bilder von Sternfeldern mit 10 Sekunden Belichtungszeit aufnahm – und in einer Lichtkurve einen verdächtigen Effekt sah, den eine durch die Sichtlinie ziehende Molekülwolke verursacht haben könnte. Eindeutig ist das allerdings noch lange nicht. (Habibi & al., Preprint 29.10.2010)

Dreimal Galaxien, von nah bis (ganz) fern

24. November 2010

Das Zentrum unserer Milchstraße bei 1.7 bis 2.3 µm Wellenlänge aufgeommen mit der ISAAC-Kamera des VLT; das Bildfeld ist 2.5 Bogenminuten breit. Nur das (nahe) IR erlaubt einen Blick durch den vielen Staub in die Zentralregion, wo eine Menge passiert …

Die Zentralregion der Elliptischen Galaxie NGC 4150 im UV-Licht aufgenommen mit der WFC3 des HST: Die Streamer aus Gas und Staub und klumpen blauer Sterne zeugen von einem großen Starburst, der nur 50 bis 400 Mio. Jahre zurückliegt, während die meisten Sterne der Galaxie 10 Mrd. Jahre alt sind. Offenbar die Folge eines zuvor „verschluckten“ Zwerg-Begleiters: U.a. dank Beobachtungen des GALEX-Satelliten (siehe ISAN 117-6) wissen wir schon länger, dass die Sternentstehung in Elliptischen Galaxien noch lange nicht zuende ist.

Eine detailreiche Karte der Dunklen Materie im Galaxienhaufen Abell 1689 (bekannt aus ISAN 118-5!), berechnet – mit einem neuen, direkteren Algorithmus – aus seiner Gravitationslinsenwirkung auf 42 Hintergrundgalaxien, die in insgesamt 135 Bilder verformt werden. Die rekonstruierte Dichtekarte der DM (noch Zweifel …?) ist hier der in der Analyse verwendeten Aufnahme der ACS des HST (auf der man etliche der Linsen-Bögen ausmachen kann) überlagert: Die größte Konzentration gibt’s im Zentrum des Haufens.

Weltraumforschung kompakt

19. November 2009

Ein riesiges VLBI-Projekt zur Verbesserung des kosmischen Koordinatensystems

International Celestial Reference Frame (ICRF2; s.a. hier die GPS-Notiz) findet im Augenblick statt: Am 18. und 19. November beobachten 35 Radioteleskope rund um den Globus 243 Quasare. Das ICRF2 wurde auf der IAU GA diesen Sommer als das fundamentale Referenzsystem der Astronomie festgelegt und ist an 295 himmlischen Radioquellen ohne Eigenbewegung aufgehängt; leider gibt es zu wenig Radioteleskope auf der Südhemisphäre, um sie alle gleichzeitig einzubeziehen. (NRAO Release, Malkin, Preprint 16., Mittelbayerische Zeitung 17., Nature Blog 19.11.2009; auch eine Outreach-Seite dazu)

Starburst-Galaxien „neue“ Quelle von Gamma-Strahlung

Sowohl Gammastrahlen-Teleskope auf dem Boden wie VERITAS als auch der Fermi-Satellit haben diffuse Gammastrahlung aus – relativ nahen – Galaxien mit hoher Sternbildungsrate entdeckt, so NGC 253 und M 82, und auch die 30-Doradus-Region in der LMC ist eine Gammaquelle. Hinter der harten Strahlung steckt jeweils Kosmische Strahlung – und die wiederum wird vermutlich in Supernovaresten beschleunigt, die ein Abfallprodukt der Bildung massereicher (und damit kurzlebiger) Sterne sind. (CfA, NASA Press Releases 2.11.2009)

NACHTRAG: Acero & al. (Science 326 [20.11.2009] 1080-2) haben Gammastrahlung von NGC 253 auch mit H.E.S.S. nachgewiesen, wo 5-mal so viel Energie der Kosmischen Strahlung in diesen Kanal geht als in der Milchstraße. NACHTRAG 2: Der Nachweis von M 82 mit VERITAS wird von dessen Kollaboration in Nature 462 [10.12.2009] 770-2 diskutiert – dies Dichte der Kosmischen Strahlung in der Starburst-Zone der Galaxie ist 500-mal so hoch wie in der Milchstraße. NACHTRAG 3: noch ein Paper zu VERITAS & M 82. NACHTRAG 4: Guten Morgen! Sky & Tel. hat’s auch mitbekommen …

