Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 12. Juli 2015


12. Juli

Der offene Sternhaufen NGC 2367 eingebettet in Emission

von Wasserstoffgas (angeregt durch das UV-Licht heißer Sterne) als Teil des Nebels Brand 16, der wiederum zur riesigen Supershell GS234-02 gehört: eine Aufnahme mit dem Wide Field Imager (WFI) am MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop auf de,m La Silla Observatory. Auch immer ungemütlichere Verhältnisse auf dem Mauna Kea unter der Bedrohung durch Astronomie-Feinde, astronomischer Outreach mit StarSightVR-Brillen (Oculus meets Stellarium) – und ein Rettungsplan für das Deutsche Museum in Bonn (mehr) durch eine Initiative der Wirtschaft. [23:50 MESZ – Ende]

575 Milliarden Sonnen: Die bisher hellste Supernova

namens ASASSN-15lh ist im Juni in der Galaxie mit dem kuriosen Namen APMUKS(BJ) B215839.70-615403.9 beobachtet worden. Mit einer Spitzenleuchtkraft von etwa 2.2 x 10^45 erg/s (oder 2.2 x 10^38 Watt) war sie rund 6×10^11-mal so hell wie die Sonne, während es typische Supernovae des Typs Ia (Fig. 6) auf 10^43 bis ausnahmsweise mal 3×10^44 erg/s, also 2.5 bis 8 Millarden Sonnenleuchtkräfte bringen und der bisherige Rekordhalter SN 2005ap auf 4 x 10^44 erg/s oder 100 Mrd. Sonnenleuchtkräfte: Das hat auch bereits hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier] für Aufsehen gesorgt. Auch wie sich Citizen Scientists mit „Green Pea“-Galaxien beschäftigen, die schwierige Beobachtung von Komet PANSTARRS, was Spektroskopie von Meteoren zu Tage fördert, wie ein Amateur die Raketenstufe von Chang’e-3 taumeln sah, NLCs heute früh in Rumänien und am 6. Juli in Ennepetal, noch viel mehr Sprite-Beobachtungen, eine Messung der Höhe von Terrestrial Gamma-ray Flashes zu 12 km, kuriose atmosphärische Wellen der Erde – und es wird im Dezember keine Schaltsekunde geben. [23:25 MESZ]

plutio 

So roh wie sie von LORRI kamen: Pluto & Charon gestern

früh aufgenommen aus 4.0 bzw. 3.9 Mio. km Entfernung – Bildverarbeitung braucht’s inzwischen nicht mehr, so deutlich sind die Strukturen schon geworden, auch wenn man’s natürlich versuchen kann. Auch wie Plutos dunkle Seite im Licht Charons aufgenommen werden soll und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [3:30 MESZ] Ein rotierender Pluto aus Bildern der letzten Tage. [4:00 MESZ] Noch eine Bearbeitung des obigen Bildes, wie neulich Fotoplatten mit Pluto von 1925 entdeckt wurden und ein weiteres Portrait einer Plutologin. [5:15 MESZ] Ein Update der Gesamtkarte von Jónsson mit Bildern bis gestern sowie die vier besten Bilder bisher, die sich jeweils etwas überlappen – und was LORRI rund um den Closest Approach treiben soll. Sowie mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:35 MESZ] Ein rotierender Pluto aus Äquatorsicht, der letzte tägliche Update (20 Minuten, wieder keine Überraschungen) und weitere Artikel hier, hier und hier. [19:45 MESZ. NACHTRAG: und hier]

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Fünf himmlische Bilder von Observatorien im Weltraum in ganz verschiedenen Wellenlängen: von oben das Röntgen-Lichtecho um V404 Cygni am 30. Juni von Swift, das durch Streuung der Strahlung eines intensiven Blitzes vier Tage vorher an unterschiedlich entfernten Staubgebilden entstand, die Verteilung kompakter Radioquellen am Himmel, wie sie Planck verschiedenen (farblich codierten) Frequenzen von 30 bis 857 GHz sah, ein Gamma-Flare des Blazars 3C 279 von Fermi Mitte Juni mit 100 MeV bis 100 GeV Photonenenergie aufgenommen, die Sonne im EUV und Röntgenbereich am 29. April von SDO, Hinode und NuSTAR (0.2 bis 6 keV) erfasst und die Schalen um die Galaxie ESO 381-12 im Optischen von Hubbles ACS – auch kommende Bahnmanöver für Akatsuki, eine weitere Review von OSIRIS-REx, Pläne für Billig-Starts auf Neuseeland und Aussichtsplattformen für Touristen in Baikonur. [2:55 MESZ. NACHTRAG: wie’s mit dem Ausbruch von V404 Cyg zuende geht]


