Posts Tagged ‘Mars Science Laboratory’

Cosmic Mirror Nr. 346 (teilweise) abgeschlossen

5. August 2012

Die Story des ESA-Projekts JUICE und Links zu unzähligen anderen Weltraum-News seit Ende Januar – darunter natürlich auch zum MSL: oben die RAD-Messungen von Sonnen-Protonen während der Cruise, ein neckisches Video zur Kommunikation während EDL und ein simuliertes 64 Pixel(!) breites Bild ein Hazcam, das es Minuten nach der Landung zur Erde schaffen könnte – im Cosmic Mirror #346 (21.1.-5.8.2012), di espäter noch etwas ergänzt werden sollen.

Noch 33 Stunden: Was wann beim MSL passiert

4. August 2012

Zu sehen wird es in den entscheidenden Minuten nichts geben (außer angespannten Gesichtern in der Flugkontrolle), aber hören werden wir Allen Chen: Er wird während Entry Descent & Landing des Mars Science Laboratory ansagen, was der Marslander während seines Abstiegs berichtet, entweder direkt zur Erde über simple Signale („Semaphores“), wenn bestimmte Phasen erfolgreich absolviert werden, oder mit einigen Informationen mehr über Mars Odyssey; dieser Kommunikationsweg soll nicht nennenswert verzögert sein. Die Status-Informationen werden direkt in Computergrafiken umgesetzt, so dass man dem Abstieg in gewisser Weise zuschauen können wird. Als erste Nachricht wird – um 7:14 MESZ – die Abtrennung der Cruise Stage erwartet, gefolgt 7:24 MESZ vom ersten Kontakt mit der Marsatmosphäre. Während das MSL am Fallschirm hängt, versinkt es allerdings hinter dem Marshorizont, und Odyssey – derzeit in bestem Zustand – bleibt der einzige Weg für Live-Meldungen. Zugleich zeichnet auch der Mars Reconnaissance Orbiter den Datenstrom auf (der aber erst rund 10 Stunden später verfügbar sein wird) und der Mars Express den reinen Funkträger und sonst nichts (im Gegensatz zu dieser falschen Darstellung). Von einer erfolgreichen Landung würde ungebremster Jubel am JPL künden, und dann ist Odssey noch ein paar Minuten in Kontakt mit Curiosity: Mit viel Glück kann schon jetzt das erste Bild übertragen werden, ein (nur ~50 Pixel breites!) einer der Hazcams, mit einem Hinterrad Curiositys.

Auf viel mehr Informationen über den Zustand des Landers (und mehr Bilder) hofft man aber während des nächsten Odyssey-Überflugs 2 Stunden nach der Landung gegen 9:30 MESZ – aber dann sind die 1-1/2-stündigen Operationen des ersten Tages (Curiosity landet gegen 3:30 Uhr Nachmittags Marszeit) auch schon beendet. Weitere Downlinks sind wieder gegen 20:30 MESZ möglich, 13 Stunden nach der Landung, wenn auch wieder der MRO zwecks späterer Übertragung lauscht. Und 19 Stunden nach der Landung kann sich der Rover sogar noch einmal direkt bei der Erde melden. An Bilddatenprodukten darf am 6. August (immer auf die kalifornische Zeitzone bezogen) auf Hazcam-Aufnahmen mit 50, später 512 Pixeln Breite gehofft werden, am 7. August auf Thumbnails der Abstiegskamera MARDI und am 8. August auf Farbbilder der Mikrokamera MAHLI. Auch sonst wird man es langsam angehen lassen: Am 6. August wird die High-Gain-Antenne ausgerichtet, am 7. August der Kamera-Mast ausgefahren und am 8. August ein erstes Panorama aufgenommen, dass dann gemächlich übertragen wird. Erst Anfang September soll sich der Rover zum ersten Mal in Bewegung setzen, Mitte oder Ende September die erste Bodenprobe aufsammeln und im Oktober oder November zum ersten Mal den Bohrer einsetzen. Wenn denn mit der Landung alles klappt: An Bord des MSL ist jedenfalls alles bestens, und ein Staubsturm in 1000 km Entfernung von der Landestelle hat sich erwartungsgemäß in eine „harmless cloud of dust“ verwandelt, die den Krater Gale wohl nicht vor der Landung erreichen wird – und selbst dann harmlos wäre.

