Mit ‘Nordkorea’ getaggte Beiträge

Live-Blog zu ereignisreichen Tagen im All …

13. Dezember 2012

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Eine wesentlich schärfere Aufnahme von Toutatis durch Chang’e-2 wurde – von der Moderatorin (oben), als Ausdruck (Mitte) – während der unten erwähnten Sondersendung mit Experten im Studio (unten) diskutiert, scheint aber sonst nirgends im Web zu finden zu sein. Die Aufnahmen entstanden offenbar nicht mit der (scannenden) Mond-Kamera sondern einer anderen kleineren, wie u.a. auch eine im chinesischen TV gezeigte und hier als 2. Bild reproduzierte Grafik nahe legt. Die Nahaufnahme scheint der Beschriftung nach aus 47 km Abstand entstanden zu sein und 5 m Auflösung zu haben; die Minimaldistanz zur Oberfläche sollen erstaunliche 3.2 km gewesen sein. Seit der Xinhua-Meldung vor fast 24 Stunden hat es leider keine weiteren (schriftlichen, englischsprachigen) Informationen zum Verlauf des Flybys und noch zu erwartender Daten gegeben. [23:35 MEZ am 15. Dezember - ENDE. NACHTRÄGE: Dieser neue Artikel, auch hier diskutiert, bestätigt dass nur eine Mini-Kamera im Einsatz war, und nennt 15 km als die geplante Vorbeiflug-Distanz, während das schärfste Bild in einer offiziellen Bildergalerie ebenso fehlt wie hier und hier. Bzgl. Nordkoreas Satellit werden die Taumel-Gerüchte inzwischen visuell bestätigt, während ein angeblicher Funkempfang dubios ist. Auch ein Bild der 1. Unha-Stufe nach der Bergung und die Identität der 4 Objekte, die sie in den Orbit brachte. Und von den Geminiden 2012 noch pretty pictures hier, hier und hier sowie ein Zeitraffer-Video - während von Wirtanen nichts zu sehen war]

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Das waren die Geminiden 2012: Basierend auf den visuellen Beobachtungen von fast 6000 Meteoren stabilisiert sich die ZHR-Kurve (Zeit in UTC, y-Achse in 20-er-Schritten) allmählich, und das Maximum scheint tatsächlich gegen Mitternacht in der Nacht 13./14.12. eingetreten zu sein, gefolgt vom bekannten steilen Abfall. Noch ein US-Bericht aus dieser Nacht, die Bahnen von 328 Video-Geminiden im Raum und ein Foto aus Indien. Vom Toutatis-Flyby Chang’e-2s liegen weiter nur die bekannten Bilder vor – und eine einstündige(!) chinesische TV-Doku! Und der Satellit Nordkoreas hat drei Begleiter im Orbit: Auf dieser Seite werden die Bahndaten automatisch geplottet. Während die KCNA gestern wieder zahllose Meldungen hatte … [20:15 MEZ]

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So sah die chinesische Sonde Chang’e-2 den Asteroiden Toutatis beim Vorbeiflug vorgestern – nach eisigem Schweigen allerorten sind plötzlich mehrere Bilder auf Weibo aufgetaucht, dem “chinesischen Twitter”: Sie haben bis zu 10 m/Pixel Auflösung und können nun mit den Radar-Aufnahmen verglichen werden. Auch schön: von den Geminiden ein Komposit vom Paranal, analysierte Bahnen und ein Himmel voller Meteore – und auf der Sonne eine fette Protuberanz. [1:15 MEZ] Ein Xinhua-Artikel zum Toutatis-Flyby. [2:55 MEZ] Auch ein Fernseh-Bericht, das Cosmic Diary und UMSF. [3:15 MEZ] Wo es schon Bildverarbeitung durch Phil Stooke gibt! [3:45 MEZ] Weitere Berichte hier und hier – und noch schärfere Bilder sind angekündigt und offenbar schon unterwegs! [13:00 MEZ]

