Archive for September 2013

Allgemeiner Live-Blog vom 30.9. bis 2.10.2013

30. September 2013

2. Oktober

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Drei aktuelle ISONs, zweimal mit 2-m-Teleskopen aufgenommen: der obere am 29.9. mit dem Alfred-Jensch-Teleskop in Tautenburg im Rahmen einer ISON-Kampagne des MPS und der mittlere am 1.10. mit dem Liverpool Telescope auf La Palma, wobei keine großen Jets in der Koma zu erkennen sind. Das untere Bild nahm heute Michael Jäger mit einer 10-mal kleineren Optik auf, 7x240sec mit 8″/2.8 ASA und SXV-H9: Das gibt’s auch als Montage mit punktförmigen Sternen, plus weitere ISONs von heute hier, hier und hier. Jakub Cerny schätzte ISON heute mit einem 35-cm-Teleskop auf 11.0 mag. (Dia.=3′.2, DC=5, Tail: 0.1 deg in PA 300 deg) – und den neuen Lovejoy auf 10.6 mag.: Der könnte im November (ebenfalls) an der Sichtbarkeit mit dem bloßen Auge kratzen.

Ansonsten gab es letzte Nacht Aurora über N-Amerika, aber der starke geomagnetische Sturm, der einiges versprach, hat sich wieder gelegt, doch man weiß ja nie [NACHTRAG: und tatsächlich gab es am Abend ein wenig in Norddeutschland – und natürlich erst recht in Skandinavien – zu sehen]. Auch ein Jupiter vom 20.9., mehrere Vorträge über Amateur-Planetenbeobachtung und deren wissenschaftlichen Wert vom European Planetary Science Congress 2013 – und ein neuer Veränderlicher 11. Größe. [17:55 MESZ]

Die ersten HiRISE-Bilder von ISON aus dem Marsorbit sind reichlich unterbelichtet – aber vielleicht nützlich zur Abschätzung des Kern-Durchmessers. [18:40 MESZ] Da hilft auch Vergrößern nichts – und auf den (komprimierten Roh-)Bildern der Marsrover wurde auch noch nichts von ISON gefunden. Dafür könnte die Summe der HiRISE-Bilder einen vagen Schweif zeigen … [19:45 MESZ] … während ISON auch von SOHO/SWAN detektiert wurde. [21:15 MESZ] Ein kleiner Jet im 2-m-Bild vom 1.10. (links neu heraus gearbeitet) und eine kurze Diskussion der HiRISE-Bilder in diesem Hangout 0:46:30-53:20. [23:35 MESZ – Ende]

MAVEN könnte 1 Woche Shutdown tolerieren – aber dann

könnte es um das 2013-er Startfenster für den nächsten NASA-Marsorbiter geschehen sein, dessen Start-Vorbereitungen jäh unterbrochen wurden. „Er“ hatte sich gestern überraschend – sonst schweigen längst alle NASA-Feeds – wieder auf Twitter gemeldet, mit Kunde vom „ordentlichen Herunterfahren“ der Arbeiten und Sichern der Hardware aber auch weiter gehender Arbeit bei Kontraktoren, die nicht zur Regierung gehören und der Entschlossenheit, das 2013-er Fenster zu schaffen. Mehr – ohne nennenswert neue Details – zum NASA-Shutdown hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, zum Shutdown anderswo hier, hier, hier, hier und hier sowie zu Effekten für Journalisten und Social Media. Und ansonsten aus der Raumfahrt noch ein erfolgreicher Test mit dem Sunjammer-Sonnensegel, weitere Startvorbereitungen für den Astrometrie-Satelliten Gaia, die erste CASIS-Payload auf der ISS, der glückliche Drag and Atmospheric Neutral Density Explorer nach dem Falcon-9-Start und weitere Sorgen um deren 2. Stufe – beim nächsten Kunden. [17:20 MESZ. NACHTRÄGE: was da noch zu klären bleibt]


1. Oktober

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Selten war ein Bild aus dem Mars-Orbit willkommener als dieses von der HiRISE-Kamera auf dem Mars Reconnaissance Orbiter – denn es wurde vor wenigen Minuten von der University of Arizona, die die Kamera betreibt, verbreitet: Vom Shutdown der NASA, der u.a. den gesamten Outreach-Bereich erfasst hat, ist hier nichts zu spüren, denn man hat noch Knete in der Kasse. Auf den Bildern von ISON am Mars ist offenbar etwas drauf, das aber einer speziellen Verarbeitung bedarf und daher frühestens morgen vorgezeigt werden kann. Hier schon mal ISON heute (mehr) und gestern (mehr), auch Encke gestern und der neue P/2013 R3. Und ein Planetary-Resources-Slide vom Asteroiden-Workshop zur NEO-Suche per Crowdsourcing, mehrere Jupiters vom 24.9. und einer vom 22.9., die Sonnen-AR 1855 heute – und der Himmel im Oktober. [20:25 MESZ]

