Posts Tagged ‘JUICE’

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

21. Februar 2013

iss-fun-oben

iss-fun

Der Mond über der Erde, gesehen von Rosetta 2005 beim ersten Gravity Assist (und bis vor kurzem unveröffentlicht im Datenarchiv versteckt und nun hier kräftig bearbeitet, auch von diesem Blogger), mal wieder ein nächtliches Zeitraffer-Video aus der ISS, mit viel Polarlicht gegen Ende – und noch mehr Spass mit großen Wassertropfen („Nette Demonstration von µg …“) auf der Raumstation.

In genau einem Monat gibt’s die Kosmologie von Planck!

Im Rahmen einer Pressekonferenz im ESA HQ in Paris werden am 21. März die ersten Gesamtkarten der kosmischen µ-Wellen-Hintergrundstrahlung des ESA-Kosmologie-Satelliten präsentiert – und damit zusammen sicher auch die abgeleiteten Parameter des Universums, genauer als je zuvor. Noch immer scheint nichts davon ‚geleakt‘ zu sein.

Die 5 THEMIS-Satelliten sind nun 6 Jahre im All nach ihrem Start am 18.2.2007 und erforschen weiter die Magnetosphäre der Erde, namentlich die „Time History of Events and Macroscale Interactions during Substorms“ – zwei davon inzwischen in der Nähe des Mondes („Beide ARTEMIS-Satelliten kreisen nun um den Mond“).

11 Instrumente für die Jupiter-Mission JUICE ausgewählt

Für die letztes Jahr beschlossene ESA-Mission JUpiter ICy moons Explorer steht bereits die Nutzlast fest: kurz gesagt, „das Übliche“ für die intensive Erforschung eines Gasriesen aus dem Orbit, auffällig höchstens ein Eis-durchdringendes Radar für die Monde. Von der NASA – die weiter von einer eigenen Mission zu Europa träumt – kommen eins der Instrumente (ein UV-Spektrometer) und Beiträge zu zwei weiteren, auch Japan ist vertreten. [NACHTRÄGE: weitere/späte Pressemitteilungen zu den deutschen Missions-Beiträgen von MPS und DLR, aus Bern sowie vom SwRI – und was JANUS‘ lateinisches Akronym bedeutet …]

Indien verspricht erneut seinen ersten Mars-Start dieses Jahr, diesmal in einer Rede des Präsidenten vor dem Parlament – und ein ISRO-Wissenschaftler sagt, die „mission is ready to roll“ im Oktober. Derweil hat der Inspector General der NASA das MAVEN-Projekt gelobt: Endlich mal ein Projekt mit gutem Management. Der Mars-Orbiter, der im November starten soll, ist inzwischen fertig und wird getestet – während diese Grafik insinuiert, dass die NASA Mars-süchtig ist …

Die Aktivierung des LDCM-Satelliten schreitet voran

Gemeint ist die Landsat Data Continuity Mission = der 8. Landsat seit 1972, der vor 10 Tagen gestartet wurde (Bild, Blog-Eintrag und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier): Er gesellte sich zu Landsat 7 von 1999 und Landsat 5 von 1984 (der immer noch arbeitet, was gerade als Rekord anerkannt wurde), und inzwischen sind alle Systeme eingeschaltet worden.

Der Fehlstart des Satelliten Glory bleibt rätselhaft: Damals hatte sich die Nutzlast-Verkleidung einer Taurus XL nicht abgelöst, und auch die intensive Untersuchung konnte nicht ermitteln, was letztlich dafür verantwortlich war. Selbst dieses Nicht-Ergebnis darf man allerdings nicht im Detail lesen, „because it contains information restricted by U.S. International Traffic in Arms Regulations and information proprietary to the companies involved“ … [NACHTRAG: ein Artikel]

Will der erste ISS-Tourist jetzt um den Mars fliegen?

