Allgemeines Live-Blog vom 26. 3. bis 3. 4. 2019


3. April

Ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über MEZ vs. MESZ nach der Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung, die die EU für 2021 vorbereitet, wobei die Entscheidung bei den einzelnen Ländern bleiben soll, ob dort dann permanent UTC + 1 Stunde (also MEZ) oder UTC + 2 Stunden gelten soll, möge die obige Grafik sein. Nachdem sich 2018 bei einer nicht-representativen Public Consultation on EU Summertime Arrangements in Deutschland wie EU-weit eine deutliche Mehrheit für permanent UTC + 2 Stunden aussprach (Fig. 6), ist in den letzten Monaten eine regelrechte Hysterie in den deutschen Medien zu verzeichen, die die angebliche „Normalzeit“ UTC+1 beschwört, im Falle „ewiger Sommerzeit“ geradezu apokalyptische Zustände kommen sieht und die Freunde der letzteren beleidigt. Hier ist die tatsächliche Situation im Lande so neutral wie möglich wiedergegeben: Für Aachen, Hamburg, Freiburg im Breisgau und Bautzen sind jeweils für die Daten 16. Juni, 1. September und 25. Dezember – wenn die Zeitgleichung Null ist und die Sonne genau um 12 Uhr mittlerer Sonnenzeit kulminiert – die Uhrzeitenpaare angegeben, wenn die Sonne noch oder wieder 5° unter dem Horizont steht. Dann ist tiefe bürgerliche Dämmerung aber der Himmel noch hell genug für Outdoor-Aktivität ohne Kunstlicht: Das Intervall schließt somit einen Art ‚praktischen Tag‘ ein. Und die Zeitangaben sind quasi neutral in … UTC + 1½ Stunden! Entscheidet man sich für die permanente MEZ, muss 1/2 Stunde abgezogen, bei permanenter MESZ 1/2 Stunde addiert werden.

Zu sehen ist an den etwas gerundeten Zahlen (u.a.) Dreierlei: 1. ist Deutschland etwas zu späteren Tagesanfängen und -enden hin verschoben, was einfach daher kommt, dass die MEZ für die Grenzen Ende des 19. Jh. optimiert ist (die von Deutschland und Österreich-Ungarn) – der damals zentrale 15. Längengrad ist heute praktisch der Ostrand. Damit findet 2. „im Osten“ alles bis zu 1/2 Stunde früher als „im Westen“ statt, weil Deutschland nunmal in Länge ~1/2 Zeitzone ausgedehnt ist – und der Nord-/Süd-Unterschied kann auch bis 1/2 Stunde betragen, weil der Tagbogen der Sonne im Süden eine etwas andere Länge hat. 3. aber wird klar: Wer morgens um 8 Uhr am Arbeitsplatz oder in der Schule sein muss, ist im tiefen Winter immer im Dunkeln unterwegs (außer u.U. weit im Osten bei MEZ), während die Winternachmittage und Sommerabende für alle bei MESZ länger hell blieben. Dieser kleine Gewinn wird – zu Recht – als angenehm empfunden, während dramatische Veränderungen nirgends in Sicht sind. Und da insbesondere das vielen verhasste halbjährliche Uhren-Umstellen entfällt, ist mit schneller Gewöhnung die dann stabilen ’neuen Verhältnisse‘ zu rechnen. Weiter weg vom 15. Längengrad in der ausgedehnten MEZ-Zone mögen energische Diskussionen hingegen tatsächlich gerechtfertigt sein: So beginnt im Osten Polens der wie oben definierte Tag (in UTC + 1½) im Sommer schon um 2:50 Uhr und endet im Winter um 16:20 Uhr … [13:45 MESZ – Ende]

