Posts Tagged ‘Stardust’

Stardust-Mission vorbei: nützlich bis zum Ende

26. März 2011

Wie schon lange angekündigt („Stardust hat …“), ist die über 12-jährige Mission der NASA-Sonde Stardust, die den Asteroiden Annefrank und die Kometen Wild 2 und Tempel 1 besuchte, in der Nacht zum 25. März mit einem technischen Experiment beendet worden: Nach dem Abschluss der Fernbeobachtungen des letzteren Kometen wurde das Triebwerk so lange eingeschaltet, bis auch der geringe Resttreibstoff verbraucht hat. 146 Sekunden hat es gebrannt, von „wenigen bis 10“ Minuten hatte die Voraussage gereicht: Nun kann man analysieren, welches Verfahren zur Füllstandsberechnung des Tanks am besten war. Direkt nachdem das Triebwerk schwieg, wurde der Sender Stardusts um 0:33 MEZ endgültig abgeschaltet: So wird verhindert, dass die Sonde zufällig noch einmal Signale von sich gibt und andere stört. Ihre Flugbahn bringt sie weiterhin gelegentlich in Erdnähe, aber ein Mindestabstand von 2.7 Mio. km bleibt gewahrt. JPL Releases 23., 24., Spaceflight Now, New Scientist, Space.com, Nature Blog, Planetary Society Blog, Space Today, Spiegel 25.3.2011. Und Planetary Society Blog 10. und Space.com 21.3.2011 zu ein paar vagen neuen Einsichten über Hartley 2 nach dem Deep Impact-Besuch

Analyse der Hayabusa-Teilchen bestätigt erste Erkenntnisse

Wie bereits letzten Herbst berichtet, entspricht die Mineralogie der winzigen Partikel, die die japanische Sonde Hayabusa vom Asteroiden Itokawa mitgebracht hatte, LL-Chondriten, die damit direkt Kleinplaneten des Typs S zugeschrieben werden können. Die auf unkonventionelle Weise in den Probensammler gelangten Partikel (der eigentliche Mechanismus hatte versagt) wurden genau so kreativ wieder hervor geholt: Manche wurden ausgeschabt, andere durch wiederholte Schläge mit dem Griff eines Schraubenziehers heraus geklopft. Die meisten der 1500 Teilchen (die meisten 10 µm oder kleiner, das größte 180 µm) können tatsächlich Itokawa zugeschrieben werden – und die Detailanalyse zeigt, dass viele der per se besonders primitiven Partikel im Laufe ihres Lebens einer starken thermischen Metamorphose ausgesetzt waren: Der Mutterkörper war einmal sehr heiß geworden. Organisches Material war dementsprechend nicht zu finden, dafür aber eingelagerte Edelgase aus dem Sonnenwind: Die Teilchen waren auf Itokawas Oberfläche lange dem freien Weltraum ausgesetzt, und Prozesse der Weltraum-Verwitterung lassen sich an ihnen untersuchen. (PSRD Spark Feb., Spaceflight Now 13., Planetary Society Blog 16., Space.com 21.3.2011. Und Universe Today 22.3.2011 zu Bebenschäden in einem Labor, wo Hayabusa’s Proben untersucht werden)

Letzte Testaufnahmen der Kameras der Dawn-Sonde vor ihrem vorübergehenden Eintritt in den Vesta-Orbit in vier Monaten („Dawn nähert sich …“) und die Wiederinbetriebnahme aller drei Instrumente sind ohne Probleme verlaufen; drei Tage lang wurden die beiden in Deutschland gebauten Kameras eingehend überprüft. (MPS, JPL Releases 21., Universe Today 23.3.2011)

Der Kern von Tempel 1 – nochmal ganz anders

20. Februar 2011

Als Ergänzung zu der groben Animation des Tempel-Kerns hier eine von Daniel Macháček gemorphte Version aus 12 Stardust-Bildern – lohnt auch in HD zu betrachten (via „YouTube“-Button; ‚360p‘ auf ‚720p‘ umstellen)! Und es gibt die Staub-Treffer zu hören

Die linke Hälfte eines Panoramas des Sonnensystems von MESSENGER, entstanden letzten November: Anklicken liefert das komplette Bild, das an Voyagers Panorama 20 Jahre früher erinnert; Uranus und Neptun fehlen leider.

Italien aus Sicht von Envisats Medium Resolution Imaging Spectrometer am 25. Januar mit 300 Metern Auflösung.

Der Tempel-Vorbeiflug einmal ganz anders!

