Allgemeines Live-Blog vom 8.-10. Oktober 2015


10. Oktober

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Na, geht doch: „Marooned“ auf dem Mars = „The Martian“

Na, wer erinnert sich noch an den 1969-er Spielfilm „Marooned“ (in Deutschland als „Verschollen im Weltraum“ gelaufen)? Während der heutigen Betrachtung von „The Martian“ fühlte sich dieser Blogger immer stärker an dieses zu Unrecht vergessene Drama um eine komplexe Rettungsmission für – in diesem Fall im LEO – gestrandete Astronauten erinnert, bei der immer wieder etwas daneben geht, bis schließlich eine konkurrierende Weltraummacht wichtige Hilfestellung gibt: Dieses Grundkonstrukt haben Autor Andy Weir (oben ein Interview), Regisseur Ridley Scott und Protagonist Matt Damon erfolgreich auf den Mars verpflanzt und dabei endlich wieder mal einen Science-Fiction-Film geschaffen, der dem Hype gerecht wird und eine weitgehend plausible und physikalisch durchweg korrekte Geschichte unterhaltsam erzählt, im Gegensatz etwa zu „Gravity“, das allenfalls noch Letzteres schaffte und immerhin gut aussah, und „Interstellar“ … Schwamm drüber.

Raumfahrt-Fans werden sich an zahlreichen Details und Anspielungen erfreuen, über himmelsmechanische Effekte grübeln oder clevere Plot-Twists bestaunen, v.a. gegen Ende hin, wenn der Film nach gewissen Längen wieder mächtig Fahrt aufnimmt. (Oder auch mal Fehler finden: Der Mechanismus, der die Kamera des Mars Pathfinder – des heimlichen Stars des Films – hoch fuhr, war z.B. eine genau einmal benutzbare Spiralfeder, dann blieb sie oben). The Martian ist daher von vielen Mars-affinen Organisationen vereinnahmt worden, so dem JPL, das sich mit seiner Marsforschung als Pate des Films sieht und auch HiRISE-Bilder der Schauplätze des Films bereit hält, dem DLR, das aus Mars-Express-Bildern einen – leider künstlich überhöhten – Flug entlang der Fahrtroute des gestrandeten Marsianers erstellte (Mitte) oder der ASU, die auf die Verwendung von THEMIS-Bildern verweist, während ein ESA-Sprecher auf die offensichtliche Reinkarantion von Alexander Gerst verweist. Und die Ausschlachtung des Martian für die NASA-PR ist gar schon Gegenstand von Erörterungen wie hier und hier.

Wie bei wohl keinem anderen SF-Film zuvor wurde diesmal die wissenschaftliche Präzision – unten eine nicht verwendete Szene, in der der Martian die Experimente seiner entfleuchten Crew-Mitglieder weiter führt – unter die Lupe genommen, wobei v.a. der all zu heftige Staubsturm am Anfang Punktabzug gibt, und man natürlich an vielen Details mäkeln oder gar die Weltraum-Rechts-Aspekte zerpflücken kann, die einmal thematisiert werden: weitere Meinungen zur ‚Korrektheit‘ des Martian hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und noch viele sonstige Besprechungen und Artikel zu Einzelaspekten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:05 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: weiter großer kommerzieller Erfolg (und besserer D-Start als Gravity oder Interstellar) und mehr Artikel hier, hier, hier, hier und hier]

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Heute letzte Chance: Seltene Kometenzeichnungen zu sehen! Und zwar in einer kleinen aber feinen Ausstellung im Argelander-Institut in Bonn-Endenich von 17 bis 20 Uhr: Gezeigt werden bislang unveröffentlichte Zeichnungen von bedeutenden Kometen – wie hier dem Großen Juni-Kometen von 1845 – und anderen Himmelsobjekten aus den vor 3 Jahren entdeckten Beobachtungsbüchern von Julius Schmidt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. [5:45 MESZ]


9. Oktober

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Heute früh, Indien: Der Mond besucht Venus & Regulus

