100 kg Wasser – und mehr – in der Impaktwolke von LCROSS nachgewiesen

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Jetzt sind sie sicher: In der 10 bis 12 km breiten Wolke, die die LCROSS-Centaur beim Impakt auf dem Mond produzierte (oben eine neu verarbeitete Aufnahme), haben zwei Spektrometer auf dem Shepherding Spacecraft ungefähr 100 kg – oder 12 Eimer voll – Wasser nachgewiesen. Für das NIR-Spektrometer macht es sich durch markante Absorptionsfeatures bemerkbar (die beiden gelben Streifen unten), während das UV/Vis-Spektrometer Emission von OH sah: Das macht die Sonnenstrahlung rasch aus Wassermolekülen. Das IR-Spektrum zeigt aber noch jede Menge weitere Absorption durch andere Chemie: Die rote Kurve ist ein Schwarzkörperspektrum für warmen Staub minus nur Wasserabsorption. Die LCROSS-Auswerter haben es bereits geschafft, auch die zusätzlichen Features zu „fitten“, wollten aber auf einer NASA-Pressekonferenz in der vergangenen Stunde nicht verraten, mit was: Das wollen sie erst sagen, wenn sie genau so sicher sind wie jetzt mit dem Wasser-Nachweis.

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Die 100 kg sind wahrscheinlich nur eine Untergrenze der Wassermenge in der Ejektawolke, aber schon dieser Wert lässt sich nicht allein durch adsorbierte Moleküle erklären: Da muss richtiges Eis im Boden des Kraters Cabeus gewesen sein, nicht unbedingt ein gefrorener See sondern eher Eiskörnchen, in den Boden gemischt. Und der Boden ist im Schnitt feuchter als die trockensten Wüsten der Erde, die Atacama zum Beispiel! In welcher Form das Mondeis genau vorliegt, sollte die Hinzunahme der Daten anderer Instrumente auf dem Shepherding Spacecraft zeigen: Die sind perfekt „komplementär“ zu den Messungen der Spektrometer; ob sie auch ein klares Wassersignal enthalten, wird aber noch nicht verraten. Der Impakt war jedenfalls für Beobachtungen von der LCROSS-Sonde aus optimiert, während die Beobachter auf der Erde deutlich schlechtere Karten hatten als es vielleicht bei Cabeus A der Fall gewesen wäre.

Aber auch so gibt es faszinierende Daten über Gas, das hoch über den Mond aufstieg, vielleicht sogar ein bisschen Staub. Die Auswertung ist allerdings sehr mühsam, und vor nächstem Frühjahr sollte man mit keinen klaren Antworten rechnen. Der heutige Bericht ist natürlich nur der Anfang und nicht das Ende der LCROSS-Analysen: Was ist das andere Material in der Wolke? Wo ist das Wasser hergekommen? (Die Spekulationen reichen von Kometen über den Sonnenwind bis zu Gigantischen Molekülwolken, durch die das Sonnensystem mal zog.) Und wieviel gibt es auf dem Mond insgesamt? Das lässt sich heute noch nur schwer hochrechnen, aber die LCROSS-Forscher haben zumindest keinen Zweifel, dass man das Cabeus-Eis schmelzen und trinken könnte. Ein NASA Press Release und ein weiterer mit Bildern, plus die LCROSS-Wasser-Seiten. NACHTRAG: ein paar detailreichere Artikel von Sky & Tel., Planetary Society, Spaceflight Now, Space.com und Universe Today – und The Launchpad denkt schon weiter … NACHTRAG 2: die komplette PK als Video.

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4 Antworten to “100 kg Wasser – und mehr – in der Impaktwolke von LCROSS nachgewiesen”

  1. Nachrichten vom Mond kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] einmal die schiere Menge, die der Sonnenwind wohl nicht deponiert haben kann, zum anderen aber die vielen Beimischungen flüchtiger Substanzen, von denen inzwischen CO2, CH4, SO2, NH3 und H2S identifiziert zu sein scheinen – und es gibt […]

  2. Das Bild des Wassers auf dem Mond wird immer komplizierter « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] nur aus einem Bruchteil von schattigen Polkratern (darunter immerhin jenem Cabeus, wo LCROSS eine Wasserdampfwolke aufsteigen ließ), während andererseits auch in gut besonnten Mondregionen Eis vorzukommen scheint. (Nature […]

  3. Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] hatte mehr als eine Quelle: So wurde es heute auf einer Videokonferenz zum Stand der Auswertung des Mond-Crashs vom Oktober 2009 berichtet. Die Kältefalle Cabeus hatte demnach alle Arten von flüchtigen Substanzen eingesammelt, […]

  4. Nachrichten vom (Erd-)Mond kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] in referierten Papers – gleich 6 an der Zahl: morgen in Science – nachlesen, was beim LCROSS-Impakt heraus gekommen ist, ganz wörtlich gesehen: Es waren Körnchen aus reinem Wassereis, zuzüglich so vieler flüchtiger […]

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