Posts Tagged ‘LADEE’

Der Mondstaubforscher LADEE ist unterwegs

7. September 2013

ladee

Pünktlich um 5:27 MESZ heute Morgen hat die neueste Mondmission der NASA – und zugleich die vorerst letzte – mit dem Start einer Minotaur V auf der Insel Wallops vor Virginia begonnen. Allerdings befindet sich der Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer derzeit überraschend in einem Safemode, weil etwas mit den Reaction Wheels nicht zu stimmen scheint: angeblich keine große Sache, aber es fällt auf, dass es auch über 6 Stunden nach dem Start noch keinen Press Release der NASA dazu gibt. Aber man hat ja Zeit: Die Reise zum Mond dauert fast einen Monat, die Orbit Insertion soll erst am 6. Oktober sein, gefolgt von 40 Tagen Commissioning und schließlich 100 Tagen Beobachtungen der Mond-ExosphäreStaub wie Gas – mit den drei Instrumenten Ultraviolet and Visible Light Spectrometer, Neutral Mass Spectrometer und Lunar Dust Experiment. Dabei dürfen dann auch – indirekt – Amateurastronomen mitmachen, die mit größeren Teleskopen und Videokameras Impakte auf dem Mond registrieren oder mit einfach(st)en Mitteln Meteore in der Erdatmosphäre zählen können, so dass die LADEE-Auswerter über die Stärke der Quellen („Wie sich Amateurastronomen …“) oder gar akute Freisetzungen im Bilde sind.

Direkt nach Erreichen des Mondorbits wird bei LADEE aber erst einmal mit Laser-Kommunikation über große Distanzen experimentiert, bevor die Wissenschaft beginnt: Videos vom Start und der kurzen PK danach weitere Bilder vom Start hier und hier, Artikel dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, zahlreiche Bilder der Minotaur-Spur am Himmel z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Press Releases vor dem Start von der NASA hier, hier, hier, hier und hier sowie aus Colorado, Videos mit einer Zusammenfassung der Mission (kürzer) und von einer PK vor dem Start (mit Verlesung einer Frage dieses Bloggers bei 33:00), einer weiteren zur Wissenschaft und einem NASA Social (1.5 Stunden) und Artikel vor dem Start hier (mehr), hier, hier (mehr), hier, hier (mehr), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG: ein Artikel mit mehr Details zum Ärger mit den Reaction Wheels – zur Not könnte man LADEE auch mit den Thrustern orientieren, aber das würde einiges des ohnehin knappen Treibstoffs verbrauchen – sowie noch einer und noch mehr Bilder aus der Ferne. NACHTRAG 2: Wie der Homepage zu entnehmen ist, wurde das Drallrad-Problem schon weitgehend gelöst – und noch mehr ferne Bilder. NACHTRAG 3: ein Orbital Release, mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

NASA-Astro-Satelliten: IRIS kommt – GALEX geht

29. Juni 2013

iris1

iris2

iris3

Der gestrige 28. Juni 2013 (MESZ) hat gleich doppelte Bedeutung für die Astronomie mit NASA-Satelliten erlangt: Erst erreichte um 4:40 Uhr der Interface Region Imaging Spectrograph („Der nächste Astronomiesatellit …“) seine Umlaufbahn, nachdem die Pegasus mit IRIS um 4:27 MESZ abgeworfen worden war (oben drei Screenshots aus dem Replay einer Kamera, die hinter der Flügelrakete auf der L-1011-Trägerflugzeug „Stargazer“ saß, auch ein komplettes und ein langes Video, viele Schnipsel, mehr Screenshots, optische Effekte danach, NASA und Orbital Releases und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), und arbeitet einwandfrei. Und am Abend gaben die NASA und das zuletzt für ihn sorgende („Ein Kepler-Resultat …“) Caltech bekannt, dass der Galaxy Evolution Explorer („Der UV-Satellit GALEX …“) um 21:09 MESZ abgeschaltet worden ist – er war vor 10 Jahren ebenfalls auf einer Pegasus gestartet worden, hatte die Primärmission absolviert und noch drei Verlängerungen. In ca. 65 Jahren wird er verglühen. [NACHTRAG: ein Nachruf]