17. Februar 2011

NASA / JPL / Cornell / animation by Emily Lakdawalla

Aus den Bildern der Vorbeiflugs-Sequenz von Stardust an Tempel 1 hat Emily Lakdawalla von der Planetary Society hier – von Hand – eine Animation hergestellt, bei der die Änderung von Abstand und Orientierung mehr oder weniger eliminiert wurde: Heraus kommt eine Art Rotationsfilmchen, natürlich mit konstanter Beleuchtungsrichtung.

NASA / JPL / Cornell / composite by Ian Regan

Um den sehr flachen Impaktkrater besser sichtbar zu machen, sind hier mehrere Stardust-Bilder gestackt und der Kontrast gesteigert worden: Jetzt kommt er doch ganz ordentlich zum Vorschein.

NASA / JPL / Cornell / processed by Emily Lakdawalla

Und hier wurde bei einem Bild 15 Sekunden vor der größten Annäherung der Kontrast bis an die Schmerzgrenze angehoben: Vier Jets werden sichtbar; Experten haben in den Originaldaten sogar fünf Gas- und Staubstrahlen aus dem Kern ausgemacht. Nachdem die anfangs konfuse Übertragung der Bilder und anderen Daten vom Flyby erfolgreich beendet wurde, ist Stardust inzwischen in einem Beobachtungsmodus zurückgekehrt und schaut noch so lange auf den Kometen zurück, bis der Principal Investigator keine Lust mehr hat …

Stardust: Nahaufnahmen sind da – und der Krater?

15. Februar 2011

In der vergangenen Stunde sind Stardusts Bilder der größten Annäherung an den Kern von Tempel 1 in der Sammlung erschienen – detailreicher als viele erwartet hatten: eine beeindruckende Animation der ersten 30 Bilder (und gleich noch eine). Die Sonde ist also „auf der richtigen Seite“ des Kerns vorbei geflogen, aber wo ist nun der Krater, den vor 5 1/2 Jahren der Impaktor von Deep Impact schlug? Zur relativen Orientierung hilft z.B. diese Montage; dass dies Auswurfmaterial aus dem Krater sei, hat sich bereits als Irrtum herausgestellt. Auch im Deep-Impact-Team sehen sie nichts Offensichtliches. In 2 1/2 Stunden wissen wir vielleicht schon mehr: Die Pressekonferenz ist soeben für 21:30 MEZ angesetzt worden.

Stardust bei Komet Tempel 1: ein Live-Blog

15. Februar 2011

Erste 5 der 72 Bilder eingetroffen, TV-Sendung beendet, Pressekonferenz verschoben

Am JPL verstehen sie immer noch nicht, warum Stardust seine Bilder in chronologischer Reihenfolge schickt (hier das 5. Bild, aus 2280 km Distanz; herangezoomt) und nicht die Nahaufnahmen zuerst, aber man lässt die Sonde gewähren. Die Livesendung auf NASA TV ist um 10:45 MEZ beendet worden, während die Bilder weiter hier erscheinen (die neuesten = näheren unten) – und die Pressekonferenz wird auf frühestens 22:00 MEZ verschoben: Dann soll es Interpretationen der Nahaufnahmen und auch der Staubmessungen Stardusts geben. [10:50 MEZ – Ende des Live-Blogs]

Stardust-Wissenschaftler warten auf ihre Daten und die ersten Bilder – ganz links das deutsche Urgestein der Kometen-Raumfahrt Jochen Kissel, dessen Staubanalysator CIDA auf Stardust auch während des Tempel-1-Encounters wieder eingeschaltet war. Ein Screenshot aus der TV-Übertragung von F. Marchis. [10:40 MEZ]

Stardust hat das falsche Bild geschickt …

Das ist der Kern von Tempel 1 – leider aus großer Distanz, denn unerklärlicherweise hat Stardust nicht zuerst die 5 Bilder rund um die größte Annäherung geschickt, sondern mit dem allerersten der Flyby-Sequenz begonnen. Offenbar kommen die nun in chronologischer Reihengfolge – was bedeutet, dass die Nahaufnahmen erst in etwa 6 Stunden zu erwarten sind! Nun könnte man Stardust anfunken, gefälligst die Nahaufnahmen vorzuziehen, aber das ist der Mission Control zu riskant. So muss man eben warten … und bis zur nach wie vor um 19:00 MEZ geplanten Pressekonferenz sollten die besten Bilder ja da sein. Nur Zeit zum Interpretieren wird dann weniger geblieben sein. [10:23 MEZ] Die einlaufenen Bilder sind nun auf der JPL-Seite der Mission zu sehen; wie befürchtet ist auch das zweite wieder eine Aufnahme aus großer Distanz. Es könnte auch sein, dass man die Pressekonferenz verschiebt. [10:28 MEZ]

Das erste Bild ist offenbar auf der Erde …

… aber zu sehen gibt’s immer noch nichts, weil es noch 10 bis 15 Minuten lang verarbeitet werden muss. Hmm, zu Voyager-Zeiten erschienen die Rohbilder aus den Tiefen des Sonnensystems einfach so ‚live‘ auf den Bildschirmen, und für alle (Wissenschaftler wie Öffentlichkeit) gleichzeitig. Ja, die 1980-er … [9:55 MEZ] Das zweite Bild, das herunter gelanden wird, soll jedenfalls das von der größten Annäherung an den Kern sein. [9:58 MEZ] Ein anderes Live-Blog ist dieses hier – mit dem 1. Screenshot aus Mission Control. [10:03 MEZ]

Die Datenübertragung von Stardust läuft!

