treiben auch zwei Wochen nach dem Wiedereintritt die Weltraumszene um: Zum einen gibt es jetzt einen offiziellen Untersuchungsbericht zum Ausfall der Marssonde schon kurz nach Erreichen der Parkbahn um die Erde Anfang November 2011, zum anderen angeblich präzise Koordinaten ihres Einschlags am 15. Januar 2012 – aber beidem fehlt die letzte Überzeugungskraft. Der Bericht zum Versagen der Sonde verweist immerhin Spekulationen über äußere Einflüsse – wie ein amerikanisches Radar – ebenso ins Reich der Fantasie wie Programmierfehler: Stattdessen werden einige Probleme benannt und der Ausfall im Wesentlichen der Wirkung Kosmischer Strahlung auf ungeeignete elektronische Bauteile – zwielichtige Billigimporte aus China womöglich – zu geschrieben, die wider besseres Wissen über solche Risiken verbaut worden seien. Nachdem sie der Strahlungsbelastung nicht standhielten, rebooteten dem Bericht zufolge zwei Bordcomputer von Fobos-Grunt und verblieben dann in einem Wartezustand, aus dem sie sich dann in den zwei dramatischen Monaten in der Parkbahn nicht mehr befreien ließen. [NACHTRAG: Zusammenfassungen des Berichts in Russisch und in Englisch vom 3. Februar.]
Und das Ende? USSTRATCOM hat zu guter Letzt doch noch einen genauen Zeitpunkt und Koordinaten – 18:46 MEZ ±1 Minute und 46°S 87°W – angegeben, was im Pazifik 930 km vor der südamerikanischen Küste und 1100 km vor der nächsten Landberührung auf der Bahn liegen würde. Diese Angaben – wenn sie wirklich so präzise sind, basieren sie wohl auf der direkten Beobachtung des Wiedereintritts durch einen Frühwarnsatelliten; offiziell wird das mal wieder nicht bestätigt – beziehen sich indes auf eine Höhe von 80 km: Diverse Orbitexperten gehen davon aus, dass bestimmte Trümmerteile (darunter die Probenkapsel) noch bis zu 820 km weiter entlang der Bahn nieder gegangen sein könnten. Und da Fobos-Grunt jede Minute 450 km zurück legte, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass etwas die Region Araucania in Chile erreichte. Berichte über derartige Beobachtungen – oder gar Funde – aus dieser dünn besiedelten Region gibt es allerdings weiter nicht, aber vielleicht lohnt ja tatsächlich die Suche. Voice of Russia, TASS, Novosti, Reuters, Universe Today, Spiegel 31., Jonathan’s Space Report, The Space Review 30., Txnologist 29., ESA Release, Universe Today 25.1.2011
Eine vermeintliche Enthüllung über das Ende des ROSAT geistert gleichzeitig durch die Medienwelt, aufgebracht von Spiegel Online und heute ohne Quellenangabe übernommen und weiter aufgepeppt von der britischen Daily Mail: Danach hätte der deutsche Horror-Satellit beinahe die chinesische Hauptstadt Beijing vernichtet (oder so ähnlich). Welche Neuigkeit: In der Reentry-Nacht hatten Weltraumfans rund um den Globus, darunter natürlich auch dieser Blogger, den letzten Orbit ROSATs per Simulation anhand der letzten Bahnelemente ‚live‘ verfolgt und natürlich registriert, dass der – virtuelle – Satellit (der da nach späteren Angaben schon in den Indischen Ozean gefallen war) über mehrere chinesische Großstädte hinweg zog.