Nächste Phase: Diese Woche wird Asteroid Ryugu beschossen

Nach der allem Anschein nach erfolgreichen Kurz-Landung mit Probenentnahme am 22.2. (hier eine neue künstlerische Darstellung mit realistischerer Oberfläche) steht Hayabusa 2 in zwei Tagen das nächste Abenteuer bevor: das Abfeuern eines Projektils, um einen künstlichen Krater zu schlagen. Am 4. April gegen 6:00 MESZ beginnt der nächste Abstieg von der Parkposition, am 5. April um 4:00 MESZ wird in 500 m Höhe der Small Carry-on Impactor (SCI) ausgeklinkt, der 40 Minuten später explodiert und das Metallgeschoss in den Asteroiden abfeuert – die Sonde hat sich da schon auf der anderen Seite Ryugus in Sicherheit gebracht, und nur die zuvor ebenfalls abgeworfene Minikamera DCAM3 guckt zu: weitere Artikel zur Mission und Ergebnissen hier, hier, hier und hier. Sowie der morgige Eintritt von Beresheet in den Mondorbit, jetzt bereits für etwa 16:18 MEZ geplant, Methan-Beobachtungen vom Mars Express (Artikel hier, hier und hier), das Schicksal eines Instruments auf dem NASA-Rover 2020, die Antenne für den Europa Clipper im Test, der Solar Orbiter im Thermal-Vakuum-Test, das erklärte Missionsende von Spektr-R und damit der Mission Radioastron – und weiter wenig Klarheit in Sachen Mond-Visionen bei der NASA (mehr, mehr und mehr).

Allerlei ungewöhnliche Perspektiven beim Testflug des Crew Dragon, auch ein PSLV-Start in Indien mit 29 Satelliten und voraussichtlich im Mai Chandrayaan 2 auf dem übernächsten PSLV, ein Start auch in China – und der indische ASAT-Test hat wohl eine Menge Müll auch auf hohen Orbits hinterlassen: ein angeblicher missglückter Test bereits im Februar und harsche Kritik von NASA-Chef, weil sogar die ISS gefährdet wird (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr). [0:15 MESZ. NACHTRÄGE: jede Menge Details zu Hayabusas aktuellem Manöver (wie üblich „Live“-Bilder“ vom Abstieg, ab 3:00 MEZ dann hier eine Live-Sendung in Englisch) in den Slides einer PK gestern (ebenfalls übersetzt), die morgige Orbit Insertion von Beresheet am Mond, auch animiert, ein Schaden an Chandrayaan 2 bei Tests, der mühsame Kampf um den Mars-Maulwurf (während InSight einstaubt), nun grünes Licht für JUICE, ein russisches Video zum ExoMars-Rover, die hohe Geschwindigkeit der Parker Solar Probe im 2. Perihel (93 km/s oder 1/3220 c), ein neuer Starttermin für Spektr RG (21. Juni), die chaotische Arbeit an der Mond-Vision, die über die NASA kam und kosten würde, bei Commercial Crew eine Verspätung bei Boeing bis mindestens August, der Roll-Out einer Союз-2.1а mit ПрогрессМС11 für die ISS morgen, die letzte EVA, ein weiterer Soyuz-Start morgen, zivile Radar-Beobachtungen der Trümmer vom ASAT-Test Indiens, einige Probleme beim CubeSat-Tracking nach einem Massen-Start – und ESA und DLR bündeln ihre Kompetenzen zur Unterstützung von Missionen]


30. März

Die Entwicklung der Erdtemperatur ungewöhnlich animiert

mit der Verteilung der jährlichen Abweichungen vom Mittel auf dem Globus als Histogramm, das allmählich nach rechts wandert. Auch der Astronomietag heute in Deutschland & der Schweiz, die erste Globe@Night-Messung dieses Bloggers im Rahmen der aktuellen Kampagne (für Bürgerforschung gibt’s sogar Geld), die ESO zur Lichtverschmutzung, die Lage in Luzern sogar auf Seite 1 und der Geld-Wert des Astro-Tourismus auf La Palma. Ferner der aktuelle Anblick von Gault gestern (mehr und mehr) und vorgestern (mehr), zahlreiche Meteoriten vom kubanischen Boliden am 1. Februar und Ankündigungen hier und hier und unkritisches Vorab-Feiern hier und hier eines Papers zum Impakt vor 66 Ma, das offenbar überaus kontrovers ist, wie auch hier erwähnt. Schließlich das Journal for Occultation Astronomy jetzt Open Access (siehe das Editorial in Ausgabe 2/2019 S. 2) mit allen Back Issues bis 2011, 25 Jahre Expansion eines Herbig-Haro-Objekts im Zeitraffer, 50 Jahre ESO und 70 Jahre „Big Bang“: auch die Häufigkeit von ‚Big Bang‘ und ‚Urknall‘ in der Literatur und drei ganz alte Artikel drüber. [14:50 MEZ] Ein 1-Meter-Gault vom 27. März. [20:45 MEZ]. Wie der Astronomie-Tag in Bochum gelaufen ist. [23:30 MEZ]

