Archive for September 2012

Crowd-funded „Bürger-Teleskop“ jetzt in Köln

29. September 2012

Der astronomische Verein ist dieses Jahr 90 und seine zweite Volkssternwarte 50 Jahre alt geworden – und seit dieser Woche hat er sein in der langen Geschichte drittes und bei weitem größtes Hauptinstrument: Die Volkssternwarte Köln hat diesen Mittwoch ein Spiegelteleskop mit 60 cm Spiegeldurchmesser und 5.4 m Brennweite auf’s Dach gesetzt bekommen (auch eigene Berichte und ein TV-Beitrag [NACHTRAG: und weitere Berichte hier und hier]). Just rechtzeitig zu einem aufschlussreichen wie unterhaltsamen Festakt [NACHTRAG: Berichte hier und hier] heute zur Feier des Doppelgeburtstages (ganz unten P. Hombach mit astronomischen Sonifikationen) – und zur Quasi-Übergabe des „Cologne Large Telescope“ (CLT; Bilder oben, Nr. 2 & 7 ge-Autostich-te Vertikalpanoramen) an die Kölner Bürger. Die seine 100’000 Euro Baukosten komplett per Crowd-Funding – durch den reichlichen Kauf von Sternpatenschaften, bis alle mit blossem Auge sichtbaren Sterne weg‘ waren – komplett übernommen hatten: eigentlich unfreiwillig, denn diese Aktion „Kölner Himmel“ sollte ursprünglich einen kleinen Projektor für ein Planetarium finanzieren, doch die zusätzlich nötigen öffentlichen und privaten Mittel für ein passendes Gebäude waren nicht zu finden.

Einer Klausel gemäß hatte die MV der VSW daher vergangenes Jahr entschieden, mit dem Geld – minus einer in dieser Situation fälligen Großspende an karitative Einrichtungen – stattdessen ein neues Fernrohr für die Öffentlichkeit zu bestellen, dessen Spiegel vom russischen Hersteller Lomo stammt, während für die Mechanik ein Vereinsmitglied und hauptberuflicher Teleskopkonstrukteur sorgte (M. Wirth, unten rechts neben dem VSW-Vorsitzenden H.-M. Hahn). Das erste Hauptgerät des Vereins war ein 165-mm-Refraktor gewesen, der in der ersten VSW von 1935 gestanden hatte und – nachdem sein Objektiv des 2. WK in einem Bankschließfach überstand – auch in der neuen VSW ab 1962 Dienst hat, bis er 5 Jahre später von einem 225-mm-Coudé-Refraktor abgelöst wurde. Das immerhin 30’000 DM teure und von der Stadt bezahlte Gerät – das nun verkauft werden soll – war damals das größte öffentlich zugängliche Linsenteleskop in NRW, und sein Nachfolger CLT wird nach rund einmonatigen Tests noch dieses Jahr das größte öffentliche Teleskop des Landes überhaupt sein. Bislang spielte die in Ehren gealterte Sternwarte auf dem Dach eines Gymnasiums in Köln-Sülz in der Öffentlichkeitsarbeit der VSW eine untergeordnete Rolle, bei der Vorträge die Hauptsache waren: Das dürfte sich mit dem bevorstehenden „First Light“ des ‚Bürgerteleskops‘ ändern.

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Weitere größere Artikel

28. September 2012

Extrem heller Komet Ende 2013? Erste Ideen zu C/2012 S1 (ISON).

Drei neue astronomische Riesenkameras sind bereit: HSC @ Subaru, DEC @ Blanco, ODI @ WIYN.

Quasare als »Standarduhren« des Kosmos? Kurioses empirisches Lichtkurven-Gesetz entdeckt.

Kürzere Artikel

50 Jahre ESO: eine Ausstellung, mehrere Orte (hier Hamburg, bald auch Bochum und Gifhorn).

Helle Feuerkugel über Nordwesteuropa von Aten-Asteroidchen verursacht?