Was der Shutdown für die NASA & ihre Missionen bedeutet

Seit knapp 10 Stunden ist die US-Regierung „abgeschaltet“ und hat – bis auf eine als essentiell betrachtete Minderheit – alle Mitarbeiter in Zwangsurlaub geschickt, angesichts der verfahrenen Situation auf unbestimmte Zeit. Dass dies z.B. gravierende Folgen für die NASA haben würde, war immer schon klar und in Dokumenten hier, hier und hier [NACHTRAG: die man aber nicht mehr lesen kann, weil der NASA-Server abgeschaltet wurde!] angekündigt worden. Sichtbare Zeichen des NASA-Shutdowsn am 55. Geburtstag sind bereits jetzt z.B. das Ende aller Twitter-Feeds mit einem Standard-Text (wobei es Ausnahmen gab – und schon Reaktionen …), der Abbruch des Asteroiden-Workshops (s.u.), die Abschaltung der NASA-Homepage, ein Fahrverbot für Curiosity und das Ende des Live-TV von der ISS – aber was wird aus laufender, wegen der Himmelsmechanik nicht zu verschiebender Forschung und Manövern? Die ISON-Aufnahmen durch den MRO – heute ist größte Mars-Nähe! – sind immerhin schon programmiert, doch es ist unklar, wann die Welt eventuelle Ergebnisse zu sehen bekäme. In 5 Tagen sollte ferner der Mond-Einschuss von LADEE erfolgen – und im November dann der Orbiter MAVEN zum Mars starten: Bei diesem wäre eine Verschiebung besonders schädlich, weil sein Startfenster sehr begrenzt ist und das nächste erst wieder 26 Monate später käme … [16:25 MESZ] Weitere Artikel zu NASA-Folgen des Shutdown hier, hier, hier, hier und hier sowie zu anderen Forschungs-Folgen und mehr Links. [18:20 MESZ] Ein düsteres Rundschreiben an US-Planetenforscher, noch mehr zur Lage der NASA hier (am JPL geht’s vorerst weiter – kein Fahrverbot für Curiosity?), hier und hier und das Twitter-Echo. [18:40 MESZ]

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Die 66. und damit letzte ALMA-Antenne ist abgeliefert worden und zugleich die 25. europäische, was ESO und NRAO heute feiern: Europa und Nordamerika lieferten jeweils 25 12-m-Schüsseln und Ostasien weitere 4 und noch 12 7-m-Schüsseln. Ende des Jahres sollten alle 66 zusammen als ein Radiointerferometer von bis zu 16 km Ausdehnung arbeiten können. Ebenfalls heute gefeiert: der erste Nachweis von B-Moden-Polarisation des CMBR durch das South Pole Telescope & Herschel. [16:10 MESZ]


30. September

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Die erste „Wolken-Karte“ – oder zwei – eines Exoplaneten

Der ‚heiße Jupiter‘ Kepler-7b besitzt „optisch reflektierende Wolken westlich des Subsolar-Punkts in großer Höhe“: Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der Phasenkurve über einen Orbit, die deutlich von der eines simplen Reflektors abweicht. Das Verhalten läßt sich mit verschiedenen Modellen der Helligkeitsverteilung – oben zwei Beispiele – reproduzieren: In der Realität mag das so wie wie auf dieser künstlerischen Darstellung [alt.] aussehen, eine eindeutige „Karte“ geben die Lichtkurven nicht her. Plausibel wäre Wolkenbildung – vermutlich aus Silikaten – bei diesem Exoplaneten jedenfalls. [23:10 MESZ]

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So sieht die neue pakistanische Insel aus dem Weltraum aus, die am 24. September nach einem schweren Erdbeben vor der Küste auftauchte: ein Bild von EO-1. Auch letzte Blicke auf GOCE kurz vor seinem baldigen Absturz, NASA und UCLA Releases und ein Artikel zu Multi-Satelliten-Messungen der Plasma-Situation im Erde-Mond-System, die letzten Bilder von Kaguya, zehn Jahre SMART-1, Mars-Express-Einsichten zu Ozon über dem Mars-S-Pol, was Opportunity treibt, MAVEN im Cleanroom, Pläne für den MSL-Klon 2020, ein Paper und ein Press Release (alt.) über und Kuchen als Belohnung für Prop(yl)en auf Titan [NACHTRAG: mehr Links], die Ankunft von NIRSpec am GSFC für’s JWST, der Zeitplan für Chinas Raumstation und das Logo für das 5. und letzte ATV für die ISS. [21:40 MESZ]

„Russischer“ Asteroid kam der Erde nicht besonders nahe

Das unten kurz gemeldete Objekt – um das sich bereits diverse Verschwörungstheorien ranken – ist heute Abend wiedergefunden worden, von deutschen Amateurastronomen an der VSW Drebach: Wie sich nun zeigt, lag die aus wenigen Datenpunkten des 27.9. berechnete Bahn der Russen „völlig daneben“, und näher als 0.04 au ist 2013 SW24, wie es jetzt heißt, der Erde nie gekommen. Ein neuer Potentially Hazardous Asteroid ist es trotzdem, denn die Absoluthelligkeit liegt – etwas – über 22 und die MOID deutlich unter 0.05 au [NACHTRÄGE: die Story aus der Sicht eines der Russen – und die russische Version des RIAN-Artikels wurde korrigiert]. Auch beeindruckende Jupiters vom 24.9. und anderen Daten, eine CME der Sonne heute, mehr IR-Daten der Nova Del 2013, die für Staubbildung sprechen, die Aufgabe des 2.2-m-Teleskops auf La Silla durch die ESO, die Verhinderung einer Privatsternwarte durch organisierte Jäger – und die Ruhr-Bild über das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward und seine langwierigen Probleme. [21:20 MESZ]

