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AGU 2013: Wer war ISON? Die ersten Antworten

12. Dezember 2013

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Sein Kern war nur wenige hundert Meter groß und hielt zudem deutlich weniger gut zusammen als der eines typischen Sungrazer-Kometen: Deshalb ist ISON schon beim Anflug auf sein Perihel zerbrochen, und die Fragmente konnten der Sonnenhitze nicht widerstehen. Aus Erkenntnissen von einer Pressekonferenz (10. Dezember), der folgenden wissenschaftlichen Session des AGU Fall Meetings in San Francisco und anschließenden anregeten Diskussionen im Internet vergangene Nacht formt sich bereits ein erstes Bild der Vorgänge des letzten Monats – der erste je beobachtete Sonnenkratzer aus der Oortschen Wolke hat viele Besonderheiten offenbart, und auch sein betrübliches Ende birgt noch Erkenntnisse. Eine wesentliche Kenngröße eines Kometen ist der Durchmesser des Kerns: Die Grafik oben zeigt mögliche Ergebnisse aus der Fotometrie der MRO-Kamera HiRISE, als ISON dem Mars nahe kam, wobei sowohl die Albedo als auch der Beitrag der inneren Koma zur Helligkeit des Lichtzentrums – der Kern blieb weit unter der Auflösungsgrenze – freie Parameter sind. Im Prinzip sind Kerndurchmesser zwischen 100 und 1000 m möglich, aber da ISON als „frischer“ Komet eine höhere Albedo als die Halley-üblichen paar Prozent haben dürfte und die Koma vermutlich gestört hat, nennen die Auswerter jetzt 600 m als Obergrenze und ein paar hundert Meter als wahrscheinlichsten Wert.

Das ist nun freilich ein Faktor 10 weniger als eine – wie ein mitverantwortlicher Astronom diesem Blog gegenüber zugegeben hat, all zu kühne – „Berechnung“ des Kerndurchmessers von rund 5 km aus Fotometrie des Swift-Satelliten, die durch Pressemitteilungen von NASA und Gemini die ‚öffentliche Meinung‘ in Richtung eines vielversprechenden Kometen hin beeinflusst haben mag. Nun hätte aber selbst ein 500-Meter-Kern das Perihel überstehen und für eine nette Kometen-Show Anfang September sorgen können, so o.g. Astronom: wenn sich ISONs Kern so wie der eines typischen Sonnenkratzer-Kometen der Kreutz-Gruppe verhalten hätte, wie der von Lovejoy vor zwei Jahren. Der hatte nämlich nur etwa 300 m Durchmesser, von denen selbst sein noch sonnennäheres Perihel 150-200 m übrig gelassen hatte. Die zerfielen erst Tage danach zu Staub – aber für ISON galt dies leider nicht. Der war offensichtlich weit weniger stabil: Bereits in den Stunden vor dem Perihel (nach einem alternativen Szenario sogar schon seit Ende Oktober) zerfiel er in mehrere Subkerne, die der Sonne nun viel mehr Angriffsfläche boten und – vermutlich vollständig – verdampft sind.

Den Detailprozessen dabei – verfolgt von drei Sonnensatelliten – wird man sicher noch wertvolle Erkenntnisse über den (gewesenen) Aufbau des Kerns entlocken können, schon jetzt aber auch die Wochen vor dem Ende waren ergiebig: Mit zunehmender Aktivität des noch mehr oder weniger intakten Kerns waren spektroskopische Untersuchung von Gas- und Staubkoma möglich. Nach einem der Helligkeitsausbrüche im November registrierte z.B. der High-Dispersion Spectrograph am Subaru-Teleskop Emission zahlreicher Moleküle und Atome wie C2, NH2, H2O+, CN, O und Na, und HIRESb an Keck sichtete ab Oktober ebenfalls viele Moleküle OH, NH, NH2, CH, CN, C2, C3, dazu Na (dessen Präsenz mit den Ausbrüchen zusammen hängen könnte) und K. Da es nach Nah-IR-Spektroskopie nicht genug C2H2 und HCN als Quellen zu geben scheint, dürften das CN und C2 aus CHON-Partikeln stammen, organischen Aggregaten, wie sie erstmals die Halley-Sonden gefunden hatten. MESSENGER im Merkur-Orbit wiederum meldet den Nachweis von H, S, Na, CS, OH, NH und CN – vieles davon beim gleichzeitig beobachteten Encke nicht zu erkennen.

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Mit dem Subaru-Teleskop wurde bei 8.5 bis 11 µm schwache Emission von kleinen amorphen Silikatkörnchen nachgewiesen, kristalline Silikate ließen sich nicht blicken. Das passt zu Beobachtungen bei 11, 19 und 31 µm von der fliegenden Sternwarte SOFIA am 25. Oktober, die ISON leider nur 5 Minuten lang auf’s Korn nehmen konnte. Aber aus der relativen Helligkeit der drei Bilder ließ sich überdies schließen, dass die Größenverteilung der Staubteilchen „typisch“ war, im Sinne der von kurzperiodischen Kometen her bekannten. Insgesamt war ISON aber ein staubarmer Komet – und zusammen mit den oben indirekt erschlossen CHON-Partikeln könnte dies Hinweise auf den Entstehungsort ISONs geben: eher außen im solaren Urnebel, wo es weniger große Staubteilchen gab, dafür aber günstige Bedingungen für die Entstehung von organischen Molekülen durch die Bestrahlung von frei liegendem Eis?

