Posts Tagged ‘WISE’

Schwarz-Loch-Kandidat um Faktor 3000 heller

30. April 2012

Der rosa Klecks unten im rechten Ausschnitt aus der Galaxie Messier 83 (links eine Gesamtaufnahme im Optischen vom VLT) ist ein heftiger Röntgenausbruch eines Schwarz-Loch-Kandidaten: Ein Chandra-Bild nahe des Maximums wurde hier in Rosa dem optischen Bild überlagert. Die Quelle ist im Röntgenlicht seit 2000 um einen Faktor 3000 heller geworden und jetzt eine „ultraluminous X-ray source“ oder ULX geworden: Aus der Leuchtkraft folgt eine Masse von 40 bis 100 Sonnen.

Die Sombrero-Galaxie im Infraroten entpuppt sich für Spitzer als zwei Galaxien in einer: Blau & grün entspricht 3.5 & 4.6 µm und damit Sternlicht, rot 8.0 µm und Staubemission – und so lassen sich eine innere Scheibe fast nur aus Sternen und eine äußere aus Sternen und Staub unterscheiden. Die scheinbar so simple elliptische Galaxie erweist sich dank Spitzer als viel komplexer als gedacht.

Ein alter Stern, der gerade eine Unmenge Staub produzierte, während er als Post-AGB-Stern einen späten thermischen Puls erlebte, ist oben links auf dieser kombinierten WISE- und IRAS-Infrarot-Aufnahme in Orange zu sehen: Grün und Rot entspricht WISE 12 und 22 µm, Blau IRAS 12 µm – und als letzterer Satellit 1983 den Himmel durchmusterte, war da nix! Wohl aber bei der 2MASS-Durchmusterung, so daß es kurz vor 1998 passiert sein muss – und was für ein Glücksfall: Im gesamten WISE-Katalog hat sich genau diese eine Quelle seit IRAS‘ Zeiten derart dramatisch verändert.

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Die Rotverschiebungen 43’000 ‚lokaler‘ Galaxien

28. Mai 2011

an – fast – dem gesamten Himmel zeigt dieses Produkt der 2MASS Redshift Survey, die überwiegend Galaxien mit 0.01 < z < 0.04 enthält (das gibt’s auch aufgesplittet nach z-Intervallen), was 140 bis 550 Mio. Lichtjahren Distanz entspricht: Die Farbe zeigt hier die Rotverschiebung an. Dieser Datensatz gilt als vollständigste 3D-Karte des ‚lokalen‘ Universums und reicht für extragalaktische Surveys ungewohnt nah an die galaktische Ebene heran.

Vier von zahlreichen Galaxien, wie sie der IR-Satellit WISE sah: Generell erscheinen die ältesten Sterne in dieser Falschfarb-Darstellung rötlich, jüngere Populationen eher weißlich. Von mindestens 1000 Galaxien aller Typen sollen aus der Durchmusterung WISEs Bilder ähnlicher Qualität extrahiert werden. Da kann sich das Spitzer Space Telescope nicht lumpen lassen und hat einen Atlas kollidierender Galaxien abgeliefert, der auch UV-Daten von GALEX einbezieht.

Der Lagunennebel M 8 in falschen Farben vom HST aufgenommen mit der ACS durch H-Alpha-, N-II- und V-Filter, denen die Farben R, G und B zugeteilt wurden. Man vergleiche mit einer ähnlichen Gemini-Aufnahme („Ein kleiner Ausschnitt …“).

14’000 Sterne im Carina-Nebel und ein diffuses Röntgenglühen sind auf diesem Mosaik aus 22 Chandra-Aufnahmen zu sehen: In diesem Sternentstehungsgebiet haben bereits die ersten Supernovae gezündet.

Der Kugelsternhaufen Terzan 5 auf einer Hubble-Aufnahme – aber ist es überhaupt einer? Wenn das Ergebnis einer Internetabstimmung – siehe ISAN 137-8 – ‚Gesetz‘ würde, dann müsste man ihn ob seiner zwei getrennten Sternpopulationen, 6 und 12 Mrd. Jahre alt, als kleine Galaxie führen.

