Fünf große Satelliten finanziert: China puscht – endlich – seine Weltraumforschung

Über 100 Satelliten hat die VR China bereits in den Weltraum gebracht, aber nur ein einziges Projekt – Double Star zusammen mit der ESA – diente allein der Forschung; auch die beiden Mondmissionen waren bzw. sind (s.u.) eher als Ingenieurexperimente zu sehen. Aber das wird jetzt anders: Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hat in ihren 10-Jahres-Plan „Innovation 2020“, der ab diesem Jahr gilt, fünf z.T. ziemlich anspruchsvolle Forschungssatelliten aufgenommen, die bis 2016 starten sollen. Für die Weltraumforschung stehen in den kommenden 5 Jahren 3.6 Mrd. Yuan (400 Mio. Euro) zur Verfügung, und es soll ein neues Nationales Zentrum für Weltraumforschung entstehen. Den Anfang der neuen Ära macht das Hard X-ray Modulation Telescope (HXMT), dessen Start schon mehrfach verschoben worden war und das nun 2014 abheben soll: Geplant ist eine Himmelsdurchmusterung mit großem Gesichtsfeld. Andere der nun möglich gewordenen Missionen beschäftigen sich u.a. mit Weltraumwetter, Dunkler Materie & Energie und … Quantenverschlüsselung. (Science 20.5.2011 S. 904)

Chang’e verlässt im Juni den Mondorbit wieder – und zwar in Richtung des zweiten Lagrange-Punkts

Die Informationen sind vage, aber es scheint nun fest zu stehen, dass der zweite chinesische Mondorbiter Chang’e 2 (siehe ISAN 123-8) nach der Aufnahme von allerlei Bildern (von denen aber kaum etwas veröffentlicht wurde) am 16. Juni wieder aus der Umlaufbahn entfernt und zum Lagrangepunkt 2 des Erde-Mond-Systems geschickt wird, also von der Erde aus gesehen „hinter“ den Mond. Was er dort tun soll, wird nicht verraten, und Beobachter vermuten, dass es vor allem um’s Ausprobieren der Himmelsmechanik geht. Und was hat Chang’e im Mondorbit getrieben? Geschichten von einer globalen Mondkarte mit 7 Metern pro Pixel erscheinen – im Vergleich mit anderen, großen Mondmissionen – eher fragwürdig. (Planetary Society Blog 18.5.2011. Und ein NASA Feature 19.5.2011 zur Fertigstellung des GRAIL-Mondorbiter-Paares der NASA, das Ende des Sommers starten soll [NACHTRAG: und soeben am Cape angekommen ist])

Ärger mit GSLV-Rakete verzögert zweiten indischen Mondorbiter: Frühestens 2014 kann Chandrayaan-2 („Russischer Lander …“) starten, weil die indische Raumfahrtbehörde die dafür notwendige Großrakete GSLV nach mehreren spektakulären Fehlstarts noch einmal gründlich in die Mangel nehmen will. Russland soll inzwischen zugegeben haben, dass eine Designschwäche der Nutzlastverkleidung die Ursache für zumindest das jüngste Versagen im Dezember 2010 war. (India Today, DNA 15.5.2011. Und PTI 27.4.2011 über eine mögliche indisch-amerikanische Mond-Kollaboration und BBC Online 18.5.2011 über einen vorgeschlagenen ESA-Mondlander 2018 als Vorbereitung eventueller bemannter Missionen, den aber der Ministerrat noch absegnen muss)

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Eine Antwort to “Fünf große Satelliten finanziert: China puscht – endlich – seine Weltraumforschung”

  1. Allerlei Nachrichten vom Mond kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] am Mars) verstanden werden kann. Beobachter hatten eher mit einer viel einfacheren Reise zum L2 des Erde-Mond-Systems („Chang’e verlässt …“) gerechnet. Vor dem Aufbruch war Chang’e 2 […]

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