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A propos Eis: So ging es mit der Wasser-Produktion von ISON aufwärts, in logarithmischer(!) Darstellung gegen Tage vor dem Perihel aufgetragen und bestimmt aus Messungen des SWAN-Instruments von ISONs Lyman-Alpha-Emission. Die Kurve endet vor dem Perihel, da SWAN nicht in extremer Sonnennähe beobachten kann: Danach sah das Instrument den Kometen nicht wieder, und SUMER auf SOHO registriert schon im Perihel selbst keinerlei Lyman Alpha mehr – auch dies ein Beleg für die Zerstörung des Kerns bereits zu diesem Zeitpunkt. Vorher hatte auch das SPICAV-Instrument auf dem Venus Express die Lyman-Alpha-Emission ISONs beobachtet und sogar grobe UV-Bilder der Kometenkoma erzeugen können. Ein Vergleich mit Modellrechnungen liefert dann für den 20. November eine Wasserproduktionsrate von 10^30 Molekülen – oder 30 Tonnen – pro Sekunde. Zwischen 110 und 310 nm sah SPICAV nämliche Emission von H sowie von OH, sonst aber vermutlich keine weiteren Linien. So weit erste Einsichten aus den Prä-Perihel-Beobachtungen ISONs – und kommendes Jahr kommen mit C/2012 K1 (PANSTARRS) und C/2013 A1 (Siding Spring) gleich zwei weitere Oort-Kometen zu Besuch: zwar ohne ISON-gleiches Extrem-Perihel, dafür aber besser am Himmel zu beobachten.

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Weitere größere Artikel – und ISONs Schicksal

6. Dezember 2013

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Letztes Sichtfenster auf (Ex-)Komet ISON vielleicht in den nächsten Tagen – oben das aktuellste verfügbare STEREO-Ahead-Bild von vorgestern Morgen, diesmal in Differenzdarstellung; auch das entsprechende verstärkte Direktbild aus diesem Verzeichnis, ein ziemlich deutliches Direktbild von ein paar Stunden früher, ein Summenbild vom 1. Dezember, dito in Falschfarben, das Programm eines kleinen Meetings heute, das ab 14:30 MEZ hier gestreamt wird, weitere NASA-Pläne wg. ISON und mehr oder weniger erhellende Artikel hier, hier, hier, hier und hier.

Asiens doppelter Aufbruch ins Sonnensystem mit MOM und Chang’e-3, dessen 3. Bahnkorrektur unnötig war und der wie geplant vor wenigen Stunden in eine Mond-Umlaufbahn eingetreten ist.

ESO bekommt Besucherzentrum und Planetarium – geschenkt. Und weitere neue Gebäude im Garchiger HQ wurden gerade fertig.

Kürzere Artikel

Lichtkurve der hellsten Nova aller Zeiten, der Nova Aquilae 1918, bis heute rekonstruiert.

Komet Garradds geheimnisvolle Gasproduktion, bei der CO völlig andere Wege als H2O ging.

Astronomisches Lehrmaterial – mit Qualitätssiegel durch astroEDU.

Und so sah der Rest von ISON vor 1 – 2 Tagen aus

5. Dezember 2013

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Auch in den Serien vom 3. Dezember und vom 2. Dezember kontrastgesteigerter HI-1A-Bilder – hier von oben von 23:49, 13:09 und 0:29 MEZ am 3. Dezember – ist der Kometenrest weiter eine kohärente Struktur. Aber die Helligkeit in dieser Darstellung täuscht natürlich –

  

realistischer ist diese Animation vom 30.11. bis 1.12. (hier drei Einzelbilder) – wobei der Komet natürlich kontrastverstärkt und animiert am meisten hermacht. Noch eine andere Art der Darstellung sieht so aus, hier ein Bild vom Abend des 1. Dezember, wie es das STEREO Science Center diesem Blog zur Verfügung stellte – jetzt ist auch der Merope-Nebel in den Plejaden zu erkennen:

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Man kann sich Animationen der HI-1-Bilder auch automatisch erzeugen lassen: Hier gibt’s die komplette Reise ISONs hin und zurück durch’s Gesichtsfeld, die von Tag zu Tag vollständiger wird (Vorsicht: sehr datenintensiv, schon jetzt 440 Bilder). Auf die Fortsetzung des ISON-Abenteuers in HI-1A ist man hier (verwirrt von den unterschiedlichen Qualitätsstufen der Bilder) und hier aufmerksam geworden, während unverdrossen weiter Hubble-Beobachtungen geplant sind (und es hier, hier und hier weitere Nachrufe gibt – und einen Gag). Vom weiter hellen Lovejoy Bilder von gestern (mehr) und vorgestern, auch weitwinklige (mehr). Und die 5-mag.-Nova im Cen ist inzwischen amtlich: auch der mutmaßliche Vorgänger, Beobachtungen im Röntgen-Bereich, ein Foto, diverse Diskussionen und Artikel hier, hier und hier.

