Posts Tagged ‘Sternentstehung’

Sieben Bilder der Woche (alles außer Merkur :-)

1. April 2011

NGC 6872 (links) und ihr Begleiter IC 4970 mit Gemini-Süd: das Motiv ausgesucht hatten Schülerinnen in Australien im Rahmen eines Wettbewerbs (Seite 26), denn dank einer Beteilung am Gemini-Konsortium wird dort Gemini Süd – in Chile – als „the nation’s largest optical telescope“ betrachtet …

Der Rho-Ophiuchi-Komplex aus Sicht des IR-Satelliten WISE, eines der nächstgelegenen Sternentstehungsgebiete: Bei 3.5 bis 22 µm tritt ebenso reflektiertes Sternlicht in Erscheinung wie von Sternen gewärmtes Gas – und manche Zonen sind so dicht voll Staub, dass sie selbst im IR in Absorption erscheinen. Die rosa Punkte sind Young Stellar Objects: Die immerhin kann man im IR – im Gegensatz zum sichtbaren Licht – sehen.

Leuchtender Wasserstoff um den Sternhaufen NGC 371 auf einem VLT-Bild – der offene Haufen in der SMC ist für seine ungewöhnlich hohe Zahl veränderlicher Sterne bekannt.

Der Kugelsternhaufen Messier 12 auf einer Hubble-Aufnahme mit der ACS – bei Passagen durch dichte Milchstraßenregionen hat er nach neueren Erkenntnissen viele Sterne geringer Masse eingebüßt.

Schon wieder eine Sonnenfinsternis durch die Erde für den SDO-Satelliten, wie sie derzeit andauernd eintritt („Sonnenfinsternis …“), hier am 29. März. Die Erdatmosphäre sorgt für den diffusen Rand, wobei ihre Dichteschwankungen wie auch die unterschiedliche Helligkeit der kurzwelligen solaren Strukturen zu dem konfusen Übergang beitragen.

Die Marsvulkane Ceraunius Tholus und Uranius Tholus aus Sicht des Mars Express (alte Bilder, neu verarbeitet): Zeitweise hing Nebel über dem ersteren, der aber verschwunden war, als spätere Scans das Bildmosaik komplettierten.

Details des Mondkraters Klute W aus Sicht des LRO: Der Kraterwall verfällt allmählich unter der Schwerkraft des Mondes (’slope retreat‘).

Deep Sky, multispektral: neun aktuelle Ansichten

16. März 2011

Der Bugschock des Sterns Ampha Cam im Infraroten, ein Vermächtnis des seit einem Monat schlummernden Satelliten WISE: Der starke Sternwind des mit 700 bis 4000 km/s durch den Raum rasenden Überriesen prallt auf das interstellare Medium, wo Gas und Staub zusammen gedrückt und aufgeheizt werden – leuchten sieht man’s aber nur im IR.

Der Protoplanetarische Nebel PK166-06 alias CRL 618 alias AFGL 618 (auch Westbrook Nebula) aus Hubble-Sicht: Der Stern in der Mitte ist noch nicht zum Weißen Zwerg geworden, und daher strahlt der Nebel auch nur schwach.

Ein Ausschnitt aus dem Tarantel-Nebel mit der ACS des HST: Supernovae der jüngeren Vergangenheit haben in diesem Sternentstehungsgebiet in der LMC jene Gas- und Staubfilamente produziert, deren angebliche Ähnlichkeit mit Spinnenbeinen ihm einst den Namen gab.

Wilde Strukturen im Sternentstehungsgebiet NGC 6729 haben junge Sterne geschaffen, die man selbst auf dieser VLT-Aufnahme gar nicht sehen kann, weil sie noch in Staubwolken stecken: Nur durch durch die leuchtenden Herbig-Haro-Objekte, die ihre Ausströmungen verursachen, machen sie sich bemerkbar.

Das Sternentstehungsgebiet Sh2-284 im IR, ein anderes Bild aus dem WISE-Archiv: Mitten drin sitzt der Sternhaufen Dolidze 25, und die starke Strahlung der jungen Sterne dort verursacht im Gasnebel dieselben „Elefantenrüssel“-Erosionsstrukturen wie man sie z.B. auch aus dem Adlernebel kennt.

Die Starburst-Galaxie Messier 82 mal ganz anders: eine Kombination aus Chandra-Röntgendaten (blau), Nah-IR-Bildern von Hubble (grün; Sterne) und Mittel-IR-Daten des Subaru-Teleskops (rot) – damit ist klar, dass der berühmte Superwind dieser Galaxie nicht auf einen bestimmten Sternhaufen sondern eine ganze Reihe verteilter Quellen zurück geht.