Eine Galaxie mit sicherer Rotverschiebung von 9,6 dank vergrößernder Gravitationslinse.

Astronomie-Welt jetzt übersichtlicher organisiert, nach der Fusion von AG und RdS.

Astronomie und Gastronomie in HH-Bergedorf

28. September 2012

gingen an der dortigen Sternwarte, die gerade 100 Jahre alt geworden ist, gestern Abend eine perfekte Symbiose ein: Die Kuppeln und Gebäude dienten als Schauplatz für das Konferenz-Dinner der AG-Tagung. Oben der 1-m-Spiegel, der gerade unter Leitung von Beatrix Alscher aufwändig restauriert wird (im Oktober sollen die Arbeiten fertig und das Gerät auch bald wieder einsatzfähig sein), darunter der 60-cm-Refraktor, weitere Gebäude im Abendgrauen und die Party u.a. in der Bibliothek.

Hawaii sooo viel besser als Chile für optische Astronomie?

Das war die radikale und x-mal wiederholte Aussage des öffentlichen Abendvortrags der AG-Tagung vorgestern im Hamburger Planetarium gewesen: natürlich von Rolf-Peter Kudritzki, der sich nach seinem Wechsel von München nach Hawaii im Jahr 2000 (siehe Artikel 57) zu einem wahren Lokalpatrioten gewandelt hat und nur noch von „den Europäern“ spricht. Die hätten sich mit den monolithischen 8-m-Spiegeln des VLT in eine technologische Sackgasse manövriert (während man auf dem Mauna Kea mit den Segmenten-Spiegeln der Kecks ein nach oben skalierbares Neuland betrat), und die astronomischen Bedingungen seien auf dem Mauna Kea für die Nacht- und Haleakala für die Sonnenastronomie denen von Chile (die Kanaren erwähnte er nicht mal) haushoch überlegen. Ein Beweis dafür sei, dass man für das erhoffte 30-m-Teleskop TMT – dessen erbitterter US-Konkurrent GMT („Wettlauf der Riesenteleskope“; auch ISAN 90-5 und 149-6) auch keiner Erwähnung wert war – dem Mauna Kea den Vorzug vor dem Cerro Armazones gegeben habe, wo die ESO ihr 39-m-E-ELT bauen wird. Vor Ort sah man die Sache damals differenzierter: „Mauna Kea records more cloudy days“ – und dann waren da noch die politischen Probleme mit dem ‚heiligen‘ Berg. Die in dem Vortrag auch keine Rolle spielten.

Deutsches „Astronomie-Portal“ wieder ein bisschen weiter: Auf dem bereits dritten „Outreach“-Gipfel am Rande einer AG-Tagung wurden weitere Planungen für eine zentrale Webseite der deutschen Astronomie vorgestellt (die fetten Komponenten in der Tabelle oben sollen als erste kommen) – die beim Meeting Nr. 4 nächstes Jahr in Tübingen tatsächlich fertig sein sollte. In der Mitte ein Loblied auf Twitter als Medium, bei dem ein Tweet dieses Bloggers bereits 45 Minuten später auf der Bühne zitiert wurde (ein astronomischer Rekord?), und unten die Vor- und Nachteile eines Auftritts bei einem Science Slam; die ersteren überwiegen.

Curiositys „schlechter Beton“: Spuren schnell fließenden Wassers in der Frühzeit des Mars

