Nordkorea vor dem nächsten Startversuch?

Nur eine Woche nach der großen Unha-Pleite verdichten sich die Anzeichen, dass es Nordkorea womöglich bald noch einmal versuchen wird: Damals sind offenbar zwei weitgehend identische Raketen zum Startgelände gebracht worden, die Ursache des Versagens am 13. April hat man angeblich schon heraus gefunden – und es soll gar ein auf fünf Jahre angelegtes Raumfahrtprogramm geben. Wie man sich selbst das Versagen der Unha 3 erklärt, ist nicht bekannt, aber westliche Beobachter gehen – anhand von Informationshäppchen, die ihnen diverse Geheimdienste steckten – inzwischen meist davon aus, dass noch während des Brennens der ersten Stufe die Nutzlastverkleidung aufriss und die dritte Stufe auseinander brach. Davon zeugte offenbar ein heller Blitz nahe der Spitze der Rakete, von dem schon ganz früh die Rede gewesen war, und es soll etwa 81 Sekunden nach dem Start passiert sein. Das wäre entgegen einigen Berichten allerdings erst deutlich nach der maximalen Belastung (Max Q) gewesen, die bevorzugt zu Vibrationen und strukturellem Versagen unzureichend konstruierter Raketen führt.

In dem vermuteten Szenario – auf dem die neue Simulation oben basiert – brannte die erste Stufe nach dem Disaster jedenfalls noch weitere 40 Sekunden weiter und setzte ihre planmäßige Bahn fort, bis zu ihrem regulären Brennschluss 120 Sekunden nach dem Abheben. Da in der längst zerstörten 3. Stufe aber vermutlich die Steuerung für den gesamten Flug saß, erging anschließend das Kommando zum Abtrennen und Zünden der zweiten nicht, und das Paar stürzte Minuten später ins Meer, bereits zu einem Trümmerregen zerfallen. Wo genau die Reste nieder gingen, darüber widersprechen sich die offiziell von verschiedenen (nichtnordkoreanischen) Seiten genannten Koordinaten nach wie vor: Raumfahrtexperten geben meist der südkoreanischen Interpretation den Vorzug, wonach man es praktisch mit der geplanten Trajektorie der 1. Stufe zu tun hatte, was zu einem Impakt bei 124°O 36°N geführt haben sollte. Die Marine des Landes hat die Suche nach Raketenresten gleichwohl ergebnislos wieder einstellen müssen, auch weil das Meer in der vermuteten Absturzregion zu schlammig war.

Gestern hat sich dann die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA wieder zu Wort gemeldet: Inmitten endloser wüster Beschimpfungen der – reichlich vorhandenen – Kritiker Nordkoreas erfuhr der Leser immerhin, dass die Untersuchung des Unha-3-Unfalls bereits abgeschlossen sei. Konkrete Ankündigungen, was als Nächstes kommen solle, folgten zwar nicht, aber die kuriose Zeitung Choson Sinbo in Japan – die als Sprachrohr Pyongyangs gilt – hatte zuvor von einem Fünfjahrplan gesprochen, der die Entwicklung einer noch größeren Rakete und gar geostationärer Satelliten vorsehe. Und in Südkorea hieß es heute (basierend auf US-Geheimdienst-Informationen) wiederum, dass um den 23. März zwei offenbar identische Raketen zum Startgelände gebracht worden seien, von denen ja erst eine gestartet ist. Hinweise auf konkrete Startvorbereitungen der zweiten scheint es aber nicht zu geben. Analyse von Global Security; Jonathan’s Space Report, Russia Today, Telegraph, CNN, SpacePorts 20., KCNA, NordkoreaTech 19., Flight Global, AP 18., BBC 17., Yonhap, AFP, LiveScience, Star Tribune 16., All Things Nuclear, AmericaSpace 15.4.2012. NACHTRAG: Obergs Erinnerungen

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