Archive for Januar 2011

The hunt is on for NanoSail D: some sightings, no major flares yet

31. Januar 2011

R. Miles / BAA / Faulkes Telescopes

Neben den bisherigen Beobachtungen des kleinen Sonnenseglers auch genug ’normale‘ Astronomie – etwa der aktuelle Ausbruch von Schwassmann-Wachmann (Bild mit Faulkes Nord vom 27. Januar), eine Supernova mit einer 12 vor dem Komma und die Entwicklung des Saturn-Sturms – im neuen Cosmos 4 U mit Links zu Beobachtungen der vergangenen drei Wochen!

Advertisements

LHC-Lauf 2011/12 praktisch beschlossene Sache

30. Januar 2011

Auf einem Meeting in Frankreich wurde diese Woche die Empfehlung ausgesprochen, den Large Hadron Collider wie allgemein in der Community gewünscht nach dem Wiederanfahren im Februar bis Ende 2012 durch laufen zu lassen – es gilt als sicher, dass das Management dem morgen Nachmittag folgen wird. Zunächst wird es wieder Kollisionen mit 7 TeV geben, aber 2012 könnten es auch 8 TeV werden: Zuvor sind allerdings umfangreiche Sicherheitstests an den supraleitenden Magneten nötig. Bevor – nunmehr 2014 – die Wunschenergie von 14 TeV erlaubt werden kann, sind an diesen auf jeden Fall umfangreiche Verbesserungen nötig. Und warum führt man diese nicht gleich durch und kann dafür schneller zur hohen Energie schreiten? Für die statistische Analyse der Kollisionsergebnisse – auf der alle physikalischen Beobachtungen und deren Signifikanz beruhen – ist die Zahl der Kollisionsereignisse mindestens so wichtig wie die Energie, so dass auch mit 7 oder 8 TeV bereits bis Ende 2012 eine Menge ’neue Physik‘ erreichbar sein sollte. Und außerdem lief der LHC 2010 so reibungslos, dass man erst mal nicht groß an seinen Inneren herum basteln will, bevor nicht noch mehr Daten im Kasten sind. Nature Blog 28.1.2011; auch ein Press Release des Imperial College 26.1.2011 zum womöglich kurz bevorstehenden Nachweis von Supersymmetrie mit dem LHC-Detektor CMS. NACHTRAG: Die Verlängerung bis Ende 2012 ist abgesegnet worden (kein Wort jedoch zur möglichen Energie-Erhöhung von 7 auf 8 TeV). Und alle freuen sich. NACHTRAG 2: Die 8 TeV für 2012 scheinen ohne weitere Tests bereits vom Tisch zu sein, „the risk is too high.“ NACHTRAG 3: wie es nunmehr um die Higgs-Jagd steht.

Eine fundamentale Definition des Kilogramms rückt näher

Die Metrologen der Welt – die sich um eindeutige Maßeinheiten sorgen – würde gerne langfristig alle SI-Einheiten mit Hilfe allein von Naturkonstanten definieren, doch insbesondere die Masseneinheit fällt aus dem Rahmen: Das Kilogramm ist seit 110 Jahren „gleich der Masse des Urkilogramms“ in einem Safe in Paris, Punkt. Seit Jahren bemühen sich Physiker nun schon, das kg auf fundamentale Weise darzustellen, und v.a. zwei Methoden scheinen sich zu bewähren: das Atome-Zählen in Silizium-Kugeln und Effekte elektrischen Stroms in einer Watt-Waage. So soll nun diesen Oktober darüber befunden werden, ob beide Verfahren a) wirklich sauber genug sind und b) auch zusammen passen – wenn ja, dann könnte die Neudefinition des kg ganz offiziell in die Wege geleitet werden. Und dann bräuchten auch nicht mehr Ampere, Kelvin und Mol vom Urkilo abzuhängen, wie sie es derzeit – mehr oder weniger indirekt – noch tun, sondern könnten direkt auf die Planck-, Boltzmann- und Avogadro-Konstante („Ein Wert …“) sowie die Elektronen-Ladung zurück geführt werden. (PTB PM 27., Physics World Blog 26.1.2011, Physics World 1.10.2010) NACHTRAG: ein seeehr langer Review zur Saga des Kilogramms und des SI.

