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Raumfahrt kurz & bündig

18. Oktober 2009

In wenigen Tagen kommt der Augustine-Bericht

In der Woche ab dem 19. Oktober wird dem Weißen Haus die offenbar ziemlich umfangreich geratene Endfassung des Berichts der Augustine-Komission zugestellt, der eine Reihe von Optionen für die zukünftige Richtung der bemannten US-Raumfahrt aufzeigen wird. Bereits eine Zusammenfassung am 8. September hatte klar gemacht, dass bei der gegenwärtigen Etatlage überhaupts nichts Nennenswertes über den Low Earth Orbit hinaus machbar ist. Und bei einer gewissen Bewertung der Optionen für Größeres während der letzten Anhörung ergab sich eine leichte Führung für den „flexible path“, bei dem weder Landungen auf Mond oder Mars im Mittelpunkt stehen, sondern Besuche bei erdnahen Kleinplaneten oder den Marsmonden. (Das wiese gewisse Ähnlichkeiten mit NASA-Ideen um 2002 auf: siehe Artikel 555.) Wie das Weiße Haus und der Kongress reagieren werden (und ob es das Ares-I-Programm, dessen erster Demonstrationsflug noch diesen Monat stattfinden soll, noch länger geben wird), ist nicht abzuschätzen … (Space News 16.10.2009, CNN 12.10.2009 und New Scientist und Orlando Sentinel Blog 8.10.2009 sowie der Status des Ares-Tests) NACHTRAG: Den Bericht gibt’s am 22.10. um 19:00 MESZ – und der Ares-Testflug bleibt für den 27.10. geplant, während der nächste Shuttle-Start auf den 16.11. rutscht.

Navigationssystem Galileo erst um 2016 fertig

Es zeichnen sich wieder einmal Verzögerungen (und eine neuerliche Kostensteigerung) beim europäischen Galileo-System ab: Vermutlich werden die vier Verifikationssatelliten, bei deren Bau es zu Problemen – und 400 Mio. Euro Mehrkosten – kam, erst 2011 starten und die gesamte Konstellation erst 2016 fertig sein. Auch werden zunächst weniger der operationellen Satelliten bestellt, um ihr Design ggf. leichter ändern zu können. (Space News 16.10.2009)

Ein Nachfolger der Ariane 5 nach 2020 wird vermutlich weniger Power haben (und preiswerter sein): Bis auf das ATV wird die Startkapazität der europäischen Rakete kaum benötigt, weshalb meist zwei Satelliten gleichzeitig an Bord sind. (Spaceflight Now 16.10.2009)

Der erste Daten-Relais-Satellit geht in den Ruhestand

Der 1983 gestartete TDRS-1 hatte zuletzt v.a. die Südpolstation mit dem Rest der Welt verbunden, war aber vorher mehrfach Pionier bei der verbesserten Kommunikation mit Raumschiffen und Satelliten gewesen. Jetzt allerdings ist der letzte Verstärker an Bord ausgefallen, und er wird kommende Woche auf eine Parkposition verschoben. (Spaceflight Now 13.10.2009)

Kommunikationssatelliten für den Mars auf nicht-keplerschen Bahnen, die durch permanent aktive Ionentriebwerke möglich sind, könnten dereinst für eine ununterbrochene Funkverbindung zwischen Erde und Mars sorgen. (ESA Press Release 16.10.2009)

Die Gesamtkosten des JWST sind auf fast 6 Milliarden Dollar gestiegen

Der „Hubble-Nachfolger“ sollte einmal drastisch preiswerter werden als das berühmte Weltraumteleskop, aber „dank“ der jüngsten Startverschiebung um ein weiteres Jahr, mit die 300 Mio.$ extra zu Buche schlägt, ist allein der NASA-Anteil am James Webb bereits auf knapp 5 Mrd.$ geklettert. Dazu kommt noch der Beitrag der ESA zu Hardware, Start und Betrieb von rund 500 Mio. Euro … (Space News 14.10.2009)

Hubble-Pionier gestorben: Rodger Doxsey war fast drei Jahrzehnte lang am STScI für den wissenschaftlichen Betrieb des Weltraumteleskops zuständig gewesen. Und galt als einer der wenigen, die „Hubble als ganzes“ verstanden. (HST Release 14.10.2009, Baltimore Sun 15.10.2009, New York Times 18.10.2009)

Rosetta vor dem nächsten Erdvorbeiflug

Am 13. November wird die ESA-Kometensonde bis auf 2481 km an die Erde herankommen, größte Annäherung in der Nähe von Java, um die Bahn wieder etwas mehr derjenigen von Komet 67P anzupassen. (ESA Blog-Eintrag 16.10.2009) NACHTRAG: Was beim Flyby passieren soll.

Die Interpretation der Wasserdampffontänen von Enceladus bleibt kontrovers, da sie gleichermaßen mit und ohne – potenziell bewohnbaren – Ozean unter der Oberfläche des Saturnmondes erklärt werden können: Das kann als Argument für eine Raumsonde dorthin aber auch dagegen verwendet werden. (Space.com 13.10.2009)