11. Juli

plu

Und schon wieder ein neues LORRI-Bild, von später am 9. Juli aus nur noch 5.4 Mio. km Abstand, wurde soeben veröffentlicht: Bei 27 Kilometern pro Pixel Auflösung beginnt schemenhaft Geologie jenseits der reinen Albedofeatures – links der „Schwanz“ des „Wals“ erkennbar zu werden, aber sichere Interpretationen gibt es natürlich noch nicht. Und wie down under Amateurastronomen die Sternbedeckung durch Pluto am 29. Juni verfolgten. [0:35 MESZ] Ein Univ. of CO Press Release, Artikel hier, hier, hier und hier und ein Essay. [2:20 MESZ]

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Und ein Bild von heute Morgen aus nur mehr 4 Millionen Kilometern Abstand, das die isolierteren dunklen Flecken entlang des Äquators mit einigem Detail zeigt – ihre Interpretation bleibt auch mit dieser Auflösung noch herzlich unklar. Dies ist genau die Seite Plutos, die New Horizons nicht aus der Nähe sehen wird. Auch das frühere Bild roh, die täglichen Updates von heute (erstmals live) und gestern und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [23:50 MESZ]

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Eine ordentliche Show Leuchtender Nachtwolken gab es gestern Abend über ganz Deutschland zu sehen: Bilder dieses Bloggers aus dem Ruhrgebiet und hier und hier von anderswo. Eine Darbietung mit Ansage: Starke Mesosphärenechos hatten die NLC-Fans schon am Nachmittag in Alarmzustand versetzt … [0:15 MESZ. NACHTRÄGE: mehr Bilder dieses Bloggers, kontrastverstärkt und weitere Aufnahmen anderer hier, hier, hier, hier, hier und hier.

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Und im Morgengrauen gab’s auch noch mal was zu sehen, wenn auch das Feld über dem Ruhrgebiet jetzt kleiner war, in Bonn und über Wales (mehr und mehr), hier oder hier ebenso; weitere Bilder der Nacht auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier versammelt sowie Zeitraffer-Videos hier, hier und hier und Artikel hier und hier – aber am bemerkenswertesten wohl Bilder aus Kiel hier um 1:22 MESZ und hier (noch mehr) mit Aurora-Beamern über den NLCs, wovon es auch Zeitraffer-Videos hier und hier gibt!]


10. Juli

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Eine Karte des Pluto aus LORRI-Bildern bis gestern!

Aber nicht von den ‚Zuständigen‘ NASA, APL oder SwRI sondern von New-Horizons-Fan Björn Jónsson, der aus den Daten der Telekamera auch eine Charon-Karte und Rotations-Animationen von Pluto und Charon erstellt hat. Es gibt auch die Rohbilder neu sortiert, eine PM des DLR, die auf den einzigen kleinen deutschen Beitrag zu New Horizons (bei der Radio Science) hinweist, und Artikel hier (mit etwas Instant Science), hier, hier, hier und (zum Safe Mode-Drama) hier. Auch Curiosity als Sonnenflecken-Beobachter in den letzten Wochen – und das indische PSLV mit 5 britischen Satelliten hat alle im Orbit abgeliefert (Screenshots aus dem Webcast), darunter auch das DeOrbitSail. [19:10 MESZ] Das Weltraum-Wetter rund um Pluto während des Besuchs. [22:15 MESZ] Zwei nette interaktive Webseiten zur Entwicklung der „Planeten“-Zahl im Sonnensystem hier und hier – und ein Artikel zum PSLV-Start. [23:20 MESZ. NACHTRÄGE: Bilder davon, die Live-Übertragung, ein Amateur-Film mit feiernden Fans, Press Releases von der ISRO und dem Satelliten-Bauer, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]

Und auf einmal hat sich Philae gestern wieder gemeldet!

