Lautlos im Weltraum … „Inspiration“ 4 ist zurück

19. September 2021

Der erste orbitale Raumflug ohne professionelle Besatzung – wieviel SpaceX für die Pauschalreise vom privaten ‚Veranstalter‘ kassiert hat, wird nicht verraten – ist nach 71 Stunden zuende gegangen und dem Vernehmen nach weitgehend reibungslos verlaufen … und blieb zugleich für das zuvor reichlich angefixte Publikum so entrückt wie schon lange kein Raumflug mehr. Keine Orbit-Pressekonferenz, nur insgesamt etwa 1/4 Stunde hochgradig inszenierte Live-Videos, keine Tweets der Teilnehmer, keine Fotos oder Texte aus der Kapsel – und die Wasserung vor Florida im Abendlicht (19:06 Uhr Ortszeit) wurde zwar mit guten Videobildern übertragen, aber Fotos gibt es bisher überhaupt nur zwei, oben sowie unten mit den zufriedenen Weltraum-Touristen (das Bild in der Mitte von ihnen nach Öffnen der Luke ist aus dem Webcast). Und öffentliche Statements der vier nach der Rückkehr gab es bislang auch nicht, nur – Threads hier und hier – eine Telecon mit Managern. Vielleicht werden authentische Erfahrungsberichte – die durchaus anders als bei Raumfahrt-Profis ausfallen und vielleicht tatsächlich ‚inspirieren‘ könnten – ja noch nachgereicht: einstweilen der Doppel-Überschall-Knall, die Heimkehr ihrer Kapsel in den Hafen (mehr), der Verlauf der Charity-Aktion, ein Fazit zum Milliardärs-Space-Race 2021, Standbilder und Clips aus dem Wasserungs-Webcast hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Ticker, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und TV-Clips hier, hier und hier. [14:45 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 8. bis 18. 9. 2021

8. September 2021

18. September

Shenzhou 12 nach 91 Tagen von Chinas Raumstation zurück

Die Landung der drei gestern wurde mit langen Live-Übertragungen in Englisch und in Chinesisch gefeiert: Auschnitte und Standbilder hier, hier, hier und hier, ein weiterer Clip, ein paar frühere Landungen, mehr Bilder hier, hier, hier und hier, einige Updates und Artikel hier (mehr und mehr), hier, hier, hier, hier und hier. Derweil hat es – 45 Stunden nach dem Start! – zum ersten Mal 10 Minuten Live-Video aus dem Dragon gegeben (ein chaotischer Clip aus der Cupola – in Europa ist es 11 Uhr nachts halt duster – und ein paar Standbilder): Zuvor waren ein paar Sekunden 42 Stunden und vier Bilder 28 Stunden nach dem Start gezeigt worden, das war tatsächlich alles. Nicht nur für den Autor dieser Zeilen ein kapitaler Fehler; weitere Artikel hier, hier, hier und hier. Die Landung ist für den 19.9. um 1:06 MESZ geplant, 71 Stunden nach dem Start. [0:15 MESZ] Die Bahn ist bereits abgesenkt, auch ein Videoclip mit leerer und Fotos mit bewohnter Cupola, ein Live-Call vom NYSE, der Start von einem Flugzeug aus, ein Press Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zum Umdocken von Tianzhou-2 an Tianhe nach der Rückkehr von Shenzhou-12. [17:35 MESZ] Nach dem Ende der orbitalen Aktivitäten wird der Dragon gleich die Rückkehr antreten und am Ende voraussichtlich in Zone A hier wassern (Webcast ab 0:00 MESZ) – und gerade war er zweimal gut über Deutschland zu sehen, in der Dämmerung und einen Orbit später: ein schwaches Sternchen (2 mag.?), aber bei Saturn & Jupiter bzw. in einem großen Feld nur schwächerer Sterne leicht zu entdecken. [22:45 MESZ – Ende]


17. September

Doktorvater der Entdeckerin der Pulsare mit 97 verstorben

Die Geschichte der Entdeckung der Pulsare 1967 gehört zu den meist-erzählten der modernen Astronomie, und die Darstellungen der beiden Hauptbeteiligten Antony Hewish, der sie 2008 samt Vorgeschichte aufschrieb – seine letzte dokumentierte Publikation überhaupt – und auch in einem langen Interview aufrollte, und Jocelyn Bell in einem Vortrag von 2020 (ein paar Screenshots) und einer Mini-Doku von 2021 stimmen überein. Hewish entwickelte ein neuartiges Radioteleskop zur Messung der Größe von Quasaren durch interstellare Szintillation, und er heuerte Bell als Doktorandin an, um bei Bau zu helfen – und dann die Datenflut auszuwerten. Sie war es dann, die im August auf den endlosen Registrierstreifen die erste Anomalie und nach Extra-Messungen mit schnellerem Rekorder im November die ersten klaren Pulse entdeckte. In der ersten Veröffentlichung (die zweite hier im Faksimile) ist sie zwar zweiter Autor, aber ihre Entdecker-Rolle wird nicht erwähnt. Und als 1974 der halbe Physik-Nobelpreis nur an Hewish „for his decisive role in the discovery of pulsars“ vergeben wurde, stand auch im begleitenden Press Release nur, dass „Hewish started a series of observations which soon led to an extremely interesting and quite unforeseen discovery“. Dass jemand anders nämliche Entdeckung gemacht hatte, wurde einfach verschwiegen – und peinlicherweise ist dies in den zwei offiziellen Nachrufen hier und hier auf den am 13. September verstorbenen Hewish 47 Jahre später wieder so. Bell jedenfalls hat seither so ziemlich jeden großen Astronomie-Preis gewonnen: allein dieses Jahr die Goldmedaille der Royal Astronomical Society, die Copley-Medaille der Royal Society und soeben die Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft. [19:30 MESZ]


16. September

Der erste Orbitalflug mit nur Weltraumtouristen an Bord

soll in zwei Stunden beginnen, wenn ein Crew Dragon für den kurze Flug „Inspiration 4“ diese vier, seit ½ Stunde an Bord, auf eine 575-km-Bahn ohne Annäherung an die ISS mitnehmen soll – der erste Orbit-Flug „nur mit Zivilisten“ ist es übrigens nicht, auch wenn das immer wieder behauptet wird, und der erste Raumflug nur mit Passagieren und ohne Crew ist es auch nicht: Das war der suborbitale New-Shepard-Hüpfer am 20. Juli. Der Webcast läuft schon seit Stunden (Screenshots und Clips hier, hier, hier, hier und hier; neu waren Live-Bilder aus den Teslas), ferner viele Fotos, auch von der Falcon, die Trajektorie bei pünktlichem Start um 2:02:56 MESZ (die Wetter-Chancen stehen bei 90%), ein Witz über das große Fenster, das den Dockstutzen ersetzt, Live-Updates hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:00 MESZ]

Keine Probleme während des Countdowns – und im 5.2-stündigen Startfenster sind drei weitere Start-Zeitpunkte definiert, ein Novum. Noch steht die Sonne 11½° hoch, um 1:23 MESZ geht sie unter, und beim (ersten) Start-Zeitpunkt wird sie 9° unter dem Horizont stehen. [0:30 MESZ] Aber erst mal warten … die Close-Out-Aktivitäten sind dem Plan übrigens 19 Minuten voraus. [0:55 MESZ] Der Access-Arm schwenk zurück … ein paar Bilder von früher am Tag. [1:20 MESZ] Die 2. Stufe ist betankt, hier ist das Flugprofil – und bei Netflix gibt’s einen eigenen Webcast. [1:45 MESZ]

Der Crew Dragon ist im Orbit angekommen: Nach dem pünktlichen Start (Standbilder hier, hier, hier, hier und hier und Fotos hier, hier und hier) waren nach dem Erreichen einer ausreichenden Höhe für das Licht der tiefen Sonne dramatische Lichteffekte zu sehen, z.B. auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – ferner Strichspuren hier, hier und hier, weitere Live-Übertragungen hier und hier, noch ein Ticker und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [2:55 MESZ]

Ein Video von den dramatischen Lichteffekten, weitere Fotos davon hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein fernes Video – und Statistiken zu maximalen Bahnhöhen und … Toiletten im Orbit, wo sich nunmehr 14 Personen befinden; die drei Chinesen sind aber abgereist aus ihrer Raumstation. [3:55 MESZ] Und wollen morgen landen: Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Eine Patientin des St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis – um Spenden für dies zu sammeln es bei Inspiration4 auch geht – und ihr Bruder beim Beobachten der Lichteffekte am Himmel: weitere Videos von deren Entwicklung (oft ab dem Start) hier, hier, hier, hier, hier und hier, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Strichspuren hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch ein Blick auf die Cupola, die erreichte Bahn (570 x 579 km x 51.6°; mehr zu anderen Flügen und der Abstand von der ISS mit der Zeit), ein Press Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:25 MESZ] Volle 18 Stunden (!) nach dem Start hat SpaceX den ersten Mini-Update zum Flugverlauf gezwitschert … Auch seltsam: In diesem Press Release der NSF wie auch x Artikeln und dieser früheren Mitteilung wird eine Passagierin als „Pilot“ bezeichnet – was nach allgemeinem Gebrauch sowohl eine intensive Ausbildung zum Profi wie aktive Kontrolle der Bordsysteme meint. Doch der Crew Dragon fliegt diesmal automatisch – und Eingriffe durch die Touristen sind gar nicht eingeplant. [20:35 MESZ] Unkontrovers immerhin die Entwicklung der Flughöhe des Dragon, in zwei Bezugssystemen. [23:55 MESZ]


14. September

Ein heller Impakt-Blitz auf dem Jupiter heute früh um 0:39 MESZ ist mehrfach aufgezeichnet oder gesehen worden: Dieses Video stammt aus Frankreich, in Deutschland war Harald Paleske erfolgreich (mehr, mehr und mehr), während dort ein anderer Beobachter den Blitz sah aber gerade nicht belichtete, und auch aus Brasilien kommen ein Film und ein Stack (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr). Die Daten werden gerade zusammen geführt, dann wird sich auch was Quantitatives sagen lassen – auf einem Bild eine Stunde später ist jedenfalls auf dem Planeten (früher) nichts Dunkles zu sehen. [23:00 MESZ. NACHTRAG: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Ein Tag, zwei Starts, 85 neue Megakonstellations-Satelliten

Zuerst startete um 5:55 MESZ eine Falcon 9 – erstmals in Kalifornien und aus dem üblichen Küstennebel heraus – 51 Starlink-Satelliten der nächsten Generation und für die nächste ‚Schale‘ (der Bildvergleich zeigt Unterschiede im Design), um 20:07 MESZ folgte eine Soyuz in Baikonur mit 34 OneWeb-Satelliten, mit denen die Konstellation nun halb fertig ist. Die Fregat-Oberstufe tut nun ihren Dienst, das Aussetzen in 9 verschiedenen Paketen zieht sich aber noch über Stunden hin: Fotos von Start „Starlink 2-1“ (auch die Zählweise wurde geändert) hier, hier, hier und aus der Ferne hier, hier, hier und hier, Webcasts vom OneWeb-Start „ST35“ hier, hier, hier, hier und hier und ein Ausschnitt. Ferner das Paper „Visibility Predictions for Near-Future Satellite Megaconstellations: Latitudes near 50 Degrees will Experience the Worst Light Pollution“ nebst einem Press Release, ein angedeuteter Abschied vom VisorSat-System, die weiter steigenden engen Begegnungen, ein Starlink-Reentry am 10.9., die Keiferei zwischen Amazon und SpaceX (eine Fortsetzung), eine europäische Perspektive, eine schmutzige Überraschung und Artikel von heute (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), gestern, vorgestern, dem 8.9. (mehr), 7.9. (mehr), 6.9., 5.9., 2.9., 1.9. (mehr und mehr), 29.8. (mehr), 26.8. (mehr und mehr), 25.8. und 10.8. [21:05 MESZ, NACHTRAG zum Soyuz-Start: Press Releases von OneWeb und Arianespace (nunmehr über 1000 Nutzlasten gestartet), Bilder hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier]

Abschied von der Sonnenfleckengruppe (1)2866: Bilder vom 8., 10. und 12. September (SDO-HMI in voller Auflösung) mit gleichzeitig Zerfall und Stauchung mit zunehmender Randnähe – mehr Aufnahmen der diversen Gruppen vom 13.9., 12.9. (mehr), 11.9. (mehr), 10.9. (mehr, mehr, mehr und mehr), 9.9. (mehr), 8.9. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 7.9. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 6.9. sowie eine Halo-CME gestern und ein Flare am 8.9. Und der Saturn am 12.9. hier und hier und der Jupiter am 13.9., 11.9., 7.9.. 6.9. (mehr), 5.9. und 24.8.

So sah das Very Large Telescope den Asteroiden Kleopatra mit dem Instrument SPHERE 2017/18 – dessen „Hundeknochen“-Form bereits durch Radar-Echos und eine gut beobachtete Sternbedeckung 2015 („Das Bild des Asteroiden …“), zu deren systematischer Verfolgung dieser Blogger beitrug, bekannt war. Auch eine Aufhellung von Chiron und bemerkenswerte Feuerkugeln am 9.9. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 1.9. und 28.8.