Und der nächste Röntgensatellit kommt bestimmt: der RXTE
Wenn der gerade abgeschaltete Rossi X-ray Timing Explorer der NASA im Zeitraum – je nach künftiger Sonnenaktivität – 2014 bis 2023 unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintritt, dann besteht ein ungewöhnlich großes Risiko für einen Personenschaden von 1:1000 (dass es irgendwen auf dem Planeten trifft): Das ist 10-mal größer als man heute für akzeptabel hält. Doch der Start des erfolgreichen Satelliten war im Dezember 1995 vier Monate erfolgt, bevor die NASA diesen Standard in Kraft setzte, so dass formell alles mit rechten Dingen zugegangen ist. In ein paar Jahren wird sich das Spektakel der unkontrollierten Rückkehr eines Röntgensatelliten also wiederholen: Dann ist die Zone zwischen 23° N & S betroffen. Satelliten mit einem RXTE-ähnlichen Schadensrisiko – das beim ROSAT 1:2000 und beim UARS 1:3200 betragen hatte – fallen übrigens alle paar Jahre vom Himmel, und passiert ist noch nie etwas: Auch 1:1000 ist halt eine ziemlich kleine Zahl.
Gedanken – und neue Links – zu den Reentries von UARS und ROSAT (und was man alles nicht erfahren hat; hier ein TIRA-Radarbild vom 20. Oktober, der letzte Kontakt dieser Antenne war am 22.10. um 18:00 MESZ gewesen), zum Physik-Nobelpreis und der GRAIL-Mission, dazu viele weitere Link-Sammlungen zu Dawn, diversen Mars-Missionen, Tiangong 1 & Shenzhou 8 (Start des letzteren für den 31.10. geplant!) und Unmengen mehr im Cosmic Mirror #344 (8.8.-29.10.2011)!
DLR will sich viel Zeit für das ROSAT-Schlusswort lassen
„Uns ist es, ob unserer Verantwortung, wichtig klarzustellen, dass die letzte Aussage [bzgl. des Verbleibs von ROSAT] auch wirklich die letzte ist. Eine Lehre, die wir aus der Kommunikation rund um UARS gelernt haben“: So begründete DLR-Sprecher Andreas Schütz heute gegenüber diesem Blog, warum es auf der ROSAT-Aktuelles-Seite auch weiterhin keine Updates gibt. „Die mit uns zusammen arbeitenden Agenturen versorgen uns weiter mit Daten, aus denen dann die finale Aussage getroffen wird.“ Und das kann noch Tage dauern, wie er gegenüber der DPA erklärte. So bleibt die ‚Deutungshoheit‘ einstweilen bei dem US-Astronomen J. McDowell, dessen Wiedergabe der USSTRATCOM-Analyse (selber gerechnet hat er nichts, wie er auch diesem Blog gegenüber erklärte) via AP inzwischen die ganze Welt erobert hat: Beispiele auf Indonesisch, Russisch, Spanisch, Französisch und im ‚Ausriss‘ aus der österreichischen Kleinen (Online-)Zeitung oben Deutsch. Bei Global Disaster Watch wird kurioserweise der unabhängigen Rechnung von Harro Zimmer Priorität gegeben – während der Stern völlig durch den Wind ist: „Auch wenn der Absturz noch einige Tage auf sich warten lassen könnte“, schrieb man dort gestern Mittag. Noch bizarrer allenfalls eine spanische Nachrichtenseite, die auf einen – reichlich geschmacklosen! – ROSAT-Witz hinein gefallen zu sein scheint (trotz auffälliger Markierung als ‚Satire‘). Zum Schluss noch eine argentinische Entwarnung, ein ROSAT-Nachruf und eine weitere Erwähnung dieses Live-Blogs, mit schon jetzt über 5000 Zugriffen der ‚erfolgreichste‘ Artikel aller Zeiten auf Skyweek 2.0 (der auch zum Durchbrechen der 150’000-er Gesamt-Marke beitrug): Den Lesern herzlichen Dank für ihre Wahl! [15:10 MESZ am 24. Oktober – Ende]
Drei Analysen für die Eintrittszone stehen im Raum …
