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Was wird aus der bemannten US-Raumfahrt nach den Kongress-Wahlen?

10. November 2010

Neun Monate nach der Ankündigung eines Kurswechsels in der bemannten Raumfahrt der USA sieht die Lage so aus: Beide Häuser des Kongresses haben – nach langem Hickhack – eine Authorization Bill (S. 3729) für den NASA-Haushalt der kommenden drei Jahre verabschiedet, die Präsident Obama am 11. Oktober auch unterzeichnet hat. Dieses Dokument gibt aber nur den generellen Kurs vor, der – je nach Sichtweise – weitgehend Obamas Vorstellungen entspricht oder doch Kernbereiche des Constellation-Programms (minus dem Mond als erstem Ziel allerdings) gerettet hat. Was noch fehlt, ist die zugehörige Appropriation Bill, die konkrete Freigabe der Finanzen für das – bereits seit dem 1. Oktober laufende – Finanzjahr 2011 (einstweilen gilt per Continuing Resolution der FY2010-Haushalt weiter). Hier ist nicht abzusehen, ob der alte („Lame Duck“-)Kongress – der Mitte November wieder zusammen tritt – darüber abstimmen wird oder erst der neue, bei dem bekanntlich die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu den Republikanern gewechselt ist.

Die haben im Vorfeld der Wahlen versprochen, alle ‚freiwilligen‘ Staatsausgaben auf das Niveau von 2008 zurück zu fahren, was für die NASA nur noch 17.3 statt den in der Authorization vorgesehenen 19 Mrd.$ bedeuten würde – ein Disaster nicht nur für die bemannten Aktivitäten. Aber ist die Raumfahrt aus Republikaner-Sicht überhaupt eine freiwillige oder nicht eher eine für die Sicherheit des Landes relevante Aufgabe? In einem solchem Fall würde der Sparzwang hier nicht zwingend greifen. Die Authorization Bill ist jedenfalls ziemlich „bipartisan“ und wird von beiden Fraktionen getragen: Kurz vor Mitternacht am 29. September hatte sie auch das Repräsentatenhaus mit 304 zu 118 Stimmen verabschiedet, in genau der Fassung, die bereits am 5. August der Senat abgesegnet hatte (auf eine Kompromissversion hatte man sich nicht einigen können). Danach sollen in den Jahren 2011 bis 2013 insgesamt 58 Mrd.$ für die NASA zur Verfügung stehen.

Neu gegenüber Obamas Plänen ist ein sofortiger Beginn der Entwicklung einer Schwerlastrakete für Missionen über den Erdorbit hinaus ab Ende 2016 (11 Mrd.$) mit mutmaßlich Anteilen des Shuttles und der Ares I und V – Kritiker fürchten indes, dass Geld wie Zeit bei weitem nicht reichen werden – und die Fortsetzung der Entwicklung einer dafür tauglichen Raumkapsel auf der Basis der Orion. Zugleich soll es für die Förderung kommerzieller Raumvehikel für den Flug in den Orbit nur 1.3 Mrd.$ geben, aber immerhin: Das ist der vielleicht wichtigste Punkt, den Obama durchbringen konnte. Das Primärziel dieser Transportmittel, die ISS, bleibt bis mindestens 2020 in Betrieb, und ihr US-Segment wird zu einem „Nationallabor“ ausgebaut. Und es soll einen zusätzlichen Shuttle-Flug zu ihr im Sommer 2011 geben (der rund 500 Mio.$ kostet). Viele Abgeordnete beider Seiten stimmten der Authorization nur mit Murren zu, fürchteten aber, dass im Falle eines Scheiterns die NASA gänzlich ziellos geblieben wäre. Zahlreiche Artikel gibt’s im Cosmic Mirror #338 im grünen Kasten, vom 29.9.-6.11.

Deutschland macht schon mit bei der Verlängerung des ISS-Betriebs bis 2020: Der DLR-Chef hat als erster innerhalb der ESA zu verstehen gegeben, dass man den bisher üblichen 38%igen Anteil der europäischen Kostenbeteiligung auch für die kommenden 10 Jahre tragen will, die sich auf insgesamt 3.8 Mrd. Euro beläuft. Und auch kein anderes ESA-Land hat sich bislang gegen den langen Betrieb der Raumstation ausgesprochen. (Space News 30.9.2010. Auch Space.com 1.11.2010 zur Frage, ob in den Jahren, in denen die ISS nun permanent bewohnt ist, etwas Sinnvolles erforscht wurde. Und die BBC 11.10.2010 zu vagen Ideen, außen an der ISS gewaltige interplanetare Raumschiffe zu montieren)