Zunächst treffen ein paar Informationen zum Zustand der Raumsonde selbst ein; aber in ein paar Minuten könnte das erste Bild erscheinen. Die Stimmen in Mission Control werden lauter. [9:40 MEZ] Die Übertragung des ersten Bildes von der Kamera hat begonnen. [9:43 MEZ] Alle Bilder – noch sieht man sie nicht – sollen den Kometenkern in der Bildmitte zeigen. [9:51 MEZ]

Der Downlink der Bilder verzögert sich um ~45 Minuten

Schlechtes Wetter in Spanien hat zu einer Verzögerung geführt: Dort muss an der Empfangsantenne des Deep Space Network etwas umkonfiguriert und die Raumsonde darüber informiert werden. Wahrscheinlich wäre die Datenübertragung marginal o.k. gewesen, aber mann will sicher gehen. Mit dem ersten Bild wird nun erst gegen 9:45 MEZ gerechnet. Im NASA-TV gibt’s also erst mal nix zu sehen und nur Gemurmel zu hören … [9:10 MEZ]

Der Flyby am Kometen war erfolgreich – Bilder bald!

Der nächtliche Kometenbesuch ist offenbar problemlos verlaufen: Alle Daten sind im Kasten, darunter auch die 72 Bilder, von denen die ersten in ein paar Minuten die Erde erreichen sollten. Der Minimalabstand betrug übrigens nur 181 km, etwas näher als die angepeilten 191 km aber im Toleranzbereich von 12 km. Wie es vor 5 1/2 Jahren beim ersten – wesentlich ‚heftigeren‘ Tempel-1-Besuch durch Deep Impact zugegangen war, kann man übrigens in diesem alten Live-Blog nachlesen. [8:55 MEZ]

Stardust trifft Tempel 1: So soll es passieren

14. Februar 2011

Auch das letzte Bild, das vor dem Vorbeiflug (siehe ISAN 129-8) aufgenommen wurde, 42 Stunden vor der größten Annäherung, zeigt nicht viel vom Kometen Tempel 1, dem sich die alte Stardust-Sonde weiterhin mit 10.9 km/s nähert: Passiert wird der Kern morgen früh um 5:40 MEZ, und ab 9:00 MEZ soll die Übertragung der 72 Bilder aus der Nähe – mehr passen nicht in den Speicher! – beginnen. Jedes braucht etwa 15 Minuten bis zur Erde, nach etwa 10 Stunden sollten sämtliche Daten auf der Erde sein, die in den 8 Minuten rund um den Flyby aufgenommen werden sollen. Die 5 besten Nahaufnahmen sollten allerdings schon bis 10:30 MEZ zu sehen gewesen sein, und von 9:00-10:30 MEZ gibt’s denn auch eine Sondersendung auf NASA-TV (wie zuvor von 5:30-7:00 MEZ, wenn die generelle Funktion Stardusts während des autonomen Encounters bekannt werden sollte). Auf einer Pressekonferenz ab 19:00 MEZ soll’s dann eine etwas tiefere Einschätzung der Ergebnisse des ersten Wiederbesuchs eines Kometenkerns nach einem Sonnenumlauf geben. JPL Releases vom 14. (mehr), 10., 9. und 8., Univ. of Chicago Release 11., Washington Univ. Release, Science@NASA 9., Cornell, NASA Releases 8.2.2010 – und ein kleines Vorschau-Video. Detaillierte Updates bietet eine Status-Seite!

Rosetta während Deep-Space-Manöver in Safe-Mode geraten! Die ESA gibt sich äußerst wortkarg über den Zustand der teuren Kometenmission, die während einer großen Bahnkorrektur („Rosetta …“) im Januar in einen Safe Mode geriet. Erst wochenlanges Schweigen, dann eine knappe Blog-Mitteilung am 4. Februar – und auf den dort angekündigten „very nice update next week“ warten wir immer noch …

Nächster Sonnensegler auf Start-Shortlist der NASA gelandet

Das LightSail 1 der Planetary Society hat endlich eine – prinzipielle – Mitfluggelegenheit: Die NASA hat es als einen von 20 CubeSats auf eine Liste von Minisatelliten gesetzt, die 2011 oder 2012 bei einem Raketenstart als Zusatznutzlast mitgenommen werden können. Im Sommer sollte das Spacecraft fertig sein; bei der Rakete ist man allerdings wählerisch: Mindestens 825 km soll die Bahn schon hoch sein, so dass sich das LightSail mit Hilfe des Strahlungsdrucks der Sonne zunächst noch etwas höher schrauben kann und nicht gleich – wie das NanoSail – von der Reibung an der Atmosphäre nach unten gezogen wird.

