Polarlicht vom Schiff vor Norwegen – so geht’s!

Die Aurora borealis von einem Schiff aus fotografieren? In der Barentssee und dem Europäischen Nordmeer? Im November? Geht gar nicht! Geht doch: Bilder wie dieses hier gelangen diesen Monat von Bord der MS Polarlys der Hurtigruten aus während der Runde Bergen – Kirkenes – Bergen vom 18. bis 29. (der ersten dieser Fahrten im Rahmen einer Tour von Polarlicht-Reisen; mit diesem Blogger als ‘Chef-Astronom’) schon mit kleinen Kameras. In diesem Fall einer Panasonic DMC-FZ48, mit dem 24-fach-Zoom auf maximalem Weitwinkel, der 25 mm KB entspricht, und maximaler Blende 2.8: dies hier die vielleicht kontrastreichste Aufnahme, während einer außerplanmäßigen Umkreisung von Tromsø am 25. November (15 Sekunden bei ISO 800) in der letzten und besten Nacht mit klarem Himmel. Davon hatte in der ersten Aurora-Nacht jenseits des Polarkreises noch keine Rede sein können:

Während einer kleinen Einfahrt in den Trollfjord hatten sich am Abend des 21. November, nach drei komplett bewölkten Nächten, die ersten kleinen Lücken mit Sternen gezeigt – und einem eindeutig ‘zu hellen’ Himmelshintergrund trotz Abwesenheit des Mondes und jedweder Quelle von Lichtverschmutzung. Fotos zeigten rasch, dass dieses Leuchten grün war: eindeutig die Aurora, wie auf 68.3°N auch zu erwarten. Eigentliche Strukturen waren in dieser Nacht bei den wenigen Lücken nicht auszumachen, wohl aber isolierte Felder sehr hellen Polarlichts durch die Wolken hindurch: Auf diesem Bild hier (15/1600) strahlt es hinter den Wolken über einer Insel im Süden der Polarlys. Bilder aus diesem Zeitraum gibt’s hier, hier und hier und von etwas später hier, hier und hier mit größeren Wolkenlücken aber geringerer Helligkeit.

In der übernächsten Nacht zwischen Nordkap und Kirkenes dann die nächsten Wolkenlücken, in denen sich sowohl grüne wie rote aber zunächst noch schwache Polarlichter blicken ließen (30/1600) – die unruhige See zog die Sterne in wirre Zitterkurven.

Später in der Nacht dann die ‘krasseste’ Aurora-Beobachtung der ganzen Reise: Es stürmte, Gischt spritzte bis auf’s oberste Deck 7 – und trotzdem setzten sich die nun wieder sehr hellen Polarlichter dramatisch in mehr oder weniger großen Lücken durch (15/1600). Bilder dieser irren Nacht hier, hier und hier

Am nächsten Abend – dem 24. November – zu Beginn der Rückreise die erste Aurora ohne schwankende Planken: Just als die Polarlys im Hafen von Båtsfjord (70.5°N) lag, gab es bei ziemlich klarem Himmel eine beachtliche Show (15/400 – gute Zeichnung trotz geringer ISO-Zahl), leider arg überstrahlt von der hafennahen Beleuchtung: Bilder hier und hier sowie, wieder auf See, hier und hier von einem ausnehmend hellen Polarlicht in einer leider nur schmalen Wolkenlücke.

Kurze Zeit später dann – bei wieder weitgehend klarem Himmel – ein gradioser Ausbruch von Aurora-Aktivität, die selbst das Bildfeld einer 25-mm-Optik bei weitem sprengte: Dies (15/1600, 20/1600 und 15/1600) sind jeweils nur kleine Ausschnitte aus dem den ganzen Himmel überspannenden Gesamtbild. Das sich überdies so rasant veränderte, dass die Aufnahmen – Bilder hier, hier, hier, hier und hier – immer nur Summen zahlreicher Strukturen wieder geben können.