Noch ein multispektrales Galaxien-Komposit, von der Zentralregion von NGC 4151: Hier trugen Chandra (blau), sichtbares Licht (gelb) und Radiostrahlung (rot) bei; der aktive Kern hat wohl mit einem Ausbruch – der Mechanismus ist nicht offensichtlich – für die Röntgenstrahlung gesorgt.

Ein Spitzer-Bild von Messier 63 im Infraroten von 3.6 bis 24 µm – keine besonderen Vorkommnisse, nur ein Pretty Picture …

NGC 247 mit dem 2.2-m-Teleskop der ESO: nach neuer Analyse der Cepheiden in der Galaxie nur 11 Mio. Lichtjahre entfernt und damit eine der nächst gelegenen Galaxien am Südhimmel.

Fünf aktuelle „Pretty Pictures“ von ESO & NASA

21. Oktober 2010

Die Sternentstehungsregion Monoceros R2 aus Sicht des VISTA-Teleskops im Y-, J- und Ks-Band, was einen Blick durch Staubwolken erlauben: Sternstrahlung und -wind hat das Gas zu bizarren Fingern geformt. Nett auch ein HST-Bild des Orionnebels (nur halb so weit entfernt), wo es in der Umgebung von HH 502 viele Details zu entdecken gibt.

Der Cocoon-Nebel IC 5416 (in Barnard 168) aus Sicht von WISE bei 3.4 bis 22 µm – Bilder im sichtbaren Licht zeigen nur den innersten Bereich, während Staub eine dunkle Umgebung schafft.

Der bizarre Planetarische Nebel NGC 6210 aus HST-Sicht: Ein Stern (mit weniger als einer Sonnenmasse) hat am Ende seines Lebens mehrere Gashüllen abgeworfen.

Die Spiralgalaxie NGC 3982 mit drei(!) HST-Kameras aufgenommen: Die WFC3, die ACS und die WFPC2 steuerten Informationen bei.

Die Sculptor-Galaxie NGC 253 aus Sicht von WISE bei 3.4 bis 22 µm: Jedes IR-Band hebt eine andere Komponente hervor; Anklicken des Bildes (bei den Galerien hier: immer auf die Bilder klicken!) wie auch ein JPL Release liefern zusätzlich die einzelnen Farbauszüge.

Astronomie im Weltraum kompakt

21. März 2010

So sieht der Satellit Planck den kalten Staub der Milchstraße: Für diesen 55° langen Streifen wurden Daten mit den beiden kürzesten Wellenlängen 540 und 350 µm mit einer alten IRAS-Karte bei 100 µm kombiniert. Der meiste Staub im Bild – in Rot der kälteste, um 12 Kelvin; der andere ist auch nur ein paar Dutzend K warm – befindet sich innerhalb von 500 Lichtjahren Entfernung. Eine andere Kombi-Karte kalten Staubes gab es letztes Jahr – die neue ist natürlich nur ein ‚Abfallprodukt‘ der eigentlichen Planck’schen Kartierung der Hintergrundstrahlung. (ESA Science, ESA, JPL, STFC und Jodrell Bank Releases, Planck Blog, BBC, Space.com, LichtEcho 17., Spiegel 18.3.2010)

Regelmäßig weitere Pretty Pictures vom IR-Satelliten WISE, die während seiner Himmelsdurchmusterung anfallen, erscheinen nun – nach dem ersten Schwung – inetwa wöchentlich in einer Galerie: hier z.B. die Sternentstehungsgebiete Berkeley 59 (oben) bzw. IC 1805 (unten), wo jeweils das Sternenlicht den Staub aufheizt. Während der Durchmusterung hat WISE auch schon ein halbes Dutzend Kometen entdeckt sowie tausende Kleinplaneten im Hauptgürtel wie auch in Erdnähe, darunter einige mit besonders niedriger Albedo. Und wer weiß, was sonst noch im Sonnensystem lauert … (AstroBiology 11., Cosmic Diary 8., Planetary Soc. Blog 7., New Scientist 5., Lakdawalla LPSC Tweet 3.3.2010) NACHTRÄGE: Science@NASA über WISEs zahlreiche Asteroidenfunde und Cosmic Diary zum Status der Durchmusterung.

