Vor 50 Jahren: Sputnik über Bonn

Wie die hiesige Sternwarte ganz groß raus kam – ein Artikel dieses Bloggers in der Zeitschrift Telescopium der Volkssternwarte Bonn, Heft 138 Jahrgang 35 (2007) 4/2007 Seiten 45-48; re-extrahiert 2015

Als in der Nacht vom 4. zum 5. Oktober 1957 – für den Westen reichlich überraschend – das Weltraumzeitalter begann, waren einige Astronomen der Bonner Universität von Anfang an dabei. Sie gehörten zu den ersten überhaupt, die in Deutschland die Funksignale des Sputnik 1 empfingen, sie machten als erste eine verlässliche Bahnanalyse der breiten Öffentlichkeit publik, und auch bei der wissenschaftlichen Analyse der ersten Satellitenbahn waren die Bonner ganz vorne. Die Mikrofilme von General-Anzeiger und Bonner Rundschau im Stadtarchiv und eine faszinierende Radiosendung des WDR vom 5. Oktober 1957, die sich im Kölner Senderarchiv fand, sowie manch andere Quelle zeichnen ein lebendiges Bild vom damaligen Geschehen und wie es in Deutschland aufgenommen wurde. Und sie zeigen, daß die Beiträge der Bonner Astronomen heute zu Unrecht vergessen sind, während ein Bochumer Amateur-“Kollege“ aus seinen Sputnik-Beobachtungen weit nachhaltigeren Profit zu schlagen vermochte …

Im Herbst 1957 herrschte im Westen keine besondere Spannung: Erst für das kommende Frühjahr wurde der Start des ersten künstlichen Erdsatelliten erwartet, natürlich eines amerikanischen. Auf diesen kleinen Vanguard hatte man sich vorbereitet, in den USA und rund um den Globus: Kleine Teleskope mit großem Gesichtsfeld sollten die winzige Kugel am Himmel verfolgen, um die grobe Bahn zu bestimmen, große Spezialkameras ihn sodann vor dem Sternenhimmel ablichten, und Radioempfänger für seinen Funk auf 108 MHz waren bereit. Erst im August waren auch die deutschen Amateurastronomen „scharf gemacht“ worden: Bei einem Workshop auf der Jahrestagung der jungen Vereinigung der Sternfreunde hatte ein Professor für Atmosphärenphysik genaue Instruktionen gegeben, wie die optische Beobachtung der ersten Satelliten zu erfolgen habe. Wenn die an der Volkssternwarte Bochum versammelten Sternfreunde geahnt hätten, was sich zur gleichen Zeit in den Steppen Kasachstans abspielte, das damals Teil der Sowjetunion war. Genauer gesagt mitten im Nirgendwo, bei der einsamen Bahnstation Tyuratam.

Schon seit Mai 1955 ist hier in aller Heimlichkeit ein gewaltiger Raketenstartplatz entstanden, Codename NIIP-5. Später wird man ihn nach einer weit entfernten Ortschaft „Kosmodrom Baikonur“ taufen, um die Lage des Ortes noch ein wenig länger zu verbergen. Denn hier soll Raketentechnik von höchster militärischer Bedeutung getestet werden, eine Interkontinentalrakete mit enormer Tragkraft. Sie soll in der Lage sein, schwere Kernwaffen bis in die USA zu tragen: der einzige Weg für die nach dem zweiten Weltkrieg nieder liegende Sowjetunion, um ein gewisses Kräftegleichgewicht zu erzielen. Aber diese hochgeheime Superrakete R-7 kann ebenso gut dafür verwendet werden, einen Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde zu befördern, der erste Schritt zum Vorstoß in den Weltraum. Davon hatte die Menschheit seit Jahrhunderten geträumt. Und nun würde es Wirklichkeit werden, als Abfallprodukt im gefährlichsten Rüstungswettlauf der Geschichte.

Der Morgen des 4. Oktober 1957, 5:45 Ortszeit. Das Betanken der R-7 beginnt. Die Startmannschaft arbeitet hochkonzentriert, kaum einer ist sich der Bedeutung der Ereignisse bewußt. Am Abend sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Im Gegensatz zu so manchem früheren Test der Rakete – die erst seit dem Mai überhaupt zur Verfügung steht – hatte es diesmal keine Probleme gegeben, nur die Batterie des Satelliten war in letzter Minute ausgetauscht worden. Grelles Flutlicht beleuchtet die Rakete, während sich die Techniker in einen Bunker zurückziehen. Alle stehen, nur Koroljow und ein anderer Chefingenieur dürfen sich setzen. Koroljow behält die Körpersprache seine Mitarbeiter genau im Blick, reagiert auf jedes Zeichen von Nervosität. Die Sekunden zählen auf Null herunter. Alexander Nosov, der Chef der Startkontrolle, gibt den Zündbefehl, aber der entscheidende Druck auf den Startknopf ist Sache von Boris Tschekunow, einem jungen Artillerieoffizier. Es ist genau 22 Uhr 28 und 34 Sekunden Moskauer Zeit oder 20 Uhr 28 in Westeuropa, als die Triebwerke zünden und die Rakete mit ihren 273 Tonnen aufzusteigen beginnt.