cygnus

Gestern war ein „Super Space Sunday“ – und alle drei Herausforderungen innerhalb einiger Stunden wurden gemeistert. Als erstes konnte die ISS den ersten Cygnus einfangen (Bild; noch eins): NASA und Orbital Releases, Reaktionen, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links – und der Anflug vom Boden aus. Dann startete eine modifizierte Falcon 9 mit etlichen Satelliten: CSA (früher, noch früher) und Vandenberg Releases, ein Amateur-Video und Fotos (mehr und mehr) vom Start, Artikel hier, hier (früher), hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. Und zum Schluß gelang der erste Proton-Start nach dem Disaster mit einem TV-Satelliten: ILS und SES Releases, das Start-Video (Screenshots hier und hier), ein Live-Blog, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. [20:35 MESZ. NACHTRÄGE: Der Falcon-Start hatte Nebenwirkungen am Himmel – und es gibt den Verdacht, dass etwas nicht nach Plan verlief, was SpaceX bestreitet (mehr und mehr), aber Fragen bleiben]

Der „Asteroid Initiative Idea Synthesis Workshop“ beginnt

gerade und wird hier gestreamt: Auf dieser dreitägigen Veranstaltung sollen die noch nicht weit gediehenen NASA-Pläne einer Asteroiden-Umleitung in den Mondorbit zwecks Astronautenbesuchs klarer werden. Auch eine fragwürdige Berechnung – wie Experten diesem Blog versichern – einer angeblichen Beinahe-Kollision eines (kleinen) Asteroiden mit der Erde, der 6. Jahrestag des Starts von Dawn und der Vergleich seiner Daten des Klein/Vor-Planeten Vesta mit früheren Beobachtungen, ein Dashcam-Video eines Boliden aus Kanada, schon mehrere wissenschaftliche Papers zu ISON, der Komet heute (mehr), gestern (mehr) und vorgestern (mehr) sowie ein Statusbericht, der Ort am Himmel heute, viele Tabellen und Grafiken und die morgige Marsnähe – und C/2012 V2 (LINEAR) gestern neben einer Galaxie. [19:25 MESZ]

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Curiosity: Wo das Wasser im Marsboden steckt

29. September 2013

„Wasser auf dem Mars entdeckt!“ Bei dieser ‚Nachricht‘ brechen die einen in Jubel aus und verdrehen die anderen die Augen – letzteres zu Recht, denn spätestens seit das Neutronenspektrometer von Mars Odyssey eine klare Signatur von reichlich Wasser(eis) im Marsboden fand (siehe Artikel 500 von 2002), lautet die Frage nicht mehr ob, sondern wie sich nämliches Wasser im Wüstensand des Roten Planeten versteckt. Mehrere Instrumente des neuen Marsrovers Curiosity haben nun im „Rocknest“ eine Antwort gegeben wie auch sonst allerlei Chemisches herausgefunden, das diese Woche in fünf Papers beschrieben wird, die auch der Chef-Wissenschaftler und Press Releases hier, hier, hier, hier, hier und hier zusammenfassen. Untersucht wurde angewehtes Material, dessen Zusammensetzung derjenigen an anderen Orten auf dem Mars durch frühere Lander entsprach: Damit kann es als repräsentativ für den ganzen Mars dienen.

Die Mineralogie des Rocknest-Bodens wurde mit dem Röntgenbeugungs-Experiment XRD des CheMin-Labors untersucht: Zum einen gibt es kristallines Material („plagioclase (~An57), forsteritic olivine (~Fo62), augite, and pigeonite, with minor K-feldspar, magnetite, quartz, anhydrite, hematite, and ilmenite“), zum anderen 30 bis 50 Prozent amorphes Material, das kein klares Beugungsbild produzierte und über dessen Natur nur spekuliert werden kann; sein Eisenanteil scheint aber hoch zu sein. Die kristalline Komponente ähnelt dabei bestimmtem Basalt aus dem Krater Gusev wie auch basaltischen Marsmeteoriten, die amorphe vulkanischem Boden auf Hawaii und generell vulkanischen „andisoils“. Beim Erhitzen der Proben im SAM-Ofen manifestierten sich 1.5 bis 3 Gewichtsprozent H2O, das in der amorphen Komponente gesteckt haben dürfte, und auch die Messungen des ChemCam-Lasers, der auf den Boden schoss, bestätigen den Zusammenhang des Wassers mit ihr: Vermutlich stecken die Moleküle in Poren dieses Materials.

Die SAM-Erkenntnisse zeigen ferner, dass noch eine ganze Reihe weitere flüchtige Elemente daran gebunden sind, die bei fortschreitender Erhitzung frei gesetzt werden – was auch bedeutet, dass sich künftige Mars-Siedler relativ bequem Wasser, Kohlendioxid etc. beschaffen könnten. Die Isotopen-Signatur der SAM-Daten deutet dabei auf die Atmosphäre als Quelle der flüchtigen Verbindungen hin: Das passt zu früheren Vermutungen, wie der Marsboden mit ihr interagiert. Erwähnenswert in den Papers ist schließlich noch die exotische Petrochemie des Steins Jake M., die mit dem APXS festgestellt wurde: Es handelt sich vermutlich um einen Mugearit und damit verblüffend erdähnlichen alkalischen Basalt, was wiederum Hinweise auf die Frühgeschichte des Mars und eine größere Rolle von Wasser liefern könnte. In einem SAM-Paper anderswo wird derweil Perchlorat diskutiert, das andere Analysen erschweren würde: Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie mehr Links.

