Posts Tagged ‘Supernova’

Fast wie ein Märchen aus dem Orient …

5. September 2015

Ein Jahrtausend ist es nun her, dass mit der Supernova von 1006 eine außergewöhnlich helle Sternexplosion im Lupus für Aufsehen sorgte (hier ein Röntgenbild Chandras des Überrests): Das schlug sich in Chroniken auf mehreren Kontinenten nieder, aber noch immer sind nicht alle Schätze geborgen. Denn auch im Jemen wurde über den neuen Stern geschrieben, doch erst vor einigen Jahren durchsuchte ein arabischer Physiker und Astronomiegeschichtler die dortigen Bibliotheken und machte gar machen Fund. Das Jahr 2000, in einem von Wasserpfeifen verqualmten Café in der jordanischem Hauptstadt Amman: Nach einer Konferenz in Israel zum Leoniden-Sturm des Vorjahres ist dieser Blogger zu den Gastgebern seiner Beobachtungen desselben von der Jordanian Astronomical Society zurück gekehrt – und wird unversehens nämlichem Manuskripten-Forscher vorgestellt, der eine Menge zu erzählen hat.

Wafig Rada heißt er, war mal Spezialist für Detektoren der Kosmischen Strahlung, hat über Meteorschauer in arabischen Chroniken publiziert, in Libyen über Sonnenaktivität geforscht (wo die Ergebnisse dann zur Geheimsache erklärt wurden) und war gerade im Sudan aktiv. Eine erstaunliche Persönlichkeit – die sich Jahre später plötzlich mit dem Entwurf eines Papers meldet: In besagten jeminitischen Bibliotheken habe er Hinweise auf mehrere Supernovae vergangener Jahrhunderte gefunden, die der Forschung bislang unbekannt gewesen seien. Dieser Blogger vermittelt daraufhin einen Kontakt zu Bonner Orientalisten, die Erfahrung mit arabischen astronomischen Handschriften (aus Timbuktu) haben; es gibt aber Meinungsverschiedenheiten über den wissenschaftlich formal korrekten Umgang mit solchem Material, und das Paper erscheint nicht. Rada ist inzwischen an der University of Babylon im Irak in Hilla südlich von Baghdad: Korrespondenz mit einem babylonischen Astronomen!

2013: Auf der Tagung des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft in Tübingen lernt dieser Blogger Ralph Neuhäuser von der FSU Jena kennen, der über Historische Beobachtungen als Schlüssel für das Verständnis von Radiocarbon-Schwankungen vorträgt und dabei alte Quellen und aktuelle Astrophysik in Verbindung bringt – die Spezialität seiner Arbeitsgruppe. Man kommt in’s Gespräch, und dieser Blogger macht Neuhäuser auf Radas weiter unpublizierte Forschungen aufmerksam. 2014: Bei der nächsten Tagung der Reihe trägt Neuhäuser wieder vor, nunmehr über genau dieses Thema: Arabische Beobachtungen historischer Supernovae! Er hatte tatsächlich mit Rada zusammen neue Quellen erschlossen (etwa in der Mitte der Seite), wenn ihm auch nur die bereits bekannten Supernovae und nicht die vermeintlichen neuen Fälle als glaubwürdig erschienen.

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2015: Im Frühjahr kommt ein gemeinsames Paper der beiden über die SN 1006 heraus, allerdings hinter einer Paywall versteckt. Und vor wenigen Tagen ist das Paper nun Open Access erschienen: eine außerordentlich akribische Analyse zweier jeminitischer Texte, Wort für Wort und quasi zwischen den Zeilen. Der ältere der Texte, bisher der Forschung gänzlich unbekannt, ist detaillierter und scheint zuverlässiger – und er vermeldet den neuen Stern bereits anderthalb Wochen vor jeder anderen bisher gefundenen Quelle zur SN 1006! Offenbar hatte man im gebirgigen Jemen einfach einen klareren Blick auf die sehr tief stehende Supernova als z.B. in Kairo. Auch über ihre Helligkeit, Lichtkurve usw. lassen sich neue Informationen extrahieren. Und so hat zumindest dieser Teil der Saga, 1009 Jahre nach der Sternexplosion und 15 Jahre nach der ersten Begegnung von Rada und Blogger, ein Happy End gefunden:

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Weitere größere Artikel – und SN-2014J-Updates

24. Januar 2014

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Supernova 11. Größe in M 82: Inzwischen steht die V-Helligkeit bei 11.2 mag., und dieser Blogger (mehr) wie jetzt auch ein anderer gehen von ca. 10.5 mag. Maximalhelligkeit aus. Oben animierte Pre- und Post-Discovery-Aufnahmen vom KAIT- und LOSS-Projekt, auch Bestätigungen der Ia-Natur und der starken Staub-Rötung (durch Swift; auch ein NASA Release dazu), weitere Spektren, zusätzliche Pre-Discovery-Daten aus China und keine Pre-Discovery aus Russland, Limits für Röntgen-Emission und optische Variabilität vor dem Ausbruch und Radiostrahlung jetzt weder hier noch hier – und die SN 2014J ist nur die erdnächste seit 5 Jahren, als es in M 82 das letzte Mal krachte. Plus ein gutes Amateur-Spektrum, Bilder von gestern (mehr) und vorgestern (mehr, mehr und mehr) und noch mehr, während hier die arme Supernova in der Galaxie ertrinkt. Ferner ein visueller Bericht, ein Aufruf an Schulen, ein Video, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links hier und hier.

Balkengalaxien nehmen seit dem Urknall zu, haben Citizen Scientists heraus gefunden – auch eine weitere Zusammenfassung der Ergebnisse.

Von diesem Blogger im Web-Fernsehen

ISONs Ende: Rückblick und wissenschaftliche Bedeutung – Interview mit Daniel Fischer. Und vorher News zum neuen Mondkrater, den Lichtechos in RS Pup, der Landung von Chang’e-3 und Junos Erdbesuch.

Komet ISON: Die spannendsten Wochen – Interview mit Daniel Fischer. Und vorher News zu einem künstlichen LRO-Mond, einem Gasnebel um Riesenstern, der letzten Antenne für ALMA und Cassinis Saturn von oben.

