Posts Tagged ‘Sgr A*’

So sieht Satellit NuSTAR das Galaktische Zentrum

23. Oktober 2012

Einen kleinen ‚Sneak‘ hatte es hier schon gegeben („Intermezzo: Erstes “richtiges” Bild von NuSTAR …“), nun auch ganz amtlich: die ersten Bilder des Nuclear Spectroscopic Telescope Array, die mehr als nur eine Punktquelle zeigen. Sondern das Zentrum der Milchstraße bei 3 bis 30 keV Energie: in der linken Falschfarben-Darstellung ist Rot 3-7, Grün 7-10 und Blau 10-30 keV zugeordnet, in der Zeitreihe rechts sind Photonen aller Energien aufaddiert. Im mittleren Bild leuchtet Sgr A* auf, einer der bekannten Röntgen-Flares des mutmaßlichen Supermassiven Schwarzen Lochs im Galaktischen Zentrummit 100 Mio. K heißem Gas. Die diffuse Röntgenemission drum herum wird einem Supernova-Überrest zugeschrieben.

Live-Blog von der AG-Tagung in Heidelberg

20. September 2011

Eine Simulation des Universums mit 303 Milliarden Partikeln, „Millennium-XXL“ genannt, ist die größte N-Teilchen-Rechnung aller Zeiten – zum Vergleich: Artikel A69c über einen Vorgänger vor 6 Jahren – und war heute Mittag Gegenstand des ersten Hauptvortrags der Tagung gewesen (dessen Live-Verbloggung durch einen leeren Akku und die Steckdosen-Armut der Heidelberger Aula sabotiert wurde). V. Springel blickte dabei auch in eine Zukunft mit noch viel größerer räumlicher Auflösung, wenn – kein Witz – der Energieverbrauch der Großrechner mit ihren abertausenden von Cores ein zunehmendes Problem werden dürfte. Aber mehr Teilchen und/oder cleverere Rasterung des Raumes sind unverzichtbar, um Detailproblemen der Galaxienbildung auf die Spur zu kommen, nachdem sich die Entstehung der großräumigen Strukturen des Alls im Rahmen des LambdaCDM-Modells so gut nachvollziehen lässt. [18:45 MESZ – Ende]

Historischer Moment: Becklin über SOFIA über sein Objekt

Wann sieht man schon einmal einen Astronomen, der Beobachtungen eines Himmelsobjekts, das er vor 45 Jahren entdeckte und das nach ihm benannt ist, mit einem brandneuen Instrument diskutiert (und auch noch von der Leinwandprojektion dieser Daten beleuchtet wird)? In der SOFIA-Session ist es soeben passiert: Hier spricht Eric Becklin über das seltsame Objekt BN/KL alias Becklin-Neugebauer-Objekt, das er 1966 entdeckte und das eines der ersten Motive für SOFIAs erste Kamera FORCAST war (auf diesem bekannten Bild oben rechts zu sehen; siehe auch hier mit Labels). Das Objekt hat 100’000 Sonnenleuchtkräfte und produziert einen erstaunlichen Ausfluss: Die SOFIA-Bilder, so Becklin jetzt, zeigen dass ein großer Teil der Gesamtstrahlung von kompakten Infrarotquellen ausgeht. Drei hat FORCAST bereits deutlich erkannt, und da sind sicher noch mehr. [17:40 MESZ]

SOFIA vs. Pluto: Wie die Lichtkurve aussieht

Die erste Beobachtung einer Sternbedeckung durch ein Objekt des Sonnensystems durch die fliegende Sternwarte hat eine aussagekräftige Lichtkurve geliefert, deren Analyse aber noch andauert und erst im Oktober präsentiert werden soll: Man sieht [NACHTRAG: Hier ist die Kurve!] einen ziemlich flachen Helligkeitsabfall und -anstieg – was beweist, dass die Plutoatmosphäre noch da ist – mit ziemlich genau 100 Sekunden Bedeckungsdauer (FWHM). Aber da ist noch ein schwach ausgeprägter aber signifikanter „Hump“ der Helligkeit in der Nähe der Mitte der Finsternis, aber etwas gegen ihr Ende hin verschoben: Das ist nicht der Central Flash, den man durch eine Verschiebung der Flugroute in letzter Minute (es wurde noch Astrometrie von Pluto und Stern analysiert, als SOFIA schon in der Luft war) zu erzielen trachtete. Die Atmosphäre des Zwergplaneten hat Licht Richtung Erde fokussiert, scheint aber irgendwie asymmetrisch gewesen zu sein: Vielleicht hat ihr Ausfrieren bereits begonnen. [16:45 MESZ]

