Posts Tagged ‘Sonnenaktivität’

Sind zwei Splitter von ISONs Kern abgebrochen?

17. November 2013

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Die beachtliche Entwicklung des derzeit bei rund 5.0 mag. verharrenden Kometen seit drei Tagen – hier Bilder von Michael Jäger von heute (oben; Schweiflänge über 7°!) und gestern – hängt möglicherweise mit dem Abbrechen von Teilen seines Kerns zusammen: Wie Beobachtungen mit einem 40-cm-Teleskop auf dem Wendelstein zeigen, hat die Koma „Schwingen“ bekommen, auf einander gegenüber liegenden Seiten des Kerns. „The coma wings extended straight from the nucleus for about 4700 km on Nov. 14 and 13500 km on Nov. 16 on either side of the extended radius vector and continued in streamers of the plasma tail,“ schreiben die Beobachter um den bekannten deutschen Kometenspezialisten Hermann Böhnhardt: „No coma wings were found in similar exposures obtained on Nov. 13. The coma wings suggest the presence of two or more sub-nuclei with individual expanding atmospheres in the overall cometary coma and may indicate recent nucleus splitting in the comet.“ Eindeutig ist diese Interpretation freilich nicht, aber selbst wenn sie zutrifft, ist die weitere Entwicklung nun spannend: Während ein völliger Kernzerfall ein baldiges Ende der ISON-Show bedeuten könnte, wäre ein nur teilweiser womöglich gar eine gute Nachricht. Während sich ISON jetzt rasant den irdischen Beobachtern entzieht, kommt zunächst MESSENGER zum Zuge (Video), gefolgt von diversen Sonnen-Satelliten wie dem SDO.

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Von heute weitere Bilder vom Schweif (mehr und mehr) und Koma-Detail sowie ein Beobachtungs-Bericht, von gestern Bilder vom Schweif (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), von Komadetail (mehr) und weitwinklig (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr von hier), von vorgestern Bilder vom Schweif (106mm F5.0 with STL-11k. LRGB. L: 5x2mins. RGB: 1x2mins; negativ, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr plus ein Vergleich), von Koma-Detail (mehr) und weitwinklig (mehr und mehr), eine Zeichnung (die Story dazu) und ein Bericht, vom 14.11. der Schweif und eine Animation und vom 4. bis 13.11. diverse Zeichnungen. Auch aktuelle Helligkeits-Schätzungen, Updates zur Lage hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Außerdem noch zu Lovejoy dies, dies, dies, dies und dies und Nevski jenes und jenes – und der neue Komet C/2013 V5 (Oukaimeden), der 2014 noch interessant werden könnte.

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Ein Asteroid zerstört sich per rasanter Rotation selbst

Das ist jedenfalls die naheliegende Hypothese zur Erklärung dieser bemerkenswerten bis zu 6 ‚Schweife‘, die mit Hubble bei P/2013 P5 gefunden wurden: „The protracted period of dust release appears inconsistent with an impact origin, but may be compatible with a body that is losing mass through a rotational instability,“ schreiben die Beobachter, die „suggest that P/2013 P5 has been accelerated to breakup speed by radiation torques.“ Auch ein HST PR, eine MPG PM, ein Hangout zum Thema, Science@NASA, Amateur-Beobachtungen, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links. Sowie die Fälle 2013 US10 (NEO entpuppt sich als langperiodischer Komet) und 2002 UX25 (ein Kuiperoid mit ungewöhnlich geringer Dichte; mehr), eine Anzahl weiterer Chelyabinsk-Auswertungen, die zu Press Releases hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikeln hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier führten [NACHTRAG: noch ein Nachzügler] – und ein möglicher Schauer heller Meteore 2014.

Auf der Sonne gab es ein paar weitere X-Flares, und die Fleckenzahl konnte sich zeitweise auch blicken lassen: diverse Notizen vom 14.11., 12.11., 10.11. (mehr), 8.11. (mehr und mehr), 7.11., 6.11. (mehr und mehr) und 31.10. sowie ein PR zur Umpolung des Sonnen-Magnetfelds. Und schöne Jupiters vom 16.11. und 27.10., ein Bericht über die BoHeTa, ein Video von der VdS-Tagung – und weitere Artikel hier und hier über das mutmaßlich größte Amateurteleskop („Selbstgebautes 1.8-Meter-Teleskop fertig …“) der Welt.

