Allgemeines Live-Blog vom 23.-25. Februar 2015

23. Februar 2015

25. Februar

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Ferne Welten von (moderat) nah: Ceres am 19. Februar aus 46’000 und C-G am 20. Februar aus 118.5 km Abstand von Dawn und Rosetta aufgenommen. Die beiden neuen Ceres-Aufnahmen enstanden in 9 Stunden Abstand, genau einer halben Rotation – und immer noch werden die zwei mysteriösen weißen Flecken von der Kamera nicht aufgelöst: Sie liegen im selben Becken, was für eine Art vulkanisches Phänomen sprechen könnte. Auch die Vielfalt der Impaktkrater- und der anderen Geländeformen wird immer deutlicher; am 2. März gibt es eine NASA-PK anlässlich der ‘Ankunft, d.h. dem Eintritt am 6.3. in eine erste, ferne Umlaufbahn. Der Kern von Komet C-G erscheint derweil auf der neuen NavCam-Aufnahme – eine von zwei Tagen früher – auch in Silhouette vor der Koma: frühere Artikel zu Missionsergebnissen in mehreren Sprachen hier, hier, hier, hier und hier. Außerdem ein neues ‘Selfie’ von Curiosity (mehr), was Opportunity sieht, ein möglicher NASA-Orbiter 2022, die ‘neue Kepler-Misison und eine kommende Erd-‘Beobachtung’ mit dem Satelliten, die Entfaltung von SMAPs Riesen-Antenne ([NACHTRAG: mehr und] mehr), der Satellit Sentinel 2, neue russische ISS-Pläne bis 2024 (mit anschließender Abkopplung einiger Module; mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr Links – und was der kommende ESA-Chef davon hält), die neueste ISS-EVA in vollem Gange, wie Gerst träumte, noch Wochen lang kein Antares-Untersuchungsbericht, die Rückreise des IXV (mehr und mehr), eine Testfahrt der KSC-Crawler, die bereits 50 Jahre alt sind (mehr und mehr) – und ein Triebwerkstest des SLS. [16:45 MEZ]

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Verspätet ist noch ein drittes Ceres-Bild aus 46’000 km Abstand aufgetaucht, das die bereits diskutierten zwei besonders hellen Flecken in demselben Becken endlich auch mal zeigt; auch Artikel hier und hier. Derweil ist die EVA vorbei – und ein einem Helm war wieder Wasser, aber nicht viel; die Quelle ist unklar. [21:55 MEZ]

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So geht es in den nächsten Wochen weiter mit der Ceres-Beobachtung (langer Artikel hinter der Grafik): Die obigen Bilder stammten von der Kartierung “RC2″. Weitere Dawn-Artikel hier, hier und hier und zum EVA-Zwischenfall ein NASA-Blog-Beitrag und ein Artikel. [23:55 MEZ – Ende. NACHTRAG: was die Ceres-Details bedeuten mögen]


24. Februar

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SOHO-Komet gewinnt an Elongation – aber unter 7. Größe?

Am 21. Februar sah sie für LASCO C3 ja noch ganz nett aus, dann verließ die ungewöhnliche Entdeckung des Sonnen-Satelliten (“SOHO-Komet übersteht extrem nahes Perihel”) das Gesichtsfeld auch dieses SOHO-Koronographen – und ward seither nicht mehr gesehen. Seit ein paar Stunden gibt es zwar die ersten vagen Bahnrechnungen für den nun C/2015 D1 (SOHO) getauften Kometen, doch ein erster irdischer Nachweis-Versuch schlug fehl: Noch tief in der Dämmerung stehend, kann der Komet schon nicht mehr heller als 7.5 Mag. gewesen sein, im Einklang mit schwachen Erwartungen nach dem Stress im Perihel. Aber jeden Tag wird die Suche nach seinen Überresten nun einfacher, die Elongation nimmt schnell zu: ein NASA Release und Artikel (mit Aufsuchkarten unter Vorbehalt) hier und hier. Auch Lovejoy am 23. Februar, 22. Februar, 21. Februar, 20.+19. Februar, 19. Februar sowie zufällig mit der Dark Energy Camera an einem 4-m-Teleskop aufgenommen, ein dramatischer chinesischer Raketen-Reentry über den USA (ein Video, Bilder hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier und hier], visuelle Beschreibungen und Artikel hier, hier und hier), ein jovianisches Mutual Event vom 20. Februar, die SoFi am 20.3. als FB-Event und Mitteilungen der Stromversorger zur Netz-Stabilität dabei hier (mehr) und hier, geschenkte Fulldome-Video-Clips von Hubble, eine neue Webseite zum und der erste Spatenstich für das ESO-Besucherzentrum, das 2017 öffnen soll – und ein visueller Extrem-Beobachter berichtet. [23:50 MEZ. NACHTRAG: Erst konnte für den Kometen am Himmel nur eine Obergrenze von 9.5 mag. konstatiert werden, jetzt gibt es einen vagen Kandidaten am richtigen Ort als sehr schwache längliche Wolke; auch die kuriose Lichtkurve des Kometen noch im LASCO-Feld]


23. Februar

Panta rhei — motion in the Milky Way

Der ferne Kugelsternhaufen Palomar 12, der aus dem Sagittarius-Zwerg entlaufen ist, auf einer Aufnahme der Hubble-ACS. Auch eine ISS-EVA (mehr, früher und mehr Links), der Teilerfolg der ATV-Selbstbeobachtung während des Reentry), die Ankunft eines Progress (mehr und mehr und mehr Links und Bilder), zumindest früher Waffen in der Soyuz (gegen Bären, nicht Aliens), eine mögliche Erklärung des Antares-Unfalls und die Wiederaufnahme der Cygnus-Flüge 2016, was beim Orion-Testflug heraus kam (mehr), ein Schul-Auftritt von Bolden, der NASA-Budget-Prozess, ein angebliches iranisches bemanntes Programm (was dieser Darstellung eklatant widersprechen würde) – und der mögliche Anfang von Ende des bizarren “Mars One”-Projekts, über das sich jetzt, so hier, hier, hier, hier und hier kritische Darstellungen häufen, auch wenn unter den ‘letzten’ 100 Kandidaten auch ein echter Astronom ist, der indes möglicherweise Rote Riesen und den Roten Planeten verwechselt hat … [14:05 MEZ] Hui, das ging ja schnell: Endemol hat keine Lust mehr auf eine Weltraum-‘Big Brother’-Show! [22:05 MEZ. NACHTRÄGE: Das Ende mit Endemol ist bestätigt – und ein Mars-One-‘Ambassador’ hat auch schwere Zweifel bekommen. Und hier, hier, hier und (von etwas früher) hier mehr zur Lage] Und überhaupt sind ja alle bemannten Mars-Pläne unrealistisch, nicht nur von Mars One sondern auch vage der NASA: aua. Zum Trost Fotos von der EVA … [23:35 MEZ. NACHTRAG: Buzz Aldrin glaubt aber zu wissen, wie man zum Mars kommt]

Das Schwarze Loch von ‘Interstellar': was wirklich neu war

Gerade einmal einen Oscar hat der umstrittene SciFi-Film ‘Interstellar’ vergangene Nacht abstauben können: für seine Visual Effects, die zwar bzgl. der Exoplaneten überhaupt nicht überzeugen konnten – aber da war ja noch das Schwarze Loch ‘Gargantua’. Über dessen Visualisierung ist beim Filmstart eine Menge Blödsinn geschrieben worden, nämlich dass während der Arbeit daran sensationelle neue physikalische Effekte entdeckt worden seien: Dass das nicht stimmt, wurde schon am Ende des oben verlinkten Artikels klar gestellt. Jetzt haben die Visual-Effekts-Leute und der sie maßgeblich beratende Physiker ein umfangreiches wissenschaftliches Paper über die Mathematik und Überlegungen hinter Gargantuas Darstellung vorgelegt: Es ist von einer Licht emittierenden Akkretionsscheibe umgeben, deren Bild durch die extreme Gravitationslinsen-Wirkung des Schwarzen Lochs extrem verzerrt und vervielfältigt wird. All das war aber, wie das Paper gleich zu Beginn klar stellt, bereits vor über 35 Jahren berechnet und dargestellt worden! Was die CFX-Firma erstmals hin bekam, war ein besonders weiches und artefaktarmes Raytracing durch Strahlenbündel – und man ließ das Schwarze Loch rotieren, was zusätzliche Komplikationen verursacht, namentlich einen Dopplereffekt und eine starke Asymmetrie. Und genau die hat man am Ende wieder künstlich beseitigt (und zusätzlich Lensflares eingebaut), um einen zuschauerfreundlicheren Anblick zu generieren – der verblüffend dem Bild von 1979 entspricht: auch ein Press Release und weitere Artikel hier und hier. [13:15 MEZ]