Live-Blog vom ScienceTweetup im FZ Jülich

29. September 2013

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40 Bilder vom ScienceTweetup – darunter vom hier ge-AutoStitch-ten JUQUEEN [NACHTRAG: größer!], nicht so schnittig wie der Vorgänger JUGENE, und einem Tesla Roadster – sind nun in diesem Album zu sehen. Und ausgewählte Bilder der anderen Teilnehmer gibt’s hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:40 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: ein Artikel des Meta-Gastgebers, der gar auf der Titelseite beworben wurde und wiederum diese Seite verlinkt, der Blogbericht eines Teilnehmers, Teile 1, 2 & 3, mehr Bilder hier, hier und hier und ein Storify]

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Fünf Stunden später … eine allererste Bilder-Auswahl

von der etliche(!) Kilometer langen Wanderung der ScienceTweeps kreuz und quer über den Campus: der Supercomputer JUQUEEN, ein Blick in seinen gigantischen Band-Speicher, ein gewaltiges Transmissions-Elektronenmikroskop, das einzelne Atome auflösen kann, ein Reinraum eines heute eröffneten Nanoelektronik-Zentrums und eine Brennstoffzellen-Demonstration. Viele weitere Impressionen in gesammelten Tweets etc. [15:35 MESZ]

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Versammlung im Morgengrauen: Die ersten Teilnehmer des Tweetups zum Tag der Neugier im Forschungszentrum Jülich sind bereits eingetroffen. Dieser Blogger war vor zwei Jahren schon mal auf dem Campus – und dachte sich damals, kurz nach dem ersten SpaceTweetup in Europa, dass man hier auch mal solch ein Nerd-Treffen abhalten sollte. Und nun passiert’s tatsächlich … [9:25 MESZ] Alle eingetroffen, gerade läuft eine Vorstell-Runde. [9:45 MESZ]

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Marcel Bülow stellt die Geschichte und Aufgaben des Forschungszentrums vor – ein weites Feld, mit 5000 Mitarbeitern eines der größten Europas. Hier werden alle Social-Media-Aktivitäten konzentriert. [9:50 MESZ]

Zwei(!) Ballons zum ISON-Gucken vor dem Start

29. September 2013

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Noch ist er nur ein Kometchen von vielleicht 12. Größe wie auf der gestrigen Aufnahme von Michael Jäger mit einem 8-cm-Refraktor oben, die immerhin schon eine ausgedehnte grünliche Gaskoma zeigt, aber die wissenschaftliche Erforschung ISONs nimmt dieser Tage gewaltig Fahrt auf. Nicht nur richten viele der z.Z. am oder auf dem Mars befindlichen Raumsonden ihre Instrumente auf den Kometen, auch gleich zwei Ballons sollen heute zu seinen Ehren in die Stratosphäre steigen: Denn außer dem aufwändigen amerikanischen BRRISON (aktuelle Bilder o. bei Tests am 26.9. und u. beim Roll-Out) macht sich auch ein indischer Amateur-Ballon bereit, wobei der große BRRISON (Balloon Rapid Response for ISON) für 2 Uhr MESZ vorbereitet. Was bereits hier live zu sehen ist (weitere Feeds), während es Updates hier geben sollte.

Artikel zu BRRISON hat’s hier, hier, hier, hier und hier, dazu neue ISON-Bilder vom 28.9. (im Dreieck mit Eros & Mars; alt., mehr, Details und mehr), 27.9., 26.9. (mehr, mehr und mehr), 25.9. (mehr und mehr) und 24.9. und weitere ISON-Artikel hier, hier und hier. Auch Lemmon am 28.9. und 27.9., P/2013 CU129 (PANSTARRS) am 26.9. und 2.9. und Kometenforschung auf der EPSC, namentlich in Erwartung von Rosetta. Und eine neue US-Feuerkugel mit zahlreichen Meldungen (einer von zweien in rascher Folge), weitere Artikel zur Chelyabinsk-Meteoriten-Suche im See hier, hier und hier, Jupiter am 16.9., von der Nova Del 2013 IR-Fotometrie und Röntgen-Daten, ein September-Bild der SN 2013ev „bei“ M 57, ferne Beobachtungen von Herschel durch Amateure, um die Bahn zu sichern, die Flugbahn der Rakete, die zufällig in La Palma gesehen wurde – und Sternwarten-Pläne in Amberg in der Zeitung.

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NACHTRAG: Noch eine Viertelstunde muss der Ballon aufgeblasen werden – und ganz links die Gondel mit den ISON-Instrumenten. Und der „Start ist bald“, sagt die NASA.

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NACHTRAG 2: Und auf geht’s! Die BRRISON-Nutzlast steigt am Ballon in die Höhe (Screenshot aus der Live-Übertragung mit einer Telekamera).

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NACHTRAG 3: ein weitwinkligerer Blick auf den Beginn von BRRISONs etwa eintägiger Reise.

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NACHTRAG 4: ein besseres Bild vom Start, aus einem Press Release des JHU APL. NACHTRAG 5: Und die Mission ist gescheitert! NACHTRAG 6: Der indische Ballon ist auch geflogen und wurde geborgen. NACHTRAG 7: in einem späten Artikel wenig neue Einsichten zum BRRISON-Versagen.