Komet ISON im Anflug: Interview mit Daniel Fische. Und vorher News zur Nova Del 2013, einer Begegnung der Marsmonde, der Gaswolke am Zentrum der Milchstraße und globalen Folgen des Einschlags von Chelyabinsk.

Kürzere Artikel

Kleinplanet bedeckte gleich zwei verschiedene Sterne – fast gleichzeitig für verschiedene Beobachter.

Zwei Feuerkugeln über Mitteleuropa mit unterschiedlicher Wirkung.

Rosetta wieder zum Leben erwacht – und gleichzeitig ist eine koordinierte Kampagne für Parallelbeobachtungen online gegangen, während die NASA an ihre Beiträge erinnern zu müssen glaubte (Visuals).

Exo-Jupiter in Offenen Sternhaufen auch nicht seltener als im Feld.

Amateur-Astrofotografen entdeckten drei Zwerggalaxien – und zwar deutsche, aber in russischem Auftrag.

Supernova 11. Größe in Messier 82 – schon seit einer Woche da – aber von automatischen Profi-Suchprogrammen verworfen, weil zu hell …

22. Januar 2014

Eine Supernova des Typs Ia in Messier 82 ist letzte Nacht von einem Amateur entdeckt worden (Details sind noch unklar) – aber aufgeleuchtet ist sie schon am 14./15. Januar, wie diese Bilderserie aus Japan (eine Lichtkurve daraus) zeigt. Doch weil die SN so hell war, hatten sie automatische Suchprogramme verworfen, und ohne Amateurastronomen wäre die wissenschaftlich hochinteressante Sternexplosion – die erdnächste seit über 20 Jahren! – womöglich nie entdeckt worden. Weitere frühe Beobachtungen (die Helligkeit liegt jetzt bei 11.3 bis 11.4 mag. im Visuellen), erste Alarmmeldungen & Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, M 82 vorher/nachher blinkend und als Bildpaar, Einzelaufnahmen der Galaxie mit SN hier, hier und hier – und warum keine Neutrino-Sichtungen zu erwarten sind. [NACHTRÄGE: der Bericht der Entdecker (es waren ein Astronomie-Dozent und seine Studenten) der erdnächsten Ia-Supernova seit fast 150 Jahren und der nächstgelegenen im Ausbruch beobachteten überhaupt (denn SN 1972E war wohl weiter weg und von der anderen ist nur der Remnant bekannt, während Jahrhunderte frühere Supernovae nicht als solche verstanden wurden), keinerlei Progenitor beim HST, die gesamte frühe und aktuelle Fotometrie, weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (neu), hier, hier und hier (pre-discovery) und hier (während einer ‚Starparty‘ im Web, und niemand fiel was auf …) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (reichlich übertrieben), hier (erstmal komplett falsch, wird aber korrigiert …), hier, hier und hier. Und zu SN-Ia-Lichtkurven eine Einführung und Papers hier und hier – plus ein eher finsterer geratener eigener Gedanke dazu, dem ein Experte bereits halbwegs zustimmt …]

Das war die untere Konjunktion der Venus in der ersten Januar-Hälfte: eine saubere Animation der vielen Aufnahmen eines Astrofotografen aus Malaysia, die auch die ungleichmäßige Helligkeit der Sichel verdeutlicht, die Beobachtern auffiel. Auch Videos mit spektakulären Nebensonnen tief über Moskau [NACHTRAG: auch viele Standbilder!] und einem zweistündigen Vortrag über Amateure und Exoplaneten – und ein Nachruf auf Wilfried Tost, der nur 61 Jahre alt wurde.

Ein Asteroid bedeckte gleich zwei verschiedene Sterne

Am 17. Januar zog der Kleinplanet (56) Melete über ein schwaches aber enges Sternpaar hinweg, wobei die Schattenzone quer über Europa zog – nicht viele Beobachter waren erfolgreich, aber wie die einlaufenden Berichte zeigen, wurde die Bedeckung beider Sterne je mindestens einmal registriert. Nicht erwähnt ist eine Negativ-Beobachtung aus Radebeul, von wo es aber dieses hochauflösende Video gibt, das die Situation am Himmel verdeutlicht. Auch neue Beobachtungen von 2009 FD, der noch eine minimale Impakt-Wahrscheinlichkeit in ferner Zukunft hat – und der Komet Siding Spring gestern, der in 9 Monaten sehr nahe am Mars vorbei fliegen wird, und C/2012 X1 (LINEAR) heute bei NGC 6384, auch ein Rohbild.

PANSTARRS‘ Schweif zeigt immer mehr Detail

23. März 2013

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Aus dieser Aufnahme von Michael Jäger vom 19. März (13 aufaddierte Bilder eines 10-cm-Teleskops) lässt sich bereits eine Menge heraus holen [NACHTRAG: dito in Farbe!] – auch eine parallele Aufnahme von G. Rhemann [NACHTRAG: auch in Farbe!] und eine ähnlich verarbeitete von L. Comolli vom 21. März [NACHTRAG: auch dieses Bild in Farbe!]. Weitere Aufnahmen und Videos vom 23. März aus Deutschland (mehr), vom 22. März aus Dänemark, Deutschland (mehr) und Italien, vom 21. März aus den USA, Norwegen (mehr), dem U.K., Frankreich und Deutschland (mehr und mehr), vom 20. März aus Norwegen (mit Aurora; mehr), Deutschland (mehr und mehr) und vom 19. März aus den USA und Österreich, Bildersammlungen hier, hier, hier und hier, Anmerkungen zum STEREO-B-Video, Zusammenfassungen über den 22., 21. und 20. März, die nächsten Tage (mehr) – und eine bizarre Statistik. Und ein alternatives Szenario für Komet ISON

Dramatische Feuerkugel erregt den Osten der USA

Es war exakt 0:00 UTC (1:00 MEZ) heute Morgen bzw. 20:00 Uhr Eastern Daylight Time gestern Abend, als eine vielleicht -20 mag. helle Feuerkugel in etlichen Bundesstaaten an der US-Ostküste gesehen wurde – eventuelle Meteoriten fielen in den Atlantik, aber Berichte gibt’s reichlich und z.B. auch – Chelyabinsk Light – ein Dashcam-Video und eins von einer Überwachungs-Kamera. Artikel aus den USA hat’s reichlich, z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, TV-Berichte hier und hier (Vorsicht, bizarr verpackt) und deutsche Artikel hier und hier. [NACHTRÄGE: Die Helligkeit war wohl eher -13 mag., aber das Ereignis war das meist-gemeldete der Geschichte der American Meteor Society seit 2005. Auch Artikel hier, hier, hier und hier – und hier und hier noch zwei Videos.] Und in Sachen Chelyabinsk Details von den Meteoriten – und Seltsames vom See.

