Archive for Juli 2013

Allgemeines Live-Blog vom 30. Juli bis 1. August

30. Juli 2013

1. August

mex

Erdrutsche in einem Krater auf dem Mars auf einem neuen – auf Schrägblick gerechneten – Bildprodukt der HRSC auf dem Mars Express: Wasser dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Auch eine Rakete zur Sonnenforschung, ein estnischer CubeSat vor einem Close Encounter mit einem anderen Satelliten, ein spezieller Orbit für TESS, die PDR für das SLS, was Luca auf der ISS treibt und Lade- und Pump-Arbeiten mit dem ATV-4. [23:55 MESZ – Ende]

19sw

Warum man Daten aus allen Quellen zusammen führen muss, um einen Kometen zu verstehen: Die Produktionsraten (Moleküle/Sekunde) des Kometen Garradd, bestimmt mit Deep Impact (drei dicke Datenpunkte rechts) während einer zeitlich begrenzten Kampagne und anderen Instrumenten. Erst zusammen ergibt sich das erstaunliche Bild, dass sich das Mengenverhältnis der Moleküle mit der Zeit stark verändert (für CO2 gibt es leider nur die DI-Messungen), was immer das nun bedeutet – aus einem Vortrag von Lori Feaga gerade auf dem ISON-Workshop; s.u. [19:35 MESZ. NACHTRAG: Aufzeichnung der Session; der Fall Garradd wird ab 11:01 diskutiert]

sauhaufen

Dies könnten Vertreter einer neuen Klasse alter Sternhaufen sein – oder auch nicht, denn das Paper dazu sieht in diesen Hubble- und Keck-Funden bei benachbarten elliptischen Galaxien eher Gegenstücke der „Faint Fuzzies“, die man bei Lenticulargalaxien findet: Diese „gap objects“ zeigen vielmehr, dass es ein Kontinuum an Sternhaufen-Typen gibt. Auch der Mechanismus hinter „quenched galaxies“ und zwei Blei-reiche Sterne. [18:40 MESZ]

Ist Komet ISON etwa nur ein eisarmer Klumpen aus Staub?

Diese Möglichkeit – die nichts Gutes für sein Überleben des Perihels versprechen würde – kam gleich zu Beginn des heute und morgen stattfindenden ISON-Workshops an der JHU (Programm, Webcast, Live-Blog) zur Sprache: Wie Mike A’Hearn berichtete, zeigen größtenteils unveröffentlichte Messungen von Produktionsraten oder Upper Limits einen Rückgang der Gasfreisetzung des Kometen in der ersten Jahreshälfte 2013. Zumindest ein Stillstand der Entwicklung trotz Annäherung an die Sonne sei typisch für Erstbesucher aus der Oortschen Wolke: Aus deren Kernoberflächen entstehen durch Galaktische Kosmische Strahlung Radikale und flüchtige Verbindungen, die in der ersten Phase der Sonnenannäherung sublimieren, danach ist der Kern bis zum Einsetzen der Wassereis-Sublimation erst einmal inaktiv, bis es in Perihelnähe wieder losgeht. Oder auch nicht: In der Diskussion verwies Mike Mumma auf seine Hypothese einer bisher übersehenen fast gasfreien Kometensorte, die praktisch nur aus zusammen gebackenem Staub besteht. Der sehr staubreiche und gleichzeitig extrem gasarme PANSTARRS dieses Jahr sei ein solcher Fall gewesen – gehört ISON womöglich auch in diese Schublade? Was das für sein Verhalten im Perihel bedeuten würde, ist herzlich unklar: ISON fällt ohnehin schon aus dem Rahmen als der erste dynamisch neue Komet, der zu einem Sungrazer werden wird, wie A’Hearn hervor gehoben hatte. [16:55 MESZ. NACHTRAG: Aufzeichnung der Session; A’Hearn ab 15:58, Mumma bei 35:50]


31. Juli

encel

Die Fontänen-Intensität von Enceladus variiert mit dem Abstand des Monds vom Saturn, zeigen Cassini-Bilder (hier: vom VIMS-Instrument): Im Saturn-fernsten Bahnpunkt sind sie 4-mal stärker, was auf eine direkte Rolle der Saturn-Gravitation hinweist. In Planetennähe wird der Mond offenbar so verformt, dass sich die ‚Tigerstreifen‘-Öffnungen der Fontänen schließen; Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [21:25 MESZ]

Der Chelyabinsker Asteroid hat vielleicht noch Verwandte

Die weiter friedlich um die Sonne kreisen: Nach einem Vergleich von Bahnelementen des über Russland explodierten Himmelskörpers, die auf diverse Weisen rekonstruiert wurden, mit den Bahnen von Asteroiden ergeben sich mehrere Verdächtige, die zusammen eine recht frische Kollisionsfamilie um den Mutterkörper 2011 EO40 bilden könnten. Beweisen ließe sich dies allerdings nur durch detaillierte spektrale Vergleiche – oder noch besser Sample-Return-Missionen. [18:00 MESZ. NACHTRÄGE: spätere Artikel hier, hier und hier]

Die NASA hat den ersten internen Review der Asteroiden-Einfang-Pläne absolviert, aber in der Erklärung dazu werden Null neue Details dieser ‚mission formulation review‘ verraten. 2014 soll’s dann ein ‚mission baseline concept‘ geben … Und Verwirrung über das Koordinatensystem für Pluto. [17:55 MESZ. NACHTRAG: und die mögliche Reaktivierung von WISE rückt näher]

Hinweis auf „sterile Neutrinos“ in den Daten von Planck?

Wie bereits im Frühjahr hier, hier und hier („Wie signifikant widerspricht Planck dem Rest der Welt?“) ausgeführt wurde, hat die CMB-Analyse des Planck-Satelliten zwar die moderne Kosmologie an sich untermauert, aber mehrere Zahlen passen nicht zu auf ‚lokale‘ Weise etablierten Werten. Dass dies auf eine Erweiterung des Standardmodells hinweisen könnte, wurde von Anfang an vermutet, und ein neues kurzes Paper unterbreitet nun solch einen Vorschlag: Mit dem viel diskutierten hypothetischen sterilen Neutrino werde alles besser. „Sterile neutrinos change the expansion rate at recombination and hence the calibration of the standard ruler with which CMB and BAO observations infer distances,“ heißt es da: „By making either the sterile or active species massive, their free streaming reduces the amount of small scale clustering today and hence the tension with cluster measurements. In the simplest case, we can think of this modi cation as adding a single, massive sterile neutrino to the standard model.“ Mehr zum aktuellen Zustand der fundamentalen Physik auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [15:15 MESZ]

m31

Auch diese Andromeda-Galaxie hat es in sich – pixelmäßig: Ebenso wie das M-51-Bild unten entstand diese Aufnahme mit einem Großteleskop, dem 8-m-Subaru auf Hawaii, und mit einer gewaltigen Kamera mit 870 Mio. Pixeln. Die Demonstrations-Aufnahme gehört zur Inbetriebnahme der Hyper-Suprime Cam (HSC). Auch der erste Daten-Release von APOGEE, dem Apache Point Observatory Galactic Evolution Experiment der SDSS III mit 57’500 Sternspektren im nahen IR. [14:50 MESZ. NACHTRAG: mehr Bildverarbeitung mit M 31]

Erinnerungen an die Wissenschaft auf Skylabvor 40 Jahren – und was heute auf der ISS passiert: Astronomie (solarer Art) gibt’s von 2:50 bis 3:55, damals war mehr … [4:50 MESZ]

plej1

Die Plejaden über Italien, aus der ISS aufgenommen samt Airglow in der Hochatmosphäre [NACHTRAG: auch auf FB ein Hit]. Auch neue Details zur „Flut“ in Parmitanos Helm, die Steuerung eines Rovers auf der Erde von der ISS aus (auch hier direkt am Anfang; Derartiges weist in eine hier in Kap. III beschriebene Richtung!), allerlei Asteroiden-Ideen, die die NASA bekommen hat, die aber auch in Asien nach Partnern sucht, und ein rekordschneller Flug (Screenshots) eines Progress zur ISS. [1:30 MESZ]

