Posts Tagged ‘Nova’

Nova Delphini 2013 erreichte mit 4.4 mag. die „Top 30“ – und der Abstieg hat schon begonnen

16. August 2013

nova-16b

Die Nova Delphini 2013 heute Abend (mit der Kamera auf einem Parkplatz im Ruhrgebiet an einem Bordstein lehnend): der helle Stern oben rechts, etwa so hell oder etwas heller als 29 Vulpeculae oben links. Weitere Aufnahmen aus diesem Zeitraum hier, hier und und hier – und Massen von Helligkeits-Schätzungen, die heute Abend zwischen 4.5 und 4.8 liegen: Diese neue Karte mit Vergleichssternen bietet sich derzeit ein. Ihr Maximum hatte die Nova Del 2013 heute gegen 14 Uhr MESZ mit etwa 4.3 bis 4.4 mag. erreicht – und es damit auf den 30. Platz unter den beobachteten Maximalhelligkeiten von klassischen Novae gebracht; auch frühere Bilder hier, hier und hier, noch einige mehr, ein weiteres Spektrum, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und Grundlegendes zum Phänomen Nova. NACHTRAG: Photoelektrische Fotometrie bestätigt 4.7 mag. am Abend des 16. August. Plus ein kurioses Foto (und die SN 2013ev bei M 57 ist auch noch da). NACHTRAG 2: Nova & Umgebung in wunderlicher Verarbeitung (und kopfstehend, da aus Australien). Und die Helligkeit wird schon wieder nahe 5.0 mag. geschätzt. NACHTRAG 3: Die erste – diesem Blogger – bekannte Erwähnung der Nova Del 2013 in einem nicht-astronomischen Medium kommt von einer russischen Nachrichtenagentur („Der hellste neue Stern am Himmel in 14 Jahren“), mit Leonid Elenin als dem Experten; derweil hängt die V-Helligkeit knapp drei Tage nach dem Ausbruch weiter um 4.9.

Helle Nova in den Hyaden? Leider doch nicht …

23. Oktober 2012

Die Nachricht kam um 20:00 MESZ über einen seriösen Nachrichten-Dienst für Astrophysiker und stammte von einem der Co-Entdecker der Supernova 1987A, und wohl deswegen hat sie die große Veränderlichen-Organisation AAVSO auch sofort weiter geleitet, wenn auch unter Vorbehalten: Da sei gestern in den Hyaden ein neuer und sehr roter Stern mit 6. Größe fotografiert worden, möglicherweise eine Nova. Aufregung in der Variablen-Szene, aber als die ersten die Hyaden ins Visier nehmen können, ist da nichts bis zur 9. Größe hinab (so eine visuelle Beobachtung von P. Schmeer um 23:25 MESZ). Und inzwischen hatte man sich das einsame „Entdeckungsfoto“ – oben ein Ausschnitt – längst genauer angesehen und das vermeintliche Objekt als doch ziemlich anders als die echten Sterne erkannt: vermutlich ein technisches oder anderweitiges Artefakt. Dann eben nicht – aber irgendwann wird es doch wieder eine richtig helle Nova geben …

NACHTRAG: auch bis 10.5 mag. nix an der Stelle; auch hier inzwischen diverse Negativ-Meldungen. NACHTRAG 2: Fünf Stunden nach dem (Fehl-)Alarm hat die AAVSO den Beobachtungs-Aufruf per E-Mail zurück gezogen; seltsamerweise sind aber weder diese Special Notice #301 noch der Aufruf (#300) auf den Webseiten zu finden. NACHTRAG 3: Sehr witzig – es war ein Geisterbild des Aldebaran, hat der Nicht-Nova-Entdecker heraus gefunden … NACHTRAG 4: Die AAVSO Special Notices 300 und 301 sind online – und wegen der Zweifel an der Geisterbild-Interpretation (siehe Kommentar) wird mal nachgeforscht. NACHTRAG 5: Gegenüber diesem Blog hat der Fotograf I. Shelton detailliert erklärt, was passiert ist. Er setzte erstmals einen Anti-Lichtverschmutzungs-Interferenzfilter ein, der – trotz aktiver Unterdrückung – Geisterbilder in einigem (konstantem) Abstand von hellen Objekten produziert. Die falsche Nova ist auf allen Bildern zu sehen – und auf einigen auch ein Geister-Jupiter: So hat er’s raus bekommen.

Solar satellite „filmed“ complete Nova Sgr 2012 outburst with high cadence!