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Eine Chandra-Aufnahme des Supernovarests G299.2-2.9, der von einer Typ-Ia-Supernova stammt – die, wie die Verteilung der schweren Elemente zeigt, asymmetrisch war. Auch die erste “Deep Dip”-Kampagne von MAVEN, eine neue Riesenkarte von Europa, dem Jupitermond, wie frühe robotische Mondmissionen der USA Apollo vorbereiteten, Sonnensystem-Forschung mit Parabelflug und CubeSat, Erdbeben-Überwachung mit Sentinel, Grünes Licht für den Satelliten Biomass – und die nächsten Galileos vor dem Start. [13:00 MEZ]

60 Jahre Amateurastronom: CCD-Pionier Don Parker, R.I.P.

Die Nachricht verbreitete sich vergangene Nacht wie ein Lauffeuer: Einer der ganz Großen in der Geschichte der Amateurastronomie lebt nicht mehr. Der in Florida wohnende Donald C. “Don” Parker war schon in der ‘chemischen Ära’ ein erfolgreicher Planeten-Fotograf – und dann wohl der Pionier in Sachen CCD. Wie er diesem Blogger in den 1980-er Jahren mal erzählte, war daran ein Hurrican Schuld gewesen, der Teile seines Hauses inklusive der Dunkelkammer davon geblasen hatte: Da sagte er sich, mach ich’s eben gleich ganz anders. Die heutigen Stars wurden durch Don inspiriert – der selbst auch nie nachließ: Bei dem aktuellen Paper über mysteriöse Marswolken (“Superhohe Wolken in der Marsatmosphäre …”) war Parker einer der Co-Autoren aus der Amateurbeobachter-Szene [NACHTRÄGE: weitere Nachrufe hier und hier]. Auch Porträts der Amateurastronomen André Knöfel und Don Machholz, doppelte Mutal Events der Jupitermonde in Bewegung am 20. Februar und 12. Februar (mehr), die letzten SOHO-Blicke auf den kuriosen Kometen, der vielleicht bald am Nachthimmel steht, Lovejoys am 22. Februar (Animation), 21. Februar (mehr, mehr, mehr und mehr), 20. Februar (mehr), 19. Februar und 13. Februar animiert – und eine Feuerkugel über Florida. [12:30 MEZ]

Kein Astronomie-Oscar für den Hawking-Film

22. Februar 2015

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In der für fünf Academy Awards nominierten “Theory of Everything”, dem neuen Biopic über Stephen Hawking, gibt es eine Szene (im Script auf den Seiten 21-22), in der die Protagonisten von einer Brücke auf dem Campus der Cambridge University in England in die Sterne schauen (aufgehellter Ausschnitt aus einem Screenshot aus diesem Trailer bei 0:29): Selbst der Stachel des Skorpions steht noch deutlich über dem Horizont, ein Ding der Unmöglichkeit in Südengland, bekanntlich ja selbst in Deutschland. Der Stundenwinkel könnte für die (laut Skript Seite 18) am Rande eines Mai-Balls spielende Szene vielleicht funktionieren, wenn es weit nach Mitternacht (ca. 2 bis 3 Uhr Morgens) wäre. Aber die Blickrichtung? Im Vordergrund sieht man die Bridge of Sighs, und laut Open Street Map wie Google Maps wie auch einschlägigen Listen gibt es nur eine einzige benachbarte Brücke über den dort tatsächlich in Süd-Nord-Richtung verlaufenden River Cam, die Kitchen Bridge – die aber leider südlich der Bridge of Sighs liegt: Über der könnten die beiden höchstens den Polarstern bestaunen. Mindestens zwei kapitale Astro-Fehler in einem ansonsten immerhin halbwegs akkuraten Film über einen Astrophysiker – wenn die Academy mitgedacht hat, wird das wohl nichts mit dem erhofften Oscar-Regen heute Nacht … ;-) NACHTRAG: Na, für einen Goldjungen für den Hauptdarsteller hat’s dann doch gelangt.

Allgemeines Live-Blog vom 17.-21. Februar 2015

17. Februar 2015

21. Februar

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Das vielleicht beste Foto des engen Mond-Venus-Mars-Trios

gelang Andrew Symes in Kanada (Verwendung mit freundlicher Genehmigung), von dem auch diese Nahaufnahme stammt (und diese und diese sind auch schön). Auch ein jovianisches Mutual Event vom 18. Februar von den Philippinen, eine (nach dieser von 2014) weitere Studie zu den Folgen der SoFi im März für die Stabilität des deutschen Stromnetzes mit seinem hohen Photovoltaik-Anteil, Aufregung um Nebensonnen in Chelyabinsk, aktuelle Aurora-Shows aus dem Weltraum und von Alaska und Finnland aus gesehen, ein Paper über die Helligkeit des Nachthimmels im globalen Vergleich (mehr, mehr, mehr und mehr sowie andere aktuelle Forschung [unten] dazu) – und der alte Planetariums-Projektzor von Miami wird zum Museumsstück, da ein neues Haus entsteht. [4:15 MEZ] Weitere hübsche Trios vom 20. Februar Ortszeit aus den USA (mehr, mehr und mehr), Kanada (näher), Costa Rica, Deutschland und Indien. [5:05 MEZ] Mehr amerikanische Bilder hier, hier, hier, hier und hier. [11:45 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: eine globale Galerie und weitere Einzelbilder vom Abend des 21. Februar hier, hier, hier, hier und hier und vom 20. Februar hier, hier, hier, hier und hier]

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SOHO-Komet übersteht extrem nahes Perihel – was hat er jetzt vor? Entgegen allen Erwartungen hat sich vorgestern ein kurz vorher vom Satelliten SOHO entdeckter Komet nicht aufgelöst, als er durch den sonnennächsten Bahnpunkt lief: Hier sieht man ihn gestern Vormittag MEZ. Der nur mit einer provisorischen Nummer versehene Fund gehört zu keiner bekannten Gruppe sonnennaher Kometen: So zog er durch LASCO C2, so sah er vor dem Perihel aus – und Experten sind “schockiert”, dass er überlebt hat, vermuten ihn aber angeknackst. Derweil hat Lovejoy schon wieder einen tollen Schweifknick: Bilder von gestern (mehr, mehr, mehr und mehr), vorhestern (mehr, mehr, mehr undmehr), dem 18. Februar (mehr), dem 13. Februar und vielen Tagen zusammen sowie neue Spektren. Und ungewohnt ferne Rosetta-Aufnahmen von C-G vom 16.2. und 15.2. – sowie ein langes Aussie-TV-Interview mit P. Ferri. [1:45 MEZ]


20. Februar

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Enges Trio am Abend leider nur transatlantisch zu sehen

Während das Paar von Venus und Mars am Morgen des 22. Februar am engsten sein wird (und damit ähnlich gut am Abend des 21. wie des 22. zu sehen sein sollte), gesellt sich kurz zuvor auch noch der sehr junge Mond dazu; Neumond war gestern Morgen. Aber auch dessen größte Annäherung an das Planetenpaar entgeht Europa: Heute steht der Mond deutlich darunter (Stellarium-Grafik unten für Mitteleuropa in der späten Abenddämmerung), morgen schon weit darüber (oben). Nur in Nordamerika kann heute – also kommende Nacht MEZ – ein enges Trio aller drei beobachtet werden; die mittlere Grafik ist für die Mitte der USA berechnet: Bei den Artikeln zu den Konstellationen hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier ist immer zu beachten, für welche Weltregion sie geschrieben wurden! [3:55 MEZ] Die Mondsichel heute in Indien und gestern in Mexiko und den USA – und der Sternen-Hintergrund des Trios heute und morgen. [16:35 MEZ] Das Trio und die Sichel gerade in der deutschen Dämmerung. [18:25 MEZ] Ein weiteres Bild, mit ISS-Spur. [18:55 MEZ] Gute Bilder des Trios hier, hier und hier und mit ISS-Spur. [19:50 MEZ] Noch mehr Bilder hier, hier und hier. [20:25 MEZ] Eine Galerie guter Bilder, weitere hier, hier, hier und hier und mit ISS hier und hier. [21:30 MEZ] Und ein Gag … [22:25 MEZ] Viele weitere Bilder aus Europa noch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: Bilder des engeren Trios aus den Amerikas hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr – exotische – aus Europa hier, hier und hier]