… nunmehr 19 Stunden nach ROSATs Ende: Mit dem SATrack-Online-Tool kann man sie alle plotten. Oben die Analyse von USSTRATCOM (in dieser neuen Grafik samt möglichem Trümmerfeld geplottet), darunter eine semi-unabhängige von Harro Zimmer (unter Einbeziehung der ’neuen‘ letzten Bahnelemente) – und unten die 18 Stunden alte des DLR, die dort weiter vertreten wird: Warum man die USSTRATCOM-Analyse explizit erst einmal nicht übernehmen will, wollte man gegenüber diesem Blog heute nicht erläutern. Es könne noch Tage dauern, bis man zu einer offiziellen Einschätzung komme, wurde aber gegenüber Nachrichtenagenturen angedeutet – Associated Press hat sich daraufhin beim Astronomen J. McDowell (siehe 11:15 MESZ) eine zweite Meinung eingeholt. Der hat zwar gar nicht selber gerechnet, sondern nur das USSTRATCOM-Ergebnis referiert, aber immerhin wurden seine konkreteren Aussagen vom Spiegel oder der Tagesschau dankbar übernommen. McDowell-frei geht’s hingegen offenbar gar nicht, wie dieser britische Artikel zeigt, wo man nicht mal den Kontinent zu benennen weiß, wo ROSAT nieder gegangen ist. Ein russischer Artikel „weiß“ wiederum, dass die Amerikaner wüssten, dass ROSAT nahe Chinas Megametropole Chongqing gefallen sei – seltsam nur, dass man von dort noch nicht das Geringste gehört hat. Mal sehen, ob sich der Nebel morgen lichtet … [22:45 MESZ am 23. Oktober]
Keine Konfusion über die Lage der Absturzzone mehr gibt es jetzt, nachdem USSTRATCOM soeben mit neuen Bahnelementen heraus gerückt ist, die nur zwei Stunden vor dem Absturz gültig waren: Jetzt passen die Koordinaten zur Uhrzeit. Womit tatsächlich eine gewisse Möglichkeit besteht, dass Trümmer – v.a. die größeren, die am schrägsten durch die Atmosphäre geflogen sein sollten – Myanmar, Laos oder Südchina erreichten. Berichte über Beobachtungen feuriger Spuren am (Tag-)Himmel oder verdächtige Fälle oder Funde scheint es aber weiterhin nicht zu geben. [18:05 MESZ]
Moderate Rest-Konfusion über die Absturzzone – und ein völliger Blackout bei der DPA …
Für die Grafik im letzten Update war das 14-Minuten-Intervall, das USSTRATCOM angab, so entlang der ROSAT-Bahnebene geschoben worden, dass die Zentralkoordinate mit den ebenfalls von den Militärs gelieferten 7° Nord und 90° ost übereinstimmte: Das würde allerdings nach den letzten bekannt gegebenen Bahnelementen einem Impakt von 3:55 MESZ entsprechen. USSTRATCOM nennt aber 3:50 MESZ: Offenbar kam ROSAT am Schluss 5 Minuten ‚zu früh‘. Je nachdem ob man dies rekonstruiert oder die ‚alte‘ Bahn und 3:50 MESZ nimmt, verschiebt sich der Groundtrack spürbar, wie diesem direkten Vergleich hier zu entnehmen ist; die generelle Impaktzone – die Andamanen-See im Indischen Ozean, mit nur geringer Wahrscheinlichkeit für Einschläge auf dem asiatischen Festland – ist aber völlig klar. Um so unbegreiflicher ist da ein z.B. vor wenigen Minuten hier erschienener DPA-Artikel, dessen Autor barmt: „Vielleicht über Asien, vielleicht über Amerika – am frühen Sonntagmorgen ist ein Satellit Richtung Erde gesaust. Das berichteten Experten. Doch wo genau der Satellit Rosat in die Atmosphäre der Erde eingedrungen ist, das wissen die Fachleute noch nicht.“ Kein Gefühl für Himmelsmechanik oder Antrieb, mal die Experten zu fragen … Nützlicher da ein detaillierter Artikel zu den technischen Umständen des Absturzes. [17:45 MESZ]
Irgendwo in diesem Streifen ist ROSATs Schrott herunter gekommen, laut der letzten Analyse der US-Militärs – die vermutlich dank einer passenden Basis im Indischen Ozean auf Diego Garcia bessere Daten hatten als beim pazifischen Untergang des UARS. Die Amateur-Bahnrechner beklagen sich derweil, dass man ihnen diesmal zeitnahe Bahnelemente in den Stunden vor dem Ende vorenthielt … [12:30 MESZ]
Neue US-Berechnung: Reentry schon 3:50 MESZ ±7 Min.