Junge Supernova in Messier 65 könnte noch 12. Größe erreichen: Die SN 2013am ist eine junge des Typs II und könnte von ihren aktuellen 16 mag. in den nächsten 2 Wochen noch auf 12.5 mag. steigen – Bilder hier und hier. [NACHTRAG: noch ein Foto]

Einsichten zu explodierten Sternen kompakt

4. November 2011

Lichtkurven der Supernova 2011fe in Messier 101 – vom Satelliten Swift und seinem UV- und optischen Teleskop, das die besten Daten über die ganz frühe Entwicklung einer Typ-Ia-Supernova im Ultravioletten liefern konnte (und dem die SN bei größeren Wellenlängen bald zu hell wurde). Eine wesentliche Erkenntnis: Es hat kein UV-Aufglühen gleich am Anfang gegeben – wie man es aber eigentlich erwarten würde, wenn der Begleiter, der den Weißen Zwerg mit Materie fütterte, bis er thermonuklear explodierte, ein normaler Stern gewesen wäre: Der hätte nämlich einen markanten Schock erlitten. Selbst eine Sonne in ein paar Radien Abstand kann ausgeschlossen werden – ein Indiz für die Verschmelzung zweier Weißer Zwerge als Ursache zumindest dieser Ia-Supernova? (Brown & al., Preprint 12.10.2011. Auch Li & al., Preprint 7.9.2011 mit einer sehr harten Hubble-Obergrenze für die Helligkeit des Progenitors, die ebenfalls gegen einen großen Stern als Begleiter spricht, und Gonzalez-Gaitan & al., Preprint 27.9.2011 zur Anstiegsphase von Ia-Supernovae, die immer 17 Tage dauert)

Sieben Papers über die Supernova 2011dh in Messier 51

  • Die viel beachtete Supernova war vom Typ IIb, also ein kollabierter Stern, dem aber vorher seine äußeren Schichten abhanden gekommen waren, hat ihre frühe Photometrie und Spektroskopie gezeigt: Damit kann der Stern, den Hubble-Aufnahmen exakt an ihrem Ort zeigen, entgegen ersten Vermutungen schwerlich der Vorgänger gewesen sein. Die Hubble-Bilder von M 51 – 2005 im Rahmen des „Heritage“-Programms entstanden, bei dem es um pretty pictures geht – sprechen für einen gelben Überriesen mit -7.7Mv Absoluthelligkeit, der 100’000-fachen Sonnenleuchtkraft und dem 290-fachen Sonnendurchmesser, mit 17 bis 19 Sonnenmassen: vermutlich ein Begleiter des explodierten Sterns, dessen tatsächlichen Vorgänger – einen kompakten und sehr heißen Wolf-Rayet-Stern – er locker überstrahlen konnte. (van Dyk & al., Preprint 5.10.2011; auch Murphy & al., Preprint 13.10., Arcavi & al., Preprint 17.6., Maund & al., Preprint 13.6.2011 zur Vorgänger-Frage)
  • Die SN 2011dh ist eine der am besten im Radio- wie Röntgenbereich beobachteten Supernovae: So wurden schon 14 Tage nach der Explosion VLBI-Beobachtungen (u.a. mit dem Effelsberger 100-m-Teleskop) gemacht, die allerdings nur eine Obergrenze des Supernova-Durchmessers von 450 µas lieferten, angesichts des kompakten Vorgängers – die SN war vermutlich vom Typ cIIb – und der Expansionsgeschwindigkeit der Ejekta allerdings auch nicht anders zu erwarten. Auch die Röntgenlichtkurve spricht für einen kompakten Vorgängerstern und gegen den gelben Überriesen als explodierten Stern. (Martí-Vidal & al., Preprint 26.10., Soderberg & al., Preprint 10.7.2011)
  • Mit Hilfe der SN 2011dh und und der ebenfalls in M 51 beobachteten SN 2005cs konnte die Entfernung der Galaxie – mit der Expanding Photosphere Method – neu zu 8.4±0.7 Mpc bestimmt werden: Das bedeutet u.a. auch wieder, dass der gelbe Überriese am Ort der SN 2011dh ca. 277 Sonnendurchmesser hatte und nicht der Vorgänger der Supernova gewesen sein kann. (Vinko & al., Preprint 2.11.2011)

Enorme Mengen Staub in der Supernova 1987A, die dort offenbar nach der Sternexplosion aus dessen Überrest gebildet wurden, hat – nach jahrelanger Suche mit diversen Teleskopen – nunmehr der Satellit Herschel dingfest gemacht („Jede Menge …“): Aus letztlich nur vier Helligkeitsmessungen bei verschiedenen IR-Wellenlängen und dem Ausschließen aller alternativen Erklärungen für diese Emission folgen stolze 0.4 bis 0.7 Sonnenmassen Staub in Form 17 bis 23 K kalter Teilchen. Die ausgesprochen effiziente Staubproduktion dieser Supernova spricht dafür, dass Supernovae maßgeblich für die Staubmassen in jungen Galaxien bei hohen Rotverschiebungen verantwortlich sein könnten. (Matsuura & al., Science 333 [2.9.2011] 1258-61, auch McKee, ibid. S. 1227-8)