Planetenjäger Kepler ein Jahr im Orbit

Bisher hat er 5 Exoplaneten entdeckt und zwei anfangs rätselhafte heiße Sternbegleiter (siehe ISAN 103-11), bei denen es sich nach weiteren Analysen um Weiße Zwerge zu handeln scheint. Womöglich wird Kepler in seinen Lichtkurven auch den einen oder anderen Kometen in unserer eigenen Oort-Wolke nachweisen können. Bis auf gelegentliche kurze Safe Modes läuft die Mission mit regelmäßigen Downloads der Daten recht reibungslos, allerdings sind zwei der 42 CCDs gestört und bis auf weiteres außer Betrieb. (JPL Release 4., Sky & Tel. 1.3., Scientific American 19., Mission Manager Update 8.2., 19.1.2010. Und SF Chronicle und Space.com im Sommer 2009 über den Mann hinter Kepler, Bill Borucki) NACHTRAG: ein NASA Blog mit Details zum CCD-Ausfall – glücklicherweise an der Peripherie des FOV.

Hubbles neuer Blick auf den Sternhaufen R136 im 30-Dor-Nebel in der LMC

16. Dezember 2009

Kein Sternentstehungsgebiet in der Milchstraße kann es mit dem 30-Doradus-Nebel in der Großen Magellanschen Wolke aufnehmen, dessen Innenleben und insbesondere Sternhaufen R136 hier von Hubbles neuer WFC3 aufgenommen wurde. Viele der blauen Sterne – die hier besonders strahlen, weil der blaue Kanal in Wirklichkeit UV-Licht entspricht – gehören zu den massereichsten überhaupt, die man kennt: Mehrere haben über 100 Sonnenmassen und werden in wenigen Jahrmillionen schon wieder als Supernovae untergehen.

Weltraumforschung kompakt

3. Dezember 2009

Und wieder ein direktes Bild eines – diesmal geradezu kühlen – fremden Planetensystems?

Diesmal stammt es vom „High Contrast Instrument for the Subaru next generation Adaptive Optics“ (HiCIAO) und dem Stern GJ 758: Dort sichtete das japanische 8-m-Teleskop dank dessen IR-Emission einen Begleiter mit 10 bis 40 Jupitermassen (B) und möglicherweise noch einen weiteren (C?) mit 12-47 Jupitermassen. Falls sich die wahren Massen in der Nähe der Untergrenze befinden, sind es gerade noch Planeten, sonst Braune Zwerge; einige Parallelen zu HR 8799 und seinen drei Planetenkandidaten tun sich auf. So oder so handelt es sich beim nur 550-640 K warmen B um den kühlsten Begleiter eines sonnenähnlichen Sterns, der direkt abgebildet wurde. Und in projizierten 29 AU Abstand hätte man einen so massereichen Begleiter eigentlich nicht erwartet. (Thalmann & al., Preprint 5.11., NAOJ und Princeton Press Releases, MPA und MPG Pressemitteilungen 3.12.2009)

51 Pegasi steckt in einem „Maunder-Minimum“ seiner stellaren Aktivität: Der erste sonnenähnliche Stern mit von Anfang an überzeugendem Nachweis eines Exoplaneten (es gab schon eine Weile vor 1995 korrekte Entdeckungen, die aber erst nach 1995 eindeutig bestätigt wurden) ist eine sehr schwache Röntgenquelle und hat mithin nur eine schlappe Korona – offenbar regt ein Heißer Jupiter nicht zwangsläufig die magnetische Aktivität des betreffenden Sterns an. (Poppenhaeger & al., Preprint 25.11.2009)

Zwei Moreton-Wellen liefen gleichzeitig über die Sonne

Unter Moreton Waves versteht man die chromosphärische Signatur von koronalen Schockwellen in der Folge von Flares – und während der gewaltigen Sonnenaktivität im Herbst 2003 (siehe Artikel 770, 773 und 777) wurden am 28.10. sogar zwei solche Wellen gleichzeitig gestartet, die quer über die Sonne liefen. Die expandierenden Flanken eines koronalen Massenauswurfs scheinen der Auslöser gewesen zu sein. (Muhr & al., Preprint 23.11.2009)

Die STEREO-Satelliten bestätigen das Phänomen des „solaren Tsunami“: Dank der zwei Satelliten mit unterschiedlichen Blickwinkeln lässt sich der Lauf dieser „Wellen aus heißem Plasma und Magnetismus“ über die Sonnenscheibe – inklusive etwa Reflexion an koronalen Löchern – besser als zuvor verfolgen. (Science@NASA 24.11.2009)

