Notizen zur 232. Tagung der AAS in Denver

vergangene Woche, von der diesmal die Viewgraphs aller Präsentationen der 5 Pressekonferenzen online sind, während deren Live-Übertragungen und Aufzeichungen („Press Conferences from AAS 232 …“) leider zunächst nicht dem von früheren Meeting der American Astronomical Society gewohnten Qualitätsstandard entsprachen. Gleich als erstes wurde am 4. Juni eine Alternative zum postulierten „Neunten Planeten“ beworben, bei dem die kollektive Schwerkraft vieler kleiner Körper im Kuipergürtel dieselben Effekte auf bestimmte Bahnen auslösen könne: dazu auch Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Dann ging es um Beobachtungen des Jupiter mit LOFAR, um den möglichen Nachweis von Exoplaneten als Radioquellen zu testen (der bei extremen Ausbrüchen bis in ein paar Dutzend Lichtjahre Distanz klappen könnte), und die Stabilität von Exoplaneten in Dreifach-Systemen, die tatsächlich gegeben sein dürfte.

Am 5. Juni wurden Beobachtungen an einer High-School-Sternwarte präsentiert, nach denen die Verdunklungen von Tabbys Stern auf verschiedenen Zeitskalen von Staubteilchen unterschiedlicher Größe verursacht werden und damit von verschiedenen Prozessen stammen dürften – und nach der Fotometrie der Dips auch anderswo (Grafik) sind die Staubteilchen z.T. so klein, dass sie ständig neu produziert werden müssen: auch Artikel hier und hier. Die Parallaxe aus dem Gaia Data Release 2 platziert Epsilon Aurigae in 500±100 Parsec Entfernung, wodurch sich Analysen der dicken Scheibe um den Veränderlichen und den Massentransfer von seinem Begleiter besser quantifizieren lassen. Die nächste große Verfinsterung ist 2037. Die „CEMP-no stars“ sind Zeugen der ersten Sterngeneration des Kosmos, indem sie deren Nukleosynthese-Produkte verinnerlichten, in Zwerggalaxien überdauerten und zu guter Letzt mit denen in der Milchstraße landeten – wo einige erstaunlich hell strahlen und gut zu untersuchen sind. Auch die „Pristine survey“ spürt besonders urigen Sternen im Halo der Milchstraße und nahen Zwergen nach.

Die Verschmelzung von Neutronensternen ist die dominante Quelle schwerer Elemente aus dem r-Prozess in Zwerggalaxien (wie hier dem Sculptor Dwarf) und nicht eine spezielle Sorte von Supernovae, die das viel früher in der kosmischen Geschichte besorgt hätte als beobachtet wurde. Und nahe nahe und kleine Galaxien sind gute Analoga für frühe Galaxien, aus denen später die großen heutigen entstanden: „Near-Field Cosmology with Low-Mass Galaxies“. Während ein mathematisches Werkzeug entwickelt wurde, um die Relevanz von Diskrepanzen zwischen kosmologischen Datensätzen zu evaluieren: Nicht nur die bekannte ‚Spannung‘ zwischen Bestimmungen der Hubble-Konstanten mit dem Planck-Satelliten und ‚lokal‘ sondern auch Abweichungen zwischen Planck-Daten und der großräumigen Struktur des Universums werden identifiziert, die neue Wege weisen mögen oder auch nicht.

Zurück in der Nähe am 6. Juni Veränderungen in der Sonnenkorona am 21. August 2017, während der SoFi-Schatten von Salem, Oregon (links), nach Carbondale, Illinois (rechts), zog. Eine Untersuchung der Röntgen-Aktivität der 3 Sterne von Alpha Centauri zeigt, dass es für den Planeten von Proxima sehr ungemütlich werden dürfte und Planeten von A und B bessere Bedingungen haben sollten. Bei der Untersuchung von extrasolarem Weltraumwetter stellt sich heraus, dass koronale Massenauswürfe nach Sternflares eher selten sind, was eine noch zu klärende Diskrepanz ist. Ein Paper über RR-Lyrae-Sterne in & bei NGC 6441 bleibt auch mit dem Gaia Data Release 2 gültig: Der Kugelsternhaufen wird durch Gezeitenkräfte langsam zerlegt und war vielleicht einmal der Kern einer Zwerggalaxie. Und der Ursprung bestimmter Kosmischer Strahlung konnte auf Beschleunigung bei der Kollision von Supernovaresten und Molekülwolken zurück geführt werden.

Eine mit ~960 Mrd. Sonnenmassen eher geringe Massenbestimmung der Milchstraße über die Orbits von Zwerggalaxien – der ein halbes Dutzend Gaia-DR-2-basierte Papers widersprechen (3. Item), die auf 1.3 bis 1.8 Bio. Sonnenmassen kommen – wurde auch präsentiert, gefolgt von der Entdeckung mehrerer weiterer mysteriöser Objekte bei Sgr A* (Grafik: die Bahnen, Skala in Bogensekunden), die wie Gasblasen aussehen aber sich wie Sterne verhalten und Verwandte von G1 und G2 sein könnten und deren Natur genau so unklar ist: auch ein Artikel. Und der Zusammenhang von Galaxien-Verschmelzungen und Quasaren ist auch etwas klarer geworden: Sind die Massen der beiden Galaxien sehr unterschiedlich, wird oft nur einer der beiden Kerne aktiv. Ansonsten noch Tagesberichte von der Konferenz hier, hier [alt.], hier [alt.] und hier [alt.] sowie hier, hier und hier.

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