Mit ‘Krater’ getaggte Beiträge

Das Sonnensystem – statisch und in Bewegung

29. Januar 2011

Hier rotiert der Asteroid 2008 EV5: Radarbilder mehrerer großer Antennen vom Dezember 2008 animiert. Der Kleinplanet ist 400±50 m groß und wird von einem 150-m-Krater dominiert: Vermutlich die Folge eines großen Impakts, dessen Erschütterungen andere Features auf der Oberfläche auslöschten.

Doppeleruption auf der Sonne am 28. Januar: Auf diesem SDO-Bild wird links ein Filament instabil, während sich rechts ein M-Flare erreignet, dem auch ein koronaler Massenauswurf folgte. Ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen durch weiträumige magnetische Kopplung liegt nahe.

Mars mit Musik …: Allerlei Bilder der HiRISE-Kamera auf dem Mars Reconnaissance Orbiter wurden hier mit exotischen Klängen unterlegt.

Ein kurioser “Schmetterlings-Krater” auf dem Mars – hier in einem Mosaik aus mehreren Odyssey-Bildern von E. Lakdawalla – entstand durch einen sehr flachen Impakt: Der einschlagende Körper, der den 10-km-Krater formte, flog in weniger als 10° Winkel zur Oberfläche. Und war vermutlich ein ehemaliger Mini-Mars-Mond!

Eine farbige Animation des Saturnmonds Prometheus, inklusive seiner dunklen Seite, aus den Rohbildern gemorpht, die bei einem Cassini-Besuch vor einem Jahr entstanden waren.

Warum der LCROSS-Crash so unauffällig blieb

18. Oktober 2009

394532main_MIR-camera-images-3_full

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Beobachtungen der Effekte, die der Einschlag der LCROSS-Centaur auf dem Mond auslöste (hier z.B. eine Bildserie der Kamera MIR1 mit der thermischen Signatur des Impaktblitzes; Auflösung 1 km/Pixel), aber insgesamt blieben sie weit hinter den geschürten Erwartungen zurück. Insbesondere blieb die Wolke aufgewirbelten Staubes extrem unauffällig und konnte erst nach einer Woche mit brutaler Bildverarbeitung sichtbar gemacht werden – doch im Nachhinein haben es viele im Projekt immer schon gewusst, dass dies ein mögliches Ergebnis sein konnte. Auf einer Planetenforscherkonferenz im März etwa hatte der Projekt-PI gegenüber Fachkollegen die großen Unsicherheiten bei der Vorhersage der Impakteffekte betont, und zuweilen wurde auch in Vorberichten auf die Unwägbarkeiten hingewiesen, wenn sich dies auch eher auf das Treffen isolierter Eisfelder und weniger die sichtbaren Effekte des Crashs bezog.

Jetzt nennt Impaktforscher E. Asphaugh das Modellieren der Vorgänge die “größte Herausforderung” überhaupt, mit der er bisher konfrontiert war. Denn die Centaur war zwar massereich aber ein Zylinder (man rechnet sonst mit kugelförmigen Impaktoren) und hohl (sonst: homogen), und die physische Beschaffenheit der permanent schattigen Zielregion kannte man auch nicht. Offenbar sind die Raketenstufe und/oder poröser Mondboden beim Aufprall wie ein Stoßdämpfer kollabiert: Wenig kinetische Energie wurde auf das Bodenmaterial übertragen, das dann nicht hoch genug geschleudert wurde, um aus irdischer Perspektive gesehen zu werden. Andererseits sollte ein breiter aber flacher Krater entstanden sein, was sich am Ende sogar als Vorteil erweisen könnte: Schließlich vermutet man Mondeis, so es denn existiert, vor allen in den obersten 70 cm des Bodens. Irgendein Nachweis von H2O oder OH nach dem Impakt steht allerdings weiter aus.

Allerlei LCROSS-Bilder und -Daten vom Impakt und Artikel von New Scientist, LA Times und Spiegel sowie Science vom 16.10.2009 S. 353 (das Asphaug-Zitat gab es bereits hier).

Boden “signifikant aufgeheizt”: So sah der LRO den frischen Impaktkrater

9. Oktober 2009

diviner

Der helle Punkt auf thermischen IR-Bildern der Mondoberfläche (in vier verschiedenen Wellenlängen) ist der frische Krater, den die Centaur heute geschlagen hat: eindeutig nachgewiesen vom Instrument Diviner auf dem Lunar Reconaissance Orbiter, der 90 Sekunden nach dem Impakt in der Näge vorbeiflog. Zwei Stunden vorher war es an dieser Stelle so kalt wie auch sonst in den “blauen” Streifen gewesen. Der “Fußabdruck” von Diviner ist – aus 80 km Entfernung im Schrägblick – mit 300 x 700 Metern um ein Vielfaches größer als der vermutlich nur wenige Dutzend Meter messende Krater: Das klare Signal bedeutet mithin, dass der Impakt den Mond “signifikant lokal aufgeheizt” hat. Ein weiteres von den vielen Puzzlestücken, aus denen sich ein Gesamtbild der heutigen Vorgänge zusammenfügen wird.

NACHTRAG: Auch die ersten Hubble-Daten liegen vor – keine temporäre Exosphäre oder Hydroxyl nach den Impakten. NACHTRAG 2: Die superscharfen Palomar-Bilder gibt’s jetzt auch als Zeitraffer-Video – da tut sich nix. NACHTRAG 3: die “offizielle” Version der beiden wichtigsten LCROSS-Bilder, ein möglicher Nachweis des Impaktblitzes im Live-Feed – und jede Menge Links mehr im Header des Cosmic Mirror #331!