Die Atommassen werden jetzt anders angegeben: Während die Ordnungszahl eines Atomkerns als Zahl der Protonen eine natürliche Zahl ist, die das chemische Element eindeutig identifiziert, ist die relative Atommasse eine reelle Zahl, die gemessen werden muss – denn viele Atome kommen mit unterschiedlicher Neutronenzahl vor. Bislang wurde im Periodensystem der Elemente ein Mittelwert der relativen Atommassen genannt (früher als „Atomgewicht“ bezeichnet), aber jetzt ist die zuständige IUPAC dazu übergegangen, die relativen Atommassen durch Intervalle mit den Extremwerten anzugeben, zunächst für 10 Elemente inkl. Wasser-, Kohlen- und Sauerstoff: Das soll der natürlichen Schwankung besser Rechnung tragen. Die Intervalle sind allerdings sehr klein: Praktisch ändert sich fast nichts. (Univ. of Calgary Press Release 15., Ars Technica, Science Journalism Tracker 16.12.2010)

Das Sonnensystem – statisch und in Bewegung

29. Januar 2011

Hier rotiert der Asteroid 2008 EV5: Radarbilder mehrerer großer Antennen vom Dezember 2008 animiert. Der Kleinplanet ist 400±50 m groß und wird von einem 150-m-Krater dominiert: Vermutlich die Folge eines großen Impakts, dessen Erschütterungen andere Features auf der Oberfläche auslöschten.

Doppeleruption auf der Sonne am 28. Januar: Auf diesem SDO-Bild wird links ein Filament instabil, während sich rechts ein M-Flare erreignet, dem auch ein koronaler Massenauswurf folgte. Ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen durch weiträumige magnetische Kopplung liegt nahe.

Mars mit Musik …: Allerlei Bilder der HiRISE-Kamera auf dem Mars Reconnaissance Orbiter wurden hier mit exotischen Klängen unterlegt.

Ein kurioser „Schmetterlings-Krater“ auf dem Mars – hier in einem Mosaik aus mehreren Odyssey-Bildern von E. Lakdawalla – entstand durch einen sehr flachen Impakt: Der einschlagende Körper, der den 10-km-Krater formte, flog in weniger als 10° Winkel zur Oberfläche. Und war vermutlich ein ehemaliger Mini-Mars-Mond!

Eine farbige Animation des Saturnmonds Prometheus, inklusive seiner dunklen Seite, aus den Rohbildern gemorpht, die bei einem Cassini-Besuch vor einem Jahr entstanden waren.

Na endlich: Stardust hat Tempel 1 gefunden!

27. Januar 2011

Fraglos ein ziemlich hässliches Kometenfoto – aber ein hoch willkommenes: Am 18. und 19. Januar hat die Sonde Stardust auf dem Weg zu Tempel 1 („Nicht zuviel erwarten …“) zum ersten Mal den Kometen erwischt, aus 26 bzw. 25 Mio. km Entfernung. Der Abstand sinkt jeden Tag um 950’000 km.

Die 2009-er Post-Impakt-Wolke auf dem Jupiter, gesehen am 20. und 22. Juli und 16. August bei 2.1 µm mit der Infrared Telescope Facility der NASA (oben & unten) bzw. bei 9.7 µm mit Gemini North: Eine neue Analyse des Ereignisses kommt zu demselben Schluss wie frühere Papers (s.a. hier im 2. Absatz), dass am 19. Juli 2009 ein Asteroid „von der Größe der Titanic“ und kein Komet auf die Atmosphäre des Gasriesen traf.

Das erste Erdbild der „EarthKAM“ an neuem Platz auf der ISS: Die Digitalkamera auf der Raumstation, die von Schülern ferngesteuert wird, sitzt nun hinter einem besonders guten Nadir-Fenster, der Window Observational Research Facility (WORF), die erstmals benutzt werden kann. Die Aufnahme vom 17. Januar (Ausschnitt) zeigt das kanadische British Columbia, knapp nördlich von Vancouver Island.

Ein Galaxienkandidat mit Rotverschiebung ~10 aus dem HUDF09 hat es bis in Nature geschafft

26. Januar 2011

Das ist die Galaxie UDFj-39546284 aus dem 2009er Hubble Ultra Deep Field („Schon 12 …“): Für Spektren selbst mit den größten existierenden Teleskopen ist sie zu schwach, aber ihre photometrische Rotverschiebung – abgeschätzt aus der Helligkeit bzw. Abwesenheit auf Bildern verschiedener Wellenlängen – von 10.3 gilt als so gut abgesichert, dass das Paper über sie jetzt in Nature erscheinen darf. Aber wie man dem ‚paper trail‘ des Preprints entnehmen kann, hat es bis zu diesem kosmischen Ritterschlag über ein Jahr und 5 Versionen gedauert, und die erste Version von Ende 2009 enthielt noch drei Galaxienkandidaten mit z~10, die aber in der 4. Version vom August 2010 allesamt zweifelhaft geworden waren. Die Urfassung hatte schon damals einiges Aufsehen erregt, zumal es noch etliche weitere z~10-Kandidaten einer konkurrierenden Arbeitsgruppe gab.

