Allgemeines Live-Blog vom 3.-9. November 2017


9. November

Richard Francis „Dick“ Gordon, Jr., 1929-2017: Apollo 12

Er war 1966 mit Gemini 11 knapp 3 Tage um die Erde gekreist und 1970 im Kommandomodul von Apollo 12 um den Mond (oben in einer Zoomfahrt in LRO-Bilder zu sehen, auch hier und hier weitere simulierte Mond-Tiefflüge): Nun ist der US-Astronaut Dick Gordon mit 88 Jahren verstorben (mehr, mehr und mehr) – von den insgesamt 24 Menschen, die es mit Apollo 8 und 10 bis 17 mindestens bis in Mondnähe geschafft haben (Lovell, Young und Cernan waren je zweimal da), leben damit noch 14 (und von den 12 Moonwalkern darunter noch die Hälfte). Auch (‚passend‘ zum 50. Jahrestag des 1. Starts einer Saturn V mit der Apollo-4-Kapsel ohne Crew) der neueste Planungsstand in Sachen SLS EM-1 mit dem Orion-Erstflug zwischen Dezember 2019 und Juni 2020 – wobei angeblich selbst im letzteren Falle der erste Flug mit Crew EM-2 nicht weiter verzögert würde und auch der Start des Europa Clipper nicht: Artikel hier (früher), hier, hier, hier, hier und hier. Ferner eine russische Mondflug-Simulation mit deutscher Beteiligung, mal wieder Warnungen des NASA IG bzgl. Budget-Reserven, ein erfolgreicher Vega-Start (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), ein Zwischenfall bei einem Triebwerkstest von SpaceX (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), die Firma XCOR ist am Ende, die hunderte „Planet“-Satellitchen erfassen die ganze Erde täglich hoch aufgelöst, eine mysteriöse Satelliten-Order des BND, ein CubeSat als Wetter-Beobachter, ein Paper über Flight Operations and Lessons mit Rosettas Alice UB Spectrograph, ein Interview zu ExoMars 2020 – und ein vorgeschlagener CubeSat für die Mondforschung. [23:55 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: Das Orion Abort-System soll im April 2019 getestet werden – und mehr und mehr zum Untergang von XCOR]


8. November

Neptun im Infraroten, vor wenigen Stunden aufgenommen

mit Adaptiver Optik am dem 3-m-Spiegel des Lick Observatory, das das rohe Bild (Skalen in Bogensekunden) sofort geteilt hat: Bei den Beobachtungen ging es um das aktuelle Sturm-Geschehen, das auch von Amateurastronomen verfolgt wird. In Sachen Neptun gibt es auch ein paar Ergebnisse mehr von der Sternbedeckung durch Triton, die viel beobachtet wurde. Derweil gab und gibt es heute Nacht allerlei Aurora, in Deutschland selbst im Norden nur flach, aber in Finnland und Schweden oder dann Nordamerika (mehr, mehr und mehr) von anderem Kaliber. Auch ein Vertrag über die Bearbeitung der TMT-Spiegel, das Green Bank Telescope auf Alien-Jagd statt bei normaler Astronomie, ein merkwürdiger Artikel über das „welt-höchste Planetarium“ in China, ein Lokal-TV-Clip über eine Planetarier-Tagung in Dessau – und plötzlich alle gegen Lichtverschmutzung in Osnabrück. [6:15 MEZ. NACHTRÄGE: ein Zeitraffer und Fotos hier und hier des Polarlichts aus Wisconsin und eine Animation aus Wyoming]


7. November

Die JunoCam-Bilder vom neunten Perijovium Junos sind da!