Rest in Pieces, ROSAT! Das DLR hat den Absturz verkündet
„Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2011, 04:45 MESZ / Am Sonntag 23. Oktober 2011 in der Zeit zwischen 3.45 Uhr und 4.15 Uhr MESZ (1.45 to 2.15 UTC) ist der deutsche Satellit ROSAT wieder in die Erdatmosphäre eingetreten“, so die ROSAT-Aktuelles-Seite: „Eine Bestätigung, dass Teile die Erdoberfläche erreicht haben, liegt gegenwärtig nicht vor.“ Man darf vermuten, dass die Angaben zum Zeitfenster des Absturzes – das durchaus den Fall von Trümmern auf südostasiatischem oder ostchinesischem Boden erlauben würde – auf der Analyse der letzten vom US-Militär übermittelten Bahninformationen und nicht direkten Beobachtungen basieren. Und hier wären dann schon mal die nächsten drei großen abstürzenden Stücke Weltraumschrott … [4:55 MESZ]
Die Mitte des Absturz-Zeitfensters liegt nun hinter uns
ROSATs letzter Orbit … vermutlich: Der wahrscheinlichste Einschlagsort ist im Augenblick China. (An dieser Stelle mal ein herzlicher Dank an all die Enthusiasten, die diese tollen Orbit-Grafik-Tools ins Web gestellt haben!) Der Satellit – von dem zuletzt weder aus den USA noch Mexiko noch Ecuador irgendwelche Sichtungen eingegangen sind – wird ab dem Indischen Ozean im Tageslicht sein und erst wieder in Asien Land erreichen. Wenn er überhaupt noch im Orbit ist. [3:35 MESZ]
Neue DLR-Prognose: 4:00 MESZ ±1 1/2 Stunden = 1 Orbit
„Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2011, 03:04 MESZ / Stand der Daten: 22.10.2011, 20:00 Uhr UTC (22.00 Uhr MESZ) / Der ROSAT-Wiedereintritt wird im Zeitraum Sonntag, 23.10.2011, von ca. 00.30 Uhr UTC (02.30 Uhr MESZ) bis ca. 03:30 Uhr UTC (05.30 Uhr MESZ) erwartet. / Auf Grundlage der aktuellen Daten wird ROSAT nicht über Europa, Afrika und Australien wiedereintreten“. Sagt die DLR-Seite, inzwischen die aktuellste Quelle geworden: Die meisten anderen Bahnrechner haben’s offenbar dran gegeben oder liegen in der Heia … Während des US-Überflugs wurde ROSAT weder in Phoenix, AZ noch in Santa Fe, NM gesehen – was immer das bedeutet. [3:15 MESZ]
ROSATs letzter Überflug der USA hat jetzt begonnen (Screenshot von einem Echtzeit-Tracker; Anklicken!) – und USSTRATCOM sagt jetzt, dass es um 4:04 MESZ ±2 Stunden krachen wird. Wobei von den „-2 Stunden“ die erste inzwischen schon um ist (andere neue Analysen liegen nicht vor). Die Spannung steigt … [3:00 MESZ]
ROSAT gerade hell blitzend über den USA gesehen
Es gibt ihn also noch – aber er schlingert bereits in der drastisch sinkenden Umlaufbahn: Meldungen hier (mehr), hier, hier und hier. Ein paar letzte Fotos – nicht derart aktuell – sind hier versammelt. Die Kunde von der ‚Verschonung‘ Europas hat derweil auch die ‚alten‘ Medien erreicht: Meldungen in Deutsch (mehr und mehr), Englisch und Russisch (Novosti folgt offenbar dem DLR auf Twitter). Und noch zwei zur Nacht des fallenden Satelliten (keine neuen Berechnungen in Sicht) passende Videos: Conan über UARS – und Major Tom mal anders, mit NASA-Capcom … [1:50 MESZ]
Hier kann der ROSAT noch herunter kommen – irgendwo auf einer der eingezeichneten Bahnen, die der USSTRATCOM/DLR-Prognose aus dem letzten Update entsprechen. Auch ein Nachruf auf ROSATs wissenschaftliche Leistungen und Links zu weiteren Artikeln. [0:50 MESZ]
Die Prognosen von DLR und USSTRATCOM stimmen jetzt genau überein
Sie lauten nun 4:15 – wie bekannt – bzw. 4:31 MESZ, jeweils ±3 Stunden; selbst der Kontinent (oder Ozean), der getroffen werden wird, lässt sich also noch nicht angeben. Die Bahnhöhe ROSATs liegt nun bei etwa 157 x 162 km (extrapoliert, nicht direkt gemessen): Was gleich passieren wird, beschreibt dieser 7-Minuten-Webcast des DLR vom Juli. [0:15 MESZ]
„Entwarnung“ für Deutschland jetzt auch ganz amtlich!