30. April 2012

Die vielleicht beste Lichtkurve (Mitte) eines Novaausbruchs von einem Sonnensatelliten zufällig ‚gefilmt‘, faszinierende Polarlichter im NW Irlands auf nur 55°N am 24. April (oben), zwei Jahre Pretty Pictures vom SDO (unten) und noch vieles mehr im neuen Cosmos 4 U! Wo leider der Provider eigenmächtig die Top-Level-Domain auf .de geändert hat (die .com-Variante wird aber auch noch erkannt) und den HTML-Editor gravierend verschlimmbessert hat: eventuelle Probleme mit der Funktionalität bitte melden!

Weitere große Artikel

27. April 2012

Kleinplanet über Kalifornien explodiert mit 5 kt TNT Energie.

Fomalhauts Staubscheibe mit Herschel und ALMA besser verstanden.

Erstes 1m-Teleskop des LCOGT-Netzes in Texas aufgestellt.

Kleinplanetenforscher bitten Amateure um Mithilfe bei der Beobachtung ausgewählter NEAs.

Kürzere Artikel

Nova im Sagittarius erreichte 9 (das Video zeigt den Anstieg, wie er zufällig von STEREO B ‚gefilmt‘ wurde), fällt schon rasant.

Zeigt die Venus ihr »aschgraues Licht«? Unbestätigter Bericht, gute Gelegenheit.

Eine Galaxie mit Rotverschiebung von 9,6, photometrisch sehr gut abgesichert.

Uralte Weiße Zwerge aus dem Halo nahe der Sonne 11-12 Mrd. Jahre alt.

Werbeindustrie Arizonas muss auf Astronomen Rücksicht nehmen, was leuchtende Billboards an Straßen betrifft.

Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

25. August 2010

NJIT und Ciel & Espace

Ein Sonnenfleck mit ~80 km Auflösung vom neuesten Sonnenteleskop, dem NST (siehe ISAN 96-8) des Big Bear Solar Observatory: Eine erste Adaptive Optik mit ’nur‘ 97 Aktuatoren hat hier die Luftunruhe ausgeschaltet; 2011 wird ein System mit 394 Stempeln unter einem biegsamen Spiegel eingesetzt.

Die Außenbezirke des Ringnebels, siehe auch ISAN 97-6: hier mal mit dem Isaac Newton Telescope auf La Palma im Licht von H-Alpha, O III und S II.

Der Galaxienhaufen CLG J02182-05102 mit z=1.6 in einer kombinierten Aufnahme des Subaru-Teleskops (700 nm = blau) und des Spitzer-Satelliten (4.5 und 24 µm = grün & rot): Bei den „grünen und roten“ Galaxien findet noch viel Sternentstehung statt, auch im Zentrum des – auch aus diesem und diesem Press Release bekannten – Haufens statt, wo in jüngerer Zeit alte Sterne dominieren.

Sitzt der fernste Quasar in einem Proto-Galaxienhaufen?

Sieben Lyman-Break-Galaxien sitzen am Himmel in der Nähe des fernsten bekannten Quasars (mit z=6.4 Rotverschiebung), während anderswo in einem gleich großen Feld nur eine zu finden ist. Leider gibt es noch keine Spektren, die zeigen würden, ob die Galaxien gleich weit entfernt sind und damit zu dem Quasar gehören, aber verdächtig ist die Häufung schon. Und die Galaxien scheinen einen Ring um den Quasar zu bilden: Vielleicht unterdrückt er ihre Entstehung in seiner Nähe? (Utsumi & al., Preprint 4.8.2010)

Tiefste Himmelsdurchmusterung in harter Röntgenstrahlung abgeschlossen: Dank neuer Datenverarbeitung gibt es nun vom ESA-Satelliten INTEGRAL die tiefste Himmelskarte bei Energien von 17 bis 60 keV; Massenweise unbekannte Quellen sind zu erkennen. (ESA Science Release 11.8.2010)

Gammastrahlung während einer Nova-Explosion

hat der Fermi-Satellit während eines Ausbruchs des symbiotischen Doppelsterns V407 Cygni im März gesehen: mit 1-10 GeV, während man sonst höchstens Röntgenstrahlung von derlei thermonuklearen Explosionen auf der Oberfläche eines Weißen Zwergs kannte. Da hat wohl die Nova-Schale mit dem umgebenden Gas (vom Partner, einem Roten Riesen und Mira-Stern) wechselgewirkt. (Fermi-LAT Colloab., Science 329 [13.8.2010] 817-21; NASA Release, Uni Innsbruck PM 12., NRL Release 23.8.2010) NACHTRAG: Dann müsst’s auch Neutrinos mit hoher Energie geben, die nachweisbar wären.