Live-Blog zum Perihel des Kometen ISON

28. November 2013

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Also wie ein Komet sieht es ja schon aus, was da fliegt

auf dieser – leider bisher nur in geringer Qualität vorliegenden – LASCO-C3-Aufnahme von 23:30 MEZ: Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass sich im Inneren der Staubstruktur kein nennenswerter Kern mehr verbirgt, aber der erstaunliche ISON hat die Beobachter schon so oft genarrt, dass man einfach noch abwarten muss, was aus seinem Überrest wird. Und ob man davon gar etwas mit Amateurmitteln am Nachthimmel nachweisen können wird: Für ein schwaches Objekt dürfte es in der 2. Dezemberwoche ein kurzes, mäßiges Sichtfenster am Morgenhimmel geben, mit ISON bei Beginn der astronomischen Dämmerung über ein Dutzend Grad hoch. [23:55 MEZ – Ende; mit fast 7700 Aufrufen ein neuer Rekord-Tag]

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Das sieht doch aus wie ein richtiger kleiner Komet mit strukturiertem Staubschweif, was da auf ISONs Bahn durch das Gesichtsfeld von LASCO C2 zieht, hier um 22:24 MEZ = 3 Stunden nach dem Perihel. [22:40 MEZ] Eine Animation aus FITS-Files. [22:50 MEZ] Alle aktuellen Überreste in einem Komposit aus LASCO C2 und C3 sowie eine C2-Serie und eine andere Animation. [23:00 MEZ] Wieder neue LASCO-Bilder – auch in C3 taucht ‚es‘ wieder auf – sowie ein bereits aktualisierter Nachruf und allerlei Updates. [23:15 MEZ] Und das Ding um 23:02 MEZ: stabil aber offenbar ohne einen Kern. [23:25 MEZ] Der Anblick um 23:13 MEZ: Die Kometenbahn wird schön nachgezeichnet. Plus ein neuer STEREO-Beacon und ein Artikel zur Verwirrung. [23:35 MEZ]

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Auch STEREO A sieht etwas Helles auf ISONs Bahn ziehen

mit dem Koronographen COR2, hier um 21:39 MEZ – wenn die STEREO-Bilder erst in voller Auflösung vorliegen, wird sich sicher besser verstehen lassen, was jetzt gerade Aufregendes passiert. [22:15 MEZ] Das Objekt mit LASCO C2 um 21:24 MEZ in ‚klassischer‘ Darstellung – der Navy-Server mit den aktuelleren Bildern ist nun völlig überlastet … [22:20 MEZ]

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Da ist doch etwas wieder hinter dem Koronographen-Occulter hervorgekommen, auf dieser LASCO-C2-Aufnahme von 21:03 MEZ – auf der Kometen-Bahn?! Jetzt wird’s doch noch spannend. [21:20 MEZ] Das komplette Bild. [21:25 MEZ] Auch eine interessante Animation von STEREO-A-COR2-Bildern mit einer Wolke, die sich von ISON nach außen entfernt, während er durch’s Perihel geht. [21:35 MEZ] Das Objekt ist heller geworden! Plus eine Animation der C2-Bilder. [21:50 MEZ] Und es war auch schon 20:48 MEZ knapp zu sehen – aber von denen nicht … [22:05 MEZ]

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Ein Abschiedsbild von ISON in ‚klassischer‘ Darstellung

von 19:24 MEZ, als der – offenbar gewesene – Kern gerade nahe des Perihels war. Noch kann man warten, ob ‚etwas‘ auf der anderen Seite der Sonne erscheint: Vor zwei Jahren war das der Fall. Aber jetzt sind die Hoffnungen schon sehr gering … [20:25 MEZ] Und er ist weiter verblasst auf einem Bild von 20:12 MEZ. Komet Geschichte, dieser Artikel auch. [20:30 MEZ] Aber sein kurioser Schweif hängt noch im Raum, und der scharfe Strahl harrt weiter einer genauen Erklärung. Protonachrufe schon hier, hier und hier. [20:55 MEZ]

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Ist das das Ende von ISON? Ein LASCO-C2-Bild von 18:48 MEZ – hier in der Navy-Version – zeigt nur noch einen kopflosen Schweif, allerdings hart an der Koronographen-Blende: In Falschfarben sieht sein Niedergang noch dramatischer aus. Und im tollen Hangout kriegen sie von allem nichts mit – schwaches Bild … [19:15 MEZ] Auf dem 19:00-MEZ-LASCO-C2-Bild sieht ISON auch nicht besser aus (und SDO sieht auch nix) … [19:35 MEZ] Die Nachrufe auf ISON häufen sich bereits; auch im Hangout begreift man’s allmählich. [19:50 MEZ] Auf einem LASCO-C2-Bild von 19:36 MEZ verblasst der Komet (oder was von ihm übrig blieb) bereits deutlich … [19:55 MEZ] … während SDO rein gar nichts sieht. [20:15 MEZ]

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ISON verschwindet nun aus dem Gesichtsfeld von LASCO C3

Dieses Bild von 16:37 MEZ könnte das letzte dieses Koronographen sein, das den Kometen halbwegs intakt(?) zeigt, denn inzwischen sollte er hinter der großen Blende verschwunden sein, und wer weiß schon, was dahinter wieder hervor kommen wird … In ein paar Minuten beginnen übrigens die Beobachtungsversuche mit dem SDO-Satelliten, der ISON vielleicht auch orten kann. [17:55 MEZ] Ein Photometriker hat gerade nichts helles mehr in ISONs Koma sichten können: „This seems to be seriously bad“ – der klarste Beweis, dass sich der Kern verabschiedet hat? [18:15 MEZ] Und so sehen die aktuellen LASCO-C2-Bilder in FITS aus, wenn sie nicht saturiert sind: Die Koma ist bedenklich länglich geworden. [18:25 MEZ] Noch zwei weitere Instrumente im Weltraum haben ISON ‚übernommen‘: STEREO Behinds COR1 zeigt ihn seit 16:00, STEREO Aheads COR1 seit 17:00 UTC. [18:40 MEZ] Unter dieser Adresse soll in diesen Minuten die große Live-Show zu ISONs Perihel beginnen – auch NASA-TV überträgt. [19:00 MEZ]