Auf einer großen HUDF-Pressekonferenz im Januar 2010 waren dann überraschend Galaxien mit „nur“ 7 < z < 8.5 als Entfernungsrekorde gefeiert worden: Wie dieser Blogger erfuhr, hatten sich die beiden Gruppen vorher geeinigt, die kontroversen Objekte mit z~10 lieber außen vor zu lassen. Die andere Arbeit ist übrigens inzwischen – in der 3. Fassung – von einer Zeitschrift in der VR China angenommen worden und dort im September 2010 erschienen, ohne Nature-Glanz und mediale Begleitung. Nun darf man gespannt sein, wie es der z=10.3-Galaxie der anderen im Rampenlicht ergehen wird, nachdem sie gerade auf einer NASA-PK präsentiert wurde. Einen wichtigen Test hat sie jedenfalls schon bestanden: Das Spitzer Space Telescope sieht an dieser Stelle nichts, was bei einer staubreichen Galaxie mit geringerem z – einer Alternativ-Interpretation der Fotometrie – zu erwarten gewesen wäre.

Was z=10.3 eigentlich bedeutet, verrät der Cosmology Calculator: Wir sehen diese Galaxie zu einem Zeitpunkt, als der Kosmos nur 460 Mio. Jahre alt war, und ihr Licht ist 13.2 Mrd. Jahre unterwegs gewesen. Das sind zwar nur ~100 Mio. Jahre mehr als bei der bisher fernsten bekannten Galaxie mit z=8.555 (deren Rotverschiebung ein echtes Spektrum belegt), aber es ist doch ein wichtiger Schritt näher an den Urknall heran: Die Sternentstehungsrate ist in den 170 Mio. Jahren von damals bis z=8 um ungefähr einen Faktor 10 nach oben geschnellt. Und für die Erklärung der Reionisation des Alls reicht die resultierende Strahlung weiterhin nicht. Noch näher an den Urknall heran wird erst der infrarote Riesensatellit JWST schauen können, der auf der NASA-PK fortwährend beschworen wurde. NACHTRAG: Laut diesem Artikel ist die Galaxie ein vierter Kandidat, während sich die anderen 3 von 2009 alle als näher herausstellten. Und die Konkurrenten seien mit dieser hier auch einverstanden. NACHTRAG 2: Umgekehrt überzeugen aber deren Kandidaten den 1. Autor der anderen Gruppe weiterhin kaum – der aber auch die eigene z=10-Galaxie für „still not entirely secure“ hält (persönl. Mitt.).

Primärmission des Sonnenseglers IKAROS zuende

26. Januar 2011

Während es zwar eine Reihe mutmaßlicher Sichtungen des NanoSail D im niedrigen Erdorbit gibt, aber immer noch keine durch das Projekt anerkannten (die auf NanoSail.org erscheinen würden), hat der viel größere japanische Bruder IKAROS gerade seine Primärmission beendet, nach einem überaus erfolgreichen Flug durch’s innere Sonnensystem, der zuletzt auch an der Venus vorbei („IKAROS passierte …“) führte: Obiger Schnappschuss mit einer der kleinen Kameras an Bord zeigt die Sichel des Planeten hinter dem Segel! Während auf der Projekt-Seite nur vage von einer „post-operationellen Phase“ der Mission die Rede ist, [EDIT] wurde die Mission laut diesem Artikel bis März 2012 verlängert, um – im Hinblick auf künftige Unternehmen – riskantere Manöver zu testen. Zum Beispiel den nächsten JAXA-Sonnensegler, der Ende des Jahrzehnts mit einem 50 m großen Segel plus Ionenmotor Richtung Jupiter und Trojaner-Asteroiden aufbrechen soll. Und die Solarzellen, die in IKAROS‘ Segel integriert sind, sollen zur Marktreife gebracht werden. NACHTRAG: In 5 Jahren kommt IKAROS wieder in die Nähe der Erde – und kann dann womöglich immer noch kontrolliert werden.

Aus der Welt der großen optischen Teleskope

26. Januar 2011

D. López and R. Barrena (IAC)

Die weite Umgebung des Katzenaugen-Nebels NGC 6543 aufgenommen mit der Wide Field Camera des Isaac Newton Telescope auf La Palma durch drei engbandige Filter für H-Alpha, O III und S II: Der rund 1000 Jahre alte Planetarische Nebel hat während seiner Entstehung einiges abgesondert.

