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Der Ursprung des „ISON ist ein UFO“-Schwindels / The Origin of the ‚ISON is a UFO‘ Hoax

21. August 2013

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Eigentlich sollte all der Unfug, der bereits über den armen Kometen ISON ausgeschüttet wird, in diesem Blog schlicht nicht stattfinden, doch ein Recherche-freier Artikel der Augsburger Allgemeinen, der unreflektiert z.B. diese absurde Blogstory verlinkt, erfordert nun doch ein Einschreiten. Der Schwindel von ISON, dem UFO, basiert auf dem obigen Bild: dem missratenen Ergebnis eines Versuchs, mit Hubble eine tiefe Aufnahme des Kometen vor dem Himmelshintergrund zu machen, die durch die Bahnbewegung ISONs und v.a. Hubbles vereitelt wurde. Wie das passierte und warum man schließlich als Notlösung eine Schwarzweiß-Aufnahme des Kometen in das farbige Komposit kleben musste, haben die Verantwortlichen wiederholt erklärt, z.B. hier und hier. Es ist einfach nur widerlich: Da war die NASA einmal richtig offenherzig und hat ein misslungenes Hubble-Resultat präsentiert (wo sie doch angeblich immer alles Verdächtige verschwinden lässt) – und der Lohn ist gleich die nächste Verschwörungstheorie. Die deutsche „Journalisten“ nun auch noch weitergeben statt aufzuklären …

Originally all the nonsense already distributed about poor comet ISON should find no place in this blog, but an article in a German paper devoid of any inquiries and linking to e.g. this absurd blog story instead demands action. The hoax about ISON being a UFO is based on the image shown above: the failed attempt to get a Hubble image of comet ISON in front of the deep sky, thwarted by the comet’s and especially Hubble’s orbital motions. How that happened and why they – as a kludge to save the day – eventually pasted a black & white ISON onto a color sum image, has been explained in public numerous times, such as here, here and here. It is just disgusting: Here NASA – which ‚covers up‘ everything suspicious in many loonies‘ minds – has once been even more open than usual and shown a mishappen result. And all it gets is yet another conspiracy theory. Which German ‚journalists‘ now spread instead of debunking … [ADDENDA: the whole thing in one strip, a mighty rant about all this nonsense – and finally the STScI has reacted, too, as have the Comet ISON Observing Campaign and once more the Hubble folks]

Zum Ausgleich auch eine positive ISON-Nachricht: Auch in Indien wird jetzt eine große Beobachtungs- wie Informations-Kampagne initiiert (mehr und mehr). [NACHTRÄGE: Auf einen Bild mit 5″-Refraktor vom 21.8. aus Japan erscheint ISON arg schwächlich, zwei Tage früher mit 10″ überzeugender mit 13. Größe.] Und ein theoretisches Paper sagt voraus, dass Rosettas Zielkomet schon früher aktiv werden könnte als bisher berechnet. Auch Fan-Verarbeitung von Vesta-Daten, ein schockierend detailreiches Uranus-Bild eines Amateurs, natürlich des ‚üblichen‘ Verdächtigen, ein koronaler Massenauswurf der Sonne Richtung Erde und gleich noch einer [NACHTRÄGE: mehr und mehr dazu] und eine Link-Sammlung zur Nova Del 2013, deren normaler Abstieg begonnen hat (mit ungewissem Fortgang freilich) und die Gamma– aber keine Röntgen-Strahlung aussendet. NACHTRAG: weitere Helligkeiten vor dem Ausbruch, alle 17 mag.

Mal eben einen UFO-Klassiker at Acta gelegt …

23. Oktober 2012

Es war am 11. Dezember 1998, als ein Astronaut vom Space Shuttle Endeavour aus während der Mission STS-88 diese auf den erste Blick erstaunlichen Bilder schoss: mit einer Hasselblad auf Diafilm, hier Ausschnitte aus Scans in der maximalen Auflösung, die die Datenbank der NASA für Erdaufnahmen durch Astronauten hergibt. Anklicken zeigt jeweils das gesamte 6×6-Bild in geringerer Auflösung, und auf diesem Bild noch vor dem 1. gezeigten (oben) und diesem und diesem nach dem letzten ist das ‚Close Encounter‘ auch noch dokumentiert. Damals erregten die Bilder offenbar keinerlei Aufsehen, das WWW war ja auch noch jung und direkter Zugang zu den zigtausenden von Fotos, die während amerikanischer bemannter Flüge entstanden, nahezu unmöglich. Als die Bilder aber schließlich – inzwischen war 2009 – viel leichter auf zu treiben waren, geriet der Wirbel in UFO-philen Kreisen um so größer, wie etwa dieser, dieser, dieser und dieser Fund zeigen; es gibt aber noch viele mehr. Und vor ein paar Stunden sind die Bilder schon wieder aufgetaucht, in diesem Video eines UFO-Spinners, der hier die Vorboten einer Invasion im nächsten Monat gewahrt – und das sogleich von einer indischen „Nachrichten“-Webseite angepriesen wurde („Nasa Insider Leaks HD Pics Of Alien Ship (UFO) In Orbit“). [NACHTRAG: Video wie Artikel sind inzwischen futsch.]

