Posts Tagged ‘JWST’

Nachrichten von Weltraumteleskopen kompakt

4. November 2010

Kosmologie-Satellit WMAP nach neun Jahren stillgelegt

Am 20. August nahm die Wilkinson Microwave Anisotropy Probe ihre letzten Daten auf, am 9. September schickte sie ein letztes Bahnmanöver in eine Parkbahn, und am 6. Oktober hatte die NASA die geniale Idee, das auch mal der Welt mitzuteilen (auf der Homepage war die Abschaltung der Nutzlast auch danach nicht erwähnt worden). Für die Auswertung der Daten ist noch bis 2012 Geld da, so dass es eine Komplettanalyse aller 9 Messjahre geben wird; die ersten 7 sind bereits verarbeitet. (NASA Release, Spaceflight Now 6., Cosmic Variance 8., Space Today 10., Nature 13.10.2010) NACHTRAG: Überzeugende Evidenz für ein zyklisches Universum steckt übrigens nicht in den WMAP-Karten.

WISE darf trotz Erwärmung noch ein bisschen weiter machen: Überraschenderweise hat die NASA dem IR-Satelliten, dessen Kühlmittel vor einen Monaten zuende gegangen war („Die Aufwärmung …“), noch ein paar Monate Messzeit mit den beiden kurzwelligsten Detektoren zugebilligt. Genutzt wird das für die „NEOWISE Post-Cryogenic Mission“, die Vervollständigung der 2. Himmelsdurchmusterung speziell auf der Suche nach sich bewegenden Objekten: Kleinplaneten aber auch sonnennahen Braunen Zwergen. Bislang hat WISE 19 Kometen und über 33’500 Asteroiden entdeckt, davon 120 NEAs. Jeder Monat Verlängerung kostet rund 400’000$. (JPL Release, Planetary Society Blog 4., Space News 5.10.2010)

Hauptspiegel für Astrometriesatellit GAIA geliefert

In genau zwei Jahren soll der ESA-Satellit („Astrometrie-Satellit Gaia …“) auf einer Soyuz-Fregat starten, und entscheidende Bauteile finden sich nun ein: darunter auch am 3. September der erste der beiden Hauptspiegel; der zweite sollte im Oktober folgen. Gaia benutzt zwei identische Teleskope (mit zusammen der 11-fachen Lichtsammelfläche des Vorgängers Hipparcos), deren Bilder zusammen geführt werden, um extrem genaue relative Astrometrie zu ermöglichen. Hofft man. (ESA Release 13.9.2010) NACHTRAG: noch mehr ESA-Jubel aus dem Testprogramm.

Fortschritte beim, Sorgen um und Angst vor dem James Webb Space Telescope: Während kritische Bauteile des JWST („Eine neuerliche Startverschiebung …“) wie der Instrumententräger Integrsted Science Instrument Module aus einem eigens entwickelten Werkstoff oder das riesige Sonnensegel getestet werden, ist immer noch nicht klar, was das immens komplexe Weltraumteleskop eigentlich am Ende kosten wird und ob es tatsächlich 2014 starten kann. Und es gilt mit seinem enormen Finanzbedarf bereits als das „Teleskop, das die Astronomie fraß“ … (Nature 28.10.2010 S. 1028-30; NASA, GSFC Releases 28., STFC, ESA Releases 30.9., NASA Release 8.10.2010)

Optical Metrology System des LISA Pathfinder getestet

Bevor sich ESA und NASA eines Tages – vielleicht – an den aus drei Satelliten bestehenden Gravitationswellendetektor LISA (Laser Interferometer Space Antenna) wagen werden, soll der LISA Pathfinder erst einmal das entscheidende Messprinzip im Weltraum demonstrieren: Per Laser ist die Distanz zwischen zwei frei schwebenden Testmassen im Inneren des Satelliten zu messen. Im Laborversuch hat sich das Verfahren nun bewährt: Der Abstand zweier Spiegel wurde Picometer-genau und ihre Verkantung mit Nanoradian-Präzision bestimmt. Das geht zwar auf der Erde sogar noch genauer, aber dies ist der erste derartige Aufbau, der in den Weltraum geschickt werden kann. (ESA Release 21.10.2010. Auch ein UKSA Release zu weiteren Tests)

Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt

1. Juli 2010

Der Marsrover Opportunity sieht den Rand des Kraters Endeavour immer deutlicher, und man hat bereits mit der Taufe einzelner Features am Kraterrand begonnen, nachdem ein Superresolution-Bild neue Details des 13 km entfernten Randes enthüllt hat.

Eins von vier Reaktionsrädern auf Dawn macht Ärger

und wurde am 17. Juni automatisch abgeschaltet, nachdem die Reibung zu stark geworden war. Die anderen drei arbeiten einwandfrei, und den Besuchen von Vesta und Ceres soll nichts im Wege stehen – schließlich werden nur 3 benötigt. Die Reaktionsräder, die zur räumlichen Ausrichtung der Sonde dienen, waren am 15. Juni nach dem Upload neuer Software hochgefahren worden. (Dawn Journal 27., Mission Status Update 29., AW&ST Blog 30.6.2010. Auch Novosti zu internationalen Gesprächen über Asteroidenabwehr und frühere – bizarre/fehlerreiche – Artikel von Evangelisch, Neues Deutschland, Allgemeine Zeitung (Windhoek) und Bayr. Rundfunk zu Asteroiden-Ängsten sowie der Spiegel zum Projekt Asteroid Finder)

Voyager 2 ist jetzt 12’000 Tage unterwegs, fast 33 Jahre, hat über 21 Mrd. km im Sonnensystem zurückgelegt und ist 14 Mrd. km von der Sonne entfernt – nur Voyager 1 ist noch weiter, da diese Sonde (die kurz nach Voyager 2 startete) keinen Umweg über den Saturn machte. (JPL Release 28.6., New Scientist Gallery 1.7.2010. Auch BBC zur geplanten Jupiter/Europa-Mission)

Astrometrie-Satellit Gaia in ernsten Schwierigkeiten

Die Positionen, Parallaxen und Eigenbewegungen von einer Milliarden Sternen in der Milchstraße soll der ESA-Satellit messen, dessen Start für 2012 vorgesehen ist – aber die Ingenieure mühen sich noch immer, ein fundamentales Problem mit den CCDs seiner Kameras anzugehen: Einschläge energiereicher Protonen von der Sonne, die solche Detektoren normalerweise abkönnen, können den Ausleseprozess der Sternbilder in einer Weise sabotieren, dass es nichts mit der angestrebten Positionsgenauigkeit weit jenseits von Hipparcos wird. Das Problem (das ein aktueller ESA Press Release nur beiläufig streift) ist schon seit einem Jahrzehnt bekannt und hat im Projekt schon zu erheblichem Ärger geführt – prinzipielle Gegenmaßnahmen scheinen unmöglich, und ob man des Problems durch Kalibrationsmaßnahmen Herr werden kann, zeigt sich vielleicht erst nach dem Start. (ESA Release 29., Physics World 30.6., Nature Blog 1.7.2010) NACHTRAG: Die UKSA sagt nix.

Eine neuerliche Startverschiebung des James Webb Space Telescope auf Oktober 2014 dürften weitere Tests verursachen, die das JWST Standing Review Board im April empfohlen hat – und es könnte sich sogar noch länger hin ziehen, wenn die NASA nicht mehr als die z.Z. für 2011 vorgesehen 445 Mio.$ für das 5-Mrd.$-Weltraumteleskop freigibt … (Space News 14.5.2010. Auch ein großer AW&ST-Artikel, Bilder von ISIM-Tests und NIRSpec – und ein Zeitrafferfilm vom Aufbau eines JWST-Modells im Central Park in New York) NACHTRAG: Und das JWST wird wohl schon wieder teurer – bloß um wieviel?