Wie sich Amateurastronomen bei LADEE einbringen können

Auf einer neuen Webseite sowie im Rahmen eines Webinars gestern (Aufzeichnung, Screenshot) hat die NASA näher erläuert, wie sich Amateurastronomen für LADEE nützlich machen können („Amateurastronomen zur Mithilfe …“), den Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer, der im September starten soll: zum einen mittels genau koordinierter Video-Überwachung des Mondes auf Impaktblitze, zum anderen mit Meteor-Beobachtung in der Erdatmosphäre. Eine spezielle Kampagne zur Überwachung des Mondes auf mutmaßliche aus dem Inneren stammende Transient Lunar Events gibt es zwar nicht, aber die NASA – so die Antwort auf eine Frage dieses Blogs – möchte natürlich hören, wenn was passieren sollte: Dann könnte man nach Korrelationen mit Messungen des Orbiters suchen.

Voyager 1 ist wieder ein Stückchen weiter Richtung Rand des Sonnensystem vorgedrungen, wie JHU, JPL und NASA verkünden: 18 Mrd. km von der Sonne entfernt macht sich zunehmend Galaktische Kosmische Strahlung bemerkbar, während diejenige der Sonne verdrängt word – aber ihr Magnetfeld ist noch da. Das eigentliche Verlassen des Sonnensystems kann nun nur noch Monate oder aber noch Jahre in der Zukunft liegen; auch Science@NASA und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch Amateur-Erfolge bei der Bestimmung des heliozentrischen Orbits von Herschel nach dem Missionsende: 2027 kommt Herschel wieder und auch im Jahr 2042. [NACHTRAG: Details zur Herschel-Astrometrie]

Der Arkyd könnte das erste „Stretch Goal“ noch schaffen

Das erste Ziel von einer Million US-Dollar wurde schon vor einer guten Woche erreicht, aber das Crowdfunding für das erste Volks-Weltraumteleskop läuft immer noch gut 50 Stunden – und die automatische Trendanalyse deutet auf 1.33 Mio.$ als wahrscheinlichstes Endergebnis in der Nacht zum 1. Juli hin, mit allerdings einer Projektionsbreite von 1.28 bis 1.36 Mio.$. Mit 1.3 Mio.$ wäre das erste sog. Stretch Goal erreicht, bei dem eine zweite Bodenstation für die doppelte Datenrate für den – übrigens teilweise per 3D-Printing entstehenden – Minisatelliten gebaut werden könnte. In gewisser Weise sind solcherlei Details Peanuts, da Planetary Resources bereits ein Mehrfaches der Million an Eigenmitteln in das Arkyd-Projekt gesteckt hat. Aber wer weiß: In der letzten Nacht wird es von 0:00 bis 4:00 MESZ noch mal eine große Final-Show zum Eintreiben weiterer Beiträge geben, bei der sich die Arkyd-Manager regelrecht zum Affen machen wollen, wie es gestern in schon wieder einem Hangout hieß …

Ist „Europa Report“ der erste Science-Fiction-Film speziell für Astronomie-Nerds seit langer Zeit? Erste Kritiken des Low-Budget-Films („Drei Trailer …“) wie insbesondere diese hier deuten auf einen fast schon dokumentarisch angelegten Expeditionsbericht zum Jupitermond hin – der aber nach wie vor keinen bekannten deutschen Kinostart hat.

Nachrichten aus der Planetenforschung kompakt

12. August 2011

Dawn hat mit drei Wochen Vesta-Kartierung begonnen

Am 11. August um 18:13 MESZ hat die erste von vier systematischen Beobachtungsperioden von Dawn im Orbit um Vesta begonnen: Aus dem „Survey Orbit“ in 2700 km Höhe – die bereits eine Woche zuvor am Ende der Anflugsphase seit dem 3. Mai erreicht worden war – wird der Kleinplanet nun 20 Tage = sieben Orbits à 69 Stunden oder fast 3 Tage lang ausgiebig kartiert. Hauptinstrument dafür ist das italienische VIR-Instrument, das im sichtbaren und IR-Licht arbeitet, um die Mineralogie Vestas zu bestimmen, aber auch die deutsche Framing Camera macht mit, um ein globales Bild Vestas für die folgenden Operationen zu liefern. Ebenso wird die Bahn Dawns im Schwerefeld des irregulären Körpers („Dawns Orbits …“) genau verfolgt, während die Gamma- und Neutronendetektoren den Hintergrund messen: Der wird später subtrahiert, wenn die Instrumente in geringer Höhe arbeiten, um Vestas Beitrag zu ermitteln.

