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Und so sah Cassini Erde, Mond und Saturn!

21. Juli 2013

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24 Stunden nach der großen Cassini-Aktion haben bereits genug Rohbilder die Erde erreicht, um einen ersten Eindruck des geplanten Mosaiks zu vermitteln: oben eine Aufnahme von Erde und Mond mit der Telekamera NAC [NACHTRAG: eine „farbige“ Version], darunter ein Grob-Mosaik des Gesamtbildes aus Aufnahmen der Weitwinkelkamera WAC und unten ein einzelner WAC-Frame mit der Erde im Bild.

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Zusammen mit einem weiteren Frame ist auch schon eine Art Farbaufnahme entstanden [NACHTRAG: hier, hier und hier andere Versionen] – hier noch eine Sammlung früher Rohbilder, all dies übrigens zuerst über Cassinis Facebook-Seite verbreitet: So macht man das heute wohl. [NACHTRÄGE: Dafür dauert’s bis zum ‚amtlichen‘ Endergebnis um so länger; weitere Artikel hier, hier hier und hier] Und als „Gegenschuss“ noch ein Peach-Saturn zu fast dem Zeitpunkt der Aufnahmen.

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Der Mond mit Sonne von allen Seiten gleichzeitig: So was gibt’s natürlich nie am Himmel zu sehen, aber hier wurde aus 110’000(!) Aufnahmen der Weitwinkelkamera des LRO bei 643 nm ein künstlicher Mond berechnet, für den die Sonne überall 80° hoch am Himmel steht. Dergleichen wird es demnächst auch in Farbe geben. Auch die Feststellung (mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr Links]), dass tatsächlich eine Raketenteil von Apollo 11 geborgen wurde. Und der private Plan (unfinanziert), ein Teleskop auf den Mond zu stellen.

Noch kurz gemeldet

Beobachtungen des möglichen Zielasteroiden (163249) 2002 GT für eine erneute Missionsverlängerung von Ex-Deep-Impact EPOXI – den die alte Sonde 2020 erreichen könnte – wurden Ende Juni in Europa koordiniert: Es galt, die letzte Annäherung an die Erde für fundamentale Messungen zu nutzen.

Der aktuelle Status des James Webb Space Telescope, über das eine wahre Flut von Pressemitteilungen über jeden kleinen technischen Schritt produziert wird, ist durchaus nicht so perfekt: Ein Anzahl kritischer technischer Hürden müssen noch genommen werden, und die Reserven schwinden.

Jede Menge wissenschhaftliche Errungenschaften der ISS wurden kürzlich auf einer Tagung in den USA gefeiert, insbesondere vom großen Teilchendetektor AMS-02, der inzwischen 35 Mrd. Teilchen Kosmischer Strahlung beobachtet hat: Darüber wird sogar in China berichtet, auch weil der AMS-PI ursprünglich von dort stammt.

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Allgemeines Live-Blog vom 16. Januar 2013

16. Januar 2013

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Und wieder ist ein Stückchen vom JWST fertig geworden

Diesmal ist es das aft-optics subsystem (AOS) des James Webb Space Telescope, das dafür sorgt, dass das Licht vom Sekundärspiegel des eigentlichen Teleskops den wissenschaftlichen Instrumenten des Mega-Satelliten zugeführt wird: Alle Performance-Tests sind abgeschlossen. Auf der AAS-Tagung letzte Woche („Dem James Webb Space Telescope …“) war Optimismus verbreitet worden, dass es mit dem Finanz- und Zeitplan des Monster-Satelliten diesmal klappt – aber die Auswirkungen auf andere Missionen sind erheblich. [23:50 MEZ – Ende]

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Ein Modell des BEAM, die stellvertretende NASA-Chefin und Herr Bigelow höchstselbst (den nicht nur normale Raumfahrt interessiert, s.a. hier, hier und hier) bei der heutigen Präsentation des Aufblas-Moduls für die ISS (s.u.) – auch Artikel zur Vorgeschichte BEAMs, den anderen Aufblas-Satelliten der Firma und ähnlichen NASA-Ideen schon 1959. [22:10 MEZ] Mehr zum Hintergrund des Bigelow-NASA-Deals in diesem Bericht von der PK: Die 18 Mio. NASA-$$ decken die Kosten der Firma nicht im Mindesten, der es eher darum geht, einen Fuß in die Tür zu bekommen – und für eine große eigene aufgeblasene Raumstation zu üben. [23:15 MEZ]

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ESA und NASA gemeinsam zu fernen Welten? Während zumindest für einen (unbemannten Test-)Flug der NASA-Orion ein entscheidender ESA-Beitrag vereinbart wurde (siehe unten) und eine eventuelle weitere Zusammenarbeit buchstäblich in den Sternen steht, haben die Künstler beider Raumfahrtagenturen schon mal klar gemacht, wo’s lang geht: Bei der ESA (oben) strahlen das ATV 2.0 und seine Solarzellen im hellen Glanz, während die Orion weitgehend verdeckt ist, bei der NASA (unten) dominiert die Orion, die das ATV 2.0 im Schatten liegen lässt – und die Oberstufe des SLS sitzt auch noch auffällig dahinter … [21:35 MEZ]

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Ganz schön aufgeblasen: das „Bigelow Expandable Activity Module“ (BEAM), das 2015 für zwei Jahre an der ISS angebracht werden soll – als Demonstrator für solcherlei Aufblas-Raumstations-Module und wie sie es im Weltraum aushalten. Bizarrerweise bezahlt die NASA der Firma, die auch selber mit Aufblas-Satelliten experimentiert (siehe Artikel C25), 17.8 Mio.$ für ihr – per Dragon – anzulieferndes 4 x 3 Meter großes Modul, dabei hatte sie das Konzept ursprünglich von der NASA lizensiert. [21:05 MEZ]

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ESA jetzt im „critical path“ der Orion-Kapsel der NASA