Was heutzutage natürlich gleichbedeutend mit „per Twitter“ ist: Das DLR hat seine Absturzprognose praktisch zeitgleich mit dem letzten Update hier noch einmal heftig präzisiert auf 4:15 MESZ ±2 3/4 Stunden und daraus den Schluss gezogen, dass „auf Grundlage der aktuellen Daten“ kein Wiedereintritt über Europa stattfinden wird. Wie mit SATrack zu sehen war, galt dies aber – zumindest für Deutschland – auch schon bei der viel ungenaueren Prognose eine Stunde früher. Hier die aktuell nach der neuen DLR-Prognose noch ‚erlaubten‘ Tracks für den Absturz, berechnet mit SATrack (Satellitenposition & Lichtverhältnisse von 4:15 MESZ) – wo die DLR-Daten in der letzten Stunde auf Betreiben dieses Bloggers hin aufgenommen wurden. [22:30 MESZ (Grafik ergänzt 22:50 MESZ) am 22. Oktober]
Das US-Militär und das DLR haben Deutschland bereits für gerettet erklärt – zu dieser Erkenntnis gelangt man, wenn man bei SATrack (einfach auf die Grafik klicken) ganz unten bei „USSTRATCOM“ oder „DLR“ auf „See the Ground Track“ klickt: Keiner der nach der bereits im letzten Update erwähnten bzw. vor einer Stunde beim DLR erschienenen Berechnungen mehr möglichen Orbits führt über Deutschland. Dito für die aktuellen Prognosen von Molczan und Zimmer; lediglich die Aerospace Corporation gibt noch keine Entwarnung für das Heimatland ROSATs. [22:05 MESZ]
Neue Prognosen, weiter ziemlich unscharf: Absturz irgendwann am Sonntag-Vormittag?
Die Grafik von ROSAT Reentry (Punkte: gemessene Apo- und Perigäumshöhen), ein Artikel von Langbroek und am aktuellsten ein Posting von Molczan fassen den Stand der Berechnungen zusammen: USSTRATCOM sagt 4:34 MESZ ±7 Stunden, Zimmer sagt 6:17 MESZ ±4 Stunden, ROSAT Reentry selbst (dahinter scheint eine australische Software-Firma zu stecken) sagt 10:00 MESZ ±4 Stunden, Langbroek selbst sagt 12:20 MESZ ±5 Stunden, Molczan selbst sagt 12:22 MESZ ±7 Stunden (darf aber auch 3:37 MESZ sein) und Aerospace Corp. sagt 13:12 MESZ ±10 Stunden. Und noch ein paar Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (mehr) und hier – und ein Song über abstürzende Satelliten, der dem Blogger zugezwitschert wurde … [19:25 MESZ]
In diesen Streifen könnte der ROSAT noch herunter kommen, nach derzeitigem Wissensstand – konkret der letzten Reentry-Prognose des USSTRATCOM von heute morgen 5:30 MESZ: Danach fällt der Satellit – hier eine schöne Strichspur aus Tucson – kommende Nacht um 3:31 MESZ ±14 Stunden. Die Breite der konkreten Prognosen ist immer noch nicht kleiner geworden und reicht von in ein paar Stunden bis morgen Abend. Auch das DLR hat eine neue Webseite mit konkreten Zahlen gestartet, die aber zuletzt gestern Abend aktualisiert wurde, mit einem inzwischen gut 24 Stunden alten Datenstand. Da hieß es: „Der ROSAT-Wiedereintritt wird im Zeitraum Samstag, 22.10.2011, ca. 18.00 Uhr UTC (20.00 Uhr MESZ) und Sonntag, 23.10.2011, ca. 12:00 Uhr UTC (14.00 Uhr MESZ) erwartet“. Und es gibt inzwischen eine NOTAM: „SPECIAL NOTICE .. ……….EFFECTIVE IMMEDIATELY UNTIL 1110252359 UTC.