Na endlich: Stardust hat Tempel 1 gefunden!

27. Januar 2011

Fraglos ein ziemlich hässliches Kometenfoto – aber ein hoch willkommenes: Am 18. und 19. Januar hat die Sonde Stardust auf dem Weg zu Tempel 1 („Nicht zuviel erwarten …“) zum ersten Mal den Kometen erwischt, aus 26 bzw. 25 Mio. km Entfernung. Der Abstand sinkt jeden Tag um 950’000 km.

Die 2009-er Post-Impakt-Wolke auf dem Jupiter, gesehen am 20. und 22. Juli und 16. August bei 2.1 µm mit der Infrared Telescope Facility der NASA (oben & unten) bzw. bei 9.7 µm mit Gemini North: Eine neue Analyse des Ereignisses kommt zu demselben Schluss wie frühere Papers (s.a. hier im 2. Absatz), dass am 19. Juli 2009 ein Asteroid „von der Größe der Titanic“ und kein Komet auf die Atmosphäre des Gasriesen traf.

Das erste Erdbild der „EarthKAM“ an neuem Platz auf der ISS: Die Digitalkamera auf der Raumstation, die von Schülern ferngesteuert wird, sitzt nun hinter einem besonders guten Nadir-Fenster, der Window Observational Research Facility (WORF), die erstmals benutzt werden kann. Die Aufnahme vom 17. Januar (Ausschnitt) zeigt das kanadische British Columbia, knapp nördlich von Vancouver Island.

Der neue Blick auf den Süden von Phobos

21. Januar 2011

3 x ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Die Nahaufnahmen vom Mars-Express-Besuch bei Phobos am 9. Januar sind da: oben ein Bild der Kamera HRSC mit 4.1 Metern pro Pixel, darunter ein Ausschnitt rund um den Südpol, um die Auflösung zu demonstrieren, und unten ein anderer, mit einmontierten Bildern des Super Resolution Channel der HRSC, die sogar 3 m/px haben, aber etwas bewegungsunscharf scheinen. Anklicken der Bilder fördert jeweils eine andere Version der heute präsentierten Galerie zutage, darunter insbesondere auf eine spektakuläre 3D-Aufnahme für Rot-Grün-Brillen! Während des Vorbeiflugs in 100 km Höhe scannte die HRSC den etwas über 20 km großen Marsmond mit fünf der neun Sensoren, die auf der Kamera hintereinander angeordnet sind [NACHTRAG: wie die Kamera funktioniert]: Gerade einmal eine Minute waren die Sensoren insgesamt angeschaltet, für jeden Sensor war Phobos nur neun Sekunden im Blickfeld.

Wichtig ist die Auswertung der Aufnahmen unter anderem für die russische Mission Fobos-Grunt, die im November 2011 starten und ein Landemodul auf dem Marsmond absetzen, Gesteins- und Staubproben mit einem Roboterarm einsammeln und diese in einer Rückkehrkapsel zurück zur Erde transportieren soll. Das Landemodul selbst soll dann noch ein Jahr lang von der Phobos-Oberfläche aus wissenschaftliche Messungen in der Marsumgebung vornehmen. Bereits früher waren Messungen der Radaranlage MARSIS von der neuen Phobos-Passage zur Erde gelangt: Möglicherweise hat es Echos von etwas unterhalb der Oberfläche gegeben. Die Datenübertragung war gerade noch vor der Konjunktion des Mars mit der Sonne abgeschlossen worden, wegen der auch die Operation des Marsrovers Opportunity stark eingeschränkt werden muss: Vom 27.1. bis 11.2. werden keine Kommandos geschickt, aber er wird die Zeit sinnvoll nutzen. Und immerhin kann man ihm noch zum 7.(!) Jahrestag seiner Landung am 25.1. (MEZ) gratulieren …

Nicht zuviel erwarten vom Stardust-Besuch bei Komet Tempel 1

sollte man am 15. Februar: Um 5:37 MEZ geht es mit 10 km/s in 200 km am Kern vorbei, und um etwa 10:30 MEZ sollten die ersten Bilder vorliegen – aber weil die 1999 gestartete Raumsonde doch deutlich primitiver als das 6 Jahre so jüngere Mutterschiff von Deep Impact ist, wird, dürften die 72 erwarteten Bilder höchstens 12 Meter/Pixel Auflösung erreichen. Auch sind sie nur Schwarzweiß, da das Filterrad kaputt ist (aber wenigstens in der Clear-Stellung klemmt). Und dass darauf der Krater zu sehen ist, den Deep Impacts Impaktor schlug, ist auch alles andere als sicher: Das Rotationsverhalten des Kerns ist vertrackt, mit zwei sehr ähnlichen Peaks der Lichtkurve, so dass die Chance kaum besser als 50% ist, dass Stardust an der richtigen Seite vorbei geschickt wird.