Nachrichten aus der Raumforschung kompakt

2. Mai 2010

Das Hubble Space Telescope feierte seinen 20. „Geburtstag“ (also Jahrestag des Shuttle-Starts am 24.4.1990) u.a. mit diesem reichlich heftig bearbeiteten Ausschnitt aus dem Carina-Nebel (sind HST-Aufnahmen etwa romantischer Malerei vergleichbar …?), der Möglichkeit, hunderttausende Hubble-Bilder von Galaxien zu klassifizieren, einem Wettbewerb zu Hubble in der Pop-Kultur – und dem Aufruf an seine Fans, Gedanken über Hubble zu formulieren, die dann zusammen mit den echten Daten im HST-Archiv landen sollen …

Das JWST hat seine Mission Critical Design Review passiert

Das gilt als der „signifikanteste Meilenstein der Mission“ des voraussichtlich im Juni 2014 startenden nächsten großen Weltraumteleskops der NASA: Weil es nie komplett am Boden getestet werden kann, sind eine redundanter Modellierungs- und Analyse-Tools erforderlich, um das Funktionieren im Orbit zu gewährleisten. Sieben Jahre wird bereits am James Webb Space Telescope gearbeitet, 2011 soll das Design des Satelliten endgültig abgesegnet werden, und 2012 beginnt dann der Zusammenbau der drei Hauptelemente Instrumentenmodul, Teleskopoptik und Satellitenstruktur. (NASA Release, Feature, AW&ST 28.4.2010. Und Space.com zu anderen Ideen für große Weltraumteleskope)

Umbau des Alpha Magnetic Spectrometer verzögert Ende des Shuttle-Programms

Eigentlich sollte das AMS diesen Juli endlich zur ISS gebracht werden – doch angesichts der möglicherweise bis mindestens 2020 verlängerten Lebensdauer der ISS und eventuell auch technischer Bedenken (da sind sich die Quellen uneins) hat man sich kurzfristig entschlossen, den komplexen supraleitenden Magneten des schweren Detektors gegen den schwächeren Permanentmagneten auszutauschen, der 1998 schon einmal bei einem AMS-Test im Shuttle mitflog. Nicht nur gibt es nun Diskussionen, ob das eine gute Idee ist: Der Umbau verspätet auch die Auslieferung des AMS an die NASA so weit, dass der Startkalender für die letzten drei Missionen umgestrickt werden musste. Danach soll das AMS nun Mitte November – eigentlich sollten die Shuttles zum 30. September, dem Ende des Finanzjahres 2010, eingemottet sein – auf der allerletzten Mission dabei sein. Und es könnte passieren, dass der Start sogar in das Kalenderjahr 2011 rutscht. (Nature News 28., Space Today 27., CollectSpace 26.4.2010)

Astronomie-Ballon bei Fehlstart in Australien zerstört

Ein Auto umgeworfen, zwei Zuschauer nur knapp unbeschadet davon gekommen, die Nutzlast in Scherben: Das ist die Bilanz des Fehlstarts eines Forschungsballons in Australien, der das Nuclear Compton Telescope bis in 37 km Höhe tragen sollte. Die langwierige Befüllung des Ballons mit Helium hatte am Morgen des 29. April verspätet begonnen, und der Wind war stärker geworden – was dann genau passierte, ist noch rätselhaft. Und ein Blog über das Experiment ist plötzlich nicht mehr zugänglich … (StratoCat-Webseite über Stratosphärenballons mit detaillierten Spekulationen, NASA Statement, ABC, NT News, Space.com, Discovery, Telegraph, Nature Blog, Science Blogs, Spiegel 29.4., New Scientist 1.5.2010)