Zirkumstellare Scheibe um 10-Sonnenmassen-Stern genau wie bei kleineren

Die ersten gut aufgelösten Bilder einer zirkumstellaren Scheibe – von der Cooled Mid Infrared Camera and Spectrometer am Subaru-Teleskop – um einen jungen massereichen Stern, HD 200775, ähneln denen von Staubscheiben um sonnenähnliche Sterne: Wie diese entstehen massereiche also wohl durch Akkretion. (NAOJ Release 20.11.2009)

Wachsendes Verständnis von Epsilon Aurigae dank aktueller Verfinsterung? Der lang erwartete Helligkeitsabfall hat sich letztens verlangsamt, verläuft in unterschiedlichen Farben verschieden schnell und in Sprüngen: Das könnte Rückschlüsse auf die maßgeblich verantwortliche Staubscheibe des geheimnisvollen Bedeckers zulassen, z.B. Ringstrukturen. (Citizen Sky Blog 22.11.2009)

3D-Karte eines Teils der Milchstraße aus SDSS

Über Farben-Helligkeits-Diagramme sind die Entfernungen zahlloser Sterne aus der SEGUE-Durchmusterung im Rahmen der Sloan Digital Sky Survey ermittelt worden, woraus sich dreidimensionale Teilkarten der Milchstraße ergeben: per se nicht besonders attraktiv aber voller Indizien zu Aufbau und Vergangenheit der Galaxis, insbesondere Substrukturen und Verdickungen. (de Jong & al., Preprint 19.11.2009)

„Smith’s Cloud“ mit viel höherer Masse? Eine Größenordnung mehr Gas + Dunkle Materie stecken wohl in dieser kuriosen Gaswolke, die allmählich Teil der Milchstraße wird – und vielleicht gehört sie zu einer ganzen Population „dunkler“ Zwerggalaxien, die theoretisch die Milchstraße umgeben sollten. (Nichols & Bland-Hawthorn, Preprint 3., New Scientist 22.11.2009)

IR-Bild zeigt Galaxie, die Cen A „verschluckte“

Mit dem NTT in nahen IR entstandene Aufnahmen zeigen eine Art Parallelogramm im Innen der Galaxie Centaurus A: Das wird als die Überreste einer Spiralgalaxie interpretiert, die in diese Elliptische hineingefallen ist. (ESO Release 20.11.2009)

Eine ungewöhnliche Supernova mit 400 Tagen Anstieg bis zum Maximum war SN 2008iy: Noch nie hatte ein Sternexplosion mehr als 100 Tage bis zum Peak benötigt. Die langsame Lichtkurve kann wohl nur durch intensive Wechselwirkung mit zirkumstellarem Material erklärt werden – das der Vorgängerstern in den letzten Jahrzehnten vor seinem Kernkollaps selbst abgesondert hatte. (Miller & al., Preprint 25.11.2009)

Weltraumforschung kompakt

19. November 2009

Ein riesiges VLBI-Projekt zur Verbesserung des kosmischen Koordinatensystems

International Celestial Reference Frame (ICRF2; s.a. hier die GPS-Notiz) findet im Augenblick statt: Am 18. und 19. November beobachten 35 Radioteleskope rund um den Globus 243 Quasare. Das ICRF2 wurde auf der IAU GA diesen Sommer als das fundamentale Referenzsystem der Astronomie festgelegt und ist an 295 himmlischen Radioquellen ohne Eigenbewegung aufgehängt; leider gibt es zu wenig Radioteleskope auf der Südhemisphäre, um sie alle gleichzeitig einzubeziehen. (NRAO Release, Malkin, Preprint 16., Mittelbayerische Zeitung 17., Nature Blog 19.11.2009; auch eine Outreach-Seite dazu)

Starburst-Galaxien „neue“ Quelle von Gamma-Strahlung

Sowohl Gammastrahlen-Teleskope auf dem Boden wie VERITAS als auch der Fermi-Satellit haben diffuse Gammastrahlung aus – relativ nahen – Galaxien mit hoher Sternbildungsrate entdeckt, so NGC 253 und M 82, und auch die 30-Doradus-Region in der LMC ist eine Gammaquelle. Hinter der harten Strahlung steckt jeweils Kosmische Strahlung – und die wiederum wird vermutlich in Supernovaresten beschleunigt, die ein Abfallprodukt der Bildung massereicher (und damit kurzlebiger) Sterne sind. (CfA, NASA Press Releases 2.11.2009)