57% des IR-Himmels: erster WISE Data Release

15. April 2011

So hat der NASA-IR-Satellit WISE den Himmel gesehen (Blau + Zyan = 3.4 + 4.6 = überwiegend Sterne, Grün + Rot = 12 + 22 µm = überwiegend Staub), jedenfalls jene 57%, deren Durchmusterungsdaten gestern veröffentlicht worden sind: 257’310’278 Galaxien, Sterne und Asteroiden sind in der Datenfülle enthalten, 257 Mio. Objekte insgesamt, die mit speziellen Web-Tools erschlossen werden können: Dieses hier erzeugt Farbbilder on the fly.

Bilder wie dieses von der Umgebung des Sterns Lambda Orionis: Der heiße, massereiche Stern und ein paar Nachbarn regen den Lambda-Orionis-Molekülring zum Leuchten an; mit 10 x 10 Grad ist dies auch das größte zusammenhängende WISE-Bild, das bisher publiziert wurde.

Die ersten 6 der 18 Spiegelsegmente des James Webb Space Telescope bei Kryotests am MSFC: Technische Aspekte des Mega-Satelliten feiert die NASA in einem Fort; über die explodierenden Kosten- und Zeit-Probleme schweigt man dezent …

NASA-Chef hält JWST-Start im Jahr 2018 für realistisch

So schnell kann man gar nicht gucken, da ist der angepeilte des Starttermin des JWST schon wieder gerutscht: Auf einer Anhörung zum NASA-Haushalt hat der NASA-Chef nun verraten, dass man sich gar nicht erst bemühen wird, jene ~500 Mio. Extradollar zu fordern, die einen Start vielleicht noch 2015 erlaubt hätten – das schien angesichts der Haushaltsmisere einfach aussichtslos. Allenfalls der 2012-er JWST-Etat wird vielleicht ein bisschen wachsen dürfen. Also müssen die Arbeiten an dem riesigen IR-Satelliten – 3/4 der Bauteile sind immerhin schon da – weiter gestreckt werden, und der Start rutscht auf 2018. Noch Ende dieses Monats soll es – auch schon wieder verspätet – einen konkreten Etat- und Zeitplan geben … (Mikulski Press Release 11., Space News, New Scientist, AW&ST 12., Spaceflight Now 13.4.2011)

Die IXO- und LISA-Teams der NASA werden nicht sofort aufgelöst, trotz des Ausstiegs der NASA aus Projektpartnerschaften mit der ESA, hat sich inzwischen gezeigt: Man hofft wohl, wenn die ESA 2012 einen der beiden großen Astronomiesatelliten als L1-Mission ihrer Cosmic Vision auswählen sollte, als Juniorpartner wieder einsteigen zu können. Dem Vernehmen nach wird bei der ESA bereits über einen Mini-IXO namens Advanced Telescope for High ENergy Astrophysics (ATHENA) nachgedacht … (Dynamics of Cats 13.4.2011) NACHTRAG: noch ein Spätzünder zum NASA-Ausstieg … NACHTRAG 2: … und noch einer … NACHTRAG 3: … und ein Meta-Artikel. NACHTRAG 4: und die ESA noch mal, ganz amtlich.

Scheilas Ausbruch: Kollision die beste Erklärung

1. April 2011

Vom erstaunlichen Kometenausbruch des vermeintlichen Asteroiden Scheila letzten Dezember sind nun Hubble-Aufnahmen von zwei Zeitpunkten publiziert worden, als die Koma schon stark verblasst war – die Bilder selbst machen weniger her als so manche Amateuraufnahme des frischen Ausbruchs, dafür ist die Analyse tiefschürfender. Im Gegensatz zu erdgebundenen Messungen habe sich die Albedo des Asteroiden nicht verändert. Und die einfachste Erklärung für die kurzlebige Koma sei der Einschlag eines etwa 35 m großen Asteroidchens in den 113 km großen Kleinplaneten, der die aus den HST-Daten abgeleitete Staubmenge – 40 Mio. kg – heraus geschlagen haben könnte. Alternativ könne natürlich auch unter der Oberfläche geschütztes Eis freigelegt worden sein, das sublimierte und den Staub mitriss – aber für die Freilegung wäre wiederum ein Impakt die naheliegendste Erklärung. Außerdem hätte die Aktivität dann länger anhalten müssen. Auch wenn nach Ansicht der HST-Autoren Scheila eindeutig keinerlei Kometennatur hat, so packen sie ihn doch in die Klasse der Hauptgürtelkometen, die damit sieben bekannte Mitglieder hat: In der Grafik (Bahnexzentrizität gegen große Halbachse in AU) sind sie alle markiert; orange = Asteroiden, blau = kurzperiodische Kometen, senkrechte Linien = Halbachsen von Mars und Jupiter, dazwischen die Jupiter-2:1-Resonanz.

