Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 30. 9. 2017


30. September

Die beiden großen Fleckengruppen sind wieder da, nach erneuter Rotation auf die Sonnenvorderseite mit neuen Nummern – aber sie haben beide magnetisch stark abgebaut und dürften für keine nennenswerten Flares sorgen. Auch Chi Cygni vor dem Maximum, ein beindruckendes 360°-Panoroma einer Aurora nebst „Steve“ in Kanada, das die klare räumliche Trennung beider Phänomene hervorhebt [NACHTRAG: die Szene anders projiziert – und ein ähnliches Bild 2015 in Neuseeland], ein Echtzeit-Clip besonders hektischer Aurora über Island (vorher Ton runter drehen!), hübsche Sprites über der Slowakei, Dark-Sky-Tourismus in Utah – und Arbeit am Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. in Namibia. [15:55 MESZ] Ein Komet O1 heute früh aus Teneriffa. [23:10 MESZ. NACHTRÄGE: und am Morgen des 1.10. beim California-Nebel und früher bei den Plejaden mit PANSTARRS sowie eine Lichtkurve] Und ein fetter isolierter „Steve“, auch wieder aus Kanada. [23:25 MESZ – Ende]

MAVEN sah nach Sonnensturm starke Aurora auf dem Mars

Am 13. September hat der Marsorbiter NASA-Orbiter MAVEN starke Aurora am Mars-Rand – 25-mal heller als je beobachtet – gesehen, in der Folge eines großen Sonnensturms, der auch die Strahlungssituation am Boden verdoppelt hatte: hier UV-Bilder vorher und während des Ereignisses. Auch der Skycrane für den Marsrover 2020 der NASA, sehr hitzebeständige Elektronik für extreme Planeten-Missionen – und es sind ein Jahr seit Rosettas Ende und 10 Jahre seit Dawns Start. [15:50 MESZ]

Der 81. erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge vergangene Nacht: Arianespace und ESA Releases, Ausschnitte aus dem Webcast hier und hier, Screenshots hier und hier, zwei Tele-Fotos und Artikel hier und hier – zuvor waren eine Langer Marsch 2C mit geheimnisvoller Fracht (mehr, mehr und mehr) und eine Proton M mit einem Nachrichtensatelliten (mehr, mehr und mehr) gestartet. Derweil haben auf dem dem International Astronautical Congress in Adelaide das DLR allerlei Kooperationen unterzeichnet, die ESA, Lockheed Martin (Artikel hier und hier) und Elon Musk (seine Slides und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) in Visionen geschwelgt und der Gastgeber von Größerem geträumt – und die UNO möchten den Dream Chaser mieten. [15:45 MESZ]


28. September

Amateurastronomie aus der ISS (am 18. September): Anklicken liefert eine Animation. Auch ein Citizen-Science-Aufruf zur Sichtung von Erd-Aufnahmen von der ISS, der Komet C/2017 O1 heute hier und hier und eine Analyse sowie ein heller Kreutz-Komet letztens, der schon Geschichte ist. Sowie eine wichtige Entscheidung pro TMT auf Hawaii (345 Seiten; Reaktionen hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier), das VLT-Instrument MUSE beobachtet einen Planetarischen Nebel, ein aktualisierter Science Case für den Cherenkov Telescope Array – und ein 44-Seiten-Paper über Measuring night sky brightness: methods and challenges. [23:55. NACHTRÄGE: obiges Bild ohne Labels – und Komet O1 letzte Nacht, beim California-Nebel, und 29P mal wieder hell vorgestern]

Start des James Webb Space Telescope auf 2019 gerutscht

Nun ist passiert, was viele kommen sahen – aber der erwartete Grund, eine Kollision des Starttermins mit dem von BepiColombo, wird in der Mitteilung der NASA heute mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen heißt es nun, beim Weltraumteleskop selbst „the integration of the various spacecraft elements is taking longer than expected.“ Wirkliche Probleme gäbe es nicht, aber der Zusammenbau des komplexen Satelliten und manche Tests dauerten etwas länger als gedacht, und die „additional environmental testing time of the fully assembled observatory – the telescope and the spacecraft – will ensure that Webb will be fully tested before launching into space.“ Das soll nun im Frühjahr 2019 passieren, keine Extrakosten verursachen und der Wissenschaft nicht schaden – jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Merkurmission BepiColombo den ursprünglichen Termin Oktober 2018 halten kann und nicht erneut dem JWST in die Quere kommt … [21:35 MESZ]

