Allgemeines Live-Blog ab dem 26. Juli 2015

26. Juli 2015

27. Juli

Tethys

Ein riesiges Einschlagsbecken auf dem Saturnmond Tethys auf einer Falschfarben-Aufnahme von Cassini in hohem Phasenwinkel vom Mai: Odysseus hat 450 km Durchmesser, Tethys 1062 km. Auch die 3D-Karte der deutschen Radar-Satelliten von der Erde, wie GOCE nach Energiequellen sucht, was Gerst so auf der Erde sah (als Multimedia-Feature), die Übergabe von MSG-4 an Eumetsat, die Recovery von Galileo 5 & 6, was der Ex-ESA-Chef sagt (zur ISS will er) und der neue ESA-Chef will (den Laden umkrempeln, ist aber schwierig), die bevorstehende Erklärung für das SpaceShipTwo-Disaster und die die Kunden vorbereitet wurden – und wie eine Kamera einen Raketenflug bis in 253 km Höhe sah. [23:55 MESZ]


26. Juli

streaks

Was wurde eigentlich aus … Plutos “Windverwehungen”?

Die möglicherweise von Winde verwehten Fähnchen auf Sputnik Planum waren bei der New-Horizons-PK am 17. Juli eine kleine Sensation gewesen, da sie Ähnlichkeiten zu Strukturen auf Neptuns Mond Triton aufwiesen, für welche wiederum aktive Geysire verantwortlich sind. Dann fehlten die entsprechenden Bilder aber in voller Auflösung im Web – und auf der PK am 24. Juli fiel kein Wort mehr darüber. Aber es gibt ja jetzt die Rohbilder – und da sind die beiden Kandidaten mit Mühe wieder zu finden. Die starken Kompressionsartefakte dieses LORRI-Bildes – hier zweimal vergrößert – erlauben wohl keine weiteren Schlüsse … [2:15 MESZ] Eine extreme Bearbeitung des Pluto-“Rings”, der bei einem Phasenwinkel von 165° entstand: Wird da wirklich Oberfläche auf der Sichel erkennbar …? [17:50 MESZ] Und Plutos Dunstschichten von denselben Fans massiv verarbeitet – plus wie sich ein Weltraumkünstler die Stickstoff-Gletscher Plutos vorstellt. [23:05 MESZ]

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Komet PANSTARRS von der ISS aus aufgenommen mit 1/8 s bei ISO 16’127 am 18. Juli – damals stand die junge Mondsichel direkt darüber, hier völlig überstrahlt. Auch PANSTARRS mondfrei vorgestern, die Kometen Jacques bei M 27 und Lovejoy vor vier Tagen – und das chinesische Riesen-Arecibo FAST machte hier und hier und in der Folge hier und hier Schlagzeilen. [1:00 MESZ. NACHTRAG: mehr Bilder vom FAST-Bau]

Pluto ganz nah: Ausschnitte der Rohbilder

25. Juli 2015

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Seit wenigen Stunden liegen alle erwarteten Nahaufnahmen Plutos als Rohbilder vor: oben Ausschnitte aus den fünf bisher nicht in voller Qualität vorhandenen LORRI-Aufnahmen aus 77’000 km Abstand. Bei der Orientierung hilft dieses Mosaik; die beiden ganz unten hatten wir schon. Und unten vier Ausschnitte aus den vier Teilbildern des LORRI-Mosaiks aus 450’000 km Entfernung. Bis auf Cropping interessanter Regionen, Gamma-Optimierung und einfache Schärfung wurde nichts weiter unternommen: Der Zwergplanet sieht wirklich so aus. NACHTRÄGE: kolorierte Mosaike hier und hier, schwarzweiße ganz hier, hier und hier und teilweise hier und hier, ein flaues Charon-Detail mächtig aufgepeppt & koloriert, ein Fan-Poster mit Pretty Pictures, eine Pluto-Karte mit 16’000 x 8000 Pixeln, ein Fake-Fly-Around, die NASA-Dunst-Grafik metrisch, eine Infografik zu Eis-Verhalten und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

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Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 24. Juli 2015

22. Juli 2015

24. Juli

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Das Ende ist nahe … für den Strom ‘frischer’ Pluto-Bilder

Im Vorfeld der letzten Pressekonferenz für längere Zeit in zwei Stunden ist gerade endlich ein Mosaik der ganzen Pluto-Scheibe aus 2 x 2 LORRI-Bildern in leidlicher Auflösung vorgeführt worden: Anklicken liefert eine mit den unten schon gezeigten falschen MVIC-Farben kolorierte Version (auch hier, hier und hier gefeiert) – aber da der Zwergplanet dem Auge eine eher gleichmäßige (matt rötliche) Farbe bieten dürfte, ist diese Schwarzweiß-Version vielleicht … realistischer? [18:00 MESZ] Tss, jetzt haben sie einen Pluto ‘in natürlichen Farben’ nachgeliefert. Auch ein Anaglyphen-Pluto aus dem May’schen Stereo-Paar – und ein alternativer Stream der PK in 1/4 Stunde. [19:45 MESZ]

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Ein Abschiedsfoto: Pluto im Gegenlicht aus 2 Mio. km Abstand am 15. Juli – das Bild traf gestern ein. [19:55 MESZ] Und während sie mit der PK noch nicht mal in die Gänge gekommen sind, schon jede Menge weitere Visuals im Web. Diesmal fluppt’s. [20:05 MESZ] Auch schon da: eine Messung des “Luftdrucks” über der Oberfläche mit dem Radioexperiment: überraschend gering. Dafür reicht die Dunstschicht über Pluto – erkennbar im Gegenlichtbild – bis 150 km hoch, 5-mal höher als erwartet, und man kann im Maßen von “Pluto-Wetter” sprechen. [20:25 MESZ]

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Die Schlüsselregion Plutos: Sputnik Planum, wo Methan-, Stickstoff- und Kohlenmonoxid-Eis vorkommen – und letzteres nur dort, so dass diese Ebene als Quelle in Frage kommt. Oben was bisher vom LORRI-Mosaik angekommen ist, dann Detail vom oberen Rand, wo sich regelrechte “Gletscher” aus Stickstoffeis – das im Gegensatz zu Wassereis auch bei Pluto-Temperaturen beweglich ist – in die alte Landschaft nördlich hinein gefressen haben und mitunter um Berge herum flossen. Dann ein simulierter Überflug und schließlich die schon bekannten Hillary- und Norgay-Berge: Jenseits von ihnen ist die Eisschicht nur noch sehr dünn. [20:55 MESZ]

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Ein weiteres der heute präsentierten Ergebnisse noch: Eine Sonnenbedeckung durch Charon hat keinerlei Hinweise auf eine Atmosphäre geliefert. Der 10-tägige erste Download von Daten ist jetzt beendet, aber im September wird “der Wasserhahn” wieder aufgedreht. Und in einer Stunde sollen weitere Rohbilder pubik gemacht werden, mit denen dann jeder experimentieren kann. [21:00 MESZ] Daraus Amateur-gestitchte Voll-Plutos hier und hier, wie sich ein Charon-Detail einfügt, ein anderes Charon-Detail und weitere Amateur-Verarbeitungen sowie Bilder der heutigen PK und Artikel hier, hier und hier. [23:25 MESZ] Der neue Charon-Frame in Rotation und 3D aus Shape from Shading, eine Amateur-Teilkarte, eine weitere Charon-Verarbeitung und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die komplette Aufzeichnung und alle Visuals der Pressekonferenz, von Fans bearbeitete Sputnik-Planum-Details hier und hier und ein eingefärbtes Planum-Mosaik und weitere Artikel hier, hier und hier]

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Ein Mosaik von Marsgestein mit MAHLI aufgenommen, der Makro-Kamera des Rovers Curiosity, der sich hier eine Weile umsieht: Einen solchen Aufschluss sah er noch nicht. Auch Gedanken zur Mars Sample Return – und der soeben gelungene Start eines militärischen Wettersatelliten auf einer Delta 4: Bilder vom Abheben (mehr) und der Booster Separation. [2:55 MESZ] Fotos vom Start hier, hier und hier und weitere Artikel hier und hier. [3:55 MESZ] Ein Weitwinkel-Start (mehr), eine Nahaufnahme, Boeing und ULA Releases und ein weiterer Artikel. [17:55 MESZ. NACHTRAG: und noch einer sowie mehr Fotos und mehr Links]


23. Juli

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Die neuesten Bilder von New Horizons, Rosetta und Dawn

(die man der Welt zeigte): oben eine “echte” Farbaufname Plutos von MVIC (aus Blau-, Rot- und NIR-Bildern und intensitätsgesteigert) aus 250’000 km Entfernung (auch ein Amateur-Experiment mit anderen Daten und Artikel hier, hier, hier, hier und hier), darunter ein NavCam-C-G vom 14. Juli (auch ein 4-Minuten-Update zur Rosetta-Science, ein Artikel zum Status und der Komet heute von einem Amateur in England), und unten ein weiteres Ceres-Bild Dawns aus 4400 km Höhe (auch ein Artikel und späte Erkenntnisse zu Vesta dank Dawns Daten). Bonus: die Sonnensegler der NASA, die mit dem ersten SLS mitfliegen sollen. [23:45 MESZ. NACHTRAG: die erdgebundenen Parallel-Beobachtungen mit Rosetta]