Auf einer gemeinsamen PK von NASA und ESA [NACHTRAG: Aufzeichnung] wird gerade der Einstieg der ESA beim Flug EM-1 des Orion-Systems gefeiert: Gemäß diesem Plan liefert die ESA auf der Basis ihres ISS-Frachters ATV (dessen letzte beide Exemplare diesen April und 2014 starten) das Service Module für diesen zweiten Flug der Orion, der – z.Z. für Ende 2017 geplant – der erste der neuen Riesenrakete SLS sein und unbemannt um den Mond herum führen wird. Die ESA ist damit – zumindest vorübergehend – „in the critical path“: Das Vertrauen hatte man sich durch die gute Zusammenarbeit bei der ISS erworben. Bleiben Ersatzteile übrig, kann die NASA diese auch für EM-2 verwenden, ansonsten ist der ESA-Einstieg in die bemannte US-Raumfahrt nach gegenwärtiger Beschlusslage schon wieder vorbei (auch wenn T. Reiter auf der PK von einem „start of extended cooperation“ sprach): Das Antriebssystem für EM-1 ist die „in kind“-Zahlung der ESA für ihren Anteil an den Betriebskosten der ISS bis 2020. Bei ersten Testflug der Orion in ca. 20 Monaten ist noch keine ESA-Hardware dabei. [18:20 MEZ. NACHTRÄGE: ein detailliertes Video über EM-1 auf Vimeo & Youtube – und eine PM der ESA, nicht erwähnt, dass es nur um EM-1 geht]

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Dieser 9.25″-Schmidt-Cassegrain wurde jetzt hinter einem ISS-Fenster installiert, wie diesem beiläufigen Orbit-Tweet zu entnehmen ist – allerdings schaut das Teleskop nicht in den Himmel sondern auf die Erde: Das ISS SERVIR Environmental Research and Visualization System (ISERV) soll die automatische Erdbeobachtung von der ISS aus erproben, speziell als „DisasterCam“ für den Einsatz bei Naturkatastrophen als Beitrag für SERVIR. Das Bildfeld misst dank eines Fokalreduktors mit einer EOS 7D etwa 13 x 9 km, die Auflösung entspricht mit ca. 3 m einer Kuh. ISERV (das Bild hier entstand [NACHTRAG: mit einem ähnlichen Gerät] noch auf der Erde) war bereits letzten Sommer angekommen und nun gestern hinter der Window Observational Research Facility (WORF) – NASA-Speak für „extra gutes Fenster“ – installiert worden. [5:25 MEZ. NACHTRÄGE: das Teleskop wird ‚unboxed‘ und schwebt in der ISS, auch erwähnt im gestrigen Tages-Video von 2:30-3:45, unten im heutigen Tages-Bericht und in einem späteren Artikel]

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Das Feuer von Siding Spring brennt immer noch …

… auf dieser Aufnahme aus Reiseflughöhe, die die Feuerwehr verbreitet hat: Gerade startete das 4. Live-Blog von A. Bauer mit der Kunde, dass im Inneren der Kuppeln von AAT („So sieht der Bau des Anglo-Australian Telescope jetzt aus“) und UK Schmidt zwar viel Schmutz aber keine offensichtlichen Schäden an den Instrumenten selbst vorgefunden wurden – die Feuerschutz-Maßnahmen der letzten Jahre haben sich bewährt. Und die ATNF berichtet von einer Inspektion des Mopra-Radioteleskops, bei der auch dieses und dieses Bild entstanden. [1:10 MEZ. NACHTRAG: Physics World fasst zusammen – und Bauers fünfter Blog]

Die Entwicklung der Sonnen-Aktivitätregion 1654, während sie vom 7. bis 14. Januar über die Sonnenscheibe – Anblick am 15. Januar – zog: lückenlos dokumentiert vom Solar Dynamics Observatory. Die Gruppe war zwar groß, hat aber wohl kaum nennenswerte Effekte auf der Erde produzieren können. [0:10 MEZ. NACHTRAG: die zugehörigen Korona-Loops vom 9.-15. Januar]

Die nächste russische Mondmission startet nicht vor 2015

Auf dieses Jahr ist nach Berichten hier, hier und hier der Start von Luna-Glob („Mond-Globus“) gerutscht, der ersten von vier angedachten Missionen zur Errichtung einer „robotischen Mondbasis“. Der Lander soll eine 120-kg-Nutzlast zur Oberfläche bringen, auch astrophysikalische. Und gestartet werden soll von einem neuen Weltraumbahnhof in der östlichen Amur-Region: Baikonur adé. [0:10 MEZ. NACHTRAG: Dieser Artikel beschreibt zwei weitere russische Mondmissionen 2016 und 2017 – und kündigt „2030 – 2040 eine breite Erschließung des Mondes“ an …]

Schicksal von 2012 DA14 in hundert Jahren unbestimmt

Dank neuer Astrometrie der letzten Tage ist die Bahn dieses Asteroiden, der am 15. Februar dicht an der Erde vorbeifliegen wird, inzwischen auf 100 km genau bekannt: 27’700 km wird der Minimalabstand von der Erdoberfläche betragen. Doch ob es in der Zukunft möglicherweise zu einer Kollision kommen kann, ist auch mit der neuen, stark verbesserten Bahn (vor der neuen Astrometrie lag die Ungenauigkeit der Erddistanz 2012 noch bei 8000 km!) nicht klar, wie aktuelle Abfragen der beiden führenden Vorhersage-Systeme Sentinel (ein Impakt 2110 möglich, Wahrscheinlichkeit 1:7.7 Mrd.) und NeoDyS (drei Impakte 2096, 2097 und 2100 möglich, Wahrscheinlichkeit bis zu 1:4 Mio.) zeigen. Die Ursache der Widersprüche ist zum einen mathematischer Art, zum anderen trägt ein enger Erdvorbeiflug 2046 zu einer – im himmelsmechanischen Sinne – chaotischen Entwicklung danach bei. [0:10 MEZ]