19. Februar

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Der unermüdlich ausschweifende Lovejoy gestern von Martin Mobberley eingefangen: weitere Bilder von gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr), dem 16. Februr (mehr und mehr), dem 15. Februar und dem 14. Februar – noch ist der Komet ein paar Tage mondfrei zu sehen. Auch Siding-Spring gestern, der neue periodische Komet TOTAS-Gibbs, ein frischer NEO gleich beobachtet, knapp 500’000 km entfernt, eine helle US-Feuerkugel (mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr und mehr]), neue Modellierung zerbrechender NEOs in der Atmophäre, Venus & Marsim Detail, weitere Mutual Events der Jupitermonde am 16- Februar und 7. Februar, Sonden-Beobachtungen einer solaren Schockwelle, Welraumwetter-Planung im U.K., die neue Nova Sco 2015 (ein Bild), die es neben der Nova Sgr 2015 gibt, das VLT-Instrument SPHERE im Einsatz, ein Erdbeben-Test für den Hauptspiegel des TMT, eine Mini-Nachführung im Test – und Stephen Hawking ist jetzt Amateur-Astrofotograf: wie das geht, seine Bilder und die BBC immer dabei. [2:45 MEZ. NACHTRAG: Weitere Artikel dazu hier, hier und hier]


18. Februar

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Heute vor 85 Jahren wurde der 2. Zwergplanet entdeckt

Es war am 18. Februar 1930, als der ein Jahr zuvor angestellte Amateurastronom Clyde Tombaugh beim Blinken aktueller Fotoplatten auf dem Lowell Observatory auf ein offensichtlich transneptunisches Objekt stieß. Das war auf mehreren Januar-Platten zu sehen, aber erst nach weiterer Bahnverfolgung wurde schließlich am 13. März eine vorsichtige Mitteilung verbreitet. Vom Fund des gesuchten neunten Planeten war da nicht die Rede, sondern in der Headline von einem “solar system body apparently Trans-Neptunian” und im Text von einem “very exceptional object”, das freilich “weder an Helligkeit noch scheinbarer Größe mit Neptun zu vergleichen” sei, blieb es doch selbst für die besten Lowell-Teleskope ein Lichtpunkt 15. Größe. Zu einem ausgewachsenen Planeten mutierte der Fund erst in der amerikanischen Presse, wobei die Lowell-Astronomen freilich bald nachzogen und von einem “Planet X” sprachen – der Irrtum wurde bekanntlich endlich 2006 aus guten Gründen korrigiert. Wie dieser ‘Prager Planeten-Sturz’ ablief, hat dieser Blogger damals hier und hier in ‘Echtzeit’ und hier und hier in größeren Artikeln geschildert. Und nun nähert sich New Horizons dem – nach Ceres, s.u. – zweiten entdeckten Zwergplaneten, der auch als zweiter besucht werden wird (und neben dem seine Telekamera jetzt außer Charon inzwischen auch Nix und Hydra gesichtet hat), während in den USA das Geplärre über seine vermeintliche Misshandlung wieder anschwillt … [18:35 MEZ] Nix und Hydra mal im Größenvergleich mit anderen Objekten. [19:55 MEZ. NACHTRAG: mehr] Und dieser Zeitschriften-Artikel könnte der erste populär-astronomische über Pluto sein. [20:50 MEZ]


17. Februar

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Zweimal Ceres aus 83’000 km Entfernung aufgenommen von Dawn am 12. Februar: Die hellen Flecken und v.a. die vielen Impaktkrater auf dem Zwergplaneten werden immer deutlicher (hier die weiteren Foto-Pläne) – und zur Abwechslung mal eine Stimme für die Asteroid Redirect Mission der NASA als erste Aufgabe für Orion und SLS. [17:15 MEZ. NACHTRÄGE: Artikel zu Ceres hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und eine große Übersicht planetarer CubeSats, real(isiert)er und ziemlich visionärer]

Das sah die NavCam bei nahen Kern-Vorbeiflug

16. Februar 2015

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am Valentinstag: Aufnahmen aus 35 km Abstand und 10.6 km Höhe vor und 8.9 km Höhe (komplettes Mosaik und Detail in voller Auflösung mit 76 cm/Pixel) und 32 km Abstand nach der größten Nähe. Besonders interessant sind die Schichtungen auf dem Nah-Mosaik unten links, wo jemand schon 53 Strata gezählt hat. Oben und im Ausschnitt der “Felsen” Cheops, bekannt von einer alten OSIRIS-Aufnahme aus 3.2-mal größerem Abstand und Basis des C-G’schen Koordinatensystems, auch ein anderer Ausschnitt mit Maßstab. Jetzt entfernt sich Rosetta erst einmal erheblich vom Kometen, mit dem Apo-C-G-ikum von 255 km morgen: auch Artikel hier, hier und hier – und eine Laborsimulation von Kometen-Eis und seinem Ubergang von amorph in kristallin bei einer Schwellen-Temperatur (mehr, mehr und mehr), wobei Verunreinigungen eine harte Kruste bilden.

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Lovejoy mit davon eilender Plasmawolke vorgestern von Michael Jäger verewigt: weitere Aufnahmen von [NACHTRÄGE: heute (mehr, mehr und mehr),] gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr und 12./13./14.2.), dem 13. Februar (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 12. Februar – und es gibt doch keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Chelyabinsk-Impaktor und einem bestimmten Asteroiden.

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Superhohe Wolken in der Marsatmosphäre bleiben mysteriös

Im März und April 2012 hatten Amateurastronomen – wie u.a. hier und hier berichtet – zweimal äußerst ungewöhnliche Wolken am Rand des Mars über dem Morgenterminator gesichtet (hier von W. Jaeschke und D. Parker am 21.3.2012): Sie reichten 200 bis 250 hoch in die Atmosphäre und damit viel weiter als alle bekannten Wolken des Planeten, dehnten sich 500 bis 1000 km in O-W- und N-S-Richtung aus und blieben, mit täglichen Veränderngen, bis zu 10 Tage lang bestehen. Nach ausgiebiger Auswertung der Daten – es gibt auch eine einsame Hubble-Aufnahme von 1997 mit einer vergleichbaren Wolke über einer anderen Stelle – bleiben als potenzielle Erklärungen Wolken aus Kohlendioxid- oder Wassereis in außergewöhnlicher Höhe oder extrem starke Polarlichter über einer immerhin für Magnetanomalien bekannten Marsgegend. Befriedigend sind beide Hypothesen aber nicht: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier, mit Gegrummel über die Höhenmessung der Wolken]. Sowie die sich anbahnende Venus-Mars-Konjunktion am 13. Februar, 11. Februar und auch in Fischaugen-Zeitraffer. Außerdem tolle Videoclips und Bilder vom 12. Februar mit Io vor Ganymed mit 6 Zoll und 11 Zoll und dem folgenden Schatten von Io auf Ganymed mit 6 Zoll und 11 Zoll (die technischen Details der 6″-Daten von einem Balkon) und vom 15. Februar mit Io und Europa.

Visuelle Highlights aus fünf Jahren Sonnenüberwachung mit dem SDO sind in diesem Video verarbeitet – auch große US-Erwartungen an die SoFi 2017, der Transient im Skorpion ist eine Nova, exotische Amateuraufnahmen von Barnards Loop und Messier 51, wie es bei der SDSS zugeht, eine Riesen-Kamera für das LSST – und Pickerings Tochter besucht Pickering, nämlich den nach ihrem Vater und Weltraum-Pionier benannten Berg im Kepler-Gebirge auf Neuseelands Südinsel.