AIRCRAFT ARE ADVISED THAT A POTENTIAL HAZARD MAY OCCUR DUE TO REENTRY OF THE SATELLITE ROSAT INTO THE EARTH’S ATMOSPHERE. THE FEDERAL AVIATION ADMINISTRATION (FAA) IS WORKING WITH THE DEPARTMENT OF DEFENSE (DOD) AND THE NATIONAL AERONAUTICS AND SPACE ADMINISTRATION (NASA) TO ENSURE THAT THE MOST CURRENT RE-ENTRY INFORMATION IS PROVIDED TO OPERATORS AS QUICKLY AS POSSIBLE. FURTHER NOTAMS WILL BE ISSUED IF SPECIFIC INFORMATION BECOMES AVAILABLE INDICATING A UNITED STATES (US) AIRSPACE IMPACT. IN THE INTEREST OF FLIGHT SAFETY, IT IS CRITICAL THAT ALL PILOTS/FLIGHT CREW MEMBERS REPORT ANY OBSERVED FALLING SPACE DEBRIS TO THE APPROPRIATE ATC FACILITY AND INCLUDE POSITION, ALTITUDE, TIME, AND DIRECTION OF DEBRIS OBSERVED.“ [16:50 MESZ]
Nur ein europäisches Radar verfolgt ROSATs letzte Orbits – in Deutschland
Und zwar ist es das Tracking and Imaging Radar (TIRA) des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg bei Bonn, woran die Fraunhofer-Gesellschaft gerade in einer PM erinnert: Mit dieser unter einem weithin sichtbaren – der Blogger wohnt in relativer Nähe – Radom versteckten Antenne wurde auch das Radarbild ROSATs oben aufgenommen. Ansonsten gibt’s noch eine neue Zimmer-Prognose (die sich bei 7:30 MESZ am Sonntagmorgen zu stabilisieren scheint), eine Erwähnung der ROSAT-Flares, zwei deutsche Blogs hier und hier, die jeweils – Danke! – auf dieses Live-Blog verweisen, Artikel zu ROSATS Leistungen und der Rechtslage im Schadensfall sowie einen Radio-Beitrag. [17:20 MESZ am 21. Oktober. NACHTRAG: Die Fraunhofer-PM ist inzwischen verschwunden, und die Links zu ihr und dem Bild wurden durch eine textgleiche Version auf der Homepage des FHR ersetzt – die mit dem „25.10.“ übrigens falsch datiert ist]
Eine neue Simulation des ROSAT-Reentrys von der Aerospace Corp., wo aber immer noch nicht das überlebende Röntgenteleskop als besonders großes Trümmerstück hervor gehoben wird. Die neueste Übersicht aller Absturz-Prognosen hat weiterhin allerlei Spielraum am 23. Oktober (konkret: spät am 22. bis spät am 23. deutscher Zeit), es gibt ein neues Video des rasenden Satelliten (hell wie Vega und rötlich) – und einen weiteren Live-Ticker mit ROSAT-Untergangs-News. [14:15 MESZ]
Noch drei Tage bis zum Ende des Röntgensatelliten
Irgendwann am Sonntag, dem 23. Oktober, wird es wohl passieren, da sind sich praktisch alle Modellrechner einig – und wie bei der unkontrollierten Rückkehr des UARS vor einem Monat gibt’s nun ebenfalls ein Live-Blog zum Wiedereintritt des ROSAT. Informationsquellen zum Status des Satelliten und dem Zeitfenster seines erwarteten Absturzes gibt es viele, die in einem immer oben ‘klebenden’ Infokasten verlinkt sind: Da sich die Sonnenaktivität derzeit nicht groß verändert, sind die Prognosen – anhand der letzten Bahnelemente, Modellierungen der Sonnen und mehr oder weniger trickreicher Software – bereits seit einer Woche ziemlich stabil. Die Grafik oben fasst den aktuellen Stand zusammen: Alle fünf in dieser Sammlung – konkret: die letzten von Molczan und Zimmer – gehen vom 23. Oktober 10:30-13:30 MESZ aus, mit angegebenen Fehlern zwischen ±7 und ±72 Stunden. Eine Faustregel der Impaktologie scheint zu besagen, dass die Unsicherheit immer ungefähr 20% der verbliebenen Restzeit beträgt, was für ±15 Stunden spräche; entsprechend heißt es auch beim DLR noch “zwischen 22. und 23. Oktober 2011“.