Der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko ist wieder da, einen Sonnenumlauf nach den Besuchen durch Rosetta und Philae (die beide inaktiv auf dem Kern hocken): eine Aufnahme von Michael Jäger vom 11.9. mit einem 12-Zöller. Auch weitere Bilder vom 11.9., 9.9. und 5./6.9. sowie 4P/Faye gestern und der neue P/2021 R4 (Wierzchos) (mehr und mehr). Der aktuelle Ausbruch von RS Ophiuchi wird weiter intensiv verfolgt (Sidebar!), es gibt ein bemerkenswertes Video von Blue Jets, Artikel in Spanisch über die Zukunft von Arecibo und Astro-Tourismus in Chile – und der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg informiert über Lichtverschmutzung. [0:00 MESZ]


8. September

Der 18. Dezember soll es sein: Das JWST hat einen Starttag

Die ESA, NASA und Arianespace haben soeben gemeinsam den 18. Dezember 2021 als angestrebtes Datum für den Ariane-5-Flug VA256 festgelegt. Der dritte Start von Ariane-5 im Jahr 2021 wird das James-Webb-Weltraumteleskop vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ins All bringen. Wichtige Meilensteine auf dem Weg zum Start von Webb wurden bereits erreicht oder sind im Gange: die abschließende Missionsanalyse für den Start, der Transport der Elemente der Ariane-5-Trägerrakete vom europäischen Festland nach Französisch-Guayana und der geplante Transport von Webb nach Französisch-Guayana Ende September 2021. Die Ariane-5-Rakete wird das Teleskop direkt in eine präzise Transferbahn zu seinem Ziel, dem zweiten Lagrange-Punkt (L2), bringen, und nach der Abkopplung von der Ariane 5 wird Webb seine vierwöchige Reise zu L2 allein fortsetzen: auch Press Releases von NASA und ESA und ein Artikel. [17:15 MESZ. NACHTRAG: auch hier]

Kalibrierte Bilder der MastCam-Z von Perseverance in natürlichen Farben gibt es jetzt zuhauf in dieser Sammlung: hier ein Mosaik aus Aufnahmen von Sol 180. Derweil steht zweifelsfrei fest, dass der Rover seine erste Gesteinsprobe eingesackt hat, wozu es auch übermorgen eine PK geben soll: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie zum weiter fliegenden Ingenuityhier und hier. Auch die lange Konjunktions-Pause von Zhurong, zahlreiche Datenprodukte von Indiens Chandrayaan 2, der den Mond schon über 9000-mal umkreist hat, die Rückkehr von Chanh’e-5 zu Erde & Mond unter Bewachung durch Amateurfunker – und was Cluster über die Entstehung von Polarlicht heraus fand. [18:05 MESZ]

Ein offizielles Video zum dramatischen Fehlstart von Firefly (mit einem unerwarteten „Enjoy“ in der Beschreibung) – auch ein Thread zur Untersuchung, ein gut erhaltenes Trümmerstück und Artikel hier, hier, hier und hier. Ferner der Start von Gaofen-5 02 (mehr und mehr), interessante Abgas-Effekte beim letzten Dragon-Start (gegen Ende), ein Orbit-Event mit Pesquet, russische Raumstations-Visionen, der zweite Teil des Rogozin-Interviews – und die Vision einer Start-Plattform in der deutschen Nordsee könnte nun etwas konkreter geworden sein: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [19:55 MESZ]

Ein paar aktuelle Deep-Sky-Fotos von der ISS aus

6. September 2021

hat der ESA-Astronaut Thomas Pesquet geschickt (der sich in den Bildunterschriften beklagt, der Weltraum sei ziemlich dunkel und die Raumstation ziemlich schnell), jeweils mit dem Airglow der Erde darunter und hier weiter verarbeitet. Im Bild ganz oben dominieren der Eta-Carinae-Nebel links und rechts der große offene Sternhaufen NGC 3532, im mittleren sind oben Alpha und Beta Centauri, links das Kreuz des Südens und rechts knapp über dem Horizont der Kugelsternhaufen Omega Centauri zu sehen, und im unteren der Sirius und seine Umgebung, wie von Astrometry.net bestätigt wird.

Vier Fleckengruppen gibt es derzeit auf der Sonnenscheibe (hier identifiziert): oben ein SDO-HMI-Bild von heute 19:11 MESZ und zwei Ausschnitte, auch weitere Bilder von heute hier, hier, hier und hier, gestern hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier und hier sowie ein Zeitraffer] und vorgestern hier, hier, hier und hier. Sowie der Saturn gestern, der Jupiter heute (mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und hier, hier, hier und mehr]), gestern (mehr), vorgestern, am 3.9. (mehr und mehr und eine Karte vom 1.+2.9.) – und die super-schmale Mondsichel heute früh, auch größer [NACHTRAG: weitere Bilder von heute aus Europa hier und hier und aus Hongkong und gestern aus den USA und Europa].

Über 1000 Asteroiden wurden bereits mit Radar detektiert

Am 14. August wurde der der nur 20-30 m große 2021 PJ1 die Nr. 1000: Für Bilder reichte das nicht, wohl aber eine Woche später beim 1001. Radarziel, 2016 AJ193 mit 1.3 km Durchmesser, von dem mit der 70-m-Schüssel von Goldstone eine schöne Rotations-Sequenz zustande kam, oben ein paar Bilder daraus. Die ersten Radarechos waren 1968 von (1566) Icarus empfangen worden: Diese Technik erlaubt extrem genaue Bahnbestimmungen und bei größeren auch das Rekonstruieren von 3D-Bildern und die Suche nach Monden. Vom 40th European Symposium on Occultation Projects (ESOP) gibt es alle Talks hier, hier, hier, hier und hier und Workshops hier und hier, und es naht bereits das Fifteenth Trans-Tasman Symposium on Occultations. Auch die – enttäuschende! – Lichtkurve von Komet C/2021 A1 (Leonard), der neue Komet C/2021 Q5 (ATLAS) (mehr Astrometrie, seine Bahn und ein Bild), der mögliche Komet A/2010 OE101 und eine Feuerkugel über NW-Frankreich letzte Nacht: ein weiteres Video. NACHTRAG: der Ausbruch der Aurigiden 2021 im Detail.

Allgemeines Live-Blog vom 31. 8. bis 4. 9. 2021

31. August 2021

4. September

Eine russische EVA zur Inbetriebnahme des neuen Nauka-Moduls hat gestern stattgefunden: auch ein Video-Clip und Artikel hier, hier und hier sowie die Integration von OSCAR-QUBE in die ICE Cubes Facility auf der ISS, ein Interview mit dem SpaceX-Manager Hans-Jörg Königsmann über das Leben in der Forma – und der vielleicht schon heute Nacht bevorstehende 13. Flug von Ingenuity und die nahende Rückkehr von Chang’e-5 zum Erde-Mond-System. [21:05 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Der 13. Flug von Ingenuity hat stattgefunden, Percys Proben-Entnahme hat diesmal geklappt (mehr, mehr, mehr und mehr), und Zhurong schickte ein Panorama, bevor die Sonnenkonjunktion des Mars Funkstille erzwingt]


3. September

Rakete von Firefly explodiert beim ersten Startversuch

Der allererste Testflug einer Alpha endete heute 2½ Minuten nach dem Start in Vandenberg durch eine „Anomalie“: scharfe Videos hier, hier, hier, hier und hier, scharfe Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Webcast (Ausschnitte hier und hier und Standbilder hier, hier und hier), Videos aus der Ferne hier und hier, eine Warnung vor Trümmern und Artikel hier (früher), hier (früher), hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:15 MESZ. NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und mehr Links]

Diese Aufnahme des Apollo-11-Landers Eagle auf dem Mond mit einem langen Schatten wurde am 2. April dieses Jahr vom indischen Orbiter Chandrayaan 2 aufgenommen und heute bei einem Online-Event gezeigt. Zum Vergleich: Für den Lunar Reconnaissance Orbiter sah es bei viel höherem Sonnenstand so oder so aus. [20:30 MESZ]

Das Herbig-Haro-Objekt 111 auf einer Falschfarben-Aufnahme Hubbles im nahen IR mit der ACS in vier Linien von 1.3 bis 1.7 µm. Auch Details zu Percys Bohrung in den Mars-Stein (Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier), Drop-Tests für ExoMars, eine ISS-EVA heute Nachmittag, mal wieder russische Raumstations-Visionen, der ESA-Rat zu Ariane 6, Vega C & Co. – und die Reaktion von Virgin Galactic auf das Startverbot für das SS2 (mehr und mehr). [17:05 MESZ]

Der abnehmende Mond bedeckte einen 3-mag.-Stern in den Zwilligen bald nach seinem gestrigen Aufgang: hier der Austritt Mebsutas auf der dunklen Seite, es gibt auch eine längere Bilderstrecke von diesem Blogger und weitere Bilder. Ferner die Sonne heute und gestern, die Kometen 67P/C-G gestern und am 27.8. und C/2020 PV6 (PANSTARRS) vorgestern – und die Bedeutung der Radioastronomie. [16:55 MESZ]


2. September

Perseverance hat erneut einen Marsstein angebohrt, der Rochette heißt (der ganze und ein Vorher/Nachher-Paar), und die Probe mit dem Bohrer aufgenommen – nun ist die Frage, ob sie sich diesmal verstauen lässt. Auch chinesische Pläne für einen Mars-Helikopter, ein Paper zu den spektrophotometrischen Eigenschaften von Ryugu aufgrund von Hayabusa-2-Messungen in Opposition, die Erforschung der Senken auf Vesta, vorerst kein Mondproben-Tausch China / USA, NASA-Artikel hier und hier zu GOLD-Messungen am oberen Rand der Erdatmosphäre und wie Satelliten Trockenstress bei Pflanzen messen. [18:25 MESZ] Tiefe Gedanken zu dem Loch.

Ein weiteres Bild der Ankunft des Cargo Dragon, aus diesem umfangreichen Album – auch eine neue Perspektive auf die Landung der Falcon-Unterstufe und ein Bericht eines Crew-Dragon-Fliegers sowie russische Zweifel an der ISS, der man aber einstweilen die Stange hält. Ferner Schwarm-Intelligenz für Satelliten-Scharen, die weitere Entwicklung von Space Traffic Management und Deep Space Network, ein seltenes Interview mit Rogozon – und das SpaceShipTwo hat Startverbot durch die FAA (Artikel hier, hier, hier und hier) nach einem Bericht über einen Zwischenfall beim letzten Flug, den Virgin Galactic bestreitet: frühere Artikel hier und hier und die Ankündigung des nächsten nun fraglichen Fluges hier und hier. [21:55 MESZ]


1. September

So ging es weiter mit der Sonnenflecken-Gruppe (1)2860, die hier zweimal am 28.8. zu sehen war: weitere SDO-HMI-Bilder vom nächsten Tag 16:29 MESZ, vorgestern 2:41 und 21:53 MESZ, gestern 14:23 MESZ und heute 0:53 MESZ – auch andere Bilder von gestern (mehr), vorgestern (mehr) und dem 29.8. (mehr, mehr und mehr) sowie weitere Flares hier und hier und mal wieder apokalyptische Gedanken im Zusammenhang mit großen Flares. [1:45 MESZ]

So sahen sie aus, die Laser-Experimente der ESO an der Allgäuer VSW Ottobeuren für künftige Entwicklungen Adaptiver Optik. Weiterhin wird ein robotisches 4-Meter-Teleskop auf La Palma gebaut, das rasant Transients hinterher beobachten soll. Und die American Astronomical Society hat bekannt gegeben, dass ab 2022 alle ihre Journale Open Access sein werden, darunter mit dem Astronomical Journal (AJ), dem Astrophysical Journal (ApJ) und den Astrophysical Journal Letters (ApJL) die Astro-Fachzeitschriften schlechthin: weitere Details hier und hier und Statements hier und hier. [18:45 MESZ]

Die elliptische Galaxie Centaurus A mit ihrem markanten Staubband, wie sie die DECam am 4-m-Teleskop auf dem Cerro Tololo sieht. Auch der Saturn am 29.8. und 27.8., der Jupiter gestern und am 29.8. (französischer Artikel), 28.8. und 27.8. (mehr) sowie Entwicklungen in seiner Äquator-Zone, der Komet C/2020 PV6 heute und weitere schwache Kometen (wie COBS zu entnehmen ist, ist z.Z. keiner heller als 10 mag.), ein persönlicher Nachruf auf Carolyn Shoemaker, ein für möglich gehaltener kleiner Ausbruch der Aurigiden (der dem Vernehmen nach auch eintrat [NACHTRAG: so war’s]), die neueste Ausgabe der eMeteorNews mit u.a. einem Nachruf auf Esko Lyytinen, eine Astrovorschau für September – und wie heute hier und hier und schon vor Wochen hier berichtet wurde, sollen SARS-CoV-2-Mutanten nach Sternen und Sternbildern benannt werden, wenn das griechische Alphabet aufgebraucht ist … [23:55 MESZ]


31. August

Die gestrige Ankunft des Cargo Dragon an der ISS, am Tag nach seinem Falcon-Start: an Bord u.a. Oscar the Cube aus Belgien und Binar-1 aus (West-)Australien – mehr Bilder, NASA-Notizen hier und hier und Artikel hier, hier und hier. Auch schon wieder Risse in Zarya, die größer werden könnten, vielleicht schlechte Schweißnähte – die nächste Attraktion sind aber zwei EVAs am 3. und 9. September. [18:15 MESZ]

Airglow über der nächtlichen Erde: eins von vielen neuen Bildern aus Chinas Raumstation. Auch neue Sampling-Vorbereitungen von Percy (mehr), ein neues großes Panorama von Zhurong, eine kuriose Strahlungs-Messung von Curiosity, weiter Amateur-Tracking von Chang’e-5, die 20-m-Schüssel in Bochum nach Blitzschaden repariert, die letzte Reise eines der ASTRO-Teleskope aus Shuttle-Zeiten, ein Tank-Test mit der Vulcan-Rakete und ein Static Fire bei der Rocket Factory Augsburg, die auf einen Premieren-Flug 2022 hofft – das wird wohl auch beim SLS so kommen … [23:45 MESZ]

Citizen Science zu Lichtverschmutzungs-Quellen

30. August 2021

Dieser Tage beginnt in mehreren deutschen Städten ein selbst für Citizen Science – engagierte Laien mindestens als Datensammler für die Wissenschaft – einmaliges Projekt: Kleine Gruppen ziehen für das Projekt „Nachtlichter“ mit einer speziell entwickelten Web-App auf dem Smartphone durch nächtliche Straßenzüge und zählen systematisch alle Quellen künstlichen Lichts. Solche Totalerfassungen öffentlicher wie privater Leuchtmittel gab es noch nie, und es gilt – wie in dem obigen Webinar motiviert – zu bestimmen, was eigentlich in welchem Maße zu dem letztendlich nach oben entweichenden ALAN (Artificial Light at Night) beiträgt, das den Nachthimmel aufhellt. Und von Satelliten gemessen wird, namentlich Suomi NPP, auf dessen Daten auch die beste Karte der Lichtverschmutzung weltweit basiert. Die viel geziehene öffentliche Straßenbeleuchtung dominiert ALAN mitunter gar nicht, wie letztens das Tucson-Experiment aus dem nächsten Kapitel demonstriert hat. Nachtlichter liefert zwar nur die Zahlen der diversen Lichtquellen-Typen und grobe Helligkeits-Abschätzungen, aber andere Citizen-Science-Experimente gerade auch in Sachen Lichtverschmutzung haben gezeigt, dass trotzdem relevante Schlussfolgerungen möglich sein sollten: eine PM vom GFZ, Artikel hier, hier, hier und hier und ein TV-Beitrag (von 0:29 bis 0:32).

Sechs Stunden Vorträge von einem Online-Workshop über Lichtverschmutzung, der am 19. Februar abgehalten wurde – und in dem von 2:25 bis 2:46 ein wichtiges Experiment diskutiert wird, das in Tucson, Arizona, durchgeführt wurde: Dort durften Forscher die Stadtbeleuchtung insgesamt aktiv kontrollieren, um ihren Beitrag zum ALAN direkt zu erforschen. Das Ergebnis – das Paper, ein NASA Release, eine PM der GFZ und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie eine verwandte Arbeit – war verblüffend: Er liegt dort nur bei etwa 20%! Was in Threads hier, hier, hier und hier eingeordnet wird.