Vor exakt 40 Jahren wurde der Mond bis heute verlassen

als in dieser Minute die Landefähre Challenger von Apollo 17 abhob – wobei Ed Fendell in Houston die Kamera steuerte, natürlich die Signallaufzeiten berücksichtigend “vorhaltend”: einer der heute weniger bekannten “Stars” des Programms. Die Abreise (bisher) ohne Wiederkehr wird viel betrauert und nach einer baldigen Rückkehr gerufen – dabei sollte man die Angelegenheit viel gelassener sehen … Potentielles Astronauten-Mini-Ziel per Radar erfasst: Sollte die nächste Reise Unkenrufen zum Trotz tatsächlich zu einem NEA gehen, dann stünde der nur 2-3 Meter(!) große 2012 XB112 auf der Kandidatenliste – letzte Nacht wurde er per Radar inspiziert. Vor 50 Jahren besuchte die erste Raumsonde einen anderen Planeten, als Mariner 2 an der Venus vorbei eilte (mehr & mehr) – das waren noch Zeiten … Als Zugabe noch die neuesten Mars-Bilder von Curiosity und die nach Mittel-Erde benannten Krater auf Titan. [23:55 MEZ am 14. Dezember]

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Das Ende der GRAILs ist jetzt nicht mehr aufzuhalten, nachdem beide Mondorbiter heute je eine knappe Minute lang ihre Triebwerke zündeten, um den kontrollierten Crash in 3 Tagen einzuleiten: Ab 23:00 MEZ am Montag gibt’s Live-Kommentar – bis knapp über’s Ende hinaus. Vom Start der Unha sind weitere Bilder aus dem Kontrollraum aufgetaucht und von den Geminiden ein weiterer Jubel-Bericht und ein paar Fotos und noch mehr (aber keine Wirtanen-Meteore). [22:40 MEZ]

Animierte Radar-”Bilder” von Asteroid Toutatis, entstanden am 12. und 13. Dezember mit 3.8 Metern Auflösung aus 7 Mio. km Entfernung; der Rotationszustand ist komplex. Von den Geminiden gibt es einen weiteren US-Bericht der letzten Nacht, einen rumänischen TV-Bericht über kühle Beobachter (maschinell übersetzter Artikel dazu), ein japanisches Video und Bilder hier und hier. Und als Zugabe ein Jupiter aus dem Weltraum aufgenommen vom neuen französischen Pléiades 1B zu Testzwecken. [18:40 MEZ]

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Ein scharfes Bild vom erfolgreichen Start der Unha-3 ist über den Iran eingetroffen – und aus Japans gibt’s die gestrigen KCNA-Stories auf Englisch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier: Mehrfach wird betont, dass alle Komponenten Made in DPRK waren – und dass weitere Satelliten folgen sollen, wie auch hier, hier und hier berichtet wird. Die Identifikation der drei Objekte im Orbit als Satellit, Oberstufe & Debris ist bestätigt, aber Funksignale sind von ausländischen Beobachtern bisher weder bei 470 MHz noch anderen Frequenzen empfangen worden. Derweil hat Südkorea Teile der 1. Unha-Stufe aus dem Meer gefischt, von denen man sich wesentliche Erkenntnisse verspricht. Die US-Satellitenüberwachung hat Nordkorea – ein cooles Bild von Kim Jong Un im Kontrollzentrum – jedenfalls offenbar ausgetrickst – und Obamas Experten waren wohl schon in Party-LauneDie Geminiden haben nach einer guten Nacht 12./13. auch vergangene Nacht wieder ZHR > 100 erreicht – wenn man’s sehen konnte; Bilder auch hier, hier und hier. Und noch ein Toutatis bei der Passage einer Galaxie abgelichtet. [14:25 MEZ]

Geminiden schon in der Vor-Maximums-Nacht sehr aktiv

Die Geminiden – hier Bilder einer Allsky-Kamera in New Mexico – erschienen in Arizona letzte Nacht schon wie im Peak, und auch in Colorado tat sich einiges. Von Toutatis lediglich noch ein paar irdische Bilder mehr, und der Zustand von Nordkoreas Satellit bleibt herzlich unklar, mit widersprüchlichen Angaben (hier wie dort ohne Quelle), während ebenso über den Sinn des Ganzen spekuliert wird. Immerhin ist ein längeres Video vom Unha-Start aufgetaucht. [23:25 MEZ am 13. Dezember]