In Speyer: Europas größte Weltraum-Ausstellung

28. September 2013

Damit hatte dieser Blogger nicht gerechnet, als er am 21. September zusammen mit einer internationalen Schar Weltraum-Nerds nach Speyer aufbrach, um im dortigen Ableger des Technik-Museums die relativ neue Raumfahrtausstellung zu besichtigen. Wie das ganze Museum ist auch diese Space-Expo das Werk eines e.V. von Enthusiasten – von äußerst einnehmendem Wesen, wie die Fülle z.T. rarer Exponate aus der bemannten Raumfahrt in Ost & West beweist, die hier zusammen getragen wurde. Zur größten derartigen Ausstellung Europas!

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Die jüngste Erwerbung ist dieser Mondstein („Ein vierter Apollo-Mondstein ist dauerhaft in Deutschland“) von Apollo 15, der …

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… in der großen Raumfahrthalle am Rande einer nachgebauten Apollo-Landestelle platziert worden ist (und dort nicht besonders auffällt). Alle Landungen werden durch Schautafeln ausgiebig dargestellt, wobei …

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… ein gigantisches Mond-Panorama aus Bildern des Lunar Reconnaissance Orbiter das Zentrum bildet. Echte – und v.a. geflogene – Artefakte von Apollo und seinen Vorgängern sind in dieser Sektion der Halle noch nicht zu finden, wohl aber in anderen und v.a. den höher gelegenen Umgängen. (Auf ein didaktisches System der Anordnung wurde bewusst verzichtet: Der Besucher soll sich lieber überraschen lassen.)

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Zu den originalen Preziosen gehört diese Sternkarte, die 1966 mit Gemini 11 im Orbit war und bei einem Rendezvous-Manöver half: Weil die Sterne alle mit den üblichen griechischen Buchstaben versehen sind, gab es zur Sicherheit noch einen Spickzettel mit deren Aussprache dazu. Die Karte hat Pilot Gene Cernan signiert, der wiederum Probleme mit den römischen Zahlen zu haben schien …

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Mit Apollo 15 auf dem Mond war 1971 dieses Stromkabel aus der Landefähre „Falcon“, das dort zur Versorgung der Beleuchtung diente.

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Und hier ein besonders unappetitliches Mitbringsel von Apollo 17: dehydrierter Grapefruit-Saft, den die Besatzung wohl schon 1972 nicht mochte und deswegen von ihrer Mondreise, der letzten überhaupt, wieder mitbrachte …

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Die jüngste Erwerbung Speyers an großer Weltraum-Hardware ist die Landekapsel von Soyuz TM-19, mit der vor 19 Jahren u.a. Ulf Merbold von seinem Mir-Aufenthalt zurück kehrte.

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Und das Glanzstück ist natürlich der Prototyp OK-GLI von 1984 der sowjetischen Raumfähre Buran [NACHTRAG: dieser inzw. gelöschte Artikel (Seite zwei) war aus einem Buch gestohlen], der für Flugversuche in der Atmosphäre verwendet wurde (weshalb er vier eigene Jet-Triebwerke besitzt) – und nach allerlei Wirrnissen 2008 den Rhein hinauf nach Speyer gekommen war. Jetzt besticht die – seither mächtig herausgeputzte – Raumfähre durch ihre schiere Größe und Eleganz und kann von allen Seiten und aus nächster Nähe inspiziert werden. NACHTRAG: ein späterer Besuchs-Bericht.

Weiterer größerer Artikel

28. September 2013

Das »Ereignis von 774«: Alles ganz normal? Ein Effekt einer postulierten 3. Harmonischen des Schwabe-Zyklus könnte den Kohlenstoff-14-Sprung verantworten.

Video-Interview

15 Minuten zum Nahen des Kometen ISON in der interstellarum-Sternstunde Nr. 17 (9:35 bis 23:45).

Kleinere Artikel

CoRoT-7b ist eindeutig ein Felsplanet, zeigen neue und bessere RV-Messungen.

Deep Impact ist nicht mehr zu retten – keine Kommunikation seit ISON-Beobachtung im August.

(Ratgeber Komet ISON als Buch und Webseite! Mit diesem Blogger als Lead-Autor.)

20 Jahre nach 1. Flug: ein Besuch beim ORFEUS

28. September 2013

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Vor genau 20 Jahren bei der Shuttle-Mission STS-51 im September 1993 und noch einmal drei Jahre später bei STS-80 war es an Bord gewesen: das Orbitale und Rückführbare Fern- und Extrem-Ultraviolett-Spektrometer (ORFEUS), das in einen Shuttle Pallet Satellite (SPAS) eingebaut eine bzw. zwei Wochen Astronomie-Satellit spielen durfte, bevor dieser wieder eingefangen wurde. Der entsprechend ausgerüstete ASTRO-SPAS hat im Deutschen Museum München seine letzte Heimat gefunden, bestückt mit seiner letzten Nutzlast CRISTA – aber den ORFEUS findet man im Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen, wo dieser Blogger und drei andere Weltraum-Enthusiasten am Rande der AG-Tagung diese Woche Gelegenheit zu einem kurzen Besuch bei dem ergiebigen Teleskop hatten. Vorhanden sind derzeit der vordere Teil des Tubus (oben) nebst Halterungen für die Instrumente (2. Bild) und aufwändiger Klappe (3. Bild), deren Mechanismus (4. Bild) nach NASA-Vorgaben seinerzeit mehrere Millionen DM verschlang, sowie ein Detektor (unten).