Der 24. Sonnenfleckenzyklus begann um den 6. November 2008, womit der 23. mit 12.6 Jahren relativ lang war: Das schließen bulgarische Astronomen aus vier verschiedenen Messreihen solarer Daten. Und aus dem langsamen Anstieg der Aktivität seither folgern sie( anhand einer ziemlich verrauschten Korrelation), dass das kommende Maximum mit einer mittleren Fleckenzahl um 70 besonders mau ausfallen wird. (Komitov & al., Preprint 2.8.2010)

Ein Exoplanet mit schrumpfender Bahn?

Die Umlaufsperiode des Transitplaneten OGLE-TR-113b scheint um 60±15 Millisekunden pro Jahr abzunehmen: Entweder zieht da ein anderer (unbekannter) Planet mit langer Periode an ihm – oder aber die Bahn schrumpft, weil ihr Gezeiteneffekte mit der Stern Energie entziehen. So etwas gilt bei sternnahen Planeten wie diesem als denkbar, wurde aber noch nie direkt beobachtet. (Adams & al., Preprint 10.8.2010)

Neue Verwirrung um TMR-1C: Jenes schwache Himmelsobjekt, das die NASA 1998 allzu forsch als „erstes Bild eines extrasolaren (Ex-)Planeten“ anpries, bevor es 2000 zu einem Stern im Hintergrund erklärt wurde, ist möglicherweise doch ein planetarer Körper – aber das Spektrum macht immer noch keinen rechten Sinn. (Petr-Gotzens & al., Preprint 29.7., Rias & Martin, Preprint 6., Science News 12.8.2010) NACHTRAG: noch ein Artikel über die beiden Papers. NACHTRAG 2: und noch einer vom selben Autor.

Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

23. März 2010

Ein sehr kühles Binärsystem mit nur 500 K bei einem der Partner

aber leider nur sehr ungenau bestimmten Parametern ist SDSS J1416+13AB: Insbesondere weil die Entfernung noch nicht direkt per Parallaxe bestimmt werden konnte (was wegen der vermuteten Sonnennähe aber bald gelingen sollte), sind die Massen von 30 und 75 Jupitern und Temperaturen von 500 bis 600 und 1500 K der beiden Braune Zwerge noch mit einiger Vorsicht zu genießen. (Burningham & al., Preprint 25., Scholz, Preprint 28., Herts, R.A.S. Releases 29.1., Welt der Physik 2.2.2010)

Mehrere Wege führen wohl zu ‚Blue Stragglern‘ in Kugelsternhaufen, zeigen Untersuchungen an M 30 und NGC 188: Sowohl Sternkollisionen bei besonders hoher Sterndichte wie auch verschmelzende Binärsysteme können diese unerwartet massereichen Sterne produzieren. (Davies/Ferraro & al./Mathieu & Geller, Nature 462 [24.12.2009] 991-2/1028-35, ESA HST, ESA Releases 23.12.2009)

Schon wieder eine neue Klasse von Nova-Explosionen

ist identifiziert worden, eine Unterklasse der schwachen und schnellen Novae, die einem speziellen Suchprogramm mit dem 60″-Spiegel des Palomar Observatory für schnelle Veränderliche ins Netz ging und Eigenschaften hat, die man bisher nicht kannte. In Absoluthelligkeit wie Geschwindigkeit spannen Novaexplosionen jeweils zwei Größenordnungen auf – und ihre Eigenschaften scheinen von gleich vier Parametern (Masse des Weißen Zwergs, Temperatur, Chemie und Akkretionsrate) abzuhängen. (Kasliwal & al., Preprint 8.3.2010)

Der Ausbruch von P Cygni im 17. Jh. kam durch Massentransfer von einem B-Stern zustande, der den Luminous Blue Variable begleitet, sagt ein neues Modell – nachdem alle großen Ausbrüche dieser LBVs durch Wechselwirkung mit einem Begleiter verursacht werden. (Kashi, Preprint 23.2.2010)

Neue Supernova-Klasse mit Helium-Detonation auf einem Weißen Zwerg beobachtet?