Zwei-Satelliten-Koronograph funktioniert … im Labor

Als Vorarbeit für den Koronographen auf der ESA-Mission Proba 3 hat seit dem 15.9.2009 eines jener StarTiger-Teams („Neuartiges Satellitenkonzept“) in einem Labor in Marseille ein maßstabsgerechtes Modell eines Satellitenpaares aufgebaut, bei dem einer millimetergenau in die Sichtlinie des anderen manövriert wird, auf dass dessen Teleskop eine permanente Sonnenfinsternis erlebt. Und da sich der Occulter außerhalb der Optik befindet, gibt es viel weniger Streulicht als in einem traditionellen Koronographen, so dass auch die innere Korona zugänglich wird – wenn ein derartiges Satellitenpaar in 150 m Abstand von einander ‚installiert‘ wird. Die betont bürokratiearme StarTiger-Methode hat sich nun bereits mehrfach bewährt und soll ab jetzt regelmäßig bei der ESA angewendet werden. (ESA Release 27.4.2010) NACHTRAG: später Artikel dazu. NACHTRAG 2: Der Formationsflug wird schon mal simuliert – aber erst 2014/15 soll Proba 3 starten.

ESA-Erdsatellit ERS-2 schon 15 Jahre im Einsatz

Eigentlich war er nur für drei Jahre ausgelegt, aber der am 21.4.1995 gestartete 2. „European Remote-Sensing“-Satellit ist – dank gelegentlicher Fernwartung seiner Instrumente – auch heute noch voll aktiv. Auch der Vorgänger ERS-1 war langlebiger als erwartet gewesen, so dass die beiden gemeinsam mit SAR-Interferometrie experimentieren konnten: eine Technik zur hochgenauen Vermessung der Erdoberfläche, die ERS-2 auch in mehreren Kampagnen zusammen mit seinem Nachfolger Envisat betrieben hat (und es dieses Jahr wieder tun wird). Seinen 77’777. Erdorbit hat ERS-2 kürzlich absolviert, und noch bis mindestens 2011 soll er betrieben werden. (ESA Press Release 21.4.2010. Auch zum Startvertrag für den 4. Earth Explorer „Swarm“ und einen weiteren Satelliten)

Der deutsche Satellit TanDEM-X hat alle Tests bestanden

und wird am 11. Mai auf die Reise nach Baikonur geschickt, wo er am 21. Juni auf einer Dnepr starten soll: Danach wird der Radarsatellit ein Team mit TerraSAR-X (siehe Artikel 458) bilden und gemeinsam per SAR-Interferometrie (wie sie ERS-2 und Co. einst erprobten) die gesamte Erdoberfläche in 3D kartieren, mit einem Gitternetz von 12 Metern und einer Höhenpräzision von besser als 2 Metern. Wie TerraSAR wird auch TanDEM – was für „TerraSAR-X add-on for Digital Elevation Measurement“ steht – als Public-Private Partnership betrieben: Das DLR und Astrium teilten sich die Kosten (59 bzw. 26 Mio. Euro), dafür werden die Daten dann vermarktet – z.B. an Kartographen in aller Welt. (DLR PM, Alles was fliegt 29.4.2010, DLR-Blog zur Mission)

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

31. Januar 2010

Das beste Bild des Saturnmonds Prometheus ist Cassini vor vier Tagen geglückt, aus 36’000 km Entfernung im sichtbaren Licht – und aus Rohbildern wie diesem kann noch weit mehr herausgeholt werden, erst recht aber aus den finalen Bildprodukten, die mit gewissem Zeitverzug allgemein zugänglich werden. (Auch interessant: was Prometheus mit den Saturnringen anstellt.) NACHTRAG: eine verbesserte Fassung eines etwas anderen Bildes desselben Flybys.

Enceladus nur 1 bis 10 Prozent der Zeit aktiv?