Allgemeines Live-Blog vom 13.-15. Februar 2015

13. Februar 2015

15. Februar

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Astronauten-Fotos von der ISS: So endete das letzte ATV

nach dem zweiten Reentry-Burn und dem Verglühen “Georges” über dem Südpazifik – das Programm hat aber ein großes Vermächtnis für die Euro-Raumfahrt. Auch Artikel hier und hier. [23:20 MEZ – Ende. NACHTRAG: und hier sowie mehr Links]

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Der letzte Orbit des letzten ATV führt quer über Deutschland heute in der hellen Abenddämmerung (Zeiten in UTC; Sonnendepression um 18:20 MEZ erst ca. 6°): Genaue Umstände für den eigenen Standort liefert CalSky, wonach bei einem Durchgang durch den Zenit mit immerhin +1.1 mag. zu rechnen ist. Die locker 100-mal hellere ISS folgt dann 2 3/4 Minuten später auf derselben Bahn. Der erste De-Orbit-Burn der zwei geplanten steht kurz bevor. [15:15 MEZ] Und hat stattgefunden: “George is on its way to destruction.” [16:35 MEZ]

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Und Schluss! Das interstellarum-Crowdfunding schafft 125%

der Mindestsumme bzw. 109% des gesetzten Zielwerts: welch ein Vertrauensbeweis, und das für ein primäres Printmedium im Jahre 2015. Und was für ein Ergebnis nach z.T. kontroverser – und nicht immer von Sachkenntnis geprägter – Online-Diskussion: allerlei Fundstücke aus den letzten drei Monaten hier, hier, hier (früher), hier (früher), hier (früher) und hier, bei denen man v.a. die frühen nun mit anderen Augen sehen mag. Etwa den mathematischen ‘Beweis’, dass es am Ende nicht mehr als 30’000 Euro werden können … [0:05 MEZ. NACHTRAG: eine detaillierte Aufschlüsselung der Zahlen]


14. Februar

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Da fliegt es davon, das letzte ATV: Das Ende einer Ära

markiert der Abschied – in völliger Dunkelheit, über der Mongolei – des ATV-5 von der ISS gerade um 14:42 MEZ. Aber bevor der Frachter namens Georges Lemaître morgen Abend verglüht, ist er heute Abend bestens über Mitteleuropa zu sehen: Für gute Fotos der Passage von ca. 19:10 bis 19:20 MEZ gibt es sogar etwas zu gewinnen. Und der Reentry am Sonntag wird mit zahlreichen Instrumenten verfolgt werden. [15:55 MEZ. NACHTRÄGE: Wegen des verkürzten Reentry wurden die Flugzeug-Beobachtungen abgesagt – und eine Aufzeichnung der TV-Übertragung] Alles nominal so weit nach dem “De-Docking” des ATV-5. [16:15 MEZ] Der DLR-Blog und Artikel hier und hier zum Ende der letzten Mission. [17:05 MEZ] Der Überflug des ISS/ATV-Paares wurde u.a. hier (mehr und mehr), hier, hier, hier und hier abgelichtet. [20:05 MEZ]

Nicht ganz scharf – aber dafür historisch: eine Astronauten-Foto-Sequenz vom Abdocken des ATV-5 im Erdschatten. Und noch mehr Bilder des ATV/ISS-Doppeldurchgangs hier, hier und hier. [22:30 MEZ. NACHTRÄGE: und eine Animation von Strichspuren sowie die All-Sky-Aufnahme der beiden plus die Foto-Animation von der ISS hier und hier viel länger]

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Eine Stunde noch bis zur größten Annäherung Rosettas

an den Kometenkern – von dem Manöver gibt es zwar kein frei verfügbares Echtzeit-Display, aber so sieht’s auf einem ESA-internen System aus. Und bald beginnt auch das Ende des ATV, mit dem Abdocken um 14:44 MEZ: ein kurzes Interview mit dem Missionsdirektor und Artikel hier und hier. [12:40 MEZ] Der Rosetta-Vorbeiflug scheint ohne besondere Vorfälle stattgefunden zu haben. [15:45 MEZ. NACHTRAG: ein einsamer Artikel nach dem Fly-By]

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Ein geniales Bild des aktuellen Disconnection Events Lovejoys von Michael Jäger gestern Abend – und gleich noch eins, sogar visuelle Beobachtungen der Plasmawolke und der Komet gestern vor dem Schweifabriss. Und der schon mehrfach gesichtete alte Staub des Holmes-Ausbruchs von 2007 – siehe hier und hier (“Meteoroide des Holmes-Ausbruchs zum 2. Mal gesichtet”) – ist abermals am Himmel zu sehen, die Geometrie ist günstig! [2:05 MEZ] Und die Disconnection in Farbe. [2:50 MEZ] Dassselbe ganz groß! Aufgenommen mit 10″ f/4. [11:45 MEZ. NACHTRÄGE: ein abgefahrenes Bild mit Weitwinkel etwa zur selben Zeit – und der irre Schweif ein paar Stunden später im Negativ und Positiv]

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Der Tag der superengen Kometen-Passage hat begonnen

In genau 12 Stunden wird Rosetta in 6 km Höhe über die Imhotep-Region des Kerns schießen, den – samt seinen Ausdünstungen quasi im Gegenlicht – hier die Navcam vor 5 Tagen aus 105 km Abstand ablichtete. Heute soll sie 1-2 Stunden vor und nach der größten Annäherung Aufnahmen aus 8.5 bis 11 km Höhe machen: Die gibt’s vielleicht schon am Rosenmontag zu sehen, die noch schärferen OSIRIS-Bilder etwa in zwei Wochen. Anderswo im Sonnensystem wird möglicherweise NASA-Hardware auf Indiens 2. Marsmission mitfliegen, hat sich gerade Cassini Rhea angeschaut – und es ist 25 Jahre her, dass Voyager 1 ein letztes Mal Richtung Sonne (und Erde) schaute. [1:40 MEZ]


13. Februar

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Lovejoys Schweif ist weiter zu allem bereit – wie einem neuen Disconnection Event heute Abend auf diesem Bild von Gerald Rhemann: weitere Bilder von heute, gestern (mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr und mehr), dem 10. Februar (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und dem 9. Februar (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und ein Spektrum. Sowie die aktuellen Ausbrüche von 17P und 29P, die Impakt-Geschichte des Mondes, ein gefilmter Bolide in Neuseeland (mehr und mehr), Mutual Events beim Jupiter, vom Riesen-Filament auf der Sonne ein weiteres Amateur- und ein NASA-Bild und ein Artikel, der nur letzteres kennt, zum alten Paper über die weitgehende Konstanz der Sonnenaktivität erst jetzt ein spanischer Press Release – und ein 8 bis 9 mag. heller Transient im Skorpion, vielleicht eine Nova. [23:50 MEZ]

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Morgen schießt Rosetta in 6 km Höhe über den Kometenkern

Und zur Vorbereitung des ungewöhnlichen Manövers um 13:41 MEZ – so nahe wird Rosetta dem Kometen nie wieder kommen, außer es wird zum Missionsende auf ihm gelandet – musste der Abstand erst einmal vergrößert werden: So entstand vor einer Woche dieses Bild des gesamten Kerns nebst stark gewordener Jets und allgemeinem Glühen rund um den Kern aus 124 km Abstand. Derweil hat Opportunity schon fast eine Marathon-Distanz auf dem Mars zurück gelegt, es gibt Updates zu Akatsuki, Hayabusa 2 und den Chang’es und bessere Bildverarbeitung von Radarbildern Titans von Cassini, New Horizons hat ein Pluto-Charon-Filmchen geliefert, das SDO ist 5 Jahre im Orbit – und ebenfalls am 14. Februar wird das letzte ATV abdocken, 30 Stunden später verglühen (Updates zu seinen technischen Problemen hier und hier) und dabei mit einer speziellen Kamera sein eigenes Ende beobachten. [0:40 MEZ]

All das versteckte Neil Armstrong bei sich zuhause, nachdem er es heimlich vom Mond mit zurück zur Erde und danach irgendwie in seinen Besitz gebracht hatte: Die Artefakte – darunter die Kamera, mit der die Landung durch ein Fenster der Eagle gefilmt worden war – steckten in einem weißen Täschchen, das er offenbar nie jemand gezeigt hatte und dass erst seine Witwe entdeckte, die auch dieses Bild des Fundes machte. Erst diesen Monat sind die “Eagle Artifacts” detailliert beschrieben und publik gemacht worden: auch Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [0:30 MEZ]

Google fördert die Lick-Sternwarte mit Million(en) Dollar

Seit 2013 fürchtete man schon die baldige Schließung des Lick Observatory, jetzt gibt es – zusätzlich zu den jährlich 1.5 Mio.$ des Univ. of CA Office of the President – auch noch 1 Mio.$ von Google Inc., verteilt auf die nächsten zwei Jahre. Und man hofft auf viele weitere private Spenden, um die traditionsreiche Sternwarte am Leben zu erhalten. Welche Hintergedanken Google verfolgt, ist nicht recht ersichtlich, wohl was mit der Öffentlichkeit. Ebenfalls gerettet worden ist das Observatoire du Mont-Mégantic in Kanada, nachdem es gegen seine geplante Schließung – Artikel hier, hier und hier – lauten Protest gegeben hatte. Und in Press Releases hier, hier, hier und hier feiern britische Institutionen ihre Beiträge zum Daniel K. Inouye Solar Telescope, dem vormaligen Advanced Technology Solar Telescope auf Hawaii. [0:15 MEZ]

Live-Blog zu Falcon mit DSCOVR, Dragon und IXV

10. Februar 2015

12. Februar

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Missions accomplished – alle drei: Und so kamen sie runter