Pellworm und Spiekeroog sind nun deutsche „Sterneninseln“

Konkret sind die beiden Inseln in den Nationalparks Schleswig-Holsteinisches bzw. Niedersächsiches Wattenmeer heute von der IDA zu International Dark Sky Communities erklärt worden, für die (in Deutschland bisher: die Stadt Fulda) nicht ganz so harte Regeln gelten wie für Dark Sky Parks (Eifel und Winkelmoosalm) und Dark Sky Reserves (Westhavelland und Rhön), wo aber starkes Bemühen um sinnvolle Beleuchtung nachgewiesen wird. Die neuen Titel von Pellworm und Spiekeroog als „Star Islands“ sind dabei eher als Werbegags zu verstehen – aber insbesondere die Dunkelheit des ostfriesischen Spiekeroog soll auch als Musterbeispiel für die Erfüllung von Forderung 24 auf Seite 90 der Leeuwarden Declaration zum Schutz des Wattenmeers von 2018 dienen.

Aus dem Dark Sky Reserve Rhön kommt dieser aktuelle TV-Beitrag: Hier wurden für Vergleichsbeobachtungen in einigen Gemeinden des Dunkel-Reservats die Straßenlampen ausgeschaltet – was in dörflichem Umfeld einen erheblichen Effekt ausmacht.

Ein Trailer für die Dark Sky Commmunity Fulda nebenan – auch Artikel zu den wirtschaftlichen Folgen der IDA-Zertifikate und die Verdunklung von Bushaltestellen dort sowie LV-Vermeidung in einem TV-Beitrag über Smart Cities, speziell Darmstadt.

Eine bekannte TV-Doku über Fragen der Lichtverschmutzung vom letzten Jahr, auch das Bundesverdienstkreuz für Andreas Hänel, Podcasts hier und hier, der 279-Seiten-Report „Dark and Quiet Skies for Science and Society – Report and recommendations“ der IAU, die 19-seitigen „Recommendations to Keep Dark and Quiet Skies for Science and Society“ an die UN, das deutsche Insektenschutzgesetz und eine PM des BMU und eine Rede dazu (mit der hinein genommenen LV im 3. Item) und ein Dark-Sky-Flyer für’s Baltikum.

Und drei Vorträge und Diskussionen zum Thema aus diesem Jahr. Es gibt auch 10 neue Sternenbeobachtungsplätze im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, ein paar Unterrichts-Materialien „Sterne in der Nacht“, die Online-Umfrage „Künstliches Licht in der Nacht – Was bedeutet das für unser Wohlbefinden?“, den Final Report 2019 des schwedischen Star-Spotting Experiments, ALAN als Gefahr für Papageitaucher – und eine Fülle von neuen Papers, z.B.

Und noch 12 Seiten zu „Nachhaltigkeit und Ökologie in der Außenbeleuchtung“, eine PM des BUND zu ALAN und Schmetterlingen (auch ein Artikel) und Artikel etc. zu Lichtverschmutzung und (lokaler) Politik aus Deutschland hier und hier und den USA, Kanada, Australien und Südafrika sowie zu Dark-Sky-Tourismus hier, hier, hier und allgemein zu den Problemen der ALAN hier, hier und hier.

Allgemeines Live-Blog vom 25. – 29. August 2021

25. August 2021

29. August

Spektakulärer Fehlstart einer Astra-Rakete auf Kodiak Island

Tags zuvor war der Start bei t=0 abgebrochen worden (mehr und mehr und die Szene aus dem Webcast) – aber was vor genau einer Stunde auf dem Pacific Spaceport Complex in Alaska passierte, haben selbst erfahrene Raumfahrt-Beobachter so noch nicht gesehen. Die bislang weitgehend glücklose Rakete der Firma Astra Space zündete zwar – 35 Minuten verspätet – ihre Triebwerke, bewegte sich aber zunächst seit- statt aufwärts und verschwand in ihrer Abgaswolke. Doch mit einem Mal stiegt sie aus dieser empor und flog zwei Minuten scheinbar ordentlich, doch nach 2½ Minuten musste der Flug abgebrochen werden. Eine Spekulation ist, dass sich ein Verbindungskabel zum Startturm nicht richtig löste – und am Ende fehlte dann die Kraft: ein Interview im Vorfeld, der heutige Webcast und weitere Standbilder daraus hier und hier. [1:35 MESZ] Weniger als eine Sekunde nach dem Start war eins der fünf Triebwerke ausgefallen, was die Seitwärts-Bewegung erklären dürfte – und der Flug wurde durch Abschalten aller Triebwerke abgebrochen, weil die Rakete zu stark von der Sollbahn abwich; sie richtete danach keinen Schaden an. Auch Artikel hier und hier. [2:20 MESZ] Und hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier] – es wurden nach dem Start (eine neue Perspektive darauf) rund 50 km Höhe erreicht.

Problemlos verlaufen ist dagegen heute früh der Start eines Cargo Dragon zur ISS: weitere Strichspuren hier, hier, hier und hier, andere Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und 7hier, aus dem Webcast der Start, die Stufen-Landung und das Aussetzen, Videos aus der Ferne hier und hier, eine PM des DLR, ein ESA Release, eine PK und ein PR der NASA und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch ein Aufruf für Überflieger 2, die Verspätungen beim Starliner, das Drama um Naukas Flug und seine Folgen, weiter Spekulationen um’s Soyuz-Loch vor 3 Jahren, reichlich Astronauten-Bewerber bei der ESA und ein 360°-Video aus und ein Amateur-Video von der ISS. Dito von Chinas Raumstation, wo eine zweite EVA stattgefunden hat (mehr, mehr und mehr) und ein zweiter Versorgungsflug ansteht – und der Kampf von Blue Origin und SpaceX um den Mondlander eskaliert: Artikel hier (früher), hier (früher), hier (früher), hier (früher), hier, hier und hier. [14:45 MESZ] Nachzutragen noch der Start eines chinesischen Frühwarn-Satelliten (mehr und mehr) und von zwei Radar-Satelliten (mehr) sowie bevorstehende Tank-Tests mit einer Vulcan-Rakete, während die Atlas V nicht mehr verkauft wird – und bald taiwanesische Starts in Australien, und was die Rocket Factory Augsburg will.

Chinesische Arbeit an den Mond-Proben von Chang’e-5 – auch eine Verschiebung von Russlands Lander Luna 25 auf nächstes Jahr (mehr und mehr) und ein möglicher Fund von Lunochod-Datenbändern. Derweil ist der 12. Flug von Ingenuity gelungen, bei dem mal wieder ferne Bilder von Perseverance gelangen: NASA Releases zu beider Missionen vom 26.8., 25.8. und 15.8., ein Interview-Clip zu den Sampling-Problemen, das EDL-Video in finaler Qualität und Artikel von vorgestern und dem 20.8., 19.8., 17.8., 16.8., 14.8. und 12.8. (mehr). Ferner ein Update vom 17.8. und Pretty Pictures von Curiosity, jede Menge Bilder, Artikel hier (früher), hier, hier, hier und hier und ein Video zu Zhurong, wie kleine Staubstürme zu Wasser-Verlust auf dem Mars beitragen – und grünes Licht für zwei kleine NASA-Mars-Orbiiter mit Start 2024: Press Releases hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Zum Schluss noch Experimente & Ideen zur Raumschrott-Entsorgung hier, hier und hier, ein GEO-Sat auf Abwegen, das AMSAT-DL Satellite Symposium 2021 gestern in Bochum, Militärisch-Spekulatives hier, hier (mehr) und hier und Politisch-Visionäres hier, hier und hier. [17:05 MESZ – Ende]


28. August

Ein „Stern wie die Sonne“ wird aufeinmal immer dunkler

Von einem „sehr ungewöhnlichen Objekt“ hat gestern die All-Sky Automated Survey for SuperNovae berichtet: Ein Stern im Sternbild Puppis, der nach Gaia-Daten den 1.03-fachen Durchmesser und die 1.1-fache Leuchtkraft der Sonne hat(te), ist nach 2000 Tagen unauffällig konstanter Helligkeit (V~13.4, g~13.8 mag.; Lichtkurve gemischt) mit einem Mal markant eingebrochen und fällt wohl noch weiter! Noch ist völlig unklar, was da vorgeht: Beobachtungen erwünscht, bei 8h15m -40° allerdings nicht leicht. [2:30 MESZ]

Auf der Sonne tut sich wieder mal etwas! Die gewachsene Aktivitätsregion (1)2860 – hier heute früh um 3:29 MESZ gesehen – macht auf den Bildern des HMI-Instruments auf dem SDO (neueste Aufnahme jeweils hinter dem Bild) schon einiges her. [4:10 MESZ] Und die weiterhin imposante Gruppe hat sich heute früh mit einem M4.7-Flare gemeldet, der aber kaum geo-relevant werden dürfte: Bilder und Plots hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [14:50 MESZ]

Weiter ständige Veränderungen in der AR 2860, hier vom SDO um 22:53 MESZ gesehen: Dank seiner mehrfachen Flares ist etwas unterwegs Richtung Erde und könnte noch was nachkommen, aber Grund zu wüsten Warnungen besteht nicht. Auch der Saturn vorgestern und Jupiter gestern (mehr und mehr), eine wolkige Feuerkugel, die erste Lautmeldung des SPT Public Alert System, was in den Online-Business-Sessions der IAU GA passierte – und südöstlich von Bremen ist jetzt einer der allerersten beiden Planetariumsprojektoren wieder in Betrieb gegangen, aus dem Jahr 1923: Artikel hier und früher hier, hier und hier und mehr Bilder aus Bruchhausen-Vilsen. [23:35 MESZ]


27. August

Ein New Shepard ohne Passagiere aber voller Wissenschaft

ist gestern 105 km hoch geflogen, die Kapsel ebenso wie der Booster, die beide wieder weich landeten; mit dem nächsten Flug mit Insassen sei aber „really soon“ zu rechnen, war in dem Webcast zu vernehmen, der wegen zweier langer Holds eine Stunde länger als geplant ausfiel: daraus auch ein Interview zu Experimenten in Sachen Mondlandung, weitere Screenshots vom Start und ein Clip der Booster-Landung, dazu Press Releases von Blue Origin, NASA und SwRI und Artikel hier (früher), hier (früher), hier, hier, hier und hier. [0:45 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Soetwas gab es noch nie: ein von selber leuchtender CubeSat, aufgenommen im Schatten der Erde mit einer empfindlichen Amateur-Videokamera auf derselben – so hat Marco Langbroeck heute früh in den Niederlanden den 10 x 20 x 30 cm großen NAPA-2 nachgewiesen, der am 30. Juni gestartet worden war. Auf dem Stack aus 60 Bildern sieht man den Satelliten von rechts herein kommen und plötzlich ausgehen: Er ist eine extrem schwache Quelle mit einer R-Helligkeit von 10 mag., aber dafür sind auch nur 12 LEDs an Bord, (die nur gelegentlich eingeschaltet werden) und die Distanz betrug 600 km. Kürzlich ist mit dem LEDSat ein noch kleinerer CubeSat mit LEDs gestartet worden. [21:15 MESZ]

Allmählich wird es ernst für das James Webb Space Telescope – wie NASA und ESA feiern, sind alle Tests des ultrateuren Satelliten bei Northrop Grumman abgeschlossen, und bald geht es per Schiff nach Französisch-Guyana: frühere Press Releases von NASA (noch frühere hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), ESA (noch früher) und Cornell und Artikel von heute (mehr und mehr), gestern und vom 16.8., 23.7. und 19.7. Auch eine kuriose Gravitationslinse von Hubble – und die Restaurierung der Astro-Teleskope, die einst auf dem Shuttle flogen, für’s Museum. [22:05 MESZ]


26. August

113 Tage: Der Asteroid mit dem kürzesten bekannten Jahr

ist der am 13. August mit der DECam am 4-m-Teleskop auf dem Cerro Tololo entdeckte 2021 PH27 mit einer großen Halbachse von 0.46 au, einer Bahnneigung von 32° und einer Exzentrizität von 0.7 – die ihn im Perihel bis auf 0.13 au an die Sonne heran bringt. Nur der Planet Merkur hat eine noch kleinere große Halbachse und Periode, einen Rekord für’s sonnennächste Perihel unter planetaren Körper stellen allerdings beide nicht auf: Diese Ehre fällt wohl dem vermeintlichen Kometen 322P/SOHO 1 zu, der zwar eine Periode von 4 Jahren aber eine Periheldistanz von 0.05 au hat – und nur in extremer Sonnenhitze aktiv wird, was eher für eine nicht-kometaren Zerstörung eines Asteroiden denn einen klassischen Kometen spricht. Der Satellit SOHO hat über 100 solcher Fälle gesehen, die meisten mit einem Perihel unter 0.1 au, während Komet 323P/SOHO mit 0.04 au aufwarten kann. Und der Asteroid mit dem sonnennächsten Perihel (0.07 au), der nicht aktiv wird, dürfte wiederum 2005 HC4 sein. Der grob 1 km große 2021 PH27 bietet sich derweil für Tests der Allgemeinen Relativitäts-Theorie an: ein interaktiver Orbit-Simulator (ein typisches Bild), Press Releases hier, hier und hier, Anmerkungen hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier. [2:15 MESZ]

Diese Woche finden online die Business Sessions der XXXI General Assembly der IAU statt, während die eigentliche Tagung in Korea auf 2022 verschoben wurde: Das Programm kann größtenteils frei verfolgt werden, oben die 1. Session vom Montag mit mehreren Vorträgen, hier die 2. – und heute geht es hier von 13:30 bis 14:50 MESZ und hier von 15:00 bis 17:30 MESZ weiter. Und wenn das noch nicht reicht … Gestern wurde zwei Stunden aus der experimenta in Heilbronn gestreamt (das Programm), und vor ein paar Tagen fand die 2021 Astronomical League Convention online statt, von deren drei Tagen unzählige Stunden aufgezeichnet wurden: die Teile eins und zwei des ersten, eins und zwei des zweiten und eins und zwei des dritten Tages. Auch Trends beim Volunteer Computing, ein Vortrag über die Umwandlung des McMath-Pierce Solar Telescope zum ‚Windows On the Universe Center For Astronomy Outreach‘, zwei neue 1-Meter-Teleskope für das Las Cumbres Obs., Software-Entwicklung für das Rubin Obs. – und Nachrufe auf Carolyn Shoemaker hier und hier [NACHTRAG: und hier], Steven Weinberg hier und hier und Noel Swerdlow. [3:45 MESZ]

Wie Amateurastronomen einen Asteroiden-Mond entdeckten, noch einmal nacherzählt. Auch die Kometen 4P/Faye am 10. und 67P/C-G am 6. August, Ausbrüche von 29P/SW-1 und 120P/Mueller 1, die Entdeckung von Komet C/2021 O1, die Begegnung von Leonard und Venus, die Statistik von Airbursts, eine wolkige Feuerkugel und Perseiden-Nachlesen hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch der Saturn gestern und am 11.8., der Jupiter in Opposition mit Wolken und Tanz der Monde inkl. gegenseitiger Events heute (mehr), gestern, vorgestern, am 23.8. (mehr), 22.8. (mehr, mehr und mehr), 21.8. (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 20.8. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 19.8. (mehr), 18.8., 16.8. (mehr), 15.8. (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 14.8., 13.8., 12.8. (mehr), 11.8. (mehr) und 10.8. (mehr, mehr und mehr), die Venus mit Merkur & Mars am 18.8. und mit dem Mond am 11.8. (mehr) und 10.8. (mehr, mehr, mehr und mehr), die Sonne heute, gestern und vorgestern (mehr) sowie Spekulationen zum Zyklus, RS Ophiuchi wieder schwächer, mit einem Perseiden als Zeiger, im Bild und spektral z.B. hier, hier, hier, hier und hier, Photometrie von Eta Carinae mit dem HST inkl. Prognose 4 mag. und Mira nahe dem Maximum. Und schließlich die Gewinner eines Foto-Wettbewerbs der IAU, die Preisträger 2021 der AG – und das Paper „Lenghu on the Tibetan Plateau as an astronomical observing site“ nebst einem Bild dazu. [23:45 MESZ]


25. August

China macht Ernst: Megakonstellation-Prototypen gestartet

Man könnte sie mit den beiden (längst entsorgten) „Tintin“-Satelliten vergleichen, mit denen einst SpaceX Technologien für die Starlink-Megakonstellation erprobte: die beiden Testsatelliten, die China gestern zusammen mit einem dritten Satelliten gestartet hat und denen tausende folgen sollen. Weitere Artikel hier, hier, hier und hier und Visuals hier und hier – und der Reentry der Oberstufe sorgte für eine Himmelsshow über Südafrika: Visuals hier und hier und die Identifikation. Drei Tage zuvor hatte eine Soyuz die nächsten 34 OneWeb-Satelliten gestartet, womit die Konstellation auf 288 (von 648 geplanten) gewachsen ist: nächtliche Fotos hier, hier und hier, der Webcast und ein Ausschnitt vom Start, Webcasts hier, hier und hier von einem abgebrochenen Versuch zwei Tage früher und Updates.