Wahrscheinlich haben wir großes Glück, dass wir die starke Geysir-Tätigkeit des Saturnmonds gerade jetzt erleben dürfen: Nach einem neuen Modell seines Innenlebens (basierend auf der Konvektion der Erdkruste, auf Enceladus-Verhältnisse skaliert) ist er jeweils 100 Mio. bis 2 Mrd. Jahre völlig inaktiv, dann hat sich genug Wärme aufgestaut, dass es 10 Mio. Jahre lang zu heftigem Gasaustritt und Neubildung der Oberfläche kommt. Dieses Szenario – bei dem noch viele Details fehlen – würde die derzeit verblüffend große Wärmefreisetzung wie auch das junge Alter der Geysir-Gegend erklären. (UCSC, JPL Releases 11., Scientific American 10.1.2010) NACHTRAG: Da ist ja noch einer aufgewacht …

Hayabusa kommt der Erde immer näher und ist nach seiner erneuten Wiederauferstehung („Cleverer Rettungsplan …“) tatsächlich weiter auf Kurs. Nach gemischten Erfahrungen in der interplanetaren Raumfahrt (insbesondere Nozomis missglücktem Marsbesuch) halten sich die Japaner allerdings über die genauen Zeitpläne – und Chancen – für eine Landung der (nur vielleicht gefüllten) Probenkapsel in Australien bedeckt. (Status– und Activities-Seiten, JAXA Release 14., Spaceflight Now 11.1.2010, Planetary Society Blog 17.12.2009)

Drei Finalisten für die M-Klasse-Missionen von Cosmic Vision stehen fest

Die ESA wird – zumindest in der ersten Runde – keine Sample Return von einem Asteroiden (Marco Polo) durchführen und auch auf die Geophysikmission Cross-Scale verzichten: Diese zwei der sechs Kandidaten („Nächste Auswahlrunde …“) haben sich bei näherer Betrachtung als zu teuer erwiesen. Damit bleiben das Dunkelenergie-Observatorium Euclid, der Solar Orbiter (mit der NASA) und der Exoplanetenjäger Plato im Rennen (wobei aber nur 2 davon gebaut werden können), und außer der Reihe dürfte auch das IR-Observatorium SPICA zusammen mit Japan realisiert werden – man geht davon aus, dass das Science Programme Committee diese Auswahl am 18.2. bestätigen wird. (Space News 19., BBC 20.1.2010) NACHTRAG: So kam es in der Tat – was in Kiel für Freude sorgt.

Die NASA will bis zu 50-mal schneller mit ihren Raumsonden kommunizieren können, mittels neuer Ka-Band-Sender, vor allem aber Laser-Kommunikation: Bis zu einem Gigabit pro Sekunde von Mond oder Mars könnte es dann geben. Der Mondorbiter LADEE, Start Ende 2011, wird letzteres schon mal ausprobieren. (Space.com 22.1.2010)

Die Spiegelsegmente des JWST beginnen umfangreiche Kältetests

Bis 2011 werden alle 18 Segmente, die einmal den Hauptspiegel des superteuren IR-Teleskops („Die Gesamtkosten des JWST …“) bilden sollen, am MSFC extremer Kälte ausgesetzt – ihre Herstellung hat bereits vor 6 Jahren begonnen. (NASA Release 7.1.2010)

Lichtreflexe verraten Wasserflächen, auf der Erde und anderswo: Was beim Titan klappte, geht natürlich auch bei der Erde, wie die Raumsonde EPOXI vergangenen März sehen konnte – und mit (futuristischen) Weltraumteleskopen sollte es mit demselben Trick auch gelingen, grobe Aussagen über die Oberflächeneigenschaften von Exoplaneten zu treffen. (NASA Release 5., BdW 7.1.2010)