Diese Aufnahmen machte Chander Devgun vor wenigen Stunden in Indien: Der Mond mit Erdschein mit Venus und o.l. Regulus und unten auch mit dem schwachen Mars und dem hellen Jupiter – für Europa wird der Mond noch ein wenig weiter nach unten gerutscht sein. Auch schöne Bilder der Show aus Japan heute und einen Morgen früher hier und hier – und von der Venusbedeckung ‚down under‘ noch eine Sequenz vom Eintritt, der Austritt in Echtzeit und der Anblick danach hier, hier und hier. [4:05 MESZ. NACHTRÄGE: nochmal Eintritt und Austritt (mit Landschaft) und die Morgenkonstellation in einem verrückten Komposit mehrerer Tage sowie am 11. Oktober in Nordamerika (mehr und mehr) und Europa (mehr, mehr, mehr und mehr), am 10. Oktober in Nordamerika (mit Merkur; mehr und mehr), Europa (mit Merkur; mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und Asien (östlicher und westlicher) und am 9. Oktober in Nordamerika (mehr, mehr und mehr), Südamerika und Europa (mit Merkur; mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und Detail) – und noch viel mehr Bilder]

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Pluto im Gegenlicht in quasi natürlichen Farben – die in einer aufwändigen Prozedur rekonstruiert wurden – bildet, zusammen mit der Lokalisierung isoliert frei liegenden Wassereises, schon den ganzen Donnerstags-Release diese Woche: Aus dem kräftigen Blauton des vorwärts gestreuten Lichts (einen „blauen Himmel“ hat der Pluto natürlich nicht) lässt sich auf die Größe der verantwortlichen Dunstteilchen schließen. Man kann den Dunst-Ring auch mal ausrollen, es gibt auch neu verarbeitete Nix- und Hydra-Bilder und einen 1-1/4-Stunden-Vortrag über die Ergebnisse bisher.

nix

Ansonsten noch ein Rosetta-Bild vom 1.10., Erkenntnisse von Curiosity über die die alte Geschichte des Gale-Sees (Artikel hier, hier, hier und hier), ein vager NASA-Plan für den Aufbruch zum Mars, der mal wieder wesentliche Details schuldig bleibt (Artikel zum Hintergrund hier und hier), wie Telerobotik die Grenzen verwischt zwischen bemannt und unbemannt, ein paar Pretty Pictures von Chandra, der LISA Pathfinder am Startplatz – und schon wieder ein Atlas-V-Start, mit einem Geheimsatelliten und allerlei CubeSats: ein Video, diverse Bilder und Artikel hier, hier und hier. [1:30 MESZ]


8. Oktober

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Eine Serie planetarer Konjunktionen am Morgenhimmel

beginnt heute und dauert bis zum Monatsende: Das wird hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier erläutert, und die schöne Grafik der Sternwarte Radebeul fasst alles Wesentliche der ersten Tage zusammen (Anblick in der nautischen Dämmerung; Obacht, in Grafiken für die USA ist der Mond jeden Morgen schon etwas weiter). Neben den Begegnungen des abnehmenden Mondes mit vier Planeten – von den fünf mit bloßem Auge sichtbaren fehlt nur Saturn – kommt es heute auch noch zu einer Konjunktion von Venus und Regulus (2.5°) sowie am 17.10. zu einer von Jupiter & Mars (0.4°), am 27.10. zu einer Dreier-Begegnung von Jupiter, Venus und Mars und am 31.10. zu einer Konjunktion von Venus und Mars. Als Vorschau der Anblick aus Indien heute und gestern früh. Auch drei späte / spät gefundene MoFi-Berichte hier [NACHTRAG: mehr], hier und hier, warum IR-Satelliten gut für Asteroiden-Statistik sind, die Erforschung pulsierender Aurora mit Satelliten-Hilfe – und Polarlicht über Polen, dem Norden Englands und Finnland gestern Abend. [4:15 MESZ] Ein paar Bilder der Planeten+Mond-Konstellation heute morgen hier, hier, hier, hier und hier – jetzt bedeckt der Mond gerade die Venus … in Australien & Neuseeland. [19:55 MESZ] Bilder vom Eintritt hier und hier (weiter, weiter, weiter) und Austritt hier und hier, während gleichzeitig in den USA der Abstand erheblich war und morgens in Singapur natürlich erst recht. Morgen steht der Mond dann zwischen Venus und Jupiter, und Komet C-G ist auch da – plus Wale vor Polarlicht in Norwegen. [23:55 MESZ]

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