Die Starlink-Starts machen derweil Pause, bis die nächste Generation fertig ist – dafür sind bereits 98 der 1740 gestarteten entsorgt, mit weiteren 50 auf dem Weg nach unten. Das ändert aber nichts an immer häufigeren nahen Begegnungen mit anderen Satelliten: die Grafik mit klareren Achsen, die relative Bedeutung der Starlinks hier und hier und wie die autonome Kollisions-Vermeidung funktionieren soll. Die weiteren Starlink-Pläne sind derweil wieder etwas klarer geworden – auch die Satelliten-Ephemeriden als API, eine Simulation ihrer Bewegungen, ein Paper mit einem „Sky Brightness Model for the Starlink ‚Visorsat‘ Spacecraft“ und eine teleskopische Beobachtung derselben und deren Wert.

Und schließlich der JASON-Report „Jason Report on the Impacts of Large Satellite Constellations“, Press Releases von OneWeb vom 23. August, 22. August und 12. August, Arianespace Releases vom 22. August und 20. August und von Inmarsat, die nun auch Pläne hegen, und eine PM von Rheinland-Pfalz zu Starlink als Nothelfer. Und jede Menge Megakonstellations-Artikel von heute (mehr), gestern, vorgestern und dem 22. August (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 21. August (mehr), 20. August, 19. August, 13. August, 11. August, 5. August, 3. August, 29. Juli (mehr), 27. Juli, 26. Juli (mehr und mehr), 23. Juli, 22. Juli, 22. Juli, 19. Juli (mehr), 13. Juli, 8. Juli, 7. Juli, 5. Juli und 3. Juli. [23:45 MESZ]

Live-Blog zu Weltraum-Action Mitte August 2021

9. August 2021

19. August

Heute wäre Eugene Wesley „Gene“ Roddenberry 100 Jahre alt geworden, der als Schöpfer von Star Trek alias Raumschiff Enterprise bekannt wurde (und hier in der Mitte zwischen den Darstellern Nichelle Nichols = Lt. Uhura, Leonard Nimoy = Mr. Spock, einem Politiker und Walter Koenig = Ensign Pavel Chekov bei einem NASA-Event 1976 zu sehen ist): Auf diesen Seiten wurde bereits an sein Original-Konzept für Star Trek von 1964, die Weltpremiere der ersten TV-Serie 1966 und deren deutsche Premiere 1972 erinnert. Auch die Premiere eines Geburtstags-Talks heute 20:00 MESZ, der Plan für ein digitales Archiv von Roddenberry-Material (mehr, mehr und mehr) und ein Podcast-Beitrag aus Österreich. [0:00 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: das Geburtstags-Event, ein dreiteiliger Podcast, eine Ehrung bei der NASA, ein Gruß von Nye – und es wird ein Biopic von Gene geben]


17. August

Kleinstsatellit mit LEDs unter den 5 Nutzlasten der 19. Vega

Zu den fünf Satelliten an Bord der 19. Vega-Rakete, die vergangene Nacht gestartet ist, gehörte auch der 1U-CubeSat LEDSat voller Leuchtdioden, die im Orbit Blitze aussenden sollen: Diese sollen „nur“ 8. bis 13. stellare Größe haben, und ein früherer Press Release hatte behauptet, dass sie „will be dimmer than most stars, therefore should not be a problem for important astronomy observations“ und dass das Projekt – bei dem es um präzise optische Bahnbestimmung geht – „developed in collaboration with astronomers across various institutes“ sei. Auch Press Releases zum Start insgesamt und anderen Nutzlasten von Arianespace, ESA, CNES, Airbus und Avio, ein Webcast und der Start daraus und Artikel hier, hier und hier. [23:05 MESZ. NACHTRAG: und hier]


15. August

Ein mysteriöser später starker Peak der Perseiden über einen Tag nach einem sehr mageren normalen Maximum mit einer ZHR von nur etwa 70 am Morgen des 13. August hat für erhebliche Verblüffung gesorgt: Am 14. hätte die Zenitstundenrate entsprechend nur noch bei etwa 40 liegen sollen, erreichte aber im Zeitraum 8:00 bis 13:00 MESZ rund 130, wie übereinstimmend Video-Daten (mehr), visuelle Beobachtungen und Radio-Echos zeigen (Grafik oben). Da war die Erde wohl durch ein Staub-Filament von Komet Swift-Tuttle geflogen, das niemand auf dem Schirm hatte, und mehrere Nächten beobachten lohnt sich: auch Artikel hier, hier, hier und hier sowie aus dem Vorfeld mehr Mathe zur Wirkung der Grenzgröße, ein spanischer Press Release und ein indisches Webinar – außerdem erhöhte Kappa-Cygniden 2021 und die Atacamaiten aus Chile. [23:25 MESZ]


13. August

So sah der Solar Orbiter die Venus am 9. August mit SoloHI

Hier 3 Standbilder aus einer hektischen Animation von Aufnahmen der ESA/NASA-Sonde mit dem Solar Orbiter Heliospheric Imager während des Vorbeiflugs, die dank der Planetenatmosphäre einen nahezu vollen Ring im Gegenlicht zeigen. Auch vom Venus-Besuch von BepiColombo tags darauf gibt es jetzt eine Animation aus 89 Aufnahmen aller drei Monitoring Cameras, auch Artikel hier, hier und hier. Derweil ist Percys misslungene Probenentnahme verstanden: Der ausgewählte Stein war zu bröselig gewesen. Dafür hat Ingenuity mal wieder Percy abgelichtet, wenn auch sehr klein: Tweets hier, hier und hier und Artikel hier und hier. Und der Cygnus wurde eingefangen und kann nun entladen werden (auch Artikel hier, hier und hier) … während der erste ISS-Besuch einer Schauspielerin und ihres Regisseurs für einen Kino-Dreh für den 5. bis 17. Oktober mit Soyuz MS-19 angesetzt wurde. [1:05 MESZ] Jede Menge sonifizierte Daten beider Raumsonden während ihrer Venus-Passagen. [17:15 MESZ] Auch der jüngste Perihel-Durchgang der Parker Probe klappte problemlos.

Aurora unter der ISS (rechts Nauka) – noch mehr solche Bilder hier und hier. Derweil verzögert sich der zweite Starliner-Testflug sehr lange, weil das Problem der kaputten Ventile zumindest noch auf der Rakete nicht lösen lässt: auch Artikel hier, hier und hier sowie früher.

Eine prozessierte Version des bekannten Videos vom Verglühen des Pirs-Moduls der ISS – auch Roskosmos zu Wachtel-Forschung auf der ISS und generellen Fragen zu Russlands Raumfahrt, die auch Artikel hier, hier, hier (Fortsetzung) und hier behandeln, und weitere zum Ende der Raumstation und weiteren Touristen. [23:25 MESZ]


12. August

Der Start einer indischen GSLV-Rakete ist soeben gescheitert

Bis zur Zündung der dritten Stufe lief alles glatt, aber dann versagte deren kryogener Motor, und die Trajektorie wich unübersehbar vom Plan ab: der Webcast, ein weiterer, der Start daraus, Screenshots hier und hier, das Versagen, die Grafik früher aber schärfer, kurze Statements hier, hier und hier und weitere Screenshots. [2:40 MESZ] Schon ein flinker Artikel. [2:45 MESZ] Die GSLV-Statistik ist miserabel … [2:55 MESZ. NACHTRAG: Die dritte Stufe hatte gar nicht erst gezündet, auch weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


11. August

Eine erste Impression von BepiColombos 2. Venus-Besuch

gestern mit der Mercury Transfer Module’s Monitoring Camera 3 aus 1573 km Abstand: Heute sollte es noch mehr Bilder geben, die aber vermutlich keinerlei Wolkenstrukturen des Planeten zeigen werden. Auch die Physik so eines Swing-By und ein Artikel – und heute um 0:01 MESZ ist der nächste Cygnus zur ISS gestartet: Standbilder hier und hier, Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein alternativer Webcast, Updates und Artikel hier, hier und hier. [1:45 MESZ] Und hier sowie eine Nahaufnahme des Starts – Weiteres zu den Venus-Besuchen gab es heute nicht. [23:45 MESZ]


10. August

Die wiederkehrende Nova RS Ophiuchi ist ausgebrochen

und nach der AAVSO gemeldeten Schätzungen von ziemlich konstanten 11.2 mag. bis mindestens zur Nacht 7./8. August auf ~5.0 mag. bis zum Abend des 8. und 4.6 mag. am Nachmittag des 9. August gesprungen; heute Mittag MESZ lagen die Schätzungen um 5.0 mag.: eine AAVSO Alert Notice, Bilder hier (einr Animation), hier, hier, hier und hier, eine großräumige Karte, die Langzeit-Lichtkurve (die letzten Ausbrüche waren 1985 und 2006 gewesen) und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [21:30 MESZ. NACHTRAG: und hier sowie zahlreiche Beobachtungen bei hoher Energie (weitere Meldungen in der Sidebar) und Bilder mit weitem Feld hier (!) und hier]


9. August

Der doppelte Vorbeiflug zweier ESA-Sonden an der Venus

mit dem Solar Orbiter & BepiColombo in 33 Stunden Abstand beginnt heute früh um 6:42 MESZ mit dem Solar Orbiter in 7995 km Abstand: Die Grafiken zeigen die Bahnen beider Sonden von oben mit großem Feld (der Kreis ist die Hill Sphere der Gravitations-Dominanz der Venus) und aus der Nähe von oben und von der Seite (der Kreis ist jetzt der Planet). Es geht in beiden Fällen um Bahnänderungen mit der Schwerkraft des Planeten (der Solar Orbiter hat vorher 0.49 x 0.95 au und nachher 0.59 x 1.21 au) und etwas Wissenschaft, wenn man schon mal da ist: auch Artikel hier, hier, hier und hier, ein einstündiger Chat – und heute ist überdies die Parker Solar Probe im Perihel, 10.4 Mio. km über der Sonnenoberfläche. [3:30 MESZ] Der Vorbeiflug des Solar Orbiter führte planmäßig zu einem Loss of Signal, dann kam es wieder, und das Magnetometer hat bereits gute Daten gemeldet – nun sind alle Augen auf BepiColombo an der Venus morgen gerichtet! [23:45 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 31. 7. bis 8. 8. 2021

31. Juli 2021

8. August

Ein neuer kompakter Sturm auf dem Jupiter neben dem GRF

ist auf diesem Bild von Christopher Go auf den Philippinen von gestern 17:40 MESZ dank eines Methan-Filters sehr auffällig als heller Fleck unten rechts vom großen Wirbel zu erkennen. Auch im Nahinfraroten bei 850 nm ist er noch recht auffällig, aber auf einem Echtfarbbild nur als schwacher Hauch zu erkennen. Auch ein schöner Jupiter mit Detail auf den Monden vom 5. August, eine erste Analyse beider Daten – und eine sehr kontroverse Beobachtung vom 29. Juli mit einer vermeintlichen Vulkan-Wolke über Io, die aber auch ein Artefakt sein könnte. Jupiter wie Saturn stehen jetzt sehr auffällig am Südost-Abendhimmel, mit Jupiter vor und Saturn kurz nach der Opposition, die sich auf diesem Bild vom 4. August als Aufhellung der Ringe – der Seeliger-Effekt – bemerkbar macht. Auch die Venus am 29. Juli – und ein Vergleich des neuen Sonnenzyklus mit dem alten: Der Anstieg bisher deutet auf einen sehr ähnlichen Verlauf hin. [0:55 MESZ] Hier und hier die Bilder von Go weiter verarbeitet sowie Aufnahmen anderer von gestern mit dem Sturm – im großen Bild-Archiv in Japan fehlen klare Aufnahmen der betreffenden Gegend von vorgestern, aber am 5. August war da noch nichts (Methan-Bilder weit unten).

Die Perseiden 2021 sind bereits aktiv, aber es wird so viel Unfug über diesen Meteorstrom geschrieben wie selten, über die Erwartungen dieses Jahr wie auch in Zukunft. So nimmt die Stärke der Maxima nicht ab, wie das obere Diagramm der letzten drei Jahrzehnte zeigt, lediglich die Extra-Ausbrüche durch relativ frische Dust Trails (2. Plot) sind seit dem letzten Perihel-Durchgang des Verursacher-Kometen 1992 seltener geworden. Oft wird auch fälschlich behauptet, die beste Nacht dieses Jahr sei die vom 11. zum 12. August – das reguläre Maximum wird aber von etwa 21:00 MESZ bis Mitternacht am 12.8. erwartet (Seiten 11-12), so dass die Nacht 12./13. August die ergiebigste werden dürfte. Und natürlich ist es wie jedes Jahr Quatsch, ‚hundert Sternschnuppen pro Stunde‘ zu versprechen: Das wurde hier letztes Jahr sehr ausführlich erläutert und gilt jetzt ganz genau so (die ZHR-Kurve 2020 hat dann übrigens so ausgesehen). In der Matrix hier – aus einem Webinar des AK Meteore diese Woche – wird noch einmal die Wirkung der Grenzgröße und der Radiantenhöhe kombiniert dargestellt, die von der dieses Jahr prognostizierten maximalen ZHR 110 für den realen Beobachter wenig übrig lässt. Auch die ZHR 2021 quasi live und Vorschauen hier, hier, hier und hier.