28. September 2012

Das Phänomen war den Curiosity-Rohbild-Fans natürlich sofort aufgefallen (NACHTRAG ff), aber auf den NASA-Pressekonferenzen war nie ein Wort darüber verloren worden. Gestern schon: Die Kieselsteine in einer Matrix, die manchen an schlechten Beton erinnert hatten, werden als Beleg für kräftig strömendes Wasser in der fernen Mars-Vergangenheit interpretiert. Curiositys „images of rocks containing ancient streambed gravels“ gelten als der direkteste Beweis für fließendes Wasser, auf das bisher nur aus der Morphologie mutmaßlicher Flussbetten geschlossen worden war. Im Gale-Krater soll das Wasser mit 1 m/s und grob 1 m tief entlang geschossen sein, wird aus den Curiosity-Bildern geschlossen. Die Kieselsteine sind rund geschliffen worden und mithin eine weite Strecke transportiert worden, wohl vom Rand des Gale-Kraters. Der Ex-Fluss: schon die erste prinzipiell einst habitable Umwelt, auf die Curiosity gestoßen ist – auch Science@NASA und erste Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG: die Entdeckung schön in 3 Minuten erklärt. Und Glenelg ist erreicht! NACHTRAG 2: ein erstes Mastcam-100-Panorama von Glenelg – und erste Impressionen von dort. NACHTRAG 3: eine Nahaufnahme von „Bathurst Inlet“ – und der Stein noch größer, mit 1/50 mm pro Pixel MAHLI-Auflösung.

NACHTRAG 4: So sauber wird Curiositys Schaufel nie wieder sein wie auf diesem Bild vom 51. Sol – plus weitere Glenelg-Bilder. NACHTRAG 5: Und noch mehr Impressionen aus der Gegend, auch in 3D. NACHTRAG 6: Power über Curiositys RTGs – und ein weiterer Blick in die Glenelg’sche Rund. NACHTRAG 7: Die Mastcam kann Sonnenflecken erkennen, hat sich bei der Auswertung von Deimos-Transit-Sequenzen gezeigt! Und was die NavCam gerade sieht.

Exoplaneten @ AG: CoRoT hat was zu bieten!

27. September 2012

Seit das Team des NASA-Satelliten Kepler die Welt mit tausenden von Exoplaneten-Kandidaten beglückt, ist es um den drei Jahre vorher gestarteten europäischen Satelliten CoRoT (siehe ISAN 34-2) ziemlich still geworden: Der Hauptgrund ist die Veröffentlichungspolitik des Projekts, das bislang die Kandidaten nicht bekannt gab und nur die – dank aufwändiger Boden-Beobachtungen durch zahlreiche involvierte Sternwarten – wirklich bestätigten Exoplaneten publizierte. Wie Teammitglied Artie Hatzes heute Morgen auf der AG-Tagung in Hamburg berichtete, steht CoRoT in dieser Beziehung trotz seiner eigentlich viel ungünstigeren Parameter (Tabellen) gar nicht so schlecht da: 25 bestätigten CoRoT-Planeten stehen 77 entsprechend abgesicherte Keplers entgegen.

Und nun hat Hatzes verraten, dass CoRoT fast 3000 Kandidaten eingesammelt hat, also Sterne, bei denen mindestens ein Helligkeitsminimum gesehen wurde, das wie ein Planetentransit aussieht. Erfahrungsgemäß stellen sich 17% der CoRoT-Kandidaten als echte Exoplaneten heraus, womit der kleine Satellit rund 500 Planeten auf der Spur sein könnte: Deren Realität zu beweisen ist wegen der geringen Helligkeit der verdächtigen Sterne allerdings extrem mühsam. Und bei Kepler? Der hat bei seinem bisher letzten Fazit schon über 2300 Kandidaten präsentiert, und im Team glaubt man, dass über 90% davon real sind. Hatzes verweist allerdings auf eine unabhängige Studie (die dieser Blogger auf die Schnelle nicht auftreiben konnte), nach der etwa jeder dritte Kepler-Kandidat kein Planet sei. Trotzdem lässt sich – da selbst dann noch ~1500 Kepler-Kandidaten echt wären – ihre Statistik als Wegweiser nehmen. Dort dominieren zur Zeit die Exo-Neptune über alle anderen Planetendurchmesser-Klassen, aber Hatzes sagt voraus, dass bei der nächsten Kandidaten-Präsentation bereits die Exo-Super-Erden die Führung übernehmen würden (ein Trend, den man auch im Kepler-Team sieht) – und am Ende der Mission die meisten Exoplaneten „andere Erden“ sein dürften.