Nicht alles verläuft nach Plan, und die Triebwerke verbrauchen zu viel Kerosin, aber nach 5 1/2 Minuten ist der Satellit in einer Umlaufbahn angekommen! Eigentlich heißt er PS-1, die russische Abkürzung für „einfacher Satellit Nr. 1“, aber alle Welt wird ihn bald einfach Sputnik nennen, Satellit oder Begleiter. Zwar liegt seine Bahn 80 km niedriger als geplant, aber sie ist stabil. Bis auf 947 Kilometer entfernt sich der Sputnik von der Erdoberfläche, bis auf 228 Kilometer kommt er an sie heran, und ein Erdumlauf dauert 96 Minuten. Doch das kann die aufgeregte Startmannschaft in Baikonur noch nicht wissen. Sie wartet gespannt auf die ersten Funksignale des Sputnik. Bald werden tatsächlich welche aufgefangen, von einer Station auf der Kamtschatka-Halbinsel im äußersten Osten Rußlands. Aber Koroljow mahnt zur Geduld: „Die Leute könnten sich geirrt haben. Laßt uns warten, bis der Satellit nach seinem ersten Umlauf wieder hier ist!“

Tatsächlich ist nach anderthalb Stunden auch in Baikonur jenes nervöse „Piep-Piep-Piep“ zu empfangen, das bald die ganze Welt in Erstaunen versetzen soll. Und je nach Befindlichkeit in Entzücken oder Entsetzen: Zum ersten Mal kreist ein künstlicher Himmelskörper aus Menschenhand um den Planeten. Und es ist kein amerikanischer. Nach dem zweiten erfolgreichen Erdumlauf traut man sich, KP-Chef Chruschtschow aus dem Schlaf zu klingeln. „Ich gratulierte der ganzen Gruppe Ingenieure und Techniker zu ihrer außergewöhnlichen Leistung,“ schreibt dieser später. „Und ging ruhig wieder ins Bett.“ Nicht nur Chruschtschow (der in seinem Geiste die Sowjetunion längst auf einer Stufe mit dem Westen angekommen wähnt), sondern der ganzen Parteiführung ist weder die langfristige Bedeutung des Ereignisses noch auch nur sein aktueller Propagandawert klar. Einen Wettlauf der Regierungen in Ost und West zur „Eroberung des Alls“ hatte es bis zu jener Oktobernacht 1957 schlicht nicht gegeben: Es waren nur eine Handvoll Visionäre auf beiden Seiten gewesen, die die Träume von der Raumfahrt in die Tat umsetzen wollten, meist gegen das Desinteresse der eigenen Regierungen. Und jetzt war es geglückt.

Kurz vor Mitternacht deutscher Zeit hat der Sputnik zwei Runden um die Erde absolviert, und die Nachricht wird von der Sowjetunion bekannt gegeben. Die wenigsten bekommen es noch in dieser Nacht mit, umso mehr aber am frühen Samstagmorgen, dem 5. Oktober 1957. Zum Beispiel Peter Lengrüsser, gleichzeitig Forschungsingenieur für Radioastronomie an der Bonner Uni und seit 20 Jahren schon Amateurfunker. Im Morgengrauen hört er beim Rasieren fassungslos in den Radionachrichten vom Start, ruft bei der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg an, um die Sendefrequenz zu erfahren (mit 20 und 40 MHz viel niedriger als bei den Amerikanern geplant) – und bereits um 6:22 Uhr morgens empfängt er in seiner Privatwohnung die ersten Piepser aus dem Orbit. Das hat Folgen: „Erdtrabant zieht sicher seine Bahnen / Seine Funkzeichen auch in Bonn gehört“ lautet der Aufmacher des General-Anzeiger für Bonn und Umgegend am Montag, dem 7. Und im Inneren heißt es: „‘Zeugen eines weltgeschichtlichen Augenblicks’ / Bonner belauscht die Reise des Erdsatelliten / Hochfrequenztechniker hört Sendezeichen ab – Labor in der Sternwarte – Sphärenmusik aus 900 km Höhe“.