Da haben also alle drei Unterfangen tatsächlich stattgefunden, wenn auch zwei mit Verspätung: die Wasserung des Dragon (weitere Artikel hier und hier und mehr Links), der Flug und die Bergung des IXV (weitere Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links) und der Landetest der Falcon-Unterstufe – hier bei der Retro-Zündung – wenn auch wetterbedingt ohne Schiff darunter nach dem Start von DSCOVR (eine Art Beweisfoto für die Abreise, 20 Minuten multiple Video-Blickwinkel des Starts, mehr Bilder aus einem Flugzeug von der hohen Plume, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links). [22:15 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: zum IXV-Flug ein Foto von Bord des Schiffs, ein ASI Release und Arianespace Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier und vom DSCOVR-Start Bilder hier und hier und Artikel hier und hier]

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Der 3. Schritt der drei Raumfahrt-Events in Bildern, mehr auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:10 MEZ] Und gleich noch eine Perspektive auf den Start, ein Video – und wie er in einem großen Fernglas aussah. Und weitere Artikel hier, hier und hier. [1:25 MEZ] Und hier, hier, hier und hier sowie noch mehr Fotos. [1:40 MEZ] Auch hier – und diese Beobachtung könnte auch vom Start stammen. [3:25 MEZ] Press Releases von SpaceX mit weiteren Bildern, NOAA und NASA und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [3:40 MEZ]

Perfekte Wetteraussichten vor dem dritten Startversuch

der Falcon 9 mit DSCOVR: Diesmal macht der Höhenwind keinen Ärger und alles sieht gut aus, dafür aber – was kein Startkriterium ist – Sauwetter am Landeort für die erste Stufe. Noch 3 Minuten … [0:00 MEZ] Und DSCOVR – jede Menge Infos – ist unterwegs: im Webcast von SpaceX tolle Bilder, aus der Ferne und von Kameras an Bord. [0:10 MEZ] Erster Brennschluss der 2. Stufe, die nach 22 Minuten wieder starten wird – und die 1. Stufe ist ins Meer gefallen. [0:15 MEZ] Nach dem zweiten Brennen wurde DSCOVR ausgesetzt: Die Bahn auf dem Weg zum Lagrangepunkt 1 ist extrem elliptisch. Erste Artikel zum Start hier und hier. [0:45 MEZ] Bahndaten korrigiert, ein weiteer Artikel – und die 1. Falcon-Stufe ist auf 10 m genau und vertikal ins Meer geplumpst: Bei guten Wetter wäre eine Landung auf dem Drohnenboot wohl gelungen … [0:55 MEZ]


11. Februar

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2. Schritt perfekt: Da schwimmt das IXV im Pazifik, aus dem es inzwischen gefischt worden ist. Artikel hier, hier und hier – und ein ungewöhnliches Bild vom Start. Derweil wird extrem hoher Seegang verhindern, dass die Falcon-Unterstufe geborgen wird, falls der DSCOVR-Start heute Nacht klappt: Die Höhenwinde sind jedenfalls dramatisch zurück gegangen, die Chancen sind 90% für gutes Wetter, und das Betanken beginnt. [21:50 MEZ]

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Perfekter Vega-Start: Das IXV-Experiment hat begonnen

Um 14:40 MEZ ist es tatsächlich los gegangen: weitere Bilder hier, hier, hier und hier. Das AVUM-Triebwerk brennt und soll das IXV in den Orbit & wieder zurück bringen. [14:55 MEZ] Und schon fertig und abgeworfen: IXV und AVUM jetzt beide auf 76 x 416 km hohen Orbits über dem Äquator – so geht es weiter. [15:05 MEZ] Ein Video und ferne Bilder hier und hier vom Start, Artikel hier und hier und ein Scherzchen. [15:45 MEZ] Das Bergungsschiff im Pazifik empfängt Signale vom IXV: Reentry scheint gut verlaufen zu sein. [16:05 MEZ] Die Wasserung ist geglückt! Zwar gab es keine Live-Bilder, aber der Fallscjor, war zuvor vom Bergungsschiff aus gesichtet worden. [16:20 MEZ] In der Siegesrede zählt der ESA-DG die erfolgreichen Landungen der ESA auf anderen Himmelskörpern auf – und schließt Beagle 2 ein … [16:25 MEZ] Ein ESA Release zum Erfolg des IXV und ein Artikel. [16:40 MEZ] Das IXV schwimmt sicher; auch eine andere Version des ESA PR und Artikel hier, hier und hier. [18:25 MEZ]

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Die Vega mit dem IXV auf der Rampe bei Kourou – und es sieht alles gut aus für einen Start um 14:00 MEZ: der Flugplan in Grafiken und Vorschauen hier, hier und hier. [13:25 MEZ] Wegen Problemen mit der Startanlage hat der Countdown bei t-4:25 gestoppt – aber auch 10 Minuten später keine Erklärung im ESA-Webcast. Das Startfenster dauert 1 Stunde und 43 Minuten, es könnte im Prinzip noch klappen. [14:05 MEZ] Soll ein Problem mit der Telemetrie sein. [14:15 MEZ] Jetzt soll es um 14:40 MEZ losgehen. [14:30 MEZ]

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1. Schritt o.k.: “Drachen” pünktlich im Pazifik gewassert

Das hat schon mal geklappt: Der Dragon – hier eine weitere Astronauten-Aufnahme vom Aussetz-Manöver – ist gewassert, womit Tonnen Material wieder auf der Erde sind. [1:50 MEZ] Eine NASA-Blog-Story und ein Artikel zur Rückkehr. [2:15 MEZ] Und ein NASA Release: was zurück kam – und warum 3D-Drucker den Flug zum Mars ankündigen … [2:40 MEZ]

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Ein erstes Bild von der Wasserung liegt vor – viel los bei SpaceX gerade … [2:55 MEZ] … wobei es kommende Nacht mit DSCOVR klappen muss: Die Wetteraussichten sind jedenfalls gut. [3:15 MEZ] Die geborgene Kapsel auf dem Schiff. [13:10 MEZ]

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Das nächste Event wäre dann die Wasserung des Dragon (hier ein weiteres Astronauten-Foto nach dem Abdocken): Dessen Flug verläuft bisher problemlos. Sollte DSCOVR übrigens kommende Nacht auch nicht weg kommen, wäre erst wieder am 20.2. eine Möglichkeit. [0:00 MEZ] Ein Artikel zur Verschiebung – und des Dragons Deorbit Burn hat stattgefunden: Wasserung planmäßig um 1:44 MEZ. [1:15 MEZ] Die Fallschirme sind draußen. Plus weitere Artikel hier und hier zum DSCOVR-Scrub. [1:40 MEZ]


10. Februar

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Drei Raumfahrt-Operationen innerhalb von 16 Stunden

stehen morgen an: der erste Start einer Falcon 9 in den’deep space’ mit dem DSCOVR-Satelliten mit gleichzeitig dem zweiten Versuch einer weichen Landung der 1. Raketenstufe, die Rückkehr einer Dragon-Kapsel, die die ISS bereits verlassen hat, und Start und Rückkehr des ESA-Reentry-Demonstrators IXV. Sofern nicht Höhenwinde den Start verhinden – die Wetter-Entscheidung fällt um 23:50 MEZ, soll um 0:05 MEZ das instantane Startfenster der Falcon 9 (oben auf der Rampe) genutzt werden, unabhängig davon dass schlechtes Wetter auch die Stufen-Landung gefährdet, die gegen 0:14 MEZ folgen würde und von der sich SpaceX große Einsparungen erhofft. Zum DSCOVR-Satelliten, der die Nachfolge von ACE antreten soll, gab es schon hier etliche Links (““GoreSat”-Start …”): Updates zum Start hier, hier und hier. Für 1:44 MEZ ist die Wasserung der Dragon-Kapsel vorgesehen, die die ISS gerade verlassen hat (in der Mitte ein Astronauten-Foto): eine NASA-Blog-Story, Artikel hier und hier, ein Bild des Manövers (Oops), ein Video des Manövers mit TV-Stills hier, hier, hier, hier, hier und hier und Updates hier und hier. Um 7:00 MEZ schließlich beginnt der Countdown für eine Vega, die um 14:00 MEZ in Französisch-Guyana das Intermediate eXperimental Vehicle (IXV) der ESA starten soll, das gemäß der Timeline um 15:42 MEZ schon wieder landen wird: wo es eine Live-Übertragung geben soll, Updates, Videos von den Start-Vorbereitungen (hübscher Zeitraffer) und zum Tracking-Schiff, ESA Releases hier, hier und hier, Arianespace Releases hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:25 MEZ] Und der DSCOVR-Start ist wieder abgesagt worden, wegen der Höhenwinde: Der nächste Versuch ist am 12.2. um 0:03 MEZ. [23:55 MEZ]