Spitzer bastelt Katalog gut erreichbarer – und interessanter – Near Earth Asteroids

Mit dem – seit dem Ende des Kühlmittels „warmen“ – Spitzer Space Telescope werden derzeit und noch bis Ende des Jahres im Rahmen des ExploreNEOs-Projekts rund 700 bekannte Near Earth Objects mit 3.6 und 4.5 µm Wellenlänge beobachtet, die von der Erde aus mit besonders günstig erreicht werden könnten: Die IR-Fotometrie erlaubt Rückschlüsse auf Größe und Albedo. Besonders interessant – für unbemannte Sonden, die Bodenproben holen sollen, ebenso wie für bemannte Missionen, die die NASA ab Mitte der 2020-er Jahre in Erwägung zieht („Vager Zeitplan …“) – sind zum einen Asteroiden, die auf klassischen Hohmann-Bahnen mit besonders geringer Geschwindigkeit erreicht würden. Und zum anderen wünscht man sich besonders dunkle Körper, die – in der Regel – besonders primitives Material aus der Urzeit des Sonnensystems versprechen (die bereits umkreisten Eros und Itokawa gehörten nicht dazu). Bereits 65 Einträge umfasst der Kandidatenkatalog, und am Ende dürften es etwa 160 vielversprechende Objekte sein. Zur Zeit ‚in Führung‘ liegen 1992 UY4, 2001 SK162 und 2001 PM9, während 1996 XB27 und 1989 ML zwar noch leichter zu erreichen aber auch bedenklich hell sind. (Mueller & al., Astronomical Journal 141 [April 2011] 109ff; Scientific American 30.3.2011)

Der NEO-Katalog von WISE wird noch umfassender als Spitzers, verspricht derweil das NEOWISE-Team: Während Spitzer seine NEOs gezielt anhand des Katalogs im sichtbaren Licht entdeckter Kleinplaneten aussuchen musste und daher so manchen besonders dunklen Brocken verpasst haben dürfte, hat der WISE-Satellit den gesamten Himmel systematischen im Infraroten abgescannt (siehe ISAN 129-9). Dabei wurden nicht nur etwa 33’000 unbekannte Asteroiden im Hauptgürtel entdeckt (und insgesamt über 154’000 Objekte detektiert) sondern auch 135 Near Earth Objects (bei über 584 insgesamt beobachteten NEOs) – und schon aus den IR-Helligkeiten bei verschiedenen Wellenlängen lassen sich recht zuverlässig Größen und Albedos ableiten, selbst wenn man keine visuellen Helligkeiten hat. Auch in diesem Katalog – leider sind ein paar der WISE-NEOs nicht rechtzeitig nachverfolgt worden und wieder verloren – könnten die Raumfahrtplaner fündig werden. (Mainzer & al., Preprint 9.2.2011)

Infrarote Einsichten (von Spitzer, WISE & Keck)

11. Februar 2011

Nicht wieder zu erkennen: der Nordamerika-Nebel im Infraroten aufgenommen vom Spitzer Space Telescope bei Wellenlängen von 3.6 bis 24 µm, wo der Staub der Sternentstehungsregion transparent wird.

Die allerletzte Aufnahme des IR-Satelliten WISE enstand am 1. Februar am Ende der NEOWISE-Missionsverlängerung (siehe ISAN 129-9): Deren reiche Ausbeute – über 157’000 Asteroiden, darunter 500 NEOs, und 120 Kometen wurden während der Mission beobachtet – analysiert auch ein neues Paper, während eine Notiz WISE-Beobachtungen von Luminous Red Novae beschreibt.

Jupiters wiederkehrendes SEB am 30. November 2010, wenige Wochen nach dem Beginn des Revivals: Noch dominiert auf diesem Keck-Komposit thermische Emission aus der Tiefe bei 4.7 µm das Bild – das nur mit Hilfe des günstig stehenden Monds Europa gelang, der zur Wellenfrontanalyse für die Adaptive Optik heran gezogen wurde.