Neuer Komet kommt im August 2018 der Sonne recht nahe

Mal wieder herzlich wenig ist klar über das Schicksal eines neu entdeckten Kometen, der relativ nahe an die Sonne heran kommen wird: Die erste Bahn von C/2017 S3 (PANSTARRS) ist schon recht zuverlässig, da Astrometrie seit Mitte August vorliegt – und sie führt den derzeit 5 au von Sonne wie Erde entfernten Kometen kommenden August bis auf 0.21 au an die Sonne heran. Wie hell er dann ist, hängt von seiner Reaktionsfreudigkeit auf die Sonnenwärme – dem berühmt-berüchtigten Faktor „n“ in der Kometen-Helligkeitsformel – ab: Für den Standardwert 4 hat PANSTARRS nur eine Absoluthelligkeit H von 11 und wird nicht heller als +4 mag. (in rund 12° Sonnenelongation), für – unerklärlicherweise von JPL Horizons verwendete – höhere H- und n-Werte wären dagegen mehrere Größenklassen mehr drin. Nach deren Ephemeride würde der Komet -4.6 mag. erreichen, und zuvor mit -2 mag. in 14° Elongation (8. August) und 0 mag. in 23° Elongation stehen (4. August): Just aus deutschen Breiten wäre er dann noch vergleichsweise am besten zu sehen, 12° hoch bei 12° Sonnendepression – man darf ja mal hoffen … [21:20 MESZ]

Arecibo-Teleskop überstand Hurrikan fast unbeschadet

Während die Gesamt-Lage auf der Insel Puerto Rico katastrophal ist, haben die 300-Schüssel in einer Bodensenke und die Antennentechnik des Radioteleskops von Arecibo den Hurrikan Maria ohne großere Schäden überstanden, und womöglich schon morgen können einige Beobachtungen wieder aufgenommen werden. Etwas Antennentechnik stürzte im Sturm auf die Schüssel und beschädigte 15 Panele, aber die können leicht ersetzt werden. Lediglich die Atmosphärenforschung ist deutlich beeinträchtigt, während die Radioastronomie und Planetenforschung per Radar weiter gehen können: Für Strom sorgt ein Generator, Wasser kommt aus einem Brunnen – von beidem kann ein Großteil der Bevölkerung Puerto Ricos nur träumen, für die aber von Arecibo aus Hilfe organisiert wird. Auch ein früherer Update, Zustandsberichte hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:25 MESZ]

So passen Rosettas letzte zwei Bilder zusammen, das schon seit dem Tag der „Landung“ bekannte rechts und das in der Telemetrie erst mehrere Monate später gefundene noch spätere („Man fasst es nicht: Ein allerletztes Bild von Rosetta“) links: Vier Monate nachdem es bereits bei diversen Gelegenheiten herumgezeigt worden war, hat es die ESA heute als, hüstel, Neuigkeit präsentiert. Als Höhen der letzten beiden Bilder werden jetzt 24.7±1.5 m und 19.5±1.5 m angegeben, mit 2 mm/Pixel Auflösung für das allerletzte; oben ein Bild, ebenfalls der Weitwinkel-Kamera, aus 331 m Abstand. Derweil wird das JWST allmählich erwärmt, denn der Kryo-Test in der großen Kammer endet bald. [18:15 MESZ. NACHTRÄGE: auch das allerletzte Bild scharf gerechnet- und dass es überhaupt keine Neuigkeit ist, wird am Ende der deutschen Fassung der PM zugegeben und wurde auch in der englischen ergänzt …]


27. September

Drei Detektoren sahen selbes Gravitationswellen-Ereignis!

