Posts Tagged ‘SOHO’

Nachrichten aus der Kometenwelt kompakt

10. März 2012

Komet Lovejoy zu Besuch bei der Sonne letzten Dezember auf einem hoch prozessierten Bild des SDO-Satelliten, das auch feine Koronastrukturen heraus kitzelt: Die Wechselwirkung von Sonnenkorona, -hitze und Komet(enschweif) gilt es nun zu ergründen. Ein Paper zum Überleben des Kometen in dieser Situation ist gerade erschienen.

Ungewöhnlicher Komet im Anflug auf die Sonne

Entdeckt wurde der noch nummern- und namenlose Komet von Vladimir Bezugly auf UV-Bildern des SWAN-Instruments auf dem Satelliten SOHO (nach dem er auch benannt werden dürfte): Das hat zwar im Lauf der Jahre schon manchen Kometen gesichtet, aber noch nie einen Sonnenkratzer der Kreutz-Gruppe. Doch genau so einer scheint der neue Fund zu sein, von dem es keinerlei Beobachtungen vom Boden aus gibt (und der für’s untrainierte Auge auch bei SWAN kaum zu sehen ist). Das würde für einen Kometen schwächer als Lovejoy sprechen, doch letzterer war bei SWAN nicht zu sehen – ist der Neue etwa doch größer? Hier wäre schon mal eine vage Ephemeride für die Erde: Die Elongation schrumpft nun rapide bis zum Perihel am 16. März; zuvor sollte sich der Komet auch den LASCO-Koronographen zeigen.

Komet Garradd zeigt weiterhin mehrere Schweife, wobei inzwischen der Gas- und der Gegenschweif das Bild dominieren, aber etwas vom regulären Staubschweif ist auch noch zu sehen: Bilder vom 3. bis 6. März, 5. März, 3. März, 2. März, 1. März, 29. Februar, 26. Februar (mit gespaltenem Plasmaschweif; mehr) und 24. Februar (wo der BU-Dichter das mit dem extrem aufgefächerten Staubschweif nicht begriffen hat). Und ganz neu: C/2012 E1 (Hill) – sehr sonnenfernes Perihel schon letzten Juni.

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Wie endete der große Kreutz-Sungrazer?

4. Oktober 2011

Der helle Sungrazer, der am 1. Oktober in die Sonne stürzte – hier ein LASCO-C2-Bild von 20:00 MESZ aus diesem SOHO-Archiv – ist möglicherweise auch vor der Sonne im fernen UV vom EIT des SDO gesehen worden wie ein anderer im Juli, aber sicher ist das nicht: Hier darf man selber suchen! Dass der ‚Impakt‘ des Kometen ursächlich für eine schöne Coronal Mass Ejection direkt danach war (siehe auch die beiden STEREO-Filme aus zwei verschiedenen Winkeln), wie in der BU dieses SOHO-Videos und bei SpaceWeather spekuliert wird, ist übrigens völlig unplausibel

Der hellste Kreutz-Komet, den SOHO je sichtete

2. Oktober 2011

Vor wenigen Stunden ist dieser außergewöhnliche Komet mit extrem heller Koma aber nur schwachem Schweif hinter den Koronographenblenden verschwunden: Sowohl LASCO C3 wie C2 trieb er zuvor in krasse Sättigung. Leider sorgten schwere Computerprobleme am Boden bei der NASA für große Lücken in der Bildübertragung, aber alles wurde aufgezeichnet und kommt später noch nach, so dass es einen lückenlosen Film von der Entwicklung des Kometen geben sollte. Bereits als er in das Gesichtsfeld von C3 trat, war er trotz des Sonnenabstands so hell, dass die Kometenexperten des Sonnensatelliten Alarm schlugen, und er entwickelte sich tatsächlich prächtig, auch für die STEREO-Satelliten (hier werden bald höher aufgelöste Bilder übertragen): oben Bilder von SOHOs LASCO C3 von 6:18 und 15:30 MESZ und von LASCO C2 von 16:48 MESZ am 1. Oktoner; o.l. jeweils Merkur. Sie stammen aus dieser Sammlung; die jeweils aktuellsten kann man auch als Film darstellen lassen. NACHTRAG: ein STEREO-Filmchen noch niedriger Auflösung. NACHTRAG 2: der komplettierte Sturz in LASCO C2 – und ein Einzelbild kurz vor dem Verschwinden. NACHTRAG 3: und hier ein Paar davon.