Schon mehrere Flares des NanoSail D fotografiert!

3. Februar 2011

Vesa Vauhkonen, Rautalampi, Finland via NASA MFSC

Allmählich erscheinen eindeutige Fotos von Strichspuren des NanoSail D am Himmel („Fotowettbewerb …“) auf Webseiten der NASA: Vor allem in Finnland am 30. Januar waren etliche Fotografen erfolgreich, wie hier V. Vauhkonen in Rautalampi, für den das Sonnensegel bis +3.5 mag. flare-te – und für einen anderen wurde es sogar kurz Vega-hell. Die Erwartung ist weiterhin, dass es später bis zu Venus-helle Flares werden könnten, wenn das Segel in tieferen Atmosphärenschichten nicht nur näher ist sondern auch aerodynamisch geglättet wird.

ESA/NASA

Die abnehmende Mondsichel von der ISS aus aufgenommen am 1. Februar.

HiRISE/Planetary Science Institute

Veränderungen an einer Düne auf dem Mars bei 84° Nord in einem 285 x 140 m Feld: Oben ist sie im Sommer eisfrei, in der Mitte vereist mit allerlei Effekten, und unten wieder eisfrei, gegenüber dem Sommer davor aber mit veränderter Morphologie als Folge der Sublimation des CO2-Eises.

NASA/JPL/SSI

Enceladus‘ Fontänen am 31. Januar im Gegenlicht von Cassini aus größerer Distanz aufgenommen, kuriose Beleuchtungseffekte (und Kompressionsartefakte) inklusive.

NASA/JPL-Caltech/WISE Team

Vier der 20 vom IR-Satelliten WISE entdeckten Kometen (die nicht alle seinen Namen tragen, da vier schon als Asteroiden bekannt waren): Die Missionsverlängerung NEOWISE ist zuende und der Satellit nun in Hibernation – falls ihn nochmal jemand haben will.

Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt

22. Januar 2011

Der massereiche Stern Zeta Ophiuchi rast durch das ISM auf einem Bild des WISE-Satelliten (3.4 bis 22 µm), der den Bugschock vor dem Stern sichtbar macht, der mit 24 km/s durch interstellares Gas und Staub pflügt. Dabei komprimiert und heizt er das Medium des Schocks; zugleich sorgt die starke UV-Strahlung des Sterns auch für Staubheizung in seiner weiteren Umgebung, was sich als rötlicher Schimmer bemerkbar macht.

Vollmondaufgang von der ISS aus gesehen am 19. Januar: Die Sequenz – Anklicken liefert noch ein früheres Bild – zeigt wieder einmal die extreme Refraktion, die nur im Orbit gesehen werden kann.

Dem NanoSail D geht der Strom aus: Dieses Diagramm aus dem Dashboard – via DK3WN – zeigt den Abfall der Batteriespannung (in Volt, gegen die Stunden seit dem Aussetzen). Vom 19.-21. Januar hatten Funkamateure den Satelliten empfangen, seit dem Nachmittag MEZ des 21. aber nicht mehr – vermutlich war es das; die Empfangsversuche gehen aber weiter. Nun ist es wohl an den visuellen Beobachtern, das entfaltete Sonnensegel in den nächsten 70 bis 120 Tagen bis zum Verglühen zu verfolgen. NACHTRAG: Bisher sind noch keine Sichtungen eingegangen, vielleicht ist der Orbit zu ungenau. Dass sich das Segel gut entfaltet hat, bestätigen jedenfalls Radarechos: Der Satellit (dessen – planmäßiges – Ableben seiner Batterie inzwischen bestätigt ist) wurde plötzlich viel größer.