Und Kepler fand einmal mehr keine zweite Erde …

In diesen Minuten beginnt eine Telecon der NASA zu erneutem Wachstum des Kepler-Katalogs der Exoplaneten-Kandidaten – und eine ungeschickte Formulierung in der Ankündigung (“astronomers are on the cusp of finding something people have dreamed about for thousands of years – another Earth”) hat längst zu den verrücktesten Gerüchten geführt. Da ist von einer “emergency press conference” die Rede, oder uninformierte Informaten fabulieren von “einem neuen erdähnlichen Planeten”. Alles Quatsch: Der tatsächliche Inhalt der Mitteilung ist zum einen, dass zu den bereits im Kandidaten-Katalog befindlichen 4175 Exoplaneten wieder über 500 dazu gekommen sind. Zwölf der neuen Kandidaten haben weniger als 2 Erddurchmesser und befinden sich in den Habitablen Zonen ihrer Sterne, und einer davon, Kepler-452b, wurde bereits als Planet verifiziert. Er ist freilich keine “Erde” sondern mit 1.6 Erddurchmessern eine “Super-Erde”, und da die Masse offenbar kaum bis gar nicht bekannt ist, lässt sich auch nur eine Wahrscheinlichkeit von über 50% dafür angeben, dass er felsiger Natur ist. Auch seine “Sonne” ist keine: 4% mehr Masse, 10% heller – und 1.5 Mrd. Jahre älter. Insofern erlebt Kepler-452b vielleicht in etwa, was auch der Erde einst bevorsteht, einen Runaway-Treibhauseffekt. Der Hype um die Telecon hat dazu geführt, dass man statt einem Stream außerhalb der USA das hier sieht. “This seems to be a problem with our international users of Ustream,” teilt die NASA diesem Blog dazu mit: “We are currently trying to see if we can fix it.” Leider ohne Erfolg … [18:00 MESZ]

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Immerhin sind die Visuals zur Telecon sichtbar. [18:05 MESZ] Und hier läuft ein Stream auch in Deutschland! [18:15 MESZ] Der PR des SETI Institute, auf dem die obige Story basierte, und einer der NASA, in dem der Stern 20% heller als die Sonne ist. Jedenfalls sei Kepler-452b der erste Exoplaneten-Kandidat in der HZ eines G2-Sterns, was ihn, obwohl eine Supererde unbekannter Natur, zum erdähnlichsten bisher mache – na ja … Laut der Kepler-Homepage steht der Katalog-Count jetzt bei 4661 Kandidaten, von denen 1030 auf die eine oder andere Weise bestätigt sind. In einem Jahr soll es dann den 8. Katalog geben: Mit noch besserer Software sollten noch mehr Kandidaten aus den Daten gefischt werden. [18:45 MESZ] Die Planetennatur von Kepler-452b wurde nur – durch Ausschluss von Alternativen – validiert, eine direkte Massenmessung gibt es nicht, nur die vage Abschätzung 5±2 Erdmasen: Daher auch die große Unsicherheit seiner Zusammensetzung. [19:05 MESZ] Das detaillierte Paper über Kepler-452b hat sich noch nicht gefunden – aber dieses hier argumentierte vor einem Jahr, dass die meisten Kepler-Planeten mit 1.6 Erddurchmesser keine felsigen Welten sind. [19:55 MESZ] Siehe da, Kepler-452b steht nach dem ‘Earth Similarity Index’ nur auf dem 6. Platz und ‘gewinnt’ lediglich, wenn man einen G-Stern verlangt – davon liest man bei der NASA nichts … Auch ein anderes Paper zu Masse vs. Radius, ein einsamer Artikel, der dem “erdähnlichen” Planeten widerspricht, und leider viele wie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, die nicht weiter nachdenken. [21:15 MESZ] Ein McDonald Obs. Release, ein weiterer nachdenklicher Artikel und zwei zum Wegklicken hier und hier. [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: ein 20-Seiten-Paper, auch als Preprint, Releases von Sydney Univ. und Keck, ein weiterer nützlicher, ein skeptischer, ein gut einordnender und ein korrekt betitelter Artikel zum Planeten, ein nüchternes Interview, mehr Links, ein 20-Minuten-Hangout am SETI Institute – und erste Ermüdung setzt ein …]

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Da kommt die Soyuz – mit nur einem Solar Array draußen

So wie es Moskau immer gesagt hat und auch die NASA inzwischen wieder sagt, nach erheblicher Verwirrung. Von einer Stunde konnte dieser Blogger übrigens einen schönen hohen Überflug des ISS-Soyuz-Paares über dem Skyweek-HQ beobachten: Das Raumschiff folgte der Station in zwei Daumenbreite Abstand. [4:35 MESZ] Weitere Bilder des unsymmetrischen Schauspiels hier und hier und hier. [4:40 MESZ] Und angedockt! Plus Detail-Aufnahmen von ISS & Soyuz vom europäischen Überflug. [4:50 MESZ] So, so: Unmittelbar vor dem Andocken ging der Array auf … [4:55 MESZ]

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Ein Foto der anfliegenden Soyuz von Scott Kelly – kurz danach ging der Solar Array dann auf. Auch ein längerer Artikel auf Deutsch zur Ankunft. [5:30 MESZ] Und da sitzt die Soyuz mit beiden Arrays auf! Auch ein NASA Release und Blog-Bericht und weitere Artikel zur Ankunft hier und hier. [5:50 MESZ] Der Solar Array war übrigens 5 Meter vor der Station aufgegangen. [6:00 MESZ]

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Da sitzt die Soyuz, als ob nix gewesen wär – in 20 Minuten geht die Klappe auf. [6:05 MESZ. NACHTRÄGE: eine weitere Teleskop-Aufnahme der Soyuz aus Europa, Artikel hier, hier und hier und mehr Links]


22. Juli

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Radar-“Bilder” des Asteroiden (436724) 2011 UW158 am 14. Juli – auch ein Rotations-Video! – mit dem Radioteleskop von Arecibo entstanden (mehr): Der Körper ist 300 x 600 m groß und hat eine ungewöhnliche Form. Auch eine Amateur-Lichtkurve von ihm, die Kometen PANSTARRS (die Sichtbedingungen down under) heute und vorgestern und Catalina am 20. Juli (alt. und mehr) – und ein ganz neuer PANSTARRS, dessen spannende erste Bahn aber längst in Zweifel gezogen wird. Plus die frühe Evolution der Erde, massig Planeten-Bilder aus Barbados diesen Winter, ein auffälliger heller Fleck auf dem Neptun (mehr), wie die Sonnenflecken-Zahl überarbeitet wurde, eine deutsche Umfrage zum Nachthimmel – und wie man sich in Pakistan mit dem Mond im neuen Licht abmüht. [22:25 MESZ. NACHTRAG: auch ein Goldstone/Green Bank Telescope-Video des rotierenden Asteroiden!]

Dunstschleier über den weißen Flecken auf der Ceres

wurden auf einem Meeting beschrieben, aber leider scheint es die entsprechenden Bilder nirgends zu sehen zu geben (mehr und mehr): Wenn das Phänomen real ist, hätte die Eis-Erklärung für die Flecken wohl wieder Oberwasser. Derweil wurden die ersten 17 Krater auf Ceres getauft (eine Karte zeigt sie auch), die JAXA läd ein, das Ziel von Hayabusa 2 zu taufen – und in einer Stunde starten drei zur ISS: Updates & Screengrabs. [22:00 MESZ. NACHTRAG: Alles problemlos gelaufen – angedockt wird um 4:46 MESZ, aber eine Stunde vorher gibt’s einen guten Europa-Überflug von ISS und Soyuz. NACHTRAG 2: ein Foto vom Nachtstart, TV-Bilder hier, hier, hier, hier und hier – und die Statistik der Raumfahrer. NACHTRAG 3: NASA Blog, JAXA Release und Artikel zum Start hier, hier und hier. NACHTRAG 4: ein Soyuz-Sonnensegel kam nicht raus, was aber das Andocken nicht behindert – auch weitere NASA-Fotos zum Flug, Artikel hier, hier und hier, ein Astronauten-Scherzchen und die neueste Ausgabe des Raummüll-Newsletters der NASA, mit einem Aufmacher über Debris-Zwischenfälle mit der ISS. NACHTRAG 5: Raumfahrt bizarr – erst hat die NASA das Sonnensegel-Problem bestätigt, dann den Hinweis wieder gelöscht – in Moskau heißt es aber, das Problem bestehe weiter, und keiner weiß Bescheid. Was zu diesem Gag Anlass gab und später diesem, als sich die Meinung verfestigte, das Segel sei wirklich defekt. Auch der Abstand von Soyuz und ISS beim Europa-Überflug um 3:40 MESZ (80 km), weitere Artikel hier, hier und hier – und noch ein Wörner-Interview, mit den bekannten Inhalten]

Die erste Nahaufnahme Plutos – nun komplett

21. Juli 2015

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Das ist die erste Nahaufnahme LORRIs vom Pluto, die am 15. Juli die Erde erreicht hatte: aufgenommen um 10:20 UTC und soeben auf der Rohbilder-Seite erschienen (oben komplett, unten zwei Ausschnitte in voller Auflösung). Man staunt: Die auf der PK am 15. vorgezeigte Version war ziemlich unvollständig, und insbesondere fehlte die spektakulär flache und womöglich von Dünen [NACHTRAG: alternative Spekulationen] bedeckte Ebene neben dem Gebirge. Dieser Teil war zwar in am 17. Juli präsentierten Mosaik enthalten (unten Mitte), aber dies ist wiederum bis heute nicht in voller Auflösung im Web zu finden.

Dieser rotierende Pluto wiederum wurde derweil einem Fan aus der Gesamtkarte eines anderen Fans erzeugt – von Seiten des Projekts gibt es so was nicht. Dessen Bilder-Politik bleibt auch diese Woche rätselhaft und bizarr: Ein Mosaik der gesamten Plutoscheibe in hoher Auflösung aus vier LORRI-Aufnahmen existiert bisher nur geschrumpft als linkes Teilbild dieses Stereo-Paares eines Rock-Musikers (!), der da rumwuseln durfte, und in einer entzerrten Twitter-Version aber nirgends im Web im Original …

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Eine ganz ‘normale’ neue Bildveröffentlichung der NASA hat es heute immerhin auch gegeben: eine Farbaufnahme von Nix (42 x 36 km) mit 2 km und eine schwarzweiße von Hydra (55 x 40 km) mit 1.2 km Auflösung. Außerdem ein Press Release über Parallel-Beobachtungen Plutos vom Erdboden und Artikel hier, hier, hier und hier.