„In einer aufregenden Nachtwache verfolgte der 33jährige Kurzwellen-Amateur im Laboratorium der Sternwarte den künstlichen Mond,“ berichtet der Artikel, denn nach dem ersten Erfolg zuhause war Lengrüsser in die Poppelsdorfer Allee gegangen: „Da ihm im Labor der Sternwarte neben seinen eigenen noch weitere Zusatzgeräte zur Verfügung standen, schlug Lengrüsser dort sein Hauptquartier auf. Eine schnell gebastelte Behelfsantenne ermöglichte ihm den Empfang beim übernächsten Durchgang um 9.25 Uhr.“ Das hat Folgen: In den ersten Tagen nach dem Start taucht die Bonner Sternwarte immer wieder prägnant in den deutschen Medien auf. Noch am 5. Oktober zeichnet der Westdeutsche Rundfunk eine lange Sendung vor Ort auf, inklusive sehr klarer Sputnik-Piepser und Statements nicht nur Lengrüssers sondern auch eines gewissen Wolfgang Priester – er wird später die Messungen der Satellitenüberflüge wissenschaftlich auswerten und in Bonn ein ganz neues Forschungsfeld begründen, bevor er Jahre später seine wahre Berufung in der Kosmologie (und als häufiger Redner in unserem Forum Astronomie) findet.

Aber zurück zum Montag, dem 7.10.: Die Bonner Rundschau findet noch einen anderen Bezug zwischen dem Astronomischen Institut und der Raumfahrt heraus! „Wissenschaftliche Unterlagen aus Bonn für das amerikanische Unternehmen ‘Vanguard’“, heißt es im Lokalteil, wobei jener US-Satellit gemeint ist, der eigentlich“ als erster fliegen sollte: „Die Amerikaner haben vor einiger Zeit aus Bonn die Aufzeichnungen des Astronomen Professor Friedrich August Argelander angefordert.“ Dabei bleibt zwar unklar, inwiefern die Bonner Durchmusterung genau bei der US-Raumfahrt helfen solle – aber für die Rundschau ist es Anlaß für eine dreiteilige Serie im weiteren Oktober-Verlauf, die die große Himmelsdurchmusterung Argelanders ausgiebig würdigt; rund 100 Jahre ist sie damals alt. Der Sputnik gehört noch Tage lang zu den Spitzenmeldungen der deutschen Zeitungen, dicht gefolgt von weiteren Abenteuern der Bonner Astronomen. Im GA vom 8.10. spekulieren sie – zwar exklusiv aber nicht besonders gut – über einen Startplatz bei Irkutsk am Baikalsee. Und sagen – korrekt – voraus, daß sich der Satellit noch eine Weile im Orbit halten, schließlich aber durch Reibung an der Hochatmosphäre abstürzen werde. Die Deutsche Wochenschau ist bereits auf der Sternwarte eingefallen und gibt den Astronomen Regieanweisungen …

Auf der Titelseite der Rundschau vom 8.10. (Aufmacher: „‘Sputnik immer noch Weltstar Nr. 1″) ist in einem kleinen Artikel erstmals auch vom erfolgreichen Empfang der Sputnik-Signale an der Volkssternwarte Bochum die Rede: Noch wird der Hauptakteur nicht beim Namen genannt. Es ist jener Heinz Kaminski, dessen schillernde Karriere als Bochumer Satellitenbeobachter und –verkünder gerade erst beginnt. Noch muß er dem Satelliten mit geliehener Technik nachspüren, aber der „Sputnikkeller“ in seiner Privatwohnung wächst beständig. Schon zu Beginn der 1960er Jahre steht daneben ein regelrechtes „Institut“ mit großer Parabolantenne, das selbst jahrelang von der Großen Politik gefördert und von der deutschen Presse als die Anlaufstelle in Sachen Weltraum schlechthin akzeptiert wird. Aber in diesen ersten Tagen spielt die Musik für die Medien noch in der Popp-Allee. „Bonner Forscher registrierten: Erdsatellit ‘Sputnik’ hat umgeschaltet,“ verkündet die Rundschau im Lokalteil. Wobei die scheinbaren Veränderungen des Funksignals nach heutigem Wissen wohl eher auf Ausbreitungseffekte zurückgegangen sein dürften, aber man spekuliert: „Geheimsender oder Störung? In der Bonner Sternwarte wird exakt ‘mitgehört’“.