„Mars is playing nice“ (aber man wäre auch mit schlechtem Wetter fertig geworden) hieß es dazu heute auf einer weiteren Pressekonferenz, der auch der Großteil der obigen Informationen entstammt. Auch Science@NASA zu solaren Teilchen-Messungen mit RAD unterwegs, ein CSIRO Release zur Rolle Australiens und ein ESA Release und Blogeintrag zur Rolle Europas beim Datenempfang, der HiRISE-Blog und Universe Today zum Versuch des MRO, das MSL am Fallschirm aufzunehmen, eine PM der MPG zu deutschen Missionsbeiträgen, Sky & Tel. mit einer Gesamtbilanz aller Marsmissionen und das Observatorium Sydney zu Gale (dem Mann); weitere Infos u.a. hier, hier und hier. Die Bilder oben zeigen Adam Steltzner mit einem Modell der MSL-Aeroshell auf einer PK vorgestern (auch ein Video-Interview), Richard Cook (ein Pathfinder-Veteran!) heute und eine Grafik zu den Mars- und Erdtagen: Am Anfang arbeiten natürlich alle auf Marszeit. Weitere Videos: Projektwissenschaftler John Grotzinger in Action, schöne Vorberichte von CBS und PBS, eine Ansprache und ein Comedy-Show-Auftritt von NASA-Science-Chef John Grunsfeld, viele weitere Videos und ein Audio-Interview. Oh, und auf der PK heute hat der stellvertretende MSL-Projektwissenschaftler den Berg in Gale doch tatsächlich mal „Aeolis Mons“ genannt, auch wenn der das Griechisch für Latein hält …

Noch rund 100 Stunden: „Curiosity“ vor dem Ziel

1. August 2012

Von 7:10 bis 7:17 MESZ dauern die vielbeschworenen „Seven Minutes Terror“ des Entry, Descent & Landung (EDL) des Mars Science Laboratory alias Curiosity, vom ersten Atmosphärenkontakt in 125 km Höhe bis zur Landung des größten Marsrovers aller Zeiten – auf dem Mars. Wegen der Signallaufzeit von 13 Minuten und 48 Sekunden zwischen Erde und Mars entspricht dies 7:24 bis 7:31 MESZ Earth Received Time: Am Morgen des 6. August – noch wenig mehr als 100 Stunden – wird sich herausstellen, wie der dramatische Abstieg (Video oben, darunter ein älteres Video ohne Kommentar und unten Erläuterungen zu den 16 Kameras des MSL, dem wissenschaftlichen Programm und den anderen Instrumenten) verlaufen ist. Bisher hat das MSL alle Phasen zwischen Erde (Start am 26.11.2011) und Marsnähe problemlos abgehakt, ein paar Bahnkorrekturen inklusive, und bereits die EDL-Timeline aktiviert. Millionen Mal haben Ingenieure die EDL-Minuten simuliert, wobei nur in 1,7% der Fälle etwas schief ging: Das übertrifft die Vorgabe der NASA von einem zu 95% garantierten Missionserfolg deutlich, aber simuliert werden konnten natürlich nur die bekannten Risiken durch Technik und Mars-Umwelt. „Probably the overall biggest risk is our lack of imagination“, was sonst noch passieren kann, sagt ein JPL-Manager.

Bis zu einer entscheidenden kleinen Bahnkorrektur von Mars Odyssey am 24. Juli war nicht sicher gewesen, ob die Flugkontrolleure und die von der NASA reichlich angefixte Welt überhaupt live dabei sein konnten: Die letzte Phase der Landung findet von der Erde aus gesehen hinter dem Marshorizont statt, so dass die schwachen direkten Funksignale (eine Serie von „Semaphores“, die vom Abschluss einzelner Phasen künden) des MSL unterbrochen sind. Dafür ist das Timing der Landung für drei Marsorbiter optimiert: Odyssey, der die direkte Weiterleitung („bent pipe communications“) des MSL-Funks übernehmen soll, und MRO und Mars Express, die die Signale für eine spätere Übertragung zwischenspeichern werden (letzterer übrigens nur die Trägerwelle und keine Daten). Odyssey schockte freilich erst mit dem Ausfall eines Drallrads am 8. Juni: Das seit 11 Jahren ruhende Ersatzrad wurde hochgefahren und konnte bald übernehmen – aber dann war Odyssey wieder gestört. Und wäre zu spät über das landende MSL geflogen, wenn nicht doch noch die entscheidende Bahnkorrektur gelungen wäre. Eine klare Antwort, ob die Landung mit dem ersten kontrollierten Sturzflug durch die Hochatmosphäre, ihren 76 pyrotechnischen Ereignissen und dem abgefahrenen Skycrane am Schluss – im Detail auf Deutsch hier und hier sowie hier beschrieben – gelungen ist, sollte es also in Echtzeit geben.