Weiter keine Lösung für Wunschteleskop WFIRST in Sicht

Durch die gewaltigen finanziellen Probleme des JWST droht der Start des Wide-Field IR Survey Telescope der NASA, das sich parallel um Dunkle Energie, Exoplaneten und mehr kümmern soll, auf frühestens 2025 zu rutschen – wenn die ESA mit ihrer Euclid-Mission schon Wesentliches zumindest in Sachen Dunkle Energie herausgefunden haben könnte. Eine Fusion der beiden teuren Weltraumteleskope („Euclid vs. WFIRST …“) hat der NASA aber auch ein weiteres Panel nicht empfehlen können, und einen 20%-Einstieg der NASA in Euclid, den die ESA anbietet, sieht man auch nicht, solange die ESA die Mission noch gar nicht endgültig ausgewählt hat. (Space Policy Online 2., New York Times 4.1.2011)

Immer mehr Hardware für das JWST wird fertig, aller unklaren Zukunft ungeachtet: Immerhin sind schon 3 Mrd.$ in den Riesensatelliten gesteckt worden! Nach und nach absolvieren die 18 Segmente des Hauptspiegels ihre Härtetests, und die wissenschaftlichen Instrumente nehmen Form an. Am Satellitenbus selbst wird noch nicht gebaut: Man will erst die schwierigen Dinge erledigen. (Spaceflight Now 17.1.2011)

Einzelnes Stück Hardware hält den LISA Pathfinder auf

Eine Art Klammer-Mechanismus des Test-Satelliten für LISA („Optical …“), der die Testmassen erst beim Start festhalten und dann im Orbit mit nur maximal 2 cm/h(!) Geschwindigkeit freilassen soll, tut’s einfach nicht: Jetzt muss die ESA seine Entwicklung noch einmal von vorne beginnen, wodurch sich der Start des Satelliten auf frühestens 2013 verschiebt, obwohl alle anderen Komponenten im Zeitplan liegen. Schon lamentieren Konkurrenzprojekte, die wegen LISA zurückgestellt wurden, der große Gravitationswellen-Detektor sei wohl noch nicht reif – aber der Pathfinder soll das aufwändige System ja schon vor dem Start validieren, und da ist es allemal besser, wenn es jetzt hakt. (Nature News 19.1.2011) NACHTRAG: Jetzt heißt es schon: Start frühestens 2014 – und nicht nur bei der Caging Mechanism Assembly hapert’s.

Das Tevatron wird Ende des Jahres abgeschaltet

Weil die US-Regierung keinerlei Spielraum für die unverzichtbare Extrafinanzierung sieht, die ein Weiterbetrieb des US-Beschleunigers („Eine weitere …“) erfordert hätte, hat das Energieministerium am 6. Januar sein Ende mitgeteilt: Damit haben die USA direkt keine Chance mehr, den Europäern das Higgs-Teilchen noch weg zu schnappen, was mit einem Betrieb des Tevatron bis 2014 vielleicht gelungen wäre. Die USA überlassen nunmehr die höchsten Energien Europa (wobei aber viele Amerikaner beim LHC mitmachen dürfen, dessen Winterwartung im Zeitplan liegt; im Februar wird er wieder hochgefahren) und konzentrieren sich selbst künftig auf hohe Strahl-Intensität: ein Ansatz, bei dem Phänomene gefunden werden können, die weniger Energie erfordern, dafür aber sehr selten sind. (Nature 19., CERN Bulletin 17., Physics World 18., 13., 11., Nature, Symmetry Breaking, Discovery, Not Even Wrong, New Scientist Blog 11., Symmetry Breaking, Cosmic Variance 10., Nature Blog 6.1.2011, Science 2.0 21.12.2010. Und Nature Blog über das weltweite GRID, das die LHC-Datenflut verarbeitet)

Das letzte von der 217. AAS-Tagung: M 51, 82, 81

13. Januar 2011

So haben Sie die Galaxie Messier 51 noch nicht gesehen: eine Aufnahme von Hubbles IR-Kamera NICMOS, dividiert durch eine Aufnahme der ACS, so dass das meiste Sternlicht verschwunden ist. Übrig bleibt gewissermaßen das staubige Skelett der Spiralgalaxie, übersät mit einer zuvor übersehenen Population ca. 65 Lichtjahre großer junger Sternhaufen, die im sichtbaren hinter dem Staub verborgen sind (und deswegen nicht abgezogen wurden). Der Staub in M 51 verteilt sich entgegen den Erwartungen meist diffus und in großen Staubbändern anstatt in großen Wolken – deren Bildung hat vielleicht die Begegnung mit einer anderen Galaxie verhindert.