Zirkumstellares Material um viele Typ-Ia-SNe herum

verrät sich als blauverschobene Absorber in den Spektren von 35 dieser Supernovae: Bei diesem vom explodierten System fort strömenden Gas handelt es sich offenbar um einen Wind des Begleiters, dessen Gas den Weißen Zwerg zur Explosion brachte: Das passt nur zu einem normalen Stern und nicht zu einem zweiten Weißen Zwerg, der mit dem ersten verschmolz und ihn so über die kritischen Massengrenze trieb. Mindestens jedes vierte als Ia-SN endende System ist offenbar von dieser Sorte. (Sternberg & al., Science 333 [12.8.2011] 856-9; Carnegie Release 10., Weizmann Release 22.8.2011; S&T 18.8.2011)

Eine Supernova des Typs Ia mitten im Nirgendwo ist PTF10ops, die überdies in keine bekannte Unterklasse dieses Typs passt: Ihre Leuchtkraft ist geringer als üblich, die Lichtkurve dagegen normal. Und an ihrem Ort ist keinerlei Galaxie zu finden, erst in 150 kpc Entfernung: Ist hier ein extrem altes Sternsystem explodiert, das bis dorthin gewandert war? So oder so passt dieser Fall zu keinem der bislang vorgeschlagenen Vorgänger-Wege. (Maguire & al., Preprint 1.8.2011)

Typ-Ia-SNe waren im jungen Kosmos 5-mal häufiger

als im heutigen, zeigt ein intensives Suchprogramm mit dem Subaru-Teleskop, das in 150’000 Galaxien 150 Sternexplosionen vorfand, darunter 40 des thermonuklearen Typs: Vermutlich gab es damals einfach mehr junge Sterne, die zu den erforderlichen Weißen Zwergen wurden. (Subaru Release 3., Berkeley Release 4.10.2011)

Extrem helle Supernovae ohne Wasserstoff und Helium und einer mehr als 10-fach höheren Leuchtkraft als normal – bereits im nahen Kosmos bekannt – hat das PanSTARRS-Teleskop („PanSTARRS …“) auch in kosmologischer Distanz gefunden: Bei den meisten ist keine Galaxie dahinter zu erkennen. Und der Mechanismus der Explosionen? Unbekannt. (PS1SC Blog 4.10.2011)

Ein Pulsar machte aus einem Begleitstern einen „Planeten“

Das System PSR J1719-1438 ist es das zweite bekannte überhaupt, bei dem ein Pulsar von einem oder mehreren Objekten von Planeten-Masse umkreist wird – allerdings liegt hier der Verdacht nahe, dass das Ding mit einer Jupitermasse, das den Millisekundenpulsar alle 2.2 Stunden umkreist, früher einmal ein richtiger Stern war, dem die Strahlung des Neutronensterns sein meistes Gas davon geblasen hat. Mit einer Dichte von mindestens 23 g/cm^3 dürfte das höchstens 60’000 km große Objekt – korrekt wohl als ultraleichter Weißer Zwerg anzusprechen – aus Kohlenstoff bestehen, der in einer diamantartigen Kristallform vorliegt. (Bailes & al., Science 333 [23.9.2011] 1717-20; MPIfR PM 25., Matt Burleigh’s Blog, Professor Astronomy 26.8.2011)

Gepulste Gammastrahlung mit mehr als 100 GeV vom Crab-Pulsar, die der VERITAS-Detektor beobachtet, gibt Rätsel auf: Die üblicherweise heran gezogene Curvature Radiation kommt als Emissionsmechanismus nicht mehr in Frage (bisher war der Crab bis 25 GeV gesehen worden), eher schon inverse Compton-Strahlung – jedenfalls muss sie in mindestens 10 Radien Abstand vom Neutronenstern erzeugt werden, und es ist auch nicht klar, ob derselbe Mechanismus für die Crab-Emission bei allen Energien sorgt. (VERITAS Collab., Science 334 [7.10.2011] 69-72; CfA, WUStL, UCSC Releases, Ars Technica, Welt der Physik 6.10.2011. Und ArXiV Blog 11., AstroBites 12., Physics World 18.8.2011 zu würfelförmigen Neutronen in Neutronensternen – das packt sich besser)

Verschmelzende Neutronensterne leuchten lange im Radio

nach, u.U. wochenlang, während der rasante – „mild-relativistische“ Ausfluss aus dem Prozess mit dem umgebenden Medium wechselwirkt: Das zeigen jetzt Modellrechnungen. Die erfreulich für die Astronomie mit Gravitationswellen sind, denn Neutronenstern-Fusionen dürften zu den ersten kosmischen Quellen gehören, die deren Detektoren „empfangen“ können, wenn sie empfindlich genug geworden sind. Und das wäre der Nachweis der zugehörigen Radiostrahlung – die erst nach einer Weile einsetzt – eine willkommene Bestätigung, dass es tatsächlich passiert ist. Denn ansonsten ist allenfalls mit einer (optischen) Mini-Supernova zu rechnen, die leicht übersehen werden kann; das Radiosignal ist dagegen „robust“. Kurioserweise wurde schon einmal genau so eins beobachtet, aber der 5-GHz-Transient RT 19870422, der immerhin zwei Monate dauerte, könnte auch eine exotische Supernova gewesen sein. (Nakar & Piran, Nature 478 [6.10.2011] 82-4; BdW 29.9.2011)

Als der Stern ins Schwarze Loch fiel, gab es auch einen Jet und nicht nur ein zunächst GRB-artiges, dann aber lange anhaltendes Aufleuchten bei hohen Energien: Weitere Daten von der exotischen Quelle Sw 1644+57 legen nun nahe, dass dabei ein relativistischer Jet entstand – mit dem Theoretiker bei der Akkretion vom Masse auf ein SL nicht gerechnet hatten. Praktischerweise zeigt der Jet fast exakt in unsere Richtung – und es glimmt noch immer und wohl noch bis 2012. (Burrows & al./Zauderer & al., Nature 476 [25.8.2011] 421-8, auch Lazzati, ibid. 405-6; NASA Release, New Scientist 24., JAXA Release 25.8.2011)