Notizen aus dem Splinter Meeting zu SOFIA: Technik-Teil

Eine Fülle technischer Details über die fliegende Sternwarte, die sich gerade in Deutschland aufhält (noch bis morgen Nachmittag, bevor es über die Andrews AFB zurück zur Heimbasis Palmdale bei Los Angeles geht) und es sogar auf die erste Seite gebracht hat, war in den ersten zwei Stunden des AG-Splinter-Meetings zu SOFIA zu hören, vor allem über die ersten 13 Flüge des deutschen Instruments GREAT. Die waren „overall amazingly successful,“ sagt PI R. Güsten, aber „not a smooth operation at all“ – bei jedem Flug (4 folgen noch bis Monatsende) gab es neue Überraschungen. Dabei wird der Beobachtungsplan schon Tage vor dem Flug im Detail festgelegt, und die Astronomen an Bord greifen nur sehr behutsam ein. Dafür werden sie aber nach der Landung gefeiert: „Astronomers are treated like rock stars by the public,“ so E. Young, „when they have flown on SOFIA.“

Typischerweise sind bei einem – 10 Stunden langen und sehr mühsam zu planenden – Flug etwa 25 Personen an Bord, inklusive der Crew. Das Erstellen des Flugplans ist wie das Zusammensetzen eines Puzzles mit Teilen, die sich ständig verändern, sagt R. Klein. Das wissenschaftliche Programm hat inzwischen erfolgreich begonnen, und am Ende wird es etwa 1000 Wissenschafts-Stunden im Jahr geben, wobei die Beobachtungszeit gemäß der finanziellen Investition zu 80% an die USA geht (die internationale Beobachtungsvorschläge erlauben) und zu 20% an Deutschland. Im Zeitraum 2012/13 soll es schon doppelt so viele Flüge wie 2011 geben, mit vier Wissenschafts-Kampagnen vom 25. Juni 2012 bis 26. April 2013, so A. Krabbe. Bedarf ist jedenfalls da: Der Call for Proposals für drei frühe deutsche Flüge war um einen Faktor 3.5 überbucht. [16:20 MESZ]

Als erstes gibt es immer die Schwarzschild-Medaille bei den Tagungen der Astronomischen Gesellschaft, die diesmal R. Genzel in seine wachsende Sammlung von Auszeichnungen (s.a. ISAN 62-13!) einreihen kann. Natürlich für die Erforschung der Zentralmasse der Milchstraße Sgr A*, deren Bestimmung sich inzwischen bei 4.3 Mio. Sonnenmassen stabilisiert zu haben scheint [NACHTRAG: die letzte Unsicherheit liegt in der Entfernung des Galaktischen Zentrums, die quadratisch eingeht, so Genzel zu diesem Blogger]: Bereits bei einem Vortrag Anfang 2009 war Genzel auf dieselbe Zahl (9.1.2009) gekommen. Womit die Möglichkeiten, was Sgr A* außer einem supermassiven Schwarzen Loch noch sein könnte, auf wenige Exoten zusammen geschrumpft sind. [11:05 MESZ]

Weltraumforschung kompakt

5. November 2009

GRB mit z>8 unterscheidet sich kaum von näheren

Mit einer gemessenen Rotverschiebung von z=8.1 bis 8.3 (genauer geben’s die Spektren des Nachglühens nicht her) ist der GRB 090423 (siehe ISAN 84-2) erheblich weiter weg als die bisherigen Rekordhalter mit spektroskopisch einwandfreier Rotverschiebung, eine Galaxie mit z=7.0, ein GRB mit z=6.7 und ein Quasar mit z=6.5: Wir sehen ihn nur etwas mehr als 600 Mio. Jahre nach dem Urknall, als der Kosmos gerade 4% seines heutigen Alters hatte. Trotzdem unterscheidet sich dieser Gamma Burst so wenig von seinen näheren = jüngeren Verwandten, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, hier sei womöglich ein Stern der Population III explodiert. (Chandra & al., Preprint 22., NRAO Release 28.10.2009, Tanvir & al./Salvaterra & al./Zhang, Nature 461 [29.10.2009] 1254-60/1221-2)