Der Schwung vom 24. Oktober, der wegen der Sonnenkonjunktion Jupiters eine Weile nicht gesendet werden konnte, ist vor wenigen Minuten auf der Rohbilder-Webseite aufgetaucht – hier ein Ausschnitt aus einem Bild mit drastisch aufgesteiltem Gamma und sonst keiner weiteren Verarbeitung. Auch die unabhängig pulsierenden Aurorae Jupiters im Röntgenbereich (weitere Press Releases hier, hier und hier und ein Artikel), die Heizprozesse von Enceladus durch Gezeiten (mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr]), die Suche nach einem Spitznamen für 2014 MU69, das zweite New Horizons-Ziel, ein synthetischer Mondüberflug eines Fans aus LRO-Bildern, der CubeSat CUTE zur Erforschung heißer Jupiters, Verwirrung in Aachen über den Verbleib mehrerer CubeSats, warum so viele CubeSats scheitern, die Vorbereitungen für den Reentry von Tiangong-1, der Start zweier Beidou-Satelliten auf einer Langer Marsch 3b (mehr, mehr und mehr), der nächste Cygnus-Start am 11.11., der SLS-Access-Arm am Cape – und neue Tests mit dem Dream Chaser bald. [0:00 MEZ] Weitere verarbeitete Juno-Bilder hier, hier, hier, hier und hier. [1:55 MEZ]

Ein weiterer simulierter Mondüberflug aus Daten des Lunar Reconnaissance Orbiters, gleich noch einer und noch einer – und ein weiterer prozessierter Jupiter vom 9. Perijovium. [5:30 MEZ] Und noch einer. [6:20 MEZ] Jede Menge weitere exzellente Bearbeitungen der Bilder, dito hier – und das Paper zur Jupiter-Aurora im Röntgenbereich. [19:45 MEZ. NACHTRÄGE: noch mehr verarbeitete neue Juno-Bilder hier (!), hier, hier, hier, hier, hier und hier, Anmerkungen zur MU69-‚Taufe‘ hier und hier, ein dickes Paper über die vergebliche Search for Temporal Changes auf Pluto und Charon während New Horizons‘ Besuch – und ein ISRO Release und ein Artikel zu Röntgen-Polarisations-Beobachtungen des Crab-Pulsars mit Indiens AstroSat]


6. November

Der interstellare Besucher hat einen Namen: 1I/ʻOumuamua

Der erste eindeutig von außerhalb des Sonnensystems (2 Items) gekommene Kleinkörper hat das Minor Planet Center in Abstimmung mit Spitzenfunktionären der IAU zur Einführung einer neuen Nomenklatur für solche Objekte bewogen: Sie lehnt sich an die Kometen an, nun aber mit einem „I/“ hinter bzw. vor der Nummer. Wenn die Bahn schon gut bekannt ist, gibt es eine permanente Zahl, die vor dem „I“ steht: Der erste Fund ist bereits zu „1I“ oder „1I/2017 U1“ (seiner vorläufigen Nummer, die davor zuerst ein Kometen-„C/“ und dann ein Asteroiden-„A/“ gehabt hatte) geworden – und zu „1I/ʻOumuamua“ oder „1I/2017 U1 (ʻOumuamua)“, denn einen klangvollen Namen hat der Besucher auch schon. Den haben sich seine Entdecker vom Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii ausgedacht, wo er auf Polynesisch soetwas wie einen zu uns aus ferner Zeit geschickten Boten bezeichnet: Das könnte man als indirekte Übernahme des populärsten Vorschlags „Rama“ nach dem interstellaren Raumschiff aus A. C. Clarkes Klassiker „Rendezvous with Rama“ interpretieren … Auch eine Bestätigung der Außergewöhnlichkeit seiner Bahn im Vergleich zu 333 bekannten leicht hyperbolischen Kometen, eine Vorhersage bisher übersehener Exo-Neptune als angebliche Notwendigkeit für seine Existenz und eine Zusammenfassung des Kenntnisstandes. [23:45 MEZ. NACHTRÄGE: eine weitere Fassung des Neptune-Papers sowie neue Papers mit einer Analyse der Lichtkurve, weiterer Spektroskopie, einer möglichen Herkunft, einer anderen Statistik zu solchen Objekten und der Möglichkeit, ʻOumuamua einzuholen, die ersten zwei ‚formell‘ veröffentlichten Versionen von U1-Papers hier samt einem Erratum und hier – und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]