Supernova in M 101 sinkt nach 9.9 im Maximum

15. September 2011

Paul Evans, mit freundlicher Genehmigung

Die Lichtkurve der Supernova 2011fe in Messier 101 hat um den 12. September ein Maximum von 9.9 mag. im Visuellen erreicht und ist seither erst wieder um ca. 0.1 mag. schwächer geworden, während sich der Mond mühsam vom Abendhimmel zurück zieht: Jetzt beginnt die vielleicht beste Woche für den visuellen Beobachter! Der Blogger hatte heute Abend endlich zum ersten Mal die Gelegenheit, die Supernova visuell aufzusuchen (vorher war entweder kein Teleskop zur Hand gewesen oder Wetter oder Mond passten nicht): Mit Hilfe dieses Fotos, das Bernd Gährken just in der Nacht der größten Helligkeit mit stehender Kamera aufgenommen hatte, gelang das Starhopping zu dem 10-mag.-„Sternchen“ mit einem 5″-CometCatcher (Schmidt-Newton) von Mizar entlang einer Sternenkette binnen einer Minute. Der durch den schon wieder aufgegangenen Mond aufgehellte Himmel – visuelle Grenzgröße ca. 3.7 mag. – erlaubte bei höherer Vergrößerung immerhin ein schemenhaftes Erkennen der Galaxie selbst (ähnlich wie auf Gährkens Foto), aber die Supernova dominiert sie visuell noch komplett.

Wenn der Himmel wieder dunkel ist, wird man beide vielleicht noch einmal so sehen wie auf dem Foto von Paul Evans vom 3. September, als die SN etwa 10.5 mag. hatte: Die Supernova ist der helle Stern links unterhalb der Galaxie, der im Teleskop ein auffälliges Dreieck mit den zwei Vordergrundsternen rechts bildet. Weitere Aufnahmen auch vom 10., 6. und 3. September und 30. und 28. August – und ein Amateur-Spektrum! In der Profiwelt werden u.a. aus dem Fehlen eines Progenitors auf alten HST-Aufnahmen tiefschürfende Schlüsse über die Natur der Ia-SN gezogen, dito aus Radio- und Röntgen-Messungen; aufschlussreich auch die UV-Lichtkurve. Populäre Artikel über die SN 2011fe gab es massig (etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier), leider meist gespickt mit absurden „Informationen“ zu ihrem Auffinden nach dem Motto, mit einem x-beliebigen Feldstecher mal eben in den Großen Wagen schauen reiche völlig aus – zu finden selbst in einer Pressemitteilung aus Oxford! Kritisiert wird dieses Übel hier und v.a. hier: gut gebrüllt!

M-101-Supernova nahe Maximum von ~10.3 mag.

4. September 2011

AAVSO Light Curve Generator

Die schon unmittelbar nach dem Ausbruch entdeckte Supernova in der Galaxie Messier 101, SN 2011fe, ist erwartungsgemäß um 6 Größenklassen heller geworden, aber die Lichtkurve (oben vorläufige AAVSO-Daten; grün = validierte V-Fotometrie) flacht nun ab und dürfte knapp unter 10 mag. zum Stehen kommen. Es gibt schon zahlreiche wissenschaftliche Notizen (etwa, dass das HST keinen Vorgänger sah und auch kein Zusammenhang mit einer Nova besteht oder zur Helligkeitsentwicklung) und Fotos und Helligkeiten daraus sowie einen Beobachtungsbericht der SN mit Keck. Desweiteren visuelle Impressionen von Anfang September und dem 31. August, Sammlungen von Bildern verschiedener Daten hier, hier und hier und einzelne vom 3. und 1. September und 31. (noch eins), 29., 28., 26. und 25. August. Schließlich Beobachtungstipps hier, hier, hier, hier und hier, ein mehr oder weniger hilfreiches Video und allerlei Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Nachrichten von irdischen Teleskopen kompakt

16. April 2011

Eine Aufnahme des Wide Field Imager am MPG/ESO 2.2-m auf La Silla von NGC 3582, Teil der Sternentstehungsregion RCW 57: Die geschwungenen Bögen sind überwiegend alte Supernovareste, Hinterlassenschaften massereicher Sterne, die es schon wieder hinter sich haben.

Amateurastronomen haben immer noch großen Anteil an Supernova-Entdeckungen: 15% im Jahre 2010!

Trotz mehrerer automatischer Suchprogramme der Profi-Astronomie stehen die – Handvoll – Amateurastronomen immer noch bestens da, die intensiv und mit ausgeklügelten Strategien nach Supernovae in anderen Galaxien suchen: Von den 538 SN-Entdeckungen des Jahres 2010 gingen immerhin 82 auf ihr Konto! Lediglich die Catalina Real-Time Transient Survey (189 Funde) und die Palomar Transient Factory (88) waren erfolgreicher. Bei spektroskopisch bestätigten Supernovae liegen die Amateure mit 69 Fällen sogar auf dem 2. Platz, zwischen PTF (88) und CRTS (67): Insgesamt ‚gewinnen‘ aber zunehmend die Riesendurchmusterungen großer Himmelsfelder, während das Absuchen Galaxie für Galaxie auf die hinteren Plätze rutscht. (Gal-Yam & Mazzali, Preprint 26.3.2011. Und Djorgovski & al., Preprint 24.2.2011 zur Arbeitsweise der CRTS)

Eine neue Transient Objects Confirmation Page am CBAT wurde im Januar eingerichtet, die nun nicht mehr von Hand (wie die alten „Unconfirmed Objects“) sondern automatisch aktualisiert wird, sobald ein – registrierter – Astronom eine Entdeckung meldet. Bei der TOCP-Seite geht es ausschließlich um unbewegliche Quellen, also nichts im Sonnensystem. (CBET #2629 10.1.2011. Und CfA Release 11.1. und IfA Release 24.2.2011 zu Pan-STARRS-Endeckungen im Kuiper Belt bzw. bei Near Earth Asteroids)

BigBOSS quasi genehmigt: 500 Nächte an 4-m-Teleskop für die größte Karte des Universums