DCIM114GOPRO

Ein aktuelles Luftbild des Radio-Interferometers ALMA in Chile, aufgenommen mit einer Kamera-Drohne: Die riesige Anlage in den Anden wächst zwar noch, aber die Dimensionen sind erkennbar. Im aktuellen ESO Messenger wird ausführlich über die Einweihungs-Feier („Das war die Einweihung von ALMA …“) berichtet, inklusive (S. 6) der dramatischen Astro-Ansprache des Präsidenten in englischer Übersetzung. [1:15 MESZ]

plej3

Warum dies eine ungewöhnliche Aufnahme von M 51 ist, erschließt sich erst, wenn man weiß, dass sie mit dem One Degree Imager – bekannt aus ISAN 172-4 – entstand, also einer Kamera mit einem Grad Gesichtsfeld und Zig Millionen Pixeln: Hier sieht man nur einen kleinen Ausschnitt des ganzen Frames! Auch der Weiterbetrieb des UKIRT, das doch eine Zukunft hat, Fortschritte beim Thirty Meter Telescope (wie nahe es wirklich seiner Finanzierung und damit Realisierung ist, wird nicht verraten) und Streit um eine Volkssternwarte in Kanada. [1:05 MESZ. NACHTRAG: noch eine Jubel-PM zum TMT]

plej4

Röntgenscans kreuz und quer über den Himmel, wie sie der ESA-Satellit XMM-Newton aufnimmt, während er von Quelle zu Quelle schwenkt: Auch die Photonen „unterwegs“ – hier von 1200 solcher Slews von 2001 bis 2012 – sind nicht verloren sondern werden für statistische Auswertungen benutzt. Auch der Bau eines großen russischen Teleskop-Arrays für Kosmische Gamma-Strahlung – Tunka-HiSCORE – in Burjatien. [0:55 MESZ]


30. Juli

proba

Nicht SDO oder SOHO machten dieses Sonnenbild, sondern der kleine ESA-Satellit Proba 2, dessen UV-Überwachung der Sonne – hier eine Aufnahme des SWAP-Teleskops von heute – jetzt auch operationell genutzt wird. Auch der japanische Satellit SPRINT-A, der aus dem Erdorbit Planeten-Atmosphären im EUV erforschen soll (Start geplant für den 22. August), die Integration des indischen Mars-Orbiters, der das Mondprogramm überschattet, der NASA-Marsrover 2020, was Curiosity seit der Landung gemacht hat, Fortschritte von Opportunity, Laser-Kommunikation mit LADEE und Dawns Ionenantrieb weiter in Action. [23:55 MESZ]

Beachtlicher Weltraumschrott von 1975 in Afrika gelandet

Die erstaunliche Story aus Zimbabwe, auch hier aufgegriffen, ist dank Eingreifen dieses Bloggers schnell aufgeklärt worden, der sie an den Raumfahrt-Chronisten Jonathan McDowell weiterleitete: Der identifizierte das Objekt umgehend als die 2. Stufe einer Delta-Rakete, die 1975 den zweiten europäischen Comsat Symphonie gestartet hatte [NACHTRAG: mehr Details hier („Delta 114 reentry“)]. Auch das Ausklappen des Magnetometers für GOES-R, der nächste GSLV-Start, ein Jubel-Artikel über „Moon Express“ ohne Diskussion von dessen wahrem Status, die private Jagd auf eine alte Shuttle-Rampe und ein Video von einem Test von Morpheus. [23:50 MESZ]

iss-nlc

Leuchtende Nachtwolken von der ISS aus aufgenommen – und zwar, wie sich bei einem Twitter-Gespräch mit einem Astronauten oben (!) ergab, am 26. Juli über Afrika fliegend. Auch eine viel beobachtete Feuerkugel über Norddeutschland vor einer Woche, eine NASA-Story von angeblich vielen Perseiden-Feuerkugeln, die – wie zahlreiche Meteor-Veteranen hier berichten – kaum stimmen kann, die Verwendung von Chelyabinsk-Meteoriten in bestimmten Sochi-Medaillen, ein Halb-km-NEO in Erdnähe im August und ein kleinerer jetzt, ein Oppositions-Effekt bei (7) Flora und zu Komet ISON jede Menge Karten, Gedanken zur Verwandschaft und ein völlig spekulativer Press Release aus Kolumbien, den leider viele ernst nehmen … [2:15 MESZ] … erschreckenderweise sogar Reuters. [3:05 MESZ] Und schon „wissen“ sie’s in Oz. [4:05 MESZ] Ein einsamer Artikel, der nachfragte (und der 29P-Ausbruch als Montage). [23:45 MESZ]

Typ-II-Supernova 12. Größe in der Galaxie Messier 74

Ihre visuelle Helligkeit liegt derzeit bei 12.5 mag. und steigt vermutlich nicht mehr (viel): Die SN 2013ej in M 74 – weitere Fotos vom 29. Juli, 28. Juli und 27. Juli – hat sich als Typ-II-Explosion erwiesen, d.h. die Explosion eines massereichen Sterns, für den auch prompt Kandidaten auf alten Hubble– und Spitzer-Bildern gefunden wurden; ein paar Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier und hier. [2:00 MESZ. NACHTRÄGE: Bilder vom 31. Juli hier und hier, ein Röntgen-Nachweis und noch ein Artikel]

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Schlechter Schlaf bei Vollmond? Einige Fragen …

28. Juli 2013

… an die viel beachtete Arbeit von Cajochen et al., Current Biology 23 [25.7.2013] 1-4 – s.a. Pressemitteilungen der Uni des PI und der Zeitschrift sowie ein längeres Interview mit dem PI (9:47-15:16; hier zusammen gefasst) – müssen gestellt werden, stellt sie doch einen „extraordinary claim“ im Truzzi/Sagan’schen Sinn par excellence dar: Es gibt keinen plausiblen Mechanismus, warum die Mondphase den Schlaf des Menschen beeinflussen sollte – und es gibt zahlreiche frühere Studien (wie etwa hier auf Seite 10), die in der Tat keinen signifikanten Effekt fanden. Und nun auf einmal doch? Da muss es ja wohl „extraordinary evidence“ geben, und zumindest eine Flut von Schlagzeilen wollte uns dies in den letzten Tagen in der Tat glauben machen, etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier, wobei in keinem der Artikel (und auch von den skeptischen Autoren hier oder hier nicht) das Paper selbst im Detail analysiert wird. Ist es etwa eine so gewaltige Arbeit, dass man als Betrachter sprachlos vor der angehäuften Evidenz steht? Schaun wir halt mal nach …

Schon die Entstehung der Arbeit – im Druck keine zwei Seiten lang, zzgl. Anhängen – erstaunt: „We just thought of it after a drink in a local bar one evening at full moon, years after the study was completed,“ schreiben die Autoren, denn ursprünglich, in den Jahren 2000 bis 2003, hatten sie gänzlich mondfrei nach Effekten des Alters auf die Reaktion auf Schlafentzug und auch zuviel Schlaf geforscht und dazu 33 Freiwillige jeweils ein paar Tage in ein isoliertes Schlaflabor gebeten. Der aktuelle Spin-Off dieser Studie basiert auf den jeweils zweiten Nächten der Versuchspersonen im Rahmen der zwei Versuchsblöcke, als man sie möglichst normal ruhen ließ: unter kontrollierter Temperatur in einem fensterlosen Raum. Insgesamt gerade einmal 64 Personen-Nächte sind nun die Grundlage der gesamten Mondstudie, verteilt auf die 33 Probanden. Die einzige Darstellung nicht gemittelter Daten aus diesen 64 Nächten in dem Paper (alle anderen Angaben werden nur statistisch gemacht) bezieht sich auf die Zeit zwischen dem Ausschalten des Lichts und dem Einschlafen und sieht herausvergrößert so aus:

mond-grafik

Die Einschlafsverzögerung oder „sleep latency“ ist hier gegen die Mondphase der entsprechenden Nacht geplottet und reicht von ca. 2 Minuten (unterster) bis 38 Minuten (oberster Datenpunkt); die rosa Punkte sind junge Frauen, die blauen junge Männer, die weißen alte Frauen und die grauen alte Männer, und der Sinus mit einer Amplitude von +/-5 Minuten ist ein – mäßiger – Fit durch die Datenwolke. Dies also ist der viel zitierte „bei Vollmond schläft man 5 Minuten später ein“-Effekt; auch weitere messbare physiologische Parameter und auch die „gefühlte“ Schlafqualität variierten etwas mit der Mondphase, doch davon zeigt man die einzelnen Datenpunkte nicht. Ist dies nun aber ein überzeugender – und gar doppelblinder, da weder Probanden noch Experimentatoren wussten, um was es einmal gehen würde – Beleg für eine physiologische Wirkung der Mondphase auf den Schlaf? Abgesehen von der geringen Zahl der Datenpunkte und dem Manko, dass für keine einzelne Person Daten für mehr als zwei Nächte verwendet werden konnten: Es gibt keine Informationen darüber, wieviele der Probanden wie stark an einen Mondeffekt in ihrem Leben glaubten und so gewissermaßen einen lunaren Nocebo-Effekt erfuhren.