Ein „Meteor-Cluster“ wurde kürzlich von einer Kamera auf dem Mauna Kea aufgezeichnet: drei Papers zu dem extrem seltenen Phänomen aus den Jahren 1999, 2003 und 2017. Auch der weiter aktive Asteroid (248370) 2005 QN173 am 5. August, die Kometen C/2020 PV6 (PANSTARRS) am 4. August und 2. August, C/2021 O3 (PANSTARRS) am 3. August, C/2021 O1 (Nishimura) am 30. Juli, 67/P-Churyumov-Gerasimenko gestern und 4P/Faye vorgestern und am 4. August. Und die bis jetzt letzte nennenswerte Aktivität leuchtender Nachtwolken trat in der Nacht 3./4. August auf (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), wobei es vorgestern früh aber noch NLC über einem aktiven Vulkan auf Island gab. [16:45 MESZ] Die Vorgeschichte des Jupiter-Sturms wird klarer: Da war schon ein kleiner Wirbel gewesen, aber in die Höhe gestiegen – und Methan-hell geworden – ist das Material erst jetzt. [20:35 MESZ – Ende]


6. August

So sah es heute nur etwa eine Stunde lang in Texas aus: Wie geplant ist nach dem Stacking – die letzten Meter im Zeitraffer – das Starship wieder vom Booster genommen worden, der Start ist noch Wochen oder Monate entfernt. Auch eine mysteriöse Navigations-Warnung, die eine Massen-Versenkung von Starlink-Satelliten ankündigen könnte – und der Ticket-Preis für’s SpaceShipTwo ist stark gestiegen, auf mindestens $450’000 … [18:55 MESZ. NACHTRÄGE: ein Zeitraffer, ein Luftbild und ein kurioses S/W-Foto des Stackings, Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein 2. Vor-Ort-Video]

Mal eine ungewöhnliche Sonifikation eines der Hubble Deep Fields: Die Zeit-Dimension entspricht hier einem immer tieferen Blick zurück in die kosmische Vergangenheit. Auch ein kurioser Artikel über den Röntgen-Satelliten Spektr-Röntgen-Gamma, der gerade den Urknall bewiesen habe, der in ca. 3 Tagen bevorstehende Absturz der Raketenstufe, die einst den Satelliten Spektr-R gestartet hatte, der zum Projekt RadioAstron gehörte, ausnehmend finstere Gedanken zur Schwere der Nauka-Probleme von einem Top-Experten – und nur langsame Fortschritte bei der Starliner-Fehlersuche. [23:45 MESZ]

Ein Krater-Trio auf dem Mars, aufgenommen mit der Kamera CaSSIS des ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO), deren falschfarbiges Bild hier etwas marsähnlicher getönt wurde – auch ein Roskosmos Release über die Steuerung des europäisch-russischen Orbiters. Auf der Oberfläche ist derweil der 11. Flug von Ingenuity erfolgreich verlaufen (ein Bild und ein Artikel) und die erste Probenentnahme aus einem Stein für späteren Sample Return ebenfalls [NACHTRAG: von wegen, es ging schief! Trotz wohl korrekt arbeitender Mechanismen kam im Probenröhrchen überraschend nichts an; auch Artikel hier, hier, hier und hier], während Zhurong schon über 800 m weit gefahren ist. Auch ein Ganymed-Bild von Juno, immer mehr Hardware für den Europa Clipper, das Paper „The search for lunar mantle rocks exposed on the surface of the Moon“ nebst Press Release, das Muster von Mond-Wasser und -Schatten – und Weltraum-basierte Visuals zur Hitze und den Bränden am östlichen Mittelmeer hier, hier, hier, hier und hier. [18:15 MESZ]

Heute vor 60 Jahren startete German Stepanowitsch Titow mit Wostok 2 für mehr als einen Tag ins All, beim zweiten Flug eines Kosmonauten – die USA hatten dagegen bis zu diesem 6. August 1961 im Mercury-Programm nur Suborbital-Flüge (des Schimpasen Ham und dann von Alan Shepard und Virgil Grissom) vorzuweisen: Das wird in diesem Spott-Lied der FDJ von 1961 korrekt dargestellt. Aber der Texter irrte auch: Bevor die SU im Wostok-Programm im August 1962 ihre Kosmonauten Nr. 3 und 4 startete, hatten die USA mit den Orbitalflügen von John Glenn und Scott Carpenter aufgeschlossen. Die allerdings jeweils keine 5 Stunden dauerten: Titows Fluglänge wurde erst im Mai 1963 von Gordon Cooper übertroffen. Gestern jährte sich noch ein weiterer Meilenstein der astronautischen Raumfahrt: eine 38-Minuten-EVA während der Rückreise von Apollo 15 vom Mond am 5. August 1971, der erste Ausstieg aus einer Apollo-Kapsel in den Raum fern jedes planetaren Körpers. [1:05 MESZ]

Zurück in die Gegenwart: Hier verfällt immer schneller die Bahn der Proton-Oberstufe, die das Nauka-Modul zur ISS schickte, mit dem Absturz zwischen 4:30 und 9:30 MESZ zu erwarten – auch eine weitere Grafik des Abstiegs [NACHTRAG: der dann um 6:46 MESZ erfolgte], die Aussagen eines Interviews, Artikel hier, hier, hier und hier und hier und ein Brief von Nelson zum Nauka-Zwischenfall und ein Video des Reentry von Pirs von der ISS. Sowie neue Details zur Planung für den russischen Kino-Film-Dreh dort, der nächste Cargo-Start mit einem Cygnus am 10. August (auch Bilder des Beladens), der Starliner aus dem Verkehr auf weiter unbestimmte Zeit (auch Artikel hier und hier) – und die Bedeutung von Chinas Raumstation für kommerzielle Nutzer. [1:40 MESZ]

Und ein potenzieller Blick in die Zukunft – voraussichtlich heute in der Frühe Texas-Zeit wird ein Starship (links) auf den gigantischen Booster gesetzt, was dann eine ziemlich große Rakete ergibt: Blicke auf die Teile aus der Luft und von der Seite hier und hier, mehr Fotos, Live-Übertragungen hier (Zusammenfassung) und hier von kürzlichen Booster-Operationen, eine Tour durch die Anlagen, ein Static Fire des Boosters Mitte Juli (Fotos hier und hier) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:55 MESZ]

Das Stacking der Riesen-Rakete in Texas kommt gut voran: ein Screenshot aus einem Webcast (Link dahinter) – frühere Bilder hier, hier, hier, hier und hier. [14:30 MESZ] Weitere Fotos hier, hier, hier, hier und hier. [14:50 MESZ]

Und da sitzt das Starship 20 auf dem Super Heavy Booster 4, die „tallest, most powerful, rocket humanity has ever built“ – auch ein Videoclip und Fotos hier und hier. [15:00 MESZ] Wie es wohl weiter geht. [15:10 MESZ] Noch ein Foto – derweil hat es diese Woche drei Starts in China gegeben, erst den missglückten einer Hyperbola 1 (weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Tweets hier, hier, hier, hier und hier) und gelungene einer Langer Marsch 6 (Artikel hier, hier, hier und hier) und einer Langer Marsch 3b (mehr, mehr, mehr und mehr). Und die Verzögerungen bei der Vulcan durch die Probleme mit den Blue-Origin-Triebwerken nehmen kein Ende. [15:55 MESZ]


4. August

500’000 Himmelsaufnahmen mit 47 Quadratgrad und 20.5m

Grenzgröße mit einer typischen Auflösung von 2 Bogensekunden: Das ist die bisherige Ausbeute der Zwicky Transient Facility, die die betagte 48-Zoll-Schmidt-Kamera der Palomar Observatory Sky Surveys von 1948 zur „ersten industriellen Himmelsdurchmusterung“ der Moderne einsetzt, wie es gerade in einem faszinierenden Vortrag (unten) hieß. Oben ein Blick auf die gigantische elektronische Kamera in der Brennebene (wo einst die POSS-Platten saßen) und einen Robot-Arm, der die Filter austauscht (dahinter das Ganze in Aktion), darunter einer dieser Filter: Das Gesichtsfeld der ZTF ist weit größer als bei jeder anderen permanent wiederholten Himmelsdurchmusterung der Vergangenheit, Gegenwart (Pan-STARRS) oder Zukunft – so hat das in Chile im Bau befindliche Rubin Observatory „nur“ knapp 10 Quadratgrad Feld und wird dasselbe Himmelsfeld mit demselben Filter nur etwa alle zwei Wochen sehen, bei der ZTF liegt die Wiederholrate dagegen bei zwei Tagen. In den drei Jahren seit Beginn der Durchmusterungen Anfang 2018 hat die ZTF bereits so viel Himmelsfläche gesehen wie Rubin in 10 Jahren sehen wird: Alle 40 Sekunden beginnt sie eine neue Aufnahme – die automatisch ausgewertet wird, was zu 500’000 bis 1 Mio. ‚Alarmen‘ pro Nacht führt, wenn sich gegenüber Referenz-Bildern etwas verändert hat. Fünf bis 10 ‚Broker‘-Systeme brechen das dann in kleinere Häppchem für bestimmte Astronomen-Zielgruppen herunter, alles schon entwickelt im Hinblick auf Rubin, das mit 4 mag. besserer Grenzgröße noch viel mehr Daten produzieren und in vielen Aspekten 10-mal stärker als die ZTF sein wird. Auch die Archivierung historischer Akten des Astrometrie-Pioniers Erik Høg in Hamburg – und NLC der Nächte 2./3. August (mehr) und 1./2. August. [0:55 MESZ]


3. August

Zwei ESA-Raumsonden holen sich Schwung an der Venus – in nur 33 Stunden Abstand kommen am 9. und 10. August der Solar Orbiter und BepiColombo vorbei, die dabei auch etwas Venus-Forschung mitnehmen. Ferner ein Filmchen über DAVINCI, der Status des Mars-Rovers Zhurong (auch ein Video und Artikel hier und hier), der letzte Flug von Ingenuity komplett (auch wie man seine Farbbildern verarbeiten kann und ein Update sowie ein sehr vereinfachter Cartoon zur Mars Sample Return Mission), neue Zweifel an Mars-Seen, Indiens Plan für die Mondmission Chandrayaan 3, die Verteilung der Proben von Chang’e-5, länger kein Update zu Chang’e-4 und Yutu 2, die Startvorbereitungen für die Asteroiden-Mission Lucy (auch frühere Updates hier, hier und hier, das Paper „Lucy Mission to the Trojan Asteroids: Instrumentation and Encounter Concept of Operations“ und Artikel hier und hier), das Paper „ESA F-Class Comet Interceptor: Trajectory Design to Intercept a Yet-to-be-discovered Comet“ (auch eine PM von OHB zur Mission) – und ein neues Zooniverse-Projekt zur Durchforstung von Hubble-Aufnahmen nach Strichspuren von Satelliten. [0:15 MESZ]

Die Rauchwolken der Brände im Süden der Türkei gestern von Sentinel-3 aufgenommen: auch Bilder vom 30. Juli und 29. Juli, ein Press Release von Planet, eine PM des MPIfR zu Iridium-Regeln rund um Effelsberg, Fortschritte bei der Heliophysik-Mission Punch, bei Parabelflügen Experimente zur Entfaltung bei µg, ein chinesischer Raketen-Hüpfer (auch Videoclips hier, hier und hier), die Kommunikations-Antennen von Chinas Raumstation, das ihr assoziierte Weltraum-Teleskop, die ersten 100 Tage von T. Pesquet auf der ISS – und große Fragen nach dem Nauka-Ärger. [0:25 MESZ. NACHTRAG: Die NASA hat nach Tagen zugegeben, dass sich die ISS mehr als einmal komplett überschlagen hat, bevor sie wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte – eine Animation des Purzelbaums. Und der Absturz von Naukas Oberstufe steht kurz bevor]

Abermals ist gestern die Atlas V mit dem Starliner für den Orbital Flight Test 2 auf die Startrampe gerollt, and Bord nur die Puppe Rosie (diesmal ohne Sensoren; beim OFT-1 wurde zumindest über die zu erwartenden Erfahrungen der Crew genug gelernt), und die Wetterchancen heute um 19:20 MESZ liegen bei 60%: Videos hier, hier und hier, mehr Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und v.a. in diesem Album, ein Drohnen-Video vom ersten Roll-Out, wo es heute bis übermorgen Updates geben soll (eine Live-Sendung der NASA beginnt um 18:30 MESZ), um was es geht, ein NASA-Podcast mit Transkript und Artikel hier, hier und hier. [0:35 MESZ] Und hier, hier, hier, hier, hier und hier – die Atlas ist jetzt betankt und der Countdown in einem langen Hold bei t-4 Minuten: Normalerweise würde jetzt die Crew einsteigen. Auch Updates; die Wetter-Chancen sind 50% für den Start um 19:20:18 MESZ, dem dieser Ground-Track folgen würde. [15:55 MESZ] Denkste: Der Start wurde abgesagt! Zunächst ohne Begründung, wobei der Verdacht auf den Starliner fällt. Nächster Versuch morgen 18:57 MESZ? [16:40 MESZ] Es lag an einem Ventil der Kapsel. [19:45 MESZ. NACHTRAG: Es gibt erstmal keinen Startliner-Start – und es geht zurück in die Vertical Integration Facility. Auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


2. August

Gericht untersagt Bau eines Straßentunnels bei Stonehenge

Das Urteil vom 30. Juli ist ein Triumph für den Widerstand gegen das gewaltige Bauprojekt, gegen das auch viele Archäologen wie mit Mike Parker Pearson oben der Stonehenge-Experte schlechthin oder in diesem Podcast deutsche Kollegen gewettert hatten: auch Artikel zum Urteil hier, hier und hier und zuvor – der Welterbe-Status war bereits bedroht – hier, hier, hier, hier und hier und noch früher hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Eine andere archäoastronomisch verdächtige Stätte, das mutmaßliche Sonnenobservatorium von Chankillo in Peru, ist jedenfalls gerade Weltkulturerbe geworden: mehr hier, hier und hier. Auch hundert nette Plätze zum SoFi-Gucken in den nächten 20 Jahren (passend dazu die ungewöhnliche Doku „Les Chasseurs d’Ombre mit englischen Untertiteln über die SoFi von 1999 mit reichlich Wolken-geplagten Beobachtern als Protogonisten), der neue Komet C/2021 O3 (PANSTARRS), der im Frühjahr 2022 Fernglas-hell werden könnte (mehr und mehr), die Kometen C/2017 K2 (PANSTARRS) gestern, C/2020 F5 (MASTER) gestern und vorgestern, Komet C/2021 O1 (Nishimura) auf einem SWAN-Bild, der Saturn in Opposition, Jupiter gestern, NLC der Nacht 1./2. August (mehr, mehr und mehr) und August-Astro-Vorschauen hier und hier. [20:45 MESZ]


31. Juli

Heute vor 50 Jahren fuhren zum ersten Mal Astronauten mit einem Rover auf dem Mond, am Tag nach der Landung von Apollo 15 (das erste Fahrzeug auf dem Mond überhaupt war allerdings der ferngesteuerte Lunochod ein halbes Jahr früher gewesen): das Lunar Roving Vehicle, mehr Bilder, Artikel hier, hier, hier und hier und kurze Videos zur gesamten Mission, dem ersten Blick in die Runde und mit KI-verbesserten Fahr-Aufnahmen; das obige Bild zeigt den Rover an seiner finalen Parkposition. [4:05 MESZ] Wie er auf die Oberfläche kam in einer Simulation und in der Realität, noch mehr Visuals hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und viele Räder im Sonnensystem.