Eine Supernova mit 15’500 km/s Expansionsgeschwindigkeit war SN 2007gi: Solcherlei Sternexplosionen des Typs Ia steigen auch schneller zu ihrer maximalen Helligkeit an. (Zhang & al., Preprint 10.10.2009)

Das Neutrinoteleskop MiniBooNE sah keine Supernova-Neutrinos zwischen 2004 und 2008: Daraus folgt eine Obergrenze von 0.7 Kernkollaps-SNe pro Jahre bis 13.5 kpc Entfernung. (Collaboration, Preprint 16.10.2009)

Neue Radiodurchmusterung im neutralen Wasserstoff

Von 5°S bis zum Nordpol reicht die Effelsberg-Bonn HI Survey (EBHIS), bei der Radiostörungen größtenteils eliminiert werden konnten und die „a cornerstone for multi-frequency astrophysics“ werden soll. (Kerp & al., Preprint 8.10.2009. Mehr Durchmusterungen: Kalberla & al. Preprint 30.10.2009)

Und wieder eine neue Massen- und Entfernungsbestimmung von Sgr A*, der Zentralmasse unserer Milchstraße, mit Hilfe des Sterns „S2“ (siehe Artikel 680) und anderer in nahen Orbits: Die Kombination ihrer Verfolgungen durch die beiden konkurrierenden europäischen und amerikanischen Astronomengruppen liefert jetzt 4.3±0.4 Mio. Sonnenmassen und 8.3±0.3 kpc = 27’000±1000 Lichtjahre. (Gillessen & al., Preprint 16.10.2009)

Begann die Verfinsterung von Epsilon Aurigae verspätet?

Ungefähr „ein Dutzend Tage“ verspätet hat nach einer Auswertung der Lichtkurve die Verfinsterung von Epsilon Aurigae begonnen, was zu einem Schrumpfen des F-Überriesen passen würde. Inzwischen liegt die Helligkeit mit 3.4 mag. ziemlich genau zwischen dem Normalwert und dem Minimum, das gegen Ende Dezember erreicht werden dürfte. Derzeit laufen u.a. auch interferometrische Beobachtungen des seltenen Ereignisses. (Astronomer’s Telegram #2224 2., Citizen Sky 3., 10., 23., AAVSO Alert #410 29.10.2009)

Extremer Ausbruch eines LBV-Sterns in der LMC: R71 ist die vergangenen fünf Jahre kontinuierlich angestiegen und jetzt der hellste Stern in der Großen Magellanschen Wolke im sichtbaren Licht – ein „extremer Ausbruch“. (IAUC #9082 14.10.2009)

Hunderte Planetarische Nebel sind noch der Digital Sky Survey

zu entdecken, wenn man nur richtig sucht – schließlich müsste es in der Galaxis etwa 25’000 dieser Sternüberreste geben, während erst 3000 katalogisiert sind. (Jacoby & al., Preprint 5.10.2009)

Pulsationen von Chi Cygni mit optischem Interferometer verfolgt: IOTA sah den Mirastern mit einem mittleren Durchmesser von 12 und einer Amplitude von 5 Millibogensekunden; auch die Randverdunklung und andere Eigenschaften schwankten mit der Pulsation. (Lacour & al., Preprint 20.10.2009) NACHTRAG: Monate später ein CfA Press Release dazu. NACHTRAG 2: und noch einen Monat später ein Space.com-Artikel …

Die erste genaue Parallaxen-Messung bei einem Schwarz-Loch-Kandidaten

ist mit Radio-VLBI an V404 Cygni gelungen: 0.42±0.02 Millibogensekunden. Die resultierende Entfernung von 2.4 kpc ist viel geringer als bisher angenommen. (Miller-Jones & al., Preprint 27.10.2009) NACHTRAG: Monate später hat’s jemand mitbekommen.