Wie das DLR in einer geradezu emotionalen PM mitteilt, hat am 9. Juli 2015 von 19:45 Uhr bis 20:07 Uhr erneut Daten gesendet – darunter auch Messdaten des Instruments CONSERT. Auch wenn die Verbindung dabei mehrfach abbrach, blieb ein Kontakt zu Philae über insgesamt zwölf Minuten stabil. Zurzeit werten die Lander-Experten des DLR die empfangenen Daten aus: Man sieht bereits, dass mit dem gestern gesendeten Kommando das CONSERT-Instrument erfolgreich eingeschaltet wurde – aber … warum eigentlich? „Wir haben noch keine genaue Erklärung, warum er sich jetzt gemeldet hat und in den vergangenen Tagen nicht“, wundert sich ein Experte: Die Flugbahn des Orbiters beispielsweise wurde im Vergleich zu den vergangenen drei Wochen nicht verändert. Sicher ist aber: Philae hat die harschen Bedingungen auf Komet Churyumov-Gerasimenko bisher überstanden und reagiert auch auf Kommandos seines DLR-Teams. Die Erfolgsmeldung auch als Video-Clip – und Aufregung in einem Instrumenten-Team … [17:05 MESZ] Ein NavCam-Bild vom 25. Juni noch. [17:45 MESZ] Und ein Artikel. [18:25 MESZ. NACHTRÄGE: weitere hier und hier und mehr Links]

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Da waren’s nur noch 6 Millionen Kilometer bis zum Pluto

am 8. Juli gestern früh [NACHTRAG: wie den nun vorliegenden Rohbildern zu entnehmen, war das Bild falsch datiert!], als diese LORRI-Aufnahmen entstanden, die bisher nur in (all zu) heftig prozessierter Version vorliegen [NACHTRÄGE: andere Bearbeitungen der Rohdaten hier, hier und hier]: Immer deutlicher werden die Unterschiede von Pluto und Charon (r.). Ein kontrastreiches Muster aus hellen und dunklen Strukturen überdeckt Plutos Oberfläche, während auf Charon im Wesentlichen nur eine dunkle Polarregion auffällt – aber kleinere hellere Gebiete könnten Impaktkrater sein. Weitere Differenzen der ungleichen Nachbarn sind schon länger bekannt: Was Pluto rötlich färbt, fehlt auf Charon, ersterer hat einen signifikante Atmosphäre, Charon nicht, und auf Pluto gibt es exotisches Eis aus Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid, während Charons Oberfläche aus gefrorenem Wasser und Ammoniak-Verbindungen besteht. Interessant übrigens ein Vergleich alter Pluto-Karten aus Lichtkurven und Hubble-Bildern mit der aktuellen Ground Truth (der Äquator-„Wal“ war wohl schon da).

Derweil unterstützen weitere NASA-Missionen New Horizons (mehr), es gibt einen detaillierten Plan für dessen Kamera-Einsätze, einen Distanz-Anzeiger, eine 3-Minuten-Animation des Encounters, weitere Details der Sternbedeckungs-Beobachtungen vom 29. Juni vom Boden und aus der Luft, einen 15-Minuten-Update wieder ohne Neuigkeiten und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Derweil wurden weitere Instrumente für OSIRIS-REx abgeliefert (mehr) – und das DLR verbreitete auf Social Media diesen detailliert-düsteren Artikel über die andauernden Kommunikations-Bemühungen mit Philae: Ist dort mindestens ein Empfänger ausgefallen? Als Trost immerhin ein neues Bild des Kometen von der Erde. Ferner hat die NASA noch die ersten Astronauten für kommerzielle ISS-Raketen benannt (ein Blog-Text von Bolden und Artikel hier, hier, hier und hier) – und heute startet der CubeSat „DeorbitSail“ als Untermieter eines indischen PSLV: Auch wenn sein zu entfaltendes Segel wie das des LightSail aussieht, so haben doch beide Projekte nichts miteinander zu tun. [2:00 MESZ]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 12. Juli 2015”

  1. Live-Blog zum Pluto-Encounter von New Horizons | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] auf der Rückseite, zwar dunkel auf im Charonschein vielleicht doch zu erkennen? Das war das verschwommene Bild im Anflug vielleicht doch nicht das letzte; allerdings werden sich die Kameras wohl mehr auf den Südpol […]

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