Hier leuchtet – im IR – der frische Centaur-Krater!

9. Oktober 2009

impact_crater

Die Liveübertragung des LCROSS-Crashes war zwar ein Reinfall, mit keinem auf Anhieb erkennbaren Anzeichen, dass überhaupt etwas passiert war – aber auf der ersten Pressekonferenz 2 1/2 Stunden danach sah das Bild schon ganz anders aus! Infrarotkameras auf LCROSS selbst haben sowohl aus 600 km Abstand den Impaktblitz wie auch kurz vor dem eigenen Aufschlag den noch heißen Einschlagskrater der Centaur (im Bild der Lichtpunkt rechts; verlinkt zu einem PDF mit mehr Bildern von der PK) gesehen und zumindest spektroskopisch möglicherweise auch Anzeichen der Impaktwolke nachgewiesen. Im Impaktblitz selbst, von dem es UV/Vis-Spektren gibt, verriet sich bereits Natrium, und nach Hinweisen auf Wasser wird nun emsig gesucht – dazu äußern will man sich aber erst, wenn Einigkeit im Team besteht.

Die Beobachtungskampagne von der Erde aus war ein voller Erfolg: Alle involvierten Großteleskope hatten gutes Wetter und funktionierten – aber irgendwelche Hinweise auf eine Ejektawolke ist zumindest auf den Bildserien nicht zu erkennen (einen kecken Press Release mit einer anderslautenden Behauptung bzgl. Beobachtungen am MMTO ließ die University of Arizona rasch wieder verschwinden). Serien von Spektren könnten gleichwohl noch etwas zeigen; das MMTO z.B. sieht mysteriöse Vorher/Nachher-Unterschiede. Im Weltraum haben der LRO und das HST den Impakt offenbar planmäßig im Blick gehabt, und aus dem Erdorbit hatten zudem der schwedische Odin-Satellit und die Erdbeobachter IKONOS und GeoEye-1 Richtung Mond geschaut.

Die ersten Beobachtungen des LRO vom Impakt (erst kurz nach der PK bekannt geworden), ein früherer wenig sagender NASA Release, die neuesten Bilder und Erkenntnisse, superscharfe Bilder vom 5-m-Teleskop auf dem Palomar Mtn. mit AO und Videos vom MMTO. NACHTRAG: In diesem Artikel findet sich auch ein Bild des Impaktblitzes. Und es gibt eine Ermahnung für alle, denen heute zu wenig Action geboten wurde. NACHTRAG 2: die meisten Bilder von der PK – und das heutige Medienecho zusammengefasst. NACHTRAG 3: die komplette PK (70-min.-Video) und ein Artikel über deren Atmosphäre …

MESSENGERs 3. Merkur-Besuch: guter Swingby, aber Safe Mode

30. September 2009

messenger

Das wichtigste war die genaue Flugbahn am Merkur vorbei, um ein drittes und letztes Mal Bahnenergie zu “vernichten”, so dass die US-Sonde MESSENGER 2011 in eine Umlaufbahn um den Planeten einschwenken kann: Dieser entscheidende Swingby ist am Abend des 29. September perfekt gelungen. Doch das übliche “Bonus-Programm” wissenschaftlicher Beobachtungen konnte nur etwa zur Hälfte ausgeführt werden: Beim Umschalten von Solarzellen auf Batterie kurz vor dem Flyby kam es zu einer Störung, die MESSENGER für mehrere Stunden in einen Safe Mode versetzte, alle Messungen fielen aus. Schon bald war die Sonde aber wieder unter Kontrolle und konnte rasch die Daten übertragen, die aus größerer Distanz aufgenommen worden waren, so wie dieses Bild eines namenlosen 110-km-Kraters des “pit-floor”-Typs.

Die Homepage mit ein paar Bildern und einem Press Release, Artikel von Planetary Society und Spaceflight Now, Vorschauen von DLR und NASA – und der Augenzeugenbericht eines Physiklehrers, der im Rahmen einer Outreach-Aktion dabei sein durfte.

Frische Marskrater legen reines Wassereis frei – auch fern der Pole

25. September 2009

marseis

Gestern abend sorgte nicht nur – molekülweise verstreutes – Wasser auf dem Mond für Wirbel: Auf dem Mars ist in mittleren Breiten eine Schicht zu 99% reinen Wassereises entdeckt wurden, nicht mal einen Meter unter der Oberfläche und freigelegt durch frische kleine Impaktkrater. In fünf Fällen wie dem abgebildeten konnte die Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter zuschauen, wie das strahlend weiße Eis dahinschmolz (genauer: davondiffundierte) – das eigentlich gar nicht da sein sollte; man vermutete nach den Mars Odyssey-Daten aus dem Orbit (siehe Artikel 500) ein 50:50-Gemisch aus Eis und Staub. Wie die Schicht klaren Eises entstanden ist, die sich unter weiten Bereichen der Marsoberfläche erstrecken dürfte, ist nun die Frage. Und die Antwort, egal wie sie ausfällt, scheint nicht ohne erheblich andere, feuchtere, Klimabedingungen zur Zeit ihrer Entstehung auszukommen.

University of Arizona und NASA Press Releases und Artikel von Scientific American, Cosmic Log, Wired und Alles was fliegt (dass Viking 2 nur knapp die Eisentdeckung verpasste, wusste man allerdings schon seit den Odyssey-Messungen). NACHTRAG: ein kleines Video dazu.


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 239 Followern an