Die ersten Aufnahmen von Helium in der Sonnenkorona sind im September mit dem Sounding-rocket Coronagraphic Experiment (SCORE) auf einer NASA-Höhenrakete gelungen – ein ähnliches Instrument soll dereinst auf dem Solar Orbiter fliegen. (ASI Release 28.9.2009)

Schon wieder „Precovery“-Bilder der Planeten von HR 8799

Einer der drei 2008 entdeckten Planeten des Sterns war schon ein Jahrzehnt früher in anderen Bildern vorhanden gewesen – und jetzt sind gar alle drei nachträglich auf Keck-Bildern im H-Band mit Adaptiver Optik von 2007 aufgespürt worden. (Metchev & al., Preprint 6.10.2009)

Noch eine Jagd nach möglichen Planeten von Alpha Centauri ist eröffnet (vgl. einen UCSC Release und diesen, diesen, diesen, diesen und ganz frisch diesen Artikel): diesmal auf Neuseeland, wo der Doppelstern von 44°S aus das ganze Jahr lang zu sehen ist. Was die Analyse der Reihen von Spektren erleichtern mag. (Cosmic Diary 22.10.2009)

Von wegen Eiskugel: Kuiperoid Quaoar ist dichter als Fels

Hubble-Beobachtungen des großen Kuipergürtelobjekts Quaoar und seines Mondes Weywoot haben gezeigt, dass ersteres nur 900 km groß und damit dichter als sogar Felsen ist – zum üblichen Bild des Kuipergürtels als Hort großer und kleiner Eisbrocken passt das nicht. Ist Quaoar aus dem inneren Sonnensystem entlaufen oder das Opfer eines gewaltigen Zusammenstoßes gewesen? (Scientific American 13., Science Blogs 15.10.2009) NACHTRAG: Im März 2010 gab’s auch ein detailliertes Paper dazu.

Hubble-Daten auch vom Orcus-Vanth-System: Bei keinem Kuiperoid mit Begleiter ist dieser relativ zum Hauptkörper so groß. Eindeutig sind die Messungen nicht: Zwischen 900 und 280 bzw. 820 und 640 km ist für das Paar alles drin, je nachdem ob Vanths Albedo so große wie Orcus‘ oder nur halb so groß ist. Entsprechend kann auch das Massenverhältnis zwischen 33:1 und 2:1 liegen. (Brown & al., Preprint 26.10.2009)

Ist der Merkur aus der Venus (oder der Erde) entstanden?

Das klingt verrückt, aber in der gewalttätigen Frühzeit des Sonnensystems mag so manches möglich gewesen sein: Die Erde hat z.B. nur deswegen einen Mond, weil ein gewaltiger Impaktor sie streifend traf – bei einem Volltreffer wäre das ‚Baumaterial‘ weggespritzt und hätte sich nicht im Orbit sammeln können. Und wer weiß: Vielleicht ist der Merkur genau auf diese Weise entstanden, als fehlgeschlagener ‚Versuch‘ der Entstehung eines Venus- oder 2. Erdmondes? Auf der Weltplanetentagung in Puerto Rico wurde diese Möglichkeit im Oktober jedenfalls ernsthaft diskutiert. (Scientific American 8.10.2009)

„Zwischenfall“ im Saturnsystem vor 25 Jahren: Wie Beobachtungen während der aktuellen Kantenstellung nahelegen, befindet sich der D-Ring nicht exakt in der Äquatorebene des Planeten – da es schwierig ist, ihn als ganzes zu kippen, könnte stattdessen eine Massenumlagerung im Saturninneren seine Rotationsachse etwas verschoben haben. Nach einem plausiblen Szenario – irgendeiner Art – wird aber noch gesucht. (New Scientist 14.10.2009)

Gefrorenes Wasser auf der ganzen Oberfläche von (24) Themis

Zum zweiten Mal ist – wahrscheinlich – Eis auf der Oberfläche des Asteroiden Themis nachgewiesen worden, diesmal großflächig über sie verteilt: Es müsste in Themis‘ Sonnenabstand eigentlich längst sublimiert sein, so dass eine ständige Quelle erforderlich ist. Vielleicht befindet sich ein großer Vorrat unter der Oberfläche und wird bei Impakten immer wieder freigelegt? Ähnlich könnten die Hauptgürtel-Kometen „funktionieren“. (Science News 8., New Scientist 12.10.2009) NACHTRAG: Im April 2010 stand’s dann in Nature.