Mit ‘RXTE’ getaggte Beiträge

Spekulationen über das Versagen – und den endgültigen Verbleib – von Fobos-Grunt

31. Januar 2012

treiben auch zwei Wochen nach dem Wiedereintritt die Weltraumszene um: Zum einen gibt es jetzt einen offiziellen Untersuchungsbericht zum Ausfall der Marssonde schon kurz nach Erreichen der Parkbahn um die Erde Anfang November 2011, zum anderen angeblich präzise Koordinaten ihres Einschlags am 15. Januar 2012 – aber beidem fehlt die letzte Überzeugungskraft. Der Bericht zum Versagen der Sonde verweist immerhin Spekulationen über äußere Einflüsse – wie ein amerikanisches Radar – ebenso ins Reich der Fantasie wie Programmierfehler: Stattdessen werden einige Probleme benannt und der Ausfall im Wesentlichen der Wirkung Kosmischer Strahlung auf ungeeignete elektronische Bauteile – zwielichtige Billigimporte aus China womöglich – zu geschrieben, die wider besseres Wissen über solche Risiken verbaut worden seien. Nachdem sie der Strahlungsbelastung nicht standhielten, rebooteten dem Bericht zufolge zwei Bordcomputer von Fobos-Grunt und verblieben dann in einem Wartezustand, aus dem sie sich dann in den zwei dramatischen Monaten in der Parkbahn nicht mehr befreien ließen. [NACHTRAG: Zusammenfassungen des Berichts in Russisch und in Englisch vom 3. Februar.]

Und das Ende? USSTRATCOM hat zu guter Letzt doch noch einen genauen Zeitpunkt und Koordinaten – 18:46 MEZ ±1 Minute und 46°S 87°W – angegeben, was im Pazifik 930 km vor der südamerikanischen Küste und 1100 km vor der nächsten Landberührung auf der Bahn liegen würde. Diese Angaben – wenn sie wirklich so präzise sind, basieren sie wohl auf der direkten Beobachtung des Wiedereintritts durch einen Frühwarnsatelliten; offiziell wird das mal wieder nicht bestätigt – beziehen sich indes auf eine Höhe von 80 km: Diverse Orbitexperten gehen davon aus, dass bestimmte Trümmerteile (darunter die Probenkapsel) noch bis zu 820 km weiter entlang der Bahn nieder gegangen sein könnten. Und da Fobos-Grunt jede Minute 450 km zurück legte, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass etwas die Region Araucania in Chile erreichte. Berichte über derartige Beobachtungen – oder gar Funde – aus dieser dünn besiedelten Region gibt es allerdings weiter nicht, aber vielleicht lohnt ja tatsächlich die Suche. Voice of Russia, TASS, Novosti, Reuters, Universe Today, Spiegel 31., Jonathan’s Space Report, The Space Review 30., Txnologist 29., ESA Release, Universe Today 25.1.2011

Eine vermeintliche Enthüllung über das Ende des ROSAT geistert gleichzeitig durch die Medienwelt, aufgebracht von Spiegel Online und heute ohne Quellenangabe übernommen und weiter aufgepeppt von der britischen Daily Mail: Danach hätte der deutsche Horror-Satellit beinahe die chinesische Hauptstadt Beijing vernichtet (oder so ähnlich). Welche Neuigkeit: In der Reentry-Nacht hatten Weltraumfans rund um den Globus, darunter natürlich auch dieser Blogger, den letzten Orbit ROSATs per Simulation anhand der letzten Bahnelemente ‘live’ verfolgt und natürlich registriert, dass der – virtuelle – Satellit (der da nach späteren Angaben schon in den Indischen Ozean gefallen war) über mehrere chinesische Großstädte hinweg zog.

Und der nächste Röntgensatellit kommt bestimmt: der RXTE

Wenn der gerade abgeschaltete Rossi X-ray Timing Explorer der NASA im Zeitraum – je nach künftiger Sonnenaktivität – 2014 bis 2023 unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintritt, dann besteht ein ungewöhnlich großes Risiko für einen Personenschaden von 1:1000 (dass es irgendwen auf dem Planeten trifft): Das ist 10-mal größer als man heute für akzeptabel hält. Doch der Start des erfolgreichen Satelliten war im Dezember 1995 vier Monate erfolgt, bevor die NASA diesen Standard in Kraft setzte, so dass formell alles mit rechten Dingen zugegangen ist. In ein paar Jahren wird sich das Spektakel der unkontrollierten Rückkehr eines Röntgensatelliten also wiederholen: Dann ist die Zone zwischen 23° N & S betroffen. Satelliten mit einem RXTE-ähnlichen Schadensrisiko – das beim ROSAT 1:2000 und beim UARS 1:3200 betragen hatte – fallen übrigens alle paar Jahre vom Himmel, und passiert ist noch nie etwas: Auch 1:1000 ist halt eine ziemlich kleine Zahl.


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