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NACHTRAG: Jetzt ist auch noch ein weiterer Frame des LORRI-Mosaiks von Pluto aus 77’000 km Abstand aufgetaucht, diesmal wohl gleich komplett – zu sehen u.a. ein weiteres Gebirge 110 km NW der obigen Norgay Montes und mit bis zu 1.5 km nicht so hoch. Das Alter des dunklen Geländes zur linken wird dank dort sichtbarer Krater auf Milliarden Jahre geschätzt. NACHTRAG 2: Details der vorerst letzten PK in 3 Tagen um 20:00 MESZ. NACHTRAG 3: Von dem neuen Bild liegt nun ebenfalls die Rohversion vor, aus der der kontrast gesteigerte Ausschnitt in voller Auflösung unten stammt – und beide Rohbilder hier, hier und hier zusammen gestitcht (mit Norden jedes Mal woanders bloss nie oben) sowie Artikel dazu hier und hier. NACHTRAG 4: das erste Bild in 3D (DTM aus Shape from Shading), ein eingefärbtes Mosaik, wie Bilder auf dem Times Square in NYC erscheinen und Artikel hier und hier. NACHTRAG 5: ein Mosaik aus 4 LORRI-Bildern, das 2-er-Mosaik fantasievoll gefärbt, ein Pluto auf Australien gelegt und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

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Allgemeines Live-Blog vom 20. Juli 2015

20. Juli 2015

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Die erste Voll-Erde des DSCOVR-Satelliten aus 1.5 Mio. km

Entfernung aus dem Lagrange-Punkt L1 ist heute veröffentlicht worden (auch Artikel hier und hier), sie stammt vom 6. Juli: Hier wurden aus den 10 Filtern R,G und B für ein Echtfarbbild ausgewählt. Auch ein Feature über Cluster, eine MOM-Aufnahme des Gale-Kraters, der Diebstahl des Hubble-Geburtstags-Bildes in Jena, Demonstrationen von Robotic Servicing auf der ISS – und der Falcon-9-Unfall wird auf das Brechen einer Verstrebung in der 2. Stufe zurückgeführt: Der Fremdhersteller erfüllte oft die Spezifikationen nicht. [22:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: dazu ein Statement von SpaceX und weitere Artikel hier (mit O-Ton der Telecon), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Russischer Investor steckt 100 Mio. Dollar in 10 Jahre SETI

Ю́рий Бори́сович Ми́льнер (Juri Borissowitsch Milner) ist der einzige Russe in der Fortune-Liste der 50 einflussreichsten Geschäftsleute der Welt – und hat heute über seine 2012-er “Breakthrough”-Initiative angekündigt, die kommenden 10 Jahre 100 Millionen US-Dollar in energische SETI-Programme zu investieren (auch Press Releases von CSIRO, Berkeley, NRAO und Lick und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier). Beobachter fühlen sich schon an den geheimnisvollen Hadden aus ‘Contact’ erinert, aber das Programm ist sehr real: Es wird sich v.a. der Radioteleskope von Parkes in Australien und Green Bank in den USA bedienen (die beide dank der “Mieteinnahmen” auch eigene Forschung fianzierien können), soll 50-mal empfindlicher sein als jede andere Suche nach Alien-Funk, 10-mal mehr Himmel abdecken und 5-mal mehr Spektrum. Und vielleicht am interessantestesn dies: “All data will be open to the public. This will likely constitute the largest amount of scientific data ever made available to the public. […] All software will be open source.” [21:00 MESZ. NACHTRÄGE: Portraits von Finanzier Milner und Breakthrough-Chair Worden und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

imhotep

Hat er sich gedreht? Hoffnungen für Philae schwinden …

Während im Zusammenhang mit (nach letzten Informationen wohl erst im Herbst) bevorstehenden Veröffentlichungen weitere OSIRIS-Nahaufnahmen von 2014 – hier aus der Imhotep-Region – das Web fluten, machen heute detaillierte Statusberichte hier und hier wenig Hoffnung, dass mit dem Lander Philae noch einmal richtig gearbeitet werden kann (auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, und hier): “Wir haben in den bisher empfangenen Daten auch Anzeichen dafür, dass Philae sich bewegt haben könnte und seine Antenne dadurch womöglich mehr verdeckt oder anders ausgerichtet ist”, heißt es aus dem DLR. Auf welche Panele Philaes wieviel Sonne trifft, hat sich von Juni zu Juli deutlich verändert, und das “lässt sich nicht nur mit dem Verlauf der Jahreszeiten auf dem Kometen erklären”. Da sich Philae seit dem 9. Juli nicht mehr gemeldet hat, wird er jetzt blind kommandiert – inbesondere soll versucht werden, ein “Arbeitspaket” auf dem Lander zu aktivieren, das bereits im November 2014 nach der Landung erfolgreich ausgeführt wurde und noch gespeichert ist. Sollte diese Idee funktionieren, würde Philae nach dem Einschalten mit wissenschaftlichen Messungen beginnen und diese Daten in einem nächsten Schritt zur Erde senden – aber die Zeit drängt, denn nur noch bis zum 24. Juli richtet sich Rosetta nach den Ansprüchen des Landers aus und fliegt eine Bahn, die für die Kommunikation der beiden miteinander günstig ist. Anschließend wird Rosetta mit seinen elf Instrumenten an Bord über die südliche Hemisphäre des Kometen fliegen, die nun zunehmend von der Sonne angestrahlt wird – und schon jetzt musste der Kometenabstand wieder auf 170 bis 190 km erhöht werden, weil die Startracker erneut Probleme mit hellen Kometenteilchen bekommen hatten. [20:35 MESZ]

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Komet C/2014 Q1 (PANSTARRS) gestern Abend über Namibia von Michael Jäger aufgenommen, auch am Abend davor, sowie weitere Aufnahmen des südlichen Kometen von gestern hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch zwei Aufnahmen des Rosetta-Kometen C-G aus England(!) hier und hier, Mond, Venus & Jupiter aus der ISS, eine 30-Seiten-Studie zum Photovoltaik-Effekt der SoFi im März in Europa – und die angeblich älteste Sternkarte der Welt. [3:05 MESZ]

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Und noch mal alle zusammen, aufgenommen gestern Abend vom Catwalk des Anglo-Australian Telescope von Steve Lee: die völlig überstrahlte Mondsichel über der Venus, rechts daneben der Regulus, darunter der Jupiter und ganz unten der Komet PANSTARRS, der sich gegen den Mond immer noch behaupten kann. [4:10 MESZ. NACHTRAG: auf diesen Bildern heute aus Tasmanien tut er sich schwerer – auch welche vorgestern Abend aus Teneriffa, vielleicht mit dem Kometen, und wiederum aus Australien]

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Na endlich: Dawn senkt wieder die Höhe seiner Ceres-Bahn

Nicht dass es in 4400 km Höhe über dem Zwergplaneten nicht schön gewesen wäre (hier ein Bild vom 25. Juni), aber es ist dann doch eine gute Nachricht, dass das Ionentriebwerk wieder angeworfen werden konnte und es nun die nächsten 5 Wochen bis auf 1500 km hinab gehen kann! Der Auslöser des Safe Mode am 30. Juni war ein Schwenkmotor einer der drei Düsen gewesen – das Problem ist verstanden und überwunden. Auch die Salz-Hypothese für die hellen Flecken auf Ceres, Airbus D&S als Hauptkontraktor von JUICE, dem Jupiter-Orbiter der ESA, die Startvorbereitungen für den LISA Pathfinder, mysteriöse Manöver eines russischen Satelliten, knappe Zeit für das SLS nach einem GAO-Audit, die Ankündigung des neuen ESA-Chefs (unter den Mond-Visionen), die Öffentlichkeit stärker in Entscheidungen einzubeziehen – und vor 40 Jahren fand das Apollo-Soyuz Test Project statt. [2:00 MESZ]

Und weitere sieben “freie” Rosetta-Papers …

19. Juli 2015

… sind seit der letzten Bestandsaufnahme vor einem Monat (mit den ersten fünf Treffern) aufgetaucht, also wissenschaftliche Arbeiten von Projektbeteiligten, die sich nicht hinter Paywalls verstecken. Erfreulich viel von der OSIRIS-Kamera ist dabei, deren Bilder sonst kaum mal einen Weg in die Öffentlichkeit finden.

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19 klar begrenzte Regionen mit drei grundlegenden Typen sind bisher auf dem Kometenkern identifiziert worden (hier aus vier verschiedenen Perspektiven zu sehen), von dem allerdings rund 30 Prozent bislang noch im Schatten lagen (eine ESA-Blog-Story dazu). Am verbreitetsten sind “konsolidierte”, also ziemlich solide Gebiete, in denen es auch Brüche gibt. Einige schließen glattere und tiefer liegendere Zonen ein. Und dann gibt es noch drei irreguläre Depressionen, Hatmehit, Nut und Aten, die dadurch auffallen, dass hier die ansonsten weit verbreitete Staubschicht fehlt, die sich über große Teil des Kerns – womöglich durch eine Art Kometen-Wind – ausgebreitet hat. Die staubfreien Gebiete könnten etwas mit explosiver Aktivität zu tun haben. Und beide Hälften des Kometenkerns – 4.1 x 3.3 x 1.8 bzw. 2.6 x 2.3 x 1.8 km – unterscheiden sich morphologisch etwas, was auf unterschiedlichen Aufbau hinweisen könnte. Komet C-G vereinigt Geländeformen, die andere Sonden bereits auf den Kometen Wild 2, Tempel 1 und Hartley 2 vorgefunden hatten – bloss so detailliert sah man sie noch nie.

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Auf dem Kern gibt es Meter-große Stellen mit frei liegendem Wassereis an rund 120 Orten und in in allen Landschaftstypen, vor allem aber da, wo wenig Sonne hinkommt: Sie sind bis zu zehnmal heller als die Umgebung, deutlich bläulicher und verändern sich nicht (ein ESA Press Release, eine PM des MPS und Artikel hier und hier dazu). Offenbar ist an diesen Stellen die ansonsten omnipräsente Kruste des Kerns aufgebrochen: Wie die entsteht, haben Laborexperimente mit künstlichen Kometen seit Jahrzehnten plausibel gemacht. Und es scheint sich durchweg um einzelne Eis-“Felsen” zu handeln, die ihrer Kruste verlustig gingen und nun die hellen Flecken auf dem Kern bilden.