Was die überbordende Sternbildungrate aus Messier 82 gemacht hat, zeigt ein neues Chandra-Bild: Fortwährende Supernovae treiben heißes Gas oben wie unten aus der Scheibe der Galaxie heraus. Und es sind auch 104 punktförmige Röntgenquellen gefunden worden: Zumindest 8 davon benehmen sich wie typische stellare Schwarzloch-Kandidaten.

Das ungleiche Galaxienpaar Messier 81/82 im Infraroten, aufgenommen vom WISE-Satelliten bei 3.4 bis 22 µm: Die Starburstgalaxie M 82 (oben) erscheint von einem orangefarbenen Halo umgeben, für den im Wesentlichen die Emission polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe verantwortlich ist, die aus der Galaxie hinaus getrieben werden. M 81 (unten) ist dagegen eine klassische Grand-Design-Spirale ohne besondere Vorkommnisse – allerdings ist auch hier die Sternbildungsrate erhöht, denn auch an M 81 ist die enge Begegnung mit M 82 vor ein paar 100 Mio. Jahren, die dort den Starburst auslöste, nicht spurlos vorüber gegangen.

Auf der letzten von 11 Pressekonferenzen auf der 217. AAS-Tagung in Seattle wurde bei dieser Gelegenheit auch eine erste Bilanz der noch laufenden WISE-Mission („Der Satellit WISE …“) gezogen: Der Satellit hat den gesamten Himmel zweimal abgescannt, mindestens 33’379 Asteroiden entdeckt, darunter 131 NEOs, dazu 20 Kometen, über 1000 Kandidaten für Braune Zwerge, von denen fast 100 bestätigt sind) und tausende von ULIRG-Kandidaten. Im April wird ein Katalog veröffentlicht, der über 200 Mio. Quellen enthält! Und was ist mit geheimnisvollen Riesenobjekten am Rand des Sonnensystems, die WISE sehen müsste, wenn es sie gibt? Die würden sich unter den Braun-Zwerg-Kandidaten verstecken, und „wenn sich einer von denen schnell bewegt, dann werden Sie von uns hören …“

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

27. Dezember 2010

Cassinis erster Blick auf den neuen großen Saturnsturm, entstanden vor drei Tagen: Die weiße Wolke wird schon seit Wochen von Amateurastronomen beobachtet, ist in letzter Zeit aber noch auffälliger geworden – die einlaufenden Cassini-Rohbilder werden in dieser Galerie gesammelt. NACHTRAG: ein schnelles Falschfarben-Bild daraus.

Stardust hat – gerade noch – genug Sprit für Tempel 1

Voraussichtlich drei Bahnkorrekturen muss das alte Stardust-Mutterschiff noch durchführen, um am 15.2.2011 morgens MEZ in 190 km Höhe mit 10.9 km/s über den Kern des Kometen Tempel 1 zu schießen – und drei verschiedene Verfahren zum Abschätzen der Treibstoffvorräte sprechen alle dafür, dass dafür genug und noch ein kleines Bisschen mehr im Tank verblieben ist. Der enthielt einmal 85 kg Hydrazin, jetzt sind es noch etwa 3.5 kg. Hauptzweck der Missionsverlängerung der alten Mission als Stardust NeXT (New Exploraton of Tempel 1) ist der Versuch, den 2005 vom Impaktor Deep Impacts geschlagenen Krater zu inspizieren – aber da das Rotationsverhalten des Kometenkerns nur ungenau bekannt ist, kann es gut sein, dass der Krater gerade auf der falschen Seite ist. Nach dem Encounter wird wohl der gesamte kleine Treibstoffrest verbrannt, um zu sehen, wieviel tatsächlich noch im Tank war, um die drei Schätzverfahren zu prüfen – und dann wird Stardust abgeschaltet. (Spaceflight Now 23.12.2010)

Akatsuki offenbar Opfer eines klemmenden Ventils in einer Treibstoffleitung geworden: Die Untersuchung des Triebwerksversagens an der Venus scheint darauf hinaus zu laufen, dass die Treibstoffzuleitung durch ein verklemmtes Ventil blockiert war, das eigentlich einen Rückfluss in den Tank verhindern soll. Das Ventil arbeitet völlig automatisch und kann von der Erde aus nicht gesteuert werden: Diverse Experimente am Boden sollen nun herausfinden, ob man das Triebwerk überhaupt noch für einen zweiten Einschussversuch in 6 Jahren nutzen könnte. (Mainichi Daily News 27.12.2010. Und Daily Yomiuri 24.12.2010 zu angeblichen Vollfinanzierung von Hayabusa 2)

