AAS 233: Was sonst noch im Kosmos passierte

Über die ersten zwei Pressekonferenzen während der 233. Tagung der American Astronomical Society in Seattle vom 6. bis 10. Januar wurde schon berichtet (erste drei Items), hier gibt es Bilder von und Links zu den anderen sechs und noch einiges mehr. Aufzeichnungen aller 8 PKs sind hier zu finden und hier die Viewgraphs der Präsentationen unter deren Titeln.

Der fernste stark von einer Gravitationslinse verstärkte Quasar ist bei einer Rotverschiebung von 6.5 entdeckt worden [alt.]: Eine Vordergrundgalaxie lässt ihn um einen Faktor ~51 heller erscheinen, als er in Wirklichkeit ist, und die wahre Leuchtkraft sind ~11 – und nicht die vermeintlichen 600 – Billionen (Amerikanisch ‚trillions‘) Sonnenleuchtkräfte. Das korrekt zu kommunuzieren (Press Releases hier, hier, hier, hier und hier) – scheint aber reichlich schwer zu sein. Und die Haupterkenntnis ist, dass die meisten gelinsten Quasare bei z > 6 übersehen werden dürften. Von der 2. PK am 9. Januar, wo es auch dies gab:

Ein Stern wurde vom SMBH einer Galaxie zerrissen und sandte Röntgenstrahlen aus, die quasiperiodisch oszillierten: Da sie sehr nah am Schwarzen Loch erzeugt wurden, lässt sich auf dessen Rotationszustand schließen: Press Releases hier, hier, hier und hier und ein Artikel.

Ein Jet aus dem Zentrum der Radiogalaxie Cygnus A ist an einer Gaswolke abgeprallt und hat sich durch die Wand einer Blase im intergalaktischen Raum gebohrt: Eine sehr tiefe Röntgenaufnahme von Chandra klärt jetzt die Verhältnisse.

Bilder der „Physics at High Angular Resolution in Nearby GalaxieS“ oder PHANGS bei dem das Radio-Interferometer ALMA 100’000 Sternentstehungs-Gebiete in 74 Galaxien kartiert hat: Die Effizienz der Sternbildung nimmt mit der Galaxien-Masse ab, jedenfalls in den meisten Fällen.

Aus der 2. PK am 8. Januar ein HRD aus Sternen, die die Sloan Digital Sky Survey nebenher mit zusätzlichen Glasfasern spektroskopiert hat, um eine umfassende ‚Bibliothek‘ der Sterne der Milchstraße zu erstellen.

Die Geschichte der Sternentstehung in der LMC aus SDSS-Daten (oben) und modelliert: Erst lag die Bildungsrate bei nur 1/50 der der Milchstraße – aber nach der Kollision der beiden Magellanschen Wolken versechsfachte sie sich am Ende.

Ein Nachweis verschmelzender Galaxien durch SDSS-Messungen der Geschwindigkeits-Muster in den Scheiben. Die schiere Menge und de Vielfalt der Ergebnisse der seit zwei Jahrzehnten laufenden SDSS verblüffen immer wieder – und es wird schon bis mindestens 2025 geplant

Die Entdeckung von 13 neuen Fast Radio Bursts mit CHIME, einen neuen speziellen Radioteleskop, inklusive des 2. Repeaters, war Gegenstand der 1. PK am 9. Januar, von Press Releases hier, hier, hier, hier, hier und hier, einem Essay und Artikeln hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (kritisiert hier und hier), hier und hier [NACHTRAG: und hier].

Der Magnetar PSR J1745-2900 im Galaktischen Zentrum ist dank seiner Nähe zu Sgr A* als solcher interessant – und weist gewisse Ähnlichkeiten mit den FRBs auf, was immer das bedeutet.

Die Reaktion des Schwarzen Lochs MAXI J1820+070 auf einen Sternen-Sturz hinein wurde mit zwei (!) Astronomie-Instrumenten auf der ISS, MAXI und NICER, verfolgt: ein weiterer Press Release und Artikel hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier – plus das Paper].

Der außergewöhnliche Transient 2018 ATcow war alleiniger Star der letzten PK, mit Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikeln hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier] – und seine Natur blieb herzlich unklar, trotz einer Datenfülle sondergleichen: exotische Supernova oder Gezeiten-zerissener Stern?

Die bewegten Strukturen in der Scheibe um AU Mic, die eine schlechte Nachricht für Planeten-Bildung sein könnten, Hinweise auf die Entstehung heißer Jupiter nahe am Stern (anstatt durch Heranwandern), eine Exoplaneten-Massenbestimmung durch Microlensing Parallaxe und Zweifel am Core Accretion Runaway Growth Scenario für Gasriesen (ein Press Release) waren Gegenstand der 1. PK am 8. Januar.

Immer leistungsfähigere Adaptive Optik wie SCExAO am Subaru-Teleskop zeigen Planeten neben ihren Sternen mit wachsener Deutlichkeit, wie im unteren Beispiel von der 1. PK am 10. Januar zu sehen (oben Mira mit einen Hotspot, im Vergleich zu einem kleinen Stern).

Die jährlichen Veröffentlichungen des Kepler-Projekts, wobei der blaue Balken-Anteil auf Daten aus der Primär-Mission basiert: Auch nach deren Ende und Übergang zur K2-Mission werden laufend weitere Entdeckungen in ihren Daten gemacht und neue Planeten gefunden – z.B. durch neue Auswerte-Techniken für dichte Felder in Sternhaufen.

Auf den sehr jungen Stern ID8 in NGC 2547 fällt öfters mal was, wie die IR-Lichtkurve von Spitzer zeigt: Planetenbildung ist ein chaotischer Prozess.

Der Planet von Barnards Pfeilstern ist zwar in einer harmlosen Situation bzgl. harter Strahlung von seinem (Zwerg-)Stern, dafür aber auch extrem kalt – doch wenn es zu starker geothermaler Heizung der Supererde kommen sollte, wäre er vielleicht bewohnbar: ein Press Release und Artikel hier und hier [NACHTRAG: und hier].

Ebenfalls von der 233. AAS-Tagung: sonifizierte Lichtkurven von Sternen (eine originelle Zugabe dazu), Gaias Sternströme interaktiv in 3D, zirkumstellaren Wechselwirkung der Typ-Ia-Supernova 2015cp (ein Press Release und ein Artikel), die wenigen Begleiter der Galaxie Messier 94 (ein Press Release), eine neue Methode der Stern-Datierung und SETI-Suchen systematisiert (ein Artikel). Plus Berichte zu den Tagungs-Tagen eins, zwei und drei [NACHTRAG: und vier] und Video-Logs hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier].

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