Ein Schweifabriss von Komet 45P/Honda-Mrkos-Pajdusakova am Morgen des 1. Oktober: Dieser Komet erfreut derzeit mit dem bei weitem interessantesten (Plasma-)Schweif aller sichtbaren Schweifsterne, wie Bildersammlungen einzelner Fotografen hier und hier und besonders gelungene Einzelbilder vom 1.10. und 29. (mehr und mehr), 26. (mehr), 24., 22. und 21.9. unschwer beweisen. Bei dem gestrigen Disconnection Event trat ein klassischer Schweifknick auf, wie ihn Veteranen z.B. noch Hyakutake im März 1996 kennen.

Ein Komet stürzte im Dezember beinahe auf Jupiter!

Schon kurz nach der Entdeckung des periodischen Kometen P/2011 P1 (McNaught) im August hatte sich abgezeichnet, dass er dem Planeten Jupiter sehr nahe kommen konnte (Grafik: Kometenbahn in rot, Jupiterbahn in weiß) – und jetzt ist der Orbit so genau bekannt, dass man offenbar sagen kann, dass P/2011 P1 im vergangenen Dezember nur um Haaresbreite einem Sturz in den Gasriesen entgangen ist! Der Komet schoss damals in nur 0.7 Jupiterradien Abstand über die Wolken des Planeten: Nur etwas näher dran, und es hätte wieder mal einen schönen schwarzen Fleck wie 1994 oder 2009 gegeben. Das weitere Schicksal dieses Kometen – und auch die Rekonstruktion seiner bewegten Vergangenheit – dürfte Astronomen noch einige Zeit beschäftigen …

Bilder aus der Raumfahrt – stehend und bewegt

12. Mai 2011

So sieht der neue indische Erdbeobachter Dubai: ein Ausschnitt aus einem ersten Bilder von Resourcesat-2 („Eine Rakete …“), die nun präsentiert wurden und dem Premierminister gefallen haben …

Hubble sieht den Saturn rotieren, in einer Sequenz aus sofort freigegebenen Schwarzweiß-Aufnahmen vom 11. März, die den komplexen und inzwischen rund um den Planeten ausgedehnten großen Sturm dokumentieren.

Das war der Kometensturz vor 24 Stunden – bei dem nicht nur ein größerer Kreutz-Komet sein Ende fand sondern auch ein ganz kleiner rechts neben ihm auf gleicher Höhe!

Wir kannten Dich kaum … Kometen-Abschied

11. Mai 2011

Die letzten vier Stunden, bevor der Kreutz-Komet hinter der Blende des SOHO-Koronographen LASCO C2 verschwand: von unten heutige Bilder um 0:00, 1:24, 2:36, 3:36 und 4:00 MESZ.

Heller Kreutz-Komet im Anflug auf die Sonne

10. Mai 2011

In den nächsten Stunden wird sich mit dem SOHO-Koronographen LASCO C2 verfolgen lassen, wie ein kürzlich entdeckter Komet der Kreutz-Gruppe in die Sonne stürzt: von unten SOHO-Bilder um 8:30 und 15:30 MESZ (mit LASCO C3) und 22:48 MESZ (LASCO C2).

SOHO hat seinen 2000. Kometen entdeckt!

29. Dezember 2010

Genauer gesagt der polnische Astronomiestudent Marcin Kusiak, der am 26. Dezember auf Bildern des SOHO-Instruments LASCO C2 auf zwei kleine Kometen stieß, Nr. 1999 und Nr 2000. Der Koronograph des Sonnenforschungssatelliten ist der bei weitem effizienteste Kometensucher aller Zeiten und hat in den 15 Jahren seit SOHOs Start am 2.12.1995 die Zahl der Kometen mit bekannten Bahnen glatt verdoppelt, tatkräftig unterstützt durch etliche Kometenfans, die den Bilderstrom LASCOs zuhause auswerten. Über 70 in 18 Ländern waren bisher erfolgreich, Kusiak z.B. seit 2007 auch schon über 100-mal. Bis zum 1000. SOHO-Kometen hatte es noch 10 Jahre gedauert, für das zweite Tausend nur die halbe Zeit: Zum einen suchen nun mehr, und die Bilder werden besser aufbereitet, aber die Zahl der sonnenkratzenden Kometen scheint tatsächlich zuzunehmen.

Die Sonne am 19. Dezember in vier verschiedenen UV-Wellenlängen, die unterschiedliche Schichten der Sonnenatmosphäre erfassen, aufgenommen von einem der STEREO-Satelliten.

Beijing bei Nacht von der ISS aus aufgenommen von einem Mitglied der Expedition 26: Die Stadt mit ihren ca. 12 Mio. Einwohnern ist leicht an ihrem Straßenmuster mit mehreren konzentrischen „Ringen“ zu erkennen. NACHTRAG: andersherum besser?