Eine weitere Neuigkeit aus Hatzes‘ Vortrag war dieses Radialgeschwindigkeits-Diagramm für den Planeten CoRoT 7b, das Daten der beiden führenden RV-Instrumente kombiniert (die trickreich um die erheblichen Störeffekte durch Sternflecken auf dem leider sehr aktiven Stern korrigiert wurden): 7.0 Erdmassen seien nun klar abgesichert. Damit teilt sich CoRoT 7b mit Kepler 10b (siehe ISAN 128-9) die Eigenschaft einer mittleren Dichte über derjenigen von Venus, Erde und Mars: Eher könnte es sich um Eisen-angereicherte „Exo-Super-Merkure“ handeln. Die Fehlergrenzen der Dichten der beiden Planeten sind allerdings immer noch so groß, dass sie auch in die erdähnliche Kategorie hinein ragen. Und CoRoT-7c und -7d (Item 4)? An c glaubten die meisten im CoRoT-Team, so Hatzes, an d im Wesentlichen nur er selbst …

Alles aufaddiert: Hubbles allertiefstes Bild „XDF“

26. September 2012

Seit dem ersten Hubble Deep Field von 1995 ist das Weltraumteleskop immer wieder auf ‚leere‘ Himmelsfelder ausgerichtet worden, um sie tagelang zu belichten: Diese „Deep Fields“ werden komplett von fernen Galaxien dominiert, deren Geschichte sich dann studieren lässt. Das bekannteste Feld ist das Hubble Ultra Deep Field (HUDF), das Hubble wiederholt aufgesucht hat (siehe Artikel 867 und 948 und ISAN 102-5) – und alle diese Bilder (über 2000 mit zusammen 23 Tagen Belichtungszeit) aus den letzten 10 Jahren sind nun zur allertiefsten Aufnahme des Kosmos aufaddiert worden, aus der oben ein winziger Ausschnitt zu sehen ist. Dieses „eXtreme Deep Field“ (XDF, auch hier oder hier zu finden, Artikel auch hier, hier, hier, hier und hier) erreicht eine Grenzgröße von 31 mag. enthält 5500 Galaxien, obwohl das gesamte Feld nur drei Bogenminuten groß ist.

Neues US-Marsprogramm nicht wirklich klarer geworden

Seit das Marsprogramm der NASA mit dem FY2013-Haushalt in Unordnung geraten war, warteten die amerikanischen Planetenforscher – die zwischenzeitlich zahlreiche Protestnoten formulierten – auf den Ratschluss einer Expertenkomission, wie es nach Curiosity und dem Orbiter MAVEN weiter gehen sollte. Erste Informationen sind jetzt bekannt gegeben worden: Enthalten sind nur Optionen, keine Empfehlungen, für Missionen ab dem Startfenster 2018. Mit den voraussichtlich zur Verfügung stehenden 700-800 Mio.$ dürfte nur ein Orbiter zu machen sein – eigentlich eine ‚Verschwendung‘ des schönen Startfensters, das sich für Landungen anbietet. Was die NASA daraus macht, wird man wohl erst bei der Vorlage des FY2014-Requests nächstes Jahr erfahren. Auch die angestrebte Annäherung des Marsprogramms an das bemannte ist bis in den 2030-er bislang nicht zu erkennen; für die 2020-er träumt der Bericht jedenfalls mal wieder von einer Sample Return … (Report Summary; Space Policy Online, Space News, Florida Today, Space.com 25., Nature Blog 26.9.2012)

Störung auf der ISS – Abkopplung des ATV verschoben! Eigentlich sollte heute morgen das 3. Automated Transfer Vehicle „Edoardo Amaldi“ die Raumstation verlassen, doch daraus wurde nichts: Ein entscheidendes Kommando kam nicht an, vermutlich war etwas im russischen Zvezda-Modul gestört. Das ATV ist jetzt in einem Ruhezustand und wartet auf die weiteren Entwicklungen; neue Zeitfenster, um es los zu werden, gibt es reichlich Zeitfenster. (ESA ATV Blog, CBS, TASS, Novosti, Xinhua 26.9.2012) NACHTRAG: Frühestens am 2. Oktober kann das ATV jetzt entsorgt werden. NACHTRAG 2: Das Ablegen hat geklappt. NACHTRAG 3: Und das ATV-3 ist verglüht – wobei diesmal auch der REBR funktioniert hat.