Eine komplette Polarlicht-Show wie aus dem Lehrbuch, an perfekt klarem Himmel aber leider auch in der Nähe der einwohnerreichsten Stadt der gesamten Hurtigrute in der Aurora-Zone, wurde schließlich am Abend des 25. November geboten, als die MS Polarlys im Rahmen einer außerfahrplanmäßigen Weihnachtsfeier einmal komplett die Tromsø-Insel (69.7°N) umkreiste – auf so ruhigem Wasser und (dank Autopilot) streckenweise perfekter Geradeausfahrt, dass die Sterne fast so scharf wie sonst an Land erscheinen, nur der Vordergrund mit seinen Lichtern ist immer verwischt. Erst zeigte sich am Nordhorizont ein grünes Band, das immer höher stieg und sich schließlich von NW nach NO hoch über den Himmel zog, in dynamisch wallende Vorhänge und andere “Standard”-Strukturen mehr zerfallend und neu entstehend. Das Ganze über Stunden hinweg und so hell, dass auch die Lichtverschmutzung der Stadt kaum dagegen ankam (wie auch auf dieser älteren Aufnahme): Das letzte Bild hier (15/1600, 15/800 und 10/800) entstand Sekunden vor der Unterquerung der Tromsøbrua, einer Brücke im absoluten Zentrum der Stadt.

Weitere Bilder von diesem krönenden Finale auch als Aufmacher ganz oben sowie hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier! Mit DSLR-Kameras, die höhere ISO-Zahlen (für kürzere Belichtungen und damit besseres Einfrieren der wabernden Vorhänge) und/oder noch viel weitere Weitwinkel (für das Gesamtbild) verwenden konnten, gelangen anderen Teilnehmern der Fahrt übrigens noch beeindruckendere Ergebnisse. Für das Auge erschienen die meisten dieser Polarlichter weißlich mit allenfalls leichtem Grün-Ton und allenfalls einem Hauch von Rot darüber – denn eine nennenswerte Steigerung über das in diesen Breiten ‘Übliche’ hinaus hatten sie angesichts ziemlich geringer Sonnenaktivität nicht erfahren. Zum einem kleinen CME-Impakt mit Aurora-Folgen kam es erst in der letzten Nacht, als die MS Polarlys schon wieder weit diesseits des Polarkreises und im selben Regen wie zu Beginn der Reise zwischen Ålesund und Bergen unterwegs war … NACHTRAG: weitere Bilder, ein kleines Video – und jede Menge mehr Links zu dieser und ähnlichen Reisen!

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5 Antworten zu „Polarlicht vom Schiff vor Norwegen – so geht’s!“

  1. Michael Wilkes sagt:

    Daniel, absolute Spitze!!!

  2. Live-Blog zu Sonnenflare & CME vom 23. Januar « Skyweek Zwei Punkt Null sagt:

    [...] Stunden sah, ist ‘das Übliche’ für Orte nahe des normalen Auroraovals, wie auch die Aufnahmen dieses Bloggers vom letzten Jahr (ohne nennenswerte Sonnen-Action) verdeutlichen: Ein Bezug zum CME-Impakt wie hier [...]

  3. Polarlicht-Jagd vor Norwegen: die zweite! « Skyweek Zwei Punkt Null sagt:

    [...] Dritteljahr nach der erfolgreichen Premiere im November 2012 ist der Blogger gerade wieder als Reisebegleiter auf einem Schiff der Hurtigruten [...]

  4. Das Aurora-Spektakel der Kong Harald vom 20.3. « Skyweek Zwei Punkt Null sagt:

    [...] wiederum befreundet mit einer anderen bulgarischen Hurtigruten-Sängerin, die dieser Blogger letztes Jahr auf der Polarlys kennengelernt hatte – und die wiederum den Aurora-Ausbruch vom Oktober 2011 (letzter Absatz) [...]

  5. Aurora-Impressionen aus Norwegen – zum Dritten « Skyweek Zwei Punkt Null sagt:

    [...] November 2011 und März 2012 (noch mehr Bilder) kann dieser Blogger auch von der laufenden dritten [...]

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