Ein gelungenes Krater-Bild wäre daher ein „Bonus“, so die Sprachregelung der NASA: Stattdessen geht es darum zu sehen, wie sich der Kern nach einem ganzen Sonnenumlauf verändert hat; zwei Kometenbesuche in solchem Abstand gab es noch nie. Den Ort von Tempel 1 im Raum kennt man vermutlich präziser als von jedem anderen Kometen – aber trotzdem hat ihn die Kamera Stardusts immer noch nicht gefunden, was eine weitere Abänderung der wegen der geringen Treibstoffreserve („Stardust hat …“) eh schwierigen Encounter-Planung erzwingt: Jetzt werden im Anflug zunächst keine wissenschaftlichen und dafür weitere Navigationsaufnahmen des Kometen gemacht und die letzten Bahnkorrekturen später durchgeführt. (Mission Status 1. Quartal 2011; JPL Release, NASA Visuals, Planetary Society Blog 19., Centauri Dreams 21.1.2011)

Akatsuki ein Jahr früher wieder bei der Venus – und vielleicht auch bei Asteroiden?

Weil das defekte und vielleicht schwer beschädigte Triebwerk der japanischen Venus-Sonde auf Abwegen bei einer zweiten Annäherung an den Planeten vermutlich wieder nicht den nötigen Schub für einen Orbiteintritt zustande bringen dürfte, wird nun erwogen, es stattdessen kontinuierlich einzusetzen, um die Relativgeschwindigkeit zu verringen und auch schon ein Jahr früher – also 2015 – wieder bei der Venus zu sein. Das nötige Delta-v wäre dann geringer als im ersten Notplan, und das Triebwerk – das nach neueren Tests etwa 60% seiner normalen Leistung schaffen sollte – könnte den Orbiteintritt schaffen. Unterwegs könnten ggf. auch noch Asteroiden auf Venus-nahen Bahnen besucht werden; da sind die Aussagen aber noch sehr vage. (Asahi Shimbun [japanisch] 4., Mainichi Daily News, Planetary Society Blog 5.1.2011. Und das Dawn Journal zur Orbit-Planung an Vesta)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

27. Dezember 2010

Cassinis erster Blick auf den neuen großen Saturnsturm, entstanden vor drei Tagen: Die weiße Wolke wird schon seit Wochen von Amateurastronomen beobachtet, ist in letzter Zeit aber noch auffälliger geworden – die einlaufenden Cassini-Rohbilder werden in dieser Galerie gesammelt. NACHTRAG: ein schnelles Falschfarben-Bild daraus.

Stardust hat – gerade noch – genug Sprit für Tempel 1

Voraussichtlich drei Bahnkorrekturen muss das alte Stardust-Mutterschiff noch durchführen, um am 15.2.2011 morgens MEZ in 190 km Höhe mit 10.9 km/s über den Kern des Kometen Tempel 1 zu schießen – und drei verschiedene Verfahren zum Abschätzen der Treibstoffvorräte sprechen alle dafür, dass dafür genug und noch ein kleines Bisschen mehr im Tank verblieben ist. Der enthielt einmal 85 kg Hydrazin, jetzt sind es noch etwa 3.5 kg. Hauptzweck der Missionsverlängerung der alten Mission als Stardust NeXT (New Exploraton of Tempel 1) ist der Versuch, den 2005 vom Impaktor Deep Impacts geschlagenen Krater zu inspizieren – aber da das Rotationsverhalten des Kometenkerns nur ungenau bekannt ist, kann es gut sein, dass der Krater gerade auf der falschen Seite ist. Nach dem Encounter wird wohl der gesamte kleine Treibstoffrest verbrannt, um zu sehen, wieviel tatsächlich noch im Tank war, um die drei Schätzverfahren zu prüfen – und dann wird Stardust abgeschaltet. (Spaceflight Now 23.12.2010)