Die Vorstellung, dass der Mond das gesamte Leben bestimmt, von der Vegetation über den Haarwuchs bis eben auch zur Schlafqualität, ist auch im ‚aufgeklärten‘ Mitteleuropa virulent – und die Probanden der (in Basel durchgeführten) Studie hatten seinerzeit jede Möglichkeit, von der aktuellen Mondphase zu wissen. Intensiv befragt worden waren sie zu ihrer Gesundheit und Faktoren (Lärm wurde genannt), die sie beim Schlafen generell störten, aber die Glaubensstärke in Sachen Mondeffekt wurde offenbar nicht erhoben. Nicht nur dieser Blogger sondern z.B. auch der bekannte deutsche Skeptiker Sebastian Bartoschek hält diesen vermutlichen Bias für den wohl entscheidenden Faktor, der die – milde und bei weitem nicht klinisch relevante – Schwankung der Schlafqualität der Probanden erklären könnte. Ausschließen lässt sich – angesichts der Durchführung in urbanem Umfeld – mit ziemlicher Sicherheit eine direkte Beeinflussung durch (fast Voll-)Mondlicht in den Tagen vor den Messungen: Wie hier im Bezug z.B. auf Wien gemessen werden konnte, moduliert der Mond bei der vielen Lichtverschmutzung in Städten die Nachthimmelshelligkeit nicht mehr nennenswert.

Damit relativiert sich auch die Spekulation in dem Paper, dass im menschlichen Gehirn noch ein lunarer Zeitgeber verankert sein könnte, der sich nun im Labor manifestiert habe: Selbst wenn einen solchen die Evolution aus irgendwelchen Gründen übrig gelassen haben sollte – wie sollte er bei den urbanen Versuchspersonen, die der Mond direkt auf keine Weise mehr beeinflussen kann, derart gut synchronisiert werden, dass er sich in der zufällig ausgewählten Gruppe statistisch klar bemerkbar macht? Fragen über Fragen … aber wie könnte man sie mit einem Experiment beantworten, das über eine Post-Hoc-Idee in der Kneipe im Mondenschein hinaus geht? Die systematische Beobachtung vieler Personen über mehrere Mondzyklen hinweg wäre sicher ein Anfang, bei gleichzeitiger Erfassung ihrer Glaubensstärke an die ‚Macht des Mondes‘. Oder – aber das würde schon sehr strange – die Probanden müssten so lange von der Umwelt (und nicht nur gelegentlichen Zufallsblicken auf den Mond sondern auch jedweder Information über seine Phase, den Kalender inklusive) isoliert werden, bis sie alles Zeitgefühl verloren hätten … NACHTRAG: noch mehr Kritik und Links.

Weitere größere Artikel

26. Juli 2013

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Der Himmel über Berlin: nachts gemessen per SQM in Potsdam – hier der Dichteplot für das Jahr 2011 (Exklusivversion des Autors – und fette Lichtverschmutzungs-Artikel hier und hier).

Na eeendlich: Leuchtende Nachtwolken! Beobachtet im südlichen Ruhrgebiet.

Spuren von Komet Holmes immer noch zu sehen durch die Meteoroid-Wolke von 2007.

Astronomischer Sommerabend mit Wink-Effekt in Bonn bei „Wave at Saturn“ (auch am Anfang der Week @ NASA und in der Late Show ab 3:00 erwähnt).

Warten auf Komet ISON während der Sonnen-Konjuktion: wie wenig man wirklich weiß.

Sonnen-Party vor dem Deutschen Museum in Bonn.

Kürzere Artikel

Doch noch Hoffnung für Kepler-Satellit? Kaputte Drallräder drehen sich wieder, aber mit viel Reibung (die Situation entwickelt sich).

Das erste direkte Bild eines »kühlen« Exoplaneten mit 510 Kelvin.

Und schon wieder ein Goldener Henkel zu sehen.

Kleinplanet nähert sich der Erde – und wird immer dunkler wegen der Phase.

Sternwarte Hoher List vor dem Ausverkauf: Teleskope schon zu haben …

So sieht der neue Satellit IRIS nun die Sonne

25. Juli 2013

iris-pic

im Licht von ionisierten Silizium (Si IV) aus der heißen Übergangsregion und angrenzendem Kontinuum aus der kühleren Chromosphäre darunter: Erste Ergebnisse des im Juni gestarteten NASA-Satelliten wurden heute in Goddard, CfA, NASA und LockMart Releases sowie auf einer Telecon (deren Live-Übertragung die NASA zwar komplett in den Sand setzte, deren Aufzeichung aber hier zu hören ist) vorgestellt. Noch nie war die dünne Übergangsregion zwischen Chromosphäre und Korona in dieser Schärfe zu sehen, hier in einer Aktivitätsregion am 18. Juli, 21 Stunden nach der Öffnung des Deckels: Sie ist zum einen wichtig für den erstaunlichen Heizmechanismus der Korona und zum anderen die Quelle u.a. klimarelevanter UV-Emission. Zwar sitzt nur ein Instrument auf IRIS, aber es spaltet den Strahlengang in die Kamera und einen Spektrographen. Die Winkelauflösung ist deutlich höher als beim AIA auf dem SDO. [NACHTRÄGE: Bei LockMart gibt’s auch was; weitere Artikel hier, hier, hier und hier]

WISE-Daten stützen die Verbindung von Centauren und Kometen: In einem Paper von Anfang Juni und NASA, PSI und JPL Releases heute werden Messungen des IR-Satelliten an diesen Objekten zwischen Neptun und Jupiter mit optischen Daten verglichen und festgestellt, dass kometengleiche geringe Albedos von rund 8% die Regel sind und mindestens 2/3 der Centauren offenbar Kometenkerne sind. Auch die Ablieferung der NIRCam für das James Webb Space Telescope an die NASA.

hexa

Das Hexagon am Nordpol des Saturn – gestern von Cassini gesehen. Und zu dem wunderlichen April-Hubble-Bild eines schwarzweißen ISON vor bunten Galaxien („Ein G+-Hangout zu Komet ISON …“) hat die NASA endlich harte Infos vorgelegt – und einen neuerlichen Artikel, dessen Inhalt korrekt ist, dessen Überschaft („Farbbild des Kometen …“) aber weiter krass in die Irre führt …

Der Beschleunigungsmechanismus von Elektronen in den Van-Allen-Gürteln auf 0.99c ist von den Van Allen Probes direkt beobachtet worden, doch die genaue Physik bleibt zu klären: „Chorus“-Wellen könnten eine Schlüsselrolle spielen [NACHTRAG: ein Artikel und mehr Links]. Auch ein Bericht von der Pluto-Konferenz – und Unmengen(!) mehr gibt’s in diesem Blog

ariane

Der 70. Start einer Ariane 5 heute Abend – der 56. Erfolg in Folge und der 214. Ariane-Start überhaupt – mit 8.8 Tonnen Nutzlast ist wieder wie am Schnürchen verlaufen: Erst wurde der europäische 6.7-Tonnen-Alphasat ausgesetzt, ein aufwändiger Nachrichtensatellit in PPP von ESA und Inmarsat, dann der indische Erdbeobachter INSAT-3D. Weitere Press Releases hier, hier und hier, Live-Berichte hier und hier und Artikel hier und hier. Und morgen vor 50 Jahren startete der erste geosynchrone Satellit Syncom 2 – geostationär war er mit 33° Bahnneigung nicht. NACHTRÄGE: Video, Bilder und mehr Bilder vom Ariane-Start, ein ISRO Release zu INSAT, erste Schritte mit AlphaSat, weitere Artikel zum Start hier, hier und hier und mehr Links.

Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 24. Juli 2013

22. Juli 2013

24. Juli

Dumm gelaufen … Ein neuer Trailer für „Gravity“, einen SF-Film über eine Kollision im LEO während einer EVA, wirft die Frage auf: Ob das wohl gut ausgeht …? [22:15 MESZ – Ende. NACHTRAG: Es gibt noch weitere Ausschnitte aus dem Film]

Kepler zuckt! Beide kaputten Drallräder bewegen sich doch

noch, das schwerer beschädigte Nr. 4 nur in einer, die früher still gelegte Nr. 2 sogar in beiden Richtungen: Das ist das erste Ergebnis der laufenden Tests. Die Frage der Reibung steht aber weiter im Raum, und es bedarf noch weiterer Messungen, um einen möglichen erneuten Einsatz eines der Räder – und damit die Wiederaufnahme der Exoplaneten-Suche des Satelliten – in Erwägung zu ziehen. [NACHTRAG: Offenbar ist die Reibung erheblich höher als normal.] Auch das überraschende Wiedererwachen des Satelliten UK Strand 1 nach 4 Monaten Schweigen, eine MRO-Aufnahme vom MSL und seinen Spuren, ein neuer Fallschirm-Test der Orion mit einem simulierten Notfall [NACHTRAG: mehr Links] und Details des NASA-Budget-Krachs. [21:45 MESZ]

