Posts Tagged ‘Maximilian Hell’

Venus@Vardø: Inflation der Transit-Gedenktafeln

8. Februar 2013

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Es war einmal eine Gedenktafel gewesen, die am Rathaus des entlegenen Städtchens Vardø im äußersten Nordosten Norwegens an die erfolgreiche Beobachtungs des Venusdurchgangs von 1769 durch Maximilian Hell erinnerte, aber als dieser Blogger letzten März vorbei schaute, waren es schon zwei geworden: Die slowakische Botschaft hatte eine zweite Tafel anbringen lassen, besser lesbar und in Englisch. Denn Hell war als Rudolf Maximilian Höll geboren worden, in Selmecbánya im damaligen Königreich Ungarn, das aber heute als Banská Štiavnica in der Slowakei liegt. Letzteres hat aber nunmehr die ungarische Gemeinde in Norwegen nicht ruhen lassen – und anlässlich des Venus-Durchgangs 2012 wurde kurzerhand die slowakische Platte seitlich versetzt und eine ungarische hinzu gefügt, die auch gleich noch an einen Sprachforscher erinnert. Das Hell’sche Tafel-Dreigestirn konnte dieser Blogger heute von Bord der MS Polarlys aus während eines kurzen Aufenthalts ablichten – während im Vordergrund drei andere Passagiere die Einladung annahmen, in die eisige Barentssee zu hüpfen (Bilder unten) …

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Auf den Spuren des Venus-Transits 1769 in Vardø: was von Maximilian Hells Expedition blieb

19. März 2012

Von den zahlreichen Expeditionen, die 1769 auf der ganzen sonnenbeschienenen Welt den Venus-Durchgang vor der Sonne verfolgten, um die Astronomische Einheit zu bestimmen, war die südlichste erfolgreiche diejenige von James Cook auf Tahiti – viel weniger bekannt ist sein nördlichstes Gegenstück, Maximilian Hell in Vardø im Nordosten des heutigen Norwegen (ein anderer Beobachter am Nordkap war clouded out). Dieser Blogger hatte heute während eines 50-minütigen Aufenthalts des Hurtigruten-Schiffs Kong Harald die Gelegenheit, auf den ‚Spuren‘ Hells zu wandeln (besser: auf dem schwer vereisten Boden Vardøs zu schlittern) und immerhin zweier Gedenktafeln ansichtig zu werden:

Auf der Hafen-Seite des prägnanten Rathauses von Vardø gibt es eine alte und auch eine neue Gedenkplatte: Nicht weit von diesem Ort hatte Hell seine improvisierte Sternwarte aus Holz, die bald wieder verschwunden war. Über seine abenteuerliche Expedition wird auch hier, hier und hier berichtet – und 2004 war an dieser Stelle eine öffentliche Beobachtung des Venus-Durchgangs geplant.

Das Rathaus mit den Hell-Tafeln ist mitten auf der schmalen Landzunge Vardøs auf der Kirkegata übrigens von ankommenden und abfahrenden Schiffen schon von weitem zu sehen – im Prinzip könnte man die Hell-Tafel mit einem feisten Fernrohr lesen …

Eine weitere Erinnerung an Hells Expedition findet sich auf dieser „Stele“ direkt am Hafen an der Touristen-Information am NW-Ende der Kaigata: Hier sind die Schlüsselereignisse der Stadtgeschichte aufgetragen wie Verleihung der Stadtrechte und Hexenverfolgungen, die dem Ort zu schauriger Berühmtheit verhalfen – und der (leider um ein Jahr falsch datierte) Venustransit. Auch im Stadtmuseum wird dem Vernehmen nach über Hells Expedition berichtet, die extrem kurze Liegezeit der Hurtigruten-Schiffe verhinderte diesmal leider einen Besuch dort.

Unübersehbar ist hingegen eine aktuelle „astronomische“ Installation, die den Anblick von Vardø dominiert: der amerikanische Radarkomplex Globus II, der offiziell zum weltweiten Netzwerk der Weltraumüberwachung gehört aber seit Jahren auch Gegenstand von Kontroversen und Verschwörungstheorien ist, wie Artikeln von 1998 (mehr), ca. 1999, 2000 (mehr), 2001 und 2011 zu entnehmen ist.