Noch ein russisches ISS-Modul gefällig? Das ist Причал (Prichal), das heute nach Baikonur geschafft wurde und im November starten soll – auch die russische Planung für die ISS nach 2024 (mit einem Ausstieg 2028 und eigener kleiner Station), Arbeiten am Druck von Zvezda, der Starliner-Start wohl am 3. August, gesammelte aufgelöste Amateur-Bilder von Nauka, das heute ‚betreten‘ wurde, und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:20 MESZ]

Die Crew 3 des Dragon – Matthias Maurer ist der 2. von rechts – beim Notfalltraining am Cape; der Start ist weiter für in exakt einem Vierteljahr geplant. Auch was gerade in Chinas Raumstation passiert, die Frage der Nachhaltigkeit in der Raumfahrt, ein Vortrag über Weltraumrecht, der erste Test des European Ground System – Common Core (EGS-CC), Upgrades der NASA-Kommunikations-Infrastruktur für höhere Datenraten, eine neue Schüssel in Canberra in diesem Kontext, ein Finanzierungsschub für Isar Aerospace, Entwicklungen einer wiederverwendbaren zweiten Stufe bei Blue Origin – und Raketentanks aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff sind nachweislich moeglich. [21:50 MESZ] Das Öffnen der Luke von Nauka und ein erster Besuch im neuen Modul. [22:35 MESZ] Morgen haben die Russen frei, die anderen heute schon. [23:05 MESZ]

Auf und ab und … die Nova Cas 2021 treibt es weiterhin wild

Die Lichtkurve (Helligkeit von 9.0 bis 5.0 mag.) von V1405 Cas von Mitte März bis jetzt mit diesem Tool geplottet: Das erste Maximum lag nur bei 7.5 mag., dann gab es eins mit 5 mag., es folgten mehrere Zacken bis 6.5 mag. und im Juli ein weiterer großer Anstieg, der bis 6 mag. führte, mit einem erneuten steilen Abfall – nach Ansicht des Nova-Klassifizierers Brad Schaefer klar ein Typ J mit irregulärer Kernfusion. Ferner noch mehr Lichtkurven und die nur 10 mag. helle Nova Vulpeculae 2021, auch hier erwähnt und hier abgelichtet, der Jupiter am 28. Juli, 27. Juli, 23. Juli (mehr), 21. Juli, 20. Juli (mehr), 19. Juli (eine Animation eines Durchgangs von Io) und 11. Juli und eine Demonstration geozentrischer Planetenbahnen.

Ein toller Sonnenuntergang mit grünen Segmenten, NLC der Nächte 29./30. Juli (mehr, mehr, mehr und mehr), 27./28. Juli (mehr) und 25./26. Juli (mehr), der Komet C/2021 O1 (Nishimura) am 26. Juli und 25. Juli (mehr), Staubstrukturen in C/2017 K2 (PANSTARRS) durch langsame Rotation moduliert (die Bilder dazu), eine Berechnung des Streufelds möglicher Meteoriten der norwegischen Feuerkugel (deren Existenz eine langsame Eintrittsgeschwindigkeit des Objekts erfordert) und die Story der Meteoriten von Winchcombe. Schließlich noch die fliegende SOFIA im Einsatz auf Tahiti, längere Artikel über das Arecibo-Radioteleskop hier und hier (Seiten 5-9) – und vier IAU-Resolutionen zur Abstimmung. [3:15 MESZ. NACHTRÄGE: wie die Ruine von Arecibo jetzt aussieht, ein aktuelles Luftbild, ein NSF-Update vom Juni, was ein AO Salvage Survey Committee bisher geborgen hat – und politische Perspektiven zum Wiederaufbau]

Live-Blog zur Raumfahrt-Action 26.-30. Juli 2021

26. Juli 2021

30. Juli

Weil bald das JWST kommt: Hochspannung vor Ariane-Start

Das Fenster reicht heute von 23:00 bis 0:30 MESZ: Wenn mit VA254 zum ersten Mal seit fast einem Jahr – VA253 am 15. August 2020 – wieder eine Ariane 5 starten soll, ist die Spannung so groß wie schon lange nicht mehr … denn beim übernächsten Mal wird bei VA256 (frühestens im November) das James Webb Space Telescope an Bord sein. Dass die Probleme mit der Nutzlastverkleidung gelöst werden konnten, davon macht sich heute der zuständige NASA-Sub-Chef Thomas Zurbuchen vor Ort ein Bild (mehr und mehr) – auch mehr Fotos, ein Webcast ab 22:29 MESZ, eine Infografik, Press Releases von ESA und Arianespace, ein Interview zum Satelliten Quantum (einer der beiden Nutzlasten) und ein Artikel. [21:45 MESZ]

Der Start hat pünktlich stattgefunden, und die erste Hälfte ist problemlos verlaufen: auch ein Foto von Zurbuchen und Videoclips des Starts aus dem Webcast (Screenshots daraus hier, hier und hier) und von anderswo. [23:30 MESZ] Beide Satelliten sind ausgesetzt – das hat schon mal geklappt … [23:40 MESZ] … und obiges ESA-Foto in höherer Auflösung und ein Artikel. Und die allerletzten Space News an diesen fünf atemlosen Tagen: Das US-GAO hat die Proteste gegen die Mondlander-Auftrags-Vergabe zurückgewiesen, womit die NASA nun glaubt, einen Zeitplan aufstellen zu können – ebenfalls ein Artikel. [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die Reaktion eines der Verlierer und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Und wiederum vom Ariane-Start ein weiteres ESA-Foto, diesmal vom Strand aus, wo man eine viel bessere Sicht auf die Ariane hatte als die paar Sekunden im Webcast; später tauchten doch noch etwas mehr Videobilder der Ariane in der Luft auf – auch Arianespace, ESA und U.K. Gov’t Releases, was in welchen Orbit gelangte, wie es Zurbuchen gefallen hat (auch gebloggt) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Einen Suborbital-Start gab es heute übrigens auch noch: von der White Sands Missile Range mit dem Marshall Grazing Incidence X-ray Spectrometer (MaGIXS) für Sonnenforschung]

Heute vor 75 Jahren kam jenes Paper heraus, aus dem das Hubble Space Telescope hervorgehen sollte (von dessen ACS, mit beigemischten SDSS-Farbauszügen, dieses Bild des Galaxien-Chaos Arp 195 stammt): „Astronomical Advantages of an Extra-terrestrial Observatory“ vom US-Astronomen Lyman Spitzer, zunächst allerdings nur in vertraulichen Akten eines Thinktanks – bereits vor 98 Jahren hatte schon Herman Oberth Visionen in dieser Richtung veröffentlicht, aber Spitzers Überlegungen waren, immer noch 11 Jahre vor dem ersten Satelliten, zumindest im Bezug auf die astronomischen Fragestellungen für ein großes Weltraumteleskop (PDF-Seiten 5-7) deutlich konkreter. Auch die Beobachtung eines tidal disruption event in einen frühen Phase durch eROSITA auf SpektrRG und Fortschritte beim Bodensegment für das Roman Space Telescope – benannt nach jener US-Astronomin, die Spitzers Ideen zum Durchbruch verhalf und daher manchmal „Hubbles Mutter“ genannt wird. [19:00 MESZ]

Der finale Plot: So erreichte Nauka zu guter Letzt die ISS

Das Fehlverhalten des Moduls nach dem Andocken (ein Roskosmos Release wurde mit weiteren Fotos des Anflugs ergänzt) hat sich nicht auf die Bahn der ISS sondern nur ihre Lage im Raum ausgewirkt – und auf der hastig angesetzten Telecon gestern wurden die ggf. gravierenden Störungen der Triebwerke Naukas während der hier komplett dargestellten Anreise und ein möglicher Zusammenhang mit der gestrigen Notlage nicht thematisiert. [1:55 MESZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [4:25 MESZ]

Das Unglücks-Modul ist noch dran, und das Öffnen der Luke soll wohl gegen 19:45 MESZ erfolgen … auch ein lässiges Statement von Vladimir Solovyov – „Twice Hero of the Soviet Union, Pilot-Cosmonaut of the USSR, RSC Energia Designer General (part of Roscosmos), Flight Director of the Russian Segment“ – heute zur Lage, Klartext von Zebulon Scoville (während das heutige „Space to Ground“ alle Probleme verschweigt), der Zwischenfall in Echtzeit-Videos hier, hier und hier, was der Startracker von NICER sah und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:10 MESZ. NACHTRAG: Die Luke ist auf zwischen Nauka – das übrigens umgerechnet 210 Mio. Euro gekostet hat – und der ISS, jetzt wird die Atmosphäre gereinigt. Und die Atlas mit dem Starliner hat die Rampe verlassen wegen drohenden schlechten Wetters, wäre am 3. August aber bereit]


29. Juli

Hier kommt Nauka – die ersten Fotos der Ankunft sind von der ISS eingetroffen! Und die Atlas mit dem Starliner ist an der Rampe angekommen. [16:45 MESZ] Und der der Roll-Out ist nunmehr abgeschlossen – während auf der PK keinerlei Zweifel am Erfolg on OFT-2 bestanden. [17:05 MESZ] Es war wohl KURS tatsächlich bis zum Schluss in charge. [17:15 MESZ] Es hat einen Zwischenfall mit Nauka eine Weile nach dem Andocken gegeben: ungeplante Triebwerks-Zündungen, die die ganze Station verdreht haben, jetzt aber immerhin zuende sind … [19:35 MESZ] Die Station wurde um 45° verdreht, was dann korrigiert werden konnte. [19:45 MESZ]

Eigentlich hätte die Crew gleich frei gehabt – daraus wird nun nichts … und: Der morgige Start des Starliner ist abgesagt! Bis auf Weiteres und wegen „der Situation auf der ISS“: hier deren wilde Bewegungen heute gegen UTC, die y-Achse reicht von -200° bis +200°. [21:45 MESZ] Wie gerade auf einer Telecon berichtet wurde, begannen die Probleme um 18:34 MESZ, die Attitude Control ging um 18:42 MESZ verloren und war erst um 19:29 MESZ wieder hergestellt, nachdem erst das ISS-Service Module und dann ein Progress eingriffen. Die früheste Startmöglichkeit für den Starliner wäre am 3. August um 19:20 MESZ. [23:15 MESZ] NASA-Statements verbal und schriftlich und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ]

„That was not an easy docking!“ Aber Nauka hat angedockt

Der Kommentar im NASA-Kanal sprach Bände: Ganz zum Schluss musste tatsächlich noch auf das manuelle TORU-System umgeschaltet werden, aber das neue große Nauka-Modul hat die ISS tatsächlich erreicht und inzwischen auch sicher festgemacht. Nach fast 23 Jahren Bauzeit ist die ISS damit so gut wie komplett … und immer noch gibt es arge Probleme mit den Aspect Ratios von Fernsehbildern aus dem Orbit: Nr. 1 und 3 mussten abermals entzerrt werden. [15:50 MESZ]

Derweil hat der verspätete Roll-out des Starliner begonnen, dessen Wetterchancen morgen auf 50% gestiegen sind: Das wäre seine erste Bahn bei einem pünktlichen Start. [16:10 MESZ] Ein Live-Stream des Roll-Out aus großer Distanz. Auch das erfolgreiche Andocken von Nauka im russischen Webcast – und im Kontrollzentrum erlebt. Gegen 17:15 MESZ werden die Luken geöffnet. Oh, und in China ist heute auch schon wieder was gestartet … [16:15 MESZ. NACHTRAG: Artikel dazu hier und hier] Angeblich wurde TORU doch nicht benutzt, und KURS flog das ganze Andock-Manöver. Auch weitere Fotos hier und hier und ein Video-Clip vom Starliner-Rollout, wozu gerade die NASA-PK begonnen hat, plus ein Artikel zum Elektron-Start. [16:35 MESZ]

Die Elektron-Rakete fliegt wieder: Nachdem der letzte Start in Neuseeland gescheitert war, hat es heute Abend (Ortszeit) geklappt, mit einem militärischen Tech-Demonstrator an Bord – der Webcast, ein Foto, ein a Statement zur Wiederverwendbarkeit und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie hier zu den Zuständen in der Firma. [13:45 MESZ. NACHTRAG: noch ein Artikel] Zu anderen Events heute zählen der verspätete Roll-Out der Atlas 5 mit dem Starliner (gefolgt von zwei PKs) – und natürlich die Ankunft von Nauka an der ISS, wo man das Modul offenbar schon sieht: eine russische Live-Sendung ab 14:40 MESZ, der weitere Zeitplan, die Notwendigkeit weiterer Manöver vor dem jetzt für 15:30 MESZ geplanten Andocken und ein aktuelles Amateur-Bild der ISS. [14:15 MESZ] Ein NASA-Webcast läuft bereits. [14:30 MESZ] Ein paar Info-Tafeln daraus, wo jetzt die ISS aus der Sicht von Nauka zu sehen ist, noch 9 km entfernt und mit 7 m/s näher kommend. [14:45 MESZ] Zwei Bilder von KURS – und der Anflug läuft nicht ganz rund … [15:00 MESZ]

Eins der letzten Videobilder, die für eine Weile von Nauka kamen (gerade ist das Bild wieder da, Abstand noch 215 Meter) – die Crew hat Probleme mit Tests mit TORU, das für den Fall einer Störung von KURS benötigt würde. [15:10 MESZ] Ein erstes Videobild von Nauka selbst von der ISS aus. [15:15 MESZ] Nauka ist Go für den Anflug und das Docken, die Dinge laufen jetzt „fairly close“ zum Plan, sagt der NASA-Kommentar. Abstand 100 Meter, KURS funktioniert, Annäherung mit 50 cm/s. [15:20 MESZ]