Drei wichtige Aufträge für das operationelle Galileo-System

hat die Europäische Komission vergeben: Die ersten 14 (von 32) Satelliten, die das europäische Navigationssystem aufbauen werden, darf überraschend die deutsche Firma OHB bauen und nicht der einst siegessichere Mega-Konzern EADS. Von den 566 Mio. Euro gehen zwar 236 Mio. an den britischen Subkontraktor SSTL; montiert wird aber in Bremen. Ebenfalls wurde Arianespace (keine Mitbewerber) mit dem Start der Satelliten ab Oktober 2012 in Kourou beauftragt (397 Mio. Euro) und ThalesAleniaSpace mit System-Support (85 Mio. Euro). Wer die folgenden 18 Satelliten bauen darf, bleibt offen: Erneut dürfen sich OHB und EADS im Wettbewerb; durch dieses ‚double sourcing‘ sollen weitere Verzögerungen („Navigationssystem Galileo …“) vermieden werden, falls einer der beiden Probleme haben sollte. Die ersten Galileo-Dienste sollen Anfang 2014 zur Verfügung stehen. (EU, SSTL Releases, Spaceflight Now, BBC, Space News, Tagesschau 7., Space Today 8.1.2010)

Überzeugende Schwerkraftkarten des GOCE-Satelliten wurden auf dem AGU-Herbstmeeting präsentiert: Obwohl der Satellit („GOCE bei der Arbeit …“) da erst 47 Tage gemessen hatte, sollen sie besser als alles bisher dagewesene sein. Und dank der ungewöhnlich niedrigen Sonnenaktivität dürfte sich GOCE weit länger auf seiner niedrigen Bahn halten als gedacht. (BBC 24.12.2009)

Deutscher Satellit „Heinrich Hertz“ soll Comsat-Technologien testen

Vorbereitungen laufen für einen kleinen deutschen Satelliten, der verschiedene neuartige Systeme für Nachrichtensatelliten testen soll – denn die Hersteller solcher Satelliten selbst stehen jedweder Innovation erst einmal skeptisch gegenüber. Neben den Experimenten soll der Satellit aber auch eine kommerzielle Telekommunikations-Nutzlast tragen, und deren Lieferant und das DLR wollen sich die Startkosten teilen. (Space News 22.1.2010)

Ein Datenrelaissatelliten-System auch für die ESA – nach dem Vorbild des amerikanischen TDRSS („Der erste Daten-Relais-Satellit …“), bereits 2008 im Prinzip beschlossen, soll dieses Jahr konkret werden: Auf zwei kommerziellen und mindestens einem speziellen Satelliten im GEO werden die Transponder untergebracht; GMES wird der erste Kunde. (Spaceflight Now 22.1.2010)

In rund einem Jahr beginnt der Bau einer chinesischen Raumstation

Ende 2010 oder Anfang 2011 soll nach allmählich klarer werdenden Plänen mit Tiangong-1 („Himmlischer Palast“) die erste Komponente einer chinesischen bemannten Raumstation in den Orbit gelangen, gefolgt von Ankoppelübungen mit der unbemannten Shenzhou 8 und der ersten Dreier-Besatzung mit Shenzhou 9. Lange kann sie nicht bleiben, da Tiangong-1 noch sehr klein ist und es auch an Vorräten fehlen wird, aber später sollen mindestens zwei Module dazu kommen. Und Fernziel bleibt eine große eigene Raumstation, von der aus es möglicherweise in den 2020-ern weiter zum Mond gehen soll. (Universe Today, Space Daily 20.1.2010, CCTV 29.12.2009. Und Spaceflight Now 28.12.2009 zur chinesischen Raumfahrtplanung insgesamt sowie Xinhua 29.12.2009 zu einem angedachten Satelliten zur Erforschung der Dunklen Materie) NACHTRAG: Der Start von Tiangong-1 ist definitiv erst 2011 möglich.