Noch bei einer Zuliefer-Firma eingelagert ist der 1-m-Hauptspiegel (der aber bald auch nach Tübingen kommt, wo ein kleines UV-Astro-Museum geplant ist): Im 1. Bild im Vordergrund zu sehen ist stattdessen der gleich große Spiegel eines UV-Instruments, das bereits Anfang der 1980-er Jahre auf einer Aries-Rakete in White Sands geflogen wurde, zwecks u.a. der Vermessung des FUV-Hintergrunds. Minus seiner wertvollen Beschichtung aus Iridium: Die hatte einst eine eifrige Putzfrau in einer Ausstellung abgerubbelt, bevor sie Ministerpräsident Lothar Späth besuchte. Nur eine von zahllosen Anekdoten, die sich um das Tübinger Weltraum-Astronomie-Programm ranken: So kam es während STS-51 beim Aussetzen einer anderen Nutzlast zu einer ungeplant heftigen pyrotechnischen Reaktion, und kleine Trümmer flogen in der Ladebucht herum – auch der ASTRO-SPAS erlitt ein paar Treffer. Immerhin wurde dann die Video-Zielkamera der auf ihm montierten IMAX-Kamera benutzt, um den Shuttle-Orbiter von außen zu inspizieren, während ORFEUS am Robotarm herum geschwenkt wurde. Ein paar spektakuläre Szenen zu Beginn von „Destiny in Space“ kamen überhaupt nur deswegen zustande …

IPCC erneut: Sonnenzyklus kaum Klima-relevant

27. September 2013

Pünktlich ist es heute fertig geworden, das Approved Summary for Policy Makers des Berichts der Working Group I im Fifth Assessment Report des Intergovernmental Panel on Climate Change: der umfassendsten und – wegen unzähliger Autoren – ausgewogensten Darstellung der Klima-Situation dieses Planeten. Hier sind die Schlüsselsätze im Originaltext, mit Hervorhebungen durch dieses Blog, wenn es um die – wie man schon einige ARs zuvor erkannt hat, unbedeutende und nahezu unmerkliche – Rolle der Variabilität der Sonne geht (die zugleich der einzige Weltraum-Bezug in dem vorliegenden Summary ist, alle anderen Effekte gehen auf die Variabilität der Erde selbst zurück oder menschlichen Einfluss): „Warming of the climate system is unequivocal, and since the 1950s, many of the observed changes are unprecedented over decades to millennia. The atmosphere and ocean have warmed, the amounts of snow and ice have diminished, sea level has risen, and the concentrations of greenhouse gases have increased […].

Each of the last three decades has been successively warmer at the Earth’s surface than any preceding decade since 1850 […]. In the Northern Hemisphere, 1983–2012 was likely the warmest 30-year period of the last 1400 years. The globally averaged combined land and ocean surface temperature data as calculated by a linear trend, show a warming of 0.85 [0.65 to 1.06] °C, over the period 1880–2012, when multiple independently produced datasets exist. The total increase between the average of the 1850–1900 period and the 2003–2012 period is 0.78 [0.72 to 0.85] °C […]. Total radiative forcing is positive, and has led to an uptake of energy by the climate system. The largest contribution to total radiative forcing is caused by the increase in the atmospheric concentration of CO2 since 1750 […].

The RF due to changes in solar irradiance is estimated as 0.05 [0.00 to 0.10] W/m^2. Satellite observations of total solar irradiance changes from 1978 to 2011 indicate that the last solar minimum was lower than the previous two. This results in a RF of –0.04 [–0.08 to 0.00] W/m^2 between the most recent minimum in 2008 and the 1986 minimum. […] The total natural RF from solar irradiance changes and stratospheric volcanic aerosols made only a small contribution to the net radiative forcing throughout the last century, except for brief periods after large volcanic eruptions. The observed reduction in surface warming trend over the period 1998–2012 as compared to the period 1951–2012, is due in roughly equal measure to a reduced trend in radiative forcing and a cooling contribution from internal variability, which includes a possible redistribution of heat within the ocean […].

The reduced trend in radiative forcing is primarily due to volcanic eruptions and the timing of the downward phase of the 11-year solar cycle. However, there is low confidence in quantifying the role of changes in radiative forcing in causing the reduced warming trend. […] Greenhouse gases contributed a global mean surface warming likely to be in the range of 0.5°C to 1.3°C over the period 1951−2010 […]. The contribution from natural forcings is likely to be in the range of −0.1°C to 0.1°C, and from internal variability is likely to be in the range of −0.1°C to 0.1°C. Together these assessed contributions are consistent with the observed warming of approximately 0.6°C to 0.7°C over this period. […]

There is high confidence that changes in total solar irradiance have not contributed to the increase in global mean surface temperature over the period 1986 to 2008, based on direct satellite measurements of total solar irradiance. There is medium confidence that the 11-year cycle of solar variability influences decadal climate fluctuations in some regions. No robust association between changes in cosmic rays and cloudiness has been identified.“ Hier noch eine andere Sammlung von Auszügen, und wie einer Pressemitteilung des IPCC zu entnehmen ist, wird der komplette Working Ground Report I des AR5 am 30. September veröffentlicht. 2500 Seiten, die die obigen Aussagen anhand der publizierten Literatur – das IPCC selbst forscht nicht – akribisch begründen: Über 9200 Papers wurden ausgewertet, mehr als 3/4 davon nach dem letzten AR 2007 erschienen. Weiterführende Artikel zum Summary z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRÄGE: AGU und GSFC Releases, ein Interview mit Autoren, Artikel & Kommentare hier, hier und hier, Radio-Interviews hier, hier und hier und mehr Links hier und hier.