Und was war es wirklich? Da Googeln nach STS-88 in Kombination mit allerkei Keywords einfach nicht weiter half und immer nur neue Spinneren auftischte, hatte die ‚Sache‘ offenbar außerhalb dieser Kreise keinerlei Wirkung entfaltet, weder 1998 noch 2009. Schließlich hat dieser Blogger einfach mal auf den Webseiten des Weltraum-Gurus Jim Oberg nach STS-88 gesucht – und auf der letzten Seite dieses Artikels tatsächlich die Antwort gefunden! Dort wird auf diese Video-Dramatisierung der Bilder hingewiesen – und dass „the space-walking STS-88 astronauts who took the photos were apologizing for dropping an insulation blanket they had removed during wiring up the first module of the International Space Station“. Der Verlust der Isolationsmatte ist auch in diesem Orbital Debris Quarterly auf Seite 8 dokumentiert: Wie ein weiterer Raumfahrt-Experte mitteilt, wurde sie einfach ersetzt. Das langsam rotierende und sich verformende Stück – natürlich als „Shapeshifter“ eine besonders bedenkliche Alien-Technologie … – blieb länger in der Nähe des Shuttles und wurde schließlich auch mal abgelichtet. Wie übrigens auch manch anderes, das bei EVAs verloren geht. Case closed also – fünf Minuten vor der internationalen Debatte der Präsidentschafts-Bewerber: Dann braucht ja doch keine interstellare draus zu werden …. NACHTRÄGE: spätere Slides von Oberg und lange Artikel hier und hier.

Wie die Venus als Raute ins Fernsehen kam …

27. April 2012

Es war am Montag, dem 23. April, gewesen, als das WDR-Fernsehen und das Planetarium Bochum parallel eine E-Mail mit der detaillierten Schilderung einer UFO-Sichtung aus Wuppertal-Vohwinkel erhielten: Um 23:50 Uhr am Sonntag war da „ein heller, größerer Stern“ im Nordwesten gesichtet worden, „einen ‚Tick‘ zu groß“ für den Abendstern. Und vor allem nahm er beim Heranzoomen mit einer Videokamera eine erstaunliche Form an, eine Art schattierte Raute; zwei Einzelbilder hingen der Mail an. Aus diesen und den Umständen der Beobachtung war diesem hinzu gezogenen Blogger sofort klar, dass dies sehr wohl die Venus war (in diesen Wochen in der Tat extrem hell und auffällig) und die verrückte Form ein klassisches Optik-Artefakt. „Bei Ihren Aufnahmen schlagen vor allem Phänomene zu, die im Fachjargon als Unschärfekreis und Bokeh bezeichnet und auf Webseiten wie http://digicam-experts.de/wissen/17 und http://de.wikipedia.org/wiki/Bokeh anschaulich beschrieben sind,“ teilten wir vom Planetarium dem Beobachter am Dienstag mit: „Was Sie aufgenommen haben, ist letztlich die Form der Blende Ihres Kameraobjektivs, die über nur vier Lamellen zu verfügen scheint und daher ein schlechtes Bokeh aufweist. Mit der wahren Gestalt der Venus (die z.Z. wie eine winzige Mondsichel aussieht) haben die Bilder nichts zu tun.“ Eine Kopie an den WDR unterblieb, in der festen Erwartung, dass man dort der Sache sicher nicht weiter nach gehen würde.

Aber weit gefehlt: Am heutigen Freitag kam die Story richtig ‚gross raus‘, sowohl in der Aktuellen Stunde (3 Minuten: 18:32-21:27; auch ein Text und Bilder dazu) wie auch in der Regionalzeit Bergisches Land – und letzterer 4-Minuten-Beitrag wurde zudem in die Mediathek der ARD aufgenommen! Beide Beiträge zeigen den Beobachter zuhause mit seinem Video, zunächst noch ganz geheimnisvoll – die Aufklärung des Phänomens liefert dann in der Aktuellen Stunde der technische Leiter des Planetariums Bochum (der über den Zusammenhang des Interviews über die besondere Helligkeit der Venus am Freitag mit der UFO-Geschichte gar nicht informiert worden war), während es in der Lokalzeit der Leiter der Sternwarte Solingen ist. Dass die detaillierte Aufklärung des Video-Mysteriums durch noch jemand anderen erfolgt war, erfuhr der Zuschauer in keinem Fall. [NACHTRAG: Der Wuppertaler hatte unsere Mail da auch noch nicht gelesen, sagt er.] Aber immerhin wird er – auch wenn ihm die Details der Entstehung der „Video-Venus“ nicht erklärt wurden – die Message mitgenommen haben, dass die Venus derzeit besonders hell am Abendhimmel strahlt. Und daher leicht missverstanden werden kann, was (etwa der Trigger der aufwändigen WDR-Aktivitäten?) just am Freitagmittag Gegenstand einer kleinen DPA-Meldung aus dem Hause CENAP gewesen war! Und um bei dieser Gelegenheit gleich noch mit einem aktuellen Venus-Mythos auf zu räumen: Entgegen vielen Medienstories ist der Planet vor der Maschine keineswegs eindeutiger Verursacher eines wilden Flugmanövers im Januar 2011 gewesen, wie man dem Original-Untersuchungsbericht entnehmen kann …