Er war 2001 – mit einigen Schwierigkeiten – der erste zahlende Besucher der ISS geworden, und nun will Dennis Tito offenbar am 27. Februar eine Reise zum Mars, ohne Landung und gleich wieder zurück, mit einem Start schon 2018 ankündigen. Wie dieser Recherche zu entnehmen ist, auch hier, hier und hier aufgegriffen, könnte da eine Dragon-Kapsel per Falcon Heavy auf eine 501-Tages-„Free Return“-Reise geschickt werden, spartanisch ausgestattet für zwei Passagiere. Ob Tito selber einer davon sein würde (er wäre älter als John Glenn bei seinem geriatrischen Shuttle-Flug), ist noch eine ganz andere Frage. Von den technischen und medizinischen Herausforderungen und Kosten ganz zu schweigen … NACHTRÄGE: Laut einem Update hier fliegt Tito selber sicher nicht, und es muss auch keine Hardware von SpaceX dabei sein. Und ein CNN-Clip und Armagh Planet mit vielen kritischen Fragen.

Schock für Europas Weltraum-Astronomen: ESA-Exekutive gibt Mission zum Jupiter den Vorzug

18. April 2012

Noch handelt es sich bei dem ‚geleakten‘ Papier nur um die Empfehlung der Exekutive des Science & Robotic Exploration Directorate (SRE) der ESA an deren Science Programme Committee (SPC), das erst am 2. Mai endgültig entscheiden wird, aber die Richtungsvorgabe ist klar: Als erste ganz große Mission L1 des wissenschaftlichen Langzeitplans „Cosmic Vision“ sollt Ihr zum Jupiter fliegen und mit JUICE (JUpiter ICy moons Explorer) insbesondere den Mond Ganymed erforschen – während sich der Röntgensatellit ATHENA (vormals IXO) und der Gravitationswellen-Detektor NGO (vormals LISA) wegen höherer Kosten und größerer technischer Hürden doch bitte bei der nächsten Runde erneut bewerben mögen. Da der SRE-Direktor u.a. auf Empfehlungen des Space Science Advisory Committee (SSAC) der ESA baute und das SPC fast immer tut, was das SSAC sagt, gilt die Auswahl von JUICE als praktisch sicher – auch wenn binnen Stunden schon eine Petition pro ATHENA ins Leben gerufen wurde.

Der ganze Auswahlprozess für L1 war schwer durcheinander geraten, nachdem vorgesehene internationale Partner aus allen drei in die Endrunde gelangten Projekten ausgestiegen waren, insbesondere die bei allen drei wesentliche NASA: Artikel vom letzten Februar („Erste Riesenforschungsmission …“), März („NASA zu verwirrt …“) und April hatten das schon geschildert. Im Laufe des Jahres 2011 waren dann alle drei Vorschläge in kurzer Zeit und mit großem Einsatz den neuen Umständen einer alleinigen ESA-Mission angepasst und technisch deutlich vereinfacht worden, während sie trotzdem gleichzeitig wissenschaftlich relevant blieben. Damit die Arbeit für die ‚Verlierer‘ nicht umsonst war, wird ihnen von SSAC wie SRE wärmstens nahe gelegt, sich beim Call für L2 im kommenden Jahr wieder zu bewerben – wieviel Geld für diese Mission allerdings zur Verfügung stehen wird, entscheidet erst der ESA-Ministerrat Ende dieses Jahres.

Wie auch immer das SPC in zwei Wochen befindet: Gestartet werden soll L1 in zehn Jahren. Und wenn es wirklich JUICE wird, dann würde der solarbetriebene Orbiter im Januar 2030(!) in eine Jupiter-Umlaufbahn einschwenken und schließlich 2033 in einem Orbit um Ganymed enden. Ganymed? Eigentlich sollte die Mission als ESJM-Laplace gemeinsam mit der NASA durchgeführt werden, die sich dabei um den für die meisten wohl interessanteren Mond Europa gekümmert hätte, aber auch dieses Projekt war durch den Ausstieg der USA an die Wand gefahren worden. Das seither modifizierte JUICE-Konzept umfasst immerhin nun auch ein paar der Aufgaben des NASA-Teils, die allerdings überwiegend während lediglich zweier Europa-Flybys erledigt werden müssten. Nach gegenwärtiger Planung würde die ESA 830 Millionen Euro in den Orbiter investieren, während die einzelnen Mitgliedsstaaten zusätzlich etwa 241 Millionen in die Nutzlast stecken sollen – und die NASA eingeladen ist, für bis zu 68 Millionen weitere Instrumente zu liefern. Mehr zur jetzigen Vorentscheidung auch hier, hier, hier, hier und hier.