NACHTRAG: Acero & al. (Science 326 [20.11.2009] 1080-2) haben Gammastrahlung von NGC 253 auch mit H.E.S.S. nachgewiesen, wo 5-mal so viel Energie der Kosmischen Strahlung in diesen Kanal geht als in der Milchstraße. NACHTRAG 2: Der Nachweis von M 82 mit VERITAS wird von dessen Kollaboration in Nature 462 [10.12.2009] 770-2 diskutiert – dies Dichte der Kosmischen Strahlung in der Starburst-Zone der Galaxie ist 500-mal so hoch wie in der Milchstraße. NACHTRAG 3: noch ein Paper zu VERITAS & M 82. NACHTRAG 4: Guten Morgen! Sky & Tel. hat’s auch mitbekommen …

22 ganz junge Galaxien sind mit der neuen WFC3 des HST aufgespürt worden und lassen neue Rückschlüsse über den Verlauf der kosmischen Reionisation zu – und bei einer der z=7-Galaxien (siehe auch hier) gelang sogar die direkte spektroskopische Messung der Rotverschiebung. (Ouchi & al. Preprint 14.10., Carnegie Release 6.11.2009)

Komplizierte Gravitationslinse bei z=1.0 hilft bei Eichung der Massenbestimmung von Galaxienhaufen

Ein Galaxienhaufen WARPS J1415+36 bei z=1.03 ist einer der am weitesten entfernten, der das Bild einer weit dahinterstehenden (z=3.9) Galaxie dramatisch verzerrt: An ihm lassen sich gut verschiedene Verfahren der Massenbestimmung von Galaxienhaufen testen und zeigen, dass sie auch bei z~1 noch ganz gut gelten. (Huang & al., Preprint 4.11.2009)

Eine „gewaltige kosmische Struktur“ bei z=0.55 von mindestens 60 Mio. LJ Ausdehnung gilt als bis dato prominenteste Einzelstruktur des kosmischen ‚Skeletts‘. (ESO Release 3.11.2009)

Der Neutronenstern im SNR Cassiopeia A hat eine Kohlenstoffatmosphäre

Jedenfalls kann man nur so ein Emissionsverhalten der zentralen Röntgenquelle des jungen Supernovarestes modellieren, das seine ganze Oberfläche involviert und nicht nur einen Hotspot – denn dann würde der ~330 Jahre alte Neutronenstern pulsieren, was es aber nicht tut. (Ho & Heinke, Nature 462 [5.11.2009] 71-3, Chandra Release 4.11.2009)

Ist NGC 5408 X-1 ein „Mittelklasse“-Schwarzloch? Diese Ultraluminous X-ray Source (ULX) zeigt 100-mal langsamere quasiperiodische Oszillationen der Helligkeit als SL-Kandidaten stellarer Masse und ist gleichzeitig 100-mal heller als diese: Das könnte zu einem SL mit 1000 bis 9000 Sonnenmassen passen. (NASA Feature 10.11.2009)

Untersuchung an Sternhaufen: Lange Sonnen-Minima „normal“?

Das – spektroskopisch bestimmbare – Aktivitätsniveau von 60 ziemlich sonnenähnlichen Sternen im offenen Sternhaufen Messier 67 mag Rückschlüsse auf den „typischen“ Zustand der Sonne zulassen: Danach waren Sterne mit sonnengleicher Rotation eher geringer aktiv als die Sonne, während die aktiveren zugleich schneller rotierten. Bedeutet das, dass die Sonne einen „signifikanten Teil ihrer Zeit“ in einem Maunder-Minimums-artigen Zustand verbringt? (Reiners & Giampapa, Preprint 2., Physics World 12.11.2009)

Die Temperatur der Sonnenkorona fiel von 2006 bis 2008: Das ergibt sich aus der Vergleich von Emissionslinien, die während der Sonnenfinsternisse der beiden Jahre beobachtet wurden – insbesondere war die [Fe XIV]-Linie 2008 wesentlich schwächer geworden. (Voulgaris & al., Preprint 30.10.2009)

Jede Menge Details über Lage und Wanderung der Sternflecken auf CoRoT-2a

haben sich aus 142 Tagen ununterbrochener Photometrie durch den Satelliten herausfinden lassen: So gab es zu Beginn der Beobachtungen zwei einander gegenüber liegende Aktivitätszentren, die sich aber aufeinander zu bewegten. (Lanza & al., Preprint 4.11.2008)