Akatsuki offenbar Opfer eines klemmenden Ventils in einer Treibstoffleitung geworden: Die Untersuchung des Triebwerksversagens an der Venus scheint darauf hinaus zu laufen, dass die Treibstoffzuleitung durch ein verklemmtes Ventil blockiert war, das eigentlich einen Rückfluss in den Tank verhindern soll. Das Ventil arbeitet völlig automatisch und kann von der Erde aus nicht gesteuert werden: Diverse Experimente am Boden sollen nun herausfinden, ob man das Triebwerk überhaupt noch für einen zweiten Einschussversuch in 6 Jahren nutzen könnte. (Mainichi Daily News 27.12.2010. Und Daily Yomiuri 24.12.2010 zu angeblichen Vollfinanzierung von Hayabusa 2)

Der Satellit WISE darf noch bis Januar weiter machen

und – mit seinen beiden kurzwelligeren Infrarot-Instrumenten – eine zweite komplette Himmelsdurchmusterung beenden, vor allem um der Entdeckung weiterer Kleinkörper des Sonnensystems willen: Die NASA hat bis Ende Januar 1.6 Mio.$ freigegeben, um den Betrieb (der 400’000$/Monat kostet) weiter zu führen. WISE hat bisher über 155’000 Asteroiden und Kometen beobachtet und über 34’000 neue Kleinkörper des Sonnensystems entdeckt, darunter etwa 500 NEOs. Zwar sind die beiden IR-Kanäle mit 3.4 und 4.6 µm nicht ideal (bei längeren Wellen, die nach dem Ende des Kühlmittels nicht mehr zugänglich sind, strahlen sie mehr), aber WISE ist der einzige Asteroidenjäger im Weltraum – seine Mission NEOWISE erschien der NASA wertvoll genug. Danach aber ist endgültig Schluss: WISE wird „eingeschläfert“, für den Fall dass jemand doch noch Interesse daran haben sollte; die Bahn ist noch lange stabil. (Spaceflight Now 19.12.2010)

Planetenjäger Kepler gleich zweimal im Safe Mode: Der ‚Plan‘ sieht vor, dass Kepler bis zu 12 Tage im Jahr durch solche Sicherheitsmodi ausfallen darf, und das Budget für 2010 ist noch nicht aufgebraucht – trotzdem soll nun dafür gesorgt werden, dass der Satellit weniger leicht über seinen eigenen Zustand so beunruhigt sein kann, dass er die Transitsuche unterbricht. (Mission Manager Updates 22., 14., Nature Blog 15.12.2010) NACHTRAG: Die Fehlersuche zieht sich hin – erst im Januar kann weiter beobachtet werden. NACHTRAG 2: Das 2. Problem ist erkannt – und gelöst!

Wieder ein GSLV gescheitert – nach nicht mal einer Minute!

Fassungslos hat ein erneuter Fehlstart der indischen Prestige-Rakete GSLV vor zwei Tagen die Weltraumexperten des Landes zurückgelassen: Nur 47 Sekunden nach dem Abheben (mit einem teuren einheimischen Nachrichtensatelliten an Bord) brach die Rakete plötzlich zur Seite weg und begann zu zerbrechen; 16 Sekunden später wurden die Reste gesprengt. Nach ersten Ermittlungen waren plötzlich die Steckverbindungen von langen Kabeln zu den Gelenken unterbrochen worden, die die Düsen der vier Booster der ersten Stufe ausrichten, die zur Stabilisierung der Flugbahn nötig sind. Wie das passieren konnte, dazu gibt es keine offizielle Erklärung, aber ein anonymer Experte spekuliert, der Satellit sei womöglich zu schwer für die Rakete gewesen und deren Stabilität im Flug falsch berechnet worden. In der Tat war der Satellit schwerer als jede andere Nutzlast des GSLV bisher, und die Oberstufe – die nun gar nicht zum Einsatz kam – hatte modifiziert werden müssen. Von alleine könnten die Stecker jedenfalls unmöglich herausgefallen sein, so der Experte: Sie könne es erst aus ihren Buchsen gerissen haben, als die Rakete bereits auseinander brach. Das Geostationary Satellite Launch Vehicle bleibt vom Pech verfolgt: Nunmehr sind schon drei der sieben Starts gescheitert. (Hindustan Times, Space News, The Hindu, Parabolic Arc, Science Journalism Tracker 27., Telegraph India, Indian Express, Deccan Herald, Hindustan Times, The Hindu 26., The Hindu [mehr], Deccan Herald, DNA, Hindustan Times, Spaceflight Now, Discovery, Space Today, Spiegel, Eureka 25.12.2010) NACHTRAG: Die ISRO bezweifelt die Übergewichts-Hypothese.