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ISON in STEREO Aheads COR2 um 16:24, SOHOs LASCO C2 um 16:18 und STEREO Behinds COR2 um 16:25 MEZ – der Komet aus drei verschiedenen koronografischen Kameraperspektiven entlang ungefähr des Erdorbits, die STEREO-Bilder dabei natürlich nur Beacon-Vorschauen; für LASCOs C3 ist er schon fast hinter der Blende verschwunden. [17:10 MEZ] Während die Experten weiter verwirrt sind: Benimmt sich ISON jetzt wie ein kleiner typischer Sungrazer und löst sich mit Annäherung an die Sonne zunehmen auf? Aber ‚typisch‘ war bei diesem Kometen bisher wenig … [17:20 MEZ] ISON ist offenbar mit dem großen Sonnenteleskop auf dem Kitt Peak gefunden worden. Auch weitere Quellen für LASCO-Bilder bei der NASA (C2 und C3) und der Navy (C2 und C3, andere Darstellung); auch Artikel hier, hier und hier. [17:50 MEZ]

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Keine fünf Stunden mehr bis zur größten Sonnennähe ISONs

um 19:25 MEZ – und so sah der Komet um 13:54 MEZ für den Koronographen LASCO C3 des SOHO-Satelliten aus (Anklicken liefert jeweils das neueste Bild), während er in das Feld von C2 gerade einzudringen beginnt. [14:45 MEZ] Eine Helligkeits-Schätzung aus C3-Bildern heute Morgen lieferte -2.4 mag., was auch Experten ähnlich sehen; angebliche Taghimmel-Beobachtungen wie diese scheinen indes fragwürdig. Nach einem Modell sollte die Koma-Helligkeit übrigens mit nahendem Perihel fallen, und das scheint sie auch zu tun (aber Vorsicht: der Koronograph dämpft näher an der Sonne natürlich stärker). [15:00 MEZ] Wie PROBA 2 das Perihel verfolgen wird – auch weitere Artikel hier, hier und hier sowie ein Chat und eine Erwähnung Lovejoys in einer ’normalen‘ Zeitung. [15:30 MEZ]

Weitere größere Artikel, nebst vielen Zugaben

22. November 2013

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SoFi-Safari in Uganda (1/3): eine Reise zum Planet der Affen – Links zu allen Bilderalben.

SoFi-Safari in Uganda (2/3): Ins Herz der Finsternis – der Tag des Ereignisses in 25 Bildern.

SoFi-Safari in Uganda (3/3): zurück zur Perle Afrikas? Ein Fazit. Auch die Druckmüller-isierte Korona (oben kontrastverstärkt), aus dem Atlantik ein wolkiger Bericht, aus dem Gabun noch dies, dies, dies und dies, aus Uganda dies, dies und dies [NACHTRAG: und dies], aus Kenia dies, dies, dies, dies, und dies und Artikel hier und hier [NACHTRAG: und hier].

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Noch eine Woche bis zum Perihel von ISON! Schwerpunkt sind die Beobachtungspläne rund um’s Perihel mit den Sonnensatelliten: auch Details zu den STEREO-HI-Plänen (oben ein erstes Bild in voller Auflösung, auch in Bewegung, mehr, weitere HI-Beacon-Bilder, mehr und mehr) und Plänen mit dem SDO, eine Übersicht über alle Satelliten-Planungen, ein Hangout genau während des Perihels am 28. November von 19:00 bis 21:30 MEZ, Mitteilungen über die Koma-‚Schwingen‘, den erfolgten FORTIS-Raketen-Flug und SOFIA-Beobachtungen (mehr) von ISON und ein Paper über Polarisations-Messungen mit Hubble im Mai.

Komet ISON hell vor dem Periheldurchgang: auch letzte Beobachtungen von heute aus den USA (mehr), La Palma (mehr; das Video oben ist vom GLORIA Project aus Teneriffa), Spanien, dem U.K. (mehr), Frankreich, Indonesien und Japan (mehr) und gestern aus New Mexico, Rumänien und Japan und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Ein Kleinplanet zerstört sich selbst: der Fall C/2013 P5.

Regen von Feuerkugeln im Mai 2014? Was alter Staub des Kometen 209P/LINEAR bringen könnte.

Kürzere Artikel

Weiterer Komet in Ausbruch: Nevski bei 8m – auch weitere Infos und Karten.

Heiße Kepler-»Erde« mit 8-Stunden-Jahr – was Kepler-78b ist und was nicht.

Auf dem Weg zur ultimativen Hubblekonstanten? An NGC 4258 gedreht, und schon passt’s – halbwegs – mit Planck.

Sind zwei Splitter von ISONs Kern abgebrochen?

