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2000 Physiker tagen in Bonn – LHC, Schwarze Löcher, Exoplaneten und mehr

15. März 2010

Die ganze Woche findet seit heute an der Universität Bonn die 74. Jahrestagung der DPG und DPG Frühjahrstagung statt, wobei das Kürzel für die Deutsche Physikalische Gesellschaft steht und die Bonner Tagung genau genommen nur 1/3 der gesamten Frühjahrstagung darstellt, die sich inzwischen auf drei Schauplätze verteilt: Mit zusammen 10’000 Teilnehmern und 8000 Papers ist es die größte Physiker-Tagung in Europa und eine der größten der Welt. Die rund 2000 in Bonn – bis heute Morgen waren 2084 angemeldet – füllen die Gebäude der dortigen Universität auch schon gut aus, doch in ein Konferenzzentrum geht man nicht: einmal der Kosten wegen, aber auch, weil die Nähe zu den Studenten explizit gesucht wird, von denen viele auf einer DPG-Frühjahrstagung ihren allerersten Vortrag halten.

Das Themenspektrum allein der Bonner Tagung ist enorm und reicht von philosophischen Fragen der Physik über Teilgebiete der Astronomie bis zu den ersten Erkenntnissen aus dem kurzen Lauf des Large Hadron Collider Ende 2009 („LHC macht kurze Pause“) – die Bonner Tagungsorganisatoren K. Desch & R. Beck sind besonders stolz, dass es gerade sie „getroffen“ hat, Schauplatz dieser Präsentationen zu sein. In ein paar Wochen wird es übrigens am CERN wieder ein großes Medienevent geben, wenn es zu den ersten Protonenkollisionen mit je 3.5 TeV pro Strahl kommt. Mit dieser Energie geht es dann bis Ende 2011 weiter, und Desch erwartet, dass schon während dieser Zeit bedeutende Ergebnisse erzielt werden. Das entsprechende Detektor-Team muss der Konkurrenz am Beschleunigerring übrigens eine Woche Vorwarnung vor der Einreichung und gleichzeitigen Publikmachung der Veröffentlichung geben. Eine erste Erkenntnis der 2009-er Messungen ist bereits, dass sich echte LHC-Daten doch recht anders anfühlen als die Simulationen, mit denen man sich Jahre lang vergnügen musste.

Im ersten Plenarvortrag, wegen der Zahl der Tagungsteilnehmer aus der Aula (Bild oben) auch in einen weiteren großen Hörsaal übertragen, gab Thomas Henning einen rasanten Überblick über die Flut von Beobachtungen und theoretischen Einsichten in Sachen Exoplaneten der vergangenen 15 Jahre. Henning hält das Problem der Planetenbildung dank Turbulenz in der Scheibe für gelöst – und hofft, in Bälde mit dem ersten Spektrum der Atmosphäre einer Supererde aufwarten zu können, von GJ 1214b nämlich (siehe ISAN 100-8): Beobachtungszeit mit dem VLT hat er gerade bekommen. Auch wird Hennings Gruppe versuchen, die erste echte Exoplanetenentdeckung der Astrometrie hinzubekommen (wo es von Fehlschlägen wimmelt, siehe ISAN 100-11). Und die nächste Herausforderung ist die Abbildung einer ‚anderen Erde‘ und deren Spektroskopie – angesichts der rasten Folge von Durchbrüchen in der Exoplanetologie womöglich auch wieder früher als noch vor kurzem gedacht.

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