Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

Dunkle Energie auch allein aus der Hintergrundstrahlung

eindeutig zu erschließen: Das geht, wenn man die Gesamtkarte des CMB vom WMAP-Satellit mit einem 20-mal höher aufgelösten Himmelsausschnitt derselben 3-K-Strahlung vom Atacama Cosmology Telescope kombiniert. Denn letzteres Radioteleskop in Chile kann auch die Gravitationslinsen-Wirkung von fernen Galaxien auf dieses Strahlungsfeld nachweisen, wie erst vor wenigen Monaten etabliert werden konnte: Dichtefluktuationen des Kosmos auf 100-Mpc-Skalen bei Rotverschiebungen zwischen 1 und 3 machen sich bemerkbar. Und diese Daten „brechen“ die „Degeneration“ des Power-Spektrums der Hintergrundstrahlung, das als solches zwar eine Menge aussagt aber keine vernünftigen Aussagen über die Dunkle Energie zulässt. Deren Existenz ist nun allein aus dem CMB heraus mit 3.2 Sigma Signifikanz bestätigt. Keine fernen Supernovae etc. mehr nötig, an deren Zuverlässigkeit man herumkritteln könnte. (Das & al., Preprint 10.3.2011, Bhattacharjee, Science 332 [29.4.2011] 522, Sherwin & al., Preprint 2., Astrobites 4.5.2011)

BOSS analysiert 3D-Struktur des Alls mit Quasar-Absorption: Erst 1/10 der erwarteten 160’000 Quasar-Spektren sind im Kasten, aber die Baryon Oscillation Spectroscopic Survey (siehe ISAN 95-8) hat bereits mit den ersten 14’000 demonstrieren können, dass sich daraus die dreidimensionale Korrelationsfunktion der Absorptionslinien des Lyman-Alpha-Waldes ermitteln lässt – woraus sich wiederum kosmologische Informationen gewinnen lassen. Erstmals zeichnen somit die in den Quasar-Spektren nachweisbaren intergalaktischen Wasserstoffwolken ein 3D-Bild der kosmischen Struktur. Das bisher, na so was, bestens zum Standardmodell der Kosmologie passt – simplere Weltmodelle versagen. (Slosar & al., Preprint 27.4., LBL Release 1., astrobites, DLF 2.5.2011)

476 Gamma-ray Bursts im zweiten Katalog von Swift

Die GRB-Kataloge des NASA-Satelliten (siehe Artikel B14) gelten als das Nonplusultra für die Erforschung dieser kosmischen Explosionen, sind die Positionsangaben doch durchgehend viel genauer als in früheren Katalogen, nämlich auf wenige Bogenminuten. Der zweite Katalog des BAT-Instruments von Swift enthält nun 476 Bursts von 2004 bis 2009, mit denen sich eine Menge Statistik betreiben lässt. (Sakamoto & al., Preprint 25.4.2011) Die vermeintliche Korrelation von GRBs und Sternpositionen („Provokation …“) muss in diesem Licht neu überprüft werden – was schwierig ist, wenn der Autor seine konkreten ‚Treffer‘ nicht preisgibt. (B. Schaefer, pers. Mitt. 26.4.2011)

CA pleite: Allen Telescope Array im Zwangs-„Winterschlaf“

Das im Aufbau befindliche Radiointerferometer ATA in Nordkalifornien – erst 42 der angestrebten 350 kleinen Schüsseln stehen – kann vorerst nicht weiter betrieben werden: Die bisher zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel sind aufgrund der Finanzkrisen Kaliforniens wie des Bundes verebbt. Statt weiter nach Alien-Funk zu lauschen (gerade wollte man sich die 1235 Kepler-Welten vornehmen) und ’normale‘ Radioastronomie zu betreiben, musste die Anlage am 15. April in einen Sicherheitszustand versetzt werden: Die Kühlung empfindlicher Komponenten bleibt, und Schaden ist zunächst nicht zu erwarten, aber geforscht wird nicht mehr. Gewisse Hoffnung ruht auf der U.S. Air Force, die die Antennenanlage (die dafür womöglich sogar noch ausgebaut würde) für die Überwachung von Weltraummüll einsetzen könnte – in einem unklaren Timesharing mit den Astronomen und SETI-Fans. Und nach Privatspenden hält man auch schon Ausschau. (Rundschreiben, Cosmic Diary 22., Nature Blog 25., HuffPo, BdW 26., Science Journalism Tracker, Space Today 27., Wired 28.4., Science Journalism Tracker 12.5.2011)

Spezialspiegel für neuartiges AO-Instrument für das VLT fertig: Drei toroidal geschliffene Spiegel für das SPHERE-Instrument sollen – weil nur so wenige Reflexionen im gesamten Lichtweg nötig sind – besonders kontrastreiche Bilder liefern, mit denen bei 1.65 µm die direkte Abbildung von Exoplaneten neben ihren Sternen versucht werden soll. Um die Zahl der optischen Elemente für diese „Extrem-Adaptive Optik“ (XAO) zu mininieren, mussten umgekehrt deren Formen besonders exotisch ausfallen. (ESO Announcement 28.4.2011)

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