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Hier werden in 4 Tagen die GRAILs auf den Mond schlagen

Bei 76°N 27°O liegt eine Kraterwand, in die die beiden NASA-Mondorbiter nach dem Ende ihrer erfolgreichen Mission am 17. Dezember um 23:29 MEZ gezielt entsorgt werden: Das wurde soeben auf einer noch laufenden Telecon erläutert [NACHTRAG: vollständige Aufzeichnung]. Die beiden Orbiter werden in 30 Sekunden Abstand und 40 km Entfernung voneinander mit ~1.6 km/s einschlagen, wobei nicht mit einer nennenswerten Explosion zu rechnen ist: Sie sind klein, und die Tanks sind praktisch leer, was auch der Grund für das planmäßige Ende der Mission ist. Der Lunar Reconaissance Orbiter wird gleichwohl hinschauen (vielleicht sieht LAMP ja freigesetzte Volatiles) und auch Aufnahmen der Region von vor und nach den Impakten liefern. Die liegt am 17.12. im Dunkeln, ein Resultat der Lage der letzten Orbits, bei denen zur Maximierung der Wissenschaft die mittlere Bahnhöhe auf 11 km abgesenkt worden war. [20:00 MEZ] Ein Press Release zur Telecon, mit weiteren Details zu Aktivitäten an den letzten Tagen – und eine 3D-Grafik der letzten Kilometer. [20:10 MEZ] Die Impaktkrater werden nur wenige Meter groß sein, und nichts wird auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt werden. [20:20 MEZ]

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Nordkoreas Satellitenstart aus der Sicht der Unha-3

Auf einem kommentarlosen Video der nordkoreanischen Nachrichtenagentur – Bild anklicken! – sind neben der abhebenden Unha-3 auch Live-Bilder zahlreicher(!) Kameras an Bord der Rakete zu sehen, allerdings alles nur abgefilmt von der Videowand der Flugkontrolle. Jetzt wird dort angeblich behauptet, der Satellit sende fleißig; eine entsprechende Story von heute ist bei den Meldungen in Englisch aber (noch) nicht zu finden, wo man zum Übersetzen immer gut einen Tag braucht. Aber allerlei Früheres zum Start gibt’s da schon, in der Reihenfolge der URL-Nummern dies, dies (erstaunlich detaillierte Zahlen), dies, dies, dies, dies, dies, dies (hier wird angedeutet, schon gestern habe der Satellit “immortal revolutionary hymns” gesendet) und dies – Weltraum-News “Pyongyang Style” … [18:25 MEZ] Zu den Geminiden noch ein paar Tipps – und auch in Portugal vermisst man Nachrichten von Toutatis und Chang’e-2. [18:50 MESZ] Und noch ein weiteres Video und mehrere mehr von Toutatis am Himmel. [19:25 MEZ]

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Die Geminiden entwickeln sich gut, wie Videodaten der letzten Nacht und dieser noch sehr instabilen visuellen ZHR-Kurve zu entnehmen ist – ihr Maximum wird allgemein erst kommende Nacht erwartet. Von Toutatis gibt es weiterhin keinerlei Regung as China, wie auch schon im Vorfeld des Chang’e-2-Flybys nicht, und auch keine neuen Radarbilder aber wenigstens noch ein paar Amateur-Aufnahmen hier oder hier. (Schöner anzuschauen allerdings der auf 9.5 mag. gestiegene Komet C/2012 K5 [LINEAR], hier auf einem Bild von heute Morgen von M. Jäger und auf Bildern von gestern und vorgestern.) Und Nordkoreas Satellit zieht weiter seine Bahn und gibt Anlass zu Konfusion: Haben US-Militärs wirklich echte Daten über seine Lage im Raum? Gemeldet hat er sich jedenfalls offenbar noch nicht. Der militärische Wert der Unha-3 hält sich übrigens auch in Grenzen. [16:35 MESZ]