Sizilien zeichnet seinen eigenen Umriss in der Nacht nahezu komplett durch die Straßenbeleuchtung von Siedlungen entlang der Küste (die zumindest diese Zone der Insel zu einem Albtraum für Sternfreunde machen) – ein weiteres Nachterdbild aus der MagISStra-Serie des neu an Bord der ISS gekommenen Italieners, der bisher auch fast nur Italien abgelichtet hat … NACHTRAG: Sein Kollege Дмитрий Кондратьев bloggt derweil, seltene Fotos inklusive.

Krater im Norden des Saturnmonds Rhea, aufgenommen von Cassini am 17. Oktober aus 40’000 km Entfernung und mit Licht exakt von der Seite.

NGC 6992, ein Teil des gewaltigen Cirrus-Nebels, aufgenommen mit dem Isaac Newton Telescope im Licht von H-Alpha, O III und S II, die als Rot, Grün und Blau dargestellt werden. Der gesamte rund 5000 Jahre alte Supernovarest ist am Himmel 3° groß.

Die Galaxie Messier 33 aus Sicht des Satelliten WISE bei 3.4 bis 22 µm – wo sie deutlich größer als in sichtbarem Licht erscheint, da nun auch ein Außenbereich mit viel kühlem Staub (hier in Blau) in Erscheinung tritt. Die kleinen (hier rosa erscheinenden) Klumpen in der Galaxie sind Gebiete besonders starker Sternentstehung.

Glückwunsch, SOHO: 15 Jahre, >1950 Kometen

2. Dezember 2010

Heute vor 15 Jahren startete die ESA – mit Unterstützung der NASA – den Sonnenforschungssatelliten SOHO, der immer noch wacker den Zentralstern des Sonnensystems und seine unmittelbare Umgebung im Auge behält. Und dabei – ein unerwarteter Bonus – auch über 1950 Kometen entdeckt hat, wobei die meisten zuerst von Amateurastronomen auf den frei verfügbaren Bildern aufgespürt wurden. Und zudem etliche weitere in unmittelbarer Sonnennähe verfolgen konnte: Anklicken dieses besonders stattlichen Exemplars, C/2002 V1 (NEAT), liefert eine imposante Galerie.

Glanzvoller Abgang des 1932. SOHO-Kometen

21. Oktober 2010

Da geht er hin, der 1932. mit Hilfe des Sonnensatelliten SOHO entdeckte Komet: am 19. Oktober von Bo Zhou gefunden und um das 100-fache auf 1. Größe angestiegen, ist er heute Vormittag hinter der Blende des Koronographen LASCO C2 verschwunden (oben Bilder von 7:12, 7:48 und 8:12 UTC) und dürfte – als Mitglied der Kreutz-Gruppe – nicht wieder auftauchen. Auch ein hochauflösendes LASCO-C2-Bild, ein Film von LASCO C3 (ein Standbild) und Bilder von STEREO. NACHTRAG: ein Film auch von LASCO C2. NACHTRAG 2: mehr STEREO-Beobachtungen des Kometen.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

11. April 2010

Ein Ausschnitt aus der Galaxie M 66 im Löwen, zusammengesetzt aus Bildern der Hubble-Kamera ACS im Nah-IR, bei H-Alpha und im Grünen, aber so ‚abgemischt‘, dass ungefähr natürliche Farben herausgekommen sind. Zu erkennen sind die asymmetrischen Spiralarme und der ‚verrutschte‘ Kern der Galaxie: Daran sind wohl die beiden Nachbargalaxien schuld.

Ein kurzes Vergnügen für SOHO-„Zuschauer“ bot in der Nacht vom 9. zum 10. April ein neuer sonnenkratzender Komet, der binnen weniger Stunden kam und verging (in Bewegung). NACHTRAG: War wohl wieder mal einer aus der Kreutz-Gruppe – von der z.Z. ziemlich viele im Anflug sind.

Die Saturnmonde Janus und Epimetheus (individuell anklicken für Details!): ganz neue Rohbilder von Cassini vom 7. April aus 75’000 bzw. 102’000 km Entfernung, entstanden im Umfeld eines ungewöhnlich nahen Dione-Encounters und auch hier und hier beschrieben.

Und schon wieder hat der MRO eine Lawine erwischt, im Moment des Abgangs (siehe auch hier): Vermutlich handelt es sich bei diesem Phänomen um gefrorenes CO2, dem der kommende Frühling seine Stabilität geraubt hat – es scheint eine regelrechte Lawinen-Saison zu geben.