Das war der aktuelle Ausbruch des Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann im Juni und Juli: eine Überblende-Slideshow aus 15 rezentrierten Bildern, die toll die Evolution der Koma zeigt. Auch eine finstere Begegnung mit einem Asteroiden am 30. Juli – trotz Erdnähe und großem Durchmesser nicht hell. Und ein ungewöhnliches Zeitraffer-Video des Himmels über San Francisco in einem ganzen Jahr, mit allen Tagen parallel arrangiert. [21:40 MESZ]

Die Abwicklung der ehem. Bonner Uni-Sternwarte beginnt

In einem Rundschreiben der Universitäts-Verwaltung an die deutsche (Fach-)Astronomie ist vorgestern angekündigt worden, nach der bereits vor einem Jahr verkündeten endgültigen Schließung des Observatoriums Hoher List in der Eifel seien nunmehr „einige astronomische Teleskope abzugeben. Abbau-, Transport- und Rückbaukosten eventuell notwendiger baulicher Veränderungen müssen vom Übernehmer getragen werden. Kostenschätzungen dazu liegen nicht vor.“ Man bitte, „eine entsprechende Bekundung bzw. ein Angebot möglichst bis zum 30.09.2013“ einzureichen: „Die eingehenden Schreiben werden ausgewertet und eine Entscheidung herbeigeführt.“ Erste Anfragen liegen dem Vernehmen nach bereits vor. Ob da die erhoffte Anmietung des 1-m-Spiegels durch den Förderverein noch zustande kommt, und ob die September-Deadline mit dem hier erwähnten Moratorium identisch ist, bleibt noch zu klären – die Hoffnung, die Anlage als Ganze zu retten und einer neuen Nutzung zugunsten öffentlicher Bildung zuzuführen, schwindet jedenfalls täglich. [21:30 MESZ. NACHTRAG: Nach Angaben der grünen RP-MdL R. Ratter bezieht sich das Moratorium bis September nur auf die Liegenschaft und nicht die Teleskope]

pluto

Der New-Horizons-Chef glaubt jetzt an Zwergplaneten!

Seit der IAU-Entscheidung, den Pluto in diese neu geschaffene Kategorie zu verschieben (siehe ISAN 24-1), hatte sich der Mann hinter der ein halbes Jahr zuvor gestarteten Mission dorthin (siehe Artikel B77) mit Händen und Füßen – und krassen Sprüchen – gegen die lange überfällige Neuordnung des Sonnensystems gewehrt. Zwei Jahre vor der Ankunft scheint sich Alan Stern besonnen zu haben: Auf dieser Folie eines gerade im Rahmen einer Tagung streamenden Vortrags [NACHTRAG: komplette Aufzeichnung] ist Pluto nun bei den Zwergen angekommen – allerdings als einer von 90 bis 900. Diese Einschätzung, dass es um Größenordnungen mehr Zwergplaneten als die derzeit akzeptierten fünf gibt, teil er sogar mit seinem Haupt-Widersacher im Pluto-Streit der Vergangenheit: Hier gibt es tatsächlich noch Handlungsbedarf für die IAU. (Oh, und Curiosity ist gerade erstmals 100 m an einem Tag weit gefahren.) [2:05 MESZ]


23. Juli

ison-spitz

So sah der Satellit Spitzer den Kometen ISON im Juni, links dominiert bei 3.6 µm der Staub, rechts wurde diese Komponente von einer 4.5-µm-Aufnahme abgezogen (wo es ebenfalls staubt), so dass die runde Gaskoma übrig bleibt. Sie wird vermutlich von Kohlendioxid dominiert, das damals in 3.4 AU oder 500 Mio. km Sonnenabstand der Treiber der Aktivität war – das ist jedenfalls so üblich, direkt bestimmen kann Spitzers Kamera die Chemie natürlich nicht. Wie die Beobachter heute im CBET #3590 ausrechnen, wäre die Produktionsrate von CO2 dann 2 x 10^26 Moleküle/Sekunde gewesen (was 1000 Tonnen/Tag wären), handelte es sich dagegen um CO, sogar 2 x 10^27. Die Gaskoma war an diesem 13. Juni jedenfalls mindestens 200’000 km groß und der Staubschweif über 300’000 km lang: Das Gas trieb rund 55’000 Tonnen Staub/Tag aus dem Kern. [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: eine Tabelle mit ‚harten‘ Zahlen zu ISON – und wie ISON vom Mars aus und später Siding Spring beobachtet werden sollen]

xmm

372’728 einzelne Röntgenquellen im neuen XMM-Katalog

zufällig bei gezielten Beobachtungen mit dem ESA-Röntgensatelliten mit im Bildfeld befindlicher Objekte enthält dessen neuese Version (mehr und mehr), der 3. XMM-Newton Serendipitous Source Catalogue (3XMM-DR4). Insgesamt sahen die EPIC-Röntgenkameras 531’261 Quellen (typischerweise 70 pro Aufnahme) in den Jahren 2000 bis 2012, von denen aber etliche mehrfach ins Feld gekommen waren: Die All-Sky-Karte zeigt die Dichteverteilung der Objekte – nur 1400 Quadratgrad sind allerdings abgedeckt – und für ein Feld auch die individuellen Quellen. Auch der Stand der NASA-Budget-Debatte im US-Kongress und eine formelle Untersuchung des ISS-EVA-Zwischenfalls. [23:00 MESZ. NACHTRAG: mehr Links dazu]

Wenn Ihnen der Komet ISON spanisch vorkommt, dann sind Sie hier richtig (eine 5-Minuten-Doku aus Chile, mit englischen Untertiteln). Auch warum ISON und Kirch nichts miteinander zu tun haben, eine kuriose Timeline-Grafik, bei der just im Perihel Schluss ist, und die Problematik von HST-Aufnahmen. Und der verblassende 29P, das Paar Mars & Jupiter (mehr), zwei CMEs gleichzeitig und die 153. Supernova-Entdeckung von Tom Boles. [0:55 MESZ] Bei einer mühsamen Jupiter-Beobachtung heute Morgen hat sich der GRF als „intensiv orange“ gezeigt. Und heute vor 18 Jahren wurde Komet Hale-Bopp entdeckt. [18:20 MESZ]


22. Juli

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Die „offiziellen“ Versionen der Cassini-Erde/Mond-Bilder

liegen nun auch vor: oben einer der 33 „Footprints“ der Weitwinkelkamera, die insgesamt 323 Aufnahmen machte, als Echtfarb-Komposit aus R-, G- und B-Aufnahmen, mit überbelichtetem F- und künstlich aufgehelltem E- und G-Ring, darunter ein Ausschnitt (der Mond macht sich aus Ausbuchtung der Erde nach rechts bemerkbar) und ganz unten Erde und der – künstlich aufgehellte – Mond weit getrennt gesehen von der Telekamera, ebenfalls eine Echtfarb-RGB-Darstellung, bei der der E-Ring für den blauen Hintergrund sorgt. Zum Vergleich ein paar Amateur-Experimente mit dem Bildmaterial. [23:50 MESZ. NACHTRÄGE: Science@NASA, ESA und NASA EO Releases und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

mess

Und so sah MESSENGER die Erde und den Mond am 19. Juli aus dem Merkur-Orbit aus 98 Mio. km Entfernung – mit Blooming da (es ging ja um eine Suche nach schwachen Monden) überbelichtet [NACHTRAG: Artikel hier und hier]. Derweil wird in diesem NASA-Blog eifrig von einer laufenden Pluto-Konferenz berichtet – und der ESA-Astrometrie-Satellit Gaia hat ein Startfenster, das vom 17.11. bis 5.12. reicht. [23:30 MESZ]

mars

Welch ein Aufmacher (einer regionalen Boulevardzeitung) heute: Einem der zigtausend Bewerber um einen Marsflug ohne Wiederkehr beim verrückten Projekt „Mars One“ („Raumfahrt-Splitter“: „Eine Pressekonferenz …“; siehe auch diese Eindrücke) wird ein Artikel und auch gleich die Titelseite gewidmet. Lehre 1: Am Wochenende muss im Rheinland rein gar nichts los gewesen sein. Und Lehre 2: Mars geht immer, egal wie dünn die Story ist … [20:35 MESZ. NACHTRAG: Der war schon vor Wochen auf n-tv. NACHTRAG 2: Und warum nicht nochmal aufwärmen …]

Im Gedenken an Loriots „Astronaut“: Den Schauspieler und männlichen Counterpart Loriots Heinz Meier, der gestern im Alter von 83 Jahren starb, kennen die meisten wohl als Lottogewinner Erwin Lindemann – aber seine allererste Rolle in einer TV-Sendung Loriots war 1972, das Apollo-Programm lief noch, „der Astronaut“, der gar keiner war, gewesen. [20:25 MESZ]

„Gold entsteht in Gamma-Ray-Bursts!!“ Ach, wirklich …?