Die mittlere Grafik zeigt den Groundtrack ROSATs ±1 Tag um den 23. Oktober 12:33 MESZ: blau vor, gelb nach diesem Zeitpunkt – Deutschland wäre danach noch gut “in der Zone”, wenn sich der Satellit etwas verspätet. Die Grafik unten dokumentiert schließlich die Entwicklung der Prognosen für den Absturzzeitpunkt in der zurück liegenden Woche: Die dunklen Rauten sind von Molczan, die roten Kreise von Zimmer, die grünen Rauten von den Reentry News der Aerospace Corporation – inzwischen liegen die Prognosen dicht beeinander, aber die Fehlerbalken sind viel größer als die Streuung zwischen den Prognosen, weil der Zustand der Atmosphäre die größte Unbekannte bleibt. Laut H. Klinkrad vom ESA Space Debris Office wird man einen Tag im Voraus – der Satellit ist dann auf 150 km gesunken – den konkreten Orbit angeben können, während dem ROSAT abstürzen wird: Die geografischen Regionen, die noch in Gefahr sind, lassen sich dann klar angeben bzw. Entwarnung für den Großteil des Planeten. Konkret eingrenzen lässt sich die Absturzzone aber erst mit 1 bis 2 Stunden Vorwarnung, wenn die Bahn auf 120 bis 110 km geschrumpft ist.
Das Ende kommt dann ab 80 km Höhe, wenn die Bremshitze ihr Maximum erreicht und der Satellit auseinander zu brechen beginnt und eine lange Trümmerschleppe entsteht: Die leichtesten Fragmente erreichen den Boden als erste, die größten Brocken schießen noch am weitesten durch die Atmosphäre. Vom 2.4-tönnigen ROSAT wird mit 20 bis 40% der Gesamtmasse ungewöhnlich viel den Boden erreichen, vor allem “dank” des besonders hitzebeständigen und großen Röntgenteleskops. Die Wahrscheinlichkeit, dass ROSAT in seine deutsche Heimat zurück kehrt, liegt freilich nur bei ca. 1:580. Die letzten detailreichen Bilder ROSATs im Orbit gelangen R. Vandebergh am 14. Oktober (Bilder, prozessiert) und T. Legault am 16. Oktober (mehr), eine Strichspuraufnahme gibt’s vom 14., Videos vom 17., einen visuellen Bericht vom 18. und ein Video mit grellem Flare vom 19. Oktober (Erläuterung; mehr). Schließlich noch ein paar Artikel vom 20. (mehr und mehr), 19. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 18. (mehr) und 17. Oktober (mehr und mehr) – und sehr passend die gestrige PM des MPE zu eRosita, einer Art ROSAT-Nachfolger, der 2013 an Bord des russischen Satelliten Spekr-X-Gamma starten soll. [16:25 MESZ am 20. Oktober]
Eine Woche noch bis zum Reentry des deutschen Röntgensatelliten ROSAT, von dem mehr die Reibungshitze überstehen sollte als letzten Monat vom UARS (siehe ISAN 146-6). Der endete schließlich mitten im Pazifik und folgte damit der statistschen Erwartung, aber noch kann der ROSAT jeden Punkt zwischen 53°N und S treffen. Zur Zeit ist er übrigens gut über Europa zu sehen! Und wann ist’s vorbei? Das direkt verantwortliche DLR nennt auf seiner Webseite zum Reentry seit ein paar Stunden das Intervall 21. bis 25. Oktober (zuvor: 20.-25.10.), und praktisch zeitgleich hat der Satellitenbahn-Veteran Harro Zimmer seine eigene Analyse publik gemacht: 24. Oktober ±1 Tag. Einen Tag früher hatte sich der Satellitenexperte Ted Molczan für das Intervall später 22. bis früher 24. Oktober UTC ausgesprochen und mit dieser Grafik argumentiert, in der sich der Vorhersagezeitpunkt seit einer Woche stabilisiert hat (und die SpaceWeather an erster Stelle nennt, noch vor den DLR-Angaben).