Indischer Sonnenforschungs-Satellit mit Mehrfach-Aufgabe: Aditya-1 soll 2013 gestartet werden und zum einen die Befindlichkeit der Sonne während bzw. nach dem tiefen Aktivitätsminimum ergründen. Aber es soll auch erforscht werden, wie sich Raumflugkörper im Sonnenschein aufheizen, denn da hat Indien noch Nachholbedarf: Der Mondorbiter Chandrayaan-1 fiel wegen Überhitzung vorzeitig aus, und von dem für 2015 angekündigten Einstieg in die bemannte Raumfahrt will man dieses Problem im Griff haben. (DNA 25.1.2010)

Alle Teile der ersten Falcon 9 sind am Cape angekommen

Und da im Oktober 2009 sowie am 2.1.2010 auch Testzündungen der ersten bzw. zweiten Stufe dieser u.U. wichtigen Rakete („Der erste kommerzielle Transporter zur ISS“) erfolgreich waren, darf in den kommenden Monaten – theoretisch ab dem 3. März – mit dem Start gerechnet werden. Wenn er gelingt, folgen drei Demonstrationsflüge zusammen mit der Dragon-Kapsel, der die NASA dann die Erlaubnis zum Besuch der ISS erteilen würde. (Spaceflight Now 29., 5., Space Today 6., Int’l Space Fellowship, Orlando Sentinel Blog, Nature Blog 5.1.2010) NACHTRAG: ein Press Release von Space X.

Indischer Riesenbooster-Test geglückt: Der Feststoffbooster S200, nach den Shuttle-Boostern und denen der Ariane 5 der drittstärkste der Welt, hat am 24. Januar tadellos 130 Sekunden lang gebrannt, womit das GSLV-Mk. III („Im Januar …“) auf Kurs für einen Erstflug Ende 2011 bleibt. Der Start des GSLV-D3 ist derweil auf März gerutscht. (ISRO Release 24., Hindu, DNA, Domain B 25., Hindu 23., 1.1.2010. Und Express Buzz 1.1.2010 zur – rosigen – Lage der indischen Raumfahrt insgesamt) NACHTRAG: Jetzt heißt es April.

Die nächste große IR-Durchmusterung des Himmels: Satellit WISE gestartet!

14. Dezember 2009

Nach etlichen Verschiebungen – an denen der Satellit unschuldig war – hat heute eine Delta 2 von Vandenberg aus den Wide-field Infrared Survey Explorer der NASA auf eine niedrige polare Erdumlaufbahn gebracht, von wo aus er nach einmonatigen Tests eine sechsmonatige Himmelsdurchmusterung aufnehmen soll (und danach noch eine halbe, bis der gefrorene Wasserstoff aufgebraucht ist, der Optik und Instrumente auf 12 K kühlt). Rund 7000 Aufnahmen in vier Wellenlängen (3.4, 4.6, 12 und 22 µm) mit 47′ Gesichtsfeld soll es jeden Tag geben: Jeder Himmelspunkt wird mindestens 8-, manche über 1000-mal angeschaut; die Auflösung des 40-cm-Teleskops beträgt dabei 6″, bei 22 µm 12″.

Auf den Millionen Bildern sollten hunderte von Millionen Objekten zu erkennen sein, von erdnahen Asteroiden und solchen im Hauptgürtel (fast alle hunderttausende ab 3 km Durchmesser) über die sonnennächsten Sterne und Braunen Zwerge – es ist nicht unwahrscheinlich, dass WISE einen Zwerg näher als Proxima Centauri findet; gibt es einen, muss ihn der Satellit sehen – bis zu ultrahellen IR-Galaxien, unter denen WISE die leuchtkräftigste Galaxie des ganzen Kosmos aufspüren könnte. Etwa 16 Monate nach dem Start wird die gesamte Astronomie mit vorläufigen, 11 Monate später dann mit den endgültigen Daten der 320-Mio.$-Mission beglückt: Fast schon erwartet werden völlig überraschende Entdeckungen – und garantiert ist eine wesentliche Rolle des WISE-Atlas als Pfadfinder für das JWST.

WISE-Homepages bei der NASA und in Berkeley, ein JPL Release und Artikel zum Start von Spaceflight Now, BBC, Physics World, Nature Blog und Space Today – und jede Menge mehr Links im Header des 333. Cosmic Mirror!