5. November

Fast voller Mond bedeckt Hyaden-Sterne – und Aldebaran

Von jetzt bis morgen früh zieht der noch fast volle Mond vor mehreren Sternen der Hyaden (mehr) und zum Schluss vor Aldebaran her (mehr, mehr, mehr und mehr): Die Sterne verschwinden hinter dem hellen Mondrand und ploppen plötzlich am dunklen wieder hervor – da dieser wegen der sehr hellen beleuchteten Mondseite als solcher unsichtbar ist, gewissermaßen aus dem Nichts. Das gab es ganz ähnlich z.B. Ende Oktober 2015: Im obigen Video dieses Bloggers erscheint Aldebaran bei 1:12 wieder (was auch bei visueller Beobachtung besser mit dem Fernglas verfolgt werden sollte). Bei einer späteren Bedeckung war der Mond noch nicht ganz voll, so dass der Stern am dunklen Rand verschwand (bei 1:13) – besser wäre es allerdings im Frühjahr, wenn der Mond nur als Sichel dem Aldebaran begegnet. Auch eine Feuerkugel über Süddeutschland am Abend des 3. November (mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr]) – und der Uranus mit Details am 1. November. [19:20 MEZ] Die Bedeckung „läuft“: der Eintritt von Gamma Tauri – und ein aktueller Uranus von Hubble, mit Ringen! [20:30 MEZ] Gamma Tau ist wieder da – und mehr Uranus von Hubble, mit Ringen & Monden. [21:55 MEZ] Der Mond in den Hyaden heute Nacht. [22:45 MEZ] Und der ‚Täter‘ mal in Farbe gestackt. [23:50 MEZ. NACHTRAG: der Mond im Anflug auf Aldebaran, 2 1/2 Stunden vor der Bedeckung – und ein Hubble-Uranus in Falschfarben. NACHTRAG 2: der Mond viel näher an Aldebaran, 1 Stunde vor der Bedeckung, in den Hyaden – während die Bedeckung anderswo schon vorbei ist. NACHTRAG 3: der Austritt, etwas später, eine Montage der Bedeckung und das Paar aus Mexiko hier und hier. NACHTRAG 4: Videos hier (Eintritt gegen 0:52), hier (Eintritt im Zeitraffer), hier (Austritt bei 1:34) und hier (zu viel Zoom, Austritt verpasst). NACHTRAG 5: exzellente Videoclips von Ein- und Austritt]


3. November

So sauste Komet Machholz durch das Bildfeld von STEREO-A

Außer vom Satelliten SOHO mit LASCO C3 (3 Items) ist der Komet 96P/Machholz bei seiner diesjährigen Perihel-Passahe auch vom überlebenden der beiden STEREO-Satelliten beobachtet worden: drei Einzelbilder aus einer Animation, Zeit von unten nach oben. Beide Satelliten machten auch Polarisationsmessungen des Lichts des Kometenschweifs, woraus sich etwas über die Natur der Staubteilchen lernen lassen wird. Der Nachweis von inzwischen drei kleinen Fragmenten des Kometenkerns auf derselben Bahn zeugt derweil von einem fortschreitenden Zerfall: Bei letzten Periheldurchgang 2012 waren zwei solche Fragmente beobachtet worden. Auch die Technik des Heliospheric Imaging, wie sie die STEREOs einsetz(t)en. Und heute vor vier Jahren war die superkurze SoFi in Afrika: der Mondschatten aus dem All gesehen. [18:20 MEZ. NACHTRAG: andere Darstellungen der Machholz-Koronographen-Bilder hier und hier. Und die schon lange etablierte Irrelevanz solarer Strahlungs-Schwankungen für den Klimawandel wird in Kap. 2.3.1 des 1. Bandes des Fourth National Climate Assessment der USA nochmals aufgezeigt]

Letzte Nacht vor 100 Jahren wurde erstmals mit dem 100-Zöller auf dem Mount Wilson beobachtet – ein Eintrag aus dem Notizbuch von George Ellery Hale vom 2.11.1917, der da lautet: „With Alfred Noyes to Mountain. First observations with 100 inch – Jupiter, Moon, Saturn.“ Laut u.a. dieser Darstellung und anderen Notizen war mit dem damals größten Teleskop der Welt am Abend des 1.11. als erstes der Jupiter angepeilt worden, doch das Bild war schrecklich und erst am folgenden Morgen brauchbar, als zuerst ein Stern angeschaut wurde. [0:00 MEZ] Warum das alles wirklich in der Nacht 1./2.11.1917 war. [2:35 MEZ] Und Noyes‘ Gedicht über die Nacht steht hier gleich am Anfang im Prolog. [4:05 MEZ] Wieder Konfusion über das Datum der ersten Beobachtungs-Nacht … [14:35 MEZ]