22 ganz junge Galaxien sind mit der neuen WFC3 des HST aufgespürt worden und lassen neue Rückschlüsse über den Verlauf der kosmischen Reionisation zu – und bei einer der z=7-Galaxien (siehe auch hier) gelang sogar die direkte spektroskopische Messung der Rotverschiebung. (Ouchi & al. Preprint 14.10., Carnegie Release 6.11.2009)

Komplizierte Gravitationslinse bei z=1.0 hilft bei Eichung der Massenbestimmung von Galaxienhaufen

Ein Galaxienhaufen WARPS J1415+36 bei z=1.03 ist einer der am weitesten entfernten, der das Bild einer weit dahinterstehenden (z=3.9) Galaxie dramatisch verzerrt: An ihm lassen sich gut verschiedene Verfahren der Massenbestimmung von Galaxienhaufen testen und zeigen, dass sie auch bei z~1 noch ganz gut gelten. (Huang & al., Preprint 4.11.2009)

Eine „gewaltige kosmische Struktur“ bei z=0.55 von mindestens 60 Mio. LJ Ausdehnung gilt als bis dato prominenteste Einzelstruktur des kosmischen ‚Skeletts‘. (ESO Release 3.11.2009)

Der Neutronenstern im SNR Cassiopeia A hat eine Kohlenstoffatmosphäre

Jedenfalls kann man nur so ein Emissionsverhalten der zentralen Röntgenquelle des jungen Supernovarestes modellieren, das seine ganze Oberfläche involviert und nicht nur einen Hotspot – denn dann würde der ~330 Jahre alte Neutronenstern pulsieren, was es aber nicht tut. (Ho & Heinke, Nature 462 [5.11.2009] 71-3, Chandra Release 4.11.2009)

Ist NGC 5408 X-1 ein „Mittelklasse“-Schwarzloch? Diese Ultraluminous X-ray Source (ULX) zeigt 100-mal langsamere quasiperiodische Oszillationen der Helligkeit als SL-Kandidaten stellarer Masse und ist gleichzeitig 100-mal heller als diese: Das könnte zu einem SL mit 1000 bis 9000 Sonnenmassen passen. (NASA Feature 10.11.2009)

Untersuchung an Sternhaufen: Lange Sonnen-Minima „normal“?

Das – spektroskopisch bestimmbare – Aktivitätsniveau von 60 ziemlich sonnenähnlichen Sternen im offenen Sternhaufen Messier 67 mag Rückschlüsse auf den „typischen“ Zustand der Sonne zulassen: Danach waren Sterne mit sonnengleicher Rotation eher geringer aktiv als die Sonne, während die aktiveren zugleich schneller rotierten. Bedeutet das, dass die Sonne einen „signifikanten Teil ihrer Zeit“ in einem Maunder-Minimums-artigen Zustand verbringt? (Reiners & Giampapa, Preprint 2., Physics World 12.11.2009)

Die Temperatur der Sonnenkorona fiel von 2006 bis 2008: Das ergibt sich aus der Vergleich von Emissionslinien, die während der Sonnenfinsternisse der beiden Jahre beobachtet wurden – insbesondere war die [Fe XIV]-Linie 2008 wesentlich schwächer geworden. (Voulgaris & al., Preprint 30.10.2009)

Jede Menge Details über Lage und Wanderung der Sternflecken auf CoRoT-2a

haben sich aus 142 Tagen ununterbrochener Photometrie durch den Satelliten herausfinden lassen: So gab es zu Beginn der Beobachtungen zwei einander gegenüber liegende Aktivitätszentren, die sich aber aufeinander zu bewegten. (Lanza & al., Preprint 4.11.2008)

Kapteyn’s Stern aus Omega Centauri entlaufen? Der 25.-nächste Stern (13 Lichtjahre Entfernung von der Sonne) ist wohl nur zufällig hier – er scheint aus derselben Zwerggalaxie zu stammen, die die Milchstraße einst verschluckte und deren Kern nun als „Kugelsternhaufen“ Omega Cen bekannt ist. (New Scientist 11.11.2009)

Sonnenähnliche Sterne mit Planeten haben weniger Lithium

auf ihren Oberflächen – dieser Effekt ist nach den Daten der HARPS-Durchmusterung sehr signifikant. Offenbar wird die Sternkonvektion in einer Phase der Planetenentstehung markant beeinflusst; was da allerdings genau passiert, ist noch ziemlich offen. Aber den Effekt – der wohl auch für das Lithium-Defizit unserer Sonne verantwortlich ist – könnte man zur Vorauswahl von Sternen nutzen, bei denen man Planeten suchen will. (Israelian & al., Nature 462 [12.11.2009] 189-91, auch Pinsonneault, ibid. 168-9, Tracker 13., Welt der Physik 12., ESO Release 11.11.2009) NACHTRÄGE: das Paper als Preprint – und tiefschürfende(re) Gedanken.