Die globale Erwärmung setzt sich unvermindert fort

2012 war global gesehen das neunt-wärmste Jahr seit 1880, bis auf 1998 lagen die neun wärmsten Jahr des 132-Jahres-Zeitraums mit zuverlässigen Daten alle nach 2000, und 2005 und 2010 waren die heißesten Jahre überhaupt: Also hat es das Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA gestern vorgerechnet. Seit 1880 ist die globale Mitteltemperatur um 0.8°C gestiegen, und 2012 lag um 0.6°C über der Referenz (1951-1980) für Vergleiche, die danach nur ein einziges Mal überhaupt – 1976 – unterboten wurde. Ein Zusammenhang der (von jährlichen Schwankungen abgesehen) ständig steigenden Erdtemperatur mit der Zunahme der Treibhausgase – so ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre von 285 ppm 1880 auf inzwischen gut 390 ppm gestiegen – steht längst außer Frage. [0:10 MEZ. NACHTRAG: warum es keinen ‚Stillstand‘ seit 1998 gibt]

Die allerletzte Reise eines Space Shuttles …

2. November 2012

… findet heute am Kennedy Space Center in Florida mit dem 16-km-Transport der Atlantis vom Vehicle Assembyl Building zum Visitor Center statt [NACHTRAG: großformatige Bilder]: hier drei Screenshots aus der endlosen NASA-TV-Übertragung; Berichte hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: sowie Bilder von der Ankunft hier, hier und hier, noch viel mehr Bilder, ein KSC-Video, ein weiterer Artikel und noch mehr] – und auch zur Eröffnung der Endeavour-Show in LA und der Beschädigung der Enterprise in NYC während des Sturms Sandy.

Die Rückkehr des ersten Dragon nach einem regulären ISS-Besuch am 28. Oktober, schon ganz Routine: Live-Bilder wie beim Testflug gab es schon nicht mehr, erst später diesen Videoclip; zwei Tage später war die Kapsel wieder im Hafen. Auch die Abreise in Zeitraffer, ein NASA Release und Artikel hier, hier und hier. Der Dragon-Konkurrent Cygnus wird derweil erst nächstes Jahr zum ersten Mal starten.

Die Spur einer Soyuz auf dem Weg zur ISS, daselbst aufgenommen am 23. Oktober – auch hier, hier und hier zu sehen, plus Artikel zum Flug hier und hier.

Ein 4-minütiger Werbefilm für die ESA, der seltsam abstrakt bleibt: Kein einziger Satellit wird beim Namen genannt, die sonst so gerne präsentierten ESA-Astronauten dürfen überhaupt nicht mitspielen – und es wird mehrfach betont, wie arm man verglichen mit anderen sei …

Test des Escape-Systems von Blue Origin, dem lange geheimnisumwitterten suborbitalen Raumfahrtprogramms des Amazon-Gründers, Mitte Oktober: auch ein Video, ein NASA Release – man wird ja jetzt im Rahmen des Commercial Crew Program gehegt – und Artikel hier und hier.

Ein mexikanisches „UFO-Video“ harrt noch der genauen Aufklärung: Natürlich fällt hier kein riesiger Zylinder in einen nächtlichen Vulkan, vielmehr zieht ein helles Himmelsobjekt dahinter seine Bahn und wird durch die langen Belichtungszeiten der Einzelbilder in die Länge gezogen. Was da hinter dem Vulkan unterging, ist bislang noch unklar; die Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier aus mehr oder weniger seriösen Quellen tragen jedenfalls wenig zur Aufklärung bei. Immerhin ist die Astronomin aus dem Video echt … NACHTRAG: Das Video soll ein „elaborate Hoax“ sein.

Einer der Spiegel des James Webb Space Telescope wird inspiziert – während es nunmehr bei der Anlieferung der Instrumente klemmt: Die Near-Infrared Camera oder NIRCam (im Bau in Kalifornien) und der Near-Infrared Spectrograph oder NIRSpec (im Bau in Deutschland) kommen erst nächstes Jahr, so dass das Integrated Science Instrument Module oder ISIM, wo sie montiert werden sollen, jetzt ohne sie in die Kryotests geht. Die anderen beiden Instrumente, das Mid-Infrared Instrument aus Europe und der Fine Guidance Sensor aus Kanada, sind schon da. Noch steht der Starttermin Oktober 2018 …

Drei ganz verschiedene Bilder aus der Raumfahrt

14. September 2012

vom heutigen Freitag: Unterschiedlicher könnten sie kaum sein …

Die Seebestattung von Neil Armstrong – nach der privaten und einer öffentlichen Gedenkfeier – auf der USS Philippine Sea im Atlantik: seine Witwe Carol und Kommandant Paul Nagy mit der Urne.

Die 18 Hauptspiegel-Segmente des James Webb Space Telescope, verpackt in großen Dosen für den Transport vom Hersteller Ball in Colorado zur NASA.

Die Soyuz-Rakete mit MetOp-B auf der Startrampe in Baikonur angekommen: Der neueste europäische Wettersatellit soll am 17. September um 18:28 MESZ starten, was auch live übertragen werden soll.

Neuer offizieller JWST-Preis: 8.84 Mrd. Dollar …

2. November 2011

… für den Bau und 5 Jahre Betrieb des Weltraumteleskops – so steht es im sogenannten Breach Report, den die NASA Ende Oktober an den US-Kongress schickte, was nötig wird, wenn ein Projekt seinen Kostenrahmen um mindestens 30% sprengt. Das ist beim James Webb Space Telescope überreichlich der Fall, dessen Kosten eben noch mit 8.7 Mrd.$ beziffert worden waren – und einst um rund einen Faktor 10 geringer angegeben wurden. In dem Bericht räumt die NASA auch ein, dass zur Rettung des JWST und einem Start 2018 mehrere andere Wissenschaftsprojekte – mit Startterminen nach 2015 – verschoben werden müssen, aber welche das sein sollen, wird erst nächsten Februar verraten, wenn der Haushaltsplan für das FY2013 präsentiert wird. Nach wie vor ist aber nicht einmal klar, ob das JWST im Haushalt des FY2012 – das seit dem 1. Oktober läuft – stehen wird oder nicht: Das Abgeordnetenhaus hat es bekanntlich komplett eliminiert, der Senat dagegen gestern 529.6 Mio.$ für das JWST in seinen mit 17.9 Mrd.$ überhaupt deutlich üppigeren FY2012-Haushalt der NASA geschrieben. Das House hatte dagegen nur 16.8 Mrd.$ vorgesehen und setzte auch andere Schwerpunkte: Das muss in „der Konferenz“ zwischen beiden Kammern noch viel geschachert werden … (Space News, Florida Today, Baltimore City Paper, Universe Today 1., EarthSky 2.11.2011)