IPCC erneut: Sonnenzyklus kaum Klima-relevant

27. September 2013

Pünktlich ist es heute fertig geworden, das Approved Summary for Policy Makers des Berichts der Working Group I im Fifth Assessment Report des Intergovernmental Panel on Climate Change: der umfassendsten und – wegen unzähliger Autoren – ausgewogensten Darstellung der Klima-Situation dieses Planeten. Hier sind die Schlüsselsätze im Originaltext, mit Hervorhebungen durch dieses Blog, wenn es um die – wie man schon einige ARs zuvor erkannt hat, unbedeutende und nahezu unmerkliche – Rolle der Variabilität der Sonne geht (die zugleich der einzige Weltraum-Bezug in dem vorliegenden Summary ist, alle anderen Effekte gehen auf die Variabilität der Erde selbst zurück oder menschlichen Einfluss): „Warming of the climate system is unequivocal, and since the 1950s, many of the observed changes are unprecedented over decades to millennia. The atmosphere and ocean have warmed, the amounts of snow and ice have diminished, sea level has risen, and the concentrations of greenhouse gases have increased […].

Each of the last three decades has been successively warmer at the Earth’s surface than any preceding decade since 1850 […]. In the Northern Hemisphere, 1983–2012 was likely the warmest 30-year period of the last 1400 years. The globally averaged combined land and ocean surface temperature data as calculated by a linear trend, show a warming of 0.85 [0.65 to 1.06] °C, over the period 1880–2012, when multiple independently produced datasets exist. The total increase between the average of the 1850–1900 period and the 2003–2012 period is 0.78 [0.72 to 0.85] °C […]. Total radiative forcing is positive, and has led to an uptake of energy by the climate system. The largest contribution to total radiative forcing is caused by the increase in the atmospheric concentration of CO2 since 1750 […].

The RF due to changes in solar irradiance is estimated as 0.05 [0.00 to 0.10] W/m^2. Satellite observations of total solar irradiance changes from 1978 to 2011 indicate that the last solar minimum was lower than the previous two. This results in a RF of –0.04 [–0.08 to 0.00] W/m^2 between the most recent minimum in 2008 and the 1986 minimum. […] The total natural RF from solar irradiance changes and stratospheric volcanic aerosols made only a small contribution to the net radiative forcing throughout the last century, except for brief periods after large volcanic eruptions. The observed reduction in surface warming trend over the period 1998–2012 as compared to the period 1951–2012, is due in roughly equal measure to a reduced trend in radiative forcing and a cooling contribution from internal variability, which includes a possible redistribution of heat within the ocean […].

The reduced trend in radiative forcing is primarily due to volcanic eruptions and the timing of the downward phase of the 11-year solar cycle. However, there is low confidence in quantifying the role of changes in radiative forcing in causing the reduced warming trend. […] Greenhouse gases contributed a global mean surface warming likely to be in the range of 0.5°C to 1.3°C over the period 1951−2010 […]. The contribution from natural forcings is likely to be in the range of −0.1°C to 0.1°C, and from internal variability is likely to be in the range of −0.1°C to 0.1°C. Together these assessed contributions are consistent with the observed warming of approximately 0.6°C to 0.7°C over this period. […]

There is high confidence that changes in total solar irradiance have not contributed to the increase in global mean surface temperature over the period 1986 to 2008, based on direct satellite measurements of total solar irradiance. There is medium confidence that the 11-year cycle of solar variability influences decadal climate fluctuations in some regions. No robust association between changes in cosmic rays and cloudiness has been identified.“ Hier noch eine andere Sammlung von Auszügen, und wie einer Pressemitteilung des IPCC zu entnehmen ist, wird der komplette Working Ground Report I des AR5 am 30. September veröffentlicht. 2500 Seiten, die die obigen Aussagen anhand der publizierten Literatur – das IPCC selbst forscht nicht – akribisch begründen: Über 9200 Papers wurden ausgewertet, mehr als 3/4 davon nach dem letzten AR 2007 erschienen. Weiterführende Artikel zum Summary z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRÄGE: AGU und GSFC Releases, ein Interview mit Autoren, Artikel & Kommentare hier, hier und hier, Radio-Interviews hier, hier und hier und mehr Links hier und hier.