Wie der Kern Staub – und größere Brocken – verliert oder auch nicht, ist der Gegenstand von gleich drei Papers: zum Mechanismus der Staubaktivität, zu den Bahnen einzelner größerer Gebilde in Kernnähe und zur ergebnislosen Suche nach Kern-Monden, von denen auch der große Ausbruch vom April 2014 keinen abzustoßen vermochte (eine ESA-Blog-Story zu den letzteren beiden). Es ist verblüffend unklar, wieso der Gasstrom sublimierenden Eises überhaupt Staubteilchen mitreißen kann, wo doch Staubschichten aus Mikrometer-großen Teilchen eine viel größere Zugfestigkeit als der Gasdruck aufweisen. Mit größerem Durchmesser der Staubaggreate nimmt die Festigkeit der Schicht allerdings ab, und die Teilchen können im Gasstrom abheben: Nach neuen Modellrechnungen kann Komet C-G so Gebilde von 2 cm bis 1 Meter Durchmesser auf die Reise schicken, wie sie OSIRIS tatsächlich in der inneren Koma aufgenommen hat (eine Animation eines solchen Teilchens in einer Amateur-Bearbeitung deutlicher gemacht; vier untersuchte Objekte von rund 15 bis 50 cm Durchmesser hatten vermutlich gebundene Bahnen um den Kern). Staubteilchen < 1 mm können aber nicht vom Kern selbst gekommen sein: Die müssen durch den Zerfall – z.B. durch zu schnelle Rotation – von größeren Gebilden erst in der Koma entstanden sein.

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So verändert sich die Rotationsperiode des Kometenkerns mit ab- und zunehmender Sonnendistanz in Folge von Jet-Kräften durch ausströmendes Gas: gezeigt sind tatsächliche Messungen in grün (Änderungen gegenüber dem Wert vom Juli 2012 in Sekunden, Skala links), ein Modell (rot) und die Sonnendistanz (blau, Skala in au rechts). Für das Computermodell wurde der Kern als Körper mit 25 Metern Auflösung aus über 100’000 Polygonen modelliert, die man von der Sonne bescheinen ließ: Je mach Einfallswinkel wurde dann mehr oder weniger Wassereis zum Sublimieren gebracht. Demnach müsste die Rotationsperiode inzwischen wieder deutlich abnehmen, d.h. die Rotation schneller werden.

Wie sich das Wasser rund um den Kometenkern verteilt, ist schließich der Gegenstand eines Papers des MIRO-Instruments (in dieser ESA-Blog-Story zusammen gefasst): Gemessen bei 530 nm Wellenlänge die Säulendichte dieses wichtigten Kometengases in 3.4 au Sonnenabstand. Sie unterscheidet sich je nach Ort um zwei Größenordnungen: Am höchsten ist sie in einer engen Region auf der Tagseite, nahe dem “Hals” des Kometen (Region Hapi) und seines Nordpols, während auf der Nachtseite fast gar kein Ausgasen stattfindet. Die Sonneneinstrahlung spielt zwar eine wesentliche Rolle für die Wasserproduktion, aber die komplizierte Topografie des Kerns spielt offenbar eine Rolle bei der Fokussierung der Gasstrahlen.

Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 18. Juli 2015

16. Juli 2015

18. Juli

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Das gab’s nur auf der Südhalbkugel: der Mond bei Komet PANSTARRS, hier in Chile gestern Abend eingefangen von Yuri Beletsky (Verwendung mit freundlicher Genehmigung) – für Europa standen bzw. stehen beide in einem zu ungünstigen Positionswinkel zur Sonne. Heute Abend wird sich mit einiger Mühe immerhin ein Dreieck aus Venus, Mond und Jupiter (mit Regulus dabei) beobachten lassen. Auch Bilder von heute Abend von Mond und Komet von aus Australien (tiefer, mehr, mehr [auch mit den Planeten & Regulus] und mehr) und dem Mond im Detail aus Neuseeland sowie von gestern der Mond mit dem Kometen nochmal aus Chile, aus Südafrika und aus Neuseeland plus mit Venus und Jupiter aus den USA, dazu der Mond im Untergang in NZ und der Komet im Detail (mehr und ebenfalls untergehend). Sowie die Venus mit Handy an einem 1.5-m-Teleskop (!), eine Radaranimation von 2011 UW158, Cluster-Messungen von äquatorialem Rauschen hoch über der Erde, schottische NLC gestern, Dark-Sky-Fortschritte in Wales und den Niederlanden, ein neuer ALMA-Receiver – und Sidewalk-Astronomie in New York City als Antidot für’s Handy-Starren. [15:45 MESZ] Nochmal die komplette Konstellation heute aus Australien und ein PANSTARRS von gestern aus Namibia. [16:45 MESZ] Nur ganz wenige Treffer des Trios aus Europa sind bisher aufgetaucht: aus Italien, Rumänien und Kroatien. Einfacher war’s da in Ägypten, dem Iran und Bahrain. [23:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: das Trio aus Malaysia, Australien (mit Komet!), Neuseeland (mit Komet), den USA (mehr), Brasilien, Chile, Bolivien, Argentinien, den Kanaren, Südafrika (mit Komet), Spanien, Deutschland (als Duo), Griechenland und der Türkei – und die Mond- und Venus-Sicheln eng zusammen am Taghimmel aus Neuseeland]


17. Juli

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Willkommen auf den jungen Eis-Ebenen des Zwergplaneten!

Von den ca. 50 Gbit Daten, die während des Pluto-Encounters aufgezeichnet wurden und noch werden, hat bisher knapp 1 Gbit in hoher – und z.T. sehr ‘lossiger’ – Kompression die Erde erreicht: darunter jetzt auch zwei weitere LORRI-Mosaikteile der Tombaugh Regio. Oben die drei Teile zusammen – wie gerade auf einer Pressekonferenz gezeigt – und ein simulierter Überflug von den schon bekannten Bergen in die Ebene hinein. Die völlig kraterlos ist und eine polygonale Struktur hat, mit 20 bis 30 km großen Zonen, die von Gräben getrennt sind, in welchen sich wiederum oft dunkles Material findet. Und mitunter auch dunkle Hügel, bei denen noch völlig unklar ist, ob sie aus dem Boden quollen oder Erosionsreste sind. Ob die Polygone durch eine Art Konvektion entstanden sind oder Schwindrisse einer geschrumpften Oberfläche sind – wer weiß. Und ebenfalls in diesem Sputnik Planum gibt es kleine längliche dunkle Fähnchen, bei denen es sich um Windverwehungen wie oft auf dem Mars gesehen handeln könnte – oder Niederschlag von Geysiren wie auf dem Neptunmond Triton, wie sie allerdings bislang noch nirgends gesehen wurden.

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Auch interessant diese Beobachtung des LEISA-Instruments in der Ralph-Suite: Im Westteil der Tombaugh Regio gibt es eine ausgeprägte Konzentration von Kohlenmonoxid, wie sie nirgends sonst auftritt. Vielleicht ist hier eine Quelle, was mit dem jungen Terrain und möglicherweise bis heute anhaltender Aktivität zu tun haben könnte.

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Und so sah ALICE die Sonne hinter dem Zwergplaneten verschwinden und wieder auftauchen: eine komplizierte Lichtkurve, die eher zu einer ruhigen als turbulenten Atmosphäre passt; in der oberen Atmosphäre schluckt erst Stickstoff das Licht, darunter Methan, noch tiefer dann komplexere Kohlenwasserstoffe. Derweil hat SWAP eine Art Plutoschweif aus Stickstoff registriert: ionisiert durch die UV-Strahlung der Sonne, dann vom Sonnenwind mitgerissen. Nach ersten Abschätzungen verliert der Pluto wegen seiner geringen Schwerkraft rund 500 Tonnen pro Stunde (der Mars: eine), was im Lauf seiner Existenz einer Eisschicht von mehreren Kilometern Dicke entspricht. Und es gibt ein Bild von Nix, der etwa 40 km Durchmesser hat. Bis der nächsten PK in einer Woche sollten schon 5-6 statt der jetzt 1-2 Prozent der Encounter-Daten an der Erde sein – und am 30. Juli entsteht das letzte LORRI-Bild Plutos. Die Rohbilder dieser Schwarzweiß-Kamera werden jetzt übrigens nur noch im Wochenrhythmus online gestellt. [20:30 MESZ. NACHTRÄGE: eine Aufzeichnung der Pressekonferenz, gewisse Ähnlichkeiten Pluto / Kanada, immer noch Zweifel an Pluto-Aktivität ein 4-Minuten-Update (mit Zugabe), eine 45-Minuten-Radiosendung, 2 Minuten Pluto in This Week @ NASA, Rotationen von Pluto und Charon aus echten Bildern, simulierte Ansichten von beiden, eine kolorierte Pluto-Karte (auch volle Auflösung und eine andere), Bausätze für Pluto-Globen hier und hier, Artikel hier (zu LORRIs Raws), hier (zu New Horizons’ nächstem Ziel), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]

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Ein neuer ferner und vier alte nahe Churyumov-Gerasimenkos: Während das NavCam-Bild oben aus 154 km Abstand vom 7. Juli stammt, sind die (im Rahmen einer bevorstehenden Veröffentlichung aufgetauchten) OSIRIS-Bilder darunter aus knapp 30 km Abstand vom letzten September – auch das bevorstehende Perihel des Kometen und Updates in Deutsch und Englisch über die anhaltenden Kommunikationsprobleme mit Philae, die jetzt auf Störungen von dessen Senders zurück geführt werden, gegen die ein Software-Patch eingesetzt wird. [11:10 MESZ] Technik von Philaes ROLIS-Kamera hat eine irdische Anwendung: Waldbrände orten. [16:50 MESZ]


16. Juli

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Frisch von New Horizons: ein Detail vom Rand des Charon!