Chang’e 2 bei Toutatis, Erkenntnisse über Nordkoreas Satellit, die Geminiden & “Wirtanen-iden” (und noch mehr)

In der zweiten Wochenhälfte sollte eine Menge passieren, das hier in zeitnahen Häppchen serviert werden soll. Von Toutatis liegen weder irgendwelche chinesischen Updates zum Sondenbesuch in ein paar Stunden noch neue Radarbilder vor, dafür gibt’s aber allerlei Amateurbeobachtungen seiner Erdnähe, die z.B. auch hier, hier und hier zu sehen sind. Nordkoreas Satellitenstart – oben nach Stunden freigegebene Aufnahmen aus der Mission Control; auch Radioberichte auf Englisch – war zwar ein Erfolg, und der Satellit wurde im Orbit fotografiert. Aber von empfangenen Funksignalen wurde bisher nichts bekannt, dafür streuen die USA Gerüchte über eine Funktionsstörung. Die internationale Berichterstattung ist durchweg grottig, lesenswert höchstens Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und die Aktivität der Geminiden ist inzwischen angestiegen, sogar aus Singapur gibt es Bilder. Während die Zahl der Wirtanen-Meteore bisher in keinem Verhältnis zur Zahl der Artikel darüber steht … [0:05 MEZ]

USA bestätigen Nordkoreas Satellit im Orbit!

12. Dezember 2012

Die überschwängliche Verkündigung des Erfolgs im nordkoreanischen TV (in einer Sondersendung um 4:00 MEZ = Mittags Ortszeit) ist das Eine. Aber entscheidend ist die Zuteilung einer Nummer durch das US-Militär: Völlig überraschend – alle Beobachter gingen von technischen Problemen und einem Startversuch erst Ende des Monats aus – hat die Unha-3 jetzt geschafft, was im April misslungen war (die neueste Erklärung) und Kwangmyongsong 3-2 in eine Erdumlaufbahn gebracht. Diesmal war die Nachrichtenlage weit konfuser als im April – praktisch nur ein US-Astronom blickt jetzt schon durch … [NACHTRÄGE: Erst später kam diese Mitteilung von NORAD - und es werden 3 Objekte in ähnlichen Orbit verfolgt, was nicht überraschend ist.]

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Das erste Bild des französischen Satelliten Pleiades 1B

zeigt den Hafen von Lorient in Frankreich: Der am 1. Dezember auf einer Soyuz in Französisch-Guyana gestartete Satellit dient ziviler Erdbeobachtung wie Militär gleichermaßen und hat 50 cm Auflösung.

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Die allerneuesten Radarbilder von Toutatis, nunmehr vom 11. Dezember. Während der eine oder andere Webcast mit dem Asteroiden am Himmel funktioniert hat, gibt es keinerlei Update von China bezüglich des morgen bevorstehenden Flybys von Chang’e-2. Die Spannung steigt …

Nordkorea vor dem nächsten Startversuch?

20. April 2012

Nur eine Woche nach der großen Unha-Pleite verdichten sich die Anzeichen, dass es Nordkorea womöglich bald noch einmal versuchen wird: Damals sind offenbar zwei weitgehend identische Raketen zum Startgelände gebracht worden, die Ursache des Versagens am 13. April hat man angeblich schon heraus gefunden – und es soll gar ein auf fünf Jahre angelegtes Raumfahrtprogramm geben. Wie man sich selbst das Versagen der Unha 3 erklärt, ist nicht bekannt, aber westliche Beobachter gehen – anhand von Informationshäppchen, die ihnen diverse Geheimdienste steckten – inzwischen meist davon aus, dass noch während des Brennens der ersten Stufe die Nutzlastverkleidung aufriss und die dritte Stufe auseinander brach. Davon zeugte offenbar ein heller Blitz nahe der Spitze der Rakete, von dem schon ganz früh die Rede gewesen war, und es soll etwa 81 Sekunden nach dem Start passiert sein. Das wäre entgegen einigen Berichten allerdings erst deutlich nach der maximalen Belastung (Max Q) gewesen, die bevorzugt zu Vibrationen und strukturellem Versagen unzureichend konstruierter Raketen führt.