3 x Gemini Observatory/AURA

Premiere für das Gemini Multi-Conjugate Adaptive Optics System am Morgen des 22. Januar mit dem südlichen Gemini-Teleskop auf dem chilenischen Cerron Pachón: Ein 50-Watt-Laser ‚malte‘ in 90 km Höhe fünf künstliche Sterne an den Himmel (oben aufgenommen mit einem 500mm f/5.6-Celestron-Telescope und 30 Sekunden Belichtung bei 1600 ISO). Die Verzerrung des Himmelsanblicks durch die Atmosphäre kann so viel vollständiger charakterisiert – und mit Adaptiver Optik ausgeglichen – werden als bei nur einem Laserstern oder nur natürlichen Sternen. Die komplizierte Inbetriebnahme von GeMS wird allerdings noch bis 2012 dauern. NACHTRAG: MCAO ist auch für das TMT wichtig.

F. Millour et al.

Ein „3D-Bild“ von HD 62623, aufgenommen mit dem VLT-Interferometer und dem AMBER-Instrument (man beachte den Maßstab): Das Insert-Bild verdeutlicht die Gaskinematik einer rotierenden Gasscheibe um den Stern, also die dritte Dimension in Ergänzung von Länge und Breite. Die blaue Farbe zeigt Gas, das sich auf den Beobachter zu bewegt, die rote Farbe Gas, das sich vom Beobachter entfernt. Der Radius des inneren Gasrings von etwa zwei Millibogensekunden entspricht ungefähr 1.3 AU; der im Bild sichtbare äußere Staubring hat einen Radius von rund 4 AU.

Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt

25. Januar 2011

Weltraumobservatorien dominieren das „HRD“ der Sternwarten: In diesem Diagramm von ASTRON-Direktor Mike Garrett (Anklicken -> groß), das dem Hertzsprung-Russell-Diagramm für Sterne nachempfunden ist, ist die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, die eine Sternwarte produziert hat, in der x-Achse und die Zahl ihrer Google-Treffer in der y-Achse aufgetragen (log-log; größer nach links & oben) – sozusagen die „Leuchtkraft“ gegen die wahre „Masse“. Erstaunlicherweise fallen die meisten Einrichtungen auf eine Art „Hauptreihe“, aus der allerdings Hubble (ganz links oben) und das britische Radioobservatorium von Jodrell Bank durch ‚übermäßige‘ Popularität ausbrechen. Obacht: Das Diagramm ist nur bzgl. der Radiosternwarten, für die es ursprünglich gezeichnet wurde, relativ komplett. Inspiriert wurde es übrigens durch ein HRD von Astronomen, das es gar zu einem Konferenz-Poster gebracht hatte und viel diskutiert wird.

Hier rotiert der Marsmond Phobos in einer weichen Animation, die ein Fan aus den Daten der HRSC vom Vorbeiflug am 9. Januar mit Morphing-Software & künstlicher Farbe hergestellt hat; das haben auch andere versucht. Und vom Flyby liegt nun auch ein IR-Spektrum vor.

Die Alpen komplett und wolkenlos bekam der NASA-Satellit Terra am 17. Januar zu sehen: ein Bild seines Moderate Resolution Imaging Spectroradiometers in natürlichen Farben. Dieser Teil der Erdkruste hat eine bewegte Geschichte hinter sich, so ist ein Teil der Alpen in den letzten 350 Millionen Jahren zweimal bis auf Tiefen von über 50 Kilometern in den Erdmantel abgetaucht.

Fotowettbewerb für’s NanoSail D läuft – aber noch keine einzige bestätigte Sichtung des Sonnensegelchens

Wie bereits beim Start angekündigt haben die NASA und Spaceweather.com zu einem Fotowettbewerb aufgerufen: Bis zu 500$ gibt es für überzeugende Bilder des NanoSail D im Orbit, die auf dieser Webseite einzureichen sind. Da dem Satelliten planmäßig der Strom ausgegangen ist („Dem NanoSail …“) ist die optische Beobachtung – neben der Verfolgung durch militärische Radaranlagen – besonders wichtig, um den Zustand des Segels und seine Wechselwirkung mit der Atmosphäre, um die es bei dem Experiment primär geht, zu ergründen. Zwar gibt es bereits Kunde von Fotos aus New Mexico, die eine Strichspur des Sonnenseglers nebst kleinen Flares zeigen könnten, wie auch von einer visuellen Sichtung aus Russland – aber nach wie vor fehlt eine Bestätigung, dass dies wirklich das NanoSail D war. Immerhin sind die Bahnelemente auf dem Dashboard heute aktualisiert worden, so dass die Prognosen von Überflügen z.B. durch CalSky und Heavens Above genauer werden dürften.

