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Der Mars als Fotokunst: Tipp für Berlin-Fahrer!

29. Oktober 2010

Thomas Ruff gilt als „einer der international bedeutenden deutschen Fotokünstler„, er hat (jedenfalls manchmal) den Anspruch, Fotos in extremer Größe und gleichzeitig Auflösung zu präsentieren – und er hat ein Faible für Weltraummotive. Bereits vor 20 Jahren sorgte er mit Abzügen von – unter ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählten – schwarzweißen Sternfeldaufnahmen der ESO für Aufsehen, in letzter Zeit hat er Saturnbilder von Cassini bearbeitet, und nun ist der Mars an der Reihe: Noch bis zum 13. November sind in der Johnen-Galerie in Berlin (zum ersten Mal) Ruffs Bearbeitungen von Bildern der Kamera HiRISE auf dem Mars Reconnaissance Orbiter zu sehen. Die es in sich haben!

Mehrere Quadratmeter ist jeder Ausdruck groß – trotzdem ist selbst aus nächster Nähe keinerlei Pixelung zu erkennen (unten ein kläglicher Versuch eines Ausschnitts), und die Detailfülle der Aufnahmen zieht den Betrachter förmlich in die Marslandschaften hinein. Vor allem Dünenfelder und Geröll scheinen Ruffs Interesse geweckt zu haben, und die eigentlich künstliche/künstlerische Colorierung, die auch Daten anderer Marsinstrumente berücksichtigt, wirkt überraschenderweise natürlicher als die „echten“ Falschfarben, in denen die HiRISE-Forscher ihre Bilder selbst zu präsentieren pflegen. Auf jedweden Bildtext wird verzichtet, der Mars – oder vielmehr „ma.r.s.“ im Ausstellungtitel – soll ganz für sich allein wirken (Vernissage-Berichte hier [PDF] und hier = hier).

Durch reinen Zufall gastiert gleichzeitig in Berlin die bekannte DLR-Mars-Wanderausstellung (roter Kasten), die ebenfalls den Betrachter in die großformatigen Bilder – diesmal der HRSC auf dem Mars Express – saugt, sie aber auch ausgiebig erläutert: Beide Ausstellungen korrespondieren perfekt! Und als 3. Ausstellungs-Tipp für Berlin sei noch auf Weltwissen – 300 Jahre Wissenschaften in Berlin hingewiesen, wo sich in der enormen Materialfülle auch einige Planetenforschung versteckt: z.B. Galles Original-Entdeckungsskizze des Neptun, ein fetter DDR-Datenspeicher der Phobos-Kameras und tolle Mondkarten.