In dem vermuteten Szenario – auf dem die neue Simulation oben basiert – brannte die erste Stufe nach dem Disaster jedenfalls noch weitere 40 Sekunden weiter und setzte ihre planmäßige Bahn fort, bis zu ihrem regulären Brennschluss 120 Sekunden nach dem Abheben. Da in der längst zerstörten 3. Stufe aber vermutlich die Steuerung für den gesamten Flug saß, erging anschließend das Kommando zum Abtrennen und Zünden der zweiten nicht, und das Paar stürzte Minuten später ins Meer, bereits zu einem Trümmerregen zerfallen. Wo genau die Reste nieder gingen, darüber widersprechen sich die offiziell von verschiedenen (nichtnordkoreanischen) Seiten genannten Koordinaten nach wie vor: Raumfahrtexperten geben meist der südkoreanischen Interpretation den Vorzug, wonach man es praktisch mit der geplanten Trajektorie der 1. Stufe zu tun hatte, was zu einem Impakt bei 124°O 36°N geführt haben sollte. Die Marine des Landes hat die Suche nach Raketenresten gleichwohl ergebnislos wieder einstellen müssen, auch weil das Meer in der vermuteten Absturzregion zu schlammig war.

Gestern hat sich dann die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA wieder zu Wort gemeldet: Inmitten endloser wüster Beschimpfungen der – reichlich vorhandenen – Kritiker Nordkoreas erfuhr der Leser immerhin, dass die Untersuchung des Unha-3-Unfalls bereits abgeschlossen sei. Konkrete Ankündigungen, was als Nächstes kommen solle, folgten zwar nicht, aber die kuriose Zeitung Choson Sinbo in Japan – die als Sprachrohr Pyongyangs gilt – hatte zuvor von einem Fünfjahrplan gesprochen, der die Entwicklung einer noch größeren Rakete und gar geostationärer Satelliten vorsehe. Und in Südkorea hieß es heute (basierend auf US-Geheimdienst-Informationen) wiederum, dass um den 23. März zwei offenbar identische Raketen zum Startgelände gebracht worden seien, von denen ja erst eine gestartet ist. Hinweise auf konkrete Startvorbereitungen der zweiten scheint es aber nicht zu geben. Analyse von Global Security; Jonathan’s Space Report, Russia Today, Telegraph, CNN, SpacePorts 20., KCNA, NordkoreaTech 19., Flight Global, AP 18., BBC 17., Yonhap, AFP, LiveScience, Star Tribune 16., All Things Nuclear, AmericaSpace 15.4.2012. NACHTRAG: Obergs Erinnerungen

Live-Blog zu Nordkoreas Raketen-Experiment

12. April 2012

Nennenswert Neues gibt es wohl nicht mehr zu sagen über das Debakel (hier ein zusammenfassender asiatischer TV-Bericht): Spekulationen über mangelnde Qualitätskontrolle in der nordkoreanischen High-Tech-Branche, was das alles überhaupt sollte und was noch kommen könnte, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:45 MESZ am 14. April - ENDE]

Das Ende der Unha-3 in O-Tönen … Oben das Eingeständnis im nordkoreanischen Fernsehen nach Stunden; es gibt auch die entsprechende Message auf Englisch im internationalen Radio – und ein erfrischend unaufgeregtes 5-Minuten-Interview mit J. McDowell über die Probleme des Raketen-Testens, allerdings nicht im nordkoreanischen sondern US-Radio. [1:20 MESZ]

Union of Concerned Scientists

Ungefähr so könnte die Flugbahn der Unha-3 ausgesehen haben, hat sich All Things Nuclear aus den weiterhin widersprüchlichen Angaben diverser Militärs (zivile Beobachtungen des kurzen Fluges hat es offenbar gar keine gegeben) zusammen gereimt: In diesem Szenario wird der von NORAD behauptete Impaktpunkt getroffen. Südkoreanische Angaben sprechen dagegen von einem Versagen erst nach 135 Sekunden in 70.5 km Höhe, einem Gipfelpunkt von 151 km und einem Impakt deutlich weiter südlich als bei NORAD. Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:05 MESZ am 13. April]