28. Juli

Naukas Periode wird immer länger – und Bahn kreisförmiger

Das gestrige Bahnmanöver des künftigen ISS-Moduls hat dessen Apogäum gleich gelassen (406 km) aber das Perigäum um 25 km angehoben (auf 359 km): Dadurch sind die Bahn weniger exzentrisch geworden (obere Kurve) und große Halbachse weiter gewachsen und damit auch die Periode (untere Kurve), die der der ISS wieder näher kam. Daher hat sich das Modul am Abend bei Radiomessungen gegenüber einer Weiterrechnung mit der vorigen Bahn um exakt eine Minute verspätet – während inzwischen auf der ISS die Arbeit weiter geht. [0:35 MESZ] Der neue Orbit bringt Nauka bereits nahe an die ISS heran, und zwar gegen 11:30 MESZ am 29. Juli, aber weitere Zirkularisierung wird die Annäherung sanfter machen. [2:45 MESZ]

Ein Roskosmos-Musikvideo zum Abschied von Pirs. Inzwischen ist auch die Angleichung der Bahnebenen von Nauka und ISS weitgehend erfolgt, und heute sind wohl nur kleine Korrekturen geplant – während es morgen angeblich knapp mit dem Sprit beim Andocken werden könnte. Auch eine Strichspur Naukas neben der Nova Cas 2021, die gerade schon wieder hell geworden ist – und eine Absturz-Prognose für die Proton-Oberstufe um den 8. August. [13:55 MESZ] Um 15:43 MESZ hat das letzte Bahnmanöver Naukas stattgefunden, mehr sind nicht geplant. Und Maurer freut sich auf den neuen Robotarm an Bord. [16:35 MESZ] Wegen eines Internet-Problems (!) ist derweil der Roll-Out der Atlas mit dem Starliner auf den 29.7. ab 14:00 MESZ gerutscht – es soll aber beim Start am 30.7. um 20:53 MESZ bleiben, wenn indes das Wetter schwierig ist. Und der Launch Abort Tower sitzt auf der Orion für den Flug Artemis I mit dem SLS. [23:55 MESZ. NACHTRAG: Das letzte Bahnmanöver von Nauka hat sich bei Radiobeobachtungen durch eine ‚Verspätung‘ um 22 Sekunden gegenüber der alten Bahn bemerkbar gemacht]


27. Juli

Das feurige Ende von Pirs und Progress MS-16 von der ISS aus fotografiert: diesmal wirklich, aus diesem Astronauten-Album – ein von Roskosmos verbreitetes Bild war zehn Jahre alt gewesen. Auch die aktuelle Bahn von Chinas Raumstation, ein detaillierte Animation des vorletzten Fluges von Ingenuity, Chinas nächster Relais-Satellit für den Mond zur Unterstützung von Pol-Landungen – und anhaltendes Palaver um Weltraum-Tourismus hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:00 MESZ]

Nur 40% Chancen für passendes Wetter für den nächsten Testflug des Starliner in drei Tagen vom Cape aus sieht die aktuelle Wetterprognose [NACHTRAG: Heute gibt’s eine PK um 19:00 MESZ … NACHTRAG 2: … wo zu erfahren war, dass die nächsten Start-Möglichkeiten nach dem 29.7. der 3. und 4.8. wären – dazwischen stehen die Startanlagen nicht zur Verfügung. Warum? „Classified …“]. Derweil hat Blue Origin einen offenen Brief an den NASA-Chef in Sachen Mondlander-Auftrag geschrieben und bietet 2 Mrd.$ extra: eine Reaktion und Artikel hier, hier, hier und hier. [0:35 MESZ]

Das Kreuz oben rechts ist das Ziel für Nauka, dessen Bahnanhebung heute fortgesetzt werden soll [NACHTRÄGE: ein weiteres Diagramm der Orbits, danach hat es heute wie geplant eine weitere Bahnkorrektur gegeben, um 16:33 MESZ, Details dazu wieder mal keine]: Nachdem bei der Inspektion von Pirs‘ alten Dock-Stutzen keine Fremdkörper entdeckt worden waren, hat das Modul die Freigabe zum Andocken bekommen – während seine Proton-Oberstufe wohl zwischen dem 4. und 8. August abstürzen wird. Auch ein netter Flare von Nauka gestern und ein paar Details mehr über seine Probleme; zum Übersetzen z.B. dieses Tool benutzen. [15:25 MESZ]


26. Juli

Die Abreise von Pirs und Progress MS-16 von der ISS aus fotografiert, unten mit Soyuz MS-18 im Vordergrund – lezztere war am 9. April angekommen und zur Erinnerung an des 60. Jahrestag von dessen Flug mit „Ю. А. Гагарин“ beschriftet worden. [15:15 MESZ] Ein an Bord gedrehtes Video des Abdockens, um 14:39 MESZ eine Strichspur von Pirs & Progress MS-16 – und dessen finaler Burn wurde erfolgreich beendet: до свидания, пирс! [16:30 MESZ] Jetzt müsste was ggf. übrig blieb, bereits in den Pazifik gestürzt sein … ein Foto mit Strichspuren von ISS und Pirs/Progress. [16:55 MESZ] Nachrufe von Roskosmos (früher) und Energia und weitere Artikel hier und hier. [18:00 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier und hier] Der freie Dockstutzen wird nun per Robotarm inspiziert. [21:10 MESZ. NACHTRAG: sieht sauber aus]

In einer halben Stunde ist das ISS-Modul Pirs Geschichte

Denn zusammen mit dem oben angedockten Transporter Progress MS-16 wird das vor fast genau 20 Jahren installierte weiße Modul alias Docking Compartment 1 von der ISS abgekoppelt, der es Stunden später im Pazifik versenken soll: letzte Vorbereitungen und Artikel hier und hier. [12:25 MESZ] Im NASA-TV hat eine Live-Sendung begonnen – auch eine Karte der letzten Orbits von Pirs und die Entwickung der großen Halbachse der Bahn von Nauka. [12:30 MESZ]

Gut beleuchtetes Live-Bild vom Progress, mit einem Teil von Pirs unten. [12:40 MESZ] Weitere Live-Bilder hier und hier – und eine aktualisierte Bahnhöhen-Grafik von Nauka, mit Daten bis heute: Wie angekündigt seit dem 24. Juli keine Manöver mehr. [12:50 MESZ] Das Kommando zum Abkoppeln wurde gegeben. [12:55 MESZ]

Und die beiden haben die ISS verlassen, bereits um 12:55 MESZ, über China – und der erste kurze Separation Burn hat auch gerade geklappt, für ein feuriges Ende in drei Stunden. [13:00 MESZ] Die Ankunft von Nauka wird jetzt für 15:24 MESZ am 29. Juli angekündigt, mit NASA TV wieder auf Sendung ab 14:30 MESZ – für heute ist aber Schluss mit live. [13:15 MESZ] Da entschwand Pirs in den Sonnenuntergang – Video-Clips der Abreise hier, hier und hier, weitere Screenshots hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein Artikel. [13:30 MESZ] Ein paar suboptimal beleuchtete Fotos von Pirs‘ Abreise – auch die Orientierung der ISS dabei und was nach Naukas Ankunft passieren soll. [14:25 MESZ]

Allgemeines Live-Blog vom 21. bis 25. Juli 2021

20. Juli 2021

25. Juli

GLOSTAR: die Radio-Milchstraße auf allen räumlichen Skalen

bis 1.5 Bogensekunden hinab, kartiert mit dem Very Large Array, dem als Interferometer aber die großräumigen Strukturen entgehen (Kartenausschnitt in der Mitte), und dem Radioteleskop Effelsberg – insbesondere sind dabei noch mehr Supernova-Überreste und Sternentstehungsgebiete aufgespürt worden. Oben und unten Details aus der kombinierten Karte, mehrere Papers sind in diesem indischen Press Release verlinkt, und weitere Releases gibt es hier und hier – auch neue Bauarbeiten am Big Bear Solar Observatory in Kalifornien, das Hubble-Auflösung anstrebende Superpressure Balloon-borne Imaging Telescope (SuperBIT, auch ein Videoclip und Artikel hier und hier), das Projekt eines deutschen Astrophysik-Zentrums unter den sechs Finalisten, was aus einer Sternwarte im Iran werden mag, ein Vortrag von Jill Tarter zum Status von SETI, ein „Metalhenge“ in Bremerhaven – und der Kosmologe Steven Weinberg ist gestorben: Erinnerungen hier, hier, hier und hier, ein Weinberg-Vortrag von 2016 und Artikel hier, hier, hier und hier. [23:25 MESZ – Ende]

Ein unerwartetes Bild der ISS … gestern von einem russischen Mikrosatelliten aufgenommen: Die Kamera auf Uni-Satelliten Aist 2D beobachtet eigentlich die Erde mit 1.5 Meter Auflösung. Und Roskosmos hat soeben beschlossen, dass Pirs am Montag um 12:56 MESZ abgekoppelt und um 16:51 MESZ versenkt werden soll. Auch gibt es endlich Infos zur Bahn von Nauka jetzt: 334 x 406 km, Periode 91.95 Minuten. [17:45 MESZ]

Der große Sprung nach oben, den Nauka durch die beiden Zündungen des Haupttriebwerks gestern gemacht hat, in der gewohnten grafischen Darstellung von Jonathan McDowell: Zur ISS auf ihrer Bahn mit derzeit 419 x 421 km Höhe ist es nun nicht mehr so weit, und der ursprüngliche Zeitplan mit Andocken am 29. Juli und OFT-2-Liftoff am 30. Juli könnte zu halten sein. [18:10 MESZ] Eine Weltraum-Vorschau für die kommende Woche, in der einiges passieren soll – und die die Rolle von Amateurastronomen und -funkern bei der Aufklärung der Vorgänge zum Nauka betont. [21:35 MESZ]

C/2021 O1 (Nishimura) – neuer Amateur-Komet, blöde Bahn

Der am 21. Juli von Hideo Nishimura mit einer DSLR und 200-mm-Teleobjektiv in Japan entdeckte neue Komet hat gemäß einer Bahnbestimmung aus einem 3-Tages-Bogen eine sehr ungünstige Bahn am Himmel [NACHTRAG: ein CBET dazu], wie sich schon vorher angedeutet hatte: Die Gesamthelligkeit des Kometen liegt bei 9. Größe und könnte bis zum 0.8-a.u.-Perihel am 12. August noch etwas steigen, doch wegen geringer Elongation um 25 bis 20 Grad macht er nicht viel her am Himmel. Auch die anderen neuen Kometen C/2021 N3 (PANSTARRS) und P/2021 N2 (Fuls), eine Feuerkugel heute früh über Norwegen (visuelle Meldungen und Artikel hier und hier [NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie Videoclips hier, hier und hier und eine Seite mit Analysen vom Norsk Meteornettverk]), Saturn am 21. Juli, Jupiter gestern (mehr) und am 20. Juli und 18. Juli, NLC der Nacht 23./24. Juli hier, hier, hier und hier – und der Zusammenhang von Klimawandel und Flut: auch bedenkliche Desinformation und ein Paper bereits von 2002 dazu. [17:00 MESZ]

Ein Hubble-Bild einer kuriosen Gravitationslinse, bei der der Galaxienhaufen MACSJ0138.0-2155 den fernen MRG-M0138 abbildet, deren Galaxien bereits das Gas ausgegangen ist – verwendet wurden WFC3 und ACS von 390 nm bis 1.6 µm. Auch das ESA-Zentrum ESTEC aus der Luft, die ersten Navigational Warnings für den Testflug OFT-2 des Starliner (auch Artikel hier, hier und hier) – und große Erwartungen der Wissenschaft and Chinas Raumstation.

Ein Video zum ersten Jahrestag des Starts von Tianwen-1 mit vorher unbekannten Bildern Zhurongs – auch die Inbetriebnahme des Gesteins-Bohrers von Perseverance, der zehnte Flug von Ingenuity mit neuen Rekorden und ersten Bildern (auch ein Artikel) – und Rohbilder vom 35. Perijovium von Juno. [15:55 MESZ]


24. Juli

Nauka steigt langsam weiter / Pirs bereitet Abreise vor

Die neue Grafik der Bahnhöhen (Höhe in km vs. UTC-Daten) zeigt rechts den Effekt des Bahnmanövers gestern Abend, das das Perigäum um 14 und das Apogäum um 7 km angehoben hat – und offenbar genug Zuversicht im ISS-Management zur Folge hatte, dass soeben die Luke von Pirs geschlossen wurde und es beim morgigen Abkoppeln bleiben dürfte. Für heute hat Roskosmos jedenfalls weitere Bahnmanöver angekündigt, während ein Update der NASA zur ISS nichts zum Status Naukas zu sagen weiß. Derweil sinkt die Proton-Oberstufe weiter und könnte schon in einer Woche abstürzen – und hier nochmal Strichspuren aller drei über Europa gestern Abend und ein Artikel über einen der Nauka-Teleskop-Fotografen. [14:55 MESZ] Roskosmos meldet zwei erfolgte Manöver heute, ohne Dauer oder Effekt zu beziffern aber mit dem Haupttriebwerk, und kündigt die nächsten Bahnanhebungen für den 27. Juli an. [18:45 MESZ]

Die drei Beteiligten des orbitalen Dramas in Aktion, gefilmt mit hoher Vergrößerung – auch weitere Nauka-Ansichten eines anderen Amateurs. [20:10 MESZ] Das Abdocken von Pirs ist um einen weiteren Tag verschoben worden, auf den 26. Juli. Außerdem wurde der ISS-Crew erzählt, dass die heutigen Manöver mit Nauka erfolgreich waren, man aber noch Tests mit dem Andock-System KURS machen müsse. [22:15 MESZ] Nauka wird endlich auch von Heavens Above erfasst, allerdings ist der gerade verwendete Orbit veraltet. Und die mysteriösen Begleiter der Oberstufe haben keine Code-Nummern bekommen. [23:00 MESZ. NACHTRAG: Doppler-Beobachtungen zeigen eine weitere Orbit-Anhebung durch die heutigen Manöver, vielleicht auf 334 x 409 km. Und das Docking-System KURS wurde erfolgreich getestet, heißt es, während der Druck weiter sinkt in der Verbindung Pirs-ISS]


23. Juli

Was InSights Seismometer über den inneren Aufbau des Mars verrät, insbesondere dass der Kern eher groß und weniger dicht und die Kruste dünner als vorher vermutet sind, wird gerade in dieser Show diskutiert – auch Press Releases hier, hier, hier, hier und hier, Pressemitteilungen hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Sowie Ergebnisse vom Mars Express zur Atmosphären-Chemie und Bezüge zur Erde, vom Trace Gas Orbiter zur Gasen in der Atmosphäre und von mehreren Orbitern zu einem großen Staubsturm 2018 plus ein faszinierendes Bild von Curiosity, der ersten Jahrestag des Starts von Tianwen 1 mit neuen Bildern, Ingenuity vor dem zehnten Flug – und wie der ExoMars-Rover als Meteoriten-Sucher benutzt werden kann. [18:30 MESZ] Der hier (ganz unten) erwähnte Stuttgarter Meteor-Beobachter-CubeSat hat die Critical Design Review bestanden – und der Europa-Clipper startet mit einer Falcon Heavy im Oktober 2024, hat die NASA entschieden. [22:35 MESZ] Die drei Gründe für den Abschied vom SLS als Träger. [23:15 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel hier, hier und hier]