Substanzielle Speicher-Störung auf dem Mars Express

Klingt ein „attempt to find a solution that will enable a return to normal operations“ eher beruhigend oder bedrohlich, wenn es um den europäischen Marsorbiter geht, der seit Monaten unter Störungen seines Bordspeichers und immer neuen Safe Modes leidet? Das wissenschaftliche Programm ist jetzt erst einmal unterbrochen, während Experten von der ESA und auswärts nach einer Lösung suchen: Bei jedem neuerlichen Safe Mode wird viel Treibstoff verschwendet, weil sich der Orbiter dabei aktiv in eine günstige Position zur Sonne dreht. Das Problem liegt im Schreiben ins und Lesen aus dem Solid-State Mass Memory, die Lösung vermutlich in einer Änderung der Prozedur, wie der Orbiter Kommandos von der Erde erhält – und das Ziel ist jetzt „at least partial resumption of science operations“, die später „should evolve into a long-term solution“. Wichtige Tests der neuen Betriebsart stehen nun bevor. (ESA Release 31.10.2011. Auch Russian SpaceWeb, TASS 25.10., Discovery 2.11.2011 mit der Nacht 8./9. November 21:16 MEZ als Startzeitpunkt für Fobos-Grunt und Novosti 18.10.2011 zu prinzipiellem Interesse russischer Planetenforscher, bei ExoMars einzusteigen)

Progress an ISS und Shenzhou an Tiangong angedockt! Mit dem planmäßigen Anlegen von Progress M-13M alias Progress 45 an die International Space Station vor ein paar Stunden ist der Weg endgültig frei für den Start des nächsten Besatzungs-Inkrements am 14. November um 5:14 MEZ, eine Woche bevor die jetzige Stammbesatzung ausziehen muss, weil ihre Soyuz zu alt wird. Und vor einer halben Stunde hat auch Shenzhou 8 problemlos an der Übungs-Raumstation Tiangong 1 fest gemacht: eine Premiere für China, die mutigerweise live im Fernsehen übertragen wurde. (Shenzhous Andocken im chinesischen TV, BBC, Spaceflight Now [früher], People’s Daily, Xinhua 2., Space.com 1.11.2011)

Autsch! Neuer Preis für das JWST: 8.7 Mrd. $$ …

22. August 2011

Mehrere Zeitschriften haben es heute in Erfahrung bringen können: Das bisher geheim gehaltene neue Gesamtbudget des James Webb Space Telescope liegt demnach bei 8.7 Milliarden Dollar – 2.2 Mrd. mehr als es noch Ende 2010 hieß – für einen Start im Jahr 2018 und 5 Jahre Betrieb (die allein 700 Mio.$ kosten). Die neue Zahl soll nun in den NASA-Etatwunsch für 2013 eingearbeitet werden – aber erst einmal müsste der Satellit im Budget für 2012 wieder auftauchen, aus dem ihm das zuständige Gremium des Abgeordnetenhauses im Juli getilgt hatte („Monster-Satellit …“): Die Hoffnungen der JWST-Fans ruhen dabei vor allem auf dem Senat und dem Konferenzkomitee, das am Ende Widersprüche beseitigen muss. Für die neuerlichen Milliarden soll übrigens nach Vorstellung der NASA der Wissenschaftssektor nur zur Hälfte gerade stehen: Den Rest möchte man u.a. beim bemannten Programm abzweigen, das sich schließlich in der Vergangenheit auch mal bei der Wissenschaft bediente. Wenn das gelingt, müssten dem JWST zumindest keine anderen astronomischen Projekte geopfert werden. Funktionäre der American Astronomical Society sind bereits bei Kongress-Mitarbeitern vorstellig geworden und haben sich sagen lassen, dass die Komplettstreichung des Projekts tatsächlich als demonstrative Klatsche für die NASA gedacht war, die nicht auf ihr Geld aufpasst. Dass das JWST über eine große Fanbasis in der Bevölkerung verfügt, habe man in der Politik immerhin wohlwollend zur Kenntnis genommen, glaubt die AAS: Insbesondere Briefe von Nichtastronomen würden dort Gewicht haben. Es bleibt spannend … (Nature News, AW&ST 22., AAS-Rundschreiben 16.8.2011. Auch ESA, NASA, UKSA Releases 18.8.2011 zum erfolgreichen Testabschluss für das europäische JWST-Instrument MIRI und ein Editorial 22.8.2011 von einem nicht ganz uneigennützigen Fan …)