Wann es allerdings die ersten Bilder von der Oberfläche zu sehen geben wird, dazu spekuliert die NASA öffentlich kaum – eine entsprechende Pressekonferenz ist erst für die Nacht 6./7. August um 1 Uhr MESZ angesetzt. Hochkomprimierte Bilder der kleinen technischen Kameras an Bord könnten aber bei idealer Orientierung des abgesetzten Curiosity schon in den Stunden oder gar Minuten nach der Landung ihren Weg auf die irdischen Bildschirme finden. Die große Fahrt zum Sedimentberg Aeolis Mons inmitten des Lande-Kraters Gale beginnt aber sicher erst nach vielen Tagen eingehender Gesundheitschecks – dann allerdings sollte sie schneller gehen als usprünglich geplant, da die Landeellipse im Juni verkleinert und verlegt wurde: Ihr Zentrum liegt jetzt 7 km näher an dem Fuß des Berges. Den die NASA und viele MSL-Funktionäre übrigens fälschlicherweise „Mount Sharp“ betiteln: Dieser Vorschlag vom März war von Anfang an ein Irrtum, da auf dem Mars nur große Krater nach verstorbenen Marsforschern benannt werden. Nach Robert P. Sharp ist nun ein solcher Krater mit 152 km Durchmesser benannt, während der Gale-Berg in Anlehnung an historische Bezeichnungen in dieser Gegend Aeolis Mons heißt und das umgebende Flachland Aeolis Palus. Vielleicht kapiert’s die NASA ja noch, bis Curiosity dort ankommt …

SOFIA hat seine erste Sternbedeckung gesehen!

23. Juni 2011

Und zwar durch den Zwergplaneten Pluto, vor wenigen Stunden: Bisher gibt es nur eine knappe aber eindeutige Erfolgsmeldung von R. Fienberg, der an Bord – vor der Westküste der USA – dabei war. Zwei Sternbedeckungen durch Pluto in rascher Folge sind der Gegenstand einer intensiven Beobachtungskampagne, die auch viele Stationen am Boden einschließt. Für SOFIA aber war es die erste Demonstration einer Art von Beobachtung, die sein Vorgänger KAO häufig durchführte und dabei u.a. die Uranus-Ringe entdeckte: Eine fliegende Sternwarte kann – im Prinzip – überall auf der Welt zur rechten Zeit am rechten Ort sein. NACHTRAG: eine offizielle Bestätigung des Erfolgs ohne weitere Einsichten. NACHTRAG 2: nach einem Tag ein USRA Press Release mit ein paar Details vom Flug, insbesondere einer Routenänderung in letzter Minute. NACHTRAG 3: Na ja, „lots of ink“ hat das nicht gerade hinterlassen.

Curiosity ist am Cape – und hat offenbar auch ein Ziel auf dem Mars bekommen, den Krater Gale

Vergangene Nacht ist der neue NASA-Marsrover Mars Science Laboratory alias Curiosity (Video oben: das Einpacken am JPL im Zeitraffer [NACHTRAG: eine geschnittene & kommentierte Version]) per Lastflugzeug am Kennedy Space Center angekommen (Bild), wo er nun für den Start im November vorbereitet wird – und fast zeitgleich machte die inoffizielle Nachricht die Runde, dass als Ziel auf dem Mars der Krater Gale ausgewählt wurde: Das Video unten zeigt einen simulierten Rundflug darüber. NACHTRAG: zwei neue Animationen von EDL & Betrieb. NACHTRAG 2: Es hat doch noch keine Entscheidung über das Ziel gegeben. NACHTRAG 3: Aber es gibt zwei Finalisten! NACHTRAG 4: Und es ist doch Gale geworden. NACHTRAG 5: Ein neues Video zeigt, wo es lang gehen soll – und ein Video in 3D liefert die detaillierte Begründung dazu!

Auch das zweite ATV ist verglüht: „Johannes Kepler“ (Bild: kurz nach dem Abdocken; hier und hier andere Perspektiven) ist vorgestern in die Atmosphäre eingetreten. Diesmal gab es keine Beobachtungs-Kampagne aus der Luft, aber es war ein Datenrecorder an Bord; über dessen Schicksal wurde noch nichts bekannt. NACHTRAG: Das System hat komplett versagt, im Gegensatz zum ersten REBR („‚Flugschreiber‘ …“) auf dem HTV-2!

Der größte Hitzeschild für einen Planetenlander

13. Mai 2011

aler Zeiten ist am Kennedy Space Center eingetroffen: 4.5 Meter im Durchmesser und bestimmt für das Mars Science Laboratory alias Curiosity. Zusammen mit der Backshell bildet der Hitzeschild die Aeroshell; der Rover selbst und seine Landeeinheit sollen nächsten Monat das Startgelände erreichen.

Der Mond einmal anders: Die Rauigkeit der Oberfläche auf verschiedenen Skalen – gemessen mit dem Laser-Höhenmesser LOLA des LRO – ist hier farblich codiert, woraus sich wieder Rückschlüsse auf geologische Prozesse ziehen lassen. Das neue Lunar Mapping and Modeling Project ermöglicht derweil Zugang zu einer großen Menge Mond-Daten.

Die Spur der Verwüstung eines Tornados aus dem Weltraum gesehen vom Satelliten EO-1: Einer der unzähligen Tornados vom 27. April („Spuren der Tornados …“) hat hier in grüner Vegetation einen breiten braunen Streifen hinterlassen, wie auch auf diesen Satelliten-Bildern. NACHTRAG: mehr zum Vegetationseffekt.