Die SN 2002bj entwickelte sich außergewöhnlich schnell, erreichte eine Helligkeit von -18M und hatte ein Spektrum, das nur entfernt an eine Supernova des Typs Ia erinnerte: Vielleicht steckte ein bis dahin nur vermuteter Vorgänger dahinter, eine Detonation von Helium auf einem Weißen Zwerg, bei der nur wenig Material abgesprengt wird. Dieser noch wenig erforschte Mechanismus wird auch aus „.Ia SNe“ bezeichnet, weil nur 1/10 der Helligkeit einer typischen Ia erreicht wird und auch die Dauer der Explosion nur 1/10 so lang ist. (Poznanski & al., Science 327 [1.1.2010], Keck, Berkeley, NSF Releases 5.11.2009)

Relativistische Geschwindigkeiten in Supernova-Explosionen sind bei SN 2009bb vom Typ Ibc und SN 2007gr (Ic) nachgewiesen worden: So etwas kannte man bisher nur von Sternexplosionen, bei denen es auch zu einem Gammaburst kam, aber das war hier nicht der Fall. (Soderberg & al./Paragi & al., Nature 463 [28.1.2010] 513-8, CfA, NASA, JIVE, NRAO Releases, Megan’s Blog 27.1.2010)

Die Röntgenhelligkeit der SN 1987A in der LMC steigt immer weiter

mit fortschreitendem Eindringen der Schockwelle der Supernova in den zirkumstellaren Ring um das Vorgängersystem, zeigen XMM-Beobachtungen über die Jahre: Die Entstehung eines frischen Supernovarests kann weiter in allen Einzelheiten verfolgt werden! Inklusive solcher Details wie der Veränderung von Plasma-Parametern über die Jahre hinweg. (Sturm & al., Preprint 9.2.2010)

Eine „Hubble-Diagramm“ mit Supernovae des Typs II-P, das nur um 0.1 bis 0.15 mag. streut und diesen Typ Sternexplosionen als mögliche Standardkerze für kosmische Entfernungsmessungen hat sich im Nahen Infraroten aufstellen lassen: Da korreliert nämlich die absolute Maximalhelligkeit schön mit der Expansionsgeschwindigkeit. Ob die II-er SNe allerdings den Ia-SNe das Wasser reichen können, wird sich noch zeigen müssen. (Maguire & al., Preprint 16.12.2009)

Die Sternentstehungsrate der Milchstraße liegt bei 2/3 bis 1 1/2 Sonnenmassen im Jahr

Das ergibt sich aus der Statistik von rund 20’000 Young Stellar Objects, die im Rahmen der Himmelsdurchmusterung GLIMPSE des Spitzer Space Telescope – neben 100 Mio. anderen Sternen – gezählt wurden. Da die Milchstraße heute 100 Mrd. Sterne enthält, muss die Sternbildungsrate früher einmal wesentlich höher gewesen sein, für eine ausgewachsene Galaxie ist eine Sonnenmasse pro Jahr aber ein typischer Wert. (Spitzer Press Release 10.3.2010)

Das Magnetfeld nahe des Galaktischen Zentrums hat mindestens 50 µG, hat eine neue Analyse des nichtthermischen Radiospektrums ergeben, und wahrscheinlich liegt der Wert sogar nahe 100 µG: Über 10% der magnetischen Energie der Galaxis würden dann in weniger als 0.05% ihres Volumens stecken. (Crocker & al., Nature 463 [7.1.2010] 65-7)

Massen von Andromeda-Galaxie und Milchstraße nicht zu unterscheiden

Auch die Bahnen zahlreicher Zwerggalaxien im Orbit um die beiden Galaxien haben nicht zu entscheiden geholfen, welche die größere Masse hat: Die der Milchstraße kann demnach irgendwo zwischen 1.2 und 2.7 Billionen Sonnenmassen liegen – entweder über oder unter der den deutlich besser zu bestimmenden 1.3 bis 1.6 Billionen Sonnenmassen von M 31. (Watkins & al., Preprint 24.2.2010)

Junge Galaxie torpedierte ihre eigene Sternentstehung: In SMM J1237+6203 kam es schon früh zu derart heftigen Explosionen, dass alles für die weitere Sternentstehung nötige Gas schlicht hinaus geblasen wurde. (R.A.S. Press Release 10.3.2010)

Eis-Teleskop IceCube „sieht“ den Schatten des Mondes

Das Neutrinoteleskop am Südpol hat mit 40 ‚Strings‘ voller Photomultiplier zum ersten Mal eine Empfindlichkeit erreicht, dass sich die Abschattung der Kosmischen Strahlung durch den Mond tatsächlich bemerkbar macht: Es schießen weniger Myonen durch den überwachten Eisblock. (Boersma & al., Preprint 7.3.2010)

Aktive Galaxien sorgen für weniger als 30% der Gamma-Hintergrundstrahlung, die der Fermi-Satellit sieht: Zwischen 0.1 und 100 GeV spielen die ehemals führenden Kandidaten für die Gesamtheit dieses schwachen extragalaktischen Glühens nur eine minimale Rolle, hat die aufwändige Analyse der Beobachtungen – der helle galaktische Vordergrund musste sorgfältig subtrahiert werden – ergeben. (LAT Collaboration, Preprint 3., NASA News 2.3.2010)