Diese Zacken sollen eine Rolle der Raumfahrt bei der Entstehung von NLCs zur Zeit beweisen …

12. Juli 2013

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Das ist das Schlüsseldiagramm aus Siskind & al., „Recent observations of high mass density polar mesospheric clouds: A link to space traffic?“, Geophys. Res. Lett. 40 [2013] 2813-7, das in den letzten Tagen z.B. hier, hier, hier, hier oder hier ernst genommen oder gar als bedeutend gefeiert wurde – aber zu Recht? Aufgetragen sind jeweils für die Nordsommer der Jahre 2007 bis 2012 in grau die Sonnenaktivität (repräsentiert durch den gemittelten Radiofluss der Sonne) und in schwarz und weiß zwei Maße für die Intensität der dann immer auftretenden mesosphärischen polaren Wolken, wie sie der Satellit AIM (siehe ISAN 39-2) von oben bzw. der Seite schauend bestimmt hat: Der Rand dieser Wolken erscheint auch Beobachtern am Boden als die berühmten Leuchtenden Nachtwolken oder NLCs (auf die derzeit jede Nacht viele Sternfreunde warten). Doch die Forscher beschränkten sich ganz auf die AIM-Daten und haben deswegen – erstes Problem – nur sechs Jahre zum Vergleichen.

Die Erwartung ist, dass die Mesosphären-Wolken bzw. NLCs mit steigender Sonnenaktivität abnehmen, weil die dann verstärkte UV-Strahlung der Sonne die Wassermoleküle in der Hochatmosphäre zerstört und auch generell die Temperatur der letzteren ansteigen lässt: Dieser Effekt wird auch seit Jahrzehnten beobachtet, zzgl. eines mysteriösen langsamen Anstiegs der Basislinie, und auch in der AIM-Ära sind die Wolken und die Sonnenaktivität in den Jahren 2007 bis 2010 „planmäßig“ antikorreliert, mit einem problemlos erklärbaren Wolken-Peak 2008. Aber warum gab es im Nordsommer 2011, just als endlich die Sonnenaktivität anstieg, viel mehr Mesosphärenwolken? Siskind & Co. ist nun aufgefallen, dass im Nordsommer 2011 durch den (allerletzten) Shuttle-Start im Juli wesentlich mehr Wasserdampf in die Hochatmosphäre eingebracht wurde als 2010 und 2012. Das würde ja passen, aber – zweites Problem – auch im Juli 2009 gab es einen Shuttle-Start mitten der Nord-Saison der Wolken und sogar noch andere Starts mit Wasserdampf. Aber die Wolken reagierten damals überhaupt nicht!

Das versuchen die Autoren durch „lower thermospheric dynamics“ zu erklären, die den Transport des Shuttle-Dampfs in die Polregion verhindert hätten, aber überzeugt das? Die 2012 weiter hohe Wolkenintensität nach Ende des Shuttle-Programms wiederum schreiben sie – unbehaglich – Soyuz-Raketen zu. Drei Fälle, und es passt nur einmal gut … Eine Rückfrage an Siskind am Naval Research Lab der USA, warum keine NLC-Beobachtungen aus der gesamten Raumfahrtgeschichte und noch früher zwecks mehr Statistik herangezogen wurden, misslang heute leider – als überraschende Folge der anhaltenden US-Finanzkrise: „Due to the government sequestration and subsequent furlough of DoD employees, this email will not be read on Fridays.“ Der Hauptautor im Zwangsurlaub … aber eines ist schon jetzt klar: Auch fünf populäre Artikel – von denen sich kein einziger mal der sehr überschaubaren Daten selbst und ihrer Probleme annahm – ersetzen nicht die Lektüre des Original-Papers, das in diesem Fall leider hinter einer Paywall versteckt ist. Dank daher auch an einen Kollegen, der es kurzfristig denjenigen zugänglich machte, die es wirklich wissen wollten – und an einen NLC-Fan, der weitere Quellen parat hatte.

Der Zustand der Sonne in ihrem 24. Maximum

12. Juli 2013

war gestern Gegenstand einer Pressekonferenz während der Jahrestagung der Solar Physics Division der American Astronomical Society – von der leider nur die Visuals vorliegen und weder eine Aufzeichnung noch weiteres Textmaterial. Aber auch diese Grafiken sind angesichts der seltsamen Entwicklung der Sonnenaktivität („Weiterer Verlauf des 24. Sonnenzyklus …“) der letzten Jahre interessant:

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Dem längsten Sonnenminimum der letzten 100 Jahre folgt(e) das schwächste Maximum der letzten 50 Jahre – und die beiden Hemisphären der Sonne verhalten sich ungewöhnlich asymmetrisch.