Der Vorschlag der BigBOSS Collaboration, 500 Nächte am 4-m-Mayall-Teleskop auf dem Kitt Peak für eine gewaltige Himmelsdurchmusterung mit einem speziellen Instrument zu nutzen, ist beim Betreiber des Teleskops auf Wohlwollen gestoßen: Tausende von Objekten sollen gleichzeitig spektroskopiert werden, um einen 3D-Katalog von 50 Mio. Objekten zu erstellen, mit 10-mal mehr Volumen als beim BOSS-Projekt der SDSS III (siehe ISAN 128-7). Aus dem sollen sich dann die Expansionsgeschichte des Kosmos und wesentliche kosmologische Größen genau ableiten lassen. (LBL Release 1.2.2011. Und Symmetry Breaking 16.4.2011 zur Dark Energy Camera)

Ein superpräziser Spektrograph für die Exoplanetenjagd auf der Nordhalbkugel wird HARPS-N, ein Klon von HARPS am 3.5-m-Teleskop auf La Silla: Am 1.4.2012 soll das Instrument am ebenfalls 3.5 m großen Telescopio Nazionale Galileo auf La Palma – seinerseits ein Klon des NTT auf La Silla – den Betrieb aufnehmen. (ROE Release 12.2.2011. Und die Planetary Society 1.4.2011 zur Alternative FINDS Exo-Earths)

„Founding Board“ für den Square Kilometer Array gegründet – und Deutschlands BMBF ist dabei

Forschungsorganisationen aus neun Ländern – darunter Deutschland – haben am 2. April das sog. Founding Board für den SKA („Wie die erste Phase …“) gegründet und einen Letter of Intent verfasst, in dem sie sich zur gemeinsamen Suche nach den geschätzten 1.5 Mrd. Euro verpflichten, die das Rieseninterferometer kosten soll. Das Project Office kommt an’s Jodrell Bank Observatory in England, das Science Office nach Bonn, und man hofft, in den kommenden 6 Monaten weitere Länder ins Board zu holen. Dessen Aufgabe, so M. Kramer vom MPIfR zu diesem Blog (pers. Mitt. 4.4.2011), ist „die Kreation einer neuen legalen Organisation“: Sie „bereitet den Bau vor und leitet diesen ein.“ U.a. hat sich nun „Deutschland bereit erklärt, an dem Board teilzunehmen, um an den Beratungen mitwirken zu können.

Es besteht die Erwartung (aber das ist so noch nicht beschlossen!), dass Deutschland auch als Partner in der neuen Organisation dabei ist. Aber das hängt von verschiedenen Faktoren an. Selbst wenn es dazu kommt, ist das nicht gleichbedeutend mit einer Zusage vom BMBF, sich am Bau zu beteiligen. Damit ist also kein Geld bisher reserviert. […] Dennoch ist der Vorgang am Samstag an sich sehr positiv, da nun das SKA von einem Projekt in einer ernsthafte Organisation überführt werden kann, die dann auch in der Lage ist, wichtige Entscheidungen wie die des Standorts zu treffen.“ 2012 soll nun entschieden werden, ob der SKA in’s südliche Afrika oder Australien/Neuseeland kommt, 2016 ist Baubeginn und 2024 Fertigstellung. (SKA, STFC Releases, MPIfR PM, BBC 2., Economist 5.4.2011. Auch die Lusaka Times und Nature News zur südafrikanischen und News.com.au und The Star zur australischen Bewerbung – und die südafrikanische Times zu beiden)

Das CfA erhält eine ALMA-Prototyp-Antenne und wird sie – in Zusammenarbeit mit Taiwan – vermutlich in Grönland auf der Summit Station aufstellen: Nach allerlei Kontroversen erhielt das bekannte amerikanische Astronomieinstitut nun unter drei Bewerbern den Zuschlag für die 12-m-Schüssel, die die Firma Vertex geliefert hatte. Zusammen mit anderen Sub-mm-Observatorien, etwa auf Hawaii, soll dann VLBI betrieben werden. (CfA Release 4.4., Nature Blog 25., Nature News 1.2.2011. Und ASTRON Releases zu den ersten multinationalen Beobachtungen mit LOFAR und Messungen mit mehreren Beams gleichzeitig bei einem SKA-Demonstrator sowie eine PM des MPIfR zu Pulsar-Beobachtungen mit LOFAR)

Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

24. September 2010

Der Magellansche Strom ist mindestens 200° lang

und 2.5 Mrd. Jahre alt und hat bis zu 100 Mio. Sonnenmassen: Das ist die Quintessenz der Analyse einer großen Radiodurchmusterung („Der Magellansche …“) mit dem Green Bank Telescope, die immer noch nicht das komplette Band aus neutralem Wasserstoff erfasst, die sich um die Milchstraße wickelt, aber zum ersten Mal klar zeigt, dass es eine durchgehende Struktur ist (im Bild in Rosa einer optischen Gesamthimmelskarte von Mellinger überlagert). Nach neuen Erkenntnissen über die Bahnen der Magellanschen Wolken (ISAN 31-2) ist unwahrscheinlich, dass das Gas diesen Nachbargalaxien entrissen wurde, als sie der Milchstraße zu nahe kamen: Vielmehr dürften sich die beiden Minigalaxien vor knapp 3 Mrd. Jahren begegnet sein und gegenseitig starke Sternentstehung getriggert haben: Spätere Supernovaexplosionen trieben den Wasserstoff dann – ’supergiant shell blowout‘ – in den Raum. (Nidever & al., Preprint 31.8.2010)

Jede Menge isolierte und sehr kompakte Wolken aus neutralem Wasserstoff in der Milchstraße hat die GALFA-HI-Survey (Galactic Arecibo L-band Feed Array HI) bei 21 cm dank einer Winkelauflösung von 3.5′ zu Tage gefördert: DIe meisten sitzen in der galaktischen Scheibe und sind nur wenige kpc entfernt. (Begum & al., Preprint 18.8.2010)

Die ersten Cepheiden in der Sculptor-Galaxie NGC 7793

sind entdeckt worden: 17 langperiodische Exemplare mit einer scharfen Perioden-Leuchtkraft-Beziehung. Das Entfernungsmodul der Galaxie beträgt demnach 27.7±0.1, die Entfernung 3.4 Mpc: näher als nach anderen Methoden (aber noch im Bereich der Fehlerbalken) und weitgehend identisch mit der ebenfalls Cepheiden-basierten Distanz der benachbarten Galaxie NGC 247. Zwei andere Spiralen der Sculptor-Gruppe, NGC 55 und NGC 300, sind mit 1.9 Mpc aber viel näher: Das bestätigt die Vermutung einer entlang der Sichtlinie sehr in die länge gestreckten Galaxiengruppe. (Pietrzynski & al., Preprint 18.8.2010)