Im General-Anzeiger vom 9. Oktober findet sich auf der ersten Lokalseite ein „Appell der Wissenschaftler: Frequenz freihalten!“ Jemand funkt den Bonnern dazwischen, während sie auf 20 MHz dem Sputnik lauschen: „‘Ich empfinde das Auftauchen von Störsendern als Rüpelhaftigkeit’, erklärte Peter Lengrüsser.“ Die Schlagzeile am selben Tag im Lokalteil der Rundschau: „Satellit ‘Sputnik’: Rast nachts über Bonn hinweg“ – und am nächsten Tag gibt es Sputnik-News auch noch aus anderer Quelle. Ein Vertreter des Deutschen Amateur-Radioclubs war mit einem Tonband in der Redaktion erschienen, wo man ergriffen den Signalen aus dem Orbit lauschte. Mehrere Spalten lang dokumentiert die Zeitung akribisch jeden Piepser. Viel interessanter ist aber ein Bericht, dem der General-Anzeiger am 10. mehr Platz einräumt: Tags zuvor waren die Bonner Astronomen doch tatsächlich auf der Bundespressekonferenz aufgetreten!

Leider findet sich im Archiv dieser auch heute noch zwischen relevanten Personen und Presse vermittelnden Organisation kein Protokoll von diesem denkwürdigen Ereignis, so daß man sich an die Zeitungsberichte – und die Erinnerungen Priesters 20 Jahre später in den Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft Nr. 43 – halten muß. „Vor der Bundespressekonferenz gab Dr. Priester die Folgerungen aus den Bonner Meßergebnissen bekannt,“ heißt es im GA-Bericht (der erst auf der 2. Lokalseite erscheint): „Danach bewegt sich ‘Sputnik’ in 576 km mittlerer Höhe auf seiner kreisähnlichen Bahn um die Erde.“ Das war insofern neu, als die Sowjetunion offiziell nur mitgeteilt hatte, daß die Bahn Sputniks „bis in 900 km Höhe“ von der Erdoberfläche führe und elliptisch sei – Details, die gerade in den westlichen Medien leicht übersehen wurden, wo man wohl häufig eine 900 km hohe Kreisbahn annahm. Nach Priesters Berechnungen lag der erdnächste Punkt nur in 252 km Höhe, womit die Rakete auch nicht gar so leistungsfähig gewesen war wie bei einer 900-km-Kreisbahn.

Nach Priesters Erinnerungen hatten britische Astronomen bei ihrer Radiobeobachtung den Sputnik just im Perigäum entdeckt und der Presse von einem drastischen Verfall der Bahnhöhe berichtet (dies konnte der Autor bislang nicht nachvollziehen; zahlreiche deutsche Zeitungen aus West wie Ost schrieben damals kein Wort davon). Erst durch die Bonner Pressekonferenz habe man der Welt die wahre Bahn Sputniks bekannt gemacht. Was Priester nicht wußte (und auch der Autor erst nach dem Tod des beliebten Bonner Astronomen entdeckte): Bereits am 7.10. hatte der Berliner Amateurastronom Edgar Mädlow praktisch dieselben Bahnparameter Sputniks im Schnellnachrichtenblatt der Vereinigung der Sternfreunde veröffentlicht. Berechnet allein aus der Apogäumshöhe und der Umlaufszeit, mit einfacher Schulmathematik, wie Mädlow heute betont! Dass eine Umlaufszeit von 96 Minuten und eine 900 km hohe Kreisbahn nicht zusammenpassen konnten, hätte eigentlich jeder herausfinden können: In dieser Höhe hätte die Periode nämlich 104 Minuten betragen müssen. Auch wenn Priester irrt, daß er der erste im Westen war, der Sputniks korrekte Bahn herausfand: Er erkannte als einer der ersten, welchen Wert Satelliten als „Probekörper“ in der Hochatmosphäre darstellen. „Daraufhin entschied sich Friedrich Becker, der damalige Direktor der Sternwarte, für die Aufstellung einer „Arbeitsgruppe für extraterrestrische Forschung“, schreibt Priester in den AG-Mitteilungen.