Fusion von Astronomischer Gesellschaft und Rat deutscher Sternwarten beschlossene Sache

25. September 2012

Mit großer Mehrheit (oben) wurde soeben auf der Mitgliederversammlung der Astronomischen Gesellschaft in Hamburg der Antrag der Satzungskomission (Leiter R.-J. Dettmar, stehend) und des Vorstands (unten) angenommen, den Rat deutscher Sternwarten aufzunehmen: Dieser Vorgang war letztes Jahr eingeleitet und gestern bereits vom RdS selbst abgesegnet worden. Der Rat (ursprünglich west-)deutscher Sternwarten war überhaupt nur entstanden, weil die AG auch die Astronomen der DDR (und ihrer langen Tradition folgend der ganzen Welt) als Mitglieder behalten wollte aber ein Gremium für den Auftritt gegenüber der nationalen und internationalen Forschungspolitik benötigt wurde. Der neue Dachverband nennt sich nun ‚Astronomische Gesellschaft („German Astronomical Society“)‘, mit dem Sternwarten-Rat als einem ihrer Organe.

Ein zweiter noch viel hellerer Komet 2013?!

25. September 2012

Mit dem Kometen PanSTARRS besteht schon eine Weile Hoffnung auf einen Kometen mit mindestens nullter Größe, der Anfang 2013 am Himmel stehen dürfte, wenn auch dicht neben der Sonne & schwierig zu sehen. Aber jetzt haben Amateurastronomen in der ehemaligen Sowjetunion einen vermutlich noch weit mehr versprechenden Kometen entdeckt, der Ende November 2013 bis zu -16 mag. erreichen könnte, wenn er durch ein sehr sonnennahes Perihel läuft – und danach immer noch mit +1 oder +2 mag. am vorweihnachtlichen Nachthimmel auch über Deutschland stehen sollte. Die eigentliche Entdeckung gelang Vitali Nevski (Belarus) und Artyom Novichonok (Russland) mit dem 40-cm-Spiegel des International Scientific Optical Network (ISON) nahe dem russischen Kislovodsk, aber sie hielten das Objekt für einen Asteroiden: Erst spätere Beobachtungen mit dem 1.5-m-Spiegel des Majdanak-Observatoriums in Usbekistan zeigten die Koma. Wohl aus diesem Grund wurde der Komet auch nach der (ersten) Sternwarte benannt und nicht den Personen.

Die aktuelle Helligkeit ISONs liegt bei 17 bis 18 mag., aber es ist die Bahn des Kometen – dank rasch gefundender Pre-Discovery-Bilder bis Dezember 2011 zurück gut abgesichert! – die jetzt allerorten für Aufregung sorgt: mit einem Perihelabstand von nur 0.0125 AU am 28. November 2013, was bei der gleichzeitig substanziellen Größe des Kometen (die aus seiner Helligkeit schon jetzt folgt) alle Voraussetzungen für eine beachtliche bis sensationelle Show liefern dürfte. Allerlei Ephemeriden-Rechnungen dieses Bloggers zeichnen folgendes Bild: Im September 2013 sollte +10 mag. erreicht sein (mit dem Kometen im Krebs), Anfang November +5 mag. im Löwen und Mitte November +2 mag. in der Jungfrau. Der Sonnenabstand ist dann noch 0.5 AU, die Erddistanz 0.9 AU und die Elongation noch 30°, aber sie sinkt schon rapide. In der letzten November-Woche 2013 sollte ISON dann eine immer größere negative Helligkeit gewinnen, während er mit einer Elongation von 10° und weniger durch Waage, Skorpion und Schlangenträger zieht und zum Taghimmelobjekt dicht neben der Sonne wird. Im Laufe des 28. November steigt die Helligkeit von -6 auf -16 mag., die gegen 19:00 UTC – mit dem Kometen praktisch am Sonnenrand – erreicht werden, und fällt bis Mitternacht UTC wieder auf -12 mag.