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Dabei hat das ungewöhnliche Betragen der Sonne bereits im 23. Zyklus begonnen: Die Hemisphären-Asymmetrie existiert schon seit dem Jahr 2005 …

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… und im 23. Zyklus gab es bereits signifikant weniger große Fleckengruppen als im 22. Zyklus – deren Defizit hat sich allerdings im 24. Zyklus noch deutlich verstärkt.

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Eindeutig ist auch die Korrelation der Zyklenstärke (geglättete Fleckenzahl unten) mit der Stärke der polaren Magnetfelder im vorangegangenen Minimum (oben für beide Hemisphären in Gauß), die gewissermaßen die Saat der Aktivität bilden: Dem 22. Zyklus gingen starke, dem moderaten 23. Zyklus mittlere und dem schwachen 24. Zyklus schlaffe Pol-Felder voraus.

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Auch das Schmetterlings-Diagramm dokumentiert den ungewöhnlichen Zustand der Sonne: Normalerweise überlappen sich Zylen 2-3 Jahre (es sind also schon eine Weile Flecken des neuen in hohen Breiten zu sehen, während der andere äquatornah ausläuft) – aber der verspätet gestartete 24. Zyklus ganz rechts überlappte sich mit dem 23. so wenig, wie es seit Vorliegen entsprechend guter Flecken-Daten seit 1874 noch nie der Fall war. Und all das bedeutet? Wissen wir nicht, ist – den PK-Folien nach – wohl die Meinung: Insbesondere als Vorbote eines neuen Maunderminimums der Sonnenaktivität sollte der aktuelle Zustand der Sonne wohl nicht gesehen werden. Vielleicht manifestiert sich einfach nur ein ungefähr 100-jähriger Meta-Zyklus der Sonnenaktivität (wie ihn schon 1939 Gleissberg vermutete): Die ersten Zyklen der letzten drei Jahrhunderte waren immer schwach ausgefallen. NACHTRÄGE: späte Artikel zu PK & Tagung hier, hier, hier, hier und hier (Frontpage – au weia).

„Zugabe“ gerufen – fette Feuerkugel bekommen

22. April 2013

Das hätte sich die argentinische Folk-Band Los Tekis auch nicht träumen lassen, als sie weit nach Mitternacht – gestern morgen – ihr Konzert in Santiago del Estero im Norden des Landes gerade beenden wollte. Just als das Publikum nach einer Zugabe rief, es war gegen 3:20 Uhr früh, flammte hinter der Bühne eine beeindruckende Feuerkugel auf, die dem Zuschauer Matías Díaz mit auf sein Video (oben) geriet: eine der besten Aufzeichnungen des kosmischen Besuchers, der in weiten Teilen Nordargentiniens gesehen wurde; hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier weitere Clips und Zusammen-Schnitte. Die Band beschreibt hier selbst, wie das so war, auch eine Quellen-Sammlung und Artikel auf Spanisch hier, hier und hier und auf Englisch hier, hier und hier: Der in die Atmosphäre eingetretene Körper dürfte nur ein paar Dezimeter groß gewesen sein, es hing noch in der Morgendämmerung ein verwirbelter Contrail am Himmel, und Meteoritenfälle scheinen denkbar. [NACHTRÄGE: Warum da mitten in der Nacht ein Konzert war, der Bolide als animated GIF (aus diesem Artikel) und weitere Erkenntnisse & Spekulationen]

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Das vergangene Jahr innere Sonnenkorona aufaddiert aus 25 Aufnahmen des Solar Dynamics Observatory bei 17 nm Wellenlänge (die einer Plasma-Temperatur von 600’000 K entsprechen) zwischen dem 16.4.2012 und 15.4.2013: Die Konzentration der Sonnenaktivität auf zwei Breitenbereiche beiderseits des Äquators tritt so viel klarer hervor als in einem Zeitraffervideo – Bild anklicken – aus viel mehr dieser Aufnahmen, das die inzwischen verstrichenen drei Jahre seit dem First Light im Frühjahr 2010 abdeckt.