Wie in diesem Paper, einem Press Release und einer gerade begonnenen und hier gestreamten Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, haben am 14. August die beiden LIGO-Detektoren in den USA und der erst am 1. August in Vollbetrieb gegangene VIRGO-Detektor in Italien gemeinsam ein Gravitationswellen-Signal empfangen. Wie bei den drei zuvor von den LIGOs gesehenen Ereignissen war der Auslöser die Fusion von zwei Schwarzen Löchern (diesmal etwa 31 und 25 Sonnenmassen), und der Verlauf war „wie üblich“ – aber dank der nun drei Detektoren konnte der Ort am Himmel rund 10-mal genauer bestimmt werden: in der Grafik gelb nur die LIGOs, darin zwei Analysen mit VIRGO dabei. Frühere statistische Aussagen zur Häufigkeit solcher Schwarzloch-Fusionen ändern sich durch den vierten Fall nicht nennenswert – und frühere Gerüchte, man habe eine andere Quelle, gar mit optischem Gegenstück, beobachtet, bestätigen sich nicht. [18:50 MESZ]

Die Wellensignale der Dreifach-Detektion, auch ein VIRGO-Press Kit, eine hübschere Himmelskarte und der Vergleich zu früher, die SL-Fusionen hinter allen vier Events und die Virgo-Nachrichten-Seite. Die Empfindlichkeit der Detektoren wird jetzt verbessert, und beim nächsten gemeinsamen Run ab in etwa einem Jahr sollten sie doppelt so empfindlich sein, heißt es auf der Pressekonferenz – damit verachtfacht sich das überwachte Volumen des Kosmos, und es gibt vielleicht ein Signal pro Woche. [19:15 MESZ] Ein 4-Seiten-Flyer, weitere Press Releases in 3 Sprachen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Visualisierungen hier, hier und hier und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:10 MESZ]

So sah OSIRIS-REx die Erde (na ja, überwiegend das Wasser des Pazifik) beim Vorbeiflug vor 5 Tagen, um Schwung zu holen: auch Spektren von IR-Instrumenten auf der Asteroiden-Sonde und Artikel hier, hier, hier und zuvor hier. Plus die vergebliche Suche nach Kleinkram am Pluto (Minimonden und Ringen) durch New Horizons, ein Heli-Test für das Juice-Radar, deutsche Visionen für einen Europa-Lander (mit EurEx-SiLaNa, was für ein Akronym!), Indiens Mars Orbiter Mission schon drei Jahre im Orbit bei einer Design-Dauer von 6 Monaten, Opportunity weiter unterwegs, Details eines Instruments auf dem 2020-Rover, Chinas Pläne einer Mars Sample Return Mission im kommenden Jahrzehnt, noch mehr Eis auf dem Merkur, Chinas Verschiebung der nächsten Mondmission wegen Raketen-Problemen – und eine neue Karte von Wasser auf dem Mond aus neu analysierten Daten von Indiens Chandrayaan 1 [NACHTRÄGE: Chandrayaan II startet wohl nächsten März – und weitere OSIRIS-REx-Bilder, auch hier diskutiert, und ein laaanger Artikel über den Swing-By].

Das ULA-Pop-Video zum jüngsten Atlas-Start – auch der Reentry vin Tianzhou 1 nach erfolgreicher Versorgung von Chinas Raumstation, die Ankündigung einer Raumfahrt-Agentur Australiens (auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), mal wieder Verspätungen beim SLS-Erstflug (eine Art Bestätigung sowie der NEA Scout an Bord) und auch beim Starliner, ESA-Visionen für den Mond und ein Call for Ideas für die angedachte „Gateway“-Station in der Nähe, die auch ein Sonnensegel tragen könnte – und Forschung hüben wie drüben zur Strahlenbelastung von Astronauten. [11:45 MESZ] Ein faszinierendes Info-Portal der NASA über alles, was in der weltweiten bemannten Raumfahrt beinahe oder völlig schief ging. [13:40 MESZ] Roskosmos und NASA Releases und Artikel hier, hier und hier zu einem russisch-amerikanischen Abkommen über Vorarbeiten zum Deep Space Gateway. [15:00 MESZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – plus ein kritischer Kommentar dazu]


26. September

Da rollt das erste Segment des Hauptspiegels des GMT aus der Fertigung in Tuscon in eine Lagerhalle, damit das nächste hergestellt werden kann. Auch Sternwarten-Bau in Tibet bei Ngari, ein neues 1-m-Teleskop des LCOGT in Texas, australische Technik für Effelsberg, ein Fotograf im Auftrag der ESO, die Rückkehr der Sonnenflecken-Gruppe 2673 – und der Komet 2017 O1 am 25., 24. und 23. September. [23:55 MESZ]