17. November 2013

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Die beachtliche Entwicklung des derzeit bei rund 5.0 mag. verharrenden Kometen seit drei Tagen – hier Bilder von Michael Jäger von heute (oben; Schweiflänge über 7°!) und gestern – hängt möglicherweise mit dem Abbrechen von Teilen seines Kerns zusammen: Wie Beobachtungen mit einem 40-cm-Teleskop auf dem Wendelstein zeigen, hat die Koma „Schwingen“ bekommen, auf einander gegenüber liegenden Seiten des Kerns. „The coma wings extended straight from the nucleus for about 4700 km on Nov. 14 and 13500 km on Nov. 16 on either side of the extended radius vector and continued in streamers of the plasma tail,“ schreiben die Beobachter um den bekannten deutschen Kometenspezialisten Hermann Böhnhardt: „No coma wings were found in similar exposures obtained on Nov. 13. The coma wings suggest the presence of two or more sub-nuclei with individual expanding atmospheres in the overall cometary coma and may indicate recent nucleus splitting in the comet.“ Eindeutig ist diese Interpretation freilich nicht, aber selbst wenn sie zutrifft, ist die weitere Entwicklung nun spannend: Während ein völliger Kernzerfall ein baldiges Ende der ISON-Show bedeuten könnte, wäre ein nur teilweiser womöglich gar eine gute Nachricht. Während sich ISON jetzt rasant den irdischen Beobachtern entzieht, kommt zunächst MESSENGER zum Zuge (Video), gefolgt von diversen Sonnen-Satelliten wie dem SDO.

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Von heute weitere Bilder vom Schweif (mehr und mehr) und Koma-Detail sowie ein Beobachtungs-Bericht, von gestern Bilder vom Schweif (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), von Komadetail (mehr) und weitwinklig (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr von hier), von vorgestern Bilder vom Schweif (106mm F5.0 with STL-11k. LRGB. L: 5x2mins. RGB: 1x2mins; negativ, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr plus ein Vergleich), von Koma-Detail (mehr) und weitwinklig (mehr und mehr), eine Zeichnung (die Story dazu) und ein Bericht, vom 14.11. der Schweif und eine Animation und vom 4. bis 13.11. diverse Zeichnungen. Auch aktuelle Helligkeits-Schätzungen, Updates zur Lage hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Außerdem noch zu Lovejoy dies, dies, dies, dies und dies und Nevski jenes und jenes – und der neue Komet C/2013 V5 (Oukaimeden), der 2014 noch interessant werden könnte.

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Ein Asteroid zerstört sich per rasanter Rotation selbst

Das ist jedenfalls die naheliegende Hypothese zur Erklärung dieser bemerkenswerten bis zu 6 ‚Schweife‘, die mit Hubble bei P/2013 P5 gefunden wurden: „The protracted period of dust release appears inconsistent with an impact origin, but may be compatible with a body that is losing mass through a rotational instability,“ schreiben die Beobachter, die „suggest that P/2013 P5 has been accelerated to breakup speed by radiation torques.“ Auch ein HST PR, eine MPG PM, ein Hangout zum Thema, Science@NASA, Amateur-Beobachtungen, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links. Sowie die Fälle 2013 US10 (NEO entpuppt sich als langperiodischer Komet) und 2002 UX25 (ein Kuiperoid mit ungewöhnlich geringer Dichte; mehr), eine Anzahl weiterer Chelyabinsk-Auswertungen, die zu Press Releases hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikeln hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier führten [NACHTRAG: noch ein Nachzügler] – und ein möglicher Schauer heller Meteore 2014.

Auf der Sonne gab es ein paar weitere X-Flares, und die Fleckenzahl konnte sich zeitweise auch blicken lassen: diverse Notizen vom 14.11., 12.11., 10.11. (mehr), 8.11. (mehr und mehr), 7.11., 6.11. (mehr und mehr) und 31.10. sowie ein PR zur Umpolung des Sonnen-Magnetfelds. Und schöne Jupiters vom 16.11. und 27.10., ein Bericht über die BoHeTa, ein Video von der VdS-Tagung – und weitere Artikel hier und hier über das mutmaßlich größte Amateurteleskop („Selbstgebautes 1.8-Meter-Teleskop fertig …“) der Welt.

Weitere größere Artikel – allesamt mit Zugaben

11. Oktober 2013

ISON-Forschung zeichnet erfreuliches Bild zu Eigenschaften und Aussichten des Kometen. Mitteilungen vom PSI zu den HST-Daten vom April, vom SwRI zum Überlebens-Paper und von der CIOC zum Wohlbefinden des Kometen, eine Aufzeichnung der DPS-PK (9.10.2013) die Ankündigung der nächsten HST-Daten und erste Erkenntnisse (Wasserproduktion stark angestiegen), aktuelle Bilder von heute (mehr und mehr), gestern (mehr und mehr) und vorgestern (mehr) sowie weitere Bilder, Artikel hier, hier, hier, hier und hier – und nochmal alles zusammen.

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Amateurastronomen bestätigen: Erde brachte Juno auf Kurs – hier ein weiteres Stück Erde, das ankam. Der Safe Mode dauert noch an, auch frühere Artikel hier, hier und hier.

Kleinere Artikel

Polarlichter über Norddeutschland gleich zweimal innerhalb einer Woche. Die Slideshow vom zweiten hier ist allerdings aus Vermont, auch ein Bericht aus Deutschland und europäische Impressionen von 57°, 58° und 59° Nord davon.

Drei Kometen am Morgenhimmel: neben ISON auch Encke – ein Bild vom 9. Oktober – und Lovejoy.

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Ein sternloser Planet in nur 80Lj Entfernung – hier ist er. Weitere Press Releases von IfA und MPIA und Artikel hier, hier und hier.

Fomalhaut ist ein Dreifachstern mit bis zu 6° entfernten Begleitern – auch ein Artikel.