Wie aus Hubble-Rohbildern eine große Visualisierung wird

In der vergangenen Stunde hat dies das Space Telescope Science Institute vorbildlich anhand des neuen Pferdekopf-Nebels von der WFC3 erklärt: Erstaunlicherweise zeigen die einzelnen 18 Rohbilder … nichts! Erst nach Abzug von Artefakten, Kontrasterhöhung, Entzerrung, Mosaik-Bildung und noch einigen Arbeitsgängen mehr kommt schließlich das spektakuläre (Falsch-)Farbenbild heraus, mit dem der 23. Jahrestag des HST-Starts gefeiert wird. [NACHTRAG: Ein weiteres Produkt war dann diese Quasi-3D-Animation des WFC3-Bildes.]

Gespannte Ruhe vor den nächsten zwei CMEs

11. März 2012

Nachdem die Aktivitätsregion 1429 gestern abermals zwei M-Flares abgesondert hat, der zweite um 18:44 MEZ mit erdgerichteter Coronal Mass Ejection (Video), laufen nun zwei dieser Plasmawolken auf die Erde zu, wie dem aktuellen USAF/NOAA Report zu entnehmen ist (den jeweils aktuellsten gibt’s hier): Während die CME vom 9. März heute eintrifft (aber als nicht besonders potent gilt), kommt die gestrige am Montag um 19:00 MEZ ±7 Stunden an. Erst am 13. März dürfte sich die Lage wieder beruhigen: Derzeit aktive Meteoros-Threads sind dieser, dieser und dieser. Links zum gestrigen Flare (Röntgenkurve, CME, Kombi-Grafik), einem weiteren Flare (fast M-Stärke) in einer neuen Gruppe, der Situation spät am 9. März (NOAA-Video dazu), Aurora-Bildern aus Ozeanien, dem Ende des ersten Sturms (Nachgedanken), weiteren mutmaßlich assozierten Polarlicht-Bildern (mehr, aus einem Flugzeug, mehr) – und ein bizarrer UPI-Artikel, der die aktuelle Aktivität, den Japan-Tsunami vor einem Jahr und die olympischen Sommerspiele ‚gekonnt‘ zu einem Horror-Brei verrührt …

Live-Blog zu Sonnenflare & CME vom 23. Januar

24. Januar 2012

Die Polarlichter ziehen es vor, im hohen Norden zu bleiben, wie hier auf einem Fischaugen-Webcam-Bild aus Tromsø (70°N) von vor einer Stunde – auch aus Trondheim (63°N) gab es noch nette Bilder, aber mit schon tiefer im Norden liegenden Vorhängen, während es z.B. aus Schottland bisher nur arg tiefer gelegte Aurora (auf 58°N) und aus Deutschland gar nur marginale fotografische Nachweise von Glühen direkt am Horizont gibt. Hat also der große ‚Sturm‘ – hier mal Flare & CME in Bewegung – bis auf verlegte Pol-Flugrouten (dito) wenig gebracht, außer dass man mal wieder über Flare-Klassen und Aurora-Mechanismen nachgedacht hat. Vielleicht kommt ja noch was: Wer mag, kann noch ’ne Weile das AKM-Polarlicht-Forum, das Webcam-Netz des IAP und weitere Cams oder diese und diese solare FB-Seite weiter im Blick behalten. [23:55 MEZ – Ende]

Noch nicht mal in Bergen (auf 60°N) ist etwas zu sehen

So ist es einem Kommentar zu dieser Statusmeldung in Sachen Sturm zu entnehmen – zwar liegt der Kp-Wert inzwischen bei 5, aber es gibt nach wie vor nur einen schwachen geomagnetischen Sturm der Kategorie G1 und keine erkennbaren Aussichten auf „Besserung“. Na, können sie in San Diego ja beruhigt sein – und in Deutschland warten sie weiter und glauben immerhin vage Anzeichen an der Ostsee gesehen bzw. fotografiert zu haben. [21:20 MEZ]