Die nullte Größe wird aber erst Anfang Dezember unterschritten, wenn die Elongation schon wieder auf 20° gestiegen ist: Sie wird von Tag zu Tag besser und erreicht Ende Dezember 90°, während die Helligkeit immer noch +4 mag. beträgt (bei einem Perihelabstand von 1 AU und einer Erddistanz von 0.4 AU). Die Prognose der Post-Perihel-Helligkeit ist dabei natürlich noch viel unsicherer als die Angaben davor: Wer weiß, was dem Kern in extremer Sonnennähe widerfährt … Die Sichtbedingungen für Deutschland sind während der Spitzenhelligkeit mäßig aber nicht unmöglich: Sonne und Komet (Abstand 6° bzw. 2-3° bzw. 3-4°) kulminieren am 27., 28. und 29. November 17 bis 20 Grad hoch mit ISON -5 bzw. -10 bzw. -7 mag. hell; um den absoluten Peak zu sehen, müsste man nach dem aktuellen Orbit nach Nord- oder besser noch Südamerika. Nach dem Perihel entsteht dann ab der zweiten Dezember-Woche eine immer bessere Morgensichtbarkeit mit noch +1 bis +3 mag., mit dem Kometen Anfangs etwa 10° hoch in der beginnenden Dämmerung. Ab Weihnachten stört auch kein Mondlicht (mehr) das Bild, und Ende Dezember steht ISON +4 mag. hell vor Beginn der Morgendämmerung schon bis zu 60° hoch – aber auch nach Ende der Abenddämmerung noch 40°: Zum Schluss ist der Komet nämlich zirkumpolar im Drachen und Anfang Januar sogar im Kleinen Bären.

AG-Tagung 2012 läuft: And the winner is …

25. September 2012

Na gut, die 2012-er Gewinner der vielen Auszeichnungen, die die Astronomische Gesellschaft vergibt, sind schon seit August bekannt, aber gerade wurden zu Beginn der AG-Tagung in Hamburg vom Präsidenten Andreas Burkert die Urkunden überreicht: oben die Karl-Schwarzschild-Medaille an Sandra Moore Faber (die in Ihrem Vortrag dem Lambda-CDM-Modell des Universums gute Noten ausstellte, auch wenn das Problem der ‚zu wenigen‘ Zwerggalaxien noch weitere Rechenarbeit erfordert), in der Mitte der Bruno H. Bürgel-Preis an Hermann-Michael Hahn und unten der Sonderpreis Jugend forscht an Fabian Kopel, Markus Hadwiger und Robert Macsics für eine Durchmusterung früherer Photoplatten des Südhimmels nach Gammastrahlenblitzen.

Hier spricht die Astronomiegeschichte … selbst

24. September 2012

Das gibt es auch nicht alle Tage auf einer Konferenz zur Wissenschaftsgeschichte: Ein Protogonist derselben tritt persönlich auf – und lässt keinen Zweifel an seiner eigenen Bedeutung. So gesehen heute auf der Tagung des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft in Hamburg, wo Erik Høg seine – offenbar essentielle – Rolle bei der Entstehung des Astrometriesatelliten Hipparcos und insbesondere von dessen exotischer Messmethode per Photometrie mit einem Modulationsgitter beschrieb. Vieles davon gibt es auch schriftlich – eine Fundgrube für Historiker der Weltraumforschung.