Kapteyn’s Stern aus Omega Centauri entlaufen? Der 25.-nächste Stern (13 Lichtjahre Entfernung von der Sonne) ist wohl nur zufällig hier – er scheint aus derselben Zwerggalaxie zu stammen, die die Milchstraße einst verschluckte und deren Kern nun als „Kugelsternhaufen“ Omega Cen bekannt ist. (New Scientist 11.11.2009)

Sonnenähnliche Sterne mit Planeten haben weniger Lithium

auf ihren Oberflächen – dieser Effekt ist nach den Daten der HARPS-Durchmusterung sehr signifikant. Offenbar wird die Sternkonvektion in einer Phase der Planetenentstehung markant beeinflusst; was da allerdings genau passiert, ist noch ziemlich offen. Aber den Effekt – der wohl auch für das Lithium-Defizit unserer Sonne verantwortlich ist – könnte man zur Vorauswahl von Sternen nutzen, bei denen man Planeten suchen will. (Israelian & al., Nature 462 [12.11.2009] 189-91, auch Pinsonneault, ibid. 168-9, Tracker 13., Welt der Physik 12., ESO Release 11.11.2009) NACHTRÄGE: das Paper als Preprint – und tiefschürfende(re) Gedanken.

Staubscheibe von HR 8799 nachgewiesen, dem Stern mit den drei abgebildeten (mutmaßlichen) Planeten (siehe z.B. hier): Der Staub, den das Spitzer Space Telescope glühen sieht, ist bei Kollisionen von kleinen Körpern untereinander entstanden – die drei Planeten haben wohl noch nicht ihre endgültigen Bahnen gefunden. (Spitzer Feature 4.11.2009)

Ultra-primitive Staubteilchen von Komet Grigg-Skjellerup eingefangen

Im April 2003 zog die Erde durch den Staubschweif des Kometen G-S, und in der Stratosphäre wurde gezielt Jagd auf diese Teilchen gemacht – mit Erfolg: Es handelt sich um deutlich ursprünglichere Partikel als was die Stardust-Sonde aus der Koma des Kometen Wild 2 holte (siehe Artikel C00), und diese IDPs sind sogar älter als die Sonne. (Carnegie PR 2.11.2009) NACHTRAG: ein reichlich später Press Release aus Manchester.

Die „beste“ Sternbedeckung durch Pluto für Europa in mindestens einem Jahrzehnt scheint am 14. Februar 2010 bevorzustehen, wenn ein Stern 11. Größe getroffen wird – schon mit einem Sechszöller müsste man die schwindende Atmosphäre des Zwergplaneten nachweisen können. (PlanOccult 8.11.2009; Sonderseite der IOTA-ES)

Der 50. Jupitermond hat einen Namen erhalten

S/2003 J17, der diesen August wiederentdeckt worden war, ist nun amtlich und darf sich „Herse“ nennen; 12 weitere Jupitermonde warten noch auf ihre Bestätigung. Und der Mond des Kuiper-Gürtel-Objekts (50’000) Quaoar heißt nun ganz offiziell Weywot. (IAUC #9094 11., Planetary Society Blog 12.11.2009)

Saturnmond dank seines Schattenwurfs entdeckt: Als S/2009 S1 wird jetzt ein nur etwa 300 m großer Saturnmond ínmitten des B-Rings geführt, der sich im Juli mit der Sonne fast in der Ringebene durch einen 36 km langen Schatten bemerkbar machte. (IAUC #9091 2.11.2009)

Herschels erste Parallelbeobachtungen mit SPIRE und PACS

2. Oktober 2009

FirstParallelMode_SPIRE_PACS

Nach den First-Light– und ersten systematischen Test-Beobachtungen hat das neue Weltraumobservatorium Herschel nun auch sein erstes richtiges „Pretty Picture“ geliefert – und es handelt sich zugleich um den ersten Paralleleinsatz seiner beiden abbildenden Instrumente. Zu sehen ist ein Detail der Milchstraßenebene (60° vom Zentrum entfernt) zwischen 70 und 500 µm Wellenlänge, also im Fernen Infraroten: „The resulting data unveil a part of the Milky Way galaxy in spectacularly detailed images as we have never seen it before!“ Die Falschfarbendarstellung (je röter desto kälter) liefert direkte Einsichten in die Physik der Sternentstehungsgebiete. Das dritte Herschel-Instrument, der Spektrograph HIFI, ist übrigens seit einer Störung vor 2 Monaten weiterhin offline; wie dieses Blog erfahren hat, macht die Aufklärung der Probleme aber Fortschritte, doch bevor permanent auf ein Ersatzsystem umgeschaltet wird, sind noch einige Tests nötig.