Noch tut sich nichts in mittleren nördlichen Breiten, wie auch diese für 21:05 MEZ modellierte Lage des Auroraovals oder dieser Stackplot norwegischer Magnetometer (mit bislang keinen nennenswerten Ausschlägen im Süden des Landes) zeigen. Was z.B. diese nordschwedische Kamera in den letzten Stunden sah, ist ‚das Übliche‘ für Orte nahe des normalen Auroraovals, wie auch die Aufnahmen dieses Bloggers vom letzten Jahr (ohne nennenswerte Sonnen-Action) verdeutlichen: Ein Bezug zum CME-Impakt wie hier oder hier hergestellt ist kaum gegeben. Weitere mehr oder weniger recherchierte Artikel ‚zur Lage‘ hier (erweitert aus diesem Text), hier, hier, hier und hier – und heutige Press Releases der ESA zur CME (da war sie übrigens längst angekommen – ’situational awareness‘?), der AGU zu Plasma im erdnahen Raum und des NRL zu einem Instrument für den Solar Orbiter. [20:50 MEZ]

Der stärkste solare Strahlungssturm seit Oktober 2003

findet im Augenblick statt, melden die US-Weltraumwetter-Wächter soeben: „After the arrival of the CME earlier today, the 10 MeV flux again increased and we were at around 6300 pfu. This is now the largest Solar Radiation Storm since October 2003.“ Gemeint sind energiereiche Protonen von der Sonne. „20 Personen gefällt das“ … [17:45 MEZ]

Ankunft des koronalen Massenauswurfs von gestern an der Erde, erkennbar im heftigen Ausschlag eines Magnetometers auf den Lofoten (Nordnorwegen) heute kurz nach 16:00 MEZ. Und nun? In Kürze wird es in Europa dunkel – und wenn der eigene Himmel nicht mitspielt, gibt es immer noch eine Menge empfindliche Webcams, z.B. hier, hier (DSLR = besonders hohe Bildqualität) oder hier. [17:25 MEZ]

Die CME hat die Erde erreicht – die Spannung steigt

In diesen Minuten tritt die Coronal Mass Ejection in Wechselwirkung mit der Erdmagnetosphäre, nachdem sie um 15:33 MEZ den Satelliten ACE – 1.5 Mio. km ‚vor‘ der Erde – passiert hatte. „Interplanetares Magnetfeld bei rund 50nT Gesamtstärke“, hieß es gerade in einem Rundschreiben von U. Rieth vom AKM, wo jetzt ein neuer Forums-Thread die weiteren Entwicklungen begleitet: „Das ist ein extremer Wert. Ausrichtung beim Schock noch nordwärts, aber bei der Heftigkeit des Sonnenwindes dürfte das egal sein. Ich rechne mit Polarlicht in ganz Deutschland heute Abend, sollten die Magnetfeldwerte in der Stärke so bleiben.“ Weitere Berichte hier und hier – und zur Einstimmung auf (hoffentlich) Kommendes noch mal das wohl beste Bild vom 22.1. mit mehr Details zu den Umständen sowie weitere Bilder aus der Serie. [16:40 MEZ]

Bringt dieser Flare Polarlichter für Mitteleuropa?

Am Morgen des 23. Januar (UTC) hat die Aktivitätsregion 1402 auf der Sonne einen starken Flare (Klasse M9) samt einem ziemlich erdwärts gerichtetem und über 2000 km/s schnellen koronalem Massenauswurf (CME) produziert, der bereits heute gegen 15:00 MEZ die Erde treffen dürfte – wo sich etwa beim AK Meteore seit dem Morgen helle Aufregung breit macht. Und das wiederum gilt Beobachtern als relativ verlässliches Indiz, dass etwas Großes bevorstehen könnte. Die amerikanischen Weltraum-Wetter-Wächter sprechen derzeit sicher von einem geomagnetischen Sturm der – moderaten – Stärke G2, vielleicht auch einem starken G3: Hier gibt’s alle Daten auf einen Blick. Schon seit etlichen Stunden tobt der stärkste Protonen-Sturm seit Mai 2005, der ungefähr jetzt sein Maximum erreicht haben dürfte – mit vereinzelten Auswirkungen auf den Flugverkehr. Ein paar Status- und Vorschau-Artikel hier, hier, hier und hier, auch zu den Folgen für die Raumfahrt. Bereits in der Nacht vom 22. zum 23. Januar hatte eine CME vom 19. Januar zu auffälligen Polarlichtern ab dem Norden der britischen Inseln geführt, etwa in Northumberland (55°N), Irland und Schottland (jeweils 56°N) – weitere Bildersammlungen hier, hier, hier und hier. Das, da sind sich alle Aurora-Kenner einig, sollte in den kommenden 24 Stunden noch zu toppen sein. [1:05 MEZ]