Erst hatten sie gesagt, heute gäbe es keine neuen Bilder aus dem Pluto-System zu sehen – und nun haben sie doch einen Ausschnitt von Charons Rand in hoher Auflösung aus 79’000 km Entfernung ins Netz gestellt: Der Streifen ist etwa 300 km lang, und das kurioseste Feature ist ein Berg, der von einem Graben umgeben ist wie eine Burg. “This is a feature that has geologists stunned and stumped.” Auch ein kurioser Steinhaufen auf dem Mars, den Opportunity entdeckt hat – und ein detailliertes Post-Mortem des LightSail-A auf einem Workshop. [20:00 MESZ] Das Bild war ursprünglich seitenverkehrt gepostet worden, jetzt ist es richtig – auch eine neue Charon-Amateur-Karte. Nach dem, sagen wir mal, bunten Treiben am APL soll’s bei der morgigen NewHo-PK organisierter zugehen – detaillierte Einladung inklusive. Und auf den Fluren des Caltech glaubt man den “aktiven Pluto” nicht … [21:25 MESZ. NACHTRAG: die Charon-Karte als Globus in Rotation versetzt] Charon-et-al.-Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier – und STEREO-A spricht wieder mit der Erde. [22:20 MESZ. NACHTRÄGE: noch ein rotierender Pluto, Plutos 3D-Berge als Anaglyphen-Bild und mit Sonnenaufgang animiert, wie sich ein Weltraummaler den Charon-Berg mit Graben vorstellt, ein weiteres 3-Minuten-Update, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und noch ein paar Scherzchen hier, hier, hier (nahe dem Ende), hier und hier]

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Die erstaunlichen Schweife des Kometen C/2014 Q1 (PANSTARRS) vorgestern in Namibia von Michael Jäger aufgenommen – der Komet auch aus Australien gestern und heute sowie Lovejoy gestern, der Asteroid 2015 HM10 im Radar, ein Artikel über NLCs, warum diese Sonnenzyklus-Spekulationen gewiss auf keine nahende Eiszeit hinweisen (während hohe Sonnenaktivität umgekehrt zu einer Abkühlung Grönlands beigetragen haben soll) – und die Wunsch-Standorte für den Cherenkov Telescope Array stehen fest: der Paranal in Chile und die Kanaren-Insel La Palma. [19:35 MESZ. NACHTRÄGE: dazu eine DESY-PM und Artikel hier, hier, hier und hier sowie noch mehr PANSTARRS von heute und gestern aus Chile hier und hier, Südafrika hier und hier, Namibia und Australien hier und hier]

Erster (Mini-)Satellit von Planetary Resources im Orbit!

Die erste Firma, die mit dem (Fern-)Ziel des Asteroiden-Bergbaus angetreten ist, hat ihren ersten – sehr bescheidenen – Satelliten im All: Der A3R wurde heute aus dem Kibo-Modul der ISS freigelassen, auf die ihn im April ein Dragon-Frachter gebracht hatte. Das A steht für Arkyd, die Serie von Kleinsatelliten, mit denen die ersten (Fernerkundungs-)Schritte getan werden sollen, die 3 bezeichnet eine Art Vorversion für das Testen bestimmter Technologien, und das R bedeutet Reflight, da das erste A3-Modell bei einem früheren Frachtflug verloren ging. Auch die erste Exoplaneten-Beobachtung von SOFIA (ein Press Release), der Curiosity-Fund einer kontinentalen Kruste auf dem Mars, eine Störung von SMAP, die erfolgreichen Starts einer Ariane mit u.a. dem letzten MSG-Wettersatelliten (mehr [Englisch], ein Start-Video, die Timeline, ein Foto und Artikel hier, hier, hier, hier und hier) und einer Atlas V mit einem GPS-Satelliten gestern, der Ariane-Vertrag auch für die MTG-Satelliten – und die ISS-Besatzung musste kurz in Deckung gehen, weil heute Raumschrott arg nahe kam (mehr), danach Freude an Bord … [16:00 MESZ] Details des Zwischenfalls. [17:55 MESZ] Dito hier. [18:45 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier und hier – plus ein Foto des ‘Abschusses’ von A3R, noch mehr, eine Animation daraus und ein Artikel sowie mehr Links zu den GPS– und Ariane-Starts]

Live-Blog zum Pluto-Encounter von New Horizons

13. Juli 2015

15. Juli

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Das erste Pluto-Bild mit Sub-km-Auflösung und noch mehr

wurde auf der noch laufenden Pressekonferenz am APL vorgestellt. Das LORRI-Bild oben ist das erste Stück eines Mosaiks, das – wie die Übersicht zeigt – am Rand des hellen “Herzens” liegt, das das New-Horizons-Team übrigens nach dem Pluto-Entdecker “Tombaugh Regio” taufen möchte. Nicht ein einziger Impaktkrater ist zu sehen: Die Gegend muß weniger als 100 Mio. Jahre alt sein, mangels Kratern lässt sich nicht mal eine Untergrenze angeben, und Pluto könnte sogar jetzt noch aktiv sein. Dass dies bei Eiswelten möglich ist, die sich nicht im Orbit um große Planeten befinden (wo Gezeiteneffekte eine Heizung bewirken können), ist eine große Entdeckung; Charons Schwerkraft sollte jedenfalls keine Wirkung auf Plutos Körper haben. Auch interessant die Berge, die hier bis zu 3500 Meter hoch sind: Nur Wassereis ist bei Pluto-Temperaturen hart genug, um so etwas zu halten, man sieht hier also das “Grundgestein” des Zwergplaneten.

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Der beste Charon bisher (auch eine flinke Berarbeitung durch einen Fan) zeigt 1000 km lange Gräben und Klippen, die ebenfalls auf interne Prozresse hindeuten könnten. Am rechten Rand ein bis zu 10 km tiefer Canyon – und unten nur wenige Krater: War diese Gegend noch in jüngerer Vergangenheit aktiv?

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Nochmal Pluto, diesmal durch die Augen des LEISA-Instruments und seines Nachweises von Methan, dessen Eis die Oberfläche bedeckt – aber das in unterschiedlichen Regionen ganz verschiedene Spektren hat: Grund sind unterschiedliche Mischungen mit Stickstoff-Eis.

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Und das erste aufgelöste Bild des Mondes Hydra, der sich als 43 x 33 km groß erweist und eine Albedo von 45% hat: Das spricht für im Wesentlichen Wassereis. Die Daten-Downloads gehen noch bis zum 20. Juli weiter, und am Freitag, dem 17. Juli, um 19:00 MESZ gibt es eine weitere PK mit noch viel mehr ersten Einsichten. [21:55 MESZ] Unfangreiche Notizen von der PK und erste Reaktionen hier, hier, hier und hier. [22:25 MESZ] Ein NASA Release zur PK, der Zoom auf das Detail, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (wo der Pluto-Fahrplan dieses Blogs in der Antwort auf einen Kommentar vorkommt), noch mehr Live-Blogs hier und hier – und ein rotierender Pluto-Globus. [23:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die Aufzeichnung der PK, ein 10-minütiger TV-Beitrag, ein 3-Minuten-Update, kurze Tagesschau– und Fox-Clips, erste Gedanken eines Planetologen, ein Interview mit einem Plutografen (Marc Buie mit diesen Karten), eine Spekulation über Erdrutsche, eine geniale 3D-Animation eines Fans, der das DTM des Eisgebirges Plutos mit Shape from Shading abschätzte, was die Fangemeinde mit den Bildern sonst noch so anfängt, wo das hochauflösende Mosaik auf dem Pluto ‘gelandet’ ist, ein LOTR-mäßiger Tweet vom Weißen Haus, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, deutsche(!) NewHo-Scherzchen hier und hier – und auf den Philippinen ist Pluto wieder auf Seite 1 gelandet, in den USA ja sowieso]

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Der fehlte noch: ein – von Kompressionsartefakten grausam entstellter – Charon vom Morgen des 13. Juli aus 1.5 Mio. km Abstand (kein Wunder, dass der gestern nicht vorgezeigt wurde). Auch ein Fan-Versuch daran, der rohe Pluto vom Abend des 13. Juli, ein Fan-Versuch auch daran, ein NASA Release zum kosmischen Anruf, dessen entscheidende Minuten, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Podcast, ein Video-Clip und mehr Links. Bilder aus den heutigen Downlinks scheinen noch keine ‘geleakt’ zu sein, es heisst also wohl weiter auf die PK in knapp vier Stunden zu warten. [17:15 MESZ] Die heute eingetroffenen Bilder sollen jedenfalls toll aussehen. Auch obiges Charon-Bild hier und hier mit MVIC eingefärbt, dito der LORRI-Pluto, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein Radio-Interview. [18:45 MESZ] Noch 1/2 Stunde bis zur PK mit den ersehnten Bildern, die hier und hier streamen wird – auch ein Artikel über Schnee auf Pluto und anderswo und 1/4 Stunde Comedy-Talk der Late Show with Stephen Colbert … [20:30 MESZ]

Warten auf den Anruf von jenseits der Bahn des Pluto …

Die kurze Funknachricht, die New Horizons nach dem Ende des Fly-Bys abgeschickt haben sollte, müsste gerade die Saturn-Umlaufbahn kreuzen und schon mehr als die Hälfte der Strecke zurück gelegt haben – ab 2:53 MESZ wird mit dem Eintreffen gerechnet. Auch eine 4-Minuten-Zusammenfassung des gestrigen Tages. [1:40 MESZ] Ebenfalls 4 Minuten Instant Science und ein Artikel dazu – und das Signal müsste jetzt die Jupiterbahn passieren. [2:15 MESZ] Und die Live-Show zu seinem Eintreffen beginnt! Plus eine Fake-3D-Version des letzten LORRI-Bildes. [2:30 MESZ] Das Signal müsste im Asteroiden-Gürtel sein: Die DSN-Station in Madrid soll es auffangen. [2:40 MESZ] Eine Menschenmenge am APL, darunter auch Würdenträger, wartet – das Signal müsste die Marsbahn passiert haben. [2:50 MESZ] Der Träger ist da! [2:53 MESZ] Und die Telemetrie kommt auch – frenetischer Beifall am APL. [2:55 MESZ] Und der Status der Sonde ist nominal! Und die erwartete Datenmenge ist im Kasten. [2:56 MESZ] Keinerlei Anomalien zu berichten: Ein gesundes Spacecraft entfernt sich vom Pluto. [3:00 MESZ] Ein Artikelchen – und in 15 Minuten eine PK. [3:15 MESZ] Die entscheidenden Sekunden, ein paar Jubel-Szenen und ein Artikel. [3:25 MESZ] Die sogenannte Pressekonferenz (scroll down) brachte – nach dem Einmarsch der Helden und zahlreichen Festreden – keinerlei weitere Erkenntnisse: New Horizons geht’s blendend, die Bahn ist korrekt, und nach der kurzen Statusmeldung wurden die Beobachtungen des Pluto-Systems wieder aufgenommen. Die ersten Daten gibt’s heute von 11:32 bis 21:25 MESZ in den First Looks A und B – und vor der nächsten PK um 21:00 MESZ sind keine weiteren Live-Sendungen mehr geplant. Bisher tauchten neue Bilder immer unabhängig von den PKs auf: Man wird sehen, ob im Laufe des Tages schon etwas gezeigt wird. Auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und auf den Phillipinen ist’s der Aufmacher, so richtig auf Papier. [4:45 MESZ]


