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„Bittersüße“ Telecon: Spirits Befreiungs-Versuch ab Montag

12. November 2009

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Am Montag wird der Marsrover Spirit die ersten Kommandos bekommen, und sich aus der Misere zu befreien, in der er seit April steckt: Der Boden sah so aus wie immer, aber plötzlich war der Rover durch die harte Kruste (duricrust) eingebrochen, und im weichen Material darunter fanden seine Räder einfach keinen Halt mehr. Umfangreiche Experimente in einem Sandkasten haben klar gemacht, dass Spirit in einer sehr schwierigen Situation steckt, bei der ein spitzer Stein unter dem Boden auch nicht gerade hilft, war auf einer Telecon heute abend zu hören, die als „bittersüß“ anmoderiert wurde – da fürchteten die ersten Zuhörer schon, die NASA habe aufgegeben.

Aber nein: Am kommenden Montag werden die ersten Kommandos zu Spirit geschickt, um zu versuchen, auf dem gleichen Weg wieder heraus zu kommen, wie der Rover (rückwärts wie immer seit eines der 5 Räder kaputt ist) hineingefahren ist. Man wird jeweils einen Tag die Räder drehen lassen und dann den – vermutlich nur minimalen – Fortschritt ausgiebig analysieren. Nach mehreren solcher Zyklen wird dann beurteilt, ob es so weiter gehen kann. Eine Weiterfahrt in der ursprünglichen Richtung erschien jedenfalls noch viel weniger vielversprechend, da Spirit dann hätte bergauf fahren müssen. Auch wenn alles unternommen werden soll, um aus dem Loch herauszukommen (mindestens bis Februar soll das versucht werden, dann gibt es einen großen Review der Lage): Zumindest ist der Rover an einer besonders interessanten Stelle stecken geblieben, genau einer lokalen geologischen Grenze nämlich.

Der aus dem Boden aufgewühlte grobe Sand („Ulysses“ im Bild der Front-Hazcam) ist der sulfatreichste, auf den irgendein Rover stieß; weiter rechts sieht es ganz anders aus. Und ein technisches Problem scheint zumindest gelöst zu sein: Das Flash Memory funktioniert wieder. Falls also am Ende gar nichts mehr geht: Als ortsfeste Wetterstation wäre Spirit immer noch nützlich. NACHTRAG: ein NASA Press Release anlässlich der Telecon – von einer „high probability“, dass die Befreiung fehlschlägt, war da aber nicht so explizit die Rede gewesen; dieser Artikel gibt den „spirit“ m.E. besser wieder. Auch: ein langer Artikel zu Spirits Lage vor der Telecon. NACHTRAG 2: weitere detaillierte Zusammenfassungen der Telecon hier, hier und hier. NACHTRAG 3: noch ein langer und ein mittellanger Artikel.

Ulysses: das Ende ist nahe – live im Web!

30. Juni 2009

ulysses
Heute wird das Kontrollzentrum im JPL in Kalifornien (Bild, Screenshot aus Webcast ca. 18:00 MESZ) die europäisch-amerikanische Sonnensonde Ulysses anweisen, ihren Sender abzuschalten – über 18 Jahre nach dem Start kommt damit eine der langlebigsten Missionen der Weltraumforschung (siehe auch Artikel von 2008) zu einem kontrollierten Ende. Der Empfänger an Bord von Ulysses bleibt eingeschaltet: Im Prinzip könnte die Sonde wieder aktiviert werden, doch dazu wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Denn die Radioisotopenbatterien sind praktisch erschöpft, der wenige verbliebene Treibstoff ist im vergangenen Jahr nur deswegen nicht eingefroren, weil immer wieder kurz die Düsen aktiviert werden, und das Deep Space Network wird für viele andere Missionen benötigt, die erheblich mehr Wissenschaft versprechen.

Die letzten Stunden von Ulysses können in einem Webcast – mit Lääängen! – noch bis ca. 22:30 MESZ mit verfolgt werden; Loss of Signal sollte gegen 22:15 MESZ erfolgen. Auch Press Releases von ESA und JPL, die Homepage der Ulysses Ops mit dem End of Mission Plan und Status Reports der letzten Monate sowie ein langer Artikel von Spaceflight Now über die finalen Prozeduren. NACHTRAG: ein ESA Press Release Minuten nach dem LOS. NACHTRAG 2: ein JPL Release danach. NACHTRAG 3: Kelly Beatty über den Webcast.