Allgemeines Live-Blog vom 9. Februar 2015

9. Februar 2015

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Es staubt schon erheblich auf dem Kern von Komet C-G auf dieser NavCam-Aufnahme vom 3. Februar, aus der auch auch interessante Details heraus kitzeln kann – doch den richtigen großen Massenverlust wird C-G Modellen zufolge in ein paar Monaten auf der Südseite erleiden, mehrere Meter Material: auch Artikel hier und hier. [22:30 MEZ – Ende]

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Eine kuriose Gravitationslinse auf einem Hubble-Bild, in das uralte WFPC2-Daten und neuere der WFC3 im IR einflossen – auch Verarbeitung von Fermi-Bildern, die unklare Rolle des JWST bei Exoplaneten, einer neuer Starttermin für die Falcon 9 mit DSCOVR am 11.2. um 0:05 MEZ (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), neue Galileos vor dem Start, eine deutsch-französische Kooperation bei einem optischen Aufklärer, wie Chinas Raumfahrt den Massen gefällt, die Abwicklung von Irans Propgramm – und ein Satelliten-Tank landete in Brasilien. [22:15 MEZ]

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Lovejoy zeigt weiter einen ausgeprägten Plasmaschweif, so wie auf diesem Bild von Martin Mobberley von heute Morgen: weitere Aufnahmn von heute (mehr), gestern (mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 6. Februar (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), dem 5. Februar und dem 6.+5.+4. Februar sowie ein Artikel, das große Sonnen-Filament, ein neuer Spektrograph für’s WIYN, Lichtverschmutzung als Thema des IYL – und wie Laien Exoplaneten taufen sollen. [22:05 MEZ]

Akatsukis zweier Venus-Versuch nun für den 7.12. geplant

Die JAXA hat nun das Datum für den 2. Versuch benannt, die Venussonde Akatsuki in einen Orbit um den Planeten zu befördern, was vor 5 Jahren schief gegangen war. Da das Haupttriebwerk unbrauchbar ist, wird es jetzt mit kleineren Düsen probiert, was allerdings zu einer weiter entfernten Bahn führt – trotzdem wissenschaftlich nutzbar. Auch der 40’000. Orbit des MRO um den Mars, die neueste Bohrung von Curiosity, mehr hier, hier, hier, hier und hier zum wiedergefundenen Beagle 2, wie Chinas Mondorbiter einen Sample Return vorbereitet, Erkenntnisse des LRO zu Wasserstoff auf dem Mond, ein neuer neuer Flugplan für OSIRIS-REx, weitere Gedanken hier, hier, hier und hier zum NASA-Etat-Plan 2016, die bevorstehende Abreise des Dragon, ein Problem mitdem ATV-5 und die Kamera, die darin verglühen soll, die Erkenntnisse aus dem Orion-Test – und neue US-Buchungen von Soyuz-Plätzen. [21:55 MEZ]

VISTA views the Trifid Nebula and reveals hidden variable stars

Der Trifid-Nebel im Infraroten, aufgenommen mit dem VISTA-Teleskop auf dem Paranal. Auch Chiles dunkler Himmel als Reiseziel, eine neue Liste der besten habitablen Planeten-Kandidaten – und Indiens GMRT ist SKA-Pathfinder geworden. [0:15 MEZ]

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“GoreSat”-Start in 10 Minuten – und wieder Landeversuch

Wird um 0:10 und gegen 0:19 MEZ gleich zweimal Geschichte geschrieben? Eine Falcon 9 soll dann DSCOVR starten, einen Weltraumwetter- und Erdbeobachter mit außergewöhnlich bizarrer Vorgeschichte, den sich einst Al Gore – damals noch US-Vizepräsident – ausdachte, der mehrfach mutierte, gebaut wurde, endlos eingelagert war, wieder belebt wurde und es nun tatsächlich auf die Rampe geschafft hat. Und abermals soll versucht werden, die erste Stufe der Falcon auf dem Drohnenschiff zu landen, was beim ersten Versuch schon beinahe gelungen war, diesmal aber noch schwieriger ist: konkurrierende Webcasts hier und hier, Updates, NASA Releases hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:00 MEZ] Noch sind ein Telemetrie- und ein Radar-Problem ungelöst: Wenn sie bis t-2 Minuten nicht beseitigt sind, muss der Start abgesagt werden, da das Startfenster instantan und nur eine Sekunde lang und keine Verschiebung am selben Tag möglich ist. [0:05 MEZ] Und es wird keinen Start geben: bei t-2:26 wurde abgebrochen. Nächste Gelegenheit frühestens 24 Stunden später. [0:10 MEZ]

Midsummer Night Brings Sprites — Rare phenomenon caught on cam

Midsummer Night Brings Sprites — Rare phenomenon caught on cam

Midsummer Night Brings Sprites — Rare phenomenon caught on cam

Sprites über La Silla! Das exotische Entladungsphänomen in der Hochatmosphäre wurde am 20. Januar von der chilenischen Sternwarte aus fotografiert. Auch Raketenstarts zur Aurora-Forschung, eine finnische Aurora-Statistik, ein besonders langes Filament auf der Sonne (mehr und mehr), eine Bedeckung von Europa durch Ganymed am 2. Februar bei 610 nm, zahlreiche neue erreichbare NEOs in den letzten Jahren – und Medienrummel z.B. hier, hier und hier um eine deutsche Amateur-Entdeckung eines Asteroiden (jetzt mit Nummer) auf dem Balkon. [0:00 MEZ]

Rosetta vs. Komet C-G: Neueste Erkenntnisse

8. Februar 2015

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über den bei weitem am besten erforschten Kometen der Geschichte – hier ein Jet-reiches NavCam-Bild vom 31. Januar aus 28 km Kernabstand – sind in den letzten zwei Wochen in einer Reihe wissenschaftlicher Papers in Science und Nature und auf einer Tagung in Bad Honnef präsentiert worden. Leider befinden sich die Papers allesamt hinter hohen Paywalls (liegen diesem Blog aber vor und werden auch in Pressemitteilungen in drei Sprachen hier [alt.], hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Blog-Artikeln hier, hier, hier, hier und hier bzw. Pressemitteilungen hier und hier zusammen gefasst), während von der Tagung alle Summary-Slides der Vorträge zu Ergebnissen vom Rosetta-Orbiter und Philae-Lander verfügbar sind. Das größte Aufsehen verursachten natürlich die endlich veröffentlichte Handvoll Nahaufnahmen des Kerns von OSIRIS, auch hier und hier (mit ein paar anderen neuen Visuals) präsentiert. Wie in Bad Honnef zu sehen, gibt es inzwischen noch aufregenderes Material von der OSIRIS-Kamera (etwa von einem sauber durchteilten ‘Felsen’), aber diese Teaser hier verdienen schon einmal, gezeigt zu werden:

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Die Übergangsregion zwischen den beiden Hälften des Kometenkerns – dessen Entchenähnlichkeit sich auch die OSIRIS-Auswerter nicht entziehen können und die sie tatsächlich als “duckspheres” (statt hemispheres) bezeichnen, also Entosphären – am 14. Oktober 2014 aus 8 km Abstand mit im Original 15 cm Auflösung. War auch das Titelbild von Science (wobei die kompletten Papers sinnigerweise im gedruckten Heft gar nicht enthalten waren und bisher nur online existieren).

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Der “Hals” der Ente, inzwischen mit Hapi – wie 18 andere Regionen auf dem Kometenkern auch – nach einer altägyptischen Gottheit benannt; rechts die Klippen Hathor. Ansonsten hat nur noch der große Brocken Cheops einen (Spitz-)Namen bekommen; er ist auch das Zentrum des Koordinatensystems auf C-G: in der Hoffnung, dass er nicht davon rollt; es gibt aber auch noch Ersatz-Aufhänger der Koordinaten.

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Ein langer Bruch, der 2 bis 3 Meter breit ist und u.a. durch die Anuket-Region in der Nähe des Halses läuft: Es ist noch völlig unklar, ob sich der Kern hier womöglich bald in zwei Hälften spalten wird oder ob der Bruch umgekehrt maßgeblich zur Entlastung von Stresskräften beiträgt. Ob C-G aus zwei Sub-Kometen besteht, die zueinander gefunden haben oder ein ursprünglicher Körper ist, dem verstärkte Erosion zu seinem markanten Hals verhalf, ist weiter unklar: Nur der detaillierte Vergleich der Ausgasungen beider Entosphäre – wenn sie denn erst ordentlich aktiv geworden sind – wird vielleicht eine Antwort erlauben. Jedenfalls ist der Hals etwas Besonderes: heller und auch etwas ‘blauer’ als der ansonsten geringfügig rötliche und mit einer Albedo von (5.9±0.2)% bei 550 nm extrem dunkle Kern.