Dem amoklaufenden Satelliten geht der Strom aus: Der unabschaltbare Galaxy 15 bekommt immer weniger Sonnenstrom und hat bereits 95% seiner Nutzlast herunter gefahren – seit dem 17. Dezember sendet er nur noch Telemetrie. In dieser Situation könnte ein tiefer Reset gelingen. (Space News 22.12.2010. [NACHTRAG: Wie die Status-Seite von Intelsat berichtet, ist Galaxy 15 wieder voll unter Kontrolle – der Reset hat geklappt!] Und ILS und Eutelsat Releases sowie Space News, Spaceflight Now, BBC, BBC Blog und Spiegel zum Proton-Start des Ka-Band-Satelliten KA-SAT am 26. Dezember, der 70 Gigabit pro Sekunde in 82 Spotbeams übertragen kann)

Continuing Resolution bis März: NASA bleibt im Ungewissen

Der alte US-Kongress hat es vor dem Weihnachtspause nicht auf die Reihe gebracht, dem Land einen neuen Haushalt für das – längst laufende – Finanzjahr 2011 zu verpassen: Stattdessen hat es wieder eine Continuing Resolution gegeben, die nun bis zum 4. März gilt. Spezielle Passagen bezüglich der Ausrichtung der NASA fehlen, womit die Hoffnung auf eine klare Umsetzung („Die NASA bekommt …“) der Authorization vom Oktober dahin ist: Weder kann das Constellation-Programm abgebrochen noch unverzüglich mit der Arbeit an einer Schwerlastrakete und großzügiger Förderung privater Raumfahrtunternehmen begonnen werden. Stattdessen dürften bis März rund 500 Mio.$ in das Ares-Programm fließen, das eigentlich niemand mehr will – Millionen, die anderswo bitter fehlen. Insgesamt würde die NASA im FY2011 unter einer fortgesetzten CR mit 18.7 Mrd.$ auskommen müssen, 300 Mio.$ weniger als die Authorization vorgesehen hatte. Wie der neu gewählte Kongress ab Januar in der Sache verfahren wird, ist weiter unklar. (Orlando Sentinel 26., AW&ST 24., Space News 22., Spaceflight Now, Space News 21.12.2010)

Zweiter Test der Taurus-2-Rakete erfolgreich: Das Triebwerk der ersten Stufe des künftigen ISS-Versorgers („Triebwerk der Taurus-2-Rakete …“) ist am 17. Dezember 55 Sekunden lang erprobt worden, mit bis zu 108% der nötigen Leistung – im Januar soll der dritte Test folgen. Für einen beschleunigten Orbit-Test hätte die Firma Orbital danach gerne Extra-$$ der NASA, die es aber – s.o. – womöglich nicht geben wird. (Spaceflight Now 19., Flight Global 23.12.2010)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

22. September 2010

Grünes Licht für Hayabusa 2 (mit Asteroidenbömbchen); Natur der Partikel in Hayabusas Kapsel weiter unklar

Die japanische Space Activities Commission hat den Weg für den Bau eines Nachfolgers der Hayabusa-Asteroidensonde frei gemacht, aber die Finanzierung (umgerechnet rund 140 Mio. Euro) und der Zeitplan sind knapp: Am liebsten würde man nämlich schon 2014 losfliegen, 2018 den kohlenstoffreichen 1999 JU3 erreichen und eine Bodenprobe 2020 auf der Erde haben. Diesmal soll durch den Abwurf eines kleinen Sprengsatzes(!) ein 1 m großer Krater in den Kleinplaneten gesprengt werden, um frisches – und mutmaßlich aus den Anfängen des Sonnensystems stammendes – Material freizulegen. Das würde dann wie bei Hayabusa Nr. 1 mit einem Pellet beschossen, auf dass es in einen Trichter gelange, und zusätzlich wird auch noch mit einem klebrigen Finger hingelangt. Derweil sind im Inneren der Probenkapsel Hayabusas dutzende µm-große Partikel gefunden worden, die vom Asteroiden Itokawa stammen könnten; sowohl die Bergung wie die Analyse ziehen sich hin und dürften bis Dezember dauern. Größere Teilchen weiter außen im Sammelmechanismus sind vermutlich irdische Verunreinigungen noch aus der Startphase. (Links im Header des Cosmic Mirror #337 unter den Links zum Rosetta-Flyby am Asteroiden Lutetia, von dem bislang zwar massig pretty pictures aber kaum wissenschaftliche Erkenntnisse bekannt wurden)

Deep Impact im Anflug auf den Kometen Hartley 2: Wie eine Animation von Bildern vom z.Z. 5.-20. September zeigt, wächst die Koma spürbar im Gesichtsfeld der recycleten Sonde, die nun die EPOXI-Mission durchführt. Weitere Links und Bilder – auch von Amateuren; noch sind sie schöner … – im letzten Cosmos 4 U im 3. Paragraphen! A propos Kometenmissionen: In den Staubfängern von Stardust sind inzwischen drei Kandidaten für interstellare Staubteilchen im Rahmen von Stardust@Home entdeckt worden; Isotopenanalysen sollen zeigen, ob sie wirklich von jenseits des Sonnensystems stammen. Diese wie auch alle gefundenen Teilchen des Kometen Wild 2 sind nun auch in einem Online-Katalog zu finden.