14. Juli

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Pluto und Charon in extrem gesteigerter Farbigkeit aus Daten des MVIC-Instruments von Ralph, die im Original 28 km/Pixel Auflösung haben sollten! Auch eine Pluto-Karte mit informellen Namen, die aus einem Pool öffentlicher Vorschläge stammen. [20:45 MESZ] Der Extremfarb-Pluto auf das LORRI-Bild gepappt, drei Scherze hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier. [23:25 MESZ] Eine weitere LORRI-MVIC-Kombination, der Anflug als Sequenz bis gestern und Artikel vom Tage hier (mehr und mehr), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ]

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So scharf ist New Horizons’ letztes LORRI-Bild wirklich

Endlich wurde die Version in voller Auflösung veröffentlicht, auch ohne die künstliche Einfärbung [NACHTRAG: anhand von neuen Ralph-Farbbildern von gestern, die räumlich aufgelöst sind aber bisher nicht gezeigt wurden] – hier ein Ausschnitt in Originalqualität, leicht im Kontrast gesteigert. Auch ein ein NASA Release zum Flyby, eine PM des MPS mit Rosetta(!)-Bildern Plutos von vor 2 Tagen mit OSIRIS (auf deren Kometen-Bilder man Monate warten muss …) und Artikel hier (mit etwas Instant Science zum LORRI-Bild), hier, hier, hier, hier und hier (mehr). [16:05 MESZ] Eine abermals aktualisierte Version der Amateur-Karte Plutos [NACHTRAG: in voller Auflösung], auch in Rotation, wie Plutos fliehende Atmosphäre beobachtet wird und auch Chandra mal guckt, die Aufzeichung der PK heute, ein laufendes AMA und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Noch 8 Stunden bis zum erwarteten Anruf von jenseits des Pluto … [18:45 MESZ] Am APL sind soeben farbverstärkte Ralph-MVIC-Bilder von Pluto und Charon an die Wand geworfen worden (mehr) – während sich Fans Gedanken machen, was auf den 400-m/Pixel-Bildern zu sehen sein wird (morgen kommen die drei gelben, aber die Vorhersage der Felder ist unsicher); überhaupt soll morgen schon einiges die Erde erreichen. Außerdem ein bisschen Pluto-Instant Science von der Kamera-Frau Cassinis, eine aktualisierte Darstellung aller Nicht-Planeten, die trotzdem Beachtung verdienen, der ‘Wal’ hat einen Namen, jedenfalls inoffiziell – und es läuft ein Q&A auf Facebook. [20:10 MESZ]

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Ein Pluto-Bild aus 766’000 km Abstand wurde soeben von der NASA im Vorfeld der größten Annäherung um 13:49 MESZ Pluto-Zeit veröffentlicht. Ab 13:30 gibt’s auf NASA-TV eine datenlose Live-Show vom APL, dann um 14:00 eine PK, wo das Bild näher diskutiert werden soll. [13:25 MESZ] Mission Control wird gesaugt. Und wie peinlich: Im Moment des C/A fiel der Crowd am APL nichts Besseres ein als US-Fähnchen zu schwenken und “USA” zu skandieren … [13:55 MESZ] Das Bild hat 4 km/Pixel Auflösung, aber nennenswerte Interpretation oder andere Visuals gab’s auf der PK nicht. Das Bild der dunklen Seite im Charon-Licht hätte eigentlich auch tolle Auflösung, aber man wird viele Pixel binnen müssen, um ein gutes Signal/Rausch-Verhältnis zu bekommen – wie viele weiß man nicht, da es keine Erfahrung gibt. Die Wahrscheinlichkeit eines fatalen Staubtreffers während des Flyby wird auf 1:5000 geschätzt, weshalb alle erwarten, dass sich New Horizons morgen kurz vor 3:00 MESZ wieder meldet: erst Träger, dann “Live”-Telemetrie zu seinem Zustand. [14:55 MESZ]


13. Juli

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Und das letzte OpNav-LORRI-Bild ist da, von gestern früh

aus 2.5 Mio. km Entfernung mit 12.7 km/Pixel (dito der zugehörige Charon aus 2.6 Mio. km): Gegenüber dem vorletzten Bild dieser langen Serie von optischen Navigationsaufnahmen, die jeweils relativ rasch vorgezeigt wurden, unten hat sich Pluto nur wenig weiter gedreht, aber das helle ‘Herz’ kommt jetzt deutlicher von links herein – wie’s der Zufall will, wird diese Region morgen mit der höchsten Auflösung aufgenommen werden. [22:25 MESZ] Ein NASA Release zum Pluto-Durchmesser – auch Nix (~35 km) und Hydra (~45 km) konnten ausgemessen werden – und ein LockMart Release zur Raumsonde; auch Artikel hier (mehr), hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:15 MESZ] Abermals wurde die Amateur-Pluto-Karte auf den neuesten Stand gebracht, Australien lobt seine DSN-Antennen – und Don Dixon wusste alles schon 1979 … [23:45 MESZ. NACHTRÄGE: obiger Pluto als Rohbild, die Aufzeichnung der NASA-PK von heute, der Anflug aus LORRI-Sicht animiert (endet leider früh, aber hier geht’s weiter von einem anderen), ein aufgeregter Hangout nicht direkt Beteiligter, gewisse Zweifel an Pluto als Größtem im Kuiper-Gürtel (während LORRIs Durchmesser im Rahmen der Fehler genau derselbe wie der beste astronomische bisher ist, wie auch diesem Paper zu entnehmen), drei Essays hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

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New Horizons ist perfekt auf Kurs und trifft die Zielbox

12’470 km über der Pluto-Oberfläche nahezu zentral: eine der Erkenntnisse von der noch laufenden ersten Flyby-PK. Auch zu hören: Plutos Durchmesser ist jetzt zu 2370±20 km bestimmt worden, marginal größer als Eris’ (der aber mehr Masse als Pluto hat) und damit auch größer als erwartet – das bedeutet eine etwas geringere Dichte, einen höheren Eisanteil und eine niedrigere Troposphäre. Auch ist jetzt klar, dass es am Nordpol Stickstoff- und Methan-Eis gibt und dass der Stickstoff flüchtiger als gedacht ist und schon in größerer Distanz nachgewiesen wurde. [17:00 MESZ] Der Stickstoff wurde von PEPSSI schon – als Ionen – vor 5 Tagen registriert: Entweder ist die Quelle stärker, die Ionisierung effizienter, oder etwas fokussiert diese Ionen. Derweil weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [17:30 MESZ] Und die neueste Version der Amateur-Karte, mit LORRI bis zum Abend des 11. Juli; das letzte OpNav-Bild vom Vormittag des 12. Juli wurde auf der Pk nicht gezeigt, nur neue Bilder für die PK morgen um 14:00 MESZ versprochen. [17:40 MESZ]

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Und nun auch Pluto vom Abend des 11. Juli mit 15 km/Pixel

Auflösung (laut der Tabelle ganz unten geplanter LORRI-OpNav-Bilder): Die amtliche Erläuterung sieht “mögliche” Krater und Klippen. Während sich bei den Rohbildern nichts tut, scheinen die Featured Science Photos des APL jetzt die beste Quelle zu sein, während es bei der NASA mehr Text gibt. [3:15 MESZ] Ein köstliches Liedchen und ein paar Artikel u.a. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [9:20 MESZ] Eine detaillierte Animation des Fly-By mit NewHo-Action und echter Oberfläche (natürlich wieder nicht vom Projekt sondern einem Fan), eine Bilderserie des wachsenden Pluto, eine deutsche Animation und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [13:40 MESZ] Na endlich: Drei Plutos und zwei Charons vom Abend des 11. Juli – aus denen die Bilder oben & unten entstanden – gibt’s nun auch roh! Und schon hat sich einer dran versucht; auch mehr Artikel hier, hier, hier und hier. [15:20 MESZ] Auf Pluto sind bisher keine Krater evident, was für eine junge Oberfläche spricht, und der dunkle Fleck an Charons Pol, der ohne Beispiel im Sonnensystem ist, könnte irgendwie vom Pluto stammen, z.B. über diesen Austausch-Prozess. Auch ein Countdown, noch ein Live-Blog und eine Timeline und Artikel hier, hier und hier – und in 20 Minuten gibt’s via NASA-TV eine Pressekonferenz. [16:10 MESZ]

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Na, da ist ja doch ein neuer Charon vom 11. Juli aufgetaucht – auf dem neben der nun schon eine Weile bekannten dunklen Nordpolkappe auch je zwei Impaktkrater (dunkel mit hellen Ejekta) und zwei tiefe Schluchten (unten rechts) zu erkennen sein könnten. [1:55 MESZ] Mit diesem plötzlichen Release des Bildes – auf dem man seit dem Morgen Ortszeit saß – hatten sie auch vor Ort nicht gerechnet … [2:10 MESZ] Die großen Schluchten erinnern manche an Ariel oder auch an Tethys. [2:25 MESZ] Oder eher an Titania – und die Krater an Oberon. [2:55 MESZ]