22. September

Die Kanarischen Inseln von der ISS aus gesehen: Wolkenmuster zeichnen die Windströmungen nach. Auch die heutige Erdpassage von OSIRIS-REx (auch eine FAQ zur Sichtbarkeit, frühe Nachweise hier und hier und ein späterer), das nahe Ende der GRACE-Satelliten – und ein Abkommen von DLR & JAXA mit interessanten Plänen. [12:10 MESZ]

Helle Feuerkugel über BeNeLux und Westdeutschland

Noch sind die einlaufenden Berichte widersprüchlich, aber eine grob Vollmond-helle Feuerkugel hat gestern Punkt 21:00 MESZ v.a. in den Niederlanden und dem westlichen Deutschland für einiges Aufsehen gesorgt, z.B. in Köln – Meldungen bitte hier! Eine eventuelle Restmasse wäre allerdings in die Nordsee gefallen. [NACHTRAG: Nach einer genaueren Bahnanalyse war’s ein früher nördlicher Taurid, also ein Stück Encke.] Auch Komet C/2017 O1 (ASASSN) am 19.9. (auch mit den Plejaden), 18.9. und 17.9. (auch mit PANSTARRS) sowie 29P/S-W am 17.9.

Schöne – aber undatierte – Aurora von der ISS aus gesehen. Auch ein besonders fetter „Steve“ (frühere Bilder und Animationen dieses neu beschriebenen Auroraphänomens hier, hier, hier, hier, hier und hier) – und die Reise des Mondes am 18./19.9. entlang an der Venus (Malaysia), dem Regulus (Deutschland) und Merkur & Mars (Japan). [11:35 MESZ]

Kein Kontakt mehr mit dem Radioobservatorium von Arecibo besteht seit 1 1/2 Tagen in der Folge des schweren Hurricans Maria (oben im Sat-Bild vom 20. September genau über Puerto Rico): ein magerer Update der USRA und Artikel hier und hier (früher). Auch ein neues Riesen-Projekt am VLA – und ein Paper über Extragalactic Radio Continuum Surveys and the Transformation of Radio Astronomy durch den Big Data-Boom in der Folge. [0:15 MESZ] Ein Arecibo-Update um mehrere Ecken: „some damage (apparently the legacy 430-MHz antenna is no more), but otherwise minimal damage to the main telescope. Apparently the 12-m satellite telescope also blew away.“ [10:05 MESZ]


20. September

Das Komposit der SoFi 2017, auf das wir gewartet haben, hier etwas knackiger gerechnet: Einen Monat „danach“ hat Miloslav Druckmüller geliefert … Auch ein weiteres Flashspektrum animiert, Berichte hier und hier, Bilder hier, hier, hier und (gut gemalt) hier, Videos hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [23:45 MESZ]


16. September

Eine zerfallende Feuerkugel über der Insel Mauritius – derweil suchen Meteoritensucher Augenzeugen einer Feuerkugel in Kanada, wurde ein Meteorit vom Steinheimer Becken-Impakt in einem Museum (!) entdeckt und staunt ein Astronaut über das benachbarte Ries. Auch Komet O1 – jetzt ~8.5 mag. – am 14.9. und 13.9. und eine Amateur-Aufnahme von OSIRIS-REx. Plus Artikel über das ELT hier, hier und hier, Pläne für ein neues Teleskop in der Antarktis, ein Zwischenfall bei ASTRON, was das evScope mitten in New York City kann – und Aspekte der Lichtverschmutzung hier, hier und (LOL) hier. [19:20 MESZ. NACHTRAG: zum Vergleich ein Reentry über Australien heute, der auf diese Raketenstufe zurück ging]

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4 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 30. 9. 2017”

  1. peteroden Says:

    Immer wieder interessant, Neues über das evScope (Unistellar) zu lesen. Danke!

  2. nemo Says:

    Eine Präsentation über Destiny+ findet sich hier http://www.lcpm12.org/wp-content/uploads/2017/08/1415-1435-Toyota.pdf

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