Der größte Flare des Zyklus – aber fast am Rand

9. August 2011

Er erreichte eine Stärke von X6.9 und war damit der stärkste Sonnenflare des laufenden Zyklus, in dem es erst der dritte X-Flare war, und stärkste überhaupt seit 2006: weitere Videos hier (eine Mini-Doku) und hier von dem Ereignis heute morgen um 10:05 MESZ. Da die verursachende Aktivitätsregion 1263 schon fast am Sonnenrand angekommen war, sind Auswirkungen auf die Erde nicht zu erwarten; lediglich die direkte Strahlung hatte einen kleinen Effekt auf den Funkverkehr. Von dem großen Polarlicht-Ausbruch am Wochenende gibt’s derweil auch eine Minianalyse, ein Video aus Kanada (noch eins) und Fotos aus Montana und Schottland.

Mehr Indizien für schlappen 25. Sonnenzyklus

14. Juni 2011

Es war bereits vor 6 Wochen hier zu lesen („Steht die Sonne vor einem neuen Dalton-Minimum?“), damals auf einer einzigen kuriosen Analysetechnik der Sonnenfleckenzahl basierend – aber jetzt sind gleich drei weitere unabhängige Methoden zu dem selben Schluss gekommen: Nicht nur wird – was man schon lange ahnt; siehe z.B. ISAN 118-6 – der laufende 24. Sonnenzyklus eher schlapp ausfallen, der folgende 25. könnte noch schwächer werden und vielleicht gar nicht in Erscheinung treten. Das gerade beginnende Maximum wäre dann das letzte für einige Dekaden. NACHTRAG: Oder auch nicht – eine detaillierte Gegendarstellung nach 24 Stunden …

Weitere größere Artikel

Supernova in M 51: die spannende Entdeckungsgeschichte der SN 2011dh.

Erste Bilder des neuen VLT Service Telescope
auf dem Cerro Paranal.

»Vermisster« Spiralarm der Milchstraße gefunden in Radiodaten von der ‚anderen‘ Seite.

Einsamer Stern mit 150 Sonnenmassen in der LMC mit unklarer Herkunft.

Kürzere Artikel

Im April 2013 ein sehr heller Komet tief am Himmel? Erste vage Bahn von C/2011 L4 (PANSTARRS).

Centaur 174/Echeclus im Ausbruch mit strukturierter Koma.

Konfusion um die Draconiden 2011: eher 1000 oder 5 Meteore pro Stunde?

Planet von β Pic sorgt für neue Überraschung: doch nicht der Scheibenstörer.

Optische Interferometrie bei ganz schwachen Quellen am VLTI durch blinde Analyse.

Die Sonne ist nicht beängstigend inaktiv: Sie kehrt nur zur Normalität zurück

19. März 2010

Auch wenn es mit der Sonnenaktivität nun wieder deutlich aufwärts geht: Das lange und tiefe Minimum warf so manche Fragen auf – die der prominente Sonnenforscher Sami Solanki heute im letzten Plenarvortrag der DPG-Tagung in Bonn zum Teil beantworten konnte. Das Minimum war tatsächlich ungewöhnlich, mit doppelt so vielen fleckenfreien Tagen (nämlich >800) als im Schnitt der vorangegangenen 8 Minima. Die Gesamtstrahlung der Sonne (TSI) war – geglättet – geringer als irgendwann seit Beginn der direkten Messungen im Orbit, und der magnetische Fluss sank auf die Hälfte des Wertes der vorangegangenen 5 Minima. Doch TSI wie Fluss wie Länge des Minimums sind nur im 20. Jahrhundert ohne Beispiel: Im 19. Jahrhundert hat sich die Sonne durchweg so verhalten wie jetzt!

Der vermeintliche Einbruch – der nebenbei drastisch vor Augen führt, dass die Sonnenaktivität nichts mit der globalen Erwärmung („Schwankungen der Sonnenleuchtkraft …“) zu tun hat; s.a. ISAN 106-5 – kann vielmehr als Abschied der Sonne von einem „Großen Maximum“ gedeutet werden, das 60-70 Jahre währte, und Rückkehr zur Normalität. Wie sie im 19. Jh. und überhaupt dem Großteil des Holozäns herrschte, dessen im letzten Diagramm geplottete Sonnenfleckenzahlen natürlich nicht von Höhlenmenschen beobachtet sondern aus radioaktiven Spuren rekonstruiert wurden. Was übrigens den Sonnendynamo zu seinen langfristigen Schwankungen treibt, konnte auch Solanki nicht sagen: Vielleicht steckt eine generelle Instabilität an der Grenze zwischen Strahlungs- und Konvektionszone der Sonne dahinter, wo der globale Dynamo lokalisiert ist.