Die Show beginnt – aber der freie Bilderstrom versiegt

Obwohl bereits noch bessere Pluto-Bilder als bisher auf der Erde sind, will man sie erst irgendwann heute vorzeigen: Mit der gefeierten Freigiebigkeit der letzten Wochen scheint es anderthalb Tage vor dem Flyby nun vorbei zu sein. Aber aus dem bisher Vorliegenden schuf ein Fan z.B. diese Simulation des Fly-By aus NewHo-Sicht mit echten LORRI-Bildern auf der Kugel: Wie man sieht, sind die kleinen dunklen Flecken auf der Rückseite, zwar dunkel aber im Charonschein vielleicht doch zu erkennen? Das war das verschwommene Bild im Anflug vielleicht doch nicht das letzte; allerdings werden sich die Kameras wohl mehr auf den Südpol konzentrieren und die Bilder nicht besonders gut sein. Abgesehen von den Kameras – Tabellen der geplanten Aufnahmen mit LORRI und Ralph – detektieren viele Instrumente Pluto & Charon noch nicht, aber LEISA schon, die bald die Chemie von ‘Wal’ und Co. aufklären könnte. Der detaillierte Fahrplan für die kommenden Tage ist derweil geringfügig aktualisiert worden, es gibt eine animierte Infografik zum Flyby, eine Unmenge Aktivität bei den Fans der Bildverarbeitung (auch eine FAQ und noch mehr Threads) und andere Live-Blogs o.ä. etwa hier, hier und hier sowie hier. [1:45 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 12. Juli 2015

10. Juli 2015

12. Juli

Der offene Sternhaufen NGC 2367 eingebettet in Emission

von Wasserstoffgas (angeregt durch das UV-Licht heißer Sterne) als Teil des Nebels Brand 16, der wiederum zur riesigen Supershell GS234-02 gehört: eine Aufnahme mit dem Wide Field Imager (WFI) am MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop auf de,m La Silla Observatory. Auch immer ungemütlichere Verhältnisse auf dem Mauna Kea unter der Bedrohung durch Astronomie-Feinde, astronomischer Outreach mit StarSightVR-Brillen (Oculus meets Stellarium) – und ein Rettungsplan für das Deutsche Museum in Bonn (mehr) durch eine Initiative der Wirtschaft. [23:50 MESZ – Ende]

575 Milliarden Sonnen: Die bisher hellste Supernova

namens ASASSN-15lh ist im Juni in der Galaxie mit dem kuriosen Namen APMUKS(BJ) B215839.70-615403.9 beobachtet worden. Mit einer Spitzenleuchtkraft von etwa 2.2 x 10^45 erg/s (oder 2.2 x 10^38 Watt) war sie rund 6×10^11-mal so hell wie die Sonne, während es typische Supernovae des Typs Ia (Fig. 6) auf 10^43 bis ausnahmsweise mal 3×10^44 erg/s, also 2.5 bis 8 Millarden Sonnenleuchtkräfte bringen und der bisherige Rekordhalter SN 2005ap auf 4 x 10^44 erg/s oder 100 Mrd. Sonnenleuchtkräfte: Das hat auch bereits hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier] für Aufsehen gesorgt. Auch wie sich Citizen Scientists mit “Green Pea”-Galaxien beschäftigen, die schwierige Beobachtung von Komet PANSTARRS, was Spektroskopie von Meteoren zu Tage fördert, wie ein Amateur die Raketenstufe von Chang’e-3 taumeln sah, NLCs heute früh in Rumänien und am 6. Juli in Ennepetal, noch viel mehr Sprite-Beobachtungen, eine Messung der Höhe von Terrestrial Gamma-ray Flashes zu 12 km, kuriose atmosphärische Wellen der Erde – und es wird im Dezember keine Schaltsekunde geben. [23:25 MESZ]

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So roh wie sie von LORRI kamen: Pluto & Charon gestern

früh aufgenommen aus 4.0 bzw. 3.9 Mio. km Entfernung – Bildverarbeitung braucht’s inzwischen nicht mehr, so deutlich sind die Strukturen schon geworden, auch wenn man’s natürlich versuchen kann. Auch wie Plutos dunkle Seite im Licht Charons aufgenommen werden soll und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [3:30 MESZ] Ein rotierender Pluto aus Bildern der letzten Tage. [4:00 MESZ] Noch eine Bearbeitung des obigen Bildes, wie neulich Fotoplatten mit Pluto von 1925 entdeckt wurden und ein weiteres Portrait einer Plutologin. [5:15 MESZ] Ein Update der Gesamtkarte von Jónsson mit Bildern bis gestern sowie die vier besten Bilder bisher, die sich jeweils etwas überlappen – und was LORRI rund um den Closest Approach treiben soll. Sowie mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:35 MESZ] Ein rotierender Pluto aus Äquatorsicht, der letzte tägliche Update (20 Minuten, wieder keine Überraschungen) und weitere Artikel hier, hier und hier. [19:45 MESZ. NACHTRAG: und hier]

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Fünf himmlische Bilder von Observatorien im Weltraum in ganz verschiedenen Wellenlängen: von oben das Röntgen-Lichtecho um V404 Cygni am 30. Juni von Swift, das durch Streuung der Strahlung eines intensiven Blitzes vier Tage vorher an unterschiedlich entfernten Staubgebilden entstand, die Verteilung kompakter Radioquellen am Himmel, wie sie Planck verschiedenen (farblich codierten) Frequenzen von 30 bis 857 GHz sah, ein Gamma-Flare des Blazars 3C 279 von Fermi Mitte Juni mit 100 MeV bis 100 GeV Photonenenergie aufgenommen, die Sonne im EUV und Röntgenbereich am 29. April von SDO, Hinode und NuSTAR (0.2 bis 6 keV) erfasst und die Schalen um die Galaxie ESO 381-12 im Optischen von Hubbles ACS – auch kommende Bahnmanöver für Akatsuki, eine weitere Review von OSIRIS-REx, Pläne für Billig-Starts auf Neuseeland und Aussichtsplattformen für Touristen in Baikonur. [2:55 MESZ. NACHTRAG: wie’s mit dem Ausbruch von V404 Cyg zuende geht]


11. Juli

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Und schon wieder ein neues LORRI-Bild, von später am 9. Juli aus nur noch 5.4 Mio. km Abstand, wurde soeben veröffentlicht: Bei 27 Kilometern pro Pixel Auflösung beginnt schemenhaft Geologie jenseits der reinen Albedofeatures – links der “Schwanz” des “Wals” erkennbar zu werden, aber sichere Interpretationen gibt es natürlich noch nicht. Und wie down under Amateurastronomen die Sternbedeckung durch Pluto am 29. Juni verfolgten. [0:35 MESZ] Ein Univ. of CO Press Release, Artikel hier, hier, hier und hier und ein Essay. [2:20 MESZ]

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Und ein Bild von heute Morgen aus nur mehr 4 Millionen Kilometern Abstand, das die isolierteren dunklen Flecken entlang des Äquators mit einigem Detail zeigt – ihre Interpretation bleibt auch mit dieser Auflösung noch herzlich unklar. Dies ist genau die Seite Plutos, die New Horizons nicht aus der Nähe sehen wird. Auch das frühere Bild roh, die täglichen Updates von heute (erstmals live) und gestern und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [23:50 MESZ]

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Eine ordentliche Show Leuchtender Nachtwolken gab es gestern Abend über ganz Deutschland zu sehen: Bilder dieses Bloggers aus dem Ruhrgebiet und hier und hier von anderswo. Eine Darbietung mit Ansage: Starke Mesosphärenechos hatten die NLC-Fans schon am Nachmittag in Alarmzustand versetzt … [0:15 MESZ. NACHTRÄGE: mehr Bilder dieses Bloggers, kontrastverstärkt und weitere Aufnahmen anderer hier, hier, hier, hier, hier und hier.

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Und im Morgengrauen gab’s auch noch mal was zu sehen, wenn auch das Feld über dem Ruhrgebiet jetzt kleiner war, in Bonn und über Wales (mehr und mehr), hier oder hier ebenso; weitere Bilder der Nacht auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier versammelt sowie Zeitraffer-Videos hier, hier und hier und Artikel hier und hier – aber am bemerkenswertesten wohl Bilder aus Kiel hier um 1:22 MESZ und hier (noch mehr) mit Aurora-Beamern über den NLCs, wovon es auch Zeitraffer-Videos hier und hier gibt!]


10. Juli

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Eine Karte des Pluto aus LORRI-Bildern bis gestern!

Aber nicht von den ‘Zuständigen’ NASA, APL oder SwRI sondern von New-Horizons-Fan Björn Jónsson, der aus den Daten der Telekamera auch eine Charon-Karte und Rotations-Animationen von Pluto und Charon erstellt hat. Es gibt auch die Rohbilder neu sortiert, eine PM des DLR, die auf den einzigen kleinen deutschen Beitrag zu New Horizons (bei der Radio Science) hinweist, und Artikel hier (mit etwas Instant Science), hier, hier, hier und (zum Safe Mode-Drama) hier. Auch Curiosity als Sonnenflecken-Beobachter in den letzten Wochen – und das indische PSLV mit 5 britischen Satelliten hat alle im Orbit abgeliefert (Screenshots aus dem Webcast), darunter auch das DeOrbitSail. [19:10 MESZ] Das Weltraum-Wetter rund um Pluto während des Besuchs. [22:15 MESZ] Zwei nette interaktive Webseiten zur Entwicklung der “Planeten”-Zahl im Sonnensystem hier und hier – und ein Artikel zum PSLV-Start. [23:20 MESZ. NACHTRÄGE: Bilder davon, die Live-Übertragung, ein Amateur-Film mit feiernden Fans, Press Releases von der ISRO und dem Satelliten-Bauer, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]

Und auf einmal hat sich Philae gestern wieder gemeldet!