Die Meinungen über die zu erwartende Helligkeit reichen derzeit von einem Feldstecherobjekt bis zu „five to 10 times as bright as the planet Venus, especially later in the mission when the sail descends to lower orbits“ … NACHTRAG: Ein visueller Beobachtungsbericht mit 7. Größe und eine weitere Strichspur-Aufnahme mit 2. Größe (des o.g. Russen) stammen nach Analyse des Sat-Beobachtungs-Veteranen mit ziemlicher Sicherheit vom NanoSail D; auch Überlegungen zur räumlichen Lage des Segels. NACHTRAG 2: Der kesse Spruch mit der mehrfachen Venus-Helligkeit war am 26.1. von nanosail.org schon wieder verschwunden, wo es nun heisst, dass das „sail will occasionally be visible to the naked eye when sunlight glints off the spacecraft’s 10 m^2 sail, producing a spectacular flash akin to an Iridium Flare.“ Und es gibt genaue Regeln für den Fotowettbewerb. NACHTRAG 3: Hier und da tauchen Sichtungen mit +6 bis +7 mag. auf (sowie eine Strichspur neben dem Mond) – aber keine Beobachtungen Iridium-artiger Flares.

Heute vor sieben Jahren landete Opportunity auf dem Mars: Kurz nach 6 Uhr MEZ kam die Bestätigung, und vier Stunden später hagelte es faszinierende Bilder aus Meridiani Planum. Derzeit parkt der Marsrover zwar, um die Sonnenkonjunktion auszusitzen, aber dann geht die Reise weiter. Heute ist übrigens noch eine Art Feiertag auf dem Mars: Opportunity und Spirit befinden sich 2490 bzw. 2510 Sols – Marstage – auf der Oberfläche, macht zusammen genau 5000 Sols! Freilich ist der Zustand von Spirit weiter unklar.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

23. Januar 2011

Start einer Delta IV Heavy in Vandenberg am 20. Januar mit einem geheimen Aufklärungssatelliten (den Amateurastronomen aber schon im Orbit gefunden haben): Der Start war beeindruckend, aus der Nähe wie aus der Ferne. NACHTRAG: Der geheime Satellit ist rasch als neuer Keyhole identifiziert worden.

Wie Galaxy 15 vom „Zombie-Satelliten“ zum „Phönix“ wurde

Seit dem 23. Dezember ist der auf Abwege geratene Nachrichtensatellit („Dem amoklaufenden Satelliten …“) wieder unter Kontrolle: Der ausgebliebene Sonnenstrom führte zu einem tiefen Reset, er nahm wieder Kommandos entgegen – und ist bereits mit neuer Software versorgt worden, die ein erneutes Eintreten des „untoten“ Zustands verhindern soll. Das war im April eindeutig nicht auf Sonnenaktivität zurück zu führen gewesen, sondern die Folge einer Entladung in der Elektronik, wie sie Satelliten im Orbit nicht selten passiert (und im konkreten Fall bei Bodentests nachgespielt werden konnte). Schaden hat Galaxy 15 während seiner 8-monatigen Odysee im GEO nicht genommen und sogar Sprit gespart, der für das Einhalten des Orbit-Slots bestimmt war (und nun dazu benutzt wird, ihn wieder auf die ursprüngliche Position zu schieben): Nach eingehenden Tests wird der Satellit wieder in Betrieb genommen und sollte – wie einst geplant – bis 2022 brauchbar sein. (Space News, Satellite Spotlight 13., Broadband TV News, BBC 14., KosmoLogs 18., Raumfahrer 19.1.2011)

Weiter Rätseln um das Versagen des GSLV in Indien am 25. Dezember: Zwar steht außer Frage, dass das Abreissen von Kommando-Kabeln ursächlich („Wieder ein GSLV …“) für das Abweichen der Rakete von der Flugbahn und ihr Auseinanderbrechen war, doch der Grund dafür bleibt mysteriös. Ob unerwartet starke Belastungen – aus welchem Grund auch immer – dazu führten, dass sich gleich 10 Steckverbindungen (übrigens eines deutschen Zulieferers) gleichzeitig lösten und deshalb die Booster der 1. Stufe vom Bordrechner nicht mehr ausgerichtet werden konnten, muss die weitere Untersuchung klären. (ISRO Release 31.12.2010; TIME 29., Space News, Parallel Spirals, Spaceflight Now 31.12.2010, Hindu, Space Today 1., KosmoLogs 2., IBN 5., Outlook 10.1.2011) NACHTRAG: Die ISRO wartet noch auf russische Daten.