Kaum neue Erkenntnisse über Details des Fehlstarts

gibt es 16 Stunden nach der Pleite, die Nordkorea immerhin eingestanden hat: Die Aussagen des DoD zum Impakt der Trümmer nehmen die meisten für bare Münze, so auch die Analysten hier und hier – unabhängige Informationen, dass es schon so früh (lange vor Brennschluss der 1. Stufe und auch abweichend von der nominellen Bahn!) zuende ging, scheint es aber nicht zu geben, und auch ein keckes Simulationsvideo hilft sicher nicht weiter. Mehr neue Artikel zu allerlei Aspekten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und in Kürze soll ein neuer Oberg-Chat beginnen, live aus Pyongyang! [16:35 MESZ]

Das erste Video vom Start ist da! Außerdem: eine Stilkritik der Möbel in der Mission Control. Und ein paar weitere Artikel (ohne neue Details zum Flugverlauf) hier, hier und hier – aber immer noch mehr als was man in Nordkorea selbst gehört hat: immer noch gar nichts … [4:40 MESZ]

Erste Analysen: Die Rakete kam 120 bis 130 km hoch

und befand sich damit technisch gesehen kurz im Weltraum, doch nach etwa 90 Sekunden ging alles schief. Das ergibt sich aus einem japanischen Bericht und Berechnungen von J. McDowell, nach denen die Unha-3 (eigentlich die bekannte Taepodong-2) eine Bahn von -6200 x 130 km x 88° erreichte. Aber dann misslang die Trennung der 1. und 2. Stufe, die Rakete zerbrach in mehrere Teile, und ihre Reste fielen ins Meer: nach neuen NORAD-Angaben 165 km vor der koreanischen Küste, nach McDowells Daten bei 124°O 36°N. Dass irgendwo Festland getroffen worden sein könnte, wird ausgeschlossen. [3:05 MESZ] Bei den beiden früheren Versuchen sind die nordkoreanischen Raketen übrigens noch erheblich höher und mithin ebenfalls in den Weltraum gekommen. [3:35 MESZ] Oh, und die NORAD-Angabe passt nicht zur geplanten Flugbahn – und Südkoreas Aussage. In den Kommentaren hier wird auch kräftig spekuliert. [4:10 MESZ]

Geheimnisvolle Enthüllung Nordkoreas in vier Stunden?

Während diese Reuters-Meldung die – dürftige – Nachrichtenlage nach knapp zwei Stunden gut zusammen fasst, hat der CNN-Reporter aus Pyongyang gerade erzählt, dass sich den zahlreichen internationalen Reportern bisher noch niemand gezeigt hat, der etwas zu sagen gehabt hätte. Aber in vier Stunden (das wäre gegen 6:45 MESZ bzw. 13:45 Ortszeit) werde man sie unter strengen Sicherheitsauflagen irgendwo hin befördern, wo es was zu hören geben werde. Na dann … [2:50 MESZ. NACHTRAG: Die Reporter wurden zur Enthüllung zweier riesiger Statuen der Kims gekarrt - das war's]

Angeblicher Trümmerfall 200 km vor Südkoreas Westküste

Laut dieser Meldung, die auch gerade auf CNN verlesen wird, sollen Trümmer 190 bis 210 km vor Kunsan an der Westküste Südkoreas ins Meer gefallen sein. In einer früheren Meldung war vom Zerbrechen der Unha-3 in mehrere Teile wenige Minuten nach dem Abheben die Rede gewesen. Und Oberg spekuliert schon, was als nächstes in Nordkorea passieren wird … [2:10 MESZ] Nach japanischen Angaben (woher wissen die es derart genau?) kam die Rakete 120 km weit und zerbrach in 4 Teile. Aah, und das nordkoreanische TV hat zu senden begonnen – und zeigt, wie auf CNN zu sehen, einen Spielfilm … [2:15 MESZ] Und nun heißt es, die Trennung von 1. und 2. Stufe habe versagt. [2:20 MESZ]