Der Ursprung des „ISON ist ein UFO“-Schwindels / The Origin of the ‚ISON is a UFO‘ Hoax

21. August 2013

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Eigentlich sollte all der Unfug, der bereits über den armen Kometen ISON ausgeschüttet wird, in diesem Blog schlicht nicht stattfinden, doch ein Recherche-freier Artikel der Augsburger Allgemeinen, der unreflektiert z.B. diese absurde Blogstory verlinkt, erfordert nun doch ein Einschreiten. Der Schwindel von ISON, dem UFO, basiert auf dem obigen Bild: dem missratenen Ergebnis eines Versuchs, mit Hubble eine tiefe Aufnahme des Kometen vor dem Himmelshintergrund zu machen, die durch die Bahnbewegung ISONs und v.a. Hubbles vereitelt wurde. Wie das passierte und warum man schließlich als Notlösung eine Schwarzweiß-Aufnahme des Kometen in das farbige Komposit kleben musste, haben die Verantwortlichen wiederholt erklärt, z.B. hier und hier. Es ist einfach nur widerlich: Da war die NASA einmal richtig offenherzig und hat ein misslungenes Hubble-Resultat präsentiert (wo sie doch angeblich immer alles Verdächtige verschwinden lässt) – und der Lohn ist gleich die nächste Verschwörungstheorie. Die deutsche „Journalisten“ nun auch noch weitergeben statt aufzuklären …

Originally all the nonsense already distributed about poor comet ISON should find no place in this blog, but an article in a German paper devoid of any inquiries and linking to e.g. this absurd blog story instead demands action. The hoax about ISON being a UFO is based on the image shown above: the failed attempt to get a Hubble image of comet ISON in front of the deep sky, thwarted by the comet’s and especially Hubble’s orbital motions. How that happened and why they – as a kludge to save the day – eventually pasted a black & white ISON onto a color sum image, has been explained in public numerous times, such as here, here and here. It is just disgusting: Here NASA – which ‚covers up‘ everything suspicious in many loonies‘ minds – has once been even more open than usual and shown a mishappen result. And all it gets is yet another conspiracy theory. Which German ‚journalists‘ now spread instead of debunking … [ADDENDA: the whole thing in one strip, a mighty rant about all this nonsense – and finally the STScI has reacted, too, as have the Comet ISON Observing Campaign and once more the Hubble folks]

Zum Ausgleich auch eine positive ISON-Nachricht: Auch in Indien wird jetzt eine große Beobachtungs- wie Informations-Kampagne initiiert (mehr und mehr). [NACHTRÄGE: Auf einen Bild mit 5″-Refraktor vom 21.8. aus Japan erscheint ISON arg schwächlich, zwei Tage früher mit 10″ überzeugender mit 13. Größe.] Und ein theoretisches Paper sagt voraus, dass Rosettas Zielkomet schon früher aktiv werden könnte als bisher berechnet. Auch Fan-Verarbeitung von Vesta-Daten, ein schockierend detailreiches Uranus-Bild eines Amateurs, natürlich des ‚üblichen‘ Verdächtigen, ein koronaler Massenauswurf der Sonne Richtung Erde und gleich noch einer [NACHTRÄGE: mehr und mehr dazu] und eine Link-Sammlung zur Nova Del 2013, deren normaler Abstieg begonnen hat (mit ungewissem Fortgang freilich) und die Gamma– aber keine Röntgen-Strahlung aussendet. NACHTRAG: weitere Helligkeiten vor dem Ausbruch, alle 17 mag.

In gespannter Erwartung des Kometen ISON …

3. August 2013

… sind nicht nur Amateurastronomen und Teile der Öffentlichkeit sondern auch die Kometenspezialisten der Welt: Bei dem großen ISON-Workshop in Maryland am 1. und 2. August konnte man – selbst aus 6 Zeitzonen Abstand per Webcast (komplette Aufzeichung in den Latest Videos hier von hinten nach vorn) zugeschaltet – eine Erregung verspüren wie es sie vielleicht einmal im Jahrzehnt gibt, sei es 2005 vor dem Impakt von Deep Impact gewesen, 1994 von dem Kometensturz von SL9 oder 1986 vor dem Periheldurchgang Halleys. Oder 1973 in Erwartung des Kometen Kohoutek, was vielleicht sogar die beste Parallele ist: Zwar hat die Kometenforschung in den 40 Jahren seither gewaltige Fortschritte gemacht, aber just bei ISON – dem ersten bekannten Kometen aus der Oort-Wolke, der zum Sonnenkratzer werden und dabei hart an der Roche-Grenze vorbei schrammen wird und sich seit seiner Entdeckung auch noch merkwürdig verhalten hat – ist die Unsicherheit gewaltig. Nicht nur für die Öffentlichkeit, auch für viele wissenschaftliche Beobachtungen, wäre eine ordentliche Helligkeit wünschenswert.

