Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

Sonnensegel IKAROS änderte seine Rotationsrichtung

Noch immer ist das erste Sonnensegel im interplanetaren Raum unter aktiver Kontrolle, auch wenn die Kommunikation mit wachsendem Erdabstand immer schwieriger wird und auch der Treibstoff für die Lageregelung bald erschöpft sein wird – und kürzlich hat man IKAROS sogar dazu gebracht, seine Rotation anzuhalten und in entgegen gesetzter Richtung wieder auf zu nehmen. Ein riskantes Manöver, da diese spezielle Art Sonnensegel überhaupt nur durch die Fliehkraft in Form gehalten wird. Aber das Experiment gelang, nachdem die Stabilität des Segels auch bei einer Umdrehung alle 5 Minuten überprüft worden war: Derartige Manöver könnten später bei operationellen Sonnenseglern einmal wichtig sein. (Planetary Society Blog 19.10.2011)

Ein ganz privater – winziger – Satellit für 1000 Dollar: Das soll mit den sogenannten Sprites möglich werden (die Technik wird gerade auf der ISS getestet; „Drei Prototypen …“), kaum mehr als Briefmarken-großen Schaltkreisen mit Sonnenzellen, Radio und Antenne, die zu hunderten oder gar tausenden aus einem einzigen Cubesat in der Umlaufbahn frei gelassen würden. Der Sinn des Ganzen erschließt sich (diesem Blogger) zwar nicht, aber per Crowdfunding soll das Projekt KickSat nun in die Wege geleitet werden – womöglich gar mit eigens gebuchter Rakete und schon 2013. (Gizmag 25.10.2011. Und SouthGateArc 28.10.2011 zu den CubeSats, de mit dem NPP zusammen starteten)

Virgins erster Raum-Touristen-Flug wohl erst Ende 2013

Da man nie einen konkreten Starttermin für den ersten Passagierflug des SpaceShipTwo genannt habe, könne man ja wohl nicht von einer Verschiebung sprechen, findet Virgin Galactic – aber nun heißt es, „in zwei Jahren“ sei es wohl so weit, während auch schon mal das Jahr 2007 im Raum gestanden hatte. Die Sicherheit der zahlenden Kundschaft – die es ja reichlich gibt – habe allererste Priorität, wird betont, und eine unfreiwillige Demonstration hat es kürzlich auch gegeben: Bei seinem 16. Gleitflug geriet das SS2 am 29. September gleich nach dem Abwurf vom Trägerflugzeug ins Trudeln und stürzte wie ein Stein Richtung Boden. Doch die Technik mit dem steil aufrichtbaren Leitwerk („feathering“) brachte das antriebslose Raumschiffchen – in dem übrigens zum ersten Mal drei Personen saßen – wieder unter Kontrolle, und die Landung verlief nominal: allerdings schon 7 statt der üblichen 11 Minuten nach dem Abwurf. Ansonsten wurden noch der „Virgin Galactic Gateway to Space“ – das „erste Spaceline-Terminal“ – auf dem Spaceport America in New Mexico eröffnet (bis zu 2 Trägerflugzeuge und 5 Raumschiffe könnten hier Platz finden), ein größerer NASA-Auftrag für SS2-Flüge eingesackt und ein zweiter Pilot eingestellt. (Space.com 1.11., BBC 26., Telegraph, Space Today 18., Space.com [mehr], Nature Blog, AFP 17., LA Times 14., Virgin Press Release, Nowak PM 13., Armagh Planet 6.10.2011)

Der erste Testflug einer Taurus 2 findet erst 2012 statt, weil es beim Bau der Startanlagen in Virginia zu Verzögerungen kommt. So wird die Rakete der Orbital Sciences Corporation frühestens Ende Februar mit einer Testlast abheben können und ein paar Monate später dann mit der Cygnus-Kapsel, die später bei der Versorgung der ISS helfen soll. (Space Today 21.10.2011)

Und noch kurz gemeldet

Hacker machten sich an zwei zivilen US-Erdbeobachtungs-Satelliten zu schaffen, 2007 und 2008 an Landsat 7 und 2008 zweimal an Terra AM-1: Sie drangen über’s Internet in eine Kontrollstation auf Spitzbergen ein und kamen zumindest bei Terra so weit, dass sie den Satelliten hätten komplett steuern können – was dann aber nicht geschah, auch wenn der Betrieb jeweils minutenlang gestört war. Den Verdacht, dass China hinter den Cyberangriffen gesteckt haben könnte, weist man dort mit Nachdruck zurück. (Space.com 27., Reuters 31.10., Discovery 1.11.2011)

Keine Kontaktaufnahme mit Großbritanniens erstem selbst gestartetem Satelliten Prospero ist zum 40. Jahrestag am 28. Oktober gelungen – aber immerhin hat ihn eine optische Satellitenkamera des Starbrook-Typs pünktlich im Orbit aufspüren können. (UKSA Release 27.10.2011)

Neubau des Raumfahrtzentrums der Universität Stuttgart: Das für 9 Mio. Euro entstandene Gebäude wird unter anderem das Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) mit seinem Kleinsatellitenprogramm und das Deutsche SOFIA Institut der fliegenden Sternwarte SOFIA (Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie) beherbergen. (PM der Uni Stuttgart 26.10.2011)

Wieder einmal ein Vorschlag, mit Lasern gegen Weltraummüll vorzugehen, ist publiziert worden: Diesmal sollen 150-kW-Laser hinter 10-m-Teleskopen den Orbitschrott so heiß machen, dass ausströmendes Plasma per Raketeneffekt die Bahn verändert. Da man mit solch einer Anlage natürlich auch funktionierende Satelliten beschädigen könnte, wäre eine Installation allenfalls unter strenger internationaler Kontrolle denkbar. (Phipps & al., Preprint 17., Wired 26., Golem 28.10.2011)

Eine Amateur-Rakete erreichte 36.9 km Höhe über Nevada bei einem 8-Minuten-Flug am 30. September: Das sollte dem Team Qu8k einen Preis in Höhe von 10’000 $ für das Überschreiten der 100’000-Fuß-Marke mit anschließender Bergung der Nutzlast eingebracht haben. Dummerweise überstand der GPS-Empfänger an Bord die Beschleunigung nicht, so dass der Beweis der erreichten Höhe schwierig ist. (Universe Today 9., Space.com 11.10.2011)

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