Natur der „Green Pea“-Galaxien aufgeklärt: Bei dieser Entdeckung im Rahmen der ‚Galaxy Zoo‘-Citizen Science (ISAN 90-7) handelt es sich besonders metallarme Galaxien, die durch Supernova-Winde viel Gas verloren haben. (JENAM Release 10.9.2010)

Eine extrem helle Sub-mm-Galaxie mit einer Rotverschiebung von 3.9 – bei 1.2 mm die hellste des gesamten Nordhimmels – ist mit dem 30-m-IRAM-Teleskop in Spanien entdeckt worden: Selbst wenn man ihr eine gewisse Verstärkung durch eine Gravitationslinse zugesteht, so hat sie doch um die 100 Billionen Sonnenleuchtkräfte im fernen IR und eine Milliarden Sonnenmassen Staub. Aber kein Gegenstück im sichbaren Licht. (Lestrade & al., Preprint 2.9.2010)

Theoretiker verzweifeln: Chemie der Sonne passt einfach nicht zu ihren Schwingungen

Genaue Modellrechnungen der Sonne seit gut 6 Jahren, die den Aufbau ihrer Atmosphäre und damit den Verlauf der Randverdunklung wie auch das Sonnenspektrum gut wiedergeben, wollen einfach nicht zu den Aussagen über das Innenleben der Sonne passen, die aus der Helioseismologie stammen: Es hat auch nicht geholfen, dass sich führende Astronomen beider Forschungsrichtungen zusammen getan haben. Früher passte alles wunderbar zusammen, aber nach den neuen Sonnenmodellen muss es drastisch weniger Kohlen-, Stick- und Sauerstoff sowie Neon geben – doch dann wäre das Temperaturprofil der Sonne ein deutlich anderes, und der ganze Sonnenkörper sollte anders schwingen als gemessen. Die große Entdeckung, die den Widerspruch auflöst (andere „Durchsichtigkeit“ der Elemente, neue Transportprozesse im Sonneninneren etc.), lässt weiter auf sich warten. Und wird nicht nicht nur von der Sonnenforschung sehnlich erwartet: Die Chemie der Sonne spielt in zahlreiche andere Felder der Astrophysik hinein. (Science 3.9.2010 S. 1144-5)

Ist SN 2010X eine Supernova des Typs „.Ia“? Die Helligkeit dieser Sternexplosion ist danach so schnell abgefallen wie bei kaum einer anderen (nur SN 2002bj war schneller): Hier könnte ein spezieller Weißer Zwerg explodiert sein, nach Massenzufluss durch einen Begleiter, oder es handelte sich um die thermonukleare Explosion einer Heliumschale auf einem solchen Zwerg – wegen der verglichen mit einer Ia Supernova geringen Leuchtkraft auch als „.Ia“ (Punkt Ia) bekannt. Die Palomar Transient Factory (ISAN 87-5) sollte dank ihrer hohen Beobachtungskadenz pro Jahr mehrere derartig rasante Objekte entdecken. (Kasliwal & al., Preprint 6.9.2010. Die PTF hat übrigens bisher 752 Supernovae gefunden)

Der erste Röntgenpulsar, den sein Begleiter verfinstert

Swift J1749.4-2807 wurde 2006 bei einem kleinen Ausbruch entdeckt, aber erst bei einem größeren diesen April wurde die Quelle – in Messungen des Satelliten RXTE – als Pulsar erkannt, mit 518 Umdrehungen pro Sekunde. Und auch, dass dreimal etwas die Röntgenstrahlung verdeckte, alle 8.8 Stunden für jeweils 36 Minuten: Die Strahlung des Pulsars hat den Begleiter mächtig anschwellen lassen. (NASA Release 17.8.2010)

Ein Magnetar aus einem Stern mit mindestens 40 Sonnenmassen sorgt für Erstaunen, da Sterne dieser Masse nach landläufiger Meinung klar als Schwarze Löcher enden sollten – und nicht als Neutronensterne. Aber das Objekt sitzt im Sternhaufen Westerlund 1, der nur 3.5 bis 5 Mio. Jahre alt ist: Wer da bereits als Supernova untergegangen ist, muss eine Anfangsmasse von mindestens 40 Sonnen besessen haben. Vermutlich hat der Vorgängerstern irgendwie einen Großteil seiner Masse eingebüßt, bevor er explodierte – wie, ist allerdings unklar. (ESO Release 18.8.2010)

Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

23. März 2010

Ein sehr kühles Binärsystem mit nur 500 K bei einem der Partner

aber leider nur sehr ungenau bestimmten Parametern ist SDSS J1416+13AB: Insbesondere weil die Entfernung noch nicht direkt per Parallaxe bestimmt werden konnte (was wegen der vermuteten Sonnennähe aber bald gelingen sollte), sind die Massen von 30 und 75 Jupitern und Temperaturen von 500 bis 600 und 1500 K der beiden Braune Zwerge noch mit einiger Vorsicht zu genießen. (Burningham & al., Preprint 25., Scholz, Preprint 28., Herts, R.A.S. Releases 29.1., Welt der Physik 2.2.2010)

Mehrere Wege führen wohl zu ‚Blue Stragglern‘ in Kugelsternhaufen, zeigen Untersuchungen an M 30 und NGC 188: Sowohl Sternkollisionen bei besonders hoher Sterndichte wie auch verschmelzende Binärsysteme können diese unerwartet massereichen Sterne produzieren. (Davies/Ferraro & al./Mathieu & Geller, Nature 462 [24.12.2009] 991-2/1028-35, ESA HST, ESA Releases 23.12.2009)

Schon wieder eine neue Klasse von Nova-Explosionen

ist identifiziert worden, eine Unterklasse der schwachen und schnellen Novae, die einem speziellen Suchprogramm mit dem 60″-Spiegel des Palomar Observatory für schnelle Veränderliche ins Netz ging und Eigenschaften hat, die man bisher nicht kannte. In Absoluthelligkeit wie Geschwindigkeit spannen Novaexplosionen jeweils zwei Größenordnungen auf – und ihre Eigenschaften scheinen von gleich vier Parametern (Masse des Weißen Zwergs, Temperatur, Chemie und Akkretionsrate) abzuhängen. (Kasliwal & al., Preprint 8.3.2010)

Der Ausbruch von P Cygni im 17. Jh. kam durch Massentransfer von einem B-Stern zustande, der den Luminous Blue Variable begleitet, sagt ein neues Modell – nachdem alle großen Ausbrüche dieser LBVs durch Wechselwirkung mit einem Begleiter verursacht werden. (Kashi, Preprint 23.2.2010)

Neue Supernova-Klasse mit Helium-Detonation auf einem Weißen Zwerg beobachtet?