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Immerhin wird das zu Workshop-Beginn gezeichnete düstere Szenario („Ist Komet ISON etwa nur ein eisarmer Klumpen aus Staub?“) durchaus nicht unisono geteilt: Hier z.B. hat Karen Meech im Rahmen ihrer inspirierten Zusammenfassung des Workshops (ab 1:30) die beobachtete Rothelligkeit ISONs gegen ein Modell aufgrund der zu erwartenen Sublimationen verschiedener Moleküle aufgetragen (ab 11:18). Und siehe da: Wenn man die Aktivität bei den ersten Helligkeitsmessungen überhaupt (Pre-Discovery, ganz links) und den letzten vor dem Verschwinden hinter der Sonne im Juni (rechts) mit dem theoretischen Anstieg der Gasproduktion verknüpft, dann lag die Helligkeit die ganze Zeit dazwischen über den Erwartungen! Meechs Vermutung: ISON hat einen monatelangen langsamen Ausbruch hinter sich, bei dem die zunehmende Sonnenwärme Reservoirs von CO oder CO2 – die schon bei geringeren Temperaturen als Wasser sublimieren – unter der Kernoberfläche aufgebrochen hat, die sich nun erschöpft haben. Die „Abflachung“ der Lichtkurve wäre dann nur vorgetäuscht. Wie es weiter geht, könnte bereits die erste verlässliche Photometrie ISONs nach seinem Wiederauffinden in knapp einem Monat verraten. Ungefähr dann – am 20. August – unterschreitet ISON auch die „Eis-Linie“, ab der Wasser viel stärker sublimiert, aber weitere CO- und CO2-Taschen könnten für zusätzliche Aktivität sorgen.

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Was chemisch in ISON vorgeht, dazu sind die Daten freilich noch Mangelware. Zwar konnte das Spitzer Space Telescope am 13. Juni die Gaskoma isolieren („23. Juli“; auch ISAN 193-4): oben von Yan Fernández seine Bilder bei 3.6 und 4.5 µm und die Differenz, darunter die entsprechende Spitzerfotometrie (Datenpunkte rechts) und parallele irdische in ein Modell mit Lichtreflexion an Staub (gepunktet) und Eigenemission (gestrichelt; durchgezogen = Summe) eingetragen – bei 4.5 µm leuchtete eindeutig noch etwas Anderes. Doch ob dies CO oder CO2 ist, lässt sich schlicht nicht sagen: Emissionslinien beider Moleküle liegen im Filterbereich, und wie das verschachtelte Tortendiagramm von Mike Mumma unten zeigt, sah die Chemie abseits des immer dominierenden Wassers bei drei Kometen der letzten Jahre jedes Mal ganz anders aus, insbesondere was die Anteile von CO2 (grau) und CO (rosa) betrifft. Und dann kann sich das Verhältnis auch noch ändern („Warum man Daten aus allen Quellen …“), mit dem Sonnenabstand ein und desselben Kometen. Für die Größe von ISONs Kern gibt es weiterhin nur eine Obergrenze aus HST-Bildern vom April: Der Radius ist kleiner als 2 km. Und ob er rotiert, weiß man auch nicht: Ein 45° aufgefächerter Staubjet in der inneren Koma veränderte sich während der 19-stündigen Hubble-Beobachtungen überhaupt nicht. (Hubbles ISON-Aufnahmen sollen übrigens als vorverarbeitete Original-Daten öffentlich gemacht werden.)

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Neben der Bestandsaufnahme der bisherigen – eher wenigen – Erkenntnisse über ISON ging es auf dem Workshop überwiegend um die Planung von Beobachtungen, wofür zahlreiche NASA-Instrumente plus irdische Sternwarten eingesetzt werden sollen: abgesehen von den Bemühungen um Halley in den 1980-er Jahren, zu dem immerhin eine ganze Flotte von Raumsonden geschickt wurde, wohl die umfassendste Kampagne für einen Kometen. Manche – etwa die Betreiber diverser Marssonden – wissen noch gar nicht recht, was ihre nicht gerade für Kometen optimierten Detektoren zu sehen bekommen werden, andere wollen UV-halber einen Ballon und eine Rakete mit FORTIS starten oder mehrere Sonnensatelliten einsetzen, die STEREOs ebenso wie SOHO, und allein die NASA-IRTF wird ISON über 200 Stunden Beobachtungszeit widmen. (Auch diese Bilder sowie etliche der Keck-Teleskope will die NASA binnen einer Woche öffentlich machen.) Aber all dies lässt Lücken, auch weil die oft zu knappe Elongation des Kometen Großteleskopen den Blick verwehrt. Erstaunlich oft wurde deshalb auf dem Workshop nach der Einbindung der flexibleren Amateurastronomen gerufen, nicht nur in einer ganzen Session zum Thema, sondern auch in Meechs Fazit (ab 20:45; oben ein Screenshot) und der sich anschließenden Abschlussdiskussion (mehrfach ab ca. 54:00).

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Zuvor waren die Wünsche sogar recht konkret geworden: Auswertbare Bilder von Staubschweif-Strukturen wie Striae von zerplatzenden Staubteilchen (ab 36:25), Verformungen von Plasmaschweifen im Sonnenwind (ab 48:18) oder einen Natriumschweif, der sich v.a. in Perihelnähe bilden dürfte (ab 42:04; in der Mitte ein Screenshot einer Simulation von Kimberley Birkett für den 29. November, in der Bahnebene ISONs) würden auch von Amateuren gerne genommen. (Das Bild unten ist eine spektrale Aufnahme von PANSTARRS am 14. März, vom HGS-Spektrographen des Dunn-Sonnenteleskops[!] in die beiden Na-D-Linien gespalten.) Wie die beiden Welten am besten zusammen kommen, wird gerade hinter den Kulissen eifrig diskutiert, wobei auch dieser Blogger mitmischt: Das Amateur Observers‘ Program der UMD bietet sich als Vorbild an. Die gesammelten Profi-Pläne sollen derweil erfasst und als riesige Matrix dargestellt werden – sollte der Komet freilich im Perihel extreme Dinge tun, dann müssen sie ab Dezember neu gestrickt werden: Für diesen Fall, so wurde am Ende des Workshops beschlossen, sollte es im Dezember eine Art Not-Workshop, wieder mit Teilnahme-Möglichkeit aus der Ferne, geben … NACHTRÄGE: alle Videos mit Indices, vom ersten und zweiten Tag, spätere Berichte zum Workshop hier, hier und hier – und viele geplante professionelle Beobachtungen als Kalender & Tabelle.