Der Satellit WISE darf noch bis Januar weiter machen

und – mit seinen beiden kurzwelligeren Infrarot-Instrumenten – eine zweite komplette Himmelsdurchmusterung beenden, vor allem um der Entdeckung weiterer Kleinkörper des Sonnensystems willen: Die NASA hat bis Ende Januar 1.6 Mio.$ freigegeben, um den Betrieb (der 400’000$/Monat kostet) weiter zu führen. WISE hat bisher über 155’000 Asteroiden und Kometen beobachtet und über 34’000 neue Kleinkörper des Sonnensystems entdeckt, darunter etwa 500 NEOs. Zwar sind die beiden IR-Kanäle mit 3.4 und 4.6 µm nicht ideal (bei längeren Wellen, die nach dem Ende des Kühlmittels nicht mehr zugänglich sind, strahlen sie mehr), aber WISE ist der einzige Asteroidenjäger im Weltraum – seine Mission NEOWISE erschien der NASA wertvoll genug. Danach aber ist endgültig Schluss: WISE wird „eingeschläfert“, für den Fall dass jemand doch noch Interesse daran haben sollte; die Bahn ist noch lange stabil. (Spaceflight Now 19.12.2010)

Planetenjäger Kepler gleich zweimal im Safe Mode: Der ‚Plan‘ sieht vor, dass Kepler bis zu 12 Tage im Jahr durch solche Sicherheitsmodi ausfallen darf, und das Budget für 2010 ist noch nicht aufgebraucht – trotzdem soll nun dafür gesorgt werden, dass der Satellit weniger leicht über seinen eigenen Zustand so beunruhigt sein kann, dass er die Transitsuche unterbricht. (Mission Manager Updates 22., 14., Nature Blog 15.12.2010) NACHTRAG: Die Fehlersuche zieht sich hin – erst im Januar kann weiter beobachtet werden. NACHTRAG 2: Das 2. Problem ist erkannt – und gelöst!

Wieder ein GSLV gescheitert – nach nicht mal einer Minute!

Fassungslos hat ein erneuter Fehlstart der indischen Prestige-Rakete GSLV vor zwei Tagen die Weltraumexperten des Landes zurückgelassen: Nur 47 Sekunden nach dem Abheben (mit einem teuren einheimischen Nachrichtensatelliten an Bord) brach die Rakete plötzlich zur Seite weg und begann zu zerbrechen; 16 Sekunden später wurden die Reste gesprengt. Nach ersten Ermittlungen waren plötzlich die Steckverbindungen von langen Kabeln zu den Gelenken unterbrochen worden, die die Düsen der vier Booster der ersten Stufe ausrichten, die zur Stabilisierung der Flugbahn nötig sind. Wie das passieren konnte, dazu gibt es keine offizielle Erklärung, aber ein anonymer Experte spekuliert, der Satellit sei womöglich zu schwer für die Rakete gewesen und deren Stabilität im Flug falsch berechnet worden. In der Tat war der Satellit schwerer als jede andere Nutzlast des GSLV bisher, und die Oberstufe – die nun gar nicht zum Einsatz kam – hatte modifiziert werden müssen. Von alleine könnten die Stecker jedenfalls unmöglich herausgefallen sein, so der Experte: Sie könne es erst aus ihren Buchsen gerissen haben, als die Rakete bereits auseinander brach. Das Geostationary Satellite Launch Vehicle bleibt vom Pech verfolgt: Nunmehr sind schon drei der sieben Starts gescheitert. (Hindustan Times, Space News, The Hindu, Parabolic Arc, Science Journalism Tracker 27., Telegraph India, Indian Express, Deccan Herald, Hindustan Times, The Hindu 26., The Hindu [mehr], Deccan Herald, DNA, Hindustan Times, Spaceflight Now, Discovery, Space Today, Spiegel, Eureka 25.12.2010) NACHTRAG: Die ISRO bezweifelt die Übergewichts-Hypothese.