Allgemeines Live-Blog vom 24 . bis 26. 9. 2013

24. September 2013

26. September

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Deutsches Astronomie-Portal tatsächlich vor dem Start

Es wurde bereits vorletztes und letztes Jahr (ganz unten) auf den „Public Outreach in der Astronomie“-Treffen am Rande der Tagungen der Astronomischen Gesellschaft eifrig über ein zentrales Astronomie-Portal für Deutschland diskutiert – und dieses Jahr kommt es nun wirklich, nachdem die Web-Experten von Welt der Physik (im Bild: J. Kube vor einem Prototyp auf dem gerade laufenden Meeting) die technische Ausführung übernommen haben. Geld und Manpower – in Maßen – ist auch schon da, Content wird dieser Tage gesammelt, und im Herbst sollte die Seite online gehen. [17:10 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Auf dem Workshop vorgestellt wurden u.a. auch der Strategic Plan der IAU, Sternschnuppern und die Sammlung historischer Himmelsaufnahmen in Bonn, das Public Telescope und der faszinierende SkyPole in Sonneberg. Und noch allerlei Tagungs-Folien und -Impressionen mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

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Die ISS hat nun wieder sechs Besatzungsmitglieder, nachdem 3 neue der Expedition 37 in der Nacht – und wieder im Express-Modus – die Station erreichten: Artikel zu Soyuz TMA-10M hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links sowie zur Haltbarkeit der ISS bis 2028, dem Status von LADEE auf dem Weg zum Mond, dem chinesischen Aufruf zur Taufe des Mond-Rovers und der nächsten Auswahl von ESA-Wissenschafts-Missionen. [11:20 MESZ]


25. September

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Grußwort des Präsidenten der Royal Astronomical Society, David Southwood, zum 150. Geburtstag der Astronomischen Gesellschaft im Rahmen eines dreistündigen Festaktes heute: mehr Impressionen aus Tübingen hier, hier, hier, hier und hier. [18:40 MESZ. NACHTRAG: ein Artikel über den Festakt]

La-Palma-Show war wirklich der Test einer Uboot-Rakete

Die Satelliten-Spezialisten hatten Recht: Was am 10. September von La Palma aus beobachtet wurde („Fotografierte Amateur einen supergeheimen Raketenstart?“), ist der Teststart einer Trident-Rakete von einem Uboot im Atlantik gewesen: Das ergibt sich jetzt aus einer Pressemitteilung von LockMart, die vier solche Starts am 10. und 12. September beschreibt – Akte zu! Auch eine Erklärung für einen Fehlstart in Norwegen, der Swarm-Start im November auf einer Rockot, der alte Spitzer als Exoplanetiker, eine Erklärung für den 3. Strahlungsgürtel der Erde, der nächste deutsche Radar-Satellit, mehr Phobos & Deimos von der Oberfläche des Mars und der baldige ISON-Besuch dort sowie ISON am 24.9. in Farbe, Encke heute und noch mehr aktuelle Kometen, ein NASA-Workshop zu den Asteroiden-Plänen, das erste Paper zu Chelyabinsk-Meteoriten und weitere Funde, neue Sonnenilder von Sunrise [NACHTRAG: ein NASA Release] und das schlappe Maximum – und ein Orden der AAS für die wilde Barbara. [12:55 MESZ]


24. September

bohne

Jubiläums-Tagung der Astronomischen Gesellschaft läuft

Vor 150 Jahren wurde die „AG“ gegründet, die diese Woche in Tübingen tagt: Morgen wird der Geburtstag groß gefeiert (wobei der Festakt öffentlich ist!), aber schon gestern gab bei der Tagung des AK Geschichte in der AG etwas höchst Historisches zu sehen. Nämlich ein extrem seltenes Exemplar einer originalen „Bohnenberger-Maschine“, das vor knapp 10 Jahren zufällig in der Physiksammlung eines Tübinger Gymnasiums entdeckt worden war [KORREKTUR: aus der Privatsammlung von J. Kost]: das älteste überhaupt existierende Gyroskop, eigentlich vor knapp 200 Jahren nur als Demonstrationsmodell gebaut worden war aber – via Foucault – zum Urahn des Kreiselkompasses wurde. Weitere frühe Impressionen von der AG-Tagung auch hier, hier und hier – und in der Splinter-Session zu Planeten-Transits war gerade auch zu erfahren, dass der Satellit CoRoT 155’000 Lichtkurven hinterlassen hat, die bis 2014 alle hier verfügbar sein werden. Bisher sind 34 eindeutige Planeten in den Daten identifiziert, darunter 3 Mehrfach-Systeme, aber viele weitere Kandidaten warten noch auf Bestätigung. [15:25 MESZ. NACHTRÄGE: Pressemitteilungen von AIP und AG und ein Artikel]

Raumfahrt-Splitter: Die erste Cygnus-Mission zur ISS ist in Schwierigkeiten geraten, da die Navigations-Software gestört ist (früher, mehr und mehr): nächste Annäherung nicht vor dem 28.9. / Zum nächsten deutschen ISS-Besuch ab Mai 2014 gibt es allerlei Einzelheiten und ein Logo. / Curiosity rollt wieder gen Aeolis Mons – und die Nicht-CH4-Detektion missfällt Indien … [15:00 MESZ]