Nutzlast für die Solar Probe Plus ausgewählt

Spätenstens 2018 soll sie starten und bis ca. 7 Mio. km an die Photosphäre der Sonne herankommen, weit näher als der bisherige (deutsche!) Rekordhalter Helios 2 mit 44 Mio. km 1976: Jetzt sind 5 Instrumente – darunter auch eine Kamera – sowie Marco Velli vom JPL ausgewählt worden, der den großen Überblick behalten soll und in Tabellen als ‚observatory scientist‘ denselben Status wie die eigentlichen Instrumente (von denen zwei zusammen gehören) als eigenständige „science investigation“ hat. (JPL, SwRI Releases, Science@NASA 2., CfA Release 14., JHU Newsletter 16.9.2010. Und Parallel Spirals und AW&ST zum indischen Sonnensatelliten Aditya [„Indischer …“], der vielleicht schon 2012 starten und v.a. Koronale Massenauswürfe überwachen soll)

Weitere Testflüge bereiteten die erste Wissenschaft mit SOFIA vor: Vom 23.6. bis 4.8. verbrachte die fliegende Sternwarte bei 12 Flügen insgesamt 49 Stunden in der Luft, um alle Szenarien durchzuspielen, die später bei wissenschaftlichen Einsätzen eintreten werden. Nun dürfte es schon diesen November die ersten astronomischen Flüge geben, mit dem Instrument FORCAST wie beim First Light im Mai; nächsten Februar ist dann GREAT – aus Bonn – an der Reihe. (Vortragsfolie Zinnecker – AG Tagung Bonn – 16.9., Status 11.8 und 2.7.2010; auch ein NPR-Artikel pro und ein Nature-Artikel contra SOFIA)

Der „Zombie-Satellit“ Galaxy 15 geistert immer noch durch den geostationären Gürtel

mit aktivem Transponder und keiner Möglichkeit, ihn abzuschalten („Nachrichtensatellit auf Abwegen …“): Entgegen früheren Hoffnungen hat er sich immer noch nicht von der Erde und Sonne weggedreht. Das Problem ist außergewöhnlich in der Welt der Satelliten, und jedes Mal, wenn sich Galaxy 15 wieder einem anderen aktiven Nachrichtensatelliten nähert, was inzwischen siebenmal der Fall war, ist eine andere Strategie erforderlich, um dessen Betrieb nicht zu stören. Wenigstens ist die Kollisionsgefahr praktisch Null. (UPI 17., Space.com 16., Spaceflight Now 15.9., 25., FAZ 20., Space.com 7.7., BBC Blog 25., The Space Review, AP 24., Spaceflight Now 18., Space News, Space.com 17.5.2010 – und Überlegungen, ob die Sonne am Malheur schuld ist)

Teurer Militärfunk-Satellit kriecht in den geostationären Orbit: Weil sein Haupttriebwerk versagte, muss sich der US-Satellit AEHF (Advanced Extremely High Frequency) 1 mit kleineren Düsen aus dem Transferorbit, wo ihn eine Atlas V korrekt abgesetzt hatte, in den GEO quälen. Das dauert statt wenigen Monaten nun bis Mitte 2011, aber insgesamt wird nicht mehr Sprit verbraucht als geplant, so dass auch die Lebensdauer nicht schrumpft. Die AEHL-Satelliten sollen die Milstar-Serie ablösen. (Jonathan’s Space Report #632 22., Space.com 8., Spaceflight Now 5.9., Space Today 31., Spaceflight Now, Space News 30.8.2010)

Der ICESat ist verglüht, am 30. August über der Barents-See: Schon eine Weile war der betagte Satellit inaktiv („Die Mission des ICESat …“) gewesen, man hatte ihn noch für technische Experimente genutzt und schließlich auf eine Absturzbahn gebracht. Die letzten Kommandos gaben übrigens Studenten, die bei der University of Colorado öfters mal selber Hand anlegen dürfen – da lernen sie was, und die NASA spart Geld. (NASA Release 27., Spaceflight Now 30., Space.com 31.8., Register, Universe Today 1.9.2010. Auch ESA Releases 20., 1.7.2010 zu ersten Erfolgen des CryoSat 2 und 3.9.2010 zum SMOS) NACHTRAG: noch ein Nachruf auf ICESat – und US-Umweltsatelliten allgemein.