Galileo-NavSats: noch viel später, noch viel teurer …

Nächste Runde in der ewigen Saga des europäischen (primär) zivilen (ein bisschen) kommerziellen Gegenstücks zum amerikanischen GPS: Jetzt steht fest, dass 2014 höchstens ein Minimalservice mit 18 Satelliten geboten werden kann, und es mindestens 2020 wird und weitere 1.9 (bzw. insgesamt 5.4) Mrd. Euro kostet, bis alle 30 Satelliten für den Vollbetrieb im Orbit sind. Und die jährlichen Betriebskosten dürften sich auf 800 Mio. Euro belaufen: Dass Galileo überhaupt irgendwann direkt Profit abwirft, ist kaum zu erwarten. Man solle das System eben wie das Internet betrachten: eine Infrastruktur, die selbst nur Kosten produziert, mit deren Hilfe aber die dollsten Dinge möglich werden. Noch vor Jahresende soll immerhin mit dem Start der ersten (Test-)Satelliten begonnen werden. (Space News 20., BBC, AFP 18.1.2011) NACHTRAG: der BR zum Galileo-Status.

Gleich drei verschiedene Raketen gleichzeitig starten ab diesem Jahr in Kourou, wenn alles glatt geht: neben der bewährten Ariane auch die Soyuz (erstmals zwischen dem 15.8. und 15.9.) und die Vega. Das gibt der ESA zwar erheblich mehr Flexibilität bei der Auswahl des jeweils für eine Nutzlast geeignetsten Launchers, dürfte aber für erhebliches Durcheinander in der ausgedehnten Startanlage in Französisch-Guyana sorgen: Nicht mal der ESA-Chef ist sich sicher, dass man da an alles gedacht hat. (BBC 14.1.2011)

Konfusion um deutsche „HiROS“-Erdbeobachter-Pläne

Das Projekt von High Resolution Optical Satellites ist seit 2009 öffentlich bekannt, wenn auch hierzulande nie groß diskutiert worden – und ebenso ist es kein Geheimnis, dass Deutschland mit den SAR-Lupe-Radarsatelliten und speziellen Nachrichtensatelliten über ein eigenes militärisches Raumfahrtprogramm verfügt, wie andere europäische Länder auch. Trotzdem wurde es Anfang des Monats vielerorts als sensationalle Enthüllung verkündet, dass es die Idee einer deutsch-amerikanischen Konstellation von Satelliten zur Erdbeobachtung mit 50-cm-Pixeln und schnellem Download gibt, mit Dual Use durch zivile Dienste z.B. nach Katastrophen, den BND und ggf. die Bundeswehr. Es hatte halt in den WikiLeaks-Diplomaten-„Kabeln“ gestanden und war von einer norwegischen Zeitung, die irgendwie an die Dateien gelangt war, an die große Glocke gehängt worden. Allein, bereits 2009 hatte ein Fachinfo-Dienst all dies im Detail berichtet, inklusive des drohenden Ärgers mit Frankreich, das die optische Erdbeobachtung in Europa für eine Art Erbrecht halte. Und die technischen Details der Satelliten waren und sind auf einer Webseite der Uni Stuttgart frei verfügbar. Ob aus dem HiROS überhaupt etwas wird, ist übrigens immer noch unklar. (Aftenposten, Foreign Policy, SPIEGEL, ZEIT 3., Stuttgarter Zeitung 5., Wörner-Blog 6., KosmoLogs 10., Alles was Fliegt 19.1.2011)

Angebliches WikiLeaks-Zitat kostet deutschen Raumfahrt-Manager den Job: Weil er das Galileo-Programm (s.o.) laut ge-WikiLeak-ten Kabeln gegenüber den Amerikanern als „stupid idea“ bezeichnet haben soll, ist der CEO des deutschen Raumfahrtunternehmens OHB gefeuert worden – obwohl er das Zitat bestreitet, selbst massiv daran beteiligt war, dass OHB einen Galileo-Großauftrag („Drei wichtige …“) bekam und sich zur Zeit der angeblichen Aussage gegenüber Kollegen positiv darüber äußerte. Aber das Vertrauen war wohl zu nachhaltig erschüttert … (OHB Press Release, KosmoLogs, BBC 17., Tagesschau, Space Politics, Deutsche Welle, Nature Blog, Space Today 18.1.2011)