Nach dem Survey Orbit wird das Ionentriebwerk am 31. August wieder eingeschaltet, um Ende September für einen Monat den High Altitude Mapping Orbit in 660 km Vesta-Abstand zu erreichen, wo ein Umlauf nur noch 1/2 Tag dauert. Der Eintritt in den allerersten Orbit war übrigens – das konnte nun berechnet werden – am 16. Juli um 6:48 MESZ erfolgt. (JPL Release, Dawn Journal 11.8.2011 – wo versprochen wird, dass in dieser Galerie während des Survey Orbits jeden Tag ein neues Bild erscheinen soll; laufende Rohbilder wie bei Opportunity oder Cassini oder in 5 Jahren bei Juni gibt’s hingegen nicht) NACHTRAG: oben das erste der versprochenen Bilder – zugleich das erste aus den 2700 km Abstand des Survey Orbits! Und Nature News 12.11.2010 zu Vestas Riesenkrater, der aus der Nähe ganz anders aussieht als nach den schwammigen Hubble-Aufnahmen erwartet worden war, und den mysteriösen Äquatorgräben – ob das alles zusammen hängt?

LADEE hat die Mission Critical Design Review passiert

Damit kann der Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer der NASA tatsächlich gebaut und für einen Start 2013 vorbereitet werden (wobei an Teilen der Hardware schon seit mehreren Jahren geschraubt wird). Ab Januar 2012 wird LADEE im Ames Research Center montiert und getestet. Bei der Mission geht es um die Umweltbedingungen nahe der Mondoberfläche. (Project Manager Update 2.8.2011. Auch ein KSC Photo 10.8.2011 von den beiden GRAIL-Sonden der NASA, die bereits auf dem Adapter-Ring sitzen und am 8. September zum Mond starten sollen: Es geht um die Vermessung seines Schwerefelds. [NACHTRAG: auch ein JPL Release dazu.] Und ein NPR-Interview 11.8.2011 zum Google Lunar X Prize [NACHTRAG: wo es immer noch dicke Luft über die Regularien gibt])

Ein ungewöhnlicher vulkanischer Komplex auf der Mondrückseite, entstanden durch aufquellendes silikathaltiges Plasma, verät sich durch eine hohe Thorium-Konzentration und wurde bereits vom Lunar Prospector entdeckt – jetzt hat der Lunar Reconnaissance Orbiter neue Detaildaten geliefert, aber die Entstehung der Anomalie bleibt weiter rätselhaft. (WUStL Press Release 24.7.2011. Und Hauri & al., Science 333 [8.7.2011] 213-5, Carnegie, NASA, Case Releases, Welt der Physik 26., Space Today 27.5.2011 zu überraschend viel Wasser in Bodenproben von Apollo 17: Teile des Mondinneren sind so feucht wie der Erdmantel)

Enceladus‘ Fontänen sorgen für Wasser im Saturn

250 kg Wasserdampf pro Sekunde speien die Fontänen auf dem Saturnmond in den Raum, und 3 bis 5% davon landen in der Atmosphäre des Planeten selbst – der damit als einziger im ganzen Sonnensystem von einem seiner Monde chemisch beeinflusst wird. Die merkwürdigen Wasserspuren im Saturn hatte 1997 der IR-Satellit ISO entdeckt, die Fontänen sind eine Cassini-Entdeckung von 2005 (siehe Artikel B60′), und den direkten Zusammenhang stellen nun Beobachtungen mit dem IR-Satelliten Herschel her: Er hat den Wasserdampf-Torus in der Enceladus-Bahn direkt abgebildet, woraus sich wiederum die Verlustprozesse modellieren ließen – auch auf den Saturn hinab. (Hartogh & al., A&A 532 L2 14., ESA Release, Herschel Result 26.7.2011)