So etwa könnte der indische Satelliten-Angriff ausgesehen haben: zwar nur eine Simulation des ASAT-Tests, aber mit typischem Verlauf – und etwa 250 größere Trümmer werden auch konkret getrackt (wie lange es dauert, bis sie alle verglüht sind, wird noch debattiert). Auch Summary-Slides eines „Gaia-Sprints“ (die Forschung sprudelt), der startbereite CHEOPS, die Vision für TESS, die andauernde Planeten-Jagd in Kepler-Daten, Korona-Prognose für die Parker Solar Probe, das erneute Erwachen von Yutu II, irdische Tests mit dem Mars-Helikopter, die Bedeutung eines Sample Returns – und Bürokraten-Zoff um ICARUS auf der ISS. [13:45 MEZ. NACHTRÄGE: Der amerikanische ASAT-Einsatz 2008 dürfte vergleichbar sein, was Prognosen zum Verbleib der Trümmer im Orbit erlauben mag. Und Chang’e-4 ist auch wach: Der 4. Mond-Tag für die rückseitige Mission]


29. März

Der Start einer Electron in Neuseeland mit R3D2 der DARPA

vor wenigen Minuten: Bei der Nutzlast der Rakete handelt es sich um den Satelliten „Radio Frequency Risk Reduction Deployment Demonstration“, der eine neuartige Antenne erproben soll. Der Webcast vom Start – daraus auch Clips vom Start, dem Staging, dem Abwurf der Nutzlast-Verkleidung, einem Batterien-Hot-Swap und dem Erreichen des Orbits und viele Screenshots – ist bereits beendet: Vom Aussetzen des Satelliten, nach Zirkularisierung der Bahn um 1:16 MEZ mit der Kickstage, wird’s keine Bilder geben. [0:50 MEZ] Eine reichlich späte Bestätigung vom Aussetzen des DARPA-Satelliten – und die nächste Attraktion ist eine weitere ISS-EVA: live ab 11:30, Ausstieg gegen 13:20 MEZ. [1:45 MEZ] Eine Nahaufnahme vom und Artikel hier, hier, hier und hier zum Elektron-Start – und die EVA nähert sich dem Ende: Wie schon vor einer Woche wurden alle Aufgaben erfüllt. [18:50 MEZ] Und die EVA ist vorbei: Das wurde erreicht. Die nächste ist schon am 8. April. [19:45 MEZ] Artikel zur EVA hier, hier und hier und weitere zum Elektron-Start hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRAG: noch mehr zur EVA hier, hier und hier]


28. März

Ein Highlights-Video von SpaceX über die Falcon 9 ist kürzlich aufgetaucht – auch der unübersehbare da frühe Fehlschlag des 1. privaten Orbitalstarts in China, teleskopisch entdeckte Fragmente im GEO, ein indischer ASAT-Test (ein dürrer Press Release, die Identifikation des Opfers, ein Thread zur Technik, Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier plus Reaktionen der Welt) und die erste Anhörung gestern zu den Mond-Visonen. Und der Kosmonaut Valery Bykovsky ist gestorben; er flog 1-mal Vostok und 2-mal Soyuz, zuletzt mit Sigmund Jähn: Artikel hier, hier und hier. [1:45 MEZ. NACHTRAG: und hier, hier, hier und hier sowie zur indischen ASAT-Kontroverse hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Ein Bild des Spitzer Space Telescope von Westerhout 40 (W40) bei 3.6 bis 8.0 µm – auch ein neues Gutachten zum JWST mit mal wieder Zweifeln am Zeitplan, ein Felsen auf Bennu in 3D und animiert, ein Mini-Paper mit der Vorhersage von Meteoren von Bennu, animierter Mars-Staub von Curiosity, eine 3D-Mars-Landschaft vom MRO – und was die Voyagers im interstellaren Raum treiben. [3:40 MEZ]

Zahlreiche Spuren von Dust Devils auf dem Mars in einer gerechneten Mars-Express-Schrägsicht von Chalcoporus Rupes – auch ein Nachruf auf die Marsrover von 2004, neues Instrument für den Europa Clipper, der Aufbau kleiner Saturn-Monde durch Material aus den Ringen, das zweite Sonnen-Encounter der Parker Solar Probe ab dem 30. März, zu wenig Geld für WFIRST, Zustand und Pläne mit der Satelliten-Navigation, der viel beschworene ‚Overview-Effekt‘ – und nur einen Tag nach der Mond-Verkündigung in den USA ein Abkommen zwischen ESA und NASA zur Koordination der Forschung. [21:15 MEZ]