Der NASA-Etat 2013 soll deutlich kleiner als der 2011-er(!) ausfallen, hat das Office of Management & Budget des Weißen Hauses dem Chef mitgeteilt (und den Bossen vieler anderer Bundesbehörden auch): Man solle Entwürfe mit 5 und auch gleich mal mit 10 Prozent weniger als es 2011 gab ausarbeiten! Und dabei nicht durch die Bank kürzen oder herumtricksen sondern konkret Projekte absägen: Das Schwarze Budget-Loch JWST liegt da wohl erneut auf dem Präsentierteller. Der 2011-er NASA-Etat hatte 18.5 Mrd.$ betragen, d.h. es dürfen 2013 nur 17.6 bzw. 16.4 Mrd.$ werden. Sollte sich das Abgeordnetenhaus mit seinen – JWST-freien – 16.8 Mrd.$ für 2012 durchsetzen (Obama hatte 18.7 Mrd.$ gewollt), hielte sich der relative Verlust zwar in Grenzen, absolut ist aber ein gewaltiges Gürtel-enger-Schnallen angesagt. (Space Politics 19.8.2011. Auch AW&ST 22., Space Politics, Space Policy Online, Space News, AW&ST 19.8.2011 zu neuem Streit – inzwischen auch unter den US-Senatoren – über die weitere Vorgehensweise in Sachen Riesenrakete SLS; auch da soll es inzwischen neue Kostenzahlen geben. Sowie Reuters 17.8.2011 zu gesunkenem Interesse Russlands an bemannter Raumfahrt. Und Spaceflight Now 16.8.2011 zu einem Wet Dress Rehearsal mit der dritten Falcon 9 – die die zweite Dragon vermutlich am 30.11. bis zur ISS schießen darf; Ankunft am 9.12.)

Doppelfehlstart in Russland und China binnen 12 Stunden

Man muss schon bis mindestens 1971 und wahrscheinlich sogar 1966 zurück gehen, um zwei orbitale Fehlstarts in so rascher Folge zu finden: Am 18. August versagte erst die Oberstufe Briz-M einer Proton-M und setzte einen russischen Nachrichtensatelliten auf einer so falschen Bahn ab, dass eine Rettung und sinnvolle Nutzung fraglich erscheint, und 12 Stunden später misslang der Start einer Langer Marsch 2C, die einen geheimnisvollen chinesischen Satelliten starten sollte, möglicherweise für ein Frühwarnsystem. Es war bereits der dritte chinesische Start innerhalb einer Woche, wohl zuviel des Guten; der prestigeträchtige Start des Raumstations-Testmoduls Tiangong-1 in den kommenden Wochen auf einer ausgefeilteren Langer Marsch 2F soll aber nicht gefährdet sein. Für die Briz-M war es der 50. Einsatz (und erste Fehlschlag seit 2008); zwischen der 4. und 5. Zündung im Rahmen einer eigentlich routinemäßigen Reise in den geostationären Orbit war plötzlich die Funkverbindung abgerissen, und nach langer Suche wurden gleich drei Objekte auf sonderbaren Orbits aufgespürt … (KosmoLogs 19.8.2011 zur Fehlstartstatistik, Space News, Spiegel 19., Space.com, Space Today, General-Anzeiger 18., NASA Spaceflight, Spaceflight Now 17.8.2011 zur Briz-Pleite und NASA Spaceflight, Spaceflight Now 18., Space Today 19.8.2011 zur Langer-Marsch-Pleite. Auch Spaceflight Now 19., Space.com 16.8.2011 zu Tiangong-1. Und Spaceflight Now 14.8.2011 zur mühsamen Rettung des vor einem Jahr zu tief abgesetzten AEHF1 [„AEHF muss …“] sowie Spaceflight Now 17., Space Today 18.8.2011 zu einem erfolgreichen Dnepr-Start mit 7 Satelliten)

Nachrichten von Weltraum-Teleskopen kompakt

16. Juli 2011

Der 4 Lichtjahre lange „Schweif“ des Pulsars PSR J0357+3205 auf einer Chandra-Aufnahme vor einem optischen Bild der Digital Sky Survey (der Neutronenstern sitzt o.r.; die beiden hellen Objekte ‚im‘ Schweif u.l. sind extragalaktisch): Welche Physik dahinter steckt, ist nicht klar.

Der Protoplanetare Nebel Minkowski 92 alias IRAS 19343+2926 alias Minkowskis Fußabdruck auf einer alten HST-Aufnahme (noch mit der WFPC2): Da der Zentralstern noch keine heiße Quelle von UV-Photonen geworden ist, sehen wir den Nebel nur in seinem reflektierten Licht; zur Anregung von Emission reicht’s noch nicht. Aber bald.

Der Dust Trail des Kometen 103P/Hartley (2) ist erstmals bei der Himmelsdurchmusterung des Satelliten WISE in Erscheinung getreten (bei 4.6 bis 22 µm): Er besteht aus besonders großen Staubteilchen, bis zur Größe von Golfbällen, die in der Kometenbahn zurück bleiben und hat eine Gesamtmasse von mindestens 40 Mio. Tonnen.

Monster-Satellit James Webb Space Telescope auf der Abschussliste des US-Kongresses

„Das Komitee glaubt, dass [die Streichung des JWST] der NASA letzten Endes nutzen wird, indem sie ein gutes Beispiel der Kosten-Disziplin für andere Projekte setzt und den enormen Druck beseitigt, den das JWST auf die Möglichkeiten der NASA ausübte, anderen wissenschaftlichen Missionen nach zu gehen.“ Also sprach das Committee on Appropriations des US-Abgeordnetenhauses in der COMMERCE, JUSTICE, SCIENCE, AND RELATED AGENCIES APPROPRIATIONS BILL, 2012 (auf Seite 72) – und der entsprechende Ausschuss lehnte am 14. Juli den Antrag ab, das JWST wieder ins Programm auf zu nehmen. Der riesige Aufschrei, der seit dem Bekanntwerden der House-Pläne zur Beendigung des – finanziell und terminmäßig weit aus dem Ruder gelaufenen – JWST-Projekts am 6. Juli durch die astronomische Welt gegangen war (angeführt von AURA und AAS), hatte die republikanische Mehrheit dort nicht beeindruckt. Vielleicht schon nächste Woche, vielleicht auch erst nach der Sommerpause, wird das gesamte Abgeordnetenhaus über den CJS-Haushalt beraten, und auch da sieht es nicht rosig aus.