„Sicherlich hat sich die damalige Publizität mit ihrem psychischen Druck für wissenschaftlichen Erfolg unterschwellig auf die Entscheidung für die Arbeitsgruppe ausgewirkt. Nun, das Erfolgsglück blieb uns hold. Schon innerhalb des nächsten Jahres gelang es uns durch die Auffindung des solaren Aktivitäts Effekts in der Hochatmosphäre den Schlüssel für ein ganz neues Forschungsfeld zu finden, für die Untersuchung des physikalischen Zustands der Hochatmosphäre.“ Die Bonner Arbeiten scheinen damals führend in der Welt gewesen zu sein und mündeten schon bald in viel zitierten Veröffentlichungen. Und was dachte der Bonner an sich, wenn er denn an Sputnik dachte? Im General-Anzeiger vom 11.10. finden wir im Lokalteil zum einen eine Glosse über einen falschen Bericht von einer visuellen Sputnik-Sichtung („Frau Müller sah den Satelliten / ‘Sternstunde des Städtischen Presseamtes“), aber auch einen seltsamen Kommentar („Roter Mond“): „Wir haben jetzt zwar einen Stern mehr am Himmel als früher, doch die Welt ist davon nicht voller sondern leerer geworden.“

Das letzte Wort möge aber Ministerialdirigent von Eckardt haben, der später am 9.10. ebenfalls auf der Bundespressekonferenz aufgetreten war – und davon gibt es auch ein Wortprotokoll. Ob er denn eine persönliche Meinung zum Sputnik habe? Antwort: „Ich kann Ihnen dazu nur eines sagen: Am Tage, nachdem bekannt wurde, daß der Erdtrabant in 96 Minuten um die Erde kreist, hat mich eine große Nachrichtenagentur angerufen und gefragt, was ich dazu zu sagen hätte. Nun, da ist mir nichts anderes eingefallen, als daß ich sagte, ich sei sehr glücklich darüber, daß ich nicht darin säße, (Große Heiterkeit)“. Eine umfassende Chronologie der Ereignisse, die zum 4.10.1957 führten, und zu den Folgen bis 1962 ist bei http://www.astro.uni-bonn.de/~dfischer/sputline zu finden. Und ab dem 2. Oktober gibt es aus der Feder des Autors ein neues Programm zur Raumfahrtgeschichte mehrmals die Woche im Planetarium Bochum zu sehen: Termine siehe http://www.planetarium-bochum.info

NACHTRAG (2015): Der Sputnik-Erstempfänger Peter Lengrüsser hat nicht nur in damaligen Bonner Lokalzeitungen und diesem Artikel Spuren hinterlassen – er ist auch die Hauptfigur in einem Spiegel-Artikel vom August 1958, wo es um seine „interplanetaren“ Funk-Erfahrungen und Ärger mit dem Bundespostministerium geht …

5 Antworten to “Vor 50 Jahren: Sputnik über Bonn”

  1. Daniels Dies & Das | Schlussbild, wieder mit Merkur Says:

    […] und -funkern gegeben, auf dem allerlei verrückte Ideen ausgeheckt u.a. im Zusammenhang mit den Bonner Sputnik-Beobachtungen, weitere Meetings und v.a. eine Mailingliste für den weiteren Austausch beschlossen […]

  2. Neue Sternstunde – weitere größere Artikel | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Vor 50 Jahren: Sputnik über Bonn – ein selber schon historischer Artikel nach 8 Jahren online. […]

  3. Joachim Manuel Lengrüsser Says:

    Ich habe wahrscheinlich noch irgendwo Orginalmaterial und Tonbänder. Vieles wurde bei dem Hochwasser 2010 in Niederbachem vernichtet.

    J. Manuel Lengrüsser (jüngster Sohn von Peter Lengrüsser)

  4. Nico Schmidt Says:

    Also war der Stockert nicht am Signalempfang beteiligt? So hatte ich es bisher (https://www.aip.org/history-programs/niels-bohr-library/oral-histories/32162) verstanden. Also wieder was gelernt.

    • skyweek Says:

      Ach, die Tücken der Oral History … Ich hatte 1987 auch zum ersten Mal über Bonn vs. Sputnik geschrieben, und zwar anhand einer Ansprache Priesters zum 30. Jahrestag und eines Artikels von ihm den AG-Mitteilungen. Und musste nach der Aufnahme intensiverer Recherchen zum 50. Jahrestag so manches schöne Detail wieder über Bord werfen.

      Der Artikel hier ist die Quintessenz der mir damals gesichert erschienenen Fakten bzgl. der Rollen von Bonn und Bochum (diejenigen anderer „Funker“ scheinen noch bruchstückhafter dokumentiert).

      Die Stockert-Schüssel wurde in keiner gedruckten Quelle erwähnt, und obzwar sie wegen des damaligen militärischen Dual Use über sehr schnelle Motoren verfügt, sehe ich nicht, dass man damit einen Satelliten im LEO hätte verfolgen können. Musste man ja auch nicht: Der Sputnik sendete so stark, dass einfaches Amateurfunk-Equipment ausreichte, das hatten die Sowjets ja auch so vorbereitet und angekündigt. Piep, Piep, Piep …

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