Und so berichtet das nordkoreanische Staatsfernsehen über die Blamage: ein Screenshot eine knappe Stunde nach dem Start (denn das Programm hat noch gar nicht angefangen; auch die staatliche Nachrichtenagentur schweigt) … [1:55 MESZ]

Pentagon sicher: In einen Orbit ist nichts gekommen

Die Rakete ist auf jeden Fall schon in der Atmosphäre auseinander gebrochen, berichtete gerade eine CNN-Reporterin aus dem DoD – aber wann genau es passierte, hat man ihr nicht erzählt. In Südkorea glaubt man hingegen zu wissen, dass der Unfall noch während des Brennens der ersten Stufe eingetreten sei (womit Trümmer schon in der Nähe herunter gekommen sein könnten). Hier und hier weitere frühe Artikel – und das kuriose Detail, dass die “Start-Gäste” in Nordkorea erst erfuhren, dass der Start stattgefunden hatte, als ihnen ausländische Kollegen von dessen Scheitern berichteten … [1:45 MESZ]

Brach die Unha-3 schon nach 90 Sekunden auseinander?

Offenbar haben US-Satelliten genau hingeschaut: Schon 1 1/2 Minuten nach dem Start soll die Rakete viel zu hell (man darf annehmen, im Infraroten) gestrahlt haben – und das war’s dann schon. [1:25 MESZ] Andererseits wird auch behauptet, die Reste der Rakete seien noch bis südlich der Philippinen gekommen. Und noch ein Kuriosum: Selbst die meisten nordkoreanischen Offiziellen hatten keine Ahnung, dass der Start erfolgt war … [1:30 MESZ] Erste Artikel wie dieser oder dieser wurden größtenteils vorab geschrieben und bringen keine weiteren Einsichten. [1:35 MESZ]

Der Start soll bereits gescheitert sein, heißt es …

… nach amerikanischen Angaben – in welcher Flugphase, scheint aber noch nicht bekannt zu sein. [1:15 MESZ] Auf CNN heißt es derweil, man habe den Start klar detektiert, aber weit sei die Rakete nicht gekommen. Viel Spekulation zu diesem frühen Zeitpunkt: Ist bereits die Trennung von 1. und 2. Stufe gescheitert? [1:20 MESZ]

Der Start wird von verschiedenen Seiten bestätigt, kann man einer Tweet-Flut von hier entnehmen: Danach erfolgte er um 0:39 MESZ. [1:10 MESZ]

Nach südkoreanischen Angaben ist der Start gerade erfolgt, aber zunächst war die Agentur-Meldung, auf die sich jetzt alle berufen, etwas knapp … [1:00 MESZ]

Eine überarbeitete Simulation des Unha-3-Starts, der heute schon mal nicht stattgefunden hat (Spekulationen konzentrieren sich jetzt auf den Samstag; das Wetter bleibt aber schlecht) – und allerlei Gedanken, was so alles schief gehen könnte … [23:15 MESZ am 12. April]

Kein Start am Gagarin-Tag – wohl zu schlechtes Wetter?

Jeden Tag zwischen 7 Uhr morgens und 12 Uhr Mittag Ortszeit (was Mitternacht bis 5 Uhr morgens MESZ entspricht) ist das Startfenster für die Unha-3 offen, und das erste heute – am 51. Jahrestag des 1. bemannten Raumflugs – wurde schon mal nicht genutzt: Vermutlich war schlechtes Wetter schuld, insbesondere zu starker Wind. Die Frequenz, über die der mysteriöse Satellit senden soll, ist übrigens noch nicht genannt worden – vielleicht ist’s dieselbe wie letztes Mal angegeben? Derzeit läuft übrigens gerade ein Online-Chat mit Jim Oberg, der automatisch mitprotokolliert wird. [16:40 MESZ]

