Posts Tagged ‘Himmelsdurchmusterung’

Die nächste große IR-Durchmusterung des Himmels: Satellit WISE gestartet!

14. Dezember 2009

Nach etlichen Verschiebungen – an denen der Satellit unschuldig war – hat heute eine Delta 2 von Vandenberg aus den Wide-field Infrared Survey Explorer der NASA auf eine niedrige polare Erdumlaufbahn gebracht, von wo aus er nach einmonatigen Tests eine sechsmonatige Himmelsdurchmusterung aufnehmen soll (und danach noch eine halbe, bis der gefrorene Wasserstoff aufgebraucht ist, der Optik und Instrumente auf 12 K kühlt). Rund 7000 Aufnahmen in vier Wellenlängen (3.4, 4.6, 12 und 22 µm) mit 47′ Gesichtsfeld soll es jeden Tag geben: Jeder Himmelspunkt wird mindestens 8-, manche über 1000-mal angeschaut; die Auflösung des 40-cm-Teleskops beträgt dabei 6″, bei 22 µm 12″.

Auf den Millionen Bildern sollten hunderte von Millionen Objekten zu erkennen sein, von erdnahen Asteroiden und solchen im Hauptgürtel (fast alle hunderttausende ab 3 km Durchmesser) über die sonnennächsten Sterne und Braunen Zwerge – es ist nicht unwahrscheinlich, dass WISE einen Zwerg näher als Proxima Centauri findet; gibt es einen, muss ihn der Satellit sehen – bis zu ultrahellen IR-Galaxien, unter denen WISE die leuchtkräftigste Galaxie des ganzen Kosmos aufspüren könnte. Etwa 16 Monate nach dem Start wird die gesamte Astronomie mit vorläufigen, 11 Monate später dann mit den endgültigen Daten der 320-Mio.$-Mission beglückt: Fast schon erwartet werden völlig überraschende Entdeckungen – und garantiert ist eine wesentliche Rolle des WISE-Atlas als Pfadfinder für das JWST.

WISE-Homepages bei der NASA und in Berkeley, ein JPL Release und Artikel zum Start von Spaceflight Now, BBC, Physics World, Nature Blog und Space Today – und jede Menge mehr Links im Header des 333. Cosmic Mirror!

Kosmisches Bonner Dreigestirn: 3 Ausstellungen zur Geschichte der Astronomie gleichzeitig

14. Dezember 2009

sind seit dem Wochenende geöffnet, alle inspiriert durch das zuende gehende Internationale Jahr der Astronomie und noch bis ins kommende Jahr hinein zu sehen:

  • Im Deutschen Museum Bonn gibt es bis zum 5. April Bonner Durchmusterungen – Argelander und sein astronomisches Erbe, wo die Astronomie der Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig wird. Im Bild links eines der wenigen noch existierenden Heliometer; mit einem fast baugleichen – aber verschollenen – Gerät maß Bessel die erste Fixsternparallaxe. Und rechts der Kometensucher der Bonner Durchmusterung; weitere Impressionen hier, hier, hier, hier und hier sowie in einer Galerie und einem Videoclip.

  • In der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn wird bis zum 29. Januar Kosmos im Wandel gezeigt, eine Geschichte der letzten 500 Jahre Astronomie anhand von bedeutenden Büchern, die allerdings überwiegend nur in Faksimile gezeigt werden – eine letzte Chance, mit wertvollen Originalen aus dem Bestand (siehe die Bilder eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun) in Kontakt zu kommen, besteht nur bei einer Sonderführung am 4. Advent. Berichte zur Ausstellung selbst auch hier und hier.

  • Im Frauenmuseum Bonn schließlich werden bis zum 4. April Astronominnen – Frauen, die nach den Sternen greifen präsentiert: in Form großer Poster die Vitae ausgewählter Astronominnen der Vergangenheit und der Gegenwart, dazu jede Menge teils raumgreifende moderne Kunstwerke mit mehr oder weniger erkennbarem Weltraumbezug. Ein paar Impressionen von der ungewöhnlichen Vernissage am Sonntag: Im Kontext der historischen Astronominnen sind auch – diesmal originale – sehr alte Bücher zu sehen und auch ein bisschen Astro-Hardware.
Wem das alles immer noch nicht reicht, der möge bis zum 28. Februar in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland James Cook und die Entdeckung der Südsee ansehen: Dort gibt es mehrere Teleskope und Navigationsinstrumente aus seiner Zeit zu bestaunen. NACHTRAG: Festrede zur Eröffnung der 3. Ausstellung – mit Bildern dieses Bloggers.

Eine Durchmusterung des Röntgenhimmels – entstanden auf der Raumstation

14. Dezember 2009

Wie bitte: Auf der International Space Stations wird Astronomie betrieben? Aber ja: Seit am 24. Juli per Robotarm der zuvor von der Endeavour angelieferte Monitor of All-Sky X-ray Image (MAXI) auf der Exposed Facility des japanischen Moduls Kibo installiert wurde, spielt die Raumstation Röntgensternwarte – und ihre rasante niedrige Bahn um die Erde wird gezielt dafür ausgenutzt, um immer wieder den Himmel zu durchmustern. Alle paar Monate entsteht so eine neue Karte wie diese erste, für die zwei Monate vom 15. August bis 29. Oktober mit der Gas Slit Camera gemessen wurde. Helligkeitsschwankungen von etwa 1000 Einzelquellen können so überwacht werden, und bis Ende November gab es schon fünfmal Alarm wegen plötzlicher Ausbrüche.