So ging es mit Nauka nach dem ersten Manöver aufwärts

Das Perigäum und v.a. das Apogäum des Moduls (gelb; Zeit in UTC, Höhe in km) auf dem Weg zur ISS sind nach dem ersten – wegen nach wie vor nicht offiziell eingestandener Probleme verspäteten – ersten Bahnmanöver spürbar auf nach letzten Messungen 224 x 347 km angestiegen: Bei einem Europa-Überflug gestern Abend kam Nauka wie erhofft „zu spät“ gegenüber einer Berechnung vor dem Manöver und bewegte sich bereits langsamer als die Proton-Oberstufe, die langsam ihrem feurigen Ende entgegen sinkt. Auch von diesem Nauka-Pass gibt es ein Video und Einzelbilder (und ein neu gestacktes Bild vom Abend davor) – und detailreiche Bilder der ISS hier und hier, zu der es noch weit ist. [1:30 MESZ] Oh wow, die NASA hat was mitbekommen … [3:25 MESZ] … während Rogozin gucken kam – aber zum Status Naukas gibt’s nur einen kryptischen Satz und die Lage bleibt wohl kritisch … [13:15 MESZ] … was in diesem Artikel aus Brasilien näher ausgeführt wird: Ein Erreichen der ISS ist keineswegs sicher. [17:25 MESZ. NACHTRAG: Ein Manöver mit den Haupttriebwerken soll am Abend versucht werden; schon vorher war Nauka etwas höher geklettert, wie das aktualisierte Diagramm zeigt. NACHTRAG 2: Bei einem Europa-Überflug in der Nacht kam Nauka 1½ Minuten ‚zu spät‘ gegenüber einer Berechnung vom Abend: Das neue Manöver hat also die Bahnhöhe des Moduls weiter angehoben. Aber das Abdocken von Pirs ist nun auf den 25.7. verschoben worden]

Das James Webb Space Telescope ist nahezu Ariane-gerecht zusammengefaltet und kann nach einigen letzten Tests bald für den Transport nach Französisch-Guyana vorbereitet werden. Auch der erhoffte Exoplaneten-Satellit Pandora, eine neue Kontroll-Technik am Satelliten Eu:CROPIS erprobt, die erste Fallschirm-Landung einer chinesischen Nutzlast-Verkleidung, wie die US-Raumfahrt 10 Jahre nach dem Shuttle weiter ging, grünes Licht für den Starliner am 30. Juli und eine Telecon gerade dazu – und eine Analyse von Virgin Galactic von Ende 2020, die eine krasse Sackgasse sieht, sowie weiter Palaver über (v.a. suborbitalen) Weltraum-Tourismus und seine Akteure hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:15 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Die Laser-Kanone von Ottobeuren in Betrieb: Die hier erwähnten Tests („mysteriöse LaserExperimente …“) eines Systems zur Erzeugung künstlicher Sterne an der dortigen Volkssternwarte im Auftrag der ESO haben begonnen. Auch die ersten Remote-Beobachtungen von Sternbedeckungen auf dem Plateau du Calern, der NEID-Spektrograph am WIYN im Einsatz auf dem Kitt Peak, die aktuellen Kometen C/2020 F5 (MASTER) und 7P/Pons-Winnecke, der aktive Asteroid 2005 QN173 von Schülern beobachtet und sein Schweif mit 30 cm Öffnung und größerem Gerät, in Hawaii verärgerte Astronomen wegen Unfugs mit ‚Oumuamua – und der Saturn vorgestern (mehr und mehr) und am 20. Juli und der Jupiter gestern, vorgestern (auch die Rohdaten) und am 19. Juli. [1:00 MESZ]


22. Juli

Heute vor 70 Jahren flogen erstmals Säugetiere ins All und kehrten lebend zurück – nämlich diese beiden Hunde Дезик und Цыган (Dezik und Tsygan), die die Sowjetunion bei einem Suborbitalflug mit einer R1-Rakete am 22. Juli 1951 bis in 101 km Höhe beförderte. Und die danach so sanft per Fallschirm zurückkehrten, dass sie bellend und mit den Schwänzen wedelnd aus der Kapsel geborgen werden konnten: bis auf letzteres Detail praktisch dasselbe, was vorgestern beim Flug 16 des New Shepard geschah, inklusive der 4 Minuten Schwerelosigkeit. Das Abenteuer dieser beiden Helden der tierischen Raumfahrt wird ausführlich auf ihrer russischen Wikipedia-Seite und in diesem alten NASA-Buch auf Seite 95 (PDF-Seite 113) sowie kurz hier beschrieben. [3:15 MESZ]

Zum problematischen Zustand von Nauka gibt es knapp einen Tag nach dem Start weiterhin keinerlei offizielle Informationen von Roskosmos, NASA oder ESA (wo man eine Reifenpanne in Baikonur hingegen für berichtenswert hält). Aus diversen Leaks in Social Media und diesem Artikel ergibt sich jedenfalls, dass (vor allem) Naukas Haupttriebwerke nicht funktionieren, die aber essentiell sind, um die Bahn an die der ISS anzupassen – und in etwa zwei Tagen könnten auch die Bahnebenen beider zu weit auseinander gedriftet sein. Als Konsequenz der Krise wurde das Abdocken des Pirs-Moduls von der ISS bereits um einen Tag auf den 24.7. verschoben. Auch eine Beobachtung von Lichtschwankungen und ein scharfes Bild der Proton-Oberstufe, Strichspuren aller drei von gestern und Nauka-Artikel hier, hier und hier und in Unkenntnis der Probleme hier, hier, hier, hier und hier. [14:45 MESZ] Laut Roskosmos besteht immerhin Funkkontakt. Und es soll wohl heute Abend mit Ersatztriebwerken die erste Bahnanhebung Naukas versucht werden. [18:25 MESZ] Radio-Echos deuten an, dass die Bahn jetzt etwas höher ist – auch die Europa-Prognose für heute und wie es gestern aussah. [20:50 MESZ] Roskosmos bestätigt zwei Triebwerkszündungen, eine zum Testen und eine zum Bahnändern: Beide seien gut verlaufen – und es bleibt beim Abdocken von Pirs am (neuen Datum) 24. Juli. [21:20 MESZ] Die Details der beiden Burns und die Bahn-Parameter danach: 230 x 365 km, Periode 90.2 Minuten. Morgen ist der nächste. [22:35 MESZ]


21. Juli

So weit sind Perseverance und Ingenuity schon gekommen

Auf einer Pressekonferenz werden gerade die Fortschritte mit der Mission Mars 2020 erläutert: Die Grafik zeigt die bisherige Fahrtstrecke des Rovers und den Standort des Helikopters nach dessen neuntem Flug, der mit 2 Minuten und 46 Sekunden Dauer und 625 Metern mit 5 m/s zurückgelegter Strecke Rekorde aufstellte. Flug Nr. 10 ist frühestens am 24. Juli und soll in ein Gebiet namens „raised ridges“ führen, wo auch das Einsammeln einer Probe erwogen wird. Der Mechanismus ist bereits mit einem der 5 Witness-Container (ohne explizit eingebrachte Bodenprobe) getestet worden, und die erste Probenentnahme sollte in den ersten Augustwochen möglich sein.

Ein Blick des „Teleskops“ – des SuperCam RMI – auf dem Rover auf sehr feinkörniges Gestein in der Ferne, wohl eine der ältesten Schichten im Jezero-Krater überhaupt: Das könnte versteinerter Schlamm vom Boden des dort einst immer wieder mal vorhandenen Sees sein … und ein guter Platz, um nach Biosignaturen aus ferner Vergangenheit des Planeten zu suchen.

Und ein WATSON-Bild eines der hellen Steine im Landegebiet, deren Natur – vulkanisch oder Sedimente – immer noch nicht klar ist, weil ihre Oberfläche durch Staub und anderen Belag nicht klar zu sehen ist. Bei einem wird daher bald zum ersten Mal das Abrasion Tool eingesetzt, das sich einen Zentimeter in den Stein hinein fräsen und dann noch kräftig blasen wird. Ansonsten noch erwähnenswert: Percy fährt immer autonomer – und das MOXIE-Experiment ist bisher dreimal gelaufen und hat jeweils 6 Gramm Sauerstoff erzeugen können. [19:25 MESZ]

Ein Press Release zur langwierigen Prozedur der ersten Entnahme einer Gesteins-Probe [alt.] im Bereich rechts hinten in der hier gezeigten Gegend, mit dem Zielgebiet hier und hier genauer umrissen. [19:50 MESZ. NACHTRAG: Artikel dazu hier, hier, hier, hier und hier] Die berühmten DSCOVR-Bilder der Antumbra vom 10. Juni (scroll down) sind heute Gegenstand eines NASA-Features mit einem Video auch früherer SoFis – und aktuell gibt’s Satelliten-Daten zu den Überschwemmungen in Europa, dem Rauch über den USA und dem Impaktkrater Siljan in Schweden.

Ein nettes Video über die schwierige Fern-Reparatur von Hubble (mehr, mehr und mehr), die auch die Leute dahinter zeigt, eine Verschiebung des Ariane-Starts um 3 Tage auf den 30. Juli, die Betankung der Nutzlast Quantum, die weitere Evolution der Vega-Rakete – und der nächste Start einer Electron naht in Neuseeland, nachdem der letzte Fehlstart aufgeklärt zu sein scheint. [22:45 MESZ]

Da wartet die Proton mit dem ISS-Modul Nauka auf ihren Start heute um 16:58 MESZ, dem ein Überflug über Europa am Abend folgen sollte: Die Betankung läuft, um 15:30 Uhr beginnt hier ein russischer Webcast, und später senden auch NASA und ESA, es gibt Updates und Artikel hier und hier. Bereits erfolgt ist heute das Umdocken des Crew Dragon, um Platz für den Starliner zu machen: der komplette Vorgang, ein Video-Clip und Artikel hier und hier. Und schöne aktuelle Amateurbilder der ISS hier und hier. [15:05 MESZ] Der NASA-Webcast läuft, z.B. hier – daraus diese Tafel mit dem Zweck des Moduls. [16:35 MESZ] Ein Live-Blick auf die abendliche Proton, natürlich frei stehend. [16:55 MESZ]

Der pünktliche Start aus dem russischen Webcast – beide hatten verschiedene Bilder (und der amerikanische war 30 Sekunden langsamer), aber beiden fehlten auch ordentliche Teleobjektive: Die Trennung von erster und zweiter Stufe war in beiden Feeds im wesentlichen ein Auseinanderdriften zweier Lichtpunkte. [17:05 MESZ] Und Nauka ist ausgesetzt: Jetzt dauert’s 8 Tage bis zum automatischen Andocken am 29.7. gegen 15:25 MESZ. Und zwar dort, wo bislang Pirs sitzt: Nach dessen Abdocken wird der Stutzen mit dem Canadarm2 auf Fremdkörper untersucht – im (unwahrscheinlichen) Notfall könnte es zwei Tage vor Naukas Ankunft noch eine Sonder-EVA zum Putzen geben. [17:10 MESZ]

Ein Foto aus einem Roskosmos Release – auch ESA Releases im Deutsch ohne und Englisch mit Bildern, eine NASA-Notiz, der Start in der NASA-Version und Artikel hier und hier. [18:15 MESZ. NACHTRAG: Es gibt Berichte über technische Störungen am Modul, insbesondere relevanten Antennen, dessen aktuelle Bahn um um halb Zehn über Mitteleuropa und kurz nach Elf erneut führen wird, dann vor dunklem Himmel. NACHTRAG 2: Was den Blick auf einen spektakuläreren Dreifach-Überflug von der Reihe nach der ISS, der Proton-Oberstufe (von mehreren weiteren schwächeren Objekten begleitet, wie dieses Video zeigt) und Nauka erlaubte, mit den letzteren beiden viel schneller unterwegs als die ISS auf 420 km. Nauka überholt letztere jetzt rasch – und musste die erste Anhebung seiner Bahn verschieben, wobei es zu seinem Zustand weiter keine verlässlichen Angaben gibt. Im Detail aufgenommen hier und hier sieht das Modul jedenfalls gut aus, es gibt auch aufgelöstes Bildmaterial der Oberstufe hier und hier – und die obige PM wurde um etliche bessere Startfotos ergänzt]

Sternbedeckung im Iran: Plutos Atmosphäre auch 2020 dicht

Mit wachsendem Sonnenabstand friert die dünne Atmosphäre des Zwergplaneten nicht etwa aus, wie früher vermutet wurde: Sie ist im Gegenteil in den letzten Jahrzehnten immer dichter geworden. Dieses Diagramm zeigt den Druck bei 1215 km Radius in µbar – und der rote Datenpunkt stammt von einer Sternbedeckung, die am 6. Juni 2020 im Iran beobachtet und vorgestern auf der virtuellen IOTA-Tagung vom Beobachter [NACHTRAG: und auch in diesem Paper] vorgetellt wurde. Offenbar wird die Quellregion des Stickstoffs immer besser beleuchtet, so dass dies die insgesamt geringere Sonneneinstrahlung mehr als wett macht. Auch zahlreiche Videos rund um Sternbedeckungen, aktuelle Bilder von Mars, Saturn, Jupiter (der letztens auf einer Titelseite in Schottland landete, wo er eine Polizistin erschreckt hatte) und Merkur, die Mondknoten-Präzession als Co-Faktor bei Überflutungs-Stärken (auch ein NASA Release, ein Thread und Artikel hier und hier), die Sonne vor 3 Tagen, die Nova Her 2021 von NICER gesehen und ein Bild der SN 2021rhu in NGC 7814.

Großflächige Leuchtende Nachtwolken am Morgen des 20. Juli, aufgenommen von einer russischen Webcam über 22 Minuten hinweg: auch Bilder aus den Nächten 20./21. Juli (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 18./19. Juli (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), 17./18. Juli und 16./17. Juli (mehr und mehr). Ferner sehenswerte Himmelsereignisse 2021 bis 2040

… und die fliegende Sternwarte SOFIA ist auf Tahiti gelandet, von wo aus nun acht Wochen lang der Südhimmel aber auch die Hochtatmosphäre der Erde beobachtet werden soll: Eigentlich gehen diese regelmäßigen Süd-Ausflüge immer nach Neuseeland, doch wegen der Pandemie geht das jetzt nicht. [1:30 MEZ. NACHTRÄGE: mehr NLC von vergangener Nacht hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und wie Unkenntnis des Phänomens NLC zufällige Beobachter ziemlich beunruhigen kann …]