Die Unha-3 startet in den nächsten 24 bis 48 Stunden

So will es eine geheimnisvolle amerikanische Quelle erfahren haben, und das obige Video einer US-Firma simuliert einen nominellen Verlauf des angekündigten Satellitenstarts samt den Impakten der beiden Raketenstufen – basierend auf den Angaben dazu aus Nordkorea. Die werden von externen Beobachtern mal für bare Münze genommen (und Widersprüchliches mit der Unerfahrenheit des Landes erklärt) oder als reine Verschleierungstaktik für ein militärisches Raketenexperiment abgetan. Ein Potpourri aus Meinungen und sporadischen Fakten: eine Zusammenfassung (mit Bahnprognose), ein paar Bilder aus dem Land (mehr), eine Analyse (viel mehr!), Grundlegendes zu Bahnneigungen und Azimuten (in anderem Zusammenhang aber auch hier nützlich) und neue Satellitenbilder vom Startgelände sowie Jonathan’s Space Report 12., ABC (auch ein Video), Space.com (mehr, früher, mehr), SatObs (mehr), Gizmodo, NBC, Novosti, BBC, Telegraph, New Scientist, SpacePolicy Online, Leitenberger Blog, Spiegel 11. und NBC, AP, BBC, Nature Blog, KBS, SpacePolicy Online, Al Jazeera, Wired, Yonhab 10.4.2012. [2:40 MESZ]

Nordkorea vor 3. oder 4. Satellitenstart-Versuch

10. April 2012

Es ist fast genau drei Jahre her, dass Nordkorea – vermutlich – den Start eines kleinen Satelliten mittels einer Weltraumversion seiner Langstreckenrakete versuchte: Das scheiterte 2009 freilich (“North Korean satellite …”) ebenso wie bereits 2006 (ganz unten; hier ist nicht klar, ob überhaupt ein Satellit an Bord war) und 1998. Aber jetzt will es der neue Präsident offenbar wissen: Anlässlich des Abschlusses der Amtseinführung von Kim Jong Un und des 100. Geburtstages seines als geradezu göttlich verehrten Opas soll zwischen dem 12. und 16. April abermals ein Satellitenstart versucht werden – zu dem überraschend internationale Medien eingeladen wurden. Die durften in den vergangenen Tagen sowohl den Satelliten Kwangmyongsong-3 (“heller leuchtender Stern”) wie auch die 30-m-Rakete des Typs Unha-3 (“Milchstraße”) auf der Rampe bestaunen – und unter ihnen ist auch der amerikanische Weltraumspezialist Jim Oberg, der sich bereits als investigativer Reporter versucht und Impressionen vor Ort (zu dumm, zum Koreanisch-Lernen blieb keine Zeit mehr) mit bekannten Satellitenbildern nordkoreanischer Weltraumanlagen vergleicht.

Einer Grafik im Kontrollzentrum glaubt er immerhin entnehmen zu können, dass die Rakete einem für Militärraketen typischen “lofted path” in den Orbit folgen soll, wohl weil der in der Raumfahrt übliche treibstoffsparendere Weg als technisch zu komplex betrachtet wird. Der rund 100 kg schwere Satellit soll von einem anderen Startplatz als bisher nach Nordkoreas Angaben auf einen sonnensynchronen 500-km-Orbit befördert werden (wobei die südwärts gerichtete Starttrajektorie für die nahezu polare Umlaufbahn viel Abstand zum extrem nervösen Japan schaffen würde) und Instrumente zur Erd- und Wetterbeobachtung tragen, speziell für die heimische Landwirtschaft. Die Ankündigung der Fallzonen der Raketenstufen für dem Luftverkehr (NOTAM) scheint allerdings nicht recht zu diesen Angaben zu passen, was die Spannung vor dem Startversuch noch steigert. Zarya mit allerlei Details & Spekulationen; TelePolis 10., NBC (Interview), Russia Today (5-Minuten-Video), CNN (mehr, mit einem längeren Video), TIME, Space.com, NPR, AFP, Voice of America, Reuters, LA Times, Yonhap, Space Today 9., KCNA, AP (mit Bildern), SeeSat, China Daily, NBC, BBC 8., SatObs, AFP, Welt 2.4., AP, Welt 30., AFP 29., KCNA 28., Space.com, DLF 26., KCNA, Yonhap, SpacePolicy Online 16.3.2012; Science 30.3.2012 S. 1557


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