Posts Tagged ‘Meteorit’

Ein Meteorit vom kalifornischen Mega-Boliden?

25. April 2012

Noch gibt es nur einen Tweet bzw. das knappe Posting eines (bekannten) Asteroidenforschers: Danach wurde an einer aufgrund von Radardaten berechnten Stelle in Kalifornien ein Meteorit des Chondriten-Typs CM gefunden, der somit der gewaltigen Feuerkugel vom 22. April zugeschrieben werden können dürfte. Diese – oben eine der berühmten Aufnahmen von Lisa Warren, courtesy of JPL; hier noch ein TV-Bericht und -Rumgealbere – ging auf ein Asteroidchen von der Größe eines Vans zurück, der etwa 70 Tonnen Masse hatte und (wie berichtet) mit einem Airburst eines Energieäquivalents von 5000 Tonnen TNT endete, wie er (auch schon hier berechnet) ungefähr einmal pro Jahr irgendwo über der Erde geschieht. (Obacht: Das amerikanische „minivan“ entspricht dem deutschen „Van“ oder „Großlimousine“, während der deutsche „Minivan“ ein amerikanischer „subcompact“ und erheblich kleiner wäre …) NACHTRAG: und nun die ersten Bilder von mehreren kleinen Meteoriten! NACHTRAG 2: Jenniskens hat auch einen gefunden. NACHTRAG 3: und ein weiterer Fund – es gibt auch eine Darstellung mehrerer Funde, die aber nicht alle schon bekannten umfasst.

Raumfahrt kurz & bündig

18. Oktober 2009

Staunen über drei Meteoritenfunde Opportunitys nah beieinander

Nur 600 Meter von „Block Island“ entfernt ist der Mars Rover Opportunity am 3. Oktober auf einen weiteren großen Eisenmeteoriten gestoßen, der „Sheltered Rock“ getauft wurde: sehr wahrscheinlich Teil desselben Körpers, der vor rund 3 Mrd. Jahren dank dichterer Marsatmosphäre relativ sanft ‚aufsetzte‘. Und bald darauf wurde mit „Mackinac“ ein dritter Meteorit entdeckt! Spirit sitzt derweil immer noch fest, und es wird immer wahrscheinlicher, dass keine Befreiung mehr möglich ist. Trotzdem würde der Marsrover auch stationär weiter nützliche Daten liefern. (Road to Endeavour-Blog, insbes. 18. und 16.10.2009, Spaceflight Now 11.10.2009, MarsPages 5.10.2009) NACHTRAG: Noch ist aber der Beginn der Befreiungsversuche auf dem Mars für November geplant.

Das Science Programme Committee der ESA hat die neue gemeinsame Mars-Strategie mit der NASA im Prinzip abgesegnet: Der komplexe Rover ExoMars soll 2018 starten, 2016 dagegen ein Orbiter mit einem kleinen stationären Euro-Lander, um wenigstens ein bisschen Landetechnik zu lernen. Dadurch wird es insgesamt trotz gewichtigen NASA-Anteils an ExoMars für die ESA nicht billiger, und das politische „Go“ steht immer noch aus. (BBC 12.10.2009) NACHTRAG: weitere Einzelheiten. NACHTRAG 2: Der Letter of Intent ist unterzeichnet.

Zahlreiche ESA-Missionen werden bis Ende 2012 verlängert

Das hat das Science Programme Committee abgesegnet; allein der Weiterbetrieb vom Mars Express und Venus Express wird 30 Mio. Euro kosten, freut aber (auch) die beteiligten deutschen Institute ungemein. Auch mehrere Astronomie-Satelliten dürfen weiter machen. (ESA Release 7.10.2009, DLR PM 14.10.2009)

Die aktuellen Starttermine der nächsten NASA-Astro-Satelliten sind der 7. Dezember für den IR-Satelliten WISE (Wide-field IR Survey Explorer), der in Vandenberg eine Delta II nehmen wird, und der 3. Februar 2010 für das Solar Dynamics Observatory auf einer Atlas V in Cape Canaveral. (NASA ELV Status Report 16.10.2009)

GOCE bei der Arbeit an der besten Schwerkraftkarte der Erde

Die Bahn des ungewöhnlichen ESA-Satelliten ist nach ausgiebigen Tests in 280 km Höhe am 13.9. auf 255 km abgesenkt worden, wo er nun das Geoid mit unerreichter Genauigkeit vermisst. Die Bahn konnte sogar etwas tiefer gelegt werden als ursprünglich geplant: Dank der anhaltend geringen Sonnenaktivität ist die Erdatmosphäre deutlich kontrahiert und reibt weniger. (BBC 22.9.2009, ESA Press Release 30.9.2009, Discovery 12.10.2009)

ESA und DLR haben sich über ein Datenrelais-Satellitensystem per Laserstrahl (European Data Relay System) geeinigt, dessen Finanzierung zwar noch nicht steht, das aber einmal den Sentinel-Satelliten (und vielen anderen) helfen könnte. (Space News 16.10.2009)

Neuer Meteoritenfund auf dem Mars spricht für dichtere Atmosphäre in der Vergangenheit

10. August 2009

mer-meteorit
Der zweite eindeutige Meteoritenfund der Marsrover auf dem Roten Planeten, der Opportunity im Juli gelungen war, ist mehr als nur eine Kuriosität: Der 60 cm große „Block Island“ ist deutlich größer als der andere Brocken (siehe Artikel A08) – und die Impaktforscher meinen jetzt, dass er gar nicht in einem Stück auf der Marsoberfläche liegen könnte, wenn nicht eine deutlich dichtere Atmosphäre als die heutige den Fall des Eisen-Nickel-Meteoriten sanft abgebremst hätte! Entweder verschafft sich der Planet während wärmerer Phasen eine erheblich dichtere CO2-Atmosphäre, oder der Meteorit – der z.Z. aus der Nähe untersucht wird – fiel schon vor Jahrmilliarden.

Das Methan-Mysterium der Marsatmosphäre ist noch größer

Das vor rund 5 Jahren gleichzeitig vom Mars Express und vom Erdboden aus entdeckte Methan in der Marsatmosphäre (siehe Artikel 877 und auch A27a), dessen Vorkommen sich zeitlich wie räumlich schnell verändert (siehe ISAN 77-5), ist noch rätselhafter geworden: Modellrechnungen der Marsatmosphäre (Lefèvre & Forget, Nature 460 [6.8.2009] 720-3) können sein rasches Kommen und Gehen nur erklären, wenn man ihm eine mittlere Lebensdauer von weniger als 200 Tagen zuschreibt. Was wiederum einen 600-mal schnelleren Verlustprozess erfordert als die Photolyse in der oberen Planetenatmosphäre, die bislang als einzige Senke galt und Methan erst auf Zeitskalen von Jahrhunderten abbauen kann. Ein aggressiver chemischer Prozess im Boden (da gäbe es mehrere Kandidaten) kommt vielmehr in Betracht, der anfliegenden Methanmolekülen in nur einer Stunde den Garaus macht: Die Marsoberfläche wäre damit noch viel lebensfeindlicher als wie sie ohnehin schon gilt. Und die Quellen des Methans – die ebenfalls viel intensiver sein müssten als bisher angenommen – sind mindestens so rätselhaft wie zuvor …