Ebenfalls vom 13. Oktober stammt die Analyse in dieser Grafik, wo der Trend der letzten drei Wochen (rosa Fit) zur selben Zeit gleichfalls auf den 22. als Absturztag (Kreuzung mit der roten Linie) weist. Der UARS-mäßige Medienrummel – letzte Gedanken dazu hier (früher), hier und hier – hat bereits wieder eingesetzt, wobei der Inhalt aller Artikel nahezu identisch ist und weitgehend der DLR-Webseite folgt (General-Anzeiger, Spiegel, Stuttgarter Zeitung, Space Policy Online, Spaceflight Now, Space.com, Cosmic Log, Daily Mail, Space Today, VivaNews etc.) – nur im 50-Minuten-Podcast RaumZeit gab’s ein wenig mehr Details zu den technischen Umständen. Weitere unabhängige Prognosen dürften am ehesten auf der SatObs-Mailing-Liste zu finden sein. Und natürlich gibt’s für die letzten Stunden ROSATs – der Blogger war 1990 auf der Launch Party in einem Bierzelt mit Blasmusik auf dem DLR-Campus in Oberpfaffenhofen! – auch wieder ein Live-Blog mit offenem Ende …
War es das öffentliche Murren angesichts der vagen Aussagen zum Ende des Satelliten oder hat es wirklich über drei Tage gedauert, alle Daten über den finalen Orbit des Upper Atmosphere Research Satellite auszuwerten? Noch heute Nachmittag hatte die ESA dieselben unscharfen Zahlen verbreitet, die die NASA vor 3 Tagen genannt hatte (nicht ohne via Twitter immerhin auf diese Webseite zur schlechten Lage Europas in Sachen Weltraumüberwachung zu verweisen), aber am Abend versah die NASA urplötzlich die UARS-Homepage mit einem „Final Update“. Danach stürzte der Satellit um Punkt 6:00 MESZ am 24. September ab (nunmehr ganz ohne eine Angabe von Fehlergrenzen; laut anderen Informationen lauten sie ±1 Minute), bei 14.1°S und 170.2°W in der generellen Nachbarschaft der Weihnachtsinsel – keinerlei Chance also, dass irgendwelche Trümmer das nordamerikanische oder auch sonst irgendein Festland erreicht haben könnten.
Der neuen Zeit – erst falsch als 6:01 MESZ angegeben, dann nochmal korrigiert – und Koordinaten sei man sich „sehr, sehr sicher,“ verkündet dazu der NASA-Chefwissenschaftler für Raumschrott Nick Johnson in einem kurzen Video – und woher weiß man das so plötzlich, wo der Fehlerbereich doch eben noch mindestens ±20 Minuten betrug? „Eine große Anzahl von Datenpunkten“ sei in die neue Analyse eingeflossen, gibt sich Johnson geheimnisvoll – aber man muss nicht lange grübeln, was die Quelle ist: offensichtlich einer oder mehrere jener Frühwarnsatelliten, die mit Infrarotaugen auf Raketenstarts feindlich gesonnener Länder warten und über deren Details das US-Militär am liebsten schweigt. Dass es nur ein solcher – oder ein anderer militärischer erdbeobachtender – Satellit gewesen sein kann, dem wir die exakten Crash-Koordinaten des UARS verdanken, ergibt sich auch aus Johnsons Aussage, dass weder von Flugzeugen noch Schiffen noch kleinen Pazifikinseln aus irgendeine visuelle Beobachtung des Reentrys eingegangen ist.
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