Die SN 2002bj entwickelte sich außergewöhnlich schnell, erreichte eine Helligkeit von -18M und hatte ein Spektrum, das nur entfernt an eine Supernova des Typs Ia erinnerte: Vielleicht steckte ein bis dahin nur vermuteter Vorgänger dahinter, eine Detonation von Helium auf einem Weißen Zwerg, bei der nur wenig Material abgesprengt wird. Dieser noch wenig erforschte Mechanismus wird auch aus „.Ia SNe“ bezeichnet, weil nur 1/10 der Helligkeit einer typischen Ia erreicht wird und auch die Dauer der Explosion nur 1/10 so lang ist. (Poznanski & al., Science 327 [1.1.2010], Keck, Berkeley, NSF Releases 5.11.2009)

Relativistische Geschwindigkeiten in Supernova-Explosionen sind bei SN 2009bb vom Typ Ibc und SN 2007gr (Ic) nachgewiesen worden: So etwas kannte man bisher nur von Sternexplosionen, bei denen es auch zu einem Gammaburst kam, aber das war hier nicht der Fall. (Soderberg & al./Paragi & al., Nature 463 [28.1.2010] 513-8, CfA, NASA, JIVE, NRAO Releases, Megan’s Blog 27.1.2010)

Die Röntgenhelligkeit der SN 1987A in der LMC steigt immer weiter

mit fortschreitendem Eindringen der Schockwelle der Supernova in den zirkumstellaren Ring um das Vorgängersystem, zeigen XMM-Beobachtungen über die Jahre: Die Entstehung eines frischen Supernovarests kann weiter in allen Einzelheiten verfolgt werden! Inklusive solcher Details wie der Veränderung von Plasma-Parametern über die Jahre hinweg. (Sturm & al., Preprint 9.2.2010)

Eine „Hubble-Diagramm“ mit Supernovae des Typs II-P, das nur um 0.1 bis 0.15 mag. streut und diesen Typ Sternexplosionen als mögliche Standardkerze für kosmische Entfernungsmessungen hat sich im Nahen Infraroten aufstellen lassen: Da korreliert nämlich die absolute Maximalhelligkeit schön mit der Expansionsgeschwindigkeit. Ob die II-er SNe allerdings den Ia-SNe das Wasser reichen können, wird sich noch zeigen müssen. (Maguire & al., Preprint 16.12.2009)

Die Sternentstehungsrate der Milchstraße liegt bei 2/3 bis 1 1/2 Sonnenmassen im Jahr

Das ergibt sich aus der Statistik von rund 20’000 Young Stellar Objects, die im Rahmen der Himmelsdurchmusterung GLIMPSE des Spitzer Space Telescope – neben 100 Mio. anderen Sternen – gezählt wurden. Da die Milchstraße heute 100 Mrd. Sterne enthält, muss die Sternbildungsrate früher einmal wesentlich höher gewesen sein, für eine ausgewachsene Galaxie ist eine Sonnenmasse pro Jahr aber ein typischer Wert. (Spitzer Press Release 10.3.2010)

Das Magnetfeld nahe des Galaktischen Zentrums hat mindestens 50 µG, hat eine neue Analyse des nichtthermischen Radiospektrums ergeben, und wahrscheinlich liegt der Wert sogar nahe 100 µG: Über 10% der magnetischen Energie der Galaxis würden dann in weniger als 0.05% ihres Volumens stecken. (Crocker & al., Nature 463 [7.1.2010] 65-7)

Massen von Andromeda-Galaxie und Milchstraße nicht zu unterscheiden

Auch die Bahnen zahlreicher Zwerggalaxien im Orbit um die beiden Galaxien haben nicht zu entscheiden geholfen, welche die größere Masse hat: Die der Milchstraße kann demnach irgendwo zwischen 1.2 und 2.7 Billionen Sonnenmassen liegen – entweder über oder unter der den deutlich besser zu bestimmenden 1.3 bis 1.6 Billionen Sonnenmassen von M 31. (Watkins & al., Preprint 24.2.2010)

Junge Galaxie torpedierte ihre eigene Sternentstehung: In SMM J1237+6203 kam es schon früh zu derart heftigen Explosionen, dass alles für die weitere Sternentstehung nötige Gas schlicht hinaus geblasen wurde. (R.A.S. Press Release 10.3.2010)

Eis-Teleskop IceCube „sieht“ den Schatten des Mondes

Das Neutrinoteleskop am Südpol hat mit 40 ‚Strings‘ voller Photomultiplier zum ersten Mal eine Empfindlichkeit erreicht, dass sich die Abschattung der Kosmischen Strahlung durch den Mond tatsächlich bemerkbar macht: Es schießen weniger Myonen durch den überwachten Eisblock. (Boersma & al., Preprint 7.3.2010)

Aktive Galaxien sorgen für weniger als 30% der Gamma-Hintergrundstrahlung, die der Fermi-Satellit sieht: Zwischen 0.1 und 100 GeV spielen die ehemals führenden Kandidaten für die Gesamtheit dieses schwachen extragalaktischen Glühens nur eine minimale Rolle, hat die aufwändige Analyse der Beobachtungen – der helle galaktische Vordergrund musste sorgfältig subtrahiert werden – ergeben. (LAT Collaboration, Preprint 3., NASA News 2.3.2010)