Ein Ausschnitt aus der ersten Aufnahme der Vollerde durch den neuesten Wettersatelliten der USA, GOES-15 („Neuester …), entstanden am 6. April – hier lohnt sich das Anklicken für die Vollversion auf jeden Fall. Nach fünf Monaten Tests wird die NASA den Satelliten der Wetterbehörde NOAA übergeben, die ihn ersteinmal in Reserve halten wird. Das Bild kommt gerade recht zum 50. Jahrestag des ersten Wettersatelliten überhaupt, Tiros 1, der nicht ganz so scharf sah und an dessen Start am 1. April 1960 ein NASA Release, ein Artikel aus New Jersey und Science 26.2.2010 S. 1085-6 erinnerten.

Hyperspektraltechnik revolutioniert die Erdbeobachtung

So hieß es jedenfalls kürzlich auf einem Kongress: Die wesentlichen Vorteile eines abbildenden Spektrometers gegenüber den operierenden Multispektralsystemen mit ihren wenigen und breiten Spektralkanälen liegen in der erheblich verbesserten Genauigkeit bei der Erfassung von Oberflächenmaterialien und in der einzigartigen Detektion von Mineralen. Pioniere waren die Satelliten EO-1 der NASA und PROBA-1 der ESA, und bald gibt’s die nächste Generation. (PM der ESA 31.3.2010)

Das Fortschreiten des Frühlings aus dem Orbit verfolgt das Medium Resolution Imaging Spectrometer auf dem Envisat, das empfindlich auf die Veränderungen an der Vegetation reagiert. Was früher nur ein Hobby von Naturbeobachtern war, ist heute ein Mosaiksteinchen mehr bei der Beurteilung der Auswirkungen des Klimawandels. (ESA Release 1.4.2010)

CubeSail: Weltraum-Besen vor erstem Test Ende 2011

Der Demonstrator passt in eine Kiste von 10 x 10 x 30 cm und kostet – inklusive Huckepack-Start – nur rund 1 Mio. Euro: der CubeSail, den die Univ. of Surrey mit Mitteln von Astrium baut und der Ende 2011 in einem 700-km-Orbit mit einem cleveren Mechanismus ein 5 x 5 Meter großes Segel mit gerade einmal 3 kg Masse entfalten soll. Erst wird damit ein bisschen Solar Sailing mit dem Strahlungsdruck der Sonne getestet, dann das Segel auf maximalen Luftwiderstand gedreht, um den winzigen Satelliten gezielt zum Absturz zu bringen. Solche Systeme könnten eines Tages routinemäßig auf Satelliten und Raketenoberstufen montiert werden, um sie nach dem Ende ihrer Missionen zügiger aus dem Orbit zu kegeln, was allerdings immer noch etliche Jahre dauert. Und eine spätere Variante – die vielleicht 2013 erprobt wird – könnte sich auch an ältere „unkooperative“ Satelliten ankleben, um deren Ende zu beschleunigen. (Univ. of Surrey Release 25., BBC, Guardian, New Scientist 26., Discovery 28., Nature Blog 29., AW&ST Blog 30.3.2010) NACHTRAG: noch ein Nachzügler.

Test des Raumgleiters X-37B weiter für den 19. April geplant: Das geheimnisunwitterte „Orbital Test Vehicle“ („Test des unbemannten …“) von 1/4 der Größe des Space Shuttle wird auf einer Atlas V starten und nach einigen Monaten aus dem Orbit zurückkehren. Weder über die technischen Details noch den Zweck des Ganzen ist viel bekannt … (Status; Spaceflight Now 2., CSM, SpacePorts 4.4.2010) NACHTRAG: Jetzt heißt es, 20. April.

Südkorea versucht es im Juni erneut

mit dem Start einer eigenen Rakete, nachdem die Premiere vergangenen Sommer gescheitert war („Fehlschlag …“): Erneut wird eine erste Stufe aus Russland angeliefert, die damals funktioniert hatte – aber dann war die Hälfte der Nutzlastverkleidung hängen geblieben. Auch die koreanische zweite Stufe hatte zwar funktioniert, aber das half dann nichts mehr. (Spaceflight Now 31.3.2010) NACHTRAG: Der Start wurde auf den 9. Juni festgesetzt – obwohl der Fehlschlag nie ganz aufgeklärt wurde.

Der erste Start einer Falcon 9 ist in den Mai gerutscht, frühestens den 8.5.: Zwar hatte der Triebwerkstest auf der Rampe am Cape im 2. Anlauf gut geklappt, doch dann war ein Problem mit der Selbstzerstörungsanlage entdeckt worden. (Status; Orlando Sentinel Blog 2., Space News, Space.com 3., Raumfahrt-Zeitung 5.4.2010)