NASA zweifelt an Erfüllbarkeit des Schwerlast-Raketen-Befehls

Als Obama am 11.10.2010 die Authorization Bill für den NASA-Haushalt unterschrieb, begann eine Uhr zu ticken: Genau drei Monate hatte die Behörde Zeit, einen Plan vorzulegen, wie sie die dort festgeschriebenen Forderungen der Politik zu erfüllen gedenke. Gar nicht, lautet die – wenig überraschende – Antwort: Die geforderte Schwerlastrakete sei weder mit den in der Bill angegebenen (und dabei noch lange nicht tatsächlich zur Verfügung stehenden) Finanzmitteln noch bis zum Jahr 2016 zu realisieren! Dabei hatte man in dem Konzept schon reichlich auf existierende Komponenten aus den Shuttle- und Apollo-Programmen zurückgegriffen bzw. bei der Raumkapsel auf die Orion aus dem untergegangenen Constellation-Programm gesetzt. Alles halb so wild, beschwichtigt inzwischen der – ansonsten in Sachen Zukunft der bemannten Raumfahrt extrem wortkarge – NASA-Chef: Irgendwie werde das schon klappen. Unterdessen laufen wenigstens Bemühungen in der Politik, die sinnlosen Ausgaben für Constellation-Komponenten zu stoppen, die keinesfalls mehr gebraucht werden, im Rahmen der bis zum 4. März laufenden Continuing Resolution („Continuing …“) aber trotzdem vorgeschrieben werden – der Inspector General der NASA hatte sich darob bereits ungewöhnlich heftig beschwert … (Space Politics 20., 19., Science Insider 18., Space Review 17., Orlando Sentinel 16., Space Politics 15., Spaceflight Now 14., Space Politics 13., Space News 11.1.2011)

Zoff um den Weltraumbahnhof „Spaceport America“ in New Mexico: Die neue Gouverneurin hat den Chef zum Rücktritt genötigt und scheint von dem 209-Mio.$-Projekt (130 Mio.$ sind schon ausgegeben) weniger begeistert zu sein als ihr Vorgänger. Hier soll – vielleicht schon ab Jahresende – das SpaceShipTwo (dessen Testprogramm gut voran kommt, wie es heißt, und das schon 400 Kunden fest gebucht haben) seine suborbitalen Touristenflüge starten, und auch andere Anbieter wollen sich hier später niederlassen. (AW&ST, LA Times Blog, New Scientist, Parabolic Arc 23.12.2010, Las Cruces Sun News, Alamogordo Daily News 9., New Space Journal 14., 16., Cosmic Log 18.1.2011) NACHTRAG: Jedenfalls waren die Glaser da …

Urige sowjetische Raumstationen gelandet – auf der Isle of Man

Eine kuriose britische Firma hat zwei Raumstationen des alten Typs Almaz gekauft, die die Sowjetunion in den 1970-er Jahren teilweise fertigstellte aber nie startete: Nun warten sie auf der Isle of Man darauf, dass die Geschäfte des Unternehmens einmal so gut laufen, das sich ein Start als private bemannte Raumstation lohnen würde. Na dann viel Glück … (Excalibur Almaz Press Release 5., Universe Today 7., Parabolic Arc 10.1.2011)

Erster Start von Taurus II/Cygnus für Dezember angesetzt: Zum ersten Mal eine Kapsel in den Orbit und zur ISS bringen will der Falcon 9/Dragon-Konkurrent Orbital Sciences am 14.12., wurde nun angekündigt. Die Rakete („2. Test …“) soll zuvor auch einmal ohne die Kapsel getestet werden, wofür allerdings noch auf Geld vom US-Kongress gewartet wird. (AW&ST 6.1.2011)

Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt

22. Januar 2011

Der massereiche Stern Zeta Ophiuchi rast durch das ISM auf einem Bild des WISE-Satelliten (3.4 bis 22 µm), der den Bugschock vor dem Stern sichtbar macht, der mit 24 km/s durch interstellares Gas und Staub pflügt. Dabei komprimiert und heizt er das Medium des Schocks; zugleich sorgt die starke UV-Strahlung des Sterns auch für Staubheizung in seiner weiteren Umgebung, was sich als rötlicher Schimmer bemerkbar macht.

Vollmondaufgang von der ISS aus gesehen am 19. Januar: Die Sequenz – Anklicken liefert noch ein früheres Bild – zeigt wieder einmal die extreme Refraktion, die nur im Orbit gesehen werden kann.