Mal wieder so ein Fall, wo der atemlose Press Release („Earth’s Gold Came from Colliding Dead Stars“) und eine dramatisch inszenierte Pressekonferenz dazu – und erst recht viele folgende Artikel wie hier, hier oder hier – mit dem eigentlichen Paper (zuvor hier nüchtern bewertet) nicht viel zu tun haben. Konkret beobachtet wurde 9 Tage nach dem kurzen, harten GRB 130603B an seiner Stelle am Himmel eine extrem schwache rötliche Punktquelle 26. Größe – mehr nicht. Das Paper bietet dafür als Erklärung wahlweise ein Nachglühen des Gammabursts an – oder aber einen bislang hypothetischen Transienten, der über den r-Prozess und den Zerfall der dabei entstandenen Elemente in den GRB-Ejekta Energie liefert. Dieses „Kilonova“-Szenario – da 1000x so stark wie eine Nova-Explosion – wird für die Verschmelzung von zwei Neutronensternen (oder einem Neutronenstern und einem Schwarzen Loch) vorhergesagt, dem populären aber letztlich unbewiesenen Mechanismus hinter den kurzen GRBs. Das Wort „Gold“ kommt im Paper kein einzes Mal vor … [20:05 MESZ. NACHTRAG: noch’n Artikel, mit Zweifeln wenigstens ganz unten]

Physik-Splitter: Mit einem cleveren Online-Tool kann man hier die Parameter des Kosmos verändern (und so erfahren, dass nur das Konkordanz-Modell die Realität produziert). / Pierre Auger sieht zu viele Myonen in der Kosmischen Strahlung. / Kein neutrinoloser Doppelbetazerfall im Experiment GERDA gesehen. / Neutrino-Oszillationen bei T2K: Muon-Flavor wird Elektron-Flavor. / 5 Mrd. Euro für die „Neutrino Factory“ gefordert. / Ein neuer Magnet-Typ für den LHC erfolgreich getestet. / Wie der LHC das das Standard-Modell immer besser bestätigt und damit zugleich weniger Raum für Erweiterungen lässt. / Und die Eigenschaften des Top-Quarks genauer bestimmte. [19:35 MESZ]

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Ein altes WFPC2-Bild einer Lenticular-Galaxie, NGC 524, aber neu aufbereitet und deshalb erwähnenswert. Auch ein neues Galaxy-Zoo-Projekt, bei dem man auch gleich ein Paper schreiben soll („science from beginning to end“ – und im September alles fertig), die anhaltenden Probleme mit dem LBT, eine neue Sternwarte in Tibet in 5100 m Höhe, das neue australische Radioteleskop MWA [NACHTRÄGE: ein Press Release und mehr], der Gruber-Preis 2013, allgemeine astronomische Befindlichkeiten hier, hier und hier – und drei neue astronomische Romane kurz besprochen. [11:35 MESZ]

Raumfahrt-Splitter: Wie Indien seine Mars-Mission ‚verkauft‘: als wichtige Technologie-Demonstration [NACHTRAG: was ein Ex-ISRO-Chef ganz anders sieht] / Wie Curiosity ISON beobachten soll, und die Route zum Aeolis Mons / Warum es keine Wellen auf dem Titan zu geben scheint / Was man bisher über Lucas EMU-Versagen herausgefunden hat / Und die Probleme der Asteroid Redirect Mission im US-Kongress. [11:10 MESZ]

Die leuchtenden Nachtwolken vom 20.-21. Juli, die für manche die besten der Saison – und für andere die ersten überhaupt – wurden: mehr auch hier, hier und hier. Plus der arg verblasste PANSTARRS am 17. Juli und Astronomen-Pläne für ISON, Mars & Jupiter am 21. Juli (mehr), die H-Alpha-Sonne am 20. Juli mit vielen Protuberanzen und die SN 2013dy in NGC 7250. [1:35 MESZ]

Und so sah Cassini Erde, Mond und Saturn!

21. Juli 2013

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24 Stunden nach der großen Cassini-Aktion haben bereits genug Rohbilder die Erde erreicht, um einen ersten Eindruck des geplanten Mosaiks zu vermitteln: oben eine Aufnahme von Erde und Mond mit der Telekamera NAC [NACHTRAG: eine „farbige“ Version], darunter ein Grob-Mosaik des Gesamtbildes aus Aufnahmen der Weitwinkelkamera WAC und unten ein einzelner WAC-Frame mit der Erde im Bild.

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Zusammen mit einem weiteren Frame ist auch schon eine Art Farbaufnahme entstanden [NACHTRAG: hier, hier und hier andere Versionen] – hier noch eine Sammlung früher Rohbilder, all dies übrigens zuerst über Cassinis Facebook-Seite verbreitet: So macht man das heute wohl. [NACHTRÄGE: Dafür dauert’s bis zum ‚amtlichen‘ Endergebnis um so länger; weitere Artikel hier, hier hier und hier] Und als „Gegenschuss“ noch ein Peach-Saturn zu fast dem Zeitpunkt der Aufnahmen.

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Der Mond mit Sonne von allen Seiten gleichzeitig: So was gibt’s natürlich nie am Himmel zu sehen, aber hier wurde aus 110’000(!) Aufnahmen der Weitwinkelkamera des LRO bei 643 nm ein künstlicher Mond berechnet, für den die Sonne überall 80° hoch am Himmel steht. Dergleichen wird es demnächst auch in Farbe geben. Auch die Feststellung (mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr Links]), dass tatsächlich eine Raketenteil von Apollo 11 geborgen wurde. Und der private Plan (unfinanziert), ein Teleskop auf den Mond zu stellen.

Noch kurz gemeldet

Beobachtungen des möglichen Zielasteroiden (163249) 2002 GT für eine erneute Missionsverlängerung von Ex-Deep-Impact EPOXI – den die alte Sonde 2020 erreichen könnte – wurden Ende Juni in Europa koordiniert: Es galt, die letzte Annäherung an die Erde für fundamentale Messungen zu nutzen.

Der aktuelle Status des James Webb Space Telescope, über das eine wahre Flut von Pressemitteilungen über jeden kleinen technischen Schritt produziert wird, ist durchaus nicht so perfekt: Ein Anzahl kritischer technischer Hürden müssen noch genommen werden, und die Reserven schwinden.

Jede Menge wissenschhaftliche Errungenschaften der ISS wurden kürzlich auf einer Tagung in den USA gefeiert, insbesondere vom großen Teilchendetektor AMS-02, der inzwischen 35 Mrd. Teilchen Kosmischer Strahlung beobachtet hat: Darüber wird sogar in China berichtet, auch weil der AMS-PI ursprünglich von dort stammt.

Und sie haben dem Saturn überall zugewunken

20. Juli 2013

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rund um den Planeten in der Nacht (MESZ) 19./20. Juli, so wie hier Dawn Sunrise in Bedfordshire im UK (mit dem Saturn am hellsten und Spica ganz rechts; Verwendung mit freundlicher Genehmigung). Oder dieser Blogger im Rahmen einer ziemlich spontan organisierten Sommerabend-Star-Party in Bonn, von der es Bilder bis in eine Live-Sendung des JPL schafften (gegen 30:00), über die auch hier berichtet wird und wofür es natürlich ein Zertifikat gibt … Zahllose Bilder und Notizen aus aller Welt sind hier, hier und hier versammelt, und es gibt weiteres Material aus dem UK (die wohl besten Bilder einer nächtlichen Aktion [NACHTRAG: ein langer Bericht dazu]; mehr auch hier, hier, hier, hier und hier) und aus Rumänien, Österreich (mehr [NACHTRAG: und mehr]), Frankreich und den USA ([NACHTRAG: ein Video dazu]; mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) – und aus Australien, wo man dem Boden zuwinken musste. Und es tat …

Zweit Zeitraffer-Videos norddeutscher Leuchtender Nachtwolken aus der Nacht 17./18. Juli, die dort bestens zu sehen waren, weiter südlich leider – mal wieder – nicht: mehr Bilder auch hier, hier, hier und hier. Auch die Gewinner eines Foto-Wettbewerbs in Australien, die Besprechung eines Buchs über Lichtverschmutung, eine Analyse von Jupiters STB, ein großes Korona-Loch über dem Nordpol der Sonne und eine Supernova 13. Größe, SN 2013dy in NGC 7250. [NACHTRAG: die Supernova heute]

Komet Jäger nach 14 Jahren unbeschadet wieder da!