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Zwei vielgestaltige Landschaften in Imhotep auf der großen Entosphäre: Insgesamt werden auf dem Kern fünf generelle Geländetypen unterschieden (wobei Einschlagskrater komplett fehlen). In den Papers und Vorträgen werden die eizelnen Geländeformen und Strukturen bisher nur mit deskriptiven englischen Ausdrücken beschrieben, eine systematische Nomenklatur mit lateinischen Begriffen gibt es noch nicht – und wird es wegen der Vergänglichkeit des Kometenkern vielleicht auch nie geben: einen Meter Material sollte er beim aktuellen Periheldurchgang verlieren, v.a. von der südlichen Entosphäre.

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“Einblicke” in den Kometenkern, geboten von Löchern: oben am Innenrand besonders deutlich eine vielerorts auf dem Kern angetroffene Struktur aus etwa 3 Meter großen Klumpen, die als Dinosauriereier oder Gänsehaut angesprochen werden – und die ursprüngliche ‘Kometesimale’ sein könnten, aus denen sich der Komet zu Beginn der Geschichte des Sonnensystems aufgebaut haben mag. Allerdings sagt kein aktuelles Modell der Zusammenballungsprozesse zu Beginn des Planetensystems die bevorzugte Entstehung gerade solcher Gebilde voraus. Und unten strömt – bei tiefer Belichtung – etwas aus einem solchen Loch: vielleicht der Fußpunkt eines der Staubjets, die die OSIRIS-Weitwinkelkamera wie auch die NavCam sehen.

Solche Jets haben offenbar Auswirkungen auf die Rotation des Kerns: Dessen Tag war während des letzten Periheldurchgangs 2009 um 20 Minuten kürzer geworden, ist aber im letzten halben Jahr wieder 20 Sekunden länger geworden. Ansonsten rotiert der Kern aber ganz simpel um eine Achse, ohne die Komplexitäten, die z.B. bei Halley Jahre lang für Haareraufen sorgten. Zusammen mit der präzisen Vermessung des Einflusses der Kometenmasse auf Rosettas Bahn (“Radio Science” durch Analyse des Funkträgers) konnte auch die Dichte des Kerns abgeschätzt werden. Die Masse erwies sich mit 10^10 kg (der genaue Wert wird demnächst in einem weiteren Paper erscheinen) als um 30% geringer als erwartet, weil niemand wissen konnte, dass der Kern einen so schmalen Hals hat. Auch wenn die südliche Entosphäre noch im Dunkeln liegt, lassen sich doch die Maße des Kerns abschätzen, mit einem Volumen von 21 km^3, woraus eine Dichte von 0.47 g/cm^3 folgt. Aus der sich wiederum eine Porosität des Kometenkörpers von 70-80% ergibt, wobei aber noch nicht klar ist, ob sich diese vornehmlich auf mikroskopischer Skala oder aber makroskopisch – spricht: in Gestalt großer Hohlräume im Inneren – manifestiert.

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Der Staubanalysator COSIMA hat bisher vor allem mit den Bildern seiner Kamera COSISCOPE Aufsehen erregt, die eigentlich vornehmlich zum Zielen mit dem Ionenstrahl des Sekundärionen-Massenspektrometers dienen sollte: Geliefert hat sie bereits einen regelrechten Atlas von rund 3000 Staubteilchen C-Gs und ihrem Aussehen nach dem sanften Einschlag auf die Targets. Die Partikel haben durchweg Namen erhalten, um sich besser über sie unterhalten zu können: von Teammitgliedern, ihren Haustieren, Angehörigen etc. Hier z.B. “Eloi” unter zwei verschiedenen schrägen Beleuchtungen: Die Schattenlänge verrät, dass sein Trümmerhaufen etwa 0.1 mm hoch ist. Die Partikel zerplatzen beim Aufprall meist mit der gleichen Mechanik, mit der Schneebälle auf eine Wand treffen: Das spricht nun gerade gegen einen nennenswerten Eisanteil, der schlagartig sublimieren und charakteristische Löcher reißen würde. Vielmehr scheinen die bisher gefangenen Teilchen allesamt eisfrei zu sein: Relikte aus der letzten Sonnenpassage C-Gs, die noch auf der Oberfläche als Mantel herum liegen und vom jetzt einsetzenden Gasstrom in die Koma getragen werden. Die Voraussage ist, dass sie im weiteren Verlauf des Periheldurchgangs von frischerem, ursprünglicherem Staub mit dem erwarteten hohen Anteil flüchtiger Bestandteile abgelöst werden; wie in Bad Honnef zu erfahren war, scheint dies aber bisher nicht eingetreten zu sein. Wie das IR-Spektrometer VIRTIS feststellte, bedeckt den Kern jedenfalls komplexes organisches Material mit wenig Wassereis, und das Mikrowellen-Instrument MIRO meldet einen thermisch isolierende pudrige Oberfläche mit geringer Wärmeleitung.

Weitere staubige Erkenntnisse liefern der Staubzähler GIADA und auch OSIRIS, die zwei verschiedene Populationen von Teilchen detektieren bzw. vor dem dunklen Himmelshintergrund direkt sehen: Bis zu 2 cm große Partikel sind darunter, und das Staub-zu-Gas-Verhältnis in der Koma liegt bei 4±2. Der Gasanalysator ROSINA hat schon jetzt, 3.5 au von der Sonne entfernt, zahlreiche kometentypische Moleküle nachweisen können – und eine enorme Variation ihres Auftretens mit der Position Rosettas in der Koma und der Rotation des Kerns: Das wird es praktisch unmöglich machen, die Entwicklung der Produktionsraten der diversen Spezies in der Gesamtkoma als Funktion der Zeit anzugeben, verspricht aber spannende Erkenntnisse über den inhomogenen Aufbau des Kerns, was wiederum Aufschluss über dessen Geschichte geben sollte. Eine Entstehung des Kerns in großer Sonnenferne ist schon jetzt offensichtlich. Elektrodynamisch tut sich noch nicht so viel, aber das Plasma Consortium sieht bereits das allererste Entstehen einer Magnetosphäre. Die bei Halley so prägnante Magnetfeld-freie Zone rund um den Kern, wo der Sonnenwind komplett abgewehrt wird, gibt es aber noch nicht. Weitere Zusammenfassungen der Papers und andere Rosetta-News auch in Artikeln hier (früher), hier (früher), hier (früher), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (früher), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

In den Papers noch nicht, wohl aber in Bad Honnef, wurden erste Erkenntnisse von Philae nach seiner verrückten Hüpfreise über den Kern präsentiert: Während die Abstiegskamera ROLIS ihr völlig normales Programm absolvieren konnte und die Eigenschaften der ersten, planmäßigen Landezone Agilkia wie auch des endgültigen Ladeorts (inzwischen Abydos getauft, das war Platz 2 der Vorschläge gewesen) im Detail studieren konnte, haben andere Instrumente noch große Probleme, aus ihren Daten schlau zu werden. Unerwartet aufregend waren die Messungen des Magnetometers ROMAP, das – wie auch ein Gegenstück auf dem Orbiter – kuriose periodische Schwankungen der Feldstärke im Sonnenwind rund um C-G misst (deren Physik – cross-field current instability – erst jetzt verstanden zu sein scheint) und aus dessen Messungen wesentliche Rückschlüsse auf die Bewegungen Philaes auf und über der Oberfläche möglich sind. Das Magnetfeld des Kerns selbst ist kleiner als 1 nT. Aus den ROLIS-Bildern wie den mechanischen Erfahrungen von Philaes diversen Sensoren ergibt sich ein klares Bild von einer 0 bis 2 Meter dicken Regolith/Staub-Schicht auf sehr hartem Eis – dessen Entstehung durch einen Sinterungsprozess gut zu deutschen Kometensimulationen ein einer Vakuumkammer vor Jahrzehnten passen. Auch wenn der genaue Verbleib Philaes derzeit unklar ist: In Bad Honnef war der Optimismus groß, dass rund ums Perihel im Sommer wieder Kontakt bestehen sollte und viele der Instrumente ihre Arbeit auf dieser verrückten Welt wieder aufnehmen können.

ΛCDM – und sonst nix: das Vermächtnis von Planck

7. Februar 2015

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Die finale Intensitätskarte der Kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, basierend auf allen Planck- und WMAP-Daten sowie Radio-Messungen bei 408 Mhz – ein kleiner Streifen entlang der Milchstraße, 1.6% des Himmels, wurde durch simulierte Daten derselben Statistik ersetzt.