Und noch mehr Geschichte: Heute vor 60 Jahren startete die Hündin Laika in Sputnik 2, die als erstes irdisches Lebewesen den Orbit erreichte – und dann wie geplant als „Heldin […] im Namen der Wissenschaft starb“, wie sich Roskosmos heute ausdrückt. An den ebenso historischen wie schon damals umstrittenen Flug wird z.B. auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier erinnert – und an die vielen anderen sowjetischen Weltraumhunde mit z.T. weit erfreulicheren Karrieren etwa hier und hier. [17:55 MEZ]

Ein Microlensing-Ereignis findet gerade im Stier statt

und hat die Helligkeit eines unauffälligen Sterns 14. Größe auf 11.5 mag. im Visuellen steigen gelassen (aber das Maximum der Lichtkurve könnte bereits überschritten sein): Infos und Updates hier, hier, hier und hier, Bilder hier, hier, hier, hier und hier, diverse weitere Beobachtungen hier, hier und hier und eine frühere Zusammenfassung. Auch die Entwicklung der Sonnenleuchtkraft über Jahrzehnte, Komet C/2017 O1 am 31.10. – und eine aktuelle Feuerkugel … gemalt. [0:00 MEZ. NACHTRÄGE: Der Peak ist in der Tat vorüber und fiel enttäuschend aus – ein Bild aus der Nacht 2./3.11. und eine Beobachtung vom 5./6.11. Auch Neptun mit hellem Sturm am 1. November, der kaum größere Mars mit einfacher Adaptiver Optik am 31. Oktober, eine alte aber detailreiche Venus vom Pic du Midi, was bei der großen Beobachtungs-Kampagne für den NEA 2012 TC4 im letzten Monat so alles wissenschaftlich wie auch operationell gelernt wurde, ein heller Meteor über Süddeutschland heute Abend, die HIPERCAM am WHT installiert, das Wesen des Fabry-Perot am Beispiel SALT – und die Produktion des fünften der sieben GMT-Spiegel à 8.4 Meter ist eingeleitet worden]

Asteroiden-Spuren auf Hubble-Aufnahmen ferner Galaxien und (in der Mitte) sogar Gravitationslinsen – gekrümmt wegen der Bahn des Weltraumteleskops um die Erde. Auch Paper zu den Erwartungen an Gaias 2. Data Release nächsten April und Atmospheric Beacons of Life from Exoplanets Around G and K Stars (dazu ein Press Release und ein allgemeinerer Artikel), Cassini-Erkenntnisse zu Oszillationen der Atmosphäre und den Strahlungsgürteln Saturns, wie man die Fontänen von Enceladus untersuchen könnte, das erfolgreiche 8. Perijovium Junos mit Wissenschaft, aktuelle Bilder von Curiosity, auch in spezieller Farb-Verstärkung, was 2020 alles auf dem Mars passieren soll, Magnetosphären-Forschung überall im Sonnensystem, eine neue Chefin der DLR-Planetenforschung, der Laser-Wind-Forscher Aeolus vor Tests, Studien für die NASA rund ums Gateway beim Mond – und der erste Start der Falcon Heavy nicht vor dem 29. Dezember. [0:00 MEZ. NACHTRÄGE: Die Parker Solar Probe hat ihre Vibrationstests abvolviert und ist nach Goddard gekommen, aber der Ionospheric Connection Explorer startet erst 2018, mal wieder ein endloser Update von Oppy, keine weiteren Probleme mit den Orbcomm-Satelliten, Chinas diffuse Visionen eines Spaceplanes, mehr zu den Gateway-Studien, ein NASA-Podcast zur Orion – und angespülter Raumschrott war von einer Falcon 9, der ersten, die zweimal flog]

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Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 3.-9. November 2017”

  1. Der Mond gegen Aldebaran – die dritte – Daniels Dies & Das Says:

    […] Mond, Aldebaran und ein paar Hyaden-Sterne gegen 1:20 MEZ, 2 1/2 Stunden vor der Aldebaran-Bedeckung: die drei Bilder in größer – und frühere Aldebaran-Bedeckungen 2015 hier (sehr ähnliche […]

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