Die erste und einzige Entdeckung des legendären österreichischen Kometenfotografen ist nun nach einem Sonnenumlauf wieder entdeckt worden. „Ich war zuletzt ein wenig in Sorge, dass er deutlich hinter der Prognose bleiben könnte,“ berichtet Michael auf einer Kometen-Mailing-Liste: „Der Komet scheint trotzdem um zumindest 2 mag schwächer (aktuell um die 17m5) zu sein, was nicht verwundert, da er sich 1998 zum ersten Mal in sonnennäheren Gebieten befand.“ Auch aktuelle Bilder von Komet Holmes, der nach seinen sensationellen 2007-er Ausbruch viel Staub hinterlassen hat, der zu manchen Zeiten schwach in der Bahn glimmt, sowie Borisov, C/2012 F6 (LINEAR) und Lemmon.

Nicht nur Cassini, auch MESSENGER zuwinken

18. Juli 2013

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kann man – wenn man’s denn möchte – an diesem Wochenende: Denn nicht nur wird Cassini am Freitag die Erde im Blick haben, sondern am Freitag und Samstag auch MESSENGER, wenn der Merkur-Orbiter erneut auf die Suche nach kleinen Merkur-Monden geht. Der macht seine Aufnahmen mit der Erde und dem Mond drauf (jeweils ein Pixel, aber getrennt) an beiden Tagen um 13:49, 14:38 und 15:41 MESZ, wenn der Planet neben der Sonne hoch über Europa steht, während das große Saturn-Event bekanntlich am Freitag von 23:27 bis 23:42 MESZ stattfindet (und von 23:00 bis 23:30 MESZ gibt’s auf NASA-TV eine Sondersendung). Bald darauf kann man dann die Rohbilder Cassinis durchforsten: oben das simulierte Endprodukt, ein komplexes Mosaik, das es erst nach Wochen geben dürfte – und wie die Erde für den Saturnorbiter aussehen würde, wenn sie größer als ein Pixel wäre. Öffentliche Saturn-Wink-Aktionen sind – nach zähem Beginn – nun doch auch in Deutschland ein paar geplant, etwa in Bonn, und eine Saturn-Foto-Aktion läuft sich auch warm; weitere Artikel auch hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier].

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Der Marsrover Opportunity am 8.Juli vom MRO aufgenommen, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Start des immer noch voll aktiven Roboters, dessen Treiben auf dem Mars – die letzten zwei Jahre am Rand des Kraters Endeavour – dieses britische Fan-Blog unermüdlich verfolgt.

Curiosity ist jetzt einen Kilometer weit gekommen

auf seiner langen Fahrt zum Aeolis Mons, die durch neue Software-Updates immerhin beschleunigt wird. 335 Marstage ist der Rover nun schon auf dem Planeten (womit die ein Marsjahr währende Primärmission halb um ist), und es gibt immerhin erste Papers: zu Erkenntnissen des Tunable Laser Spectrometers [alt.] über die Verlust-Prozesse der Mars-Atmosphäre. Auch uneindeutige MRO-Hinweise auf einen möglichen Mars-Ozean, ein neu veröffentlichtes Mars-Express-Video, das es aber auch schon vor 5 Jahren gab, und ESA-Gefühle vor ExoMars mit Russland.

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Der Rand des Kugelsternhaufens 47 Tucanae von Hubble aufgenommen (rechts), um die unterschiedlichen Bahnmuster von verschiedenen Sternpopulationen zu untersuchen, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind: Die blauesten Sterne sind am stärksten zur Mitte hin konzentriert und zeigen die größten Anisotropien ihrer Eigenbewegungen, für den Sternenhintergrund gilt das nicht.

Der letzte Rettungsversuch für Kepler hat heute begonnen

und kümmert sich zunächst um Drallrad #4, das dieses Jahr ausfiel, während die seit 2012 still liegende Nr. 2 ab Montag dran kommt – ob da (buchstäblich) noch was geht, wird „später im Monat“ verkündet werden. Auch die gelungene Öffnung der Klappe von IRIS, dem neuen Sonnensatelliten, exotische kyrogene Elektronik für das JWST und bessere Kameras auf den nächsten GOES-Wettersatelliten der R-Serie, die die volle Erde alle 5 Minuten aufnehmen werden.

Die interplanetaren Bodenstationen der ESA sind empfindlicher geworden, dank neuer extrem gekühlter Empfänger, die die drei 35-m-Schüsseln nun wie 40-er wirken lassen – BepiColombo und Juice aber auch der Astrometrie-Satellit Gaia werden davon profitieren. Auch eine globale Neubildung der Merkur-Oberfläche, aus MESSENGER-Bildern geschlossen, und ein britischer experimenteller Planeten-Penetrator im Eis-Test.

Und noch kurz gemeldet

Der „Wassereinbruch“ in den Raumanzug ist weiter ungeklärt, der L. Parmitano widerfahren ist [NACHTRAG: seine Worte]. Auch eine hypothetische ‚Content-Strategie‘ für Alexander Gerst, den nächsten deutschen Raumfahrer mit dem „Zeug zum Weltraum-Helden“, ein angedachtes russisches Aufblas-Modul für die ISS, akuter Asteroiden-Mangel für die Redirect-Pläne der NASA und ein frecher Kommentar des Ex-Astronauten U. Walter zur unsichtbaren Euro-Raumfahrt.

Falsch installierte Sensoren waren Schuld am Proton-Crash, wurde heute offiziell verkündet; man musste sie mit Gewalt falsch einsetzen, alles sehr mysteriös – Artikel auch hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und mehr Links]. Derweil ist der vor 2 Jahren seinen Orbit verfehlt habende russische Satellit Geo-IK-2 nun verglüht.

Das UK investiert 60 Mio. Pfund in eine Synergistic Air-Breathing Rocket Engine (SABRE), nachdem eine Studie der ESA Mut gemacht hat: Artikel hier und hier. Auch Bodentests mit dem Mini-Shuttle „DreamChaser“ – und die mögliche Schließung des MSFC der NASA [NACHTRAG: die schon wieder vom Tisch ist].

Materialwissenschaftliche Experimente unter µg wurden beim Raketenflug „Mapheus-4“ knapp vier Minuten lang durchgeführt – und das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE), das auch einmal mit Raketenflügen begonnen hatte, ist 50 Jahre alt geworden und schon lange auf Satelliten ‚umgestiegen‘.

Die Flüge SOFIAs von Neuseeland aus haben begonnen, und die zweiwöchige Kampagne wird mit Press Releases von USRA, NASA, DLR, MPIfR und DSI begleitet – auch ein Artikel mit Rechtschreib-Problemen und ein kurioses Südlicht-Foto von Bord durch ein Nachtsichtgerät.

Allgemeines Live-Blog vom 13. bis 17. Juli 2013

13. Juli 2013

17. Juli

Ein G+-Hangout zu Komet ISON und insbesondere Hubble

und dessen geplante Beobachtungen beginnt in Kürze: oben live und später dann auch als Aufzeichnung. [22:00 MESZ] Aha, gerade haben sie zugegeben, wie das seltsame Bild unten (siehe 0:10 MESZ) zustande kam: Sie haben tatsächlich eine einzelne – und damit natürlich schwarzweiße – ISON-Aufnahme ausgeschnitten und in ein Farbkomposit des Hintergrunds montiert, auf den nachgeführt wurde. Denn dadurch – und die Bahn Hubbles um die Erde – trailt der Komet auf den lang belichteten Bildern meistens fürchterlich, und so nahm man einfach das schärfste der Serie. Also ist es wirklich kein Farbbild des Kometen, wie dieser Blogger gleich vermutete (als einziger, wie es scheint), obwohl es als solches ‚verkauft‘ wird … [22:35 MESZ] Jian-Yang Li (PSI) bestätigt, dass die Hubble-Aufnahmen vom 10. April eine Obergrenze von 4 km für den Kern ergeben haben, der auch noch deutlich kleiner sein könnte – nicht gut für das Überleben im Perihel. [23:00 MESZ – Ende]

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Teile der Gaswolke G2 sind bereits um Sgr A* herum geflitzt: Das zeigen diese Messungen mit dem SINFONI-Instrument des VLT vom April, die heute in Press Releases von MPE und ESO und Artikeln z.B. hier, hier oder hier gefeiert werden – dargestellt ist die Geschwindigkeit des Gases (x-Achse, in km/s) gegen die Position entlang des Orbits der ungewöhnlichen Wolke unklarer Natur & Herkunft (y-Achse, in Milli-Bogensekunden). Die blauverschobene Komponente des Gases (o.l.) zeigt klar, dass schon etwas der arg in die Länge gezogenen Wolke um das Zentrum der Milchstraße herum gekommen ist und sich nun wieder auf uns zu bewegt. Die gesamte Passage von G2 – in 20 Lichtstunden oder 2000 Schwarzschild-Radien Abstand – am mutmaßlichen Schwarzen Loch vorbei sollte mindestens ein Jahr dauern; in Sgr A* hinein fällt dabei wohl nichts. [21:35 MESZ]

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Ein koronaler Massenauswurf läuft auf die Erde zu