Staubscheibe von HR 8799 nachgewiesen, dem Stern mit den drei abgebildeten (mutmaßlichen) Planeten (siehe z.B. hier): Der Staub, den das Spitzer Space Telescope glühen sieht, ist bei Kollisionen von kleinen Körpern untereinander entstanden – die drei Planeten haben wohl noch nicht ihre endgültigen Bahnen gefunden. (Spitzer Feature 4.11.2009)

Ultra-primitive Staubteilchen von Komet Grigg-Skjellerup eingefangen

Im April 2003 zog die Erde durch den Staubschweif des Kometen G-S, und in der Stratosphäre wurde gezielt Jagd auf diese Teilchen gemacht – mit Erfolg: Es handelt sich um deutlich ursprünglichere Partikel als was die Stardust-Sonde aus der Koma des Kometen Wild 2 holte (siehe Artikel C00), und diese IDPs sind sogar älter als die Sonne. (Carnegie PR 2.11.2009) NACHTRAG: ein reichlich später Press Release aus Manchester.

Die „beste“ Sternbedeckung durch Pluto für Europa in mindestens einem Jahrzehnt scheint am 14. Februar 2010 bevorzustehen, wenn ein Stern 11. Größe getroffen wird – schon mit einem Sechszöller müsste man die schwindende Atmosphäre des Zwergplaneten nachweisen können. (PlanOccult 8.11.2009; Sonderseite der IOTA-ES)

Der 50. Jupitermond hat einen Namen erhalten

S/2003 J17, der diesen August wiederentdeckt worden war, ist nun amtlich und darf sich „Herse“ nennen; 12 weitere Jupitermonde warten noch auf ihre Bestätigung. Und der Mond des Kuiper-Gürtel-Objekts (50’000) Quaoar heißt nun ganz offiziell Weywot. (IAUC #9094 11., Planetary Society Blog 12.11.2009)

Saturnmond dank seines Schattenwurfs entdeckt: Als S/2009 S1 wird jetzt ein nur etwa 300 m großer Saturnmond ínmitten des B-Rings geführt, der sich im Juli mit der Sonne fast in der Ringebene durch einen 36 km langen Schatten bemerkbar machte. (IAUC #9091 2.11.2009)

Supernovae nicht die Antwort: Wie soll man die Dunkle Energie ergründen?

26. Oktober 2009

Drei astrophysikalische Messverfahren, eins so aufwändig wie das andere, werden derzeit diskutiert, um der Natur der vor knapp 12 Jahren entdeckten Dunklen Energie des Universums endlich auf die Spur zu kommen, d.h. mehr und mehr der vorgeschlagenen Interpretationen ausschließen zu können. Laut einem aktuellen Review von R. Massey (Nature 461 [8.10.2009]) ist ausgerechnet der Klassiker auf dem absteigenden Ast: Zwar verrät die Helligkeit von Supernovae des Typs Ia in Abhängigkeit von ihrer Entfernung eigentlich die zeitliche Entwicklung der kosmischen Expansion – die in jedem Modell für die DE eine andere ist – auf ziemlich direktem Wege, doch diese Sternexplosionen sind eben nicht alle exakt gleich hell. Und die Abweichungen aufgrund der Sternchemie und -umgebung lassen sich wohl nicht so präzise berechnen, wie man es gerne hätte.

Damit hat auch die Idee eines Satellitenobservatoriums, das allein diesen Supernovae gewidmet würde, an Attraktivität verloren, und die geplante Joint Dark Energy Mission soll bereits mehrere Techniken verbinden. Alternative Wege zur Dunklen Energie führen über schwache Gravitationslinseneffekte (aber dafür muss man mehr über die Massenverteilung der linsenden Galaxien wissen als oft der Fall ist) und Baryonen-akustische Oszillationen (denen gerade BOSS nachspürt; siehe ISAN 95-8). Aber auch hier wachsen schon wieder Zweifel, wie gut die beobachtbaren Galaxien eigentlich das ursprüngliche Schallwellenmuster des Jungkosmos nachzeichnen. Es ist immer dasselbe, lamentiert Massey: Ein neues Verfahren wird postuliert, große Aufregung, dann Ernüchterung. Er würde im Moment am ehesten auf die Gravitationslinsen setzen. NACHTRAG: ein Berkeley Feature über die Methoden in 3 Teilen – und JDEM geht es gar nicht gut, trotz Internationalisierung …