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Das neue Planck-Powerspektrum der Temperatur der Hintergrundstrahlung – unten (rechts von der senkrechten gestrichelten Linie in drastisch größerem Maßstab) die Residuen zu Dem Einen Modell, das die komplette Kosmologie fittet.

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Das Magnetfeld am ganzen Himmel und die Gesamtintensität der Synchrotronstrahlung, aus den Polarisationsmessungen Plancks: Die “Vorhänge” zeichnen – außer in konfusen Regionen – ganz gut das auf die Himmelsebene projizierte Magnetfeld der Milchstraße nach.

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Die Amplitude der Staub-Polarisation bei 353 GHz, aus kombinierten Planck- und WMAP-Messungen.

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Das Magnetfeld und die Gesamtintensität der Staubemission – abermals zeichnen die “Vorhänge” das Feld der Milchstraße nach.

Bis zum Frühsommer werden jetzt die Gesamtergebnisse der Planck-Mission veröffentlicht, und die ersten Papers sind schon da, etwa mit der Zusammenfassung und der umfassenden kosmologischen Analyse; Anfang 2016 soll dann noch “die nächste Generation von Datenprodukten” folgen. Daten wie Konsequenzen stimmen gut mit den Vorab-Ergebnissen von 2013 überein, haben aber nun eine höhere Präzision: Die Korrektur gewisser Systematiken hat zu leichten Verschiebungen von ein paar Parametern geführt, aber jeweils um weniger als eine halbe Standardabweichung (und in Kombination meist unter 0.7 Sigma). Die Powerspektren der minimalen aber deutlichen Temperatur- wie Polarisationsmuster der Kosmischen Hintergrundstrahlung (CMB) passen weiter bestens zur Konkordanz- oder Standardkosmologie mit Dunkler Materie und Energie (ΛCDM) und einem ‘flachen’ Kosmos: “The six-parameter base ΛCDM model continues to provide a very good match to the more extensive 2015 Planck data, including polarization”, schreibt das riesige Planck-Kosmologenteam: “This is the most important conclusion”.

Einige der Schlüssel-Zahlen, direkt aus Planck oder in Kombination mit anderen harten astrophysikalischen Daten, lauten jetzt: OmegaM (die Dichte der kosmischen Materie, Dunkel wie normal, relativ zur kritischen) ist 0.31±0.01, die Raumkrümmung |OmegaK| ist kleiner als 0.005, die Summe der Neutrinomassen kleiner als 0.23 eV, die Zustandsgleichung der Dunklen Energie beträgt -1.01±0.05 (und ist damit ununterscheidbar von Einsteins Kosmologischer Konstante), das Weltalter ist 13.80±0.04 Mrd. Jahre – und die Hubble-Konstante landet bei 67.8±0.9 km/s/Mpc. Damit bleibt eine gewisse “Spannung” zu direkten Ho-Messungen bestehen, die meist auf 70 bis 72 kommen, mit inzwischen auch sehr kleinen Fehlergrenzen. Die Planck-Auswerter bleiben so stur wie 2013, halten die Analyse allein aus der Hintergrundstrahlung für überlegen: “If a persuasive case can be made that a direct measurement of H0 conflicts with these estimates, then this will be strong evidence for additional physics beyond the base ΛCDM model” – für die sie aber ansonsten keinerlei Anzeichen sehen. So gibt es keine Hinweise auf zusätzliche Neutrinosorten oder andere exotische Erweiterungen von Physik und Kosmologie bis hin zu alternativen Gravitationstheorien. Ein paar andere ‘tensions’ gibt es zwar auch, aber keine erscheint problematisch: “If there is new physics beyond base ΛCDM, then the corresponding observational signatures in the CMB are weak and difficult to detect. This is the legacy of the Planck mission for cosmology.”

Wie schon vorab berichtet (“Mon Dieu …”), ist in der gemeinsamen Analyse der Planck- und BICEP2-Daten die Evidenz für primordiale Gravitationswellen in den Polarisationsmessungen der letzteren verschwunden: Planck allein liefert jetzt eine Obergrenze der entsprechenden Tensormoden von r < 0.11 – und sogar r < 0.09, wenn man BICEP2 und den Keck Array hinzu nimmt: Damit sind bestimmte Versionen der kosmischen Inflation ausgeschlossen, die Inflations-Hypothese als solche aber keineswegs. Im Gegenteil: "The Planck results offer powerful evidence in favour of simple inflationary models". Und noch ein Ergebnis aus den (Polarisations-)Messungen von Planck: Die Reionisation des Kosmos begann erst bei z=8.8(+1.7,-1.4), also etwa 550 Mio. Jahre nach dem Urknall – und damit rund 100 Mio. Jahre später als es in älteren WMAP-Daten geschienen hatte (die letzten Elektronen des Dunklen Zeitalters wechselwirkten mit de Photonen der Hintergrundstrahlung hinterließen in deren Polarisation ihre Spuren). Mithin hatten die ersten Sterne und Galaxien – die bei einem Weltalter von 300 bis 400 Mio. Jahren entstanden – genug Zeit, um mit ihrer UV-Strahlung des Kosmos wieder durchsichtig zu machen, exotische andere Prozesse sind nicht erforderlich. Noch bis etwa 900 Mio. Jahre nach dem Urknall hat das komplette Durchsichtigwerden des Alls dann noch gedauert: Press Releases in 3 Sprachen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, [NACHTRÄGE: hier, hier,] hier und hier und mehr Links. Auch neue Instrumente am Erdboden auf der Jagd nach den abhanden gekommenen primordialen Gravitationswellen, und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier weitere Nachrufe auf BICEP2s Ex-Signal.

Crowdfunding gelungen – interstellarum lebt!

6. Februar 2015

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Vor wenigen Sekunden hat große Crowdfunding für den Relaunch der deutschen amateurastronomischen Zeitschrift interstellarum die Fundingschwelle von EUR 100’000 genommen: Das ‘letzte Viertel’ kam innerhalb einer Woche zustande, selbst angesichts “typischer” Dramatik gegen Ende solcher Aktionen eine beeindrückende Welle der Unterstützung. Damit wird der Neustart zur Jahresmitte Wirklichkeit! Aber die fest termininierte Kampagne dauert noch eine ganze weitere Woche, so dass auch das ‘Stretchgoal’ EUR 115’000 nicht mehr utopisch erscheint: Dann würde es auch wieder einen digitalen Newsletter für alle gratis geben, der sonst zwar auch wiederkehrt, dann aber nur für Abonnenten. Es bleibt also weiter spannend! [NACHTRAG: Blog-Eintrag plus Reaktionen zum Erfolg]

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Die drei Jupitermond-Schatten gleichzeitig auf dem Planeten am 24. Januar wurden auch von Hubble verfolgt (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr): Man beachte, dass die Schatten der ferneren Monde erheblich unschärfer sind!

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Das nächste mondlose Lovejoy-Fenster hat sich geöffnet

Und der Komet – heute oben von Martin Mobberley mit einem Remote-Teleskop und unten vom Blogger mit stehender Kamera rechts neben Gamma Andromedae aufgenommen – hat derzeit noch etwa 4.8 mag. und ist ein sehr leichtes Feldstecher-Objekt mit großer Koma: weitere Bilder von heute, gestern (mehr, mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr und mehr), dem 3.2. (mehr), 2.2. und 1.2. und Spektren (mehr) – plus Ausbrüche von Schwassmann-Wachmann 1 (mehr und mehr) und Holmes (mehr und früher).

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Lovejoy – hier eine weitere Karte von S&T – steht nach Ende der Abenddämmerung derzeit 70°(!) hoch und ist zirkumpolar: Bis zum Morgen sinkt er langsam auf 5°. Der Mond zieht sich rasant vom Abendhimmel zurück, so dass das dunkle Fenster schon am 9. Februar 5 Stunden lang bis Mitternacht dauert, mit Lovejoy dann noch 30° hoch. Zur Monatsmitte steht Lovejoy bei Dämmerungsende noch gut 60° hoch, und er ist bis zum Beginn der Morgendämmerung an komplett dunklem Himmel zu sehen, mit einer unteren Kulmination im Norden in etwa 10° Höhe. Der Mond beginnt erst wieder nach dem 21. Februar zu stören, aber noch bis knapp vor Monatsende gibt es ein mondfreies Fenster in der 2. Nachthälfte. Bis dahin dürfte die Helligkeit Lovejoys, der am 18. Februar von der Andromedo in den Perseus wechselt, um eine weitere Größenklasse abgenommen haben und sich 6 mag. nähern.


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