Er verließ die Sonne gestern um 6:09 MESZ – hier ein LASCO-Bild 9 Stunden später – und sollte am 18. Juli gegen 21:00 MESZ +/-7 Stunden die Erde erreichen; auch die Raumsonden MESSENGER und Juno sind ‚in der Schusslinie‘. Auch der Mond am 15. Juli in Norwegen, ungewohnt orientiert – und Berlin macht mit beim Saturn-Winken. [1:20 MESZ] Auf der Sonne selbst tut sich jedenfalls nicht viel. [5:20 MESZ] Mit Folgen der CME für die Erde ist offenbar doch nicht zu rechnen. Plus eine visuelle Borisov-Beobachtung mit 13 mag. [19:40 MESZ. NACHTRAG: Anderswo hat man die CME noch nicht aufgegeben]

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Ein quasi schwarz-weißer ISON in einem Hubble-Quasi-Farbbild, das aus WFC3-Aufnahmen mit 589 und 803 nm Wellenlänge vom 30. April entstand: Während Galaxien im Hintergrund schön bunt sind, lässt der Komet jedwede Farbigkeit vermissen. (Im Gegensatz zu Komet Lemmon am 15. Juli.) Auch eine ISON-Timeline aus Sicht von Raumsonden & Satelliten, alle rohen Hubble-Bilder von ISON, ein ISON-Hangout heute 22:00 MESZ und ein Filmchen über Sungrazer. [0:10 MESZ. NACHTRAG: Das Rauschmuster ISONs in dem Bild zeigt klar, dass hier ein Schwarzweiß-Komet auf ein (Zwei-)Farbbild geklebt wurde. Ohne dass das im Text erläutert würde …]


16. Juli

Ein NASA-Briefing über die Umstände des ISS-EVA-Abbruchs

heute Nachmittag (s.u.; oben kritische Momente im Video) beginnt in diesen Minuten im NASA-Fernsehen – wo jetzt martialische Pausenmusik läuft … [22:30 MESZ] Zehn Minuten verspätet hat die PK begonnen. [22:40 MESZ] Die Suche nach dem Fehler wird 1-2 Tage dauern – und ob die EVA rasch wiederholt werden soll, ist auch noch nicht klar. Kein Zeitdruck jedenfalls, „every rock“ soll erst umgedreht werden. [22:42 MESZ] Als Chris sah, dass das Wasser schon um Lucas Ohren herum kam, fiel der Beschluss zur „termination“ der EVA. Als es immer mehr wurde, hat man – wieder in der Station – die Befreiung Lucas aus dem Raumanzug und v.a. die Helmabnahme gegenüber üblichen Prozeduren beschleunigt. 1-1.5 Liter Wasser waren im gesamten Anzug! [22:47 MESZ] Seine Quelle ist weiterhin unbekannt, das Trinkwasser war es aber wohl nicht. [22:50 MESZ. NACHTRÄGE: ein paar technische Gedanken, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links]

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Eine ISS-EVA wurde gerade abgebrochen, weil Luca Parmitano (hier l.u. beim Entkleiden) plötzlich 1/2 Liter Wasser im Helm hatte, wohl nach dem Lecken seines Getränkevorrats. [15:50 MESZ] Vom Abbruch bis zu Helm ab an Bord vergingen 32 Minuten – so was dauert! [15:55 MESZ] Die Space-Nerds auf Twitter – exemplarisch dieser – überschlagen sich vor Begeisterung über die tadellosen Reaktionen auf das Problem: Wird die ’successful failure‘ dieser EVA bald als „Apollo-13-Moment“ für die ESA in die Annalen eingehen? [16:05 MESZ] War offenbar nicht das Trinkwasser, das da leckte. [16:10 MESZ] Weitere Artikel hier und hier – und wie Parmitano eine erste EVA gefunden hatte. [16:30 MESZ] Ein NASA-Statement zum Abruch; weitere Artikel hier und hier. [17:00 MESZ]

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Die Crew der ISS soll Komet ISON im Perihel beobachten!

Diese Information ist im „Comet ISON Toolkit“ der NASA zu finden, das alle Beobachtungspläne für den Kometen aus dem Weltraum (zwölf unbemannte Raumfahrzeuge!) sowie von einer Rakete und einem Ballon auflistet: 2007 hatte die NASA „vergessen“, die damalige ISS-Besatzung über den Kometen McNaught aufzuklären (was dieser Blogger vergeblich versuchte), so dass keine Beobachtungen zustande kamen. Auch nützlich obiges Diagramm, das zeigt, wann der Komet für welche Beobachtungen zugänglich ist; die blauen Intervalle unten sind visuelle Zeitfenster. Und noch eine wichtige Nachricht in Sachen ISON-Planung: Ein großer NASA-Workshop am 1.+2. August dazu wird live gestreamt! Auch Komet Lemmon am 13. Juli, 6. Juli und 14. Juni, ein Protuberanzen-Film (Details) und mattes Polarlicht in Nord-Deutschland in der Nacht 14./15. Juli. [1:00 MESZ]


15. Juli

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Die Helligkeit des Nachthimmels über der alten Potsdamer Sternwarte in Babelsberg im Jahre 2012, systematischer denn je mit einem SQM gemessen: in der x-Achse die Uhrzeit, in der y-Achse die Größenklassen pro Quadratbogensekunde, und die Farbe codiert, wie häufig ein entsprechender Wert zur entsprechenden Zeit auftrat (das Diagramm für 2011 sieht ganz ähnlich aus). Die Häufung zwischen SQM-Werten von 17 und 18 kommt durch bewölkte Nächte zustande, in denen das 22 km entfernte Berlin die Wolken beleuchtete, die Häufung um 20 sind klare mondlose Nächte. Generell erweisen sich wolkige Nächte mit SQM-Werten bis zu 16.5 als im gleichen Maße heller als klare Vollmondnächte (18.5) als diese wiederum heller als klare mondlose Nächte sind (20.3; entspricht permanenter nautischer Dämmerung). Und eine klare mondlose Nacht ohne Lichtverschmutzung wäre mit 22 wiederum um einen ähnlichen Faktor dunkler. [23:50 MESZ]

Borisov fand seinen Kometen bei systematischer Suche

Die Entdeckungsumstände des neuen – und leider kaum zu beobachtenden – Kometen C/2013 N4 (siehe 13. Juli) sind in diesem russischen Forum zu finden, auf das dieser Blogger dank seiner zwitschernden Tochter aufmerksam wurde und mit dem Online-Übersetzer ganz gut zurecht kommen. Danach gelang Gennady Borisov die Entdeckung im Rahmen eines privat betriebenen Kometen-Suchprogramms im Morgengrauen, das er mit selbst entwickelten 20-cm-f/1.5-Teleskopen und FLI-PL16803-CCD-Kameras betreibt. Beim manuellen Blinken der Bilder der vergangenen Nacht war auf den Kometen gestoßen, der schon damals ziemlich eindeutig erschienen war. Eine Nachricht an das Minor Planet Center blieb zunächst ohne Antwort – aber in der folgenden Nacht beobachteten Borisov und andere den Kometen während der „Southern Nights“ auf der Krim mit größerem Gerät und stellten sogar seine grüne Farbe fest: Jetzt gab es gar keinen Zweifel mehr. [16:15 MESZ]

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Ein erstes spektroskopisches Ergebnis von SOFIA in Neuseeland! In Gestalt dieses Regenbogens über der nun für drei Wochen auf die Südhalbkugel verlagerten (siehe unten) fliegenden Sternwarte, die jetzt in Christchurch stationiert ist. [10:30 MESZ] Und warum nicht – aus kalifornischer Sicht – ’naheliegender‘ in Südamerika? Wegen der Infrastruktur, die in NZ schon vorhanden ist. [11:50 MESZ. NACHTRÄGE: mehr Bilder aus NZ und eine deutsche Pressemitteilung]

Neuer Neptun-Mond in alten HST-Bildern – mit 26.5 mag.