27. März

Der Asteroid Komet Gault sieht immer interessanter aus

Der jüngere, kürzere Staubschweif des Asteroiden, der zum Kometen wurde, erscheint auf dieser rohen Hubble-Aufnahme vom 22. März als breiter Fächer, der auf der linken Seite zu einem Gegenschweif wird – den auch eine Amateur-Aufnahme drei Tage später zeigt. Und ein Paper untersucht die Eigenschaften des Staubs, der in zwei Impulsen frei gesetzt wurde, deren Ursache aber im Dunkeln bleibt – ferner Komet Iwamoto am 26. und 24. März und Erinnerungen an die SoFi vor 4 Jahren. Sowie ein Umwelt-Go für den SKA in Südafrika, immer noch Personalmangel bei FAST in China und was britische Astronomen wollen. Und ein mobiles Planetarium in Namibia, ein Citizen-Science-Projekt zu Sternhaufen in den Magellanschen Wolken, der Beginn heute Nacht der Globe@Night-Leo-Kampagne v.a. rund um Bonn, komplexe Wechselwirkungen von Lichtverschmutzung und Vegetation bei der Wirkung ersterer auf Fledermäuse, Kampf um die richtige LED-Farbe von Straßenlampen in Neuseeland, die Lage von Sky & Telescope und eine Rezension von astronomie, der neuen Zeitschrift. [22:50 MEZ. NACHTRÄGE: ein weiteres Paper (nebst NASA, ESA, IfA und Hubble Releases) zu Gaults Schweifen, das die beiden Outbursts auf den YORP-Effekt zurück führt, da der Asteroid schnell rotiert, während dieses Paper auf einen fusionierenden Contact Binary tippt, sein Gegenschweif am 24.3. – und noch mehr Citizen Science, mit AstroQuest zur Wide Area Vista ExtraGalactic Survey, die große Ziele verfolgte]


26. März

Animierte UV-Bilder der Venus vom japanischen Orbiter Akatsuki – auch der Mars in 3D (ein HiRISE-Detail), auf Curiosity-Daten basierende Erkenntnisse zur frühen Mars-Atmosphäre und die zweite Annäherung an die Sonne der Parker Solar Probe.

Drei Fotos – hier mehr – von der ISS-EVA am 22. März („Die ISS-EVA …“): Die nächste eine Woche später wird überraschend doch nicht die erste mit nur Frauen, weil sich erwies, dass es mit den Anzügen nicht gut passt: Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Und das umstrittene Weltraum-Kunstwerk ist immer noch nicht entfaltet: eine kuriose Konsequenz des US-Shutdowns. [2:55 MEZ] Warum der EVA-Austausch sinnvoll und keine große Sache ist – und Ergebnisse des BIOMEX-Experiments auf der ISS: Einige Organismen, die auf der Erde existieren, könnten auch unter Marsbedingungen überleben. [13:45 MEZ] Nachdem sie blöd angegangen wurde, hat die NASA noch mal die Gründe für die EVA-Entscheidung klar gemacht. Und ein Abkommen zwischen China und Frankreich sieht französische Hardware auf Chang’e-6 vor, einer Lunar Sample Return 2023/24 sowie ein Porträt einer JPL-Mitarbeiterin an InSight. [17:25 MEZ] Und nochmal die EVA-Sache, plus große Mond-Versprechungen ohne erkennbare Substanz: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: McClain meldet sich selbst zu Wort und auch die NASA im Detail; ferner ein NASA-Statement und eine offensichtliche Forderung zum Mond-„Plan“ und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

2 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 26. 3. bis 3. 4. 2019”

  1. Wie die zwei Schweife von Gault funktionieren | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] haben sich, wie bereits kurz erwähnt, drei Papers der kuriosen Staubschweife angenommen, die sich der grob 4 km große und ansonsten […]

  2. Allgemeines Live-Blogvom 5. bis 9. April 2019 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] mehr Spuren von Dust Devils auf dem Mars, wie auf dem Bild letztens vom Mars Express („Zahlreiche Spuren …“), aber das hier ist vom ExoMars TGO: Wo die Mini-Tornados […]

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