So oder so: Das Ende des Shuttle-Programms rückt näher

Und das unabhängig davon, ob es jetzt noch zwei (am 30.11.2010 und 27.2.2011) oder drei Flüge geben wird: Am 30. September gab Lockheed Martin bekannt, dass die Produktion der riesigen Außentanks in Michoud bei New Orleans eingestellt worden ist. Insgesamt 136 External Tanks sind dort hergestellt worden, der letzte kam am 27. September im Kennedy Space Center an. (Space.com 1.10.2010)

Eine – bescheidene – Studie über ein interstellares Raumschiff, mit dem Astronauten in 100 Jahren zu einem anderen Stern aufbrechen könnten, läuft derzeit bei der DARPA, die sich sonst um futuristische Militärtechnologie kümmert, mit einem kleinen Beitrag der NASA: Dieses „Hundred Year Starship“ hat zwar für einiges Aufsehen gesorgt, aber es geht wohl vor allem um eine mögliche Strategie, solch ein kühnes Projekt (für das noch keinerlei Technik zur Verfügung steht) über viele Jahrzehnte stabil am Leben zu halten. Private Investoren sollen dazu ins Boot geholt und eine „multigenerationale“ Begeisterung geschaffen werden … (DARPA Release, Nature Blog 28., Science Journalism Tracker 29.10., Cosmic Log 1., Centauri Dreams 2.11.2010)

Sollen die EU oder die ESA die europäische Weltraumpolitik bestimmen?

Ersteres ist die Position Frankreichs, letzteres die u.a. Deutschlands: Die unterschiedlichen Sichtweisen wurden – dem Vernehmen nach; der entsprechende ESA Press Release schweigt sich dazu aus – auf der Konferenz „A new space policy for Europe“ Ende Oktober im Europäischen Parlament deutlich. (ESA Release vs. Space News 29.10.2010. Auch Spaceflight Now 28.9.2010 über den offenbar stabilen ESA-Haushalt – und Telegraph 7. und Reuters 23.10.2010 zu neuem Kostenärger mit den Galileo-NavSats. Für die – DLR, ESA Releases 26.10.2010 – immerhin der Vertrag über ihren Betrieb unterschrieben worden ist)

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Fünf aktuelle Bilder aus dem Sonnensystem

1. Mai 2010

Die Milchstraße über der Erde, aus dem Orbit aufgenommen von Bord des Space Shuttle Discovery während der letzten Mission STS-131 – ist das das deep-sky-igste Bild eines Astronauten aus dem LEO?

Discovery & ISS huschen um die Erde, eine andere Langzeitaufnahme während der Mission STS-131.

Das erste IR-Bild der ganzen Erde durch den neuen US-Wettersatelliten GOES-15 entstand am 26. April – und hat ein deutlich besseres Signal/Rausch-Verhältnis als entsprechende Instrumente auf GOES-8 bis -12.

Opportunity sieht ferne Krater am Horizont: Auf einem Mosaik vom 28. April (Sol 2226 seit der Landung) sieht man links einen Teil des Randes des neuen Zieles Endeavour in 13 km Entfernung (Durchmesser: 21 km) und rechts den Rand des noch weiter entfernten Iazu. NACHTRAG: was man hier sehen könnte.

Im Anflug auf den Saturnmond Enceladus schoss Cassini am 26. April diese Aufnahme – einen Tag später flog die Sonde in nur 100 km Höhe vorbei und konnte dabei das Schwerefeld des Mondes vermessen: Aus den Daten erhofft man sich Rückschlüsse auf sein Innenleben, z.B. ob es tatsächlich flüssiges Wasser unter den Fontänen gibt („Die überzeugendsten Indizien …“) und ob in Enceladus‘ Tiefe Blasen aus wärmerem Eis wie in einer Lavalampe hochsteigen.

Flight Readiness Review: Start zu Hubble am 11. Mai!

30. April 2009

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Die Flight Readiness Review für STS-125, den 5. und letzten Hubble-Besuch durch einen Space Shuttle (siehe MLN C45 zur Entscheidung dazu und diesen neueren Artikel), ist heute schneller als geplant zu einem positiven Abschluss gekommen, weil die vorangegangene Shuttle-Mission ausgesprochen problemlos verlaufen war und so gut wie keine „issues“ übrig geblieben waren. Über den Verlauf der Beratungen hatte die NASA über Twitter laufend Auskunft (das gab es noch nie) gegeben. Am 11. Mai um 20:01 MESZ soll es also losgehen …

NACHTRÄGE: Spaceflight Now, ein detaillierter Press Release von Hubble Europa zur Mission und Space.com über die Crew