Was war wirklich auf Nordkoreas Langstreckenrakete?

Würde man der nordkoreanischen Nachrichtenagentur Glauben schenken, dann wurde am 5. April um 4:20:02 MESZ ein kleiner Satellit names Kwangmyongsong-2 mit einer Trägerrakete namens Unha-2 auf eine Umlaufbahn in 490 bis 1426 km Höhe mit einer Periode von 104 Minuten und 12 Sekunden gebracht, wo er auf einer Frequenz von 470 MHz patriotische Lieder sendet und für Telekommunikationstests im UHF-Band verwendet wird. Zu dumm nur, dass bislang niemand etwas aus dem Orbit empfangen oder dort sichten konnte: Ausserhalb des isolierten Landes wird unisono davon ausgegangen, dass zum dritten Mal nach 1998, als Nordkoreas Medien ebenfalls einen Phantomsatelliten im Orbit feierten, und 2006, als ein mutmaßlicher Startversuch schon nach Sekunden scheiterte, der Versuch eines Satellitenstarts misslungen ist. Wobei sich die Beobachter aufgrund der dünnen Informationslage aber nicht einig sind, ob dieser überhaupt ernst gemeint war oder sich vielmehr nur ein Dummy an Bord der gemeinhin als Taepodong 2 bekannten Langstreckenrakete befand, um einen primär militärischen Test zu kaschieren.

Anders als 1998 hatte Nordkorea den Start dieses Mal Wochen im Voraus dem internationalen Protokoll folgend angekündigt, aber was sich letztlich innerhalb weniger Sekunden am 5. April abgespielt hat, ist auch Wochen später noch nicht wirklich klar. Korrekt funktioniert hat auf jeden Fall die erste Stufe der Rakete, die zwischen Korea und Japan ins Meer fiel, und auch die zweite scheint gezündet zu haben: Zumindest bis an den Rand der Erdatmosphäre stieg sie mitsamt der dritten Stufe und ggf. Nutzlast auf. Nicht klar ist jedoch, ob auch die zweite Stufentrennung gelang, sicher scheint aber, dass die dritte Stufe nicht weiter in den Orbit flog sondern die zweite und dritte Stufe – zusammen oder separat – östlich von Japan in den Pazifik fielen. Zusätzliche Verwirrung stiftet auch ein spektakuläres Satellitenfoto des Starts selbst, aus dem manche Analysten eine extrem flache Flugbahn ablesen wollen, die nie und nimmer in den Orbit geführt haben könnte, während andere widersprechen. Auf jeden Fall flog die Taepodong 2 doppelt so weit wie jede andere nordkoreanische Rakete zuvor – wobei ausländische Geheimdienste womöglich mehr über ihr Verhalten gelernt haben als die Nordkoreaner selber, für die sie bald hinter dem Horizont verschwunden war.

Eine Antwort to “Was war wirklich auf Nordkoreas Langstreckenrakete?”

  1. Nordkorea vor einem 4. Satellitenstart-Versuch « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] ist fast genau drei Jahre her, dass Nordkorea – vermutlich – den Start eines kleinen Satelliten mittels einer […]

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