Mit großen und kleinen Experimenten auf der Suche nach „Neuer Physik“

Auf einer der letzten Sessions der DPG-Tagung gab es heute von so manchem Experiment zu hören, das demnächst vielleicht Hinweise auf exotische physikalische Phänomene finden – oder diesen zumindest neue Grenzen zuweisen – und dabei womöglich den lang gesuchten Weg zu einer Theory of Everything weisen könnte.

  • Der Large Hadron Collider – dessen Protonenstrahlen just heute morgen erstmals 3.5 TeV Energie erreichten; siehe CERN und STFC Releases und Artikel von Physics World, Discovery, Telegraph, BBC, Cosmic Variance, Spiegel und Science Blogs – könnte, wenn es zusätzliche Raumdimensionen geben sollte, extrem kurzlebige (10^-26 Sekunden!) und winzige Schwarze Löcher produzieren, weil die Schwarzschildradien der kollidierenden Protonen dann erheblich größer wären und einander berühren könnten. Wie Berechnungen zeigen, wären die Signatur des explosiven Zerfalls dieser Löchlein erstaunlich einfach nachzuweisen: Die Suche hat bereits begonnen. (T54.4)

  • Es muss nicht immer ein Experiment sein, das mehrere Milliarden Euro kostet: Mit vom LHC-Projekt für lau ausgeliehenen starken Magneten und Lasern spürt das Experiment OSQAR am CERN mit einem Etat nahe Null der nie gemessenen magnetischen Vakuum-Doppelbrechung der QED aber auch Axionen nach, einem Kandidaten für die Dunkle Materie des Universums. Dummerweise ist der 18-Watt-Laser gerade kaputt gegangen: Wer einen ungepulsten Laser für sichtbares Licht mit 10-20 Watt Leistung übrig hat, möge sich melden … (T54.2)

  • Astrophysikalische abbildende Cherenkov-Teleskope, namentlich H.E.S.S. in Namibia, könnten nebenbei auch magnetische Monopole nachweisen: Diese müssten eine Menge Cherenkov-Strahlung aussenden und dabei – im Gegensatz zu ’normalen‘ Teilchenschauern – nur wenige Pixel der Kameras in charakteristischer Weise triggern. Gefunden wurde bisher nichts, und diese Nachweistechnik ist auch generell viel unempfindlicher als es ein direkter Fang von Monopolen in Neutrinoteleskopen sein sollte – aber es handelt sich um eine unabhängige Technik, die bei künftigen Cherenkov-Teleskopen immerhin 10-mal besser empfindlicher sein sollte. (T54.3)

Abgesehen von der gezielten Suche nach speziellen Partikeln oder Phänomenen (wovon es auf der Tagung noch einiges mehr zu hören gab), kann man aber auch ‚blind‘ nach ungewöhnlichen Phänomenen suchen, wie sie im gewaltigen Datenstrom des LHC auftauchen dürften: Dafür die richtigen statistischen Kriterien zu finden, die weder zuviel Insignifikantes durchlassen noch potenzielle Entdeckungen unterdrücken, ist freilich nicht leicht. (T54.8)

Pulsare sind das ultimative Labor zur Erforschung der Schwerkraft an sich und insbesondere Tests, ob die Allgemeine Relativitätstheorie die endgültige Antwort ist: Das machte Michael Kramer im vorletzten Plenarvortrag der DPG-Tagung (s.o.; PV IX) deutlich. Vor allem Pulsare mit Begleitern und insbesondere der Binärpulsar stellen derart extreme Systeme dar, dass subtile relativistische Effekte, die im Sonnensystem Jahrmillionen brauchen, hier binnen Jahre beobachtet werden können. Mehrere post-Kepler’sche Bahnveränderungen lassen sich messen und für direkte Tests der ART einsetzen – die bisher unangefochten bleibt. Insbesondere das sehr genau beobachtbare Verhalten einer Scheibe um einen der beiden Pulsare, die zeitweise den anderen Pulsar verfinstert, gibt eindeutige Antworten.