Eine Kürzung des NASA-Haushalts für 2012 um 1.9 Mrd.$ gegenüber den Wünschen des Weißen Hauses – was ihn noch unter das Niveau von 2008 drücken würde – scheint den „Washingtoner Geiern“ wohl gar zu verlockend. Viele Hoffnungen der JWST-Befürworter – die argumentieren, ohne den großen Infrarotsatelliten stießen bald weite Bereiche der Astronomie an ihre Grenzen, und auf die zu 75% mehr oder weniger fertige Hardware wie die gerade fertig geschliffenen Segmente des Hauptspiegels und schon 3 Mrd. ausgegebene Dollars verweisen – ruhen daher auf dem demokratisch kontrollierten Senat, wo sich insbesondere Barbara Mikulski trotz aller – u.a. auf ihr Betreiben hin überhaupt erst bekannt gewordenen – Probleme für das JWST stark gemacht hatte. Wenn das House so und der Senat anders entscheiden sollten, wäre es an einer Konferenz, eine Lösung zu finden. Unterdessen scheinen die Kostenschätzungen für das JWST auf 7.8 bis 8 Mrd.$ gestiegen zu sein – aber die NASA glaubt weiterhin, einen Start im Oktober 2018 schaffen zu können – wenn das Geld jetzt reichlich fließen würde. In Europa wird man jedenfalls nach dem alten Plan pünktlich die versprochenen JWST-Instrumente fertig stellen: Das künstlich zu verzögern, würde nämlich extra kosten … (Links auch im Cosmic Mirror #343!)

Früher war alles besser bei der Langzeitplanung

von Weltraum-Observatorien, beklagen sich zwei Architekten des „Horizon 2000“-Programms der ESA: 1985 beschlossen, sei es 2009 mit nur 2 Jahren(!) Verspätung abgeschlossen worden, und keines der drei Großprojekte (Cornerstones) SOHO, Cluster, Rosetta, XMM-Newton und Herschel war je ernsthaft in Gefahr, ja sogar den Nachbau der Clusters nach dem Totalverlust beim 1. Ariane-5-Start konnte man verschmerzen. Das sei so gut gegangen, weil die Cornerstones erst dann die Realisierungsphase eintreten durften, als die nötige Technologie zur Verfügung stand und die Anforderungen an die Mission eingefroren waren: Das verhinderte exorbitante Kostenexplosionen wie nun gerade beim JWST. Zwar wussten die beteiligten Wissenschaftler lange nicht, wann sie starten würden, dafür konnten sie sich aber darauf verlassen, dass ein einmal gestartetes Projekt nicht mehr bedroht würde. Einen derart idyllischen Zustand hatten die amerikanischen Kollegen noch nie, schon wegen des jedes Jahr neu in Frage gestellten Haushalts, aber auch in Europa laufe es nicht mehr so rund. Eine globale Langzeitplanung für die großen Sternwarten im Weltraum – inklusive der gemeinsamen Festlegung von Prioritäten beiderseits des Atlantik (und gerne auch in Asien und Südamerika) sei nun dringend erforderlich, und tatsächlich ist eine globale ‚Roadmap‘ bereits in Arbeit. (Bonnet & Bleeker, Science 333 [8.7.2011] 161-2)

Neuer russischer Astro-Satellit startet … übermorgen!

Man traut es sich kaum hin zu schreiben, aber der russische Astronomiesatellit Spektr-R – die ersten Starttermine lagen schon um 2004 – steht tatsächlich auf der Startrampe in Baikonur und soll in der Nacht zum 18. Juli um 4:31 MESZ auf seiner Zenit-3SLBFSBM abheben – wobei kurioserweise Amateurastronomen zur optischen Bahnverfolgung aufgerufen sind. Ausgestattet mit einer 10 m großen Radioantenne soll Spektr-R im Rahmen des internationalen RadioAstron-Projekts zusammen mit Radioteleskopen auf der Erde VLBI mit besonders großen Basislinien für besonders hoch aufgelöste Beobachtungen ermöglichen: Spektr-R soll auf einer hoch elliptischen Bahn landen, die bis zu 350’000 km Abstand zwischen seiner und einer irdischen Antenne realisiert, was sich in einer Winkelauflösung von Mikrobogensekunden niederschlägt! Auch das Effelsberger 100-m-Teleskop soll Teil dieses Experiments werden. (Roskosmos Press Releases 16.7., 10.7.2011; New Scientist 16.7., ITAR-TASS 24., Space News 17.6.2011)

Die riesige Kamera des Gaia-Satelliten ist fertig, ein 50 cm x 1 m großes Feld aus 106 CCD-Chips, die zusammen die größte Digitalkamera bilden, die je für einen Satelliten entwickelt wurde. Der Start des Astrometrie-Satelliten der ESA ist weiterhin für 2013 geplant: Im Lagrangepunkt 2 (1.5 Mio. km ‚hinter‘ der Erde) stationiert, wird er mit zwei gegeneinander versetzten Teleskopen ständig den Himmel abscannen, wobei die Bilder der Sterne über die Fokalebene mit den 106 CCDs sausen: Ein relatives Netz ihrer Positionen mit ungeheurer Präzision und zahllosen Anwendungen quer durch die Milchstraße ist das Ziel. (ESA Release 6.7.2011)

Der LISA Pathfinder darf trotz Problemen weiter machen

Auch wenn die Zukunft des eigentlichen LISA-Projekts eines gewaltiges Detektors für Gravitationswellen im Orbit nach dem Ausstieg der USA ziemlich unklar ist: Das Science Programme Committee der ESA hat sich entschieden, den Technologiedemonstrator LISA Pathfinder trotzdem fertig zu stellen und 2014 zu starten. Denn die Schlüsseltechnologie, die er unter Weltraumbedingungen testen soll, die ultrapräzise ‚Aufhängung‘ von Probemassen im Raum, wäre auch für andere Projekte interessant: Sie ist etwa eine Größenordnung besser als das drag-free control system, das der Satellit GOCE zur Vermessung des Erdschwerefelds einsetzt. (Space News 23.6.2011. Auch eine ESA-Seite und Science Blogs 6.6.2011 zum Status von LISA)