PANSTARRS mit zweiter Größe in den Endspurt

3. März 2013

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So stand er heute Abend über Westaustralien, eine Woche vor dem Perihel: „The comet was certainly brighter tonight than two nights ago. It was easy to see in the twilight as a comet with tail,“ schreibt der Fotograf Jim Gifford auf 34°S. „The head is still very intense, and the coma/tail at the head appeared to have broadened as seen in 25×100 binoculars.“ In Europa ist derweil PANSTARRS am Tage vage nachgewiesen worden, per Teleskop & IR-Filter. Ausgewählte Fotos und Berichte von der Südhalbkugel von heute (mehr, mehr, mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr und mehr) und vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr) und ein Weitwinkelbild mit PANSTARRS & Lemmon vom 28. Februar. Die letzten zwei detaillierten visuellen Beobachtungsberichte vom 1. März hier & hier sahen den Kometen bereits klar bei 2. Größe – ob er bis zum Perihel am 10. März (eine Karte mit den Sichtbedingungen dann) wohl noch eine 1 vor’s Komma bekommt? Weitere Vor- und Statusberichte hier, hier, hier, hier & hier auf Deutsch und hier, hier, hier, hier (mehr), hier und hier auf Englisch.

Impaktwahrscheinlichkeit von Komet Siding Spring für den Mars auf 1:640 gestiegen! Neu entdeckte Precovery-Aufnahmen des Kometen C/2013 A1 („Neuer Komet kommt Mars nahe …“) haben zu einer Bahnverbesserung geführt – und die „approaches“-Funktion von JPL Horizons im telnet-Dialog liefert nunmehr eine nominelle Vorbeiflugdistanz von 53’500 km, eine maximale von 320’000 km und eine minimale von 0 km, mit einer Impaktwahrscheinlichkeit von 0.001571. (Mit einer Klon-Methode kommt seltsamerweise nur die Hälfte heraus; noch eine Privat-Analyse.) Weitere frühere Artikel zur Mars-Begegnung hier, hier und hier, auch ein Disconnection Event bei Lemmon und ein ISON mit 17 Zoll gestern, plus Updates zu letzterem.

Weitere harte Fakten zur Natur der russischen Boliden

hat die NASA aufgrund neuer Daten „by U.S. Government sensors“ ermittelt, bei denen es sich natürlich nur um die Infrarotsignatur der Feuerkugel für Frühwarnsatelliten handeln kann – solcherlei Daten werden schon lange für die Analyse großer Boliden verwedet, wenn sie das US-Militär denn herausrückt. Die Gesamtenergie des Impakts wird nunmehr mit 440 kt TNT-Äquivalent angegeben, wovon der Feuerball etwa 90 als Licht abstrahlte. Der Durchmesser des Asteroiden ergibt sich jetzt (immer noch ziemlich grob) zu 18 m und seine Masse zu 11’000 Tonnen. Und die aus den mutmaßlichen Satellitendaten bestimmte Flugbahn des Boliden – und damit der der ursprüngliche Orbit des Asteroiden – passen gut zu entsprechenden Analysen aus den Videos vom Boden (die wohl beste tschechische, hier schon vor einer Woche beschrieben [„Analyse des Russen-Airbursts …“], ist übrigens auch hier ‚entdeckt‘ worden). Auch Artikel zur Unterbrechung der Meteoitensuche (erst wenige kg sind geborgen) und einem erwogenen Export-Stopp sowie der häufigen Fehl-Identifikation des Boliden durch Augenzeugen und die denkbare Vermarktung des Impakts.

Wird noch ein zweites Sonnenmaximum ’nachgereicht‘?

In einer ziemlich herum spekulierenden NASA-Story und einem der Thematik angemessen ungewöhnlich konfusen Video dazu wird der Vermutung Ausdruck verliehen, dass das Maximum des aktuellen Sonnenzyklus eine ausgeprägte Struktur mit zwei disjunkten Maxima bekommen könnte, wie sie – schwächer – auch mehrere voran gegangene zeigten. Das würde erklären, warum es mit der Sonnenaktivität wieder abwärts ging („Weiterer Verlauf des 24. Sonnenzyklus …“), nachdem bereits vor einem Jahr ein relativ scharfes Maximum erreicht war. Dass dem noch ein weiteres nachfolgt, womöglich erst 2014 oder gar 2015, scheint aber reine Spekulation zu sein. Auch ein nettes aktuelles Allsky-Aurora-Video und eine Galerie norwegischer Nächte.

Der umstrittene Vorgänger der SN 2011dh in M51 ist tatsächlich weg: Mit dem Hubble Space Telescope konnte gestern – das ist mal Publikations-Geschwindigkeit! – klar nachgewiesen werden, dass der gelbe Überriese, der exakt an der Position der Supernova gesehen worden war („Sieben Papers über die Supernova 2011dh …“), nicht mehr da ist. Also ist dies doch der Stern, der explodiert war, obwohl es doch so schöne Argumente dagegen gegeben hatte …