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Kick-Off für ein „Weltraum-Teleskop für alle“

25. Januar 2013

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Der scheinbar verwegene Plan eines Weltraumteleskops für die deutsche Öffentlichkeit ist heute auf einem siebenstündigen Kick-Off-Workshop im Haus der Astronomie spürbar konkreter geworden: Der Einladung des Initiators Heiko Wilkens [NACHTRAG: ein Interview] war ein breites Spektrum von Experten gefolgt, von Astronomie-Professoren über Didaktiker und Publizisten bis zu Vertretern der deutschen Raumfahrtindustrie und der Amateurfunk-Satellitenbauer der AMSAT-DL. Endgültige Spezifikationen für den Satelliten, dessen Bau und Start durch Sponsoren und dessen Betrieb durch die Benutzergemeinde – aber teilweise unterstützt durch weiteres Sponsoring – finanziert werden sollen, kamen bei dem Meeting natürlich noch nicht zustande, wohl aber ziemlich klare Rahmenbedingungen. So wird das Weltraumteleskop wohl „piggyback“ beim Start einer anderen großen Nutzlast in den Orbit gelangen müssen, weil es das bereits für wenige Mio. Euro gibt (und schon die kleinste Exklusiv-Rakete ein Vielfaches kostet), und einen für derartige Zwecke bereits entwickelten „Bus“ – also Satellitenkörper mit allen Subsystemen – verwenden müssen, weil ein speziell für sein Teleskop zugeschnittener unbezahlbar wäre.

Aus diesen harten Kriterien wird sich wiederum die maximal mögliche Größe des Teleskops ergeben, die wohl deutlich unter einem Meter liegt. Und daraus folgt dann wieder der Nutzen des Ganzen für die verschiedenen angepeilten Zielgruppen, die von der breiten Öffentlichkeit und Amateurastronomen über die Ausbildung an Schule und Hochschule bis zur Fachastronomie reichen. Letztere sieht vor allem im UV-Bereich von ca. 120 bis 300 nm eine reizvolle Nische auch schon für ein kleines Weltraumteleskop (ab 30 cm), da diese Wellenlängen astrophysikalisch viel zu bieten haben, aber nur oberhalb von 200 km zugänglich sind – und wenn es Hubble nicht mehr gibt, gar nicht mehr. Eine mögliche Lösung wäre die Aufteilung der Brennebene des Teleskops in einen zentralen CCD-Array für visuelles Imaging und daneben die Öffnung für einen UV-Spektrographen – für den es in der deutschen Astronomie gewichtige Vorbeiten gibt. Reizvoll erscheint auch, beim Bau des Satelliten nicht nur auf bewährte Komponenten zu setzen sondern auch Innovationen zu fördern: Die lässt sich die öffentliche Hand mitunter etwas kosten.

Eine Idee in dem Zusammenhang wäre z.B. ein kompakt gestartetes Teleskop, das erst in der Umlaufbahn ausklappt. Oder eine piezomechanische Feinnachführung der CCD. Denn die vielleicht größte Herausforderung für das Projekt wurde in Heidelberg bereits eingekreist: die Lageregelung, die so stabil sein muss, dass das Teleskop seine beugungsbegrenzte Abbildungsleistung im Orbit auch ausspielen kann. Über besagten Orbit übrigens wurde schon fast ein Beschluss herbei geführt: Eine hochelliptische Bahn hat den Vorteil, dass sie sich zwanglos aus dem geostationären Transferorbit der eigentlichen Nutzlast der Rakete – typischerweise ein Nachrichtensatellit auf dem Weg zum geostationären Orbit – ergibt, dass die Erde die meiste Zeit nur wenig Sicht auf’s Universum verdeckt, weil sich der Satellit überwiegend nahe des Apogäums aufhält, und dass besagte Erdferne mit langsamer Bewegung am Himmel den Datenempfang (man darf mit bis zu 1 GB/Orbit rechnen) mit einer großen Schüssel vereinfacht, die nur langsam nachgeführt werden müsste. Versehen mit einer Fülle von ‚action items‘ trennte man sich schließlich in der Abenddämmerung, in der Gewissheit, dass dieses Jahr wesentliche Weichen gestellt werden dürften.

Ein Teleskop im Orbit. Für Amateurastronomen. Unter deutscher Federführung. Wie war das?!

28. Oktober 2012

Neu ist die Idee ja nicht: Schon vor 30 Jahren träumten amerikanische Amateurastronomen von einem Amateur Space Telescope im Orbit (AST; siehe auch hier und hier, „Independent Space Research Group“ und Referenz 18), und zwanzig Jahre später war ein International Space Station Amateur Telescope (ISS-AT; siehe auch hier und hier und vermutlich auch hier, „There were a couple of things …“) in Planung – beide Projekte verschwanden nach anfänglichem Enthusiasmus sang- und klanglos wieder. Aber jetzt ist die Idee erneut aufgetaucht, diesmal sogar primär ‚made in Germany‘: Auf der 31. Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen präsentierte Heiko Wilkens (u.) gestern dem verblüfften Publikum eine Art Business Plan für ein 80-cm-Teleskop im Erdorbit, dessen 80 bis 130 Mio. Euro Kosten Sponsoren aufbringen und zu dessen Betriebskosten zusätzlich auch die Nutzer pay per view beitragen sollen, mit einigen hundert Euro pro Stunde.

Eine bislang hinter den Kulissen operierende Planungsgruppe, zu der insbesondere die Amateur-Optik-Spezialisten Richard Berry und Harrie Rutten und der Astronaut Gerhard Thiele gehören, hat offenbar bereits einige bedeutende Organisationen zumindest ideell ins Boot holen können und ist in Sachen Sponsorensuche diesmal guten Mutes: Als entscheidend wird eine Ausweitung der Zielgruppe für das orbitale Gerät weit über die Amateurastronomie gesehen, was bei den gescheiterten früheren Projekten nicht gelang. So beginnt nun – und der BoHeTa-Auftritt war ein nicht unwichtiger Schritt dabei – eine öffentliche Werbekampagne bei allen möglichen potentiellen Nutzern, auch im Bildungs- und Wissenschaftsbereich (die Projekt-Webseite ist bislang allerdings noch rudimentär). Und es darf nahezu beliebig ‚out of the box‘ gedacht werden: Sollte z.B. ein gewisser Getränkehersteller, der letztens in die Schlagzeilen kam, etwas springen lassen, dann – so Wilkens (im Bild links) zu diesem Blog – könnte man den Satelliten natürlich problemlos wie eine seiner Dosen anstreichen … NACHTRAG: ein weiterer BoHeTa-Bericht – die hier und hier erwähnte Astrium-Initiative ist wohl eine andere, ähnliche Idee?