Wie – zur Zeit fast nur – Amateure ISON im Blick haben, macht dieses Video von der ISON Campaign deutlich [NACHTRAG: Textfassung]. Das auch spekuliert, ISON könnte noch ein besserer Lovejoy werden. Auch ein ESA Release und ein CIOC PotW zu geplanten ISON-Beobachtungen im Weltraum, Besprechungen des ISON-Buches des Bloggers in Deutschland und England, noch mehr ISONisches hier und hier, ein Video von heute mit einem Asteroiden neben ISON [NACHTRAG: nämlich (433) Eros] und Bilder von heute, gestern (mehr und mehr), vorgestern und vom 17.9. Sowie C/2012 V2 (LINEAR) am 14.9. (!) und C/2013 R1 (Lovejoy) am 21.9., noch mehr zu Phaeton, Jupiter heute, am 20.9. und 4.9., die Nova Del 2013 schon ganz rot geworden sowie Amateur-Spektren und Daten im UV und IR – und der Asteroid, der Müll war, und eine mögliche Identifizierung. [14:40 MESZ]

Viele Unwägbarkeiten vor 1. Kometenlandung

22. September 2013

Philae1

Philae2

Philae3

Witzeleien sind kaum vermeidbar, seit bekannt wurde, dass der Lander Philae des Kometenorbiters Rosetta ausgerechnet am 11.11.2014 auf den Kern von Churyumov-Gerasimenko abgesetzt werden soll: Eines der drei verantwortlichen Kontrollzentren befindet sich nämlich just in Köln, im MUSC des DLR. Und ein wenig jeck ist das ganze Unterfangen ohnehin schon, weiß man doch eigentlich herzlich wenig – über die Beschaffenheit der Kernoberfläche sowie aber auch über die Befindlichkeit von Philae in den kritischen Stunden, jedenfalls derzeit noch. Das war am Rande des Tages der Luft- und Raumfahrt heute von mehreren Betreuern Philaes zu erfahren, als die deutsche Heimat des Landers zum letzten Mal vor dem Ereignis der breiten Öffentlichkeit zugänglich war: Die Bilder zeigen das elektrische Bodenmodell Philaes (einige mechanische Komponenten fehlen, sonst ist es mit dem Flugmodell identisch) in einem Gestell, ein ge-AutoStitch-tes Panorama des Kontrollraums und ein Modell des Landers auf einer ausnehmend landefreundlichen Kometenlandschaft platziert, nebst einer wissbegierigen Kinderschar.

Wie Philae – huckepack auf dem viel größeren Orbiter sitzend – die zehnjährige Reise bisher bekommen ist, wird sich erst im kommenden Frühjahr erweisen: Zwar soll Rosetta am 20. Januar 2014 aus seinem langen „Winterschlaf“ erwachen, aber erst im März oder April wird nach dem aktuellen Zeitplan mit Tests an Philae begonnen. Wichtig ist vor allem der Zustand jener der beiden Batterien, die während des Abstiegs für den Strom sorgt: Von ihrem Ladezustand und ihrer Kapazität hängt ab, ob sich Philae während des ballistischen Abstiegs zum Kometenkern und dem Aufsetzen überhaupt melden kann. Selbst im Idealfall dürfte man dabei nur auf erheblich weniger Telemetrie hoffen als zuletzt bei den drei amerikanischen Marslandungen 2004 und 2012 praktisch in Echtzeit (plus Signallaufzeit natürlich) zur Verfügung stand. Sieht es mit der Batterie schlecht aus, gibt es unter Umständen auch nach der Landung weiter Funkstille, und es werden erst einmal einige Daten gesammelt, bis eine Meldung erfolgt. Egal was und wann: Es wird rund eine Stunde dauern, bis Nachrichten die Erde erreichen, nicht nur wegen 38 Minuten Signalzeit aus 3.5 au Entfernung sondern auch allerlei Umwegen der Datenpakete bis zu den Kontrollzentren.

Voraussichtlich derer drei werden eine Rolle spielen: Das ESOC in Darmstadt, von wo aus Rosetta selbst gesteuert wird, natürlich (dort wird auch der Philae-Chef sein sowie dem Vernehmen nach alle Medienarbeit stattfinden), der Kontrollraum in Köln, wo man sich v.a. die Landertechnik kümmert (wobei der Abstieg selbst natürlich voll automatisch ablaufen muss) – und ein vergleichbarer in Toulouse, wo die meisten Wissenschaftler der Philiae-Instrumente sitzen werden. Nach dem Abwurf Philaes muss sich Rosetta erst langsam umdrehen, um seine Antenne auf den Lander auszurichten: Bilder des entschwindenden Begleiters aber auch von eventuellen Effekten seiner Landung sind kaum zu erwarten. Philae allerdings soll kurz nach der Abtrennung Rosetta fotografieren, sogar in Stereo, was dann später gesendet wird. Wenn der Lander denn ordentlich auf der Kernoberfläche zum Stehen gekommen ist (und seine Solarzellen dann eine zweite Batterie aufladen, für bis zu 3 Monate Operationen) – und nicht etwa in extrem porösem Material spurlos verschwunden ist, was manche Kometenforscher durchaus befürchten. Die Stunde der Wahrheit rückt unerbittlich näher: Wie dem Display im Kölner Kontrollraum zu entnehmen ist, sinkt der Abstand Rosetta – Komet z.Z. ziemlich genau jede Sekunde um einen Kilometer. Heute waren es noch 17 Millionen …