Dem amoklaufenden Satelliten geht der Strom aus: Der unabschaltbare Galaxy 15 bekommt immer weniger Sonnenstrom und hat bereits 95% seiner Nutzlast herunter gefahren – seit dem 17. Dezember sendet er nur noch Telemetrie. In dieser Situation könnte ein tiefer Reset gelingen. (Space News 22.12.2010. [NACHTRAG: Wie die Status-Seite von Intelsat berichtet, ist Galaxy 15 wieder voll unter Kontrolle – der Reset hat geklappt!] Und ILS und Eutelsat Releases sowie Space News, Spaceflight Now, BBC, BBC Blog und Spiegel zum Proton-Start des Ka-Band-Satelliten KA-SAT am 26. Dezember, der 70 Gigabit pro Sekunde in 82 Spotbeams übertragen kann)

Continuing Resolution bis März: NASA bleibt im Ungewissen

Der alte US-Kongress hat es vor dem Weihnachtspause nicht auf die Reihe gebracht, dem Land einen neuen Haushalt für das – längst laufende – Finanzjahr 2011 zu verpassen: Stattdessen hat es wieder eine Continuing Resolution gegeben, die nun bis zum 4. März gilt. Spezielle Passagen bezüglich der Ausrichtung der NASA fehlen, womit die Hoffnung auf eine klare Umsetzung („Die NASA bekommt …“) der Authorization vom Oktober dahin ist: Weder kann das Constellation-Programm abgebrochen noch unverzüglich mit der Arbeit an einer Schwerlastrakete und großzügiger Förderung privater Raumfahrtunternehmen begonnen werden. Stattdessen dürften bis März rund 500 Mio.$ in das Ares-Programm fließen, das eigentlich niemand mehr will – Millionen, die anderswo bitter fehlen. Insgesamt würde die NASA im FY2011 unter einer fortgesetzten CR mit 18.7 Mrd.$ auskommen müssen, 300 Mio.$ weniger als die Authorization vorgesehen hatte. Wie der neu gewählte Kongress ab Januar in der Sache verfahren wird, ist weiter unklar. (Orlando Sentinel 26., AW&ST 24., Space News 22., Spaceflight Now, Space News 21.12.2010)

Zweiter Test der Taurus-2-Rakete erfolgreich: Das Triebwerk der ersten Stufe des künftigen ISS-Versorgers („Triebwerk der Taurus-2-Rakete …“) ist am 17. Dezember 55 Sekunden lang erprobt worden, mit bis zu 108% der nötigen Leistung – im Januar soll der dritte Test folgen. Für einen beschleunigten Orbit-Test hätte die Firma Orbital danach gerne Extra-$$ der NASA, die es aber – s.o. – womöglich nicht geben wird. (Spaceflight Now 19., Flight Global 23.12.2010)

Bilder der Woche: vom Cape bis Deep Space

10. Dezember 2010

Der „Quallen-Nebel“ aus der Sicht von WISE, der Supernova-Überrest IC 443 bei 3.4 bis 22 µm: Ungewöhnlich ist, dass die beiden Hälften der Schale unterschiedliche chemische Zusammensetzung und damit IR-Farben haben – was damit zusammenhängt, dass sie mit um einen Faktor 3 unterschiedlicher Geschwindigkeit auf das ISM treffen.

Der Kugelhaufen Messier 107 mit dem 2.2-m-Teleskop der ESO aufgenommen, zur Vorbereitung von Detailbeobachtungen mit dem VLT.

Ein gewaltiger Bruch in der Marsoberfläche zieht sich durch die Cerberus-Region: ein Mosaik aus alten Aufnahmen des THEMIS-Instruments auf dem Orbiter Mars Odyssey – zur Feier der Tatsache, dass er nächste Woche die am längsten operierende Marsmission aller Zeiten werden wird!

Der 120-km-Krater Erulus auf dem Saturnmond Dione (1123 km) auf einem Cassini-Bild vom 17. Oktober aus 41’000 km Entfernung.

SpaceX/Chris Thompson

Der Start der zweiten Falcon 9 von ganz nah mit einer ferngesteuerten Kamera aufgenommen – weitere Bilder vom Erstflug der Dragon-Kapsel vorgestern auch hier, hier, hier, hier und hier. Und wir wissen jetzt, was die „Jux-Last“ der Rakete war: ein großes Stück Käse, in Anspielung auf den Cheese Shop-Sketch von Monty Python