Dem NanoSail D geht der Strom aus: Dieses Diagramm aus dem Dashboard – via DK3WN – zeigt den Abfall der Batteriespannung (in Volt, gegen die Stunden seit dem Aussetzen). Vom 19.-21. Januar hatten Funkamateure den Satelliten empfangen, seit dem Nachmittag MEZ des 21. aber nicht mehr – vermutlich war es das; die Empfangsversuche gehen aber weiter. Nun ist es wohl an den visuellen Beobachtern, das entfaltete Sonnensegel in den nächsten 70 bis 120 Tagen bis zum Verglühen zu verfolgen. NACHTRAG: Bisher sind noch keine Sichtungen eingegangen, vielleicht ist der Orbit zu ungenau. Dass sich das Segel gut entfaltet hat, bestätigen jedenfalls Radarechos: Der Satellit (dessen – planmäßiges – Ableben seiner Batterie inzwischen bestätigt ist) wurde plötzlich viel größer.

Weiter keine Lösung für Wunschteleskop WFIRST in Sicht

Durch die gewaltigen finanziellen Probleme des JWST droht der Start des Wide-Field IR Survey Telescope der NASA, das sich parallel um Dunkle Energie, Exoplaneten und mehr kümmern soll, auf frühestens 2025 zu rutschen – wenn die ESA mit ihrer Euclid-Mission schon Wesentliches zumindest in Sachen Dunkle Energie herausgefunden haben könnte. Eine Fusion der beiden teuren Weltraumteleskope („Euclid vs. WFIRST …“) hat der NASA aber auch ein weiteres Panel nicht empfehlen können, und einen 20%-Einstieg der NASA in Euclid, den die ESA anbietet, sieht man auch nicht, solange die ESA die Mission noch gar nicht endgültig ausgewählt hat. (Space Policy Online 2., New York Times 4.1.2011)

Immer mehr Hardware für das JWST wird fertig, aller unklaren Zukunft ungeachtet: Immerhin sind schon 3 Mrd.$ in den Riesensatelliten gesteckt worden! Nach und nach absolvieren die 18 Segmente des Hauptspiegels ihre Härtetests, und die wissenschaftlichen Instrumente nehmen Form an. Am Satellitenbus selbst wird noch nicht gebaut: Man will erst die schwierigen Dinge erledigen. (Spaceflight Now 17.1.2011)

Einzelnes Stück Hardware hält den LISA Pathfinder auf

Eine Art Klammer-Mechanismus des Test-Satelliten für LISA („Optical …“), der die Testmassen erst beim Start festhalten und dann im Orbit mit nur maximal 2 cm/h(!) Geschwindigkeit freilassen soll, tut’s einfach nicht: Jetzt muss die ESA seine Entwicklung noch einmal von vorne beginnen, wodurch sich der Start des Satelliten auf frühestens 2013 verschiebt, obwohl alle anderen Komponenten im Zeitplan liegen. Schon lamentieren Konkurrenzprojekte, die wegen LISA zurückgestellt wurden, der große Gravitationswellen-Detektor sei wohl noch nicht reif – aber der Pathfinder soll das aufwändige System ja schon vor dem Start validieren, und da ist es allemal besser, wenn es jetzt hakt. (Nature News 19.1.2011) NACHTRAG: Jetzt heißt es schon: Start frühestens 2014 – und nicht nur bei der Caging Mechanism Assembly hapert’s.

Das Tevatron wird Ende des Jahres abgeschaltet

Weil die US-Regierung keinerlei Spielraum für die unverzichtbare Extrafinanzierung sieht, die ein Weiterbetrieb des US-Beschleunigers („Eine weitere …“) erfordert hätte, hat das Energieministerium am 6. Januar sein Ende mitgeteilt: Damit haben die USA direkt keine Chance mehr, den Europäern das Higgs-Teilchen noch weg zu schnappen, was mit einem Betrieb des Tevatron bis 2014 vielleicht gelungen wäre. Die USA überlassen nunmehr die höchsten Energien Europa (wobei aber viele Amerikaner beim LHC mitmachen dürfen, dessen Winterwartung im Zeitplan liegt; im Februar wird er wieder hochgefahren) und konzentrieren sich selbst künftig auf hohe Strahl-Intensität: ein Ansatz, bei dem Phänomene gefunden werden können, die weniger Energie erfordern, dafür aber sehr selten sind. (Nature 19., CERN Bulletin 17., Physics World 18., 13., 11., Nature, Symmetry Breaking, Discovery, Not Even Wrong, New Scientist Blog 11., Symmetry Breaking, Cosmic Variance 10., Nature Blog 6.1.2011, Science 2.0 21.12.2010. Und Nature Blog über das weltweite GRID, das die LHC-Datenflut verarbeitet)