Das hat gedauert: Erst mit einer neuen Stacking-Technik ist es gelungen, in Hubble-Aufnahmen von 2004 bis 2009 einen bisher unbekannten Neptunmond (nun S/2004 N 1 genannt) aufzuspüren, der nur 26.5 Magnituden hell ist. Zehnmal war der Neptun in einem 50-Minuten-Intervall – mehr gibt der Orbit Hubbles nicht her – jeweils viele Male aufgenommen worden, und diese Bilder hat man nun so gegeneinander versetzt addiert, dass ein Mond auf einer äquatorialen Kreisbahn auf derselben Stelle landen würde. Der heute im CBET 3586 gemeldete Fund hat eine Periode von 0.95 Tagen und einen mittleren Abstand vom Neptunzentrum von 105’300 km (zwischen Larissa und Proteus) und ist vermutlich keine 20 km groß: der mit Abstand kleinste Neptunmond und weit unter der Nachweisgrenze von Voyager 2. [9:25 MESZ. NACHTRÄGE: Später gab’s Hubble, SETI Inst. und NASA Releases und ein Science@NASA dazu, ohne weitere Erkenntnisse, aber nähere Entdeckungs-Umstände hier und Fragen zur Entstehung hier; weitere Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier plus mehr Links]

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Das direkte Bild eines „kühlen“ sternfernen Exoplaneten ist mit dem Subaru-Teleskop und der Adaptiven Optik HiCIAO beim Stern GJ 504 gelungen: hier eine Falschfarben-Darstellung von Bildern in den nahinfraroten J- und H-Bändern. Der Planet ist – in Projektion – 43.5 au vom Stern entfernt (weiter als Neptun von der Sonne) und hat eine Temperatur von rund 510 Kelvin. Er ist so kühl (verglichen mit anderen direkt abgebildeten mutmaßlichen Exoplaneten), da der Stern bereits 100 bis 500 Mio. Jahre alt ist – und praktischerweise divergieren dann die Modelle zur Umrechnung von IR-Emission in Masse kaum mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen der abgebildeten Objekte ist diesmal eindeutig, dass die Masse – mit 3 bis 9 Jupitermassen – eindeutig planetar ist. [0:00 MESZ. NACHTRAG: mehrere Wochen später noch Releases von NAOJ, MPIA und MPG]


13. Juli

Komet Borisov ist amtlich! Aber die Bahn bringt’s nicht

Der ganz unten erwähnte Komet hat vor wenigen Stunden die Nummer C/2013 N4 bekommen und wird tatsächlich nach Gennady Borisov getauft, der ihn auf drei CCD-Aufnahmen mit einem 0.2-m-f/1.5-Astrographen aus der Nacht 8./9. Juli entdeckt hatte: Nach der ersten Bahn erreicht er sein Perihel in 1.2 AU Sonnenabstand bereits am 20. August und wird leider seine aktuellen 13.5 mag. praktisch nicht mehr steigern können, während die Elongation von derzeit 30° auf 20° fällt. [23:20 MESZ. NACHTRÄGE: auch in diesem und diesem Bericht keine weiteren Details zu den Umständen der Entdeckung]

Ein flottes ESA-Filmchen über die EVA von Luca und Co vor ein paar Tagen, auch Standbilder – und Staub-Plasmen-Forschung auf der ISS. Sowie Bolden pro und andere contra der Asteroid Redirection Mission, Kameras auf dem SLS, Wörner gegen die Ariane 6, der erste Cygnus zur ISS im September und neue Rätsel um das Proton-Disaster. [14:25 MESZ]

Flugzeugsternwarte SOFIA auf dem Weg nach Neuseeland

Das fliegende Observatorium wird gerade von Kalifornien über Hawaii für drei Wochen nach Neuseeland verlegt: Das Zentrum der Milchstraße z.B. steht dort länger über dem Horizont, und die Magellanschen Wolken werden zugänglich. Noch mehr Bewegungen: Der Mondorbiter LADEE hat das Startgelände in Wallops erreicht, und Curiosity kommt voran auf dem langen Weg zum Aeolis Mons im Marskrater Gale. Im ersten Jahr auf dem Mars ist Curiosity nur einen knappen Kilometer weit gefahren und stand meist – forschend – herum: Das wird nun anders. [14:15 MESZ]

A Sun-like star in its end phase of life about 4,200 light years from Earth.

Der „Eskimo-Nebel“ NGC 2392 in einem Komposit-Bild aus einer Röntgen-Aufnahme (Chandra, in rosa, Bildmitte) und einer optischen (Hubble, in RGB, überall): erstere zeigt extrem heißes Gas in diesem Planetarischen Nebel. Und zwar ungewöhnlich viel, verglichen mit anderen derartigen Überresten sonnenähnlicher Sterne – vielleicht Indiz für einen Doppelstern mit Zusatzeffekten im Zentrum. [2:25 MESZ]

1. Kometenentdeckung der Ukraine – auf einer Starparty?

Noch ist die Existenz des Kometen nicht offiziell bestätigt, aber was der russische Kometen-Spezialist Leonid Elenin zusammen getragen hat, lässt kaum noch einen Zweifel zu: Der Amateurastronom (und Berufsoptiker) Gennady Borisov hat einen Kometen entdeckt – und zwar bei gemeinsamen Beobachtungen mit anderen Amateuren während der alljährlichen „Southern Nights“ diese Woche auf der Krim. Das Objekt im Fuhrmann ist grün, hat eine Koma und bewegt sich am Himmel, aber auch mehrere Tage später gibt es noch kein Zirkular der IAU dazu. Auch aktuelle Kometenaufnahmen von 29P am 5. Juli, PANSTARRS am 10. Juli und Lemmon am 12. Juli – und der Mond bei der Venus am 11. Juli aus Australien, Italien und Deutschland. [2:10 MESZ]

Diese Zacken sollen eine Rolle der Raumfahrt bei der Entstehung von NLCs zur Zeit beweisen …

12. Juli 2013

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Das ist das Schlüsseldiagramm aus Siskind & al., „Recent observations of high mass density polar mesospheric clouds: A link to space traffic?“, Geophys. Res. Lett. 40 [2013] 2813-7, das in den letzten Tagen z.B. hier, hier, hier, hier oder hier ernst genommen oder gar als bedeutend gefeiert wurde – aber zu Recht? Aufgetragen sind jeweils für die Nordsommer der Jahre 2007 bis 2012 in grau die Sonnenaktivität (repräsentiert durch den gemittelten Radiofluss der Sonne) und in schwarz und weiß zwei Maße für die Intensität der dann immer auftretenden mesosphärischen polaren Wolken, wie sie der Satellit AIM (siehe ISAN 39-2) von oben bzw. der Seite schauend bestimmt hat: Der Rand dieser Wolken erscheint auch Beobachtern am Boden als die berühmten Leuchtenden Nachtwolken oder NLCs (auf die derzeit jede Nacht viele Sternfreunde warten). Doch die Forscher beschränkten sich ganz auf die AIM-Daten und haben deswegen – erstes Problem – nur sechs Jahre zum Vergleichen.

Die Erwartung ist, dass die Mesosphären-Wolken bzw. NLCs mit steigender Sonnenaktivität abnehmen, weil die dann verstärkte UV-Strahlung der Sonne die Wassermoleküle in der Hochatmosphäre zerstört und auch generell die Temperatur der letzteren ansteigen lässt: Dieser Effekt wird auch seit Jahrzehnten beobachtet, zzgl. eines mysteriösen langsamen Anstiegs der Basislinie, und auch in der AIM-Ära sind die Wolken und die Sonnenaktivität in den Jahren 2007 bis 2010 „planmäßig“ antikorreliert, mit einem problemlos erklärbaren Wolken-Peak 2008. Aber warum gab es im Nordsommer 2011, just als endlich die Sonnenaktivität anstieg, viel mehr Mesosphärenwolken? Siskind & Co. ist nun aufgefallen, dass im Nordsommer 2011 durch den (allerletzten) Shuttle-Start im Juli wesentlich mehr Wasserdampf in die Hochatmosphäre eingebracht wurde als 2010 und 2012. Das würde ja passen, aber – zweites Problem – auch im Juli 2009 gab es einen Shuttle-Start mitten der Nord-Saison der Wolken und sogar noch andere Starts mit Wasserdampf. Aber die Wolken reagierten damals überhaupt nicht!

Das versuchen die Autoren durch „lower thermospheric dynamics“ zu erklären, die den Transport des Shuttle-Dampfs in die Polregion verhindert hätten, aber überzeugt das? Die 2012 weiter hohe Wolkenintensität nach Ende des Shuttle-Programms wiederum schreiben sie – unbehaglich – Soyuz-Raketen zu. Drei Fälle, und es passt nur einmal gut … Eine Rückfrage an Siskind am Naval Research Lab der USA, warum keine NLC-Beobachtungen aus der gesamten Raumfahrtgeschichte und noch früher zwecks mehr Statistik herangezogen wurden, misslang heute leider – als überraschende Folge der anhaltenden US-Finanzkrise: „Due to the government sequestration and subsequent furlough of DoD employees, this email will not be read on Fridays.“ Der Hauptautor im Zwangsurlaub … aber eines ist schon jetzt klar: Auch fünf populäre Artikel – von denen sich kein einziger mal der sehr überschaubaren Daten selbst und ihrer Probleme annahm – ersetzen nicht die Lektüre des Original-Papers, das in diesem Fall leider hinter einer Paywall versteckt ist. Dank daher auch an einen Kollegen, der es kurzfristig denjenigen zugänglich machte, die es wirklich wissen wollten – und an einen NLC-Fan, der weitere Quellen parat hatte.