Wie das DLR in einer geradezu emotionalen PM mitteilt, hat am 9. Juli 2015 von 19:45 Uhr bis 20:07 Uhr erneut Daten gesendet – darunter auch Messdaten des Instruments CONSERT. Auch wenn die Verbindung dabei mehrfach abbrach, blieb ein Kontakt zu Philae über insgesamt zwölf Minuten stabil. Zurzeit werten die Lander-Experten des DLR die empfangenen Daten aus: Man sieht bereits, dass mit dem gestern gesendeten Kommando das CONSERT-Instrument erfolgreich eingeschaltet wurde – aber … warum eigentlich? “Wir haben noch keine genaue Erklärung, warum er sich jetzt gemeldet hat und in den vergangenen Tagen nicht”, wundert sich ein Experte: Die Flugbahn des Orbiters beispielsweise wurde im Vergleich zu den vergangenen drei Wochen nicht verändert. Sicher ist aber: Philae hat die harschen Bedingungen auf Komet Churyumov-Gerasimenko bisher überstanden und reagiert auch auf Kommandos seines DLR-Teams. Die Erfolgsmeldung auch als Video-Clip – und Aufregung in einem Instrumenten-Team … [17:05 MESZ] Ein NavCam-Bild vom 25. Juni noch. [17:45 MESZ] Und ein Artikel. [18:25 MESZ. NACHTRÄGE: weitere hier und hier und mehr Links]

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Da waren’s nur noch 6 Millionen Kilometer bis zum Pluto

am 8. Juli gestern früh [NACHTRAG: wie den nun vorliegenden Rohbildern zu entnehmen, war das Bild falsch datiert!], als diese LORRI-Aufnahmen entstanden, die bisher nur in (all zu) heftig prozessierter Version vorliegen [NACHTRÄGE: andere Bearbeitungen der Rohdaten hier, hier und hier]: Immer deutlicher werden die Unterschiede von Pluto und Charon (r.). Ein kontrastreiches Muster aus hellen und dunklen Strukturen überdeckt Plutos Oberfläche, während auf Charon im Wesentlichen nur eine dunkle Polarregion auffällt – aber kleinere hellere Gebiete könnten Impaktkrater sein. Weitere Differenzen der ungleichen Nachbarn sind schon länger bekannt: Was Pluto rötlich färbt, fehlt auf Charon, ersterer hat einen signifikante Atmosphäre, Charon nicht, und auf Pluto gibt es exotisches Eis aus Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid, während Charons Oberfläche aus gefrorenem Wasser und Ammoniak-Verbindungen besteht. Interessant übrigens ein Vergleich alter Pluto-Karten aus Lichtkurven und Hubble-Bildern mit der aktuellen Ground Truth (der Äquator-“Wal” war wohl schon da).

Derweil unterstützen weitere NASA-Missionen New Horizons (mehr), es gibt einen detaillierten Plan für dessen Kamera-Einsätze, einen Distanz-Anzeiger, eine 3-Minuten-Animation des Encounters, weitere Details der Sternbedeckungs-Beobachtungen vom 29. Juni vom Boden und aus der Luft, einen 15-Minuten-Update wieder ohne Neuigkeiten und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Derweil wurden weitere Instrumente für OSIRIS-REx abgeliefert (mehr) – und das DLR verbreitete auf Social Media diesen detailliert-düsteren Artikel über die andauernden Kommunikations-Bemühungen mit Philae: Ist dort mindestens ein Empfänger ausgefallen? Als Trost immerhin ein neues Bild des Kometen von der Erde. Ferner hat die NASA noch die ersten Astronauten für kommerzielle ISS-Raketen benannt (ein Blog-Text von Bolden und Artikel hier, hier, hier und hier) – und heute startet der CubeSat “DeorbitSail” als Untermieter eines indischen PSLV: Auch wenn sein zu entfaltendes Segel wie das des LightSail aussieht, so haben doch beide Projekte nichts miteinander zu tun. [2:00 MESZ]

Fahrplan für New Horizons’ Besuch beim Pluto

9. Juli 2015

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Eine konsolidierte Timeline in MESZ, basierend auf Tabellen hier, hier und hier sowie dem Sendeplan von NASA TV: in Fett geplante Webcasts, die allesamt auf NASA TV verfolgt werden können, sonst Ereignisse auf der Raumsonde und v.a. Daten-Downlinks. Wegen der extrem geringen Datenrate über 5 Milliarden Kilometer hinweg, wird sich der rasante erste Vorbeiflug einer Sonde an einem Körper des Kuiper-Gürtels ganz anders anfühlen als die regelrechten Live-Erlebnisse der Voyagers.

Donnerstag, 9., bis Sonntag, 12. Juli

Am 9., 11. und 12. Juli soll die Telekamera LORRI weitere Aufnahmen des Pluto-Systems machen, die vermutlich wie gewohnt rasch auf der Rohbilder-Seite erscheinen oder auch in prozessierter Form veröffentlicht werden. Die Auflösung auf Pluto verdreifacht sich von den 39 km/Pixel des Bildes vom 7. Juli bis zur letzten Aufnahme am 12. Juli auf 13 km/Pixel.

Jeweils 17:30: kurze Updates zur Lage (ab dem 11. Juli live) – entsprechende Sendungen bisher enthielten jeweils kaum Neuigkeiten und dienten mehr der Vorabinformation. Das kann sich jetzt ändern.

Montag, 13. Juli

Den ganzen Tag und in der Nacht werden viele Daten aus dem Bordspeicher zur Erde gesendet, so dass für den Fall eines Ausfalls in Pluto-Nähe einige Wissenschaft gerettet wird. Darunter auch ein LORRI-Bild von Charon mit 7 km/Pixel und später ein Pluto mit 4 km/Pixel (oder 630 Pixel Durchmesser, die beste Gesamtaufnahme): Ob diese Bilder ebenfalls in der Rohbilder-Seite erscheinen oder separat im Web veröffentlicht werden, ist unklar. Ebenfalls dabei: Farbaufnahmen von Ralph beider mit 28 km/Pixel.

16:30 bis 17:30 17:00 bis 18:00: Pressekonferenz mit Status und Vorschau auf den Fly-By [NACHTRAG: kurzfristig um 1/2 Stunde vorverlegt].

Dienstag, 14. Juli

Rund 24 Stunden lang kümmert sich New Horizons allein um Beobachtungen des Pluto-Systems auf der Nähe und kommuniziert nicht mit der Erde – am eigentlichen Encounter-Tag können alle nur Däumchen drehen.

Ab 11:30: Live-Interviews mit dem NASA-Chef und anderen zur Mission.

13:30 bis 14:00: Live-Programm zur größten Annäherung an den Pluto um 13:50 – zu sehen oder von der Sonde zu hören ist natürlich nichts.

14:00 bis 15:00: Pressekonferenz mit Vorstellung von (älteren) neuen Bildern, vermutlich den o.g. von Pluto und Charon vom 13. Juli.

Ab 15:00: Live-Interviews u.a. mit dem NASA-Chef (um 15:15).

Mittwoch, 15. Juli

2:30 bis 3:15: Live-Programm zur Rückmeldung der Sonde mit einem für 3:02 erwarteten Signal, das einen erfolgreichen Fly-By und alle Daten an Bord bestätigen würde. [NACHTRAG: Wie es jetzt scheint, wird das erste Signal bereits ab 2:53 Uhr erwartet.]

3:30 bis 4:00: Pressekonferenz zum Status der Mission, aber noch ohne neue Bilder.

Ab 12:00: Live-Interviews zur Mission.

Bis 12:59: “First Look”-Downlink A, 1 1/2 Stunden, mit einer Auswahl von wissenschaftlichen Schlüsseldaten und einer Handvoll Bilder (lossy komprimiert), darunter LORRI-Aufnahmen von Pluto, Charon und Hydra mit 3.9, 2.3 und 3.2 km/Pixel vom 13. und 14. Juli.

Ab 18:00: Live-Interviews zur Mission.

Bis 21:25: “First Look”-Downlink B, fast 7 Stunden, darunter LORRI-Bilder von Pluto mit 400 Metern pro Pixel – die besten Bilder für Monate! – und von Nix mit 3 km/Pixel. [NACHTRAG: Laut Seite 20 dieses Dokuments sollte ein Pluto-Teilmosaik mit drei Bildern mit 386 m/Pixel gegen 18:31 Uhr eintreffen, noch rechtzeitig für die folgende PK.]

21:00 bis 22:00: Pressekonferenz mit Bildern der Downlinks A und evtl. B – vermutlich auch schon ein paar aber noch keinen wirklich hochauflösenden aus der größten Nähe.

Donnerstag, 16. Juli

Bis 15:22: “First Look”-Downlinks D und E, mit LORRI-Bildern von Charon mit 390 Metern pro Pixel, auch den besten für Monate, und Ralph-Farbbildern von Pluto und Charon mit je 5 km/Pixel.

Freitag, 17.Juli

17:00 bis 18:00: Pressekonferenz zu den bisherigen Ergebnissen des Fly-By – ob die Bilder der “First Look”-Downlinks B bis E bereits früher im Web erscheinen werden, ist unklar.

Vom 17. bis 20. Juli: sieben “Early High Priority”-Downlinks mit weiteren Daten des Vorbeiflugs (ebenfalls lossy), darunter Pluto als Sichel mit 1.8 km/Pixel am 18. und nochmal von vorn mit 400 m/Pixel am 20. Juli. Wann und wie diese Bilder öffentlich gemacht werden, ist völlig unklar – wie sich die Ausbeute der Downlinks anfühlen mag, verdeutlicht jedenfalls diese Simulation mit Voyager-Bildern als Stand-Ins.

Nach dem 20. Juli: Acht Wochen lang werden gar keine Bilder mehr gesendet sondern Daten von Instrumenten mit geringer Rate. Ab dem 14. September werden dann mehr Daten des Fly-Bys lossy komprimiert gesendet und am dem 16. November schließlich sämtliche Daten lossless komprimiert – das dauert dann fast ein Jahr lang. Und bis März 2017 sollen sämtliche Daten dann im Planetary Data System der NASA öffentlich zugänglich sein: Was wann davor das Licht der in den letzten Monaten reichlich angefixten Öffentlichkeit erblicken wird – wer weiß …


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