Wellen in den Saturn- und Jupiter-Ringen nach ‚Einschlägen‘ interplanetaren Staubs – so jedenfalls die bevorzugte Interpretation – sind aus Cassini- bzw. Galileo-und New Horizons-Bildern heraus gekitzelt worden: Was sie ca. 1983 beim Saturn auslöste, ist nicht bekannt, aber beim Jupiter könnte es gut der Staub gewesen sein, der den zerbrochenen Kometen Shoemaker-Levy 9 begleitete. (Hedman & al. / Showalter & al. / Salo, Science 332 [6.5.2011] 708-13 / 672-3; JPL Release, CICLOPS, Nature News 31.3., Cornell Chronicle, Welt der Physik 1.4.2011. Auch Khurana & al. / Coates, Science 332 [3.6.2011] 1186-9 / 1157-8, JPL Release 12., Gish Bar Times, Space Today 13.5.2011 zu Hinweisen auf einen globalen Magma-Ozean des Jupitermonds Io, das sich erst jetzt in Magnetometer-Daten Galileos verraten hat)

14 unbekannte Kuiper-Gürtel-Objekte am Südhimmel

sind bei einer Durchmusterung von 2500 Quadratgrad ins Netz gegangen, darunter drei mit Durchmessern von vermutlich mehr als 500 km (Tabelle 1 auf Seite 17): Die Autoren mutmaßen, dass sich diese Körper unter ihrer eigenen Schwerkraft zu Kugeln formen sollten und dann als Zwergplaneten zu gelten hätten. Allerdings liegen ihre Absoluthelligkeiten von 3.8 bis 4.3 weit unter der Grenze von 1.0, bei der gemäß IAU-Regularien von 2008 überhaupt erst der Prozess zur vorläufigen Anerkennung als Zwergplanet bzw. Plutoid eingeleitet wird. So oder so zeigen die Funde aber, dass v.a. der südliche Teil des Kuiper-Gürtels noch nicht gut durchsucht ist – und dass sich in jeder dynamischen Zone mindestens ein großer Brocken befindet. (Sheppard & al., Preprint 26.7., astrobites 2., Space.com 3.8.2011)

Weitere Erkenntnisse aus der verunglückten Genesis-Mission sind inzwischen aus denjenigen Sonnenwind-Kollektoren gewonnen worden, die den Crash der Rückkehrkapsel 2004 (siehe Artikel 946) überstanden: So zeigt sich, dass die Sonne gegenüber den terrestrischen Planeten deutlich reicher an Sauerstoff-16 ist (letzteren muss also vor dem ‚Zusammenbau‘ etwas passiert sein, das O-17 und -18 anreicherte), und die Stickstoff-Isotopen waren im jungen Sonnensystem höchst unterschiedlich verteilt. Ingesamt kann man folgern, dass die Erde nicht aus ‚typischem‘ Material des Urnebels gebacken wurde. Und nebenher hat sich gezeigt, dass Untersuchungen kosmischer Proben im irdischen Labor doch wesentlich ergiebiger als ‚vor Ort‘ sind. (McKeegan & al. / Marty & al. / Clayton, Science 332 [24.6.2011] 1528-36 / 1509-10; JPL, LANL Releases 23., Welt der Physik 24.6.2011)

Komet Schwassmann-Wachmann 3 ist der primitivste

überhaupt, jedenfalls unter den Kometen, die genauer chemisch untersucht werden konnten: Das zeigen Untersuchungen seiner Fragmente B und C durch den Spitzer-Satelliten. Danach muss der Komet – die beiden Fragmente unterscheiden sich da nicht – entweder früher oder in größerem Sonnenabstand als alle anderen genauer studierten entstanden sein. (Sitko & al., Preprint 11.7.2011. Und ein NASA Release 28.7.2011 zum Rückgang der Wasserproduktion von Hartley 2 von 1997 bis 2010 um einen Faktor 3 – kein anderer bekannter kurzperiodischer Komet „verblasst“ so rasant)

Einige Moleküle von präbiotischer Bedeutung im Tagish Lake-Meteoriten entstanden unter Wasser-Einfluss, hat die andauernde Untersuchung seiner 2000 sofort geborgenen Teile des primitiven kohligen Chondriten (siehe Artikel 38) zu Tage gefördert. Dabei korreliert der Mix der komplexen chemischen Verbindungen mit dem Grad der Prozessierung: Mehr Wärme und/oder mehr Wasserkontakt sorgten für reichere Ausbeute. Und primitive Asteroiden empfehlen sich als ‚Öfen‘ für die Vor-Chemie des Lebens. (Herd & al., Science 332 [10.6.2011] 1304-7; NASA Release 9., Sky & Tel., BdW 10.6.2011)