Weltraumsensoren auf dem Vegetationssatelliten Proba V bilden das Energetic Particle Telescope (EPT): Während das Hauptinstrument des im Frühjahr 2012 startenden kleinen ESA-Satelliten die Überwachung der Erd-Vegetation des entsprechenden Sensors auf Spot-5 übernehmen soll, kümmert sich das EPT um die Teilchen-Situation im erdnahen Raum, die mit der nun wieder ansteigenden Sonnenaktivität interessanter werden dürfte. (ESA Release 17.6.2011. Und ein ESA Release 30.6.2011 zur Rettung eines Cluster-Instruments mit einem „schmutzigen Hack“)

57% des IR-Himmels: erster WISE Data Release

15. April 2011

So hat der NASA-IR-Satellit WISE den Himmel gesehen (Blau + Zyan = 3.4 + 4.6 = überwiegend Sterne, Grün + Rot = 12 + 22 µm = überwiegend Staub), jedenfalls jene 57%, deren Durchmusterungsdaten gestern veröffentlicht worden sind: 257’310’278 Galaxien, Sterne und Asteroiden sind in der Datenfülle enthalten, 257 Mio. Objekte insgesamt, die mit speziellen Web-Tools erschlossen werden können: Dieses hier erzeugt Farbbilder on the fly.

Bilder wie dieses von der Umgebung des Sterns Lambda Orionis: Der heiße, massereiche Stern und ein paar Nachbarn regen den Lambda-Orionis-Molekülring zum Leuchten an; mit 10 x 10 Grad ist dies auch das größte zusammenhängende WISE-Bild, das bisher publiziert wurde.

Die ersten 6 der 18 Spiegelsegmente des James Webb Space Telescope bei Kryotests am MSFC: Technische Aspekte des Mega-Satelliten feiert die NASA in einem Fort; über die explodierenden Kosten- und Zeit-Probleme schweigt man dezent …

NASA-Chef hält JWST-Start im Jahr 2018 für realistisch

So schnell kann man gar nicht gucken, da ist der angepeilte des Starttermin des JWST schon wieder gerutscht: Auf einer Anhörung zum NASA-Haushalt hat der NASA-Chef nun verraten, dass man sich gar nicht erst bemühen wird, jene ~500 Mio. Extradollar zu fordern, die einen Start vielleicht noch 2015 erlaubt hätten – das schien angesichts der Haushaltsmisere einfach aussichtslos. Allenfalls der 2012-er JWST-Etat wird vielleicht ein bisschen wachsen dürfen. Also müssen die Arbeiten an dem riesigen IR-Satelliten – 3/4 der Bauteile sind immerhin schon da – weiter gestreckt werden, und der Start rutscht auf 2018. Noch Ende dieses Monats soll es – auch schon wieder verspätet – einen konkreten Etat- und Zeitplan geben … (Mikulski Press Release 11., Space News, New Scientist, AW&ST 12., Spaceflight Now 13.4.2011)

Die IXO- und LISA-Teams der NASA werden nicht sofort aufgelöst, trotz des Ausstiegs der NASA aus Projektpartnerschaften mit der ESA, hat sich inzwischen gezeigt: Man hofft wohl, wenn die ESA 2012 einen der beiden großen Astronomiesatelliten als L1-Mission ihrer Cosmic Vision auswählen sollte, als Juniorpartner wieder einsteigen zu können. Dem Vernehmen nach wird bei der ESA bereits über einen Mini-IXO namens Advanced Telescope for High ENergy Astrophysics (ATHENA) nachgedacht … (Dynamics of Cats 13.4.2011) NACHTRAG: noch ein Spätzünder zum NASA-Ausstieg … NACHTRAG 2: … und noch einer … NACHTRAG 3: … und ein Meta-Artikel. NACHTRAG 4: und die ESA noch mal, ganz amtlich.

Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt

22. Januar 2011

Der massereiche Stern Zeta Ophiuchi rast durch das ISM auf einem Bild des WISE-Satelliten (3.4 bis 22 µm), der den Bugschock vor dem Stern sichtbar macht, der mit 24 km/s durch interstellares Gas und Staub pflügt. Dabei komprimiert und heizt er das Medium des Schocks; zugleich sorgt die starke UV-Strahlung des Sterns auch für Staubheizung in seiner weiteren Umgebung, was sich als rötlicher Schimmer bemerkbar macht.

Vollmondaufgang von der ISS aus gesehen am 19. Januar: Die Sequenz – Anklicken liefert noch ein früheres Bild – zeigt wieder einmal die extreme Refraktion, die nur im Orbit gesehen werden kann.

Dem NanoSail D geht der Strom aus: Dieses Diagramm aus dem Dashboard – via DK3WN – zeigt den Abfall der Batteriespannung (in Volt, gegen die Stunden seit dem Aussetzen). Vom 19.-21. Januar hatten Funkamateure den Satelliten empfangen, seit dem Nachmittag MEZ des 21. aber nicht mehr – vermutlich war es das; die Empfangsversuche gehen aber weiter. Nun ist es wohl an den visuellen Beobachtern, das entfaltete Sonnensegel in den nächsten 70 bis 120 Tagen bis zum Verglühen zu verfolgen. NACHTRAG: Bisher sind noch keine Sichtungen eingegangen, vielleicht ist der Orbit zu ungenau. Dass sich das Segel gut entfaltet hat, bestätigen jedenfalls Radarechos: Der Satellit (dessen – planmäßiges – Ableben seiner Batterie inzwischen bestätigt ist) wurde plötzlich viel größer.

Weiter keine Lösung für Wunschteleskop WFIRST in Sicht

Durch die gewaltigen finanziellen Probleme des JWST droht der Start des Wide-Field IR Survey Telescope der NASA, das sich parallel um Dunkle Energie, Exoplaneten und mehr kümmern soll, auf frühestens 2025 zu rutschen – wenn die ESA mit ihrer Euclid-Mission schon Wesentliches zumindest in Sachen Dunkle Energie herausgefunden haben könnte. Eine Fusion der beiden teuren Weltraumteleskope („Euclid vs. WFIRST …“) hat der NASA aber auch ein weiteres Panel nicht empfehlen können, und einen 20%-Einstieg der NASA in Euclid, den die ESA anbietet, sieht man auch nicht, solange die ESA die Mission noch gar nicht endgültig ausgewählt hat. (Space Policy Online 2., New York Times 4.1.2011)

Immer mehr Hardware für das JWST wird fertig, aller unklaren Zukunft ungeachtet: Immerhin sind schon 3 Mrd.$ in den Riesensatelliten gesteckt worden! Nach und nach absolvieren die 18 Segmente des Hauptspiegels ihre Härtetests, und die wissenschaftlichen Instrumente nehmen Form an. Am Satellitenbus selbst wird noch nicht gebaut: Man will erst die schwierigen Dinge erledigen. (Spaceflight Now 17.1.2011)

Einzelnes Stück Hardware hält den LISA Pathfinder auf

Eine Art Klammer-Mechanismus des Test-Satelliten für LISA („Optical …“), der die Testmassen erst beim Start festhalten und dann im Orbit mit nur maximal 2 cm/h(!) Geschwindigkeit freilassen soll, tut’s einfach nicht: Jetzt muss die ESA seine Entwicklung noch einmal von vorne beginnen, wodurch sich der Start des Satelliten auf frühestens 2013 verschiebt, obwohl alle anderen Komponenten im Zeitplan liegen. Schon lamentieren Konkurrenzprojekte, die wegen LISA zurückgestellt wurden, der große Gravitationswellen-Detektor sei wohl noch nicht reif – aber der Pathfinder soll das aufwändige System ja schon vor dem Start validieren, und da ist es allemal besser, wenn es jetzt hakt. (Nature News 19.1.2011) NACHTRAG: Jetzt heißt es schon: Start frühestens 2014 – und nicht nur bei der Caging Mechanism Assembly hapert’s.

Das Tevatron wird Ende des Jahres abgeschaltet

Weil die US-Regierung keinerlei Spielraum für die unverzichtbare Extrafinanzierung sieht, die ein Weiterbetrieb des US-Beschleunigers („Eine weitere …“) erfordert hätte, hat das Energieministerium am 6. Januar sein Ende mitgeteilt: Damit haben die USA direkt keine Chance mehr, den Europäern das Higgs-Teilchen noch weg zu schnappen, was mit einem Betrieb des Tevatron bis 2014 vielleicht gelungen wäre. Die USA überlassen nunmehr die höchsten Energien Europa (wobei aber viele Amerikaner beim LHC mitmachen dürfen, dessen Winterwartung im Zeitplan liegt; im Februar wird er wieder hochgefahren) und konzentrieren sich selbst künftig auf hohe Strahl-Intensität: ein Ansatz, bei dem Phänomene gefunden werden können, die weniger Energie erfordern, dafür aber sehr selten sind. (Nature 19., CERN Bulletin 17., Physics World 18., 13., 11., Nature, Symmetry Breaking, Discovery, Not Even Wrong, New Scientist Blog 11., Symmetry Breaking, Cosmic Variance 10., Nature Blog 6.1.2011, Science 2.0 21.12.2010. Und Nature Blog über das weltweite GRID, das die LHC-Datenflut verarbeitet)

Krise um das James Webb Space Telescope noch viel schlimmer: Start frühestens Ende 2015, Kosten mindestens 6.5 Milliarden Dollar …

11. November 2010

Dass es um das JWST schlecht bestellt ist („Fortschritte …“), war hier schon oft zu lesen – aber wie schlecht, das hat erst ein unabhäniger Untersuchungsbericht klar gemacht, den die Weltraum-gewiefte Senatorin Barbara Mikulski in Auftrag gegeben hatte (Executive Summary) und den die NASA, hörbar angespannt und fast ratlos, vor einer Stunde auf einer kurzfristig angesetzten Telecon vorstellte. Die Autoren nahmen kein Blatt vor den Mund: Die einzig gute Nachricht ist, dass das bisher – reichlich – ausgegebene Geld tatsächlich in die Entwicklung eines technisch soliden Weltraumteleskops geflossen sei. Aber das Management habe die NASA-Führung schlicht angelogen, wie es um das Budget bestellt sei, und auch falsche Zahlen zur zeitlichen Entwicklung der finanziellen Reserven vorgelegt – was man wiederum im NASA HQ nicht erkannt habe. Jetzt wird das Management radikal umgestrickt, mit Richard Howard ein erfahrener Astronom und Manager an die Spitze gesetzt – und mehrmals die Woche will die NASA-Führung Bericht erhalten, wie es um das Projekt bestellt ist!

Genau das konnte sie übrigens auf der Telecon nicht: Frühestens kommenden Februar wird man einen Überblick über die noch nötigen Ausgaben und Zeitpläne haben. Die Kosten verringern ist ausgeschlossen, aber wenigstens künftige Steigerungen glaubt man eindämmen zu können. Ein Start, so viel war schon heute zu hören, wäre jedenfalls frühestens im September 2015 möglich, zu Kosten von bis dahin 6.5 Mrd.$ oder rund 1.5 Mrd.$ mehr als eben noch genannt wurden. Aber das würde nur klappen, wenn der JWST-Haushalt der Finanzjahre 2011 und 2012 um jeweils gut 200 Mio.$ angehoben werden würde, was angesichts der verfahrenen Situation insgesamt insbesondere im 2011-er Haushalt kaum realistisch erscheint. Und was wäre der Worst Case, wollte einer wissen. Die hilflose Antwort: Nach oben sind den Kosten und Startverschiebungen keine Grenzen gesetzt! Was das erst für WFIRST („Euclid …“) nach dem JWST heißen mag? Auch zu den Folgen der Krise für den Rest der Weltraumastronomie jetzt nur Schweigen … (